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Full text of "Geschichte Preussens : von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des deutschen Ordens"

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Geſchächte 
Preuſſens. 





Geſchichte 
Preuſſens, 


von den aͤlteſten Zeiten 
bis 
zum Untergange der Herrfchaft des Deutfchen Orbens, 
J 


Johannes Voigt. 


Achter Band. 





Die Zeit vom Hochmeiſter Konrad von Erlichshauſen 
1441 bis zum Tode des Hochmeiſters Ludwig 
von Erlichshauſen 1467. 





Königsberg, 
im Verlage der Gebrüder Botrnträgert. 
1830 708 


Inhalt. 


Kopitet L ' 
Bahl Konrads von Erlichshaufen zum Hochmeiſter 
Ausgleichung mit dem Deutfchmeifter . . - » +» 
Landesbudigung . 0: 0 000 ee re 
Sopfahrt zu bin .- - 0... 
Bauernaufruhr im Ermland . . . . - 
Ounftbe,eugungen des Hochmeifterd gegen Sande 
Berhättniffe zu den Nahbarfürfen . + + 
Berhöltniffe zu Dinmarl . oo... 
Tagfahrt zu Eli . oo 000. 
Behandlung wegen der Bölle - 0. » 
Berbandlung wegen des Pfundzoled . . » 
Behandlungen in auswärtigen Berhältnifien 
Verhandlungen über den Pfundzl . . » 
Einigung über den Pfund;oll Ber ur 202 
Sandelsverhältniffe oe KL 0 09 
Streit wegen der Reumarl . oe 0. 00. 
Ausgleihung mit dem Kurfärften von Brandenburg wegen 
der Numal . oo 000000. 
Verſuch zur Auflöfung des Bunde . .. 0. 
Berhandlungen mit den Nachbarfärften - . - o 
Unzufriedene Stinnuung im Yande . « oo 0... 
Berhältniffe zum Kurfürften von Brandenburg .. 
Bandebordnun « « «os. - a 
Streit wit Kulm und horn wegen des Pfundzolles 
Verhaͤltnifſe mit Holland. 0 0 ne 


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vs  Imbale., 


2. 
* 


Ausgleichung mit Herzog Heinrich von Meklenburg 
Never Streit mit dem Kurfuͤrſten von Brandenburg 
Der Papft und der Orben .o co 00% 2 90 0. 
Der Hochmeiſter und die Stände - - oo . 0. 
Verhaͤltniſſe des Drdens zu Littfauen und Polen . 
Verbättniffe des Ordens zu Pommern . . . . 

* Berhäliniffe des Ordens zum Kurfürften von Branden 
Verſuch zur Aufdfung de6 Bundes . . 
Verhättniffe zum Roͤmiſchen Könige . 
Berbandlungen n zen des Ablaßgeldes 
Sinanzbedrängnifle des Ordens - . » 
Sandelsverhältniffe mit dem Auslande 
innere Landesverwaltung - » - o . 
Drdensdifctplin . 82 0 0 0 0 0 0° 
Annere Drbensverhältnifie  - - - « 
Streit wegen des Deutfhmeifters . - . 
Verhandlungen mit dem Kurfürften von Brandenburg 
Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters zu den Herzogen von Ponımern 


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Werbättniffe des Hochmeiſters zum Könige von Polm » «+. 


Kriegshuͤlfe nach Livlond . oo oo De 0. 0. 
Drdenslapitl - 0 0 0 a 2 0 0 en. 0. 
innere Drdensdifhpin «oo oo 0110.00 
Verhaͤltnifſe des Ordens zum Könige von Poln . . - 
Verhättniffe des Ordens zum Könige Erich voh Dänemark 
Berbältnife zu Dänemark und Shwcn .- . .. + 
Verhandlungen wegen Üblafgeld .„ 2 oo “0 0. 
Verhandlungen wegen Ablaßgeld und Peterspfennig - 
Berbandiungen wit dem Bifchofe von Ermland . . 
Sandelsverbältniffe im Lande und mit dem Auslande 
Sandelsvertrag mit Holand . « oo 
Handelsverhaͤltniſſe mit England « co. oc... 
> Berbandlungen mit den Königen von Dänemark und Sarorden 
Berbältniffe zu Polen « oo 0 0 ee ren 0. 
Berhäitniffe zu dem Kurfürften von Brandenburg . . + 
Kaspar von Iendurg «© « oo 0 1 0 ev oo 0% 
Schluß des Streites mit den Holändern, Geeländern und 
Sreiländen 0 0 0 0 0 0 0 1 1. 8. 0. 
Berbandlungen wegen der Statuten Werners von Orfeln 
- Innere Landes verhaͤltniffe a rt 1 [8 9 — L 8 ep 
Konrads von Erlihshaufen Krankheit und Tod . . - « 
Konrads von Erlihshaufen Berdinflie  - oo 0 00. + 


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EERFIERR 


Inhalte 


Kapitel IM. 


« % 


Gatungen der Gebletiger 


Berbandlungen wegen ded Jubeljahres 
Baht des Hochmeiſters Ludwig von Erlichthauſen 
Berhandtung wegen der Huldigung -. 
Sogfehrt u Ein - . » .. 


Suldigung 


v . ® 


Der Biſchof von Ermiand und der Dentfchmeifter 


Arswaͤrtige Berbätmife . - - 
Innere Berbältnife . -. - 


Der paͤpſtliche Legat Ludwig Diſchoĩ vi von Silve⸗ 


Sagfahrt u Ein . » ... = 
Abreiſe des Legaten . . - 
Die Eidechlen:Ritte . „ -'. 
Reue Sährung im Lande. . . 
Spaltung im Bunde . . » 
Berhandlungen mit den Berbändeten 
SeneratsStapttel su Marienburg . 
Verhandlungen mit den Ständen 
Gteigende Saͤhrung der Partien 
Gendung an den Kalfır-. . . 
Berhandiungen por dem Koffer . 


Umtriebe und Bewegungen der Parteien im 


L [} ® “ 


. 08 2 0 9 2 18 5 


Streit wegen Schoß: Erhebung . +» « » 


Gnnäherung des Bundes an Polen 
Tagfahrt zu Marinwerdr . . . 
- - Reue Umtriebe der Verbündeten . 
Belondefcheften 'ari den Katferhof . 
Drobende Bewegungen im Lande . 


Sagfahrt der Berbändeten in Graudenz - 


Ausbruche der Parkiwuth -. . . 


dans von Baiſen als Bundeshaupt - , 


Kopitel ir. | 


Redtsfkeit vor dem geiſer eo. 
Rechtsſpruch des Kalfre . - . . 
Steigende Gaͤhrung Im Lande . 
" Verbindung des Bundes mit Polen 


Gteigende Erbitterung der Verbündeten“ 


Sriedensnerfuh des Hochmieiftere . 


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rn Inhalt 


Kriegeriſche Stellung des Bundes gegen den Orden 
Abfall der Verbündeten vom Diden . - : . .» 
Einnahme von Thorn » © 2 - ve 0. . 
Einnahme der Drdensburgen durch die Verbündeten 
Bedrängnif des Ordens - - 2 2 0 0 0... 
Unterwerfung der Verbündeten unter. die Herrſchaft Pole 
Belagerung des Haupthaufes Marlendburg . - 
Bemühungen des Hochmeifters um fremde Beihuͤlfe 
Der König von Polen. in Preufien - o «+ ° 
Belagerung Mariendburge . , oo 0 0 « 
Sopfahrt zu Brauden - © 4 0 0 0 0. 
Stuhms Berluft.. .- PEuuer ar Ye er vr 0 4 
Känıpfe vor Marienburg mit den Danzigern 
Schlacht bei Konid - © 2 0 0. 0. 
Miedergewinn eines Theils des Landes . - 
. Unzug der Eöldner nach Preuffen . . - » 
Verſchreibung de6 Hochmeiſters an die Söldner . . 
Teuer Einfal des Königes von Polen ins Ordenegeblet 
Abzug des Königes von Polen aus Preufien 0 + . + 
Bedrängniffe des Drdens durch die Sälöne . oo « oo « 
Sriegserlgnifie © 0 0 0 0 lerne. 
Ergebung Königsbergs und anderer Städte Im Niederlande 
an den Dden oo 0 0 0 0 0 0 1 0 1 8 0 0. 
Die Berbündeten in der Riihsaht . oo 00°. 
Berbandlungen mit Brandenburg und Dänemarl . « . «» 
Verhandlungen mit dem Kurfürften von Brandenburg . . 
Ergebung der Städte im Hinterlande . - oo oo 1. ° 
Vermittlungs⸗Verſuche des Kurfuͤrſten von Brandenburg 
".  gwifchen Polen und dem Hohmeflr . - x 0. . 
Neuer Kriegszug des Königes von Polen ins Kulmerland . 
Bedrängnifle dur die Söldner. - - 2 0 4864 
Sortfchritte der Ordendfahe - - + » - a 


eo. 0 


 ...—.— 0.000 . Beer. 


—— 


Bedraͤngniß des Ordens durch die Sdidner ... 
Steigende Verwirrung im Lande... 
Bedraͤngniſſe des Ordens durch die Soͤldner.. 
Verhandlungen wegen Verkauf des Landes.. 
Unterhandlungen mit den Soͤldnern wegen Berkauf des Landes 
Unruhen in Thorn, Kulm ꝛꝛc. 2 00. 0% 
Verhandlungen mit den Soͤldnern wegen Verkauf des Landes . 
Berlauf des Landes an den König von Polen. . - » » 


Auftuht zu horn und Dans. oo co on 0 0. . 


⁊ 


& 


Inhalt. ıx 


Auftuhr zu Danzig . . ® * “ 0 0 0 . « « 508 


Berhandlungen mit den Söfönen . . . - « ... 510 
Hüfflofigteit des Hochmeiſters und des Drdend . . « . . 513 
Georg von Schlieben im Swift mir dem Drdm . . . + 520 
Letzte Hoffnung auf Huͤlfe für den Orden .ı. « ou. . 523 . 
Kutmifche Bifhofswahl > - - 0 2 0. 0 0 0. 54 
Einzug des Königes von Polen ins Land - . - x . . 527 
Beſezung Mariendburgs '. . '. 0.0... 59 
Auszug des Hochmeiſters aus Marienburg ee. . 52 


Kapitel IV. 
Einzug des Königes von Polen in Mariendurg . . - . 53% 
©tand der Verhaͤltniſſe im Lande - © 2 0 2 0 2 2. 5% 
Wicedergewinn der Stadt Mariendburg . - «0 0 0. 52 
Kämpfe um Martenburg . © . . » . 543 
Kriegsfehden um Marienburg und im Innern bes Landes . 550 
Marienburgs Belagerung durch den König von Polen . 557 
Maffenfiliitand zwifchen ’Pölen und dem Orden . . 56 
Streit wegen der Biſchofewahl in Emland ... . 565 
Sriedensverfuhe . . . 0. ..+ 571 
Gtreithändel während des Beifriedens . Fe  :7 > 
Kriegshaͤndel nad) den Waffenftilftande . oe. 0. 0.575 
Bauliher Ki - © = 2 2 0 0 1 er rn nr: 5 
BWaffenftinftand mit Mafovin - oo 0 0 00 0 0. 583 
Sanfens von Ballen Tod. » 2 2. 434 
riedensperfuhe - © 2 0 0 0 0 0 ne 
Marienburgs Belagerung .« . .... 4889 
Marienburgs Uebergabe an den Röntg von Polen „ . . 597 
Wehlau's Uebergabe an den Orden . oe... 589 
Siege: urd Raubfehden - “2 2 2 60 
Dlanlofes Kriegegetümmel . . . 0000... 66 
Unordnung und Zuchtloſigkeit im Sande 0.2 000. 606 
Sraurige Page der Bifbümr - > 2 0 0 0 0 0 0. 608 
Planloſes Kritgegetunnel . . oo .. rer. bi 
euer Kriegszug des Könige - oo 00 0000. 685 
Braunsbergs Befrlung . . 2 2 ee 0... . 617 
Unzufriedenheit der Stände niit dem Könige - 4 + 619 
Tagfahrt zu EibinG . - .. 464 86821 
Srie‘eneverfuche und Rriegefehden 0. 00. 63 
Kriegöfehden vor Srauenburg und Broundberg « “er... 697 


1" 





Inhalt. 


Schlacht im Putziger Winkel oder bei Zarnowiß 


Unglüdliche Kriegsfehden für den Orden 


Sriedensverfuche . eo 0 000 90 0 0 0° 
Die Zagfahrt u Ole - - oo 0. — 
Berrärherei in Danzig - oe 0000. 
Belagerung der Stadt Mwe . . . . » 


oe. oe — 0 


. oo, .d e. DB 


Waffenftiüftand Bernhards von Sinnenderg mit Holen 


Uebergabe von Mewe . 


Gtelung der Göldnerhauptiente zum Orden - oo + 
Unterwerfung des Bifchofs von Ermland unter Polen 
Sriedensverhandlungen auf dem Tage J Som 


Belagerung Neuenburg - . - 


VUebergabe Neuenburgs an ben König von Yolm 


Meue Bedrängnifle des Ordens . . - + 
Tagfahrten auf der Friſchen Nehring - - 
Belagerung von Stargatd + - . + 
Ungluͤckliche Ereignifle für den Orden . 
Sriedensverhandlung zu Thorn . + « 
Sriedensfhluß zu Sbom » - « . © 
sole Pr 

Ausführung des Friedensſchlufſes « + 


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gfahrt zu Elbing - .» 00 0 ..o 
Tod des Hochmeiſters Ludwig von Erügeganfen 


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Berbefferungen zur Gefhihte Preuffene. 
" Achter Band. 


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Auguſtin von Trotzler 
Kruͤgers 

beiden 

Stargard zuruͤd 


Wahl onrads von Erlichshauſen zum 
Hochmeiſter. (1441.) 


Erſtes Kapitel. 


© war Fein Ungluͤck fiir Preuffen, daß ver Hochmeiſter Paul 
von Rußdorf der Verwaltung entlagte und bald darauf durch. 
ben Tod vom Schauplage der Ereigniffe hinweggerufen war, 
fan es war eine Aufgabe zu Iöfen, ber er, wie er. auch noch 
in der legten Zeit bewiefen, keineswegs gewachſen ſchien. Alles 
Band wie im Orden, fo im Lande in voller Zwietracht und 
wien Zenvinfniffe da. Die Spaltung in jenem war durch 
die Verhandlung zu Danzig nicht nur nicht ausgeglichen, ſon⸗ 
dem der Deutfchmeifler kehrte mit. vermehrtem Grolle nach 
Deutſchland zurüd. Auch mit dem Meifter von Livlanb ges 
lang feine Sühne Es war nicht abzufehen, wohin die Erbit⸗ 
terung der Parteien noch führen werde. Daneben flanden Lande 
md Städte in ihrem Bunde vereint zufammen, im vollen 
Bewußtſeyn ihres Rechtes und ihrer Kraft, feſt entſchloſſen, 
auf ihrer Bahn fortzufchreiten und ihrer Eidgenoffenfchaft neue 
Gewähr und Feſtigkeit zu verfchaffen. Kulm und Thom hatten 
daher noch in Pauls von Rußdorf legter Bert insgeheim vine 
Gefandtfchaft an ben Röm. König Friederih mit der Bitte 
um Betätigung ihres Bundes auögefertigt und es gluͤckte die⸗ 
ſet, im Anfange des Februars des Jahres 1441 ein koͤnigliches 
Diplom auszuwirken , wodurch der Bund und deſſen Erwei⸗ 
terung mit ſeinem Zwecke, jedem Bedraͤngten und Bedruͤckten 
va 1 


2 Wahl Konrads v. Erlichshauſen zum Hochmeifter. (1441.) 


feine Rechte, Zreiheiten und Privilegien aufrecht zu erhalten 
und gegen Gewalt und Unrecht zu fehlten, vom Könige ſelbſt 
gut geheißen, beflätigt und ausdruͤcklich erflärt wurbe, daß alle, 
welche fich bereitö mit den genannten Städten verbunden ober 
noch verbinden winben, bie vom Könige ertheilte Freiheit und 
Gnade genießen und baran fie nichts in irgend einer Weife 
iyren oder hindern folle; jeboch zrätelten ſie daneben such bie 
Meifung, daß fie dem Hochmeifler und ihren Obern nad In⸗ 
halt ihrer Privilegien alles leiſten und thun folten, was fie 
ihnen von Rechts wegen ſchuldig feyen. Alle geiſtlichen und 
weltlichen Fuͤrſten und Staͤnde des Reiches wurden gewarnt, 
die Verbuͤndeten im Genuſſe der ifnen, ertheilten Bewilligung, 
Gnade und Erlaubniß irgend wie zu irren, zu bebrängen oder 
zu befchweren.D Wie die Sendboten dieſes für die Verbuͤnde⸗ 
ten hoͤchſt wichtige Diplom erlangt hatten, wußte Peiner, felbft 
der König nicht, wie er fodter erklaͤrte. Allen fchen daß es 
vorhanden mar, gab dem Selbfivertrauen ber Bundgenoſſen 
reue Feſtigkeit und ihrem Meiterfireben neuen Schwing. Zwar 
unterließ auch der Orden nicht, um bed Roͤm. Königes 
Gunſt zu buhlen; allem es brachte wenig Erfolg, daß der 
Statthalter des Hochmeiſters Nicolaus Poſtar, Komthur zu 
Danzig, ° durch eine Botfchaft Zrieberichen im Namen bed 
Ordens zu feiner Erhebung Stud! wänfchen, ihm des Ordens 
Freude bezeugen und um feine Hulb ımb Gnade für bens 
ſelben bitten lieg, >) 

1) Das Original des koͤn. Beſtaͤtigungsbriefes, d. Montag nach 
unfer U, Srauen=Tag Purif. 1441 mit dem koͤnigl. Siegel im Raths⸗ 
Aechiv zu Thorn, gedruckt in Preufſ. Samml. B. U. S. 348, Baczko 
Geſch. Preuffl. B. BU. ©. 373. Dumoxt T. M. 1. p. 181; vergl. 
Chmel Regeften d. Roͤm. Königes Friederich p. 23. Lümig Spichteg. 
Eocles, Reichsarchiv des D. O. 4 — 36. Aonaas Sykaus Commen- 
tar. jagt: Fridericus gqmomme imperator ehlem federi robur adienis, 
cautione tamen inserta, ne per zuas litteras ius religionis loderent, 

2) Vgl. oben 3, VU. ©. 786, Jaenichti Meletemata Thorunen- 
sia T. H. p. 2%, 

3) Schr. des Statthalters an den Rs König o. D, (1441) 
SH, IV. 155. 





— 


Wahl Kontads v. Erlichshauſen zum Hochmeiſter. (1441.) 3 


Da traten Lande und Staͤdte mit den vornehmſten Ge⸗ 
bietigern, bevor noch ein neuer Meiſter an ihrer Spitze ſtand, 
zu einer Tagfahrt zuſammen, denn ſowohl die aͤußern als in⸗ 
nern Verhaͤltniſſe des Landes forderten jetzt nothwendig ein 
thaͤtiges Eingreifen in die Verwaltung. Es ward zuvoͤrderſt 
eine Botſchaft nach Kampen ausgeſandt, um bort auf einem 
bereits früher anberaumten Tage mit den Sendboten von Hol⸗ 
land und Gedand bie Mißhelligkeiten wegen Verguͤtung für 
bedeutende durch bie Holländer erlittene Verluſte, befonders fuͤr 
die feirher weggenommenen SPreuffifchen ımb Lipvlaͤndiſchen 
Schiffe auszugleichen; allein ba die Holländer den verlangten 
Schadenerſatz zu hoch fanden, fo blieb die Verhandlung erfolg: 
los; es warb ein neuer Tag nach Pfingften aufgenommen. ! 
Darauf boten auf der Tagfahrt auch des Landes innere Vers 
haͤltniſſe reichen Stoff zur Berathung bar. Derfelbe Seift, der 
im weftfihen Preuffen die Ritterfchaft und die Städte zu eirter 
Bundeseinigung getrieben und bereit5 auch in Livland zu aͤhn⸗ 
lichen Erfcheinungen führte, indem auch dort bie Städte zu 
räftigerem Entgegenwirken gegen den Orden ben Landesadel 
an fich zogen und auf Zagfahrten ſich mit ihm fiber beiderfets 
tige Intereffen verftändigten, ? regte auch im oͤſtlichen Preuffen, 
wo bis jetzt das Bundesintereffe fich noch wenig wirkfam ges 
zeigt, hie und da allerlei umruhige Bewegungen an. Im Koms 
thurbezirke von Balga, in den Gebieten von Woria und Eilau 
und im Brandenburgifchen waren die Freien im Streite darüber, 
ob man den Bundesbrief mit befiegeln folle oder nicht; einige 


1) Bericht der Sendboten, des Vogts von Brathean Sriederich von 
Nickeritz, u. a. aus Rampen Mont. nach Palmar. 1441 Schbl. XXXMI. 
43, Die fpertellen Berbandlungen ih einem Recessus Ambassiatorum 
id Campen In Hanfaet, Neceff. VI. 484 u. f. Die Preuffe Sendbos 
ten verlangten 42,000 Pfund Groſchen als Schadenerfat- 

2) Schr. des Livländ, Meifters an d. Ordensmarſchall Konrad 
von Erlichſshauſen, d. Riga am T. Prifeä 1441 Schbl. IV. 40. Die 
Städte Hatten befonders die Abweſenheit ded Meifters in Preuffen - 
benupt, nm die Ritterfchaft an ſich zu ziehen und Zagfahrten zu hal⸗ 
ten. Ropebue B. IV. 260, 

1* 


% Mahl Konrade v. Erlichshauſen zum Hochmeiſter. (1441.) 
erklaͤrten ſich dafuͤr, andere widerſtrebten, viele ſtanden noch 


unentſchloſſen und ſchwankend da, alſo daß in der Verwirrung 


der Meinungen ſich noch kein gemeinſamer beſtimmter Wille 
fund gab. ') .Ungleich entſchiedener trat jedoch im Stiftsgebiete 
der Domherren von Frauenburg, beſonders in der Gegend von 
Melſack, das Landvolk einer Anzahl von Dörfern, mit feinen 
Schultheißen an der Spige, durch Verweigerung aller Schaar> 
werködienfte feiner Obrigkeit entgegen, denn auch hier hatte der 
Funke des freien Geifted ſchon in der Bruſt ded Lanbmannes 
gezuͤndet und trieb bald weiter zu wichtigen Ereigniffen. 2 

Mittlerweile war die von ben oberſten Gebietigen zur 
neuen Meiftermahl beftimmte Zeit herangerudt. Die beiden 
Meifter von. Deutfchland und Livland, Eberhard von Saunß⸗ 
beim und ‚Heidenreich Finke von Overberg, hatten ber Einlas 
bung nur erſt dann folgen wollen, als ihnen und ben Ihrigen 
in dem aufgeregten und durch Zwiſt entzweiten Lande völlige 
Sicherheit verbürgt war, ein. Beweis, wie ſtark noch immer 
Srol und Parteiung unter den Orbendrittern obwalteten. ® 
Erft nachdem fie fi buch Botichaften unter einander ver⸗ 


ftändigt, Iangten fie im Anfange des Aprild im Daupthaufe 


Marienburg an, mit ihnen die Vornehmften ihrer Gebietiger. 
Der zwölfte April, Mittwoch vor Oftern war ald Wahltag an⸗ 
geordnet. Wohl noch nie hatte fo außerordentlich viel auf der 
Derfönlichkeit des neuzuerwählenden Meifters beruht, denn es 
galt jest, nicht bloß mit flarker Kraft des Willens, Feſtigkeit 


1) Schr. des Komthurs v. Balga, d. Eilau Donnerſt. vor Judica 
1441. Schbl. LXXVI. 61. 

2) Daß ſchon im Anfange des Jahres 1441 aufruͤhreriſche Bewe⸗ 
gungen im Bauernvolke um Melſack im Schwange waren, bezeugen 
Berichte des Biſchofs und Domkapitels von Ermland. 

3) Ueber das Mißtrauen gegen bie Ordensgebietiger in Preuffen 

Schr. des Livl. Meifters an d. DOrdensmarfhal a. a. O. 
4) Schr. des Ordensmarfhalls an d. Statthalter, d. Königsberg 
Sonnab. vor Judica 1441 Schbl. IV. 40. Mit dem Deutfchmeiiter 
kamen die Komthure Joſt von Venningen zu Mergenthein, Albrecht 
. gortf zu Frankfurt, Johann von Nippenburg zu Heilbron u. a, 


nn) 


Wahl Konrade v. Ertihshaufen zum Hochmeiſter. (1441.) 5 


der Grundſaͤtze, Entſchiedenheit der Gefinnung und des Han: 
deind, fondern zugleich auch mit umfichtiger Mäßigung, kluger 
Schommg und ruhiger Beionnnenheit in den Sturm der Be: 
wegungen einzugreifen und überall, in den wilden Parteiungen 
bed Ordens, wie in den politiichen Wirren bed Landes ſtets 
feinen Mann zu flehen. Als einen Mann foldhes Geiſtes hatte 
fech bisher immer ſchon der Drbensmarfchall Konrab von Er: 
Kiyshaufen hervorgethan; auf ihn fiel daher auch einflimmig 
die neue Meifterwahl. D Aus einem alten, eblen Haufe im 
Frankenlande im Landgebtete von Ottenwald entfproffen,, wo 
das Geſchlecht der Erlichöhaufen oder Elrichshauſen ſchon feit 
Jahrhunderten blühte, 2: nennt ihn die Chronik einen fchönen, 
anfichtigen Mann mit gelben Flachshaare und kurzem Bart, 
getteöfürchtig und fromm, einen Friedenöfinften in feiner Ge⸗ 
finnung. ? Manches Amt fchon hatte ihn erprobt und eine 
reiche Erfahrung in den Verhältniffen feines Ordens lag in 
feinem Geiſte. Drei Jahre, von 1415 bis 1418, war er als 
Kompan im Dienfte des Hochmeifterd Michael Küchmeifler von 
Etemberg und dann ald Vogt in dad Amt Roggenhaufen ver: 
fett worden , welches ev bis zum Jahre 1421 verwaltet. Im 
den naͤchſten Jahren erfcheint er als Komthur von Ragnit, wo 
ee dem Amte in rühmlicher Verwaltung bid gegen Ende des 
Jahres 1432 vorfland. d Der Ruf feined frommen und recht: 


1) Negiftrant VIEL. p. 1. X. p. 1. Fol, A. p. 16, wo überaft auch 
de Einſtimmigkeit der Wahl bezeugt wird. Schütz p. 145. Auch 
über den oben angenommenen Wahltag Tann nach) diefen Quellen kein 
Gtreit mehr ſeyn; vgl. Koßebue B. IV. 261, Index corporis., hi- 
sierico - diplom. Livoniae T. I. 315. Die Ordens: Ehron, p. 174 giebt 
Yen 3. April, Mittwoch zu Oftern als Wahltag an, ' 

2) Heltbad Adels⸗-Lexicon B. I. 327. Auch in’Urkunden wech 
ſelt die Schreibart Erfihehaufen, Erlingshaufen und Elrichshauſen. 
Rah BSauhe Adels⸗Lexicon B. J. 370 kommt ſchon im IJ. 942 die 
Zamilie von Erlichshauſen unter den Turniergenoffen zu Rothenburg 
ver. 

3) Alte Preuff. Chron. p. 46. Ordens⸗Chron. p. 179. 

4) Die Nachweife in Urkunden umd Briefen en LIV. 19, 
LXVIL 67. Aemterbuch p. GZLIL u, in fine. 


— 6Ausgleichung mie dem Deutſchemeiſter. (1441.) 


ſchaffenen Lebens bewog ſchon damals bie Bruͤderſchaft der 
Pfarrer von Samland, ihn des Gnadenheiles ihrer Meſſen und 
aller gottesdienſtlichen Uebungen theilhaftig zu erklaͤren. ) An. 
derthalb Jahre begleitete er darauf die Winde des Großkom⸗ 
thurs und tsat endlich im April 1434 in die Verwaltung des 
Ordensmarſchall⸗ Amtes ein, verwaltete es aber nur bis zum 
November 1436, worauf er in ſchnellem Wechſel zuerft als 
Komthur nach Althaus und dann im Jahre 1437 nad) Thorn 
verſetzt warb, bid er im Anfange bed Jahres 1440 zum zweis 
tenmal als Ordensmarſchall ſchon Fräftig und entfchteben in 
die Verhältniffe der flünmifchen Zeit mit eingriff. 2 

In diefen Aemtern hatte Konrad von Erlichshauſen Zeiten 
burchlebt, in benen es feinem Geifte bei dem Hinblicke auf die 
ungtüdfeligen Ereigniffe nicht fchwer werden konnte, jet aufs 
Plarfte zu erfennen, was in feiner hohen Stellung ald Meiften 
und Landesfürft zu thun und zu laſſen ſey. Er faßte vor 
allem zwei Gefichtöpunkte feſt ind Auge, die zunaͤchſt bie Biele 
feiner ganzen Thaͤtigkeit fein mußten, wenn eine gebeihliche 
Zeit für den Orden und bad Land herbeigeführt werben ſollte. 
Der eine, bie Auögleichung der heilloſen und grundverberblichen 
Zwietracht und Spaltung im Orden, war das Erſte, was ex 
in feinem neuen Amte mit ernſtem Eifer erfivehte, und die Ans 
voefenheit der beiden Meifler von Deutfchland und Livland bot 
hiezu hoffnungsvolle Ausfichten. Schon wenige Tage nad) ber 
Hochmeiſterwahl ließ ſich der Deutfchmeifler bereitwillig finden, 
im voraus zu verfprechen, daß er mit allen feinen Gebietigern 
den Rechtsausſpruch eine von einer gewiffen Anzahl von Or⸗ 
benögebietigern entworfenen fchiebsrichterlichen Anlaffes im Streite 
über die Statuten Wernerd von Orſeln gut heißen und unver 
brüchlich und kraͤftig aufrecht halten wolle. 2 Der Hochmeiſter 


1) Urkunde der Brüderfchaft des Pfarrer in Samland, d. am T. 
Matthät 1428 Schbl. LXVIL 67. 

2) Am Dienft. nad) Quaſimodogen. 1434 trat er zum erftenmaf 
das Ordensmarſchall⸗ Amt an; bie Umtslbergabe Schbl. EX. 44; 
vgl, oben B. VH. ©. 728. 755. 768. 


3) Url. des Deutſchmeiſters, d. Mar, Ofterbienflag 1441 Schbl. 


Ausgleihjung weit dem Deutſchmeiſter. (1441.) 7 


ſelbſt beadte fich mit den Gebietigem dahin geeinigt: ex wolle 
Heidenteich Finke von Dverberg ald Meifter von Lioland foͤrm⸗ 
sch befidtigen; es follte ein Obmann ernannt werben, zu weis 
chem der Hochmeiſter drei feiner Gebietiger, desgleichen jeber 
der beiden Meifter feine Bevollmächtigten nach Frankfurt a. d. 
D, zu einem Rechttage ſenden folle, um fich da nach Laut des 
Anlafled über einen Rechtsſpruch zu vereinigen. ) Um bie 
Ausgleichung zu erleichtern, wurden vom Hochmeiſter gewiſſe 
Statuten entworfen, wonach inskuͤnftige jeder Meiſter von Liv⸗ 
land in feiner Amtöverwaltung, beſonders zur Herſtellung ſtren⸗ 
gerer Ordnung und Zucht unter den Ordensbruͤdern, verſahren 
follte, um vor allem auch aller Parteiung und aͤrgerlichen Spal⸗ 
tungen im Orden vorzubeugen. ? Noch vor dem Tage zu 
Frankfurt aber erflärte der Hochmeifter nach vielfachen Bera⸗ 
ihungen mit bem Deutichmeifter, ber bis in bie Mitte, des 
Sommers in Marienburg verweilte, in Uebereinflimmung mit 
feinen Gebietigern: er nehme zur Vermeidung aller fernen 
Zwietracht und Spaltung im Orden die Statuten Werners 
won Drfeln unverändert und ohne weitered an und verfpreche 
aut allen feinen Gebietigern in Preuſſen, fie mit Kraft auf: 
recht halten und ihrem Inhalte nachkommen zu wollen zu allen 
Zeiten, es fey denn, daß, er mit den jetzigen oder fünftigen 
Meiſtern von Deutſchland und Lioland zu Rathe wuͤrde, ſie in 
irgend einer Weiſe zu verändern ober überpaupt ed damit an⸗ 


9, 16, IV. 41 (Abſchrift). Jaeger Cod. diplom, oT. s.h.a Der 
Yalaf war entworfen vom Treßler Johann von Remchingen, Heinrich 
Reuß von Plauen Komthur zu Balga, Joſt von Venningen Komthur 
za Mergentheim u. a. Der Deutfhmeifter verfpricht die Aufrechthal⸗ 
mag des Ausfpruches im Ramen aller Gebietiger in Deutfchland, doch 
nene die zu Marpurg, Byeſſen, Utrecht und Weſtphalen Gebietiger und 
Brüder, die von uns geflagen fint. ” 

1) Schr. des HM. an d. Landkomthur von Elſaß, d. Mar. am 
zZ. Seorgii 1441 Schbl. 103. 27. Der Tag zu Sranffurt follte auf 
©. Margarethen s Tag ſeyn. 

2) Abſchrift der Statuten für den Livlaͤnd. Meifter, d. Mar, 
Freit, nah Marci Evang. 1441 Schbl. VL 1. vgl. Index corp. hi- 
ster, diplom. Livouise p. 315. 


8 —  Banbeshulbigung. (1441.) 


derd zu beſtellen. velnge * 
mit den Vornehmſten ſeiner Gebietiger durch ein förmlich daruͤber 
außgeftelltes feierliches. Document, worin. er. die Statuten in 
ihrem gänzen Inhalte von Hort zu Wort aufnahm.) Gr 
kam dann ferner mit bem Deutfchmeifter auch darin überein, 
daß für die vielfältigen Vergehungen und Verletzungen, welche 
in der biöherigen Ierung zwifchen den Meiftern ſich viele Or⸗ 
benebrüber gegen Gehorfam und Geſetz hatten zu Schulben 
kommen laffen, keiner geſtraft ober mit ben ſonſt geſetzlichen 
Bußen belegt, ſondern alles verziehen und vergeſſen ſeyn ſollte, 
weil ſolche Strafen jetzt dem Rufe des Ordens nur nachtheilig 
wirken wuͤrden. Endlich kam man uͤberein: es ſollten im naͤch⸗ 
ſten Jahre in einem großen Ordenskapitel zu Marienburg Bes 
flimmungen entworfen werden, die inskuͤnftige allem Unfrieden 
im Orden vorbeugen würden. 2° So hatte Konrab bad eine 
Biel erreicht; das Zerwürfniß im Orden war auögeflihnt, frei 
lich nicht ohne ein fchmered Opfer in Beziehung auf feine 
Stellung zu den beiden Meiftern. Allein bie Eintracht und 
dad Heil bed Ordens ftanden ihm ungleich höher, als bie per» 
fönlichen Verhältniffe feiner amtlichen Stellung, die ja die Zus 
Tunft auch leicht wieber ändern Eonnte. 

Sinzwifchen aber war der ‚Hochmeifter auch einem andern 
Ziele wit feſtem Schritte entgegen gegangen, bad Mißtrauen 
und die feindlich argwoͤhniſche Gefinnung der Unterthanen ges 
gen die Landeöherrfchaft zu befeitigen, denn hierin erfannte er 
die Quelle aller ber traurigen Erfcheinungen , der feindfeligen 
Stellung und des wilden Trotzes, womit ſich bie Unzufriedenen 
{m Larde im Schutze ihres Bundes zu Wehr und Miderfland 
zufommengethan. Die Aufgabe war höchft fehwierig; Konrad 
indeß loͤſte fie leichter durch die ergreifende Kraft feiner Pers 


1) url. des HM. d. Mar. Mont, nah Viſitat. Mariaͤ 1441 
Schbl. IE. 5. Jaeger Cod. diplom. =. h. a. 

2) Die Vertrags s Urkunde, d. Mar. Dienſt. nad Viſitat. Mariä 
1441 G«bl. 99. 15, durch Moder fehr verdorden ; volftändig in Jaeger 
Cod, diplom. =. R. a, Der Deutſchmeiſter befand ſich um diefe Soit 
noch in Marienburg. 


anbeshtubigung. (1441.) 9 


Nalidhkeit, dem als bald nach feiner Wahl eine Wotfchaft: der 
ande und Staͤdte vor ihm erfchien, D ihm zu feiner Erhebung 
Stud winfchte,; um Erhaltung und Beftdtigung ihrer Priviles 
gien und Freiheiten bat, fich ihm zur Hulbigung erbot und 
. zugleich um Abhülfe der Klagen erfuchte, die bereitö feinem 
Borgänger vorgelegt worben, erflärte er offen und gerade: den 
von Landen und Städten ihm mitgetheilten Huldigungseid 
(nach welchen fie nur dem SHochmeifter, nicht dem Orden 
ſchwoͤten woliten) Tönne er nicht zulaſſen; dieſer Neuerung 
miübten fie entfagen und beim alten Herkommen bleiben; das 
gegen fichere er ihnen alle ihre Rechte, Freiheiten und Privile 
gien zu, wie feine Vorfahren fie ihnen verliehen; koͤnne ex fie 
nicht vermehren, fo werbe er fie doc) auch keineswegs verkürs 
zen; ein Gleiches aber erwarte er auch von ihnen in Bezie⸗ 
ung auf des Ordens Privilegien und Rechte; die Abhüuͤlfe 
ihrer Klagen ſolle mit Beirath der Praͤlaten auf einer Tag⸗ 
fahrt zu Elbing zu weiterer Berathung kommen. Den Staͤn⸗ 
ben genügte dieſe Zuſage; fie trauten des Meiſters Worte, er⸗ 
Härten ſich zu dem von ihm verlangten Huldigungseide bereit, 
der dahin lautete, daß fit bei der Huldigung nur dem Hoch⸗ 
meilter Zreue und Gehorſam, nach deffen Tode aber auch dem 
Drben biö zur Hulbigung eined neuen Meiſters geloben follten, 
und ber Dochmeifter trat darauf im Anfange des Mai feine 
Huldigungsreife an. ? Im Danzig indeß mußte er, bevor ihm 
der Buͤrgermeiſter die. Schlüffel der Stadt und des Rathhau⸗ 
feö überreichte und ber Rath, die Schöppen und die Gemeine 
den Huldigungseid Ieifleten, die Zuſage wegen Aufrechthaltung 


1) Am 3. 6. Georgii (24. April). . 

2) Die Verhandlungen des HM. mit der Botſchaft der Stände 
im Megiftr. X. p- 1 20qu. u. Sol, A. p. 16 sequ. Merkwuͤrdig war 
feglei in der erſten Verhandlung die Erflärung der Botſchaft: Yande 
und Staͤdte weiten den HM. ‚gerne alb ihren Herrn aufnehmen und 
ihe haidigen; aber‘ fie bäten zu wiſſen und ſich mit ibm zu 
einigen, wie der Eid lauten ſole. Bir fehen dann aus des HM. 
- urwort, daß dieſer ihnen und fie ihm eine Eibesformel vorgelegt 
hauen. 


30 Tagfahrt zu Eibing. (1441.) 


aller Frelheiten und Privilegien ber Stadt und wegen Abflel⸗ 
lung mehrer fie indbefondere betreffenden Gebrechen doch noch 
einmal erneuern. Auch war in andern größeren unb kleineren 
Städten bed Landes 'der geleiflete Hulbigungseib nicht überall 
berfelbige. ' 

Jetzt nahte die ben Ständen zugefagte Tagfahrt zu Elbing 
in der Mitte des Ami. Da machte aber der Hochmeiſter 
bald die Erfahrung, daß feine Iufage nicht überall Vertrauen 
gefunben und bad Mißtrauen der Berbimbeten noch keineswegs 
vertilgt war. Zuerſt verlangten Lande und Städte eine Wer 
banblung unb einen Beichluß über mehre von ihnen geforber 
ten, aber noch nicht zugefagten Artikel, fowie über die Anorbs 
nung bed ihnen ſchon früher zugeficherten Gerichtstages. Der 
Dochmeifter willigte in Beides. Zu erflerer wurben aus ben 
Gebietigern, Praͤlaten, Landesrittern und Bürgermeiftern ber 
Städte achtundzwanzig Deputirte zur Berathung über die von 
den Berbimdeten verlangten Zuſagen ausderforen. 2 Während 
diefe aber berathſchlagten und che es noch zu einem Beſchlufſe 
Fans, traten Hand von Czegenberg, der an ber Spitze des buͤndi⸗ 
ſchen Adels ſtand, und Tiedemann von Hirten, ber Bürger: 
meifter von Kulm, mit der Forderung hervor: Lande und 
Stäbte wollten mit bem Hochmeiſter felbft berathen und ihre 
Sache beenden. Diefer zeigte ſich auch hierzu bereit; allein 
es kam bald zwilchen ihm und den Sprechen beö Bundes 
zu ben ernftlichiten Exflärungen über bie gegenfeitige Verbind⸗ 


1) Die Form der Huldigung zu Danzig näher befchrieben iu Res 
giſtr. X. p- A u. Fol. A. p. 18. Der Huldigungseid der Danziger, 
Elbinger und Königsberger im Bol, A. p. 3%, Kulm und horn, 
beißt es, ſchwuren den kurzen Eid, 

2) Sie begarın am "Sonntage nach dem Sten Tage des heil. Leich⸗ 
nams und dauerte mehre Tage, 

3) Darunter waren der Biſchof Srancifcus v. Ermland, ber Bi: 
[hof Kaspar von Pomefanien, der noch anwefende Deutfchweifter, die 
Komthure Eberhard von Weſenthau zu Chriſtburg, Joſt von Vennin⸗ 
gen zu Mergenthein, Johann Beenhaufen zu Thorn u. a, Unter den 
Landesrittern Both von Eilenburg, Nicolaus von Sparwin u. f. w. 


Tagfahrt zu Elbing. (1444.) 1 
Klet zur Aufsechthaltung ber Privilegien ımb Rechte des 
Oidens unb des Landes, denn obgleich der Meifter wiederholt 
aflärte: er werde Landen und Stäbten ihre Rechte und Frei- 
beiten, wie er bereits vor der Hulbigung zugefagt, unverkuͤrzt 
and ungeſchmaͤlert laſſen, fo wollten dieſe fich doch zu nichts 
weit als zu bes verfänglichen Zuſage verfichen: fie gönnten 
och dem Orden feine Privilegien und wollten fie ihm laflen, 
doch mar fofern fie ihren Privilegien unſchaͤdlich und nicht hin- 
vr ihrem Rüden erworben feyen. Ja Ziebemann von Hir⸗ 
Ira wagte por dem Hochmeiſter bie troßige Rede: „Habt ihr 
aͤtere Privilegien, ald die unfrigen find, fo ſeyd ihr darin, daß 
ms der Drben nochmals Privilegien gegeben, von ben eurigen 
abgetreten und habt fie felbft gebrochen. Wir aber werben bie 
afrigen, wenn ed Notb ift, auch wohl felbft mit unfern Haͤl⸗ 
rn iekhinmen. Somit zerihlug fi die Behandlung ohne 


Mit größerem Vertrauen kamen dem Meifter auf verfelben 
Zugfahrt Ritter und Knechte der Niederlande entgegen. Ohne 
die mit den Kulmern nicht in fonberlicher Einigkeit erfläxten 
ſe offen: fie hätten mit dem Bunde nichts weiter zu fchaffen, 
als daß fie ben Werbimbeten verfprochen, ihnen in vechtfertigen 
Sachen beizuftehen; werde der Meifter fie fehirmen und bei 
ihnen Freiheiten laſſen, fo wuͤrden fie ſtets feine gefreue Manns 
Saft und ihm unterthänig ſeyn. Diefe treue Exgebenheit ber 
Kierlande war offenbar auch mit eine Folge der Verleihung 
mehrer neuer Vorrechte und Freiheiten, womit ber Hochmeiſter 
die Sehiete von Samland, Balga, Brandenburg und Raften _ 
bung für ſich zu gewinnen gefucht. Alen Freien diefer Ge: 
biete ſollte das Wartgeld erlaffen feyn, mit Ausnahme anbres 
Gender Kriegszeit. Im Preuffiichen, des Herrſchaft anfterben- 
den Site ſollte biefe nur Hengſte und Hamifch nehmen, die 
Hälfte der fahrenden Habe aber der Frau laffen, fofern fie im 
Grie nicht Leibgeding habe; fuͤr die andere Hälfte follte ber 
nee Empfänger bed Gutes nach, der Herrſchaft Erkenntniß 





1) Die Berfanblupgen im Regifir. X. p. 5—6. Gel. A; p.18— 19, 


12 Tagfahrt zu Eibing. (1441.) 


vorhandenen Töchtern eine gebuͤhrende Ausrichtung beſorgen. 
Kein Pfleger, Kämmerer oder Amtmann' füllte die Preuſſen 
mit ihren Pferden mit. Dienften in der Wilbniß, zur Jagd oder 
mit ungewöhnlichen Gefchäften befchweren. Beim Tode eined 
Preuſſen auf einem Kulmifchen Gute follte die Herrfchaft darein 
Teinen Einfall thun, fondern das Gut nad) Kulmifhen Rechte 
vererben. Kein Freier follte auf den Ordenshaͤuſern bäuerliche 
Arbeit leiſten; nur Die Richthäufer und Richtböfe follten fie 
bauen und wenn ber Hochmeiſter auf die Häufer ziehe, 
Darauf die altgewohnten Dienfte thun. D Mit gleicher Güte 
gewährte Konrad auf der Tagfahrt zu Elbing auch denen aus 
bem Gebiete von Chriftburg ihre Bitte, ihnen „die Preufliiche 
Waide“ nad alter Gewohnheit zu Taffen, fofern fie dabei nicht 
Neuerungen beabfichtigten. D Wie aber mit folder Milde ge- 
gen die Bittenden, fo trat er den troßig Fordernden mit Ernft 
und mit der Kraft feiner Rechte entgegen. Als Daher auf dem⸗ 
felben Zage die Sprecher des Bundes ihm bie Forderung vor⸗ 
legten: er folle dem Wartgelde, dem Schaloifchen Korn und 
dem Mahlpfennige entfagen, fuchte er Anfangs die Berathung 
darüber auf fpätere Zeiten zu verſchieben. Da fie aber, damit 
nicht beruhigt, keck erklärten: fie wollten fortan überhaupt aller 
Unpflicht und alles beffen, was nicht in ihren Verſchreibungen 


1) Die näderen Beftimmungen des HM., d. Preuff. Eilau am T 
Donati (1441) im Regiftr. X. p. 9. Bol. A p. — 23 Es find 
darunter noch einige andere minder wichtige Bewilligungen. Vgl. oben 
2. VI. ©. 667 — 669. Der HM. ſagt ausdradlich: er gebe dem 
genannten Gebieten die Bewilligungen, „weil fie alewege und ire alts 
eldern und nemlich in defen harten Beiten als gute getrume lewte bei 
den: Drden gefaren und fih nicht in den bunt gegeben haben u. |. w.“ 

2) Regiftr. X. p. 8. Fol. A. p. 22. Es iſt hier nicht gan; Har, 
was es mit der „Preuſſiſchen Waide oder Wande” für eine Bewandt⸗ 
niß hatte. Es ift offenbar von Jagd oder Jagdrecht die Rede, indem. 
Waide oder das veraltete Wort Weide Jagd bedeutet, wie wir noch 
das zufammtengefeßte Wort Weidmann haben. ;, Preuffifche Waide oder 
Weide“ würde demnach die Jagdgerechtigfeit feyn, wie fie 5. B. den 
ins öftlichen Ermland wohnenden Preuffen unter gemifien Bedingungen’ 
und Leitungen ertheilt war; |. oben 3, VI. ©, 64% 


Bauernauftuhr im Ermland. (1441.) 13 


hie, ſchlechthia überhoben ſeyn, weder Wartgeld noch Schal⸗ 
riſches Kom mehr geben und daruͤber ſich aller fernern Tags⸗ 
verhandlungen entſchlagen, fo ſtellte ihnen ber Meiſter, fie auf 
ihre. pflchimäßige Leiſtung feiner und des Ordens landesherr⸗ 
len Forderungen und Rechtöanfprüche binweifend, den Gang 
einer rechtlichen Entſcheidung entgegen. Diefen nahmen fie 
khoh nicht an, weil ihnen, wie fie erklärten, hiezu Die nöthige 
Belmacht fehlte, und ſo blieb alled vorerſt dahin geftellt, denn 
fo geme auch Konrad in billigen Dingen nachgab, fo wenig 
ließ er fih Doch echte abtrotzen, die aus alten Zeiten ihm als 
fie zugebracht waren. !) 

Auf derfelben Zagfahrt Fam auch noch eine andere Streits 
ſache zur Verhandlung, welche bewies, daß ber Geiſt der Wis 
deripanfüigkeit gegen Pflicht und Herkommen auch ſchon das 
gemeine. Landvolk ergriffen hatte, w welches, obgleich nicht mit im 
Bunde, doch gerne die Aufregung im Lande benutzen mochte, 
un nach dem Beiſpiele ber Verbuͤndeten fich befchmerlicher 
Binden zu entledigen. Ein großer Theil ber Bauern bes 
Emländifchen Domkapitel im Kammeramte Melfad hatten, 
durch ihre Schultheißen verleitet, den Stiftäherren ſchon über 
Jh und Tag die Leillung bed Schaarwerkes und anderer 
Berpfühtungen verweigert. > Auf beö Kapiteld Klage beim 
Biſchofe trat diefer mit den Widerfpänftigen i in Unterhandluns 
gen und fuchte auf den Grund einer ſchon früher zu Elbing 
Darüber gepflogenen Verhandlung ben Streit dahin beizulegen, 
def die Bauen bad Schaarwerk in alter Weile leiften, das 
Domkapitel aber ihnen, wie fonft gewöhnlich, fir gewiffe Reis 
fangen eine billige Vergütung thun, nichts Unbilliges verlans 
gen und die etwa fonft noch flxeitigen Punkte durch vier red⸗ 
lihe Männer unterfucht und fchiebörichterlich beſeitigt werben 


1) Die Berbandlungen darüber im Regiftr, X. p. 7 — 8. Sol. 
L220— 21. Es wird ausdrüdlich erwähnt, daß bie Riederlaͤnder 
&a dieſer Forderung nicht Theil genommen. 

2) Rah einer Urk. des Biſchofs von Ermland waren die Dörfer 
Geaneawalde, Lichteuwalde und einige andere aichtſchaarwerkspflichtige 

aufgensmmen. 





I 


14 Bauernaufruhr im Ermland. (1441.) 


ſollten. Sofern fich -diefe nicht vereinigen koͤnnten, follte bie 
Sache auf nächfter Tagfahrt zu Elbing dem gemeinen Gerichte 
zur Entſcheidung vorgelegt werden. D Allein eine andere 
Deutung dieſes Beſchluſſes durch die an ber Spike der Bauern 
fiehenden Stimmführer brachte neuen Zwift herbei. Die Doms 
herren, mit dem Schaarwerk, welches die Bauern leiften wolls 
ten, Beineöwegs zufrieden, glaubten ihr Recht immer noch viel 
zu. fehr beeinträchtigt, klagten nicht nıtt beim damaligen Statt 
halter des Hochmeiſters icher die Schmähungen und Schimpf⸗ 
eben, die fih das Bauernvolk gegen fie erlaubte und forachen 
feine Hülfe an zur Aufrechthaltung ihrer Rechte, ? fonbern 
erfuchten auch den Biſchof um die Erlaubniß, eine Taiferliche 
goldene Bulle beim Röm. Könige geltend machen zit dürfen, 
Damit biefer den Hochmeifter beauftrage, von den Bauern eine 
Gtraffumme von hundert Marl Goldes zu erzwingen, denn 
um fo viel firafte Die Bulle ſolche, bie ohne Recht bie Kirche 
ihrer Beſitzungen beraubten. Der Biſchof indeß wiberrleth 
diefen Schritt, der dad arme Landvolk völlig zu Grunde richten 
und den Hochmeifter in unangenehme Berhältniffe feben werbe. 
Wen Gewaltmaaßregeln abgeneigt, ſchlug er eine ſchiedsrich⸗ 
terliche Entſcheidung auf der Tagfahrt zu Elbing vor und beide 
Theile genehmigten dieß. ? Hier wurden aus ben Biſchoͤfen, 
Komthuren, Landen und Städten ſechzehn Schiedsrichter erko⸗ 
ren, die nach grimdlicher Erwaͤgung gegen die Bauern das 
Urtheil ſprachen: von den Schultheißen des Kammeramtes 
Melſack ſoll zur Buße ein Stein Wachs, von Benedict von 
der Gaile und andern Bauern, die ſich jenen angeſchloffen, 
ein halber Stein und von den Doͤrfern, die fih ungehorſam 


1) Sr. des Biſchofs von Etmland an die Domberren, d. Helles 
berg Sonst, nach Purif. Mtarlä 1441. 

2) Gähr, der Domherren von Zrauenburg an den Statthalter, d. 
Srauend. Donnerft. vor Invocavit 1441. Sie Hagen Aber die „große 
ESmoheit und ſchemelichen worthe‘ der Bauern. 

3) So In einem vom Kapitel ſelbſt darüber abgefaßten Berichte 
GA. LIVE. 8. Das Kapitel ertlärt ſich nit uͤberall zufrleden 
mit des Biſchofs Verfahren. 





Bauernaufruhr im Ermiand. (1441.) 15 


gegen ihre Herrſchaft dewieſen, von vierzig Hufen der Kirche 
za Frauenburg ein halber Stein Wachs gegeben werben. Aus 
—* der aufruͤhreriſchen Dörfer ſoll der Schultheiß mit vier 
Bauen an einem beſtimmten Zage ungegürtet, barfug und 
barhaupt. zur Kirche nach Frauenburg kommen und in aller 
Namen ihre Herren wegen bed verübten Frevels um Verzei⸗ 
bung bitten. Wegen bes Wartgeldes follen erforene Schiebes 
vichter eine MWereinigimg verſuchen, wo nicht, fo foll barlıber 
dad Recht entfcheiden. Die Bauern aber follen auch forthin 
ihren Herren nach alter Gewohnheit das gewoͤhnliche Schaar⸗ 
werk Ieiften, jeboch von ungewoͤhnlichem befreit feyn. D Er⸗ 
leiden fie Gedrang und Gebrechen in ihrem Rechte, fo fell der 
Bifchof, wie er es fehuldig iſt, ihnen zu ihrem Rechte verhel⸗ 
fen. Die Schutheißen ſollen übrigens Ihre Gerichte behalten 
nach Laut ihrer Briefe, 2 
Das Bauemweolf' wollte fich indeß dieſem Spruche keines⸗ 
wegs unterwerfen. Es verſtrich ein halbes Jahr, waͤhrend 
deſſen die Widerſpaͤnſtigen ſich nur noch feſter, ſelbſt mit Eid⸗ 
ſchwur, wider das Kapktel verbanden und auch. bed Biſchofs 
Bauern, wiewohl vergeblich, zum Ungehorſam aufzawiegeln bes 
möüht waren. Umſonſt verbot ihnen das Domkapitel ihre Ver⸗ 
ſammlungen und bie Erhebung eines Schloffe won bed Kas 
piteld Leuten. Man ſprach den Bifchof an, er felle bie Bauern 
buch Sefängniß zum Gehorfam bringen. Allein er rieth, man 
möge ben Hochmeiſter als oberſten Veſchirmer des vandes ums 
Hilfe anrufen. Es geſchahz der Meiſter ſaudte eine wauͤrdige 
Botſchaft au die Bauernz 3 fie verſchmaͤhten aber bie Ver⸗ 
mittelung; auch fein Verbot ihrer Verfammlungen wurde nicht 
geachtet. Ausfluͤchte, hökmenbe und freveihafte Reben waren 


1) Als ungewöhnliches Schaarwerk wird angeführt Holzfuhr, Holz⸗ 
ſtoͤßen, Lehmfuhre, Hülfsdienfte zur Sifcherei und dal. 

2) Die Urkunde, d. Ekbing Freit. vor Bifttet. Marl 1441 im 
Archiv des Domlapiteld zu Frauenburg EL. 19, Abfchrift im geh. Ar: 
chiv zu Rönigeberg im Frauenburger Eopiebuch P. 601. 

3) Nämlich den Komthur zu Balga, den Ofcial von Riefenburg, 
Hans von Ezegenberg, 


/ 


16 Bauernaufruhr im Geniiand. (1441.) 


die Erfolge aller friedlichen Bemühungen. Selbft in ber Ges 
fandten Gegenwart wagte es ber Sprecher des Bauernvolkes 
Benedict von der Gaile die Aufruͤhrer durch freche Worte noch 
mehr zu verhetzen. Mit dem bloßen Erlaß bed ungewöhnlichen 
Schaarwerked wollten ‚fie ſich auf Feine Weiſe befriedigen. ® 
Der Bifchof wieberholte feine Verſuche, das Wolf zum Gehor⸗ 
fam zurüdzuführen. Auf einer Zagfahrt zu Braunsberg ers 
mahnte er felbft die Vorgeladenen noch einmal zur Erfuͤllung 
des gefaͤllten Spruches und vermittelte dann auch zu Melfad 
eine Verhandlung mit dem Domkapitel. Da indeß die Bauern 
jeden Vorſchlag zur Ausgleichung trotzig verwarfen, fo ergriff 
er endlich ernſtere Mittel und ließ eine Anzahl der Aufrührer 
ohne weiteres ind Gefaͤngniß werfen. 2) 

Der Hochmeifter aber jegt in Beſorgniß, bie Flamme 
möge bald weiter greifen, berief eiligft im Anfange des Jahres 
1442 Lande und Städte zu einer Tagfahrt nach Marinburg ? 
und legte ihnen alle biöherigen Verhandlungen vor, nicht ohne 
Hinweiſung auf die gefährlichen Folgen, die, wie das Beiſpiel 
ber Böhmifchen Unruhen zeige, aus folchem Aufruhr entfpringen 
koͤnnten, wenn nicht dad wilde Seuer im Beginne erflicht werde, 
zumal da er bereitd die Nachricht hatte, daß die Bauern ſich 
auch Anhang im ‚Gebiete des Ordens zu verſchaffen fuchten. * 
Allein er täufchte fih in der Hoffnung, daß die Stände ſelbſt 
Zwangsmittel in Vorſchlag bringen winden; es half auch 
wicht, daß er felbft auf foldhe hindeutete, denn. die Ritterfchaft 
ſtimmte dafir: man folle die Sache noch bis zu einer andern 
Tagesverhandlung anftehen laſſen und noch einmal ben Meg 


1) Die Berkandlung zwiſchen den Mbgefandten und den Bauern 
im Megiſtr. X. p. 27 — 28. 

2) Nah dem Berichte Schbl. LXVL 58. Schr. des Bifhofs an - 
d% HM. d. Heilsberg Dienft. nady Neujahr 1442 Schbl. LXXVL 47. 

3) Sie fand Statt am Sonntage des Neujahrs 1442; Megiftr. 
x. p. 27 — 32. Schbl, LXVL 55. 

4) Der HM. fagt den Verfammelten: want wir vornenen, dab 
fih Diefelbige gebure vaſt umbthun u, befuchen in etlichen unfern ges 
bieten u, landen, 


Bauernaufruhr im Ermland. (1441.) 17 


der Güte verſuchen. Allein bauen erwartete er. keinen befons 
dem Erfolg. ? Mittlerweile jedoch brachte Die drohende Sprache 
bes in feinem Gebote und in feiner Pflicht als oberiter Schirm 
ba mit wiberfpänftigem Geiſte zuruckgewieſenen Lanbeöhern 
md der geflvenge Exuft, womit auch jest. ber Biſchof Bu 
Gefangenjegung der Raͤdelsfuͤhrer in die Sache eingriff, 

Bauemvolk mehr und mehr zur Befinnung; und fo, ng eh es 
ach bald dem Rathe von Braunsberg und ben, Ritern und 
Ctäbten des Bisſsthums durch eine Vermittelung, daß noch im 
Sanur 1442 die Schultheißen und Bauern ſich in bei Bis 
ſchofs Gnade ergaben, ihm die Entſcheidung ohne weiteres ans 
heinſtellend. Auf einem Tage zu Heilöberg endlich gab dieſer 
nah vielen Verhandlungen mit Rath zahlreicher Sendboten 
von Landen und Städten den Beſcheid: Schultheißen und 
Bauer follen ben Hochmeifter zu Einfiebel ungen des Unge⸗ 
haſams bemütbig um Verzeihung bitten; alle; was fie. Durch 
Valeumdung oder fonft am Biſchofe verbrochen, ſoll vergeſſen 
ſeyn, ebenfo was fie gegen des Domkapitels Befehl, geüht; 
bo -follen fie dieſem für verurſachte Koſten zweihundert gute 
Bart zahlen und bei jeder Zahlung von jeber Hufe ein. Huhn 
lefan. Die Bauern geben ihren Zinshafer nach wie por und 
die Stiftöherren zahlen daflır wie der Biſchof feinen. Leuten, 
Ale Verſammlungen find unterfagt; bedarf man eine: foldhe, 
# halte man fie mit des Lanbpropftes Beirat. Dem Vogte 
alt des Kapitels Stellvertreter ſollen die Schultheißen und 
Bauem in allen redlichen Dingen gehorſam ſeyn und ihren 
Hermn in Wuͤrdigkeit und Ehren halten, die erſtern auch dem 
Landpropſte aufs neue Treue und. Gehorfam ſchwoͤren. Der 
zu Elbing gethane Spruch ſoll in allen Punkten zur Vollfuͤh⸗ 
mg kommen, alfo nach deffen Beflinummg auch dad Schaars 
werk geleiftet werden. Das Wartgeld fol man ebenfo- wie 
andere geben, bis es Überhaupt allen erlaffen wird. Geſchieht 
den Landleuten nach ihrer Meinung von ihren Herren Unrecht, 





1) Die Berhandlung des HR, mit den Gtänden im Wei. x 
ee gb. LXVL 55. 145, 
2 


18 Bauernaufruhr im Ermland. (1441.) 


fo follen fie nicht eigenmaͤchtig ‚gegen dieſe auftreten, ſondern 
es dem Biſchofe Magen, ber nach Beiratch einiger von Kanden 
mb Städten nach Recht entſchelden wird. 1) Auf ſolche Weiſe 
war der Aufruhr, von welchem auch der Hochmeiſter fuͤr ſeine Lande 
nachtheilige Folgen befuͤrchtet, durch den Biſchof beſchwichtigt 

Obgleich nun aber ber Hochmeiſter auf der Tagfahrt zu 
Ebing feinen Zweck nicht erreicht, ſo war vor allem von 
Wichtigfeit, des Volkes Stimmung in den verfihiebenen Land: 
fhaften näher zu erforfehen und zu erfahren, wie man feine 
Erbietungen aufgenommen habe, Die Komthure mußten baher 
überall genaue Erkundigungen einziehen und Konrad hatte batd 
die Freude, zu vernehmen, daß feine Worte bed Friedens mb 
ber Eintracht bei den Meifteri Anklang gefunden. In man⸗ 
chen Gegenden zwar, 3. B. im Gebiete von Rheden und über: 
haupt im Aulitrerkmde blieb man beharrlid bei ber Verwei⸗ 
gerung des Schäloendforns und Wortgelbed; ; man wollte ‚den 
Weg des Rechts Änifehkagenz;? in andern, wie im Lauenburgi⸗ 
ſchen undb Oflerobifchen theilten fich die Meinungen 5 biele er: 
Aarten, ſich dem Verfahren der größern Städte anſchließen und 
mit ihnen erſt berafhen zu wollen. 9? Noch andere, durch des 
Das Original des Sifchäflichen Beſcheides, d. Heilsberg am T. 
Agaihaͤ nach Purificat. 1442 im Archiv des Domkapitels zu Frauems 
burg L. 8, Abfchrift im geh. Archiv gu —— Im im Frauenburger 
Copiebuch u 608. Baczlo B. HL ©. 375 — 380 Es enthält 
voch einige andere minder wichtige Punkte, Ueber die dein BSeſcheide 
des Bifchofs vorangegangenen Verhandlungen der Bericht Schbl, LXVI. 
58. Die Gefchichte des Aufruhres erzählen auch Leo p. .259 und Tre- 
Berus de Episcop. eccles. Warm. p. 20; allein fie fügen manches Bins 
zu, was ſich urfundlich nicht erweifen "iäge, z. 3. daß die Bauern zum 
Theil nit Landesverweiſung beſtraft worden fenen, Wahr uber iſt 
daB der Biſchof, wie Ziraser. 1. c. ſagt praecdiptios eoram (rusticaum) 
Dages papi et camprehendi praeoept et lightos partim Allestuiniam pertim 
Sehehnrgum carcere et turri coercendos ablegavit, infinos vero quasque 
Heilsporgae in tarrim coniecit, paneque et aqua duntaxat zustentavit ete. 

2) Schr. des Komthurs v. Rheden, d. Rheden am T. Märgares 
tha 1441 Schbl. LXXIV. 79, 

8) Schr. d. Vogts v. Lauenburg, d. Sonst. nad Margaretha 1441 
Schbl. LIX. 9. Schr. des —— — v. Oſterode, d. Heheein Gran 
nach Jacobi 1441 Schbl. LXXVI. 62 


Gunſtbezeugungen d. HM. gegen Lande u. Gehbte. (1441.) | 19 


Hochmeiſters Erbietungen volltonmen zufsieben geſtellt, bezeugr 
ten öffentlich, fie wuͤrden ihrem Landesherrn immerbar getveu 
bleiben und fi dem Drben fletd ald gehorſame Unterthanen 
beweifen, fo in ben Städten bed Niederlandes Bartenſtein 
Landsberg, Binten, Heiligenbeil, Schippenbeil, Raftenburg, eben⸗ 
fo die Ritterfchaft in den Gebieten von Balga und Branden- 
burg, bie am. Bunde gar nicht Theil nehmen wollte, beögleis 
den im Gebiete von Brathean, auch jeuſeits der Weichſel in 
ben Komthurbezirken von Mewe und Tuchel. Die Stäbte 
Stargard und Mewe betheuerten auddruͤcktlich dem Hochmeiſter 
ihre treuſte und unwandelbare Ergebenheit. 2: . Das Wichtigſte 
aber war, daß ſich ſelbſt in den großen Staͤdten, wie in Them 
mb Danzig eime gemäßigtere Stinumung. zeigte; ſie forach ſich 
zwar nicht ganz offen aus und man erklaͤrte immer, ohne Mit 
rath und Zuflinmumng der Lande koͤme in ber Bundesfadhe 
kein wichtiger Schritt. geſchehen. Allein in Thorn ſtand die 
Neuſtadt mit ihren Behoͤrden und in Damig Die Altſtadt und 
Jungſtabt ſchon entſchieden mehr als zuvor ‘auf bed Ordens 
Seite, obgleich die letztern fich vom Bunde keineswegs loege⸗ 
ſagt. Auch der Birgermeiſter oon Kulm Ziedemann. von Hir⸗ 
ken verrieth für den Orden gimfligere Geſinnungen. ® 

Um fo mehr war jetzt ber Hochmeiſter bemüht, ganden 
imd Städten durch Beguͤnftigungen und Freiheiten feine ges 
neigte Sefinnung und feine aufrichtige Sorgfalt für des Lun⸗ 
des Heil und Gebeihen an ben Tag zu legen. Um bad Ber . 


1) San, der Ritterſchaft und der genannten Städte 0. D. Schbl. 
LXXXU. 7 
"9 * des Vogts v. Brathean, d. Bratean Dienſt. vor Mar⸗ 
garetha 1441 Schbl. LXXXV. 56. Schr. des Komthurs 9. Tuchel, 
d. Tuhel am T. Jacobi 1441 Schbl. LXXVI. 58, Schr. des Ras 
thes und der Gemein⸗ von Mewe, d. Sonnab, nach Viſitat. Mariä 
1441 Schbl. LIX. 95. Schr. des Rathes v. Stargard, d. Mittw. nach 
Viſit. Mariaͤ 1441 Schbl. LXXVI. 63, 


3) Schr. des Komthurs v. Thom, d. Lewen Mont. nach Dibiſion. 
Apoſtol. 1441 Schbl. LI. 43, Schr. des Fiſchmeiſters v. Putzig, > 
Danzig Dienſt. vor Magdalena 1441 Schbl. LXXVI. 64, 

2% 


20 Gunſtbezeugungen d. HD. gegen Lande u. Gtäbte. (1441.) 


trauen Koͤnigsbergs zu gewinnen, ertbeilte er .diefem zur Ab⸗ 
hilfe mehrer in einem Streite mit bem Ordensmarſchall uͤber 
die ſtaͤdtiſthe Handfefte zur Sprache gelommenen Wißbraͤuche 
und Gebrechen verfchiebene Freiheiten in Beziehung auf freie 
Fiſcherei, Holzgerechtigkeiten unb andere fläbtifche Verhaͤltniſſe. " 
Dann entwarf ex mit Rath feiner Gebietiger und bed Biſchofs 
von Ermland zu Einfiedel für die Niederlande ein f. g. Regie 
ment oder eine neue Landesordnung, theild um mehre alte Lan⸗ 
desfagungen von neuem in Erinnerung zu bringen, theild auch 
manche neue-Anorbnungen feflzuftellen. Zu jenen gehörte das 
Verbot gegen bad immer noch im Schwange ſeyende Unweſen 
der Zauberei, fowie dad Geſetz wegen des Beſuches des Gotz 
tesdienſtes durch Preuffifched Sefinde. Auch in ber Gefindes 
ordnung warb vieles näher beſtimmt und neu geſchaͤrft. Die 
Handwerksordnungen follten emeuert und aufs firengfie beob⸗ 
achtet, die Gewerke aber unter genauer Aufficht durch bie Buͤr⸗ 
germeifter gehalten werben. Sehr löhlich war bie Verordnung, 
dag in Städten und Dörfern ober Bierfchenten loſes und leicht⸗ 
fertiges Volk, das noch arbeitsfähig, nirgends gebulbet werben 
ſolle. Zur Verhuͤtung überndßiged Aufwandes bei Hochzeiten 
und Kindtaufen wurden bie früheren Geſetze erneuert 2 ebenſo 

ie frühere Verordnung wegen Abftellung ber altüblichen Biers 
bußen und beren Abänderung und Verwendung ber Strafgels 
der zu der Städte und Dörfer gemeinem Nutzen. Andere Be: 
flimmungen betrafen den Handel und Verkehr im Lande, bie 
Einftellung des |. g. blauen Montages, ? die Landedficherheit, 
bie ſtrengere Beier der Sonn= und Feſttage u. f. w. ® 

1) Urt. d, Königsberg amı T. Jacobi 1441 Schbl. XXXIL 6, 
LVEL. 90. Es geht aus ihr Har-hervor, daß fih der HM. durch die 
Bewilligung das Vertrauen der Stadt erwerben wollte, 

2) ©. oben 2. VII. ©. 506. 

3) Die Beſtimmung wegen der Montagefeier Heißt: das die kow⸗ 
feligen Montage, die die Handwerker pflegen zu halden, fulten herilich 
vorbotten u. abegelegt werden. Zwar iſt das Wort „Lowfelig” uns 
deutlich ; es ſcheint damit aber offenbar der blaue Montag gemeint zu feyn. 

4) Diele f. 9. „ Ausfakung oder Reginient,“ entworfen am Abend 
Laurentti 1441 im Regiſtr. am Schluſſe. 


Sunfibegeugungen d. HM. gegen Lande u. Städte. (1241.) 21 


Auch der Btitterfihaft der Gebiete von Chriſtburg und El⸗ 
bing gab der Meifler einen Beweis feiner Huld, indem er ihr, 
unter erneuerter Zuficherung aller ihrer Privilegien und Freis 
beiten, auf ihre Bitte nicht nur fernerhin nach alter Gewohn⸗ 
heit „bie Pomeſche Bank zu halten” geflattete, d -fonbern vor 
allem im Exbrechte der fchlechtweg auf Etbrecht verichriebenen 
Güter, die der Orden nach Auöfterben des Mannsflammes als 
gemeine Lehen einzuziehen pflegte (obgleich bie: Inhaber ihre 
Ritterdienſte leiften und einen jährlichen Zins, ben Zehnten von 
Bachs, Kom und Weizen liefern mußten, workber fchon öfter 
Klage geführt worden) die wichtige und allen erwinfchte Vers 
anberung traf, daß, wenn in folhen Guͤtern nach Ausfterben 
ded männlichen Stammes (alfo im Zalle des Heimfalled an 
den Drben) Iungfrauen zurückblieben, ber Orden die manns 
bare Jungfrau an einen ehrbaren Mann aus bed Ordens Die 
nern geben und diefem bie Güter ohne Wiberfpsuch überweifen 
folle, jeboch mit der Pflicht, die andern Jungfrauen nach Vers 

des Suter ımb ber Herrſchaft Erkenntniß gebührend 
audzuflatten. Sofern aber alle Jungfrauen noch unmannbar, 
fo ſolle der Herr, in deſſen Gebiet das Gut liege, dieſes einem 
der naͤchſten Freunde übergeben, der jährlich über die Verwal⸗ 
tung bis zur Mannbarkeit der Iungfrauen Rechnung ablegen 
folle. Damit war alle Mißhelligkeit,, die biöher zwiſchen dem 
Orden und den erwähnten Beligern auf Erbrecht obgewaltet, 
hingelegt. ? Dafielbe Borsecht in Beziehung auf das Erbrecht 


1) Was unter der „Pomelhen Bank“ zu verftehen fey, tft nicht 
Har. Das Wort findet ſich bald „Pomeſche, bald Pomfche, auch Pomifche 
Bangk“ (aber nirgends Pommerfche Bank, wie Kotzebue 3. IV. 
&.261. bat) geſchrieben. Es heißt: Dortzu gonnen wir en nach Rathe 
unfer Gebietiger die Pomifche bangk, als man die von Alders gehals 
den hat, vordan zu halden, doch alfo beſcheidenlich das fie nach althers 
komener gewonheit, fo: das kenne newiete noch eingerlen newe fünde 
darin getragen ader geruacht werden, werde gehalden. Der Ausdrud 
„Bantk“ deutet unftreitig auf das Gerichtsweſen Gin, alfo möglich, daß 
bier von einer ſ. g. Ritsers Bank die Rede if; ſ. Voigt Geſch. der 
Eidechf. Geſellſchaft ©. 191 — 192, 

2) Die Berfchreibung oder „Wereinigung ” hierüber, d. Preufffchs 


22 Gunftöszeggungen d. HM, gegen Lande u. Städte. (1441). 


erhielten. auch Bitter und Knechte auf Pommerellen, jeboch 
mit einigen verſchiedenen Beſtimmungen über das auf bie 
Güter zu verſchreibende Leibgebing für bie Braun. Dages 
gen erließ ihnen ber Meifter bie bisher rüuͤckſtaͤndige Lieferung 
des Kuh⸗ und Schweinezehnten, worlber bisher Streit ges 
berrfcht, verpflichtete fie aber zu Tünftiger Leiſtung diefer Ab⸗ 
abe; dafuͤr erhielten fie die hohe und niebere Gerichtsbar⸗ 
keit.) So ward auf dieſe Weiſe auch hier der Zwiſt zwiſchen 
zen Orden und ber Nitterfchaft gefchlichtet und buch des 
Meifterd Klugheit und Milde die Zahl ber Freunde des Or⸗ 
dend vermehrt. 

Während aber ber Hochmeifter in folcher Weife die Gaͤh⸗ 
sung in feinem Lande zu befchwichtigen und bie Aufregung zu 
daͤmpfen fuchte, wanbte er auch den auswärtigen Verhaͤltniſſen 
die unermühlichfte Thätigkeit zu. Mit dem Roͤm. Stuhle zwar 
berührte fich jet ber Orden nur wenig. In der damals fireis 
tigen Papftwahl hielt ex es auf bed Procuratord Anrathen 
noch mit dem Papfte Eugenius dem Vierten, denn noch konnte 
deſſen Gegner Felir der Fünfte beim Orden kein Vertrauen 
finden, ?? obgleich er bald nad) feiner Wahl durch das Conci⸗ 
lium diefe dem Hochmeifter bekannt gemacht und ihn zums 
Gehorfam aufgefordert hatte. ) Unerfreulih aber waren Die 
Markt Sonnab. nad) Nativit. Mariä 1441 SchbL LXXVII. 67, Re: 
giftr. X. p. 13. Sol. A. p. 27, gedrudt bei RKopebue B. IV. 261; 
vgl. Baczko 2. HI. 218. 

1) Worüber die Urkunde die näheren Beftinnmungen enthält. 

, 2) Die Verſchreibung, d. Mar. am T. Epraltat, Crucis 1441 


Schbl. LIX. 77, Regiftr. X. p. 10, Fol. A, p. 2%; vol Baczko 
B. III. 219. 

3) Schr. des Procurators an den Statthalter, d. Florenz am T. 
Marc 1441 Schbl. I. 181. 

4) Bulle des P. Felix, d. Thononli Gebennens. Dioces. Cal. Fe-- 
bruar. 1440 an. p, I. Schbl. XI. Sie tft auch darin merkwürdig, daß 
der daran hangenden DBlelbule der Name des Papftes fehlt. Der 
Dapft fagt felbft: noe mireris, quod bulla exprimens nomen nostrum 
non est appensa presentibus, nam hii qui faernnt hactenus in Roma- 
nos electi pontifices aute sue consecrationis et coronationis solemnia 
in suis bullandis litteris modum hano observare consueverumt, - 








Verhaͤltniſſe zu ben Mackbarfärken. (1441) 28 


its von neuem angeknuͤpften Anterhandlungen wegen Entrich⸗ 
tung des in Preuſſen wie in Livland gefammelten Ablaßgel⸗ 


des, weiches die Kurfuͤrſten für ben Erbkaͤnmerer des Roͤm. 


Reiches Konrad von Weinsberg als Belohnung für feinen 
bem Concilium zu Baſel geleifteten Schug aud vom 


"Hochmeifter forderten. “ Ey fuchte nun zwar die Forderung 


von ſich abzumeifen, weil ned ber bei der Sammlung bes 
Ablaßgeldes vorgefihriebeuen Art ber Aufbeyahrung nicht er, 
fondern bie Prälsten und Städte des Landes dafuͤr aufkom⸗ 
men follten und nach bed Sammlers Anordnung bad Gelb 
weber in die Hände bed Hochmeiſters noch bed Ordens gekom⸗ 
men war; allein wir werben fehen, baß bie Verhandlungen da⸗ 
mit noch nicht geichloffen waren. ? 

Mit den Nachbarlanden flanb ber Weiſter üͤbrigens in 
friebfichen Berhältniffen und er verfäumte nichts, ben Frieden 
ungeftört aufrecht zu erhalten. Im dieſem Streben kam ihm 
auch der König Wladislav von Polen fchon beim Gluͤckwunſche 
wegen feiner Hochmeifterwahl freundlich entgegen, ‚weshalb er 
diefen auch angelegentlichft um die Anorbnung eines Richtta⸗ 
ges erfuchte zur Befeltigung aller Ierungen und Wißhelligbeis 
ten ihrer beiverfeitigen Unterthanen.? Allein fo ſehr er auch 
beider Seits gewinfcht und fo lebhaft auch bie Verhandlungen 
barüber zwifchen dem Meifter und dem Erzbifchofe von Gneſen 
gepflogen wurben, fo fand doch theild bie Wahl dev Richter, 
theild die Beſtimmung der zu verhandelnden Gegenflänbe, 


1) Der Kurfürft Sriederich von Brandenburg belehnte Ihn in dies 
fem 5. 1441 mit dem Unterfämmereramt des Reiches; ſ. Raumer 
Cod, diplom. Brandenb. T. I, p. 183. 

2) Schr. der Kurfürften, d. Mainz Donnerft. nach Reminifcere 
1441 Rgſtt. VIL. 26. Im 3. 1442 wandten fih der Pfalzgraf Quds 
wig vom Rhein und der Erzbifchof Dieterich v, Köln noch in befons 
bern Schreiben an den HM., d. Heidelberg am T. Circumciſ. Ehr, 
1442 u. Zranffurt Mont. nach Laurent. 1442 Schbl. LXIN. 125, 126, 

3) Die Verhandlung wegen des kiblaßgeldes Moftr. VII. 26-28, 

4) Schr. des Koͤniges v. Polen, d. Bade foris IL. in vigilia b, 
Jacobi 1441 Regifie, VIE. 32 — 38, 


> 


24 Verhaͤltniſſe zu den Nuchbarfärflen. (1441.) 


theils auch bie Uebereinkunſt fiber eine fuͤr beide Theile bequeme 
Zeit fo viele Schwierigkeiten, daß die Abhaltung de Tage 
bis ind nächfte Jahr verfchober werben mußte.” Indeß hat⸗ 
ten dieſe Verhandlungen doch den guten Erfolg, daß ſowohl 
ber König als der Hochmeiſter ſich über die Aufrechthaltung 
bed ewigen Friedens fo beflimmt erklärten, daß darin kein 
Mißtrauen zwiſchen beiden Statt finden Eonnte. 2 - Auch dee 
Großfuͤrſt Kafimir von Litthauen, der alles aufbieten nmıßte, 
mm die gegen ihn aufgewiegelten Samaiten zu befänftigen und 
zum Gehorſam zurkdzuführen, ? bewarb fich mit Eifer um 
des Ordens Freundſchaft, verfprechend, er werbe bem Hochs 
meifter viefelbe Treue und Ergebenheit beweifen, wie einft fein 
Vorfahr Fuͤrſt Witowd. 

Nur mit dem Kurfuͤrſten Frieberich dem Zweiten von 
Brandenburg kam der Hochmeiſter bald nach feiner Wahl in 
unangenehme Beruͤhrungen. Diefer Fürft nämlich, kaum zur 
Regentſchaft gelangt, beſchloß ſofort, alles was früherhin das 
Haus Brandenburg in irgend einer Weiſe an ſeinem Beſitze 
aufgegeben oder verloren, in ſeine Hausmacht wieder zu ver⸗ 
einigen, wobei vor allem ſein Blick auf die Neumark gerichtet 
war, zu deren Wiedererwerbung ſchon fein Water Friederich der 
Erſte, wie wir hörten, wiewohl vergeblich einen Werfuch ges 
wagt.) Da der Hochmeifter vernahm, Brieberich wolle zuerft 
' den Weg bed Rechts, und wenn biefer ihn nicht zum Ziele 


1) Die Verhandlungen darüber mit dem Erzbiſchofe v. Gneſen u, 
fe w. Regiftr. VIL 15. 20. 0 —31. 34-35. 41, Der Richttag bing 
befanntlih mit der Aufrechthaltung des eroigen Friedens zufammen. 

2) Verhandlung zwifchen den Propft von Pofen Wifchta von 
Gorka, Sendboten des Königes, und dem HM. Mont. nah Martini 
1441 Regiftr. VII. 64 — 71. Ordens⸗Chron. p- 180 — 181. 

3) Kojalowiez P. IL p. 187— 188. 

4) Schr. bes Ordensmarſchalls, d. Koͤnigsb. nach Michael. 1448 
Schbl. XVI. 32, Verhandlung des Marſchalls des Großfürften mit 
dem HAM. Regifir. VII. 75. 

. 5) S. oben 3 VI. & 71% Lancizolle Geld. der Bi, 
des Preufl. Staats B. J. 295. Gtenzel Seh. des Preuff. Staats 
2. I. 190. BRaumer Codex diplom. Brendenh, T. I, p. 151. 


Berhäitoiffe zu don Rachtacküeſten. (1441) 25 


führe, auch ben der Gewalt gegen ben Orden einfchlagen, fo 
ſandte er den Bogt von Brathean an den Röm. König, die 
Kurfiuſten und den Deutfchmeifter, um auskundſchaften zu 
laſſen, wieweit der Kurfuͤrſt im feinen Bemühungen am Hof⸗ 
gerichte und ‚beim Gondkum bereits gegangen ſey.) Da ber 
Weg dus Rechts, wie der Meiſter wohl erkannte, für den Or: 
den nicht anders als günftig audfallen konnte, fo mußte er nur 
darauf denken, wie etwanige Gewaltfchritte des Kurfünften abs 
zuwehren feyen, unb bierbei fam ihm ber Wunſch bed vom 
Kurfinften ebenfalls bedrängten Herzogs von Pommern entge- 
gen, der ihm ein gegenfeitiged Hülfsblmbnig gegen jeden, ber 
ihre Lambe überfallen werbe, anbieten ließ. Indeß ging ber 
Hocmeifter, da Frieverih noch durchaus keinen feindlichen 
Schritt geihan, mit großer Vorſicht zu Werke.) Um zuvor 
bes Aurfinften Geſinnung auszuforfchen, ließ er ihr erfuchen: 
er möge bed Drdens Feinde, befonderd bie des Vogts ber 
Neumark, vie fih in jenem Lande aufbielten, nicht ferner dul⸗ 
ben und ihnen Schug gewähren, wie biöher zum Schaden bei 
Ordens gefehehen fey; etwanige Spaͤne zwilden ihren Graͤnz⸗ 
mmterthanen folle der Vogt richten und auf dem Wege Rech⸗ 
tens enticheiten. 2 Des Gefandten Bericht indeß fcheint kei⸗ 
neswegs beiriedigend geweſen zu ſeyn, denn fogleich nach feiner 
Kuͤckkehr erhielt der Pfleger von Buͤtow den Auftrag, fich in 
perfönlicher Verhandlung mit dem ‚Herzog vo Pommern über 
die Abfafjung des Buͤndniſſes näher zu. verftändigen ® ımb es 


1) Ueber die Sendung des Bogts v. Brathean Raftr. VII. 45 — 47. 

2) Die erften Unterhbandlungen darüber begannen zu Pfingſten 
1441, indem der Herzog dem HM. durd feinen Rath Lüdede Maſſow 
ein Bündnif anbieten ließ; Regiſtr. VII. 6 — 7 u. Schbl. XV. 103, 
Der Herzog ließ dem HM. fagen: man vernebme, „Das des Marggras 
fen ufffag fen, die Marke wider czu fich ezu cziben adir wider czu has 
ben.” Sell Sefchichte v. Pommern. B. I. 63. 

3) Aufträge für die Gefandten an den Kurfürften, d. Sonn. nad 
Eorp. Chriſti 1441 Regiſtr. VII. 17. Säbl. XI. 110, 

4) Auftraͤge für den Pfleger v. Buͤtow Dieterich v. Werdenau, d. 
Dienſt vor Margar. 1441 Regiſtr. VII. 18— 119. 


26 Verhaͤltniſſe zu Daͤnemark. (1441.) 


geſchah dieß mit glnfligem Erfolge.” Die beiden Fickſten 
vereinigten ſich Darauf auch ſelbſt bei einer perſoͤnlichen Zuſam⸗ 
menkunft uͤber Die wefentlichften Punkte Der gegenfeitigen Huͤlfsge⸗ 
noffenfchaft, wobei jeboch deren firmlicher Abſchluß einer ſpaͤ⸗ 
tem Zeit vorbehalten warb, um zuvor auf einem angeordneten 
Richttage die Mißhelligkeiten der beiderſeitigen Untertpanen aus⸗ 
zugleichen. 

Nächfibem. befäjäftigten den Hochmeiſter aud lange Zeit 
bie Verhaͤltniſſe mit Dänemark, . Bald nach feiner Wahl ndms 
lich landete unvermuthet bei Danzig der aud feinen Reichen 
vertriebene König Erich von Dänemark, Konrad, damals dort 
eben zur Huldigung anweſend, ritt ihm zum Empfange ent⸗ 
gegen und führte ihn. felbft in die Stadt. Da erhob ber 
König vor ihm und den bort verfammelten Gebietigern bie bit« 
terften Klagen uͤber die Dinen, die ihn feines Thrones, aller 
feiner Schlöffer und alled Eigenthums verrätherifch beraubt 
und aus dem Lande vertrieben. Dit dem Erbieten, den Hoch⸗ 
meifter und den ganzen Orben ald Richter in feiner Sache 
anerkennen zu wollen, erfuchte ex jenen um Vermittlung bei 
den Dänen und feinem Schweiterfohne Chriftoph von Baiern, 
ben man bereitd nach Dänemark gerufen und zum Könige ers 
nannt hatte Sie warb ihm zugefagt, worauf er ſich nach 
Stolpe zu feinem Wetter, dem Herzog von Pommern begab, ® 
Auch von dort Zaud erneuerte er feine Bitte, jeboch mit ber 
feltfamen Erinnerung: der Orden fey ja eben dazu gefliftet und 


1) Verhandlungen des Pflegers dv. Buͤtow, Sonnt. nach Barthos 
lom. 1441 Regiftr, VII. 25. 

2) Die Bufammenkunft des AM. mit dem Herzoge, Sonnt. nad) 
Michaelis, Regiſtr. VII. 43 — 44. 

3) Die Landung des Koͤniges geſchah Donnerft. nad Philippi u, 
Jacobi, Regiftr. VII. 1. Fol. X. 17. Der König mußte in einem Pri⸗ 
vathaufe wohnen, Die Daͤniſchen Geſchichtſchreiber erwähnen dieſer 
Flucht Erichs nach Danzig nidt. 

4) Die Verhandlungen zwiſchen den Könige und dem HM, Res 
gif. VII. 1 —4, 


Verhaͤltniffe zu Daͤnemark. (1441.) 7 


befkäligt, Fürfben, Ritter und Knechte zu ſchirmen und zu vers 
ipeibigen. ') 

Mittlerweile aber erfchien beim Hochmeifter auch ein Send⸗ 
bete des neuen Königed Chrifloph, theild um ihm feine Bereit 
willigteit zu einer Vermittlung wegen bed von den Hollaͤndern 
dem Orden zugefügten Schabend (woruͤber ſchon der vorige 
Meiſter bei der Krone von Dänemark Klage gefuͤhrt) zu bezeu⸗ 
gen, theils einen Verhandlungẽtag feflzuftellen, ven die Hollaͤn⸗ 
ber ſelbſt zur Entſcheidung der Sache vom Könige verlangt 
hatten.) Gichtbar auf bed Hochmeiſters Freundſchaft großen 
Werth legend, erbot fich Chriſtoph aufs freimblichfle zur Ver⸗ 
mittelung, ließ jedoch zugleich den Meifter auch erfuchen, etwas 
nige Klagen bed Königes Erich gegen ihn nicht weiter zu be 
achten, und trug ein gegenfeitiged Biimdniß an, in welches er 
mit dem Orden zu treten wünfchte.? Daruͤber verlangte Kons 
md zumor eine nähere Mittheilung; den Verhandlungstag zu 
Kepenhagen aber nahm er ohne weitered an und nachbem ex 
fh auf einer Zagfahrt zu Diewe mit mehren Gebietigern und 
Röstifchen Bevollmächtigten über die Streitſache berathen, 
wurben ber Komthur von Danzig Nicolaus Poſtar, der Vogt 
von Dirſchan und mehre andere nach Kopenhagen abgefanbt. ® 
Ire Vollmacht lautete: fie folltn von den Hollaͤndern genuͤ⸗ 
genden Schabenerfag fir alle ben Unterthanen des Ordens 
weggenommenen Schiffe und vom Könige vor Dänemarl Bes 
Bitigung aller früheren Handelöprivilegien fin den Kaufmann 


1) Schr. des Königes Erich v. Dänemark, d, Rügenwalde am T. 
d. Beil. Leichnams 1441 Schbl. XXXI. 46. Regiſtr. VHL 53, 

2) Der Streit betraf vorzüglich noch den Schaden, den des HM. 
Untertfanen durch die Wegnahme der 22 Schiffe erlitten hatten, worüber 
ſchon unter Paul v. Rußdorf viele Verhandlungen Statt gefunden, 
Billebrandt Hanf. Ehron. TH. H. p. 93. Köhler Samml. 
Saaf. Geſchichte p. 215. Hanfeat. Receffe VI. 499 ff. 

3) Das Anbringen des Dänifhen Sendboten Mont. nad Zrinit, 
1441 Roftr. VIL 9. 

4) Unrihtig ſetzt Schättz p. 145 die Sendung diefer Botſchafter 
noch vor die Wahl des HM. Bal. Sartorius Gefchichte des Hanſ. 
Bundes B. IL 271. 


28 Verhaͤltniſſe zu Dänemark. (1441.) 


aus Preuffen verlangen. “ Diefer verhieß ihnen auch bei 
ihrer Ankunft in Kopenhagen allen möglichen Beiſtand; allen 
bedenkliche Reichöverhältnifle riefen ihn plöglich nach Schweden. 
Seine Räthe fuchten nun zwar in den Verhandlungen mit ben 
Holländern eine Ausgleichung herbeizuführen; da dieſe inbeß 
ebenfalld mit harten Klagbeſchwerden gegen die Danziger und 
Eibinger auftraten, Die Verhandlungen dadurch noch mehr ver: 
wirrt und vom Dauptgegenftande abgelenft wurden, überbieß 
auch die von den Drbenögefandten geforderte Summe bed 
Schadenerfaged den Holländern viel zu hoch fehlen und biefe 
nur bie Hälfte boten, fo zogen jich die Unterhandlungen fo m 
die Länge, daß zuletzt faft alle Ausficht zu einem Vergleiche 
verfchwand. ?? Statt fi zu nähen, gingen bie Parteien in 
gegenfeitigen Vorwürfen immer mehr auseinander.) Indeß 
kam endlih im September nad) vielen Verhandlungen doch 
ein Vergleich zu Stande, bed Inhalts: alle der genommenen 
zweiundzwanzig Schiffe wegen in Preußen ober Livland gefan: 
gen gefesten Holländer werben frei gelaffen und ihre Güter 
oder etwanige Schatzung ihnen zuruͤckgegeben; fin jene Schiffe 
und die darin befindlich geweſenen Güter zahlen die Hollaͤnder, 
Friesländer und Seeländer den betheiligten Preuffen und. Bios 
ändern neuntaufend Pfund Groſchen in vier Terminen; ber 
Herzog von Burgund foll erfucht werben, dieſe Geldfumme 
imgehindert aus feinen Landen ausführen zu laſſen; wegen 
Audgleihung anderer Beſchwerden und Anforberungen für 


1) Volmmacht und Infruction für die Sendboten, d. Dienft. nad 
Eorpor, Chr. 1441 Schbl. XXXIHL 125, Regiſtr. VII. 12— 13. Sqbbi. 
79. 10. 

2) Bericht der Drbensgefandten über ihre Verhandlungen Fol. A. 
29 — 32. Regtfir. X. 15—17. Die Sendboten de6 Drdens verlang- 
ten als Entſchaͤdigung für die 22 Schiffe 15,000 Pfund; die Hollaͤn⸗ 
der boten nur 8000 Pfund, Nah Fiſcher Geſch. des Deutſch. Hans 
dels 3. II. S. 395 flug Danzig den Werluſt auf 30,000 Marl an, 
nah Koͤhler a. a. O. p 215 

3) Sol. A. 9, 

4) Nah Schütz p. 145, folten davon 7000 Pfund den Preuſſen, 
2000 den Livlaͤndern zufallen. 


Verhaͤltniſſe zu Daͤnemark. (1441.) 39 


genommene. Schiffe und fonflige Werlufte follen ber Hochmei⸗ 
fer und der Herzog von Burgund andere Verhanblungdtage 
anordnen; alle neuen Sagungen gegen den Handel der Hol: 
Länder in Preußen und der Preußen in Holland, Seeland und 
Friesland verlieren hiemit ihre Wirkfamkeit u, ſ. w. 
Inzwiſchen hatte König Erich, bereitö nach Gothland zus 
ruͤckgekehrt, den Hochmeiſter wiederholt mit Idfliger Zubrings 
lichkeit aufgefordert, ihm wegen ber von ben Dänen ihm zuges 
fügten Schmach und Gewalt Recht und Hülfe zu verfchaffen. 
Die zwar höflichen, «ber nichtöfagenben Antworten fchienen 
ihn kaum zu verbrießen.? Endlich verteöftete ihn der Meis 
ſter mit dem Beſcheide: er habe ben König Chriſtoph erſucht, 
feine Machtboten nah Danzig zu fenden zu einem Verſuche, 
die Streitfache in Güte beizulegen.? Bereits indeß war der 
Komthur von Danzig mit dem Entwurfe eined Buͤndniſſes zu⸗ 
ruͤckgekehrt, wonach zwifchen dem Orden und bem Könige 
Chriſtoph, ber bereitwillig dem Orden und ben Stäbten Preus 
ßens alle Gandelöprivilegien feiner Vorfahren von alten Beiten 
ber erneuert und befldtigt hatte, * eine gegenfeitige Hälföge - 
noffenfhaft auf zehn Jahre gefchloflen und barin beſtinunt 
war, daß in Kriegsgefahr einer dem andern mit taufend Bes 
waffneten Beifland leiften folle. War auch im Vertrage des 
Koͤniges Erich nicht erwähnt, fo zielte auf ihn doch offenbar 
die Beſtimmung, daß ein Theil des andern Widerfacher mit 


1) Der Vertrag, d. Kopenhagen Mittw. vor Nativit. Mariä 
1441 (ſehr befhädigt) Schbl. XXXIII. 44, Regiſtr. VII. 37 — 39, 
Damont. T. III. P. I. p.'106. Lünig T. XIV. Schütz p. 145; f, 
Kopebue 2. IV. 268. Die Zahlung der Summe follte alle Weide 
nachten von 1442 bi6 1445 erfolgen. -Fifder a. a. O. ©. 396. 

2) Schr. des Kön. Eric, d. Sothland in ber Burg Wisborg am 
x. Jacobi 1441 Schbl. XXXI. 35. Roftr. VII, 54. Untwort des HM. 
d. Rothenhaus Mont. nah Affumt. Mariä 1441 Rgſtr. VII. 55 
Neues Schr. des Kön, Erich, d. Wisborg. in profesto nativit. Mariae 
1441 ebend. p. 56. 

3) Schr. des HM. an König Erih, d. Koffebäde Mont. vor 
Michacli. 1441 Regifir. VIE 57. 

4) Schäsz p. 145. 


30 Tagfahrt zu Eibing. (1441.) 


bekaͤmpfen ſolle.) Jedoch erließ der Hochmeifter an Konig 
Chriftoph eine neue Aufforderung zu - einer Sendung nad) 
Danzig, 22 denn er hoffte, Erich werde fich durch irgend einige 
Erbietungen und Bervilligungen Veicht zufrieden ftellen Laffen. 9 


— — — — 


Da nahete die Zeit einer den Staͤnden des Landes von 


neuem anberaumten Zagfahıt zu Elbing, die des Meiſters 
‚ganze Thätigkeit wieder ben innern Verhaͤltniſſen des Landes 


zumandte.? Das Intereffe ber betheiligten Städte machte 


nothwendig , daß die von den Machtboten des Ordens zu Ko: 
penhagen mit den Hollaͤndern gefaßten Beſchluͤſſe auch von 
Seiten ber Stände genehmigt und beftdtigt wurden. Allen 
fo dankbar fich die Ritterfchaft über Die Bemühungen aufs 
ſprach, durd) welche die fir das Land fo nachtdeilige Zwie⸗ 
tracht mit den Holländern audgeglihen war, ſo warfen doch 
Me Besolmächtigten mehrer Städte allerlei Ausſetzungen und 
Beichwerden ein, verlangend, daß einzelne ihr ſtaͤdtiſches Ins 
tereſſe nachtheilig bertihrenden Beſchluͤſſe widerrufen werden 
follten. Die Ritterfchaft indeß ſtimmte dem Hochmeifter bei, 
daß auch im diefen Punkten kein Widerruf gefchehen koͤnne, da 
man in des Komthurs von Danzig Vollmacht von Seiten ber 
Stände ausdruͤcklich erfidrt habe, alle Beſchluͤſſe der Sendbo⸗ 
ten genehmigen und aufrecht halten zu wollen. Die Beſchwerde 
der Städte über die Idfligen Vorlabungen und Eingriffe der 
Weſtphaͤliſchen Semgerichte in das Gerichtsweſen bed Landes, 
die jetzt ſchon immer haͤufiger wurden, verſprach der Hochmei⸗ 
ſter abzuwenden, ſobald ihm die geeigneten Wege dazu moͤglich 


1) Die als Grundlage zum gegenſeitigen Huͤlfsbuͤndniſſe vom Koͤ⸗ 
nige Chriſtoph vorgeſchlagenen Artikel, vom Komthur zu Danzig dew 
HM. am T. Kreuz⸗Erhoͤhung vorgelegt, im Regiſtr. VII. 36 — 37. 

2) Schr. des HM. an Koͤn. Chriſtoph, d. Koffebude Mittw. ©. 
Michaelis 1441 Regiſtr. VII. 58. 


3) Schr, des HM. an Ehriftoph Parsberger in Dänemarl, d. wie 
vor Regife, VII 60. 


4) Ste begann am T. Eatharind (25 Rovemb, ) und daberte mehre 
Tage. 


Tagfahrt zu Elbing. (1441.) 31 


wirben, zumal da er ſelbſt in feinem Streite mit Hans Dapib 
derch die Freigrafen bebrängt werde. Jedoch gab er den 
Stänben zu verfiehen, daß fie felbft nicht ganz außer Schuld 
bei dieſer Beläfligung durch die Feme ſeyen.“ 

Da fich dem Hochmeifter aber auch auf diefer Tagfahrt 
immer noch Spuren von Mißtrauen in feine wohlgemeinten 
Abfichten kund gaben und im Lande noch’ allerlei Gerlichte 
von feinbfeligen Gewaltmaaßregeln bed Ordens gegen bie 
Berbimbeten verbreitet wurben,, die das Vertrauen und ben 
Frirden fidrten, fo fand er nothwendig, ſich auf biefer Tags 
fahrt darlıber frei und offen auszufprechen. „Liebe Ritter und 
Knechte und liebe Getreue,“ fagte er mit wehmlithiger Herzlich 
beit, „wir vernehmen, daß zwifchen uns und euch etlicher Uns 
glaube iſt, als dag wir unfere Häufer befpeißen aus Roth 
enb weil dad Getraide wohlfell iſt und daß wir zufammeh 
seiten. Das ift gefchehen, weil wir von unferem Herrn Röm. 
Könige unb den Kurfürften gen Frankfurt in eigener Perfon 
gelaben wurben; wit mußten Sendboten ſchicken, Die und ent: 
ſchuldigten, Daß wir in eigener Perfon nicht kommen koͤnnten. 
Ran meinen etliche, daB wir ſolches Zufammtenreiten um nichts 
anders thun, als der Lande und Städte willen, um ihnen 
Sewalt und Unrecht zuzufuͤgen. So kamen zwei Herren aus 
Baiern, Die begehrten unfern Orden und ritten nad) Gewohn: 
bet in ihrem Harniſch zum Komthur von Elbing; ba mein; 
ten fogleich etliche, man wolle fie überfallen und Gewalt und 
Unrecht übern. Liebe Getreue, vor bitten euch, feßet nicht auf 
ums folchen Unglauben und Mißtrauen. Gott weiß, wir has 
ben ein ſolches nie Willens gehabt und iſt nie in unfere Herz 
zen noch Gedanken gefonmen, jemanb zu überfallen ober 
Bege und Beife zu fuchen, um euch zu zwingen und zu 
Bringen ober irgenb zu beleidigen. Gott weiß, daß uns nicht 
lieb iſt Unfriebe, Zwietracht und Widerwille, denn wie mag 
ums baf fen, als daß wir mit euch und ihr mit und in 


1) Sol. A, 34. Regifir. X. W. Das Nähere darüber in Bolgt 
Beſtyphaͤl. Zemgerichte in Beziehung auf Preußen S. 36 — 37. 


32 | Tagfahrt zu Elbing. (1441.) 


Eintracht, Liebe und Freundſchaft Ichet! Darum wenbet von 
euch ſolchen Unglauben und glaubet folden nicht, bie euch 
folched jagen, ſondern glaubet und; wir lieben euch als un⸗ 
fere lieben Getreuen und wollen thun bei euch als getreue 
Herren ihren getreuen Unterfoffen nad) allem unfem Vermoͤ⸗ 
gen. Kehret euch nicht daran, ob etliche Unwifiende und Un⸗ 
erfahrene auf den Ordenshaͤuſern etwas redeten, Dad da einen 
Mißglauben erzeugen ober jemand -verlegen möchte Wir wol⸗ 
len fchreiben auf alle Häufer und die Gebietiger ernſtlich er⸗ 
mahnen, daß fie jedermann warnen, daß er zufehe, was er 
redet. Geſchaͤhe ed, daß die Gebietiger fdumlich befunden 
würden, fo wollen wie felbft nad) Klage unb Antwort alfe 
viel dazu thun, als fich dad von Recht wird gebühren. : Darum, 
liebe Getreue, leget ab folchen Unglauben und vertrauet und; 
wir wollen thun ald die gefreuen Herren und ald wir vor 
Gott und aller Welt verantworten moͤgen.“ — Go ber 
SHochmeifter mit aufrichtigen Wohlwollen, Auch der Komthur 
von Elbing Heinrich von Rabenflein, den man im Laube am 
meiften verunglimpfte und beffen Abfichten an vielen Orten 
verdaͤchtigt wurden, ſprach mit einbringlicher Wärme von ber 
Meblichkeit feiner Gefinnung gegen Lande und Städte, umd 
wie er, fo erklärten fi) auch alle andern anweſenden Gebie⸗ 
tiger: „haltet und für die, wofuͤr ihre und bilig halten ſollt; 
wir wollen euch wieder halten, ald wir ed euch pflichtig und 
ſchuldig find.‘ 2 

Die Reden machten großen Eindrud auf die Verfammel 
. ten und der Zag zu Elbing gewann baburch auf viele Jahre 
die wichtigften Folgen. Hans von Czegenberg ſprach im, Na⸗ 
men der Ritterfchaft die Freude aus, die bed Meiflerd Wort 
durch die ganze Verſammlung verbreitet, und man verhieß, bad 
aufrichtige Erbieten des Landesherrn auch an die daheim Ges 


1) Die Rede des HM. im Regiſtr. X. 22. Sol A, 36; ſ. Kopes 
bue 8, IV. 37 — 38, wo fie unrichtig in bie erſten Tage des IR 
Konrad v. Erlihshaufen gefeht wird. 

2) Regifir. X. 23. 


Zagfahrt zu Eibing. (4441 — 1442.) 88 


bchenen zu bringen, damit auch hei biefen aller Zweifel und 
Unglaube vesfcheucht werde. „ir hoffen und vertan,” fo 
eubete Hans non Czegenberg feine Rebe, „daß Guns Gnabe 
unb euere Gebietiger und getreulich rathen und helfen werben, 
als umfere rechten, getseuen, lieben Herren, wie ihr bisher auch 
athan. Ihr werdet euerer getreum Ritterſchaft daſſelbe wahl 
nccauen, da wir an Guern Gnaden und euerm. Orden, wis 
garcue Mannſchaft bei ihrem Herrn getreulich than fol, ob 
Gert will auch thun wollen, unſern Leib und Gut und unfers 
Halſe für euern Diden darrtichen, wie daß unſere Wecker uh 
wx wunıes auch gethan haben.“ ) Nachdem Hans non ‚Sy 
gebe; inı Namen der Ritterſchaſt an den Meiſter noch: ben 
Anteag gerichtet, es möge balü auf einen neuen Taglahrt uͤher 

neue Willkuͤhren und nothwendige Lanbeögelehe, übrrhanyt über 
eine befiere Laudesverwaltung befonderd in Beziehung auf ben 
wmen Landmann eing Berathung angeordnet werben, ſpuroch 
ſh tbenſo Tiedemann von Hirken, der Bürgenmeiller von 
Sulm, im Namen ber Staͤdte nit Vertrauen gegen ben Mei 
Ger aus, den Wunſch der Städte aͤußernd, daß ein freier 
Sqhiffkauf nit bloß fin bie Hollaͤnden nach Laut des ger 
ſchleſſenen Vertrages, ſondern aud für bie Englaͤnder und bie 
VWeriſchen Stäbte im Lande erlaubt werde. Der Hochmeiſter 
bewilligge e5? und zugleich auch das Geſuch ber Ritterſchaft 
um einen freien Marttag in ber Woche, an welchen jeder⸗ 
mann kaufen und verkaufen koͤnne, was ex wolle, obgleich die 
Städte dieſe Bewilligung ungern ſahen. Damit ging Die 

fung zu Elbing auseinander. 

In Folge dieſer Verhandlungen beftätigte jetzt der Hoch 
meifler deu mis den Hollaͤndern gefchloffenen Vergleich mit 
Zuzichuung der wichtigſten Städte des Landes.” Aber zugleich 





1) Regifir. X. 24, Fol. A. 37, 

2) uf des legten Tagfahrt zu Elbing hatten bie Städte ſich ges 
gen die Beſtimmung des Vernages, daß die Holländer frei Schiffe 
kaufen Fönnten, erklärt. 

3) Asſchrift der urkundlichen Beſtaͤtigung, d. ein Mont, noch 

VIII. | 


34 Tagfahrt zu. Efbing... (1441 — 1442.) 


galt es ihm nım als die nächte Aufgabe aller feiner Band 
hungen in der innern Ranbeöverwaltung, Das Bertrauen, wel⸗ 
ches Lande und Staͤdte gegen ihn ausgeſprochen, in jeder 
Weiſe zu rechtfertigen. Es gingen ſofort Sendboten an den 
Roͤm. König und an die Kurfuͤrſten, bei denen er ſich über 


‚die Belaͤſtigungen und Eingriffe der Femrichter befchtwerte, 


womit theild ber Orden felbft in feinem Streite mit Hand 
David, theild mehre feiner Städte ‚vielfach bekiimmert wurden; 
fih berufend auf’ des Ordens Freiheit von aller fremben Ge 
tichtöbarkeit bat er aufs dringendſte um Schuß fire feine Unter 


thanen gegen: die frechen Sreiftühle. Nich minder fuchte 


er auch den vielfachen Klagen abzuhelfen, welche feine Unter 
tbanen gegen Polen theild wegen Hemmung der freien Hans 
—2 durch das Königreich und wegen Verhinderung · bei 

freien Hanbelöverfehrd mit den Polnifchen Städten, mit Kra⸗ 
kau, Sandomir, Lemberg u. a., theils wegen Erhoͤhung der 
Zoͤlle in Polen und ber. vielen Belaͤſtigungen auf ben Han⸗ 
delswegen durch die Polniſchen Hauptleute und Burggrafen 
zu führen hatten, Klagen, die insgeſammt als dem ewigen 
Frieden zuwiderlaufend angeſehen werden konnten.) . Gie folk 


‚ten auf dem im Anfange bed Jahres 1442 zu Thorn gehalte 


nen allgemeinen Richttage genau unterfucht und gefchfichtet 


“werden. Allein die Wichtigkeit vieler Klagpunkte, die große 


— 


Zahl der angebrachten Beſchwerden und die Schwierigkeit der 
Verhandlungen ließen die beiderſeitigen Bevollmaͤchtigten zu 


Catharina 1441 Schbl. XXXIII. 42, Regiſtt. X, p. 26. Die Städte 
Thorn, Elbing, Danzig und Riga unterfiegelten. 
1) Aufträge an die Sendboten und Schr. bed HM. an den Röm, 


‚König, d. Mar. am T. Eoncept. Mariä 1441 Regifir. VIL 77 —83, 


Die dem Hauslomthur von Köln gegebenen Uufträge an bie Rurfürs 
fen, d. Sonnab, vor Luciä 1441, ebendaſ. p. 84 — 85. Die Geſchichte 
des Streites des Ordens mit Hans David in Voigt die Weſtphaͤl. 
Femgerichte u. f. w. ©. 7 ff. 

‚2) Die Aufzählung der zahlreihen Klagpunkte der Ordensuntertha⸗ 
nen Regiftr. VII. 96— 103; fie ind von Interefle, weil fie und mans 
hen Auffhluß über den Handel Preuffens durch Polen nach Ungern 
und in ſadliche Rußland geben. 


Tagfahet zu Eibing. (1441 — 1442.) 55 


tinem feſten Beſchluſſe kommen. Es warb daher beftimmt, 
man wolle alles bis zu einer perſoͤnlichen Zuſammenkunft des 
Euniges und des Hochmeiſters um Michaelis anſtehen laſſen, 
weil man hoffte, beide Fuͤrſten wuͤrden ſich leichter perſoͤnlich 
über das Wichtigſte verſtaͤndigen. » 

Auch im Imern des Landes war der Hochmeifter unab⸗ 
lafſig bemüht, das neuerwecktte Vertrauen der Unterthanen zur 
Landesherrſchaft noch mehr zu befeſtigen und billigen Wimſchen 
ud Bitten fo viel als moͤglich Gnuͤge zu leiſten. Der Or⸗ 
densmarſchall und der Komthur von Kreuzburg mußten ſich 
nt den Freien im Gebiete von Eilau über die von dieſen ges 
winfchte Erleichterung in der Lieferung des Schalvenstornes 
dahin einigen, daß alle Freien, bie biefe Abgabe ſchon von 
Ulteröher gegeben, folche von jest an nur jebesmal im britten 
Jahre Tiefen follten; über Recht und Verpflichtung in dieſer 
Sache ſtellte man gegenfeltig” beflegelte Zuficherungen aus. 2 
Eine gleiche freimbliche Vereinigung traf man mit ben Freien 
im Balgaifchen und Kreuzburgifchen‘ Gebiete, wo beſonders 
der Sanbedritter Hand von -Ponnamw auf bie Freien mit gro⸗ 
Sem Eifer in diefer Angelegenheit fir den Orden günflig 
wirkte. "Daneben fehlte es freilich hie und da auch nicht an 
feichen, die immer noch dad alte Mißtrauen im Volke, wo fie 
sur Tonnten, zu unterhalten oder auch neu anzuregen fuchten, 
gegen die Dbem aufhebten, zu neuen Zorberungen anreizten 


1) Nur über die Auslieferung der aus Polen ins Orbensgebiet ges 
Bädteten Bauern wurde zwifchen den Bevollmächtigten ein —— 
gefaßt, d. Thorun Feria IV infra octavas Epiphan. 1442 Schbl. 67. 
Segifir. VIE. 101. Dierk, der Poln. Bevollmächtigten, d. —* 
Feie II. infra oetavas Epiphan. 1442 Regiftr. VIE. 95. Unter den 
Drdensbevollmädtigten befand fih aud) Hans von Baifen, der übers 
haupt in den Ausgleichungsverhandlungen mit Polen und Mafovien 
jegt vielfach thaͤtig war. 

2) Schr. des Ordensmarſchalls, d. Ellau Dienft, nach Invocavit 
142 Shbl. LXXIH. 75 (a). 

3) Schr. des Drdensmarfchails, d. Kreuzburg Donnerſt. nach Ins 
voran. 1682 Schi, LXKHI. 76 (a). Sqthr. des Komthurs v. Balga, 
d. Eilan Sonnab. vor Oculi 1442 Shbl, LXXLI. 23. 

3 


20 . Magfahet zu Elbhing. (4442.) 


und den Geiſt der Unzufriebenheit ſtets zu naͤhren wußeen. Sem 
Komthurbezirke von Pſterode gingen ſolche Auſhetzungen des 
gemeinen Wolfed beſonders von ben Staͤdten aus. Aber auch. 
die Ritterſchaft hielt dort mit den Kulmeru öfter noch Zusfame 
menkuͤnfte zur Berathung über angebliche Ungerechtigkeiten wb. 
„Unfertigfeiten.” Ucherhaupt hatte ber unguftiedene, miß⸗ 
teauifehe Geiff im Oſterodiſchen Gebiete noch am fiefflen Wur⸗ 
zel gefaßt. " 

TIheils diefe hie und ba voch obwaltende mißliche Etun- 
mung im Lande, theild haͤuſig einlaufende Magen über Miß⸗ 
braͤuche In Städten und auf dem Lande und immer neue. An⸗ 
forderungen an die Landesherrſchaft bewogen ben Hochmeißer, 
um die Bitte des Maͤrz Lande und Städte abermald zu einer 
Tagfahrt nach Elbing zu berufen? Da tat er vor DM 
Ständen mit der Vorftellung auf: es ſey ihm unmöglich, bab. 
Hochmeiſteramt bei dem großen Geldwangel feine: Schates 
mit erforderlicher Wuͤrde zu verwalten; feine Vorfahren im 
diefem Amte hätten befanatlich zux Staats» und Hoſhaltung 
des Hochmeiſters gewifle Gebiete, die man Kemmecgebicie 
nenne, angewieſen, uͤberdieß auch eime Schaͤfferei mit einen 
Schatze von mehr als hunderttaufend Mark gehabt; aus bei⸗ 
den habe ein Hochmeiſter ſeinen Hofſtaat und das Haupthaus 
Marienburg wuͤrdig unterhalten und Landen und Staͤdten zur 
Unterftügung noch manche anſehnliche Summe geſpendet. Das 
fen jebt alles anberd. In den Kammergebieten fey die Ar 
muth und Verwuͤſtung fo groß, daß die Einkünfte nicht ein: 
mal zum britten oder vierten Pfennig mehr eingingen; bie 
große Schaͤfferei ſey ganz und gar zu Grunde gerichtet und im 
ganzen Lande, wie in ben Städten fo auf ben Lande, fo 


1) Schr. des Komthurs v. Dfterode on den HM,, dem er mul 
det, daß es in den Städten immer noch manche gebe, „die under Die 
fürhe ern bozen Somen ſehen u. boze bilde In vortragen, alſo das 
das folk ungengget wirt.” Schr. des Komthurs v. Dfterode, d. Ho⸗ 
benftein o. D. (1442) Schbl, LAXIM. 85, - 

x 2) Gi ward am Mittwoch nach Lätase 1442 öffnet; Rıgifr. 


Berchandiung wegen vr Bil. (1442) 37 


druͤckende Armuth und Elend, daß er auch von da ber bie 
noch  außfiehenben Schulben, bie auf einige Jahre wohl zu: 
zeichen kaͤnnten, nit eingezahlt erhalte. Dieb alles noͤthige 
Ya, Gebrauch von feinen Privilegien zu machen, 3öle aufzus 
legen und namentlich den Pfunbzoll zu erheben. Daß er da⸗ 
zu bereditigt ſey, bewied er ben Ständen aus dan alten Pri⸗ 
vilegium des Kaifers Friederich des Smeiten. Miele erklaͤr⸗ 
ten: fie wollten den Meifter gerne bei feinen Rechten und 
Betvilegin laſſen, wie er ihnen bie ihrigen aufrecht erhalte. 
Allein die Kulmifche Ritterſchaft, an ihrer Spige Hand von 
Syegenberg, Kunz ven Glement, Dtto von Plenchau, Nicolaus 
von Senzkau und Georg Maul ſtellten vor, daß fie zu folder 
Gimveiligung keine Vollmacht bitten und die Sache an bie 
Dhnigen zuruͤckbringen müßten, obwohl an einer geneigten Zu⸗ 
fimmmg nicht zu zweifeln ſey. Ihnen folgten barin auch 
die großen Gtäbte Kulm, Thorn, Elbing, Danzig und Könige 
berg; doch erklaͤrte auch in ihrem Namen Ziebemann von Hir⸗ 
ten, daß auch fie bereit feyen, ben Orden bei feinen VPrivile⸗ 
gien au laffen. Gr verlangte jedoch zuglei im Namen aller 
Ständer der Meter möge das Ablaßgeld, um weiches ihn 
abermals einige Kurfinflen gemahnt hatten, nicht cher aus dem 
Lande gehen lafien, als bis man fehe, were ed damit andede 
Fuͤrſten hielten, und bie Prälaten des Landes billigten dieſes 
Gefuch. Um fih die Stände geneigt zu erhalten, willigte ber 
Hochmeiſter auch gerne in manche andere an ihn gerichtete 
Forderungen und Wimfche, Tagte ihnen ben bereits verfproches 
nen Richttag auf Martini zu, verſprach auch zwedmaßige 
Maaßregeln zur Abhuͤlfe ihrer Klage, daß die Polen in ihrem 
Hanbelaveckehre wicht bie alten Steaßen hielten, yerhieß neue 
Anordnungen zur Förderung des Handeld und Verkehrs, der 
Induſtrie und überhaupt alles deſſen, was zum Wohl und 





1) Das Vorftellen des HM. über die Lage des hochmeiſterlichen 
Amtes im Regifie. X. p. 33. Much feine Schilderung von der Beſchaf⸗ 
fenheit des Bandes ift hoͤchſt traurig und unerfreutich. Bel, Orala * 
Geſchichte v. Danzig B. I. ©, 215, 


38 Berhandiung wegen ber Böle. . (1442) 


Gedeihen des Landes diene. Nur in. ihre Korberung wegen 
Abftellumg des Mahlpfenniges konnte er wicht einwilligen. 9», 

Somit war ein neuer Streitpunkt hingeworfen. Die 
meiften kleineren Stäbte, deren Iuterefie bei Erhebung neuer 
Zölle und beſonders des Pfundzolled weniger im Spiele war, 
wandten zwar nichtd Dagegen ein und erklärten ebenfalls, baß 
fie den Drben im Gebrauche feiner ‚Rechte und Privilegien 
nicht beſchraͤnken wollten. Auch die Ritterſchaft und bie: ehr⸗ 
baren Leute bed ‚platten Landes forschen fich in Berathungen 
auf ihren Zagfahrten in den meiſten Gebieten, ſelbſt in dem 
von Rheden in Rüdficht der Zoͤlle zwar gleichfalte zu Gunſten 
bed. Hochmeifters aus; 2? andere ber kleinen Städte ſchwankten 
noch. und laufchten, wie fich die großen Städte in ber Sache 
verhalten wuͤrden; einige, wie Graudenz, Leſſen u. a. erklärten 
auch geradezu, daß fie dem Beifpiele ber großen Städte folgen 
wolten.? . Allein in Danzig ließ man mittlerweile Englifche 
und Flaͤmiſche Schiffe mit ihren Kaufguͤtern ohne Pfundzoll 
aus⸗ und einlaufen. Der Rath der Stadt kuͤmmerte ſich um 
kein Verbot weder des Pfundmeiſters noch bed. Komthurs, 
hetzte vielmehr die dortigen Englaͤnder und Hollaͤnder auf, ſich 
mit ihm vereint der Erhebung des Pfundzolles beharrlich zu 
widerſetzen.“ Thorn und Kulm beriefen ſich auf ein altes 


9 Die Verhandlungen dieſer eber Regiſtr. X. 5 — 36; der 
mwefentliche Inhalt bei Schütz p. 146 

2) Schr. des Komthurs von Sraudenz, d. Mont. nach Judica 
1442 Schbl. LXXVI. 46. Schr, des Komthurs v. Golub, d. Mittw. 
nach Judica 1442 ebendaſ. 29. Schr. des Pflegers v. Papau, d. 
Dienſt. nach Judica 1442 ebendaſ. 37. Schr. des Komthurs v. Rheden, 
d. Donnerſt. vor Palmar. 1442. Schr. des Vogts v. Roggenhauſen, 
d. Mont. vor Palmar. 1442 Schbl. LX. 128, 

3) Schr. des Vogts v. Roggenhauſen, d. am gruͤnen Donnerſt. 
1442 Schbl. LXXVI. 50. Dieſer Vogt ſcheint ganz, beſonders be⸗ 
muͤht geweſen zu ſeyn, auszuforſchen, was in den kleinen Stäbten 
vorging. 

4) Schr. des Komthurs v. Danjia, d. Gonnab, vor. Palmar. 
1442 Schbl. LX. 81. Schr. des prundmeihet zu. Darus, d. Freit. 
vor Palmar. 1442 ebendaf, 97 





Dichacdlumg wegen bee Bölte: (1462) BP 


—— von Ponmern, welches ſie 
in ſeinem Gebiete fuͤr frei won allen Zoͤllen erklaͤre, obgleich 


"der in ber alten Landesgeſchichte wohlbewanderte Biſchof Ka⸗ 


far von Pomeſanien · ihnen zu erweiſen wußte, daß biefe Be⸗ 
freiung ſich nur auf dad Landgebiet von Mewe, wo jener Her⸗ 


‚ keineswegs aber auf ganz Pommern und alſo 


zog geherrſcht 
auch nicht auf das Gebiet von Danzig beziehe. ? 

Le mehr num aber der Meifter fah, daß ſelbſt die Bun⸗ 
bed s Stäpte in Ruͤckficht der neuen Streitfrage unter einanber 
nicht einig feyen, um fo wichtiger warb es für ihn, zu erfon 
ſchen, welche umter ben kleinern Staͤdten fich für ihn erflärten 
und welche bagegen fih ben großen Staͤdten anfchließen wolls 
ten, denn er ging dem Plane nach, die Uneinigkeit zu feinem 
Bortheile zu benugen, die Zrennung wo moͤglich noch zu ers 
weitern und in folcher Weile, da die Ritterfchaft zum großen 
Zeil fin ihn gimflig geſtimmt ſchien, vielleicht eine völlige 
Aufloͤſung des ganzen Bundesverhaͤltniſſes herbeizuführen, Die 
Komthure und Voͤgte wurben daher beaufragt, die Stimmung 
unb Gefinnung fowohl ber ehrbaren Leute auf dem Lande als 
ber einzelnen Stäbte aufs genaufle auszuforfchen, unb ber 
Meifter vernahm bald von vielen Seiten her, daß man, dem 
Drben meift gimflig und geneigt, den Rechten beffelben in 
feiner Weiſe entgegentreten und ber Erhebung der Zölle auch 
feine Schwierigkeiten entgegenlegen wolle. ? Manche Städte 


1) S. oben 3. IT. S. 29, wo zu Kulm auch Thorn hinzugefuͤgt 
werden muß, wie eine neuaufgefundene Urkunde ausweiſet. 

2) Schr. des Biſchofs v. Pomefanien, d. Riefenburg am Palms | 
Sonnt. 1442 Schbl. LXV. 25. Die Nahmelfung gefhah theils aus 
namhaft gemachten Documenten, theils durch chroniſtiſche Angaben. 
Der BSiſchof erwaͤhnt einer Chronik, die er von Millas Felgenhauer 
genommen und für ſich habe ausfchreiben Laffen. 

- 3) Schr. bed Komthurs v. Thorn, d. am guten Freit. 1442 Schbl. 
LIE. 98. Schr. des Komthurs v. Danzig, d. War, am Oſterabend 
1442 Gchbl. LXVI. 40. Schr. des Komthurs v, Schlohau, d. Zus . 
del Sreit. vor Oſtetn 1442 Schbl. LIX. 126. ‚Schr. des Koushurp 

v. Mewe, d. Stargard Dienſt. vor Oſtern 1442 .cbendaf. W. Schr, 
des Vogts v. Dirſchau, d. Liebenhof Dienſt. zu Oftern 1442 ebendaſ. 





20 Brandung wegen der et. (1442.) 


arklaͤrten bereits offen, daß fie den Ladengen bee grohen Gilt 
auf Tagfahrten nicht mehr Folge leilien und überhaupt au 
ihrer Sache wider den Orden nicht ferner Theil nehmen  volise 
ben.) Im Dfterobifchen Gebiete wirkte vorzuͤglich ber Lane 
deßritter Sander von Baiſen auf die —— der Staht⸗ 
für den Orden guͤnſtig ein, fo daß ſich auch dort bald ur 
noch eine und die andere fand, die dem Vorgange der großen 
Städte folgen wollte.) Ueberhaupt ſprach ſich in den * 
zen Staͤdten ziemlich allgenꝛein die Meimmg aus: „man 
wolle ſich dem Dochmeifter als Landeöheren und dem Orden 
im einer Weile bezeigen, wie es guten, getreuen Unterthangn 
gebühre und Unterthanenpflicht es erfordere. ?) 

Um fo mehr blieb auch jebt ber Hochmeiſter, felbft durch 
bed Drbendmarfchald Math dazu angeregt, ® feſt entſchloffen, 
bem Anfinnen ber großen Städte nicht nachzugehen. Als ba 
ber ihre Machtboten im Anfange des Aprils zu. Marienburg 
vor ihm erfchienen, um ihn zu vermögen, von der neuen Boll 
erhebung abzufichen, ließ ex ih durch Feine VBorſtellung bewe⸗ 
gen, etwas von feinem Rechte aufzugeben. Die Werhanblung 
blieb fruchtlos, denn wie ber Meifter an ben Ihm zuſtehenden 
Pberhoheitsrechten und Privilegien, fo hielten die Sendboten an 


201. Schr. des Vogts dv. Leipe, d. Bothen Mittw. nach Oſtern 149 
Schol. LX. 110. Schr, des Komthurs v. Schwez, d. Heinrichsdorf 
Dienft. zu Oſtern 1442 Schol. LXXVI. 43. 


1) Schr. des Komthurs v. Strasburg, d. em T. Ambrofli 1442 
Schbl. LXXIH. 88, Schr des Komthurs vo, Thorn, d. Donnerſt. 
vor Quaſimodogen. 1442 Schbl. LX. 138, 

2) Schr. des Sander v. Baiſen an den Komthur v. Elbinq, d. 
Mohrungen Dienſt. nah Palm. 41442 Udelägeih. B. 96. Schr. des 
Aus v. Eibing, d. Holland Mittw. zu Oſtera 1442 Scqhbl. LX. 

7 

3) Schr. des Konthurs v. Dalpe, d. am Dftertage 44008 Schol. 
EX, 138, 

4) Schr, des Ordenſmarſchals, d. Brandenburg Doansfl, nah 
Hmbrofii 1442 chbl. LXXVI. 27: der SUR, möge fh nu „Hart“ 
in den Sachen halten und nichts yafanınz man meine ſelbſt ta Kdı 
nigsberg, er werde durch Zeſtigkeit feinen Willen ſchon behalten. 


Verhandlung wegen des Ymdplien. (1412) 41 


den hnen gelobten Freihriden feſt. Gelbſt der Witte bee 
Danziger, die bereits fegelfertigen Schiffe zur Ausfahrt frei zu 
laffen, gab ex Bein Gehör, erwiedernd: fie können ungebinbert 
aucſegeln, ſobald fie gegeben, vond uns geblihrt.“ Dabei war 
es vor allen wichtig, baß bie: beiden angefehenen Randesritter 
Band von Czegenberg und Hans von Batlen überall, wo fie 
formten, für ben Orden guͤnſtig wirkten, denn jener, vorzuͤglich 
ech Den Komthur von heben gewonnen, erbot ſich jeht, 
bem Hochmeiſter in allem, wozu er verpflichtet fen, mit Rath 
und Hütfe zw Dienft zu ftehen und fein Einfluß yelgte fich 
bald bei der geſammten Ritterſchaft bes Kulmerlantes, wo 
man fen von einer förmlichen Trennung von ben großen 
Städten ſprach. Auch Hans von Baifen fand dem Meiſter 
treu zur Bette; er und ber Komthur von Elbing gaben ihm 
ben Bath, vor allem die drei Städte Xhom, Kulm ımd Grau: 
ken, die fich im Kulmerlarnde am meiften wiberfeßten, zu einer 
beſtinunten Erklaͤrung aufzuferdern, damit dann mit Nachdruck 
irgend ein enticheldender Schritt geſchehen koͤnne. Dem ſtimmte 
auch Hans von Gzegenberg bei? und dem Großkomthur ſchien 
es um fo nothwendiger, weil von einem neuen Bundestage 
He Rede war, auf welchem zu Martenwerder die Städte Dans 
zig, Elbing und Koͤnigsberg ſich bee Kitterſchaft wieder näher 
anzufhließen hofften.®? Alſo Tub ber Hochmeiſter suerft bie 
Städte Kulm und Xhern zu einer Tagfahrt nach Mewe. 
Ben ihm dort zu einer beffimmten Erklärung aufgefordert: ob 
ſie ihn bei feinen Balferlichen Privilegien laſſen wollten, wichen 


1) Diele Berhandlung zu Diartenburg fällt auf ben Sonnt. Qua⸗ 
ſodogen. Negur. X. 28 4. Schlitz ”» 17. « 

2) She, des Komthurs v. Rheden, d. Hof zu Polniſch⸗GSchwe; 
Genneb, vor Duafimedogem 1442 Gchoi. LXXVI. AB, Ede. des 
Komthurs v. Eibing, d. Neuenhof bei Elbing Freit. nah Quaſtmo⸗ 
Dogen. 1442 u, Schr. des Konithurs v. Ehriftburg, d. Freit. nad 
Quafimodogen. 1442, woraus die thätige Einwirkung Hanſent v. 
Bolten zu Bunften des SR. ſehr einleuchtend wird, 

» Gar. 36 ea, d. Danıig Sonnab. nach Mifericord. 
1443 Schti. LXXVI. 9. 


AB Werhanblung wegen des Pfundieles. (1442) _ 


fie jedoch der Antwort aus, meinend, fie müßten fich Darüber 
zuvor auf bem anberaumten Bundestage mit ben anben 
Städten berathen. Der Meifter ließ ed zu umb lub, als der 
Tag zu Marienwerber gehalten wer, auch bie übrigen drei 
Städte zur Verhandlung nah Mewe ein. Sein Streben. 
ging jetzt offenbar darauf hin, Thorn und Kulm wo möglid 
von den andern Städten zu trennen. : Mit ihnen ſuchte ex. bas 
ber befonderö zu verhandeln, ald Grund angebend, fie feyen 
durch die Kulmifche Handfeſte befonderd privilegirt und vom 
Pfunbzolle frei, weshalb fie auch feinen Gerechtſamen um fo 
* weniger wiberfprechen wuͤrden. Auch Hans von Eyegenberg 
fuchte. auf die Städte einzuwirken; D fie erflärten indeß: fie 
koͤnnten in der gemeinfamen Landeöfache fich nicht trennen und 
winden dem Meifter eine gemeinfame Antwort ertheilm. Sie 
erfolgte, lautete aber bahin: die Städte verlangten allzumal, 
der Orden folle fie bei ihren Freiheiten laffen und mit bem 
Pfundzolle oder andern Zöllen nicht befchweren. Da dieß bem 
Hochmeifter nicht genügte, fo trat der Bürgermeifler von Dans 
zig.in ber Uebrigen Namen auf, um bie verberblichen Folgen 
des Pfundzolles fir den Handel mit den Englänbern und 
Dolländern vorzuftellen, weil beive ben Zoll nicht entrichten 
wollten. Der Meifter aber erwieberte: „die Holländer habe ex 
bereitö überführt und beruhigt und den Engländern fey von 
Zollfreiheit nichts verfprochen.” Wohl weiß ich, fuhr er dann 
fort, was ihr argmöhnet. Es gehen Gerüchte im Lande, ber 
Orden wolle bad Land mit allerlei Zöllen, Zinfen, Beben und 
andern Abgaben belaſten. Man fucht damit dad Volk nur zu 
verhegen. Man fagt: der Orden laſſe das Haus zu Danzig 
bemannen, um die Stabt zu überfallen. Ja in Elbing geht 
die Rede, ald habe das Kalb, auf deſſen Haut dad alte kai⸗ 
ferliche Privilegium gefchrieben ſey, noch vor einem Jahre ges 
weibet; ber Orden habe ſich des Biſchofs von Riefenburg und 


1) Hieräber muß Schütz p. 147 — 148 mit dem Berichte über 
dieſe Tagfahrt im Regiſtr. X. 45 — 47 verglichen werben ; beide ergaͤn⸗ 
sen einander. 


Verhandlungen · wegen bed Pfundzeles. (1442,) 48 


zes Pfarrers zu Danzig bedient, um. ein fatſtches Privilegium 
zu ſchmieben. Alles find Erdichtungen.) Die Staͤdte fehle 
wen ed zu glauben und fprachen felbft mit Verachtung von 
den Gerichten; indeß verlangten fie doch eine :Abfchrift des 
Rivilegiums. Allein der. Hochmeifter verweigerte fie und wollte 
& ihuen bloß vorlefen laſſen, fo oft ſie es verlangten, benn 
eine Deutung, erklärte er, ober eine Auslegung beffelben ſtehe 
Ihnen nicht zu. So konnte man fich nicht vereinigen. Der 
Biſchof von VYomeſanien , mehre Gebietiger und Hans von 
Baiſen verfuchten eine Vermittlung zwiſchen dem Meiſter und 
den Bevollmaͤchtigten und ſchlugen allerlei Wege zur Ausglei⸗ 
chung vor; allein ohne Erfolg warb hin und ber verhandelt, 2 
Da trat enblich der Hochmeiſter mit den Worten bazwifchen: 
„Bir haben den Pfundzol angefeht und werden ihn nehmen. 
Unfere Rechte und Privilegien wollen wir dem Röm. Könige 
ax Rechtsentſcheidung vorlegen; was er ausſpricht, ſoll uns 
genbgen; vote wollen nicht Unrecht thun, jedoch auch unſer 
Recht behaupten!‘ ® 

Die Städte, welche ed befrembend und außer der Ord⸗ 
mmg fanden, daß ſich der Hochmeiſter auf den Roͤm. König 
berufe und ſie vor deſſen Gericht ziehe, forderten ihn auf, den 
Schritt ſorgſamer zu erwaͤgen und dabei zu bedenken, wie ſehr 
ein neuer Zoll von den fremden Kaufleuten die Koͤnige von 
England und Daͤnemark, den Herzog von Burgund und die 
Hanſeſtaͤdte befremden und welchen Nachtheil er dem Verkehr 
mit dieſen Landen bringen werde. Der Meiſter aber erwie⸗ 
derte: jene Koͤnige und Lande haben auch ihre Zoͤlle, Geleite 
und Abgaben; wir legen ihnen darin nichts entgegen und fie 
werden es und auch nicht. Er blieb fomit beharrlich bei feinem 
Billen und gab endlich nur fo viel nad), daß er bie Erhebung 
des Pfundbzolled noch einige Zeit anflehen laſſen wolle, jedoch 
mibefcyadet feinem Rechte. So ging bie Zegſahrt zu Ende, 


1) Schitz'’p. 148149, Regiſtr. X. 50. 
2) Das Einzelne darüber bei Schisz p. 1". Rediſn. x. 33. 
3) Schiisz L Ge Regiſtr. LG4. 


44 Becechanblungen wegen bed Pfundzeties. (1442.) 
denn manches Ehielne, was bie Staͤbte beim Meſſter zum 
Beften des flaͤdtiſchen Handel und Verkchrs beantragten, 
werd ſpaͤtern Betathungen anheimgeſtellt.“ Die Spannung 
aber zwiſchen dem Hochmeiſter und ben Staͤdten war duch 
dieſe Verhandlungen noch Höher gefleigert, fo daß man in den 
letztern bereit daran dachte, einen Bevollmächtigten an bie 
Hanfeftädte zu fenben und fie m Fall der Moth um Hälfe zu 
Bitten, zugleich auch fie zu erfuchen, Ihrer Seits ebenfalls beim 
Hochmeiſter auf Abſtellung des Pfundzolles anzutragen. In 
Luͤbeck umd den uͤbeigen Hanſeſtaͤdten war allerdings auch we 
gen der Handelszoͤlle die Stimmung fuͤr den Orden nicht die 
guͤnſtigſte, wie der Meiſter ſelbſt erfuhr. * | 
Obgleich nun die Ritterſchaft und die ehrbaren Leute die 
Partei der großen Städte fchon faſt ganz aufgegeben halten, 
fo entſank dieſen doch noch Feinedwegs alle Hoffnung, denn 
wenigftend unter den Pleinen Städten rechneten fie noch auf 
Anhang. Ihre Sendboten erfchtenen daher bald von neuem 
in Marienburg, dort den Bifhof von Ermland und Hand von 
Balſen erſuchend, ald Vermittler ihre Wuͤnſche und Anforde: 
rungen ald nur des Landes Wohlſtand fördernd dem Meiſter 
vorzuftellen.? 8 gefhah. Diefer indeß gab in Feinem Punkte 
nach, den Städten abermals erklaͤrend, daß ihn nicht nur bie 
finanztelle Not des Ordens dringe, zur würdigen Haltung 
feined Hochmeifteramtes den Pfundzoll zu erheben, ſondern ihm 
ſelbſt auch feine Amtöpflicht gebiete, feine und des ODrdens 
Rechte In Feiner Welfe verkürzen zu laſſen. Was ihm bie 


3) Megiſtr. Xu 60 — 61, Die Staͤdte baten z. B. um Vermeh⸗ 
sung ds6 Geldes, weil die eurfiiende Münze zu gering ſey. Der HM. 
entſchuldigte fih mit der Theuerung des Silbers, daß er nicht habe 
möänzen laffen können. 

2) Schr. des Ditmar Keyßer, eines Dieners des HM., an diefen, 
d. Luͤbeck Freit. nach Pfingfl. 1442 Schbl. LXXVI. 33. Schr. der 
Rathsſendboten der Deutſ. Hanſe auf der Tagfahrt zu Stratſund, um 
Pfingſt. 1442, in Hauſtat. Receß VL 508. 416 - 417. 

3) Nach Schütz p. 150 geſchah 16 em Sonot. Vonem Ipcmsiisat. 
(6 Mat) 1442, 


Serbanblungen wegen des HPfundjollee. (1442) 48 


Edete vom früheren Zwecke bed Pfundzolles zur Befriedigung 
ir Ger und won ben fruͤheren Mitteln zus Ausrichtung bei 
hechmiſterlichen Hofſtaates entgegneten, konnte für ihn keine 
Bedentung haben, denn bie Zeiten hatten ſich auch hierin ſeit⸗ 
ben ganz anders geſtaltet.) Wis aber auf dieſem Verhand⸗ 
Imngitagr, fo kam es auch auf mehren andern im Verlaufe bies 
ſes Jahres zu Feiner friedlichen Ausgleichung, denn da es 
hangtſachlich aur noch bie fuͤnf großen Staͤdte waren, hie ſich 
den Rechte des Hochmeiſters widerſttzten, fo glaubte ex auch 
dieſci um fo mehr mit alles Feſtigkeit verfolgen und vertheidi⸗ 
ga zu muͤſſen, und nicht ohne Abſicht ließ er ſich gerade jetzt 
von Rom. Könige alle Privilegien bed Ordens von neuem 
beldtigen. 2? Da wandten ſich bie großen Stäbte ſelbſt an 
bie Indlaten und Lande um Rath, pie bie Sache auf gütlis 
Gem Wege auszugleichen ſey. Gie riethen insgeſammt, um 
der Ruhe des Landes willen fi in den Willen des Meiſters 
# fügen; er leifte dem Lande Schub und Schirm; darum 
müßten fie ſich mit ihm einigen; Prälaten, Ritter und Knechte 
ud die Heinen Städte hätten ihm ben Pfundzoll bereitd ein⸗ 
gaanmt, alfo müßten es nun auch die großen Städte. „Gebt 
uch, pprach der Biſchof von Ermland, denn ich vertraue euch 
nigcheim, bes Hochmeiſter hat auf euch fünf Städte befon= 
dere kaiſerliche Ladungen ausgewirkt, fie find ſchon unterwegs; 

wa fie unkraͤftig zu machen, lafjet euch zu einem Vergleiche 
gwinnen und feget auf einige Jahre andere Steuern aus, 
damit der Meiſter befriedigt werbe. "3? Trotz dem zögerten bie 
Stätte auch jetzt noch irgend einen Schritt zu thun, der zur 
Beföpnung führen konnte. Auch ein neuer Verhandlungstag 
a Ebbing im September warb mit nutzloſem Reben hinge⸗ 
acht und blieb erfolglos. © | 

1) Bel. die Verhandlungen darüber bel Schätz p. 150, 

2) Das Beftätigungsdiplom, d. Frankfurt a. M. am 18 Salt 
142 in einem Transſumt vom I. 1452 Schbl. 21. 2. Cf. Chmel 
Rpeßen des Roͤm. Koͤn. Friederich p- 87. 

3) Die weitern Verhandlungen bei Sckiux p. 150— 151. 

4) Die Verhandlungen auf disfer Tagfahrt am Abend Narivit. 
Barik 1442 Regiſtr. X. 62—63; fie find ohne befonberes Intereſſe. 


N 


26 Verhandlungen in auswärtigen Vechaͤltniſſen. (1442.) 


Mittlerweile nahmen auch andere wichtige Verhaͤltniſſe 
des Meifterd Thaͤtigkeit in Anſpruch. Am meiften Beforgniffe 
erregten die bereitd vom Kurfürften von Brandenburg getha⸗ 
nen Schritte. Nicht ohne Abficht auf_meitere Plane hatte er 
fich vom Röm. Könige zuerſt „alle ſeine Rechte, Wirdigkeiten, 
Freiheiten, Gnaden, Gewohnheiten, Landgerichte und Herkom⸗ 
men” und babei auch feine „„Befisungen, Eigenfchaften, Feſten, 
Städte, Lande und Leute, Kloͤſter, Vogteien, Mannen, Manns 
ſchaften, Zehen und Lehenfhaften,” wie fein Vater und er fie 
vom Reiche gehabt, beflätigen laſſen.) Aber zugleich hatte er 
fih beim Roͤm. Könige eine ſ. g. Gerichtöbefehlung gegen ben 
Drven wegen des Befißed ber Neumark auögewirkt, woburd 
der Herzog von Sachen und der Erzbiſchof von Magdeburg 
in der Streitfrage uͤber die Rechtmäßigkeit des Beſitzes Richter 
feyn follten.? Jetzt erließ er an den Höchmeifter bie Erklaͤ⸗ 
rung: der Orden habe an ber Ober einen Strich Landes im 
Beſitze, ber von alter Beit her zum Kurfürflenthum gehört; 
er habe die Sache fo lange ruhen laſſen, als bis er bie Lehen 
erft, wie ed gebührlich, vom Roͤm. Könige empfangen habe; er 
fordere jest die Neumark als fein rechtmäßiges Befisthum vom 
Orden zurüd.? Der Hochmeifter ſandte bald darauf den ges 
wandten Komthur von Elbing und ben rechtöfundigen Pfarrer 
von Danzig an ben Kurfürflen, jedoch mit dem Auftrage, ſich 
zuvor zum Herzog Boguslav von Pommern zu begeben und 
mit biefem die Unterhandlungen wegen eined - gegenfeitigen 
Hülfsbündniffes wieder aufzunehmen. Da bie beiden Fürften, 
wie erwähnt, fich über die wefentlichften Punkte fchon verftän- 
bigt hatten, fo ward die Vertragsurfumde jegt entworfen. Der 
Herzog verſprach, dem Orden gegen jeden Fürften beizuftehen, 


1) Das Beftätigungss Dokument, d. Achen am. After: Dont. nach 
S. Belt 1442 Schbi. XI. 105 (Abfchrift), 
2) Schr. des Pfarrers von Danıig an den HM, d, Frankfurt 
am T. Viſitat. Mariä 1442 Schbl. XXXVT. 35, 
| 3) Schr. des Kurfärften Sriederih v. Brandenburg an den HM, 
d, Berlin... . . 1442 Schbl. XII. 1065‘ leider iſt von diefem Origi⸗ 
nalfchreiben nur noch ein Fragment vorhanden. 


x 


Berfendiumgen in auswärtigen Werhättniffen. (1442) 97 


be die Dibenslande, die Neumark, Schievelbein ober Preuffen 
nit Macht überziehen werde. Weil jedoch die Bevollmaͤchtig⸗ 


ben über Einzelne zuvor noch die Meinung ihrer Herren vers 


nehmen wollten, fo warb der eigentliche Abfchluß des Bimd⸗ 
wfles noch ausgeſetzt. 1) . Beim Kurfuͤrſten fanden die Ordens⸗ 
lendten zwar eine ziemlich freundliche Aufnahme; allen er 
wieberholte feine Forderung mit fo drohendem Ernſte und- bie 
Ünierhenblimg mit dem Komthur von Elbing nahm bald eine 
ſe bedenkliche Wendung, daß. diefer dem Hochmeiſter eiligſt 
neldete: es ſey jetzt dringend nothwendig, dad Bimdniß mit 
km Herzog von Pommern ſchleunigſt abzuſchließen; zwar ſey 
ver Surfinft noch keineswegs zu Krieg gerüuͤſtet; aber fein letz⸗ 
kb Bert ſey hoͤchſt drohend gewefen.? Vergebens hatte ihm 
ber Lomthur vorgeftellt: der Drben habe einft dem: Könige 
Sinund auf Die Neumark bedeutende Summen gezahlt und 
 Krflrften Water habe ja den Orden auch in ruhigem 
Befike gelaffen. Frieberich hatte darauf lachend geantwortet: 
wiffet wohl, unfer Water, hatte viele Zander, wir haben 
niht mehr. als ein Land.” 3) 

Um fo. mehr mußte unter fo bebenklihen Verhaͤltniſſen 
gegen Dielen Nachbarfürften ver Meifter bemüht feon, das fried⸗ 
ie Verhaͤltniß zu den uͤbrigen Nachbarlanden in jeder Weiſe 

A beſeſtigen und feine Kräfte zuſammenzuhalten. Schon aus 
dieſem Grunde mußte er bie dringende Bitte der Königin Eli⸗ 
febeth von Ungern, ihr und ihrem Sohne gegen die Bedraͤng⸗ 
Büfe des Koͤniges von Polen Beiſtand zu leiften, ohne weiteres 


* 





1) Bericht des Komihurs v. Elbing u. des Pfarrers v. Danzig, 
d. Sqhievelbein Sonnt. nach Andre& 1442 Schbl. XV. 48. Rgſtr. VII. 
i68 - 17. Aus einem Schr. der Sendboten an d. HM. d. Dram⸗ 
burg am T. Barbaraͤ 1442 Regiſtr. VII. 177 ſehen wir, daß es befons 
Kb eine Geldforderung des Herzogs an den Orden war, die den elb⸗ 
Wleh verhinderte, 
2) Shr.. des Komthurs v. Elbing, d. Berlin am T. Luci& 1447 
XHBL 107. Bericht der Sendboten über ihre Verhandlungen 
wit den Surfürken Segifte. VII. 181. 
3) „Und beflos fo mit ſchimpfe die Rede“ heißt es im Berichte, 


x 


MB Voethandlungen in autınärtigm Mechäituiffen. (1442) 


| zuridweifen, zumel ba ber awige Bricbe mit Polen eine ſolch 
Huͤlfaleiſung nicht einmal zuiieß. Aus demſelben Grund 
flug er auch dem Herzoge Michael von Rußland had Geſuch 
ab, in im Drbendlande einen Aufenthalt zu gefletten. Auch 
die erbetene Geldſunme Tonne ex ihm nicht darleihen, wie 
wohl ex nicht ohne Iheilnahum des Herzoga trauriges Schild: 
ſal bemitleibete. ? Mit dem Großfuͤrſten vom Litthaum ſuchte 
er fi wegen deſſen Klagen übes neue Zölle in Preuſſen, 
Graͤnzdiebereien, ber Fortfetzung ded Handelsnerkehrs mit ben 
winer ihn im Aufſtande begsiffenen Samaiten und dergl. fo 
viel als möglich zu verſtaͤndigen, ihm durch Auseinanderſetzung 
der Klagkunkte beweiſend, daß er devon nicht bie Schuld 
trage? Desgleichen beſchaͤſtigten den Hochmeiſter auch noch 
fort und fort die Verhaͤltniſſe mit Daͤnemark. Die Doaͤniſchen 
Maͤlaten und Reichsraͤthe hatten ſich an ihn mit dem Muxnſche 
einer friedlichen Unterhandlung gewandt, aber zugleich ſich and 
beſchwert, daß König Erich die Ihrigen beraubt und ſelbß 
mehre Raͤthe des Koͤniges Chriſtoph habe in Feſſeln legen 
laſſen.“ Der Meiſter ließ dem letztern deu Antrag machen: 
der Orden wolle den Koͤnig Erich in Preuſſen nach Standes⸗ 
gebuͤhr unterhalten, ſofern Ehriſtoph eine annehmliche Gelb 
finume auf Gothlanb zu deſſen Verpflegung verſchreiben weche. 
Allein man lehnte das Anerbieten ab und Erich fuhr fort, die 

Unteriganen Chriſtophs mit Raͤubereien zu beldfligen, weshalb 


4) on der Rinigin Etiſabahh v. Ungern an d. HM. db. Per 
burg Sonnt. nad) Georgstag 1442 und die Antwort des HM. d 
Mariend. Donnerf, vor Viti u. Modefti 1442 Regiſtr. VII. 138 — 139. 
Engel Geſch. des Ungriſch. Reichs Ih. IT. 1. S. 53 ff. 

2) Orfud des Herzogs Michael beim HAM. am X. Danocesk 
3442 Regiſtr. VIL 87. Antwort bes HM. u 83 — 89, 

3) Die Verhandlungen danibes um JAacobi MAR Megiſte. VI. 
147 — 150 

4) Sär. der Stände v. Dänemark, Schweden und DRorweget, 
d, Luddufen Mittw, vor Viti u, Modefik 142 Regie. VL 14, 


5) Gewerbe des Sendboten bes HM, Zeicderich von Eppingen ai 
König Chriſtoph Regifie. VII. 130, 


Verhandlungen in auswaͤrtigen Verhaͤltniſfen. (1442.) 49 


ſich dieſer zu ernſtern Maaßregeln gegen ihn entſchüeßen 
mußte.) Den Hochmeiſter aber beſchaͤftigten balb wieder die 
näher liegenden Angelegenheiten bed Ordens und feines Landes. 

Nachdem er namlich im Verlaufe dieſes Jahres eine Viſita⸗ 
tion über den Zuſtand ded Ordens durch alle feine. Laube hatte 
vornehmen laffen, um die Mängel und Gebrechen ſowohl in 
den einzelnen Konventen, als in ber Berfaflung bed. Drbens 
überhaupt naher Fennen zu lernen,) berief er nach Michaelis 
bie Sebietiger zu einem großen Ordenskapitel ind Haupthaus 
Marienburg. Es wurben zunächft verſchiedene Geſetze entwor⸗ 
fen, deren Inhalt, zum groͤßten heile bie Lebensweiſe und 
Hausordnung der Ordensbruͤder ‚betreffend, wir früher am ges 
eigneten Orte Eennen gelerut haben.” Der Meiſter aber hatte 
in dieſer Zeit ded Ordenskapitels auch eine Anzahl. der vor 
nehmften Ritter und Knechte nach Marienburg berufen, um 
duch ihre Einwirkung die großen Stäbte we möglich zur Nach⸗ 
giebigfeit zu bewegen. Er flellte ihnen abermals vor: in mel 
her Bedraͤngniß fich der Orden in feinen Finanzen. befinde, 
wie fchmerzlich es ihm felbft fen, den ihn um Hülfe Bittenden, 
die durch Unglüd in ihrem Wohlſtande zerrüttet feyen, nichts 
gewaͤhren zu können, Dit. wehmlthiger Rübhrung fprach er 
die Nitterfchaft um Rath und um ihre Mitbikfe au. Dans 
von Gzegenberg war der Meinung, ber Meifter möge eine Ber 
fammlung ber gefammten Ritterfehaft im Kulmeslanbe berufen, 
um allgemein geltende Beſchluͤſſe zu fallen, weil die Zahl ber 
ijeetzt Verſannnelten zu gering ſey. Beil indeß ber Hochmeiſter 


1) Schr, des Koͤniges Chriſtoph an den HM. d. Kopenhagen 
Gonnt. nad Bartholom. 1442 Schhl. XXI. 106, Regiſtr. VIR. 151. 
Pontani Rer. Danicar. historia p. 620, 


2) Darüber ein Notarlatsinftrument, d. Soachſenhauſen bei Frank: 
furt 29 Mai 12 Shöl. 98. 10. 


3) ©. oben 2. VI im Kapitel über die Lebensweife und Hauss 
ordnung der Drdensbräder. Wir erfahren durch eine Verordnung des 
HM. Kber den Nachlaß der Sirmartebrüder, daß das große Kaplfel 
am Gemteg ©. Dienyſti (6 Octob.) 1442 Statt fand, Ordensſta⸗ 
tute berausgegeb. von Hennig 6; 142 fi. 

VIII. 4 


50 Berhanblungen über ben Pfundzoll. (1442.) 


bewieß, wie wenig biöher ſolche Verfammlungen gefruchtet, fo 
trat der Ritter Paul von der Pißnitz im Namen der andern 
nit den Vorſchlage auf: er möge eine aus ihrer Mitte aus- 
erwaͤhlte Botfchaft an Die großen Staͤdte fenden, um mit ihnen 
noch einmal Über den Pfundzoll zu verhandeln, und der Hoch 
meiſter nahm dieſer Vorſchlag an. 

Mittlerweile nämlich waren die Vorladungen des Röm. 
Könige an bie großen Städte wirklich angelangt. Sie fol: 
ten, fo ‚lautete ed darin, am fechzigften Tage nach Empfang 
der Ladungen fi) am Richttage am Päniglichen Hofe ftellen, 
um auf angebyachte Klagen bed Hochmeiſters wegen Verwei⸗ 
gerung feiner "Zufprachen und Forderungen durch bevollmaͤch⸗ 
tigte Anwalbe ſich zu verantworten, indem felbft widrigenfalls 
Dad Geriht unfehlbar feinen Bortgang haben werbe.? Es 
folgte jebt eine Verhandlung auf die andere. Bald erfchinen 
vor bem Meiſter die Sendboten fänmtlicher großen Städte, 
bald die Bürgermeifler der einzelnen, bald mit Klagen unb 
Beichwerven, bald mit Gefuchen um Abhülfe deiender Be 
laͤſtigungen. Das Mißtrauen ftieg mit jedem Tage. Die 
Städte klagten: man fehe überall bebenflihe Bauten unter 
nehmen, bie Danziger insbefondere, daß das Ordenshaus zu 
Danzig immer flärfer bemamnt und mit Buͤchſenſchuͤtzen aus 
fremden Lanben verfehen werde. Man bat ven Meifter, auf 
die Treue der Städte Vertrauen zu ſetzen. Er ſuchte den 
Argwohn zu beſchwichtigen; die Anſtalten in den Burgen 
fegen bie gewoͤhnlichen, wie fie uch fonft Im tiefften Frieden 
gefchehen. Wohl aber fehe man mit Befremden, baß bie 
Städte fich flärfer bewehrten und Ihre Stabtwachen vermehr: 
ten; überall ergreife man ernflhafte Maaßregeln; In Könige: 
berg treffe man fogar Eriegerifche Anſtalten; von bort her fe 
auch 5i8 ins Kulmerland das Gerücht verbreitet: der Orden 


1) Die Verhandlungen im Regifir. X. 63—66, Die Verfamms 
lung fand Statt am Donnerft. nad Dionyfil 1442, 
2) Die Borladungen, d. Zranffurt Mont. nach Laurentü 1442 ia 
einem Zransfumt vom I, 1442 Schbl. XIV. 3, LX, 89, 


Behandlungen fiber den Pfundzol. (1442) 51 


wolle die Städte mit fenbliher Gewalt überfallen. Der 
Hechmeiſter bot alle Gabe der Rebe auf, um das verderbliche 
Rißtrauen zu beſeitigen. „Wahrlich, fprach er, wir müßten 
von Sinnen und aller Wernumft beraubt ſeyn, wenn wir euch 
buch Ueberfall Gewalt antbun wolten, denn wir wuͤrden da⸗ 
bach nicht nur euch, ſondern auch und und unferem Orden 
Schaden und gänzliches Verderben bereitn. So Gott will, 
wellen wir gegen euch nie anders handeln, als ein gerechter 
der an feinen getreuen Unterthanen handeln muß.” D 


Ez mußte jeboch jeßt entfchieden werden, ob die Stäbte 
den Weg frieblicher Audgleihung durch Nachgiebigkeit in des 
Hochmeiſters Verlangen oder den Weg Rechten” vor dem Hof: 
gerihte des Roͤm. Königed einfchlagen wollten. Der Meifter 
bevief fie daher gegen Ende bed Jahres 1442 noch einmal zu 
einer Berhandlung nad) Eibing, um ihnen bort nochmals des 
Drdens traurige finanzielle Lage, feine Nechte und Privilegien, 
die bereits die Mitterfchaft auch in Ruͤckſicht des Pfundzolles 
a3 vollguͤltig anerkannt, und den ganzen Verlauf der biöhert- 
gen Verhandlungen borzirftellen, ihnen zugleich erflärend: man 
babe im Lande faft ganz Allgemein, Reiche und Arme, bie 
itterfchaft,, Die ehrbaren Leute, der größte Theil der Staͤdte 
ſih fir die Rechte des Ordens audgefprochen; nur in ben 
großen Städteri zeige ſich noch fortwährend ein ſtarrer und 
widerſpaͤnſtiger Geiſt. Da baten diefe wegen mangelnder Voll⸗ 
mot und zu näherer Berathung mit den Ihrigen um eine 
neue allgemeine Tagfahrt, um eine beflimmte Antwort zu er: 





1) Die Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Mariendurg am T. 
Urmentis 1442 Repifir. X. 66 — 69, wu der HM. befönders den 
Därgermeifter von Königsberg feharf und nachdrädtich Aber dis, was 
in Diefer Stadt gegen den Drden vorgebe, zur Rede ſtellt. Wir Kaben 
ans diefer Zeit ein Schr. des HM. an den Rath v. Thotn, d. Mar; 
tin. vor... 0... (dab Darum ift unbe) 1443 (1), worin er 
ka Thernern das Gerät von Sewaltſchritten des Ordens ald -eine 
Kihtsaukige Erfindung von Gegnern des Ordens darſtellt; im Datper 
arhio za Thorn; Thorner Eppiebuch im gef, Archlv ©. * ©. 3%, 


® 


32 . Verhanblungen über den Pfundzoll. - (1442.) 


theifen.D Sie wurde zugefagt und in ber Witte bed Decem⸗ 
bers zu Preuſſiſch⸗ Holland auch gehalten. Weil indeß bie 
ſtaͤdtiſchen Bevollmaͤchtigten bier abermals erklärten, daß fie 
‚ohne das gemeine Land in ber Sache bed Pfundzolled. feinen 
Beſchluß faffen koͤnnten, fo. eröffnete ihnen jest der Hochmeis 
fer: ihre Ausrede ſey leer und nichtig; mit den Prälaten, 
Kitten und Knechten habe er keinen Streit mehr, weshalb er 
fie auch nicht zum Zage berufen, denn fie feyen des Ordens 
Rechten nicht entgegen; in feinem Streite mit ben Städten 
babe er nun lange genug den Weg friedlicher Vermittlung ver: 
ſucht; feine Privilegien koͤnne und bürfe er nicht aufgeben; 
alfo wolle er jest auf feiner Gebietiger Rath, fo ungerne er 
es auch thue, Den Weg bed Rechts verfolgen. ? 

Es fchien dad legte Wort der Güte, und ed machte ficht: 
bar großen Eindrud, Man fah, des Meifterd Wille war feft 
und unbeugfam. Die wenigen großen Städte flanden faft 
ganz allein noch dem Orden gegenüber; ihr Unmuth ergoß ſich 
zwar in manchem Zabel und in heftigen Scheltworten gegen 
die Ritterfchaft, daß diefe fih in. der Sache bed Pfundzolles 
dem Orden zugewandt; ) allein man wurbe zaghafter und 
der Muth zu fernerem Widerſtand verlor ſich mehr und mehr. 
Die Zeit der Vorladungen vor dad Tönigliche Hofgericht rüdte 
überdieß heran. Da ſandten die Städte im Anfange ded Jah⸗ 
res 1443 neue Bevollmächtigte zum Meiſter, ihn erfuchend, 
die Pöniglichen Ladungen abzuwenden und fie mit diefem Ge: 
richte nicht zu befhweren. Da er jedoch darauf nicht einging, 
fo baten fle ihn wenigftend um Verlängerung der Ladungsfriſt, 
damit fie fich unter einander berathen könnten, weil ihre Privi⸗ 


1) Die Verhandlungen auf diefer Tagfahrt am Mittw. nach Bars 
baraͤ 1442 Regiſtr. X. 73— 75. 

2) Die Verhandlungen der Tagfahrt zu Preuff. Holland am Sonnt. 
nach Luciaͤ 1442 Megifir. X. 76— 77; vgl. Schütz p. 151. 

8) Regiftr. X. 86. Beſonders beilagten fih Gans. von Eyegens 
berg, Günther. von Peterlau, Nicolaus v. Pfellsdorf u. a. bein HM. 
über die ihnen gemachten Vorwürfe wegen ihrer Sufage in Ruͤckſicht 
des Pfundzofles. 


/ 
« 


Einigung über ben Pfundzol. (1443.) 583 


legien verſchieden lauteten. Der Meifter indeß erwieberte: er 
ertenne darin nur ihre Abficht, ihre Partei mittlerweile noch zu 
verftärken und andere noch mit in die Sache zu: ziehen. End⸗ 
lich beflimmte .er ihnen noch eine neue Tagfahrt, wo er bie 
legte entichiebene Antwort von ihnen erwarten wolle und ent 
kieß fie, nachdem er noch einmal mit voller Herzlichleit zu ihnen 
gefprochen und file an bie Eintracht und Freundſchaft erinnert, 
in der fie und feine Borfahren immer zu einander geflanben; 
auch an die Bebrängniffe des Ordens, in denen fie ihm jest 
als getreue Unterthanen zur Seite ſichen muͤßten. w 

Es war jedoch jetzt alle Gefahr im Verzuge. Ehe daher 
der erſte Monat dieſes Jahres endete, erſchienen die fuͤnf gro⸗ 
Ben Staͤdte abermals im Haupthauſe. Nachdem von ihrer 
Seite Hans von Baiſen und von Seiten des Hochmeiſters der 
Komthur von Danzig ſich uͤber die weſentlichſten Punkte zuvor 
verſtaͤndigt, gaben die Staͤdte, in die Erhebung des Pfund⸗ 
zolles einwilligend, des Meiſters Verlangen nad. "Er verzieh 
ihnen auf ihre Bitte ihre bisherige Widerſetzlichkeit. Man 
faßte eine Urkunde ab, worin erklaͤrt wurde: ber Pſundzoll 
ſolle fortan erhoben werden wie zu Pauls von Rußdorf Zeit; 
ein Ordensbruder und einer von den Raͤthen der fuͤnf Staͤdte 
ſollten ihn zu Danzig einnehmen und mit eidlicher Treue ver⸗ 
wahren. Bei dieſes Meiſters Lebzeit ſollten die Staͤdte den 
dritten Theil erhalten, um damit die Koſten bei Ausſendung 
ihrer Botſchaften ins Ausland zu beſtreiten. Sonſt ſollten 
forthin die Städte mit keinen neuen Zoͤllen oder ſonſtigen Neue- 
rungen befchwert werben, fofern nicht dem Orden ober Landen 
und Städten Anfechtungen zufielen, die ihnen Schaben braͤch⸗ 
ten. Wer Briefe oder Privilegien habe, die ihn vom Pfund: 
z0lle befreiten, möge fich beim Sochmeifter melden, um fich ' 
mit ihm auszugleichen.) So war der lange, wibermärtige 


1) Die Verhandlungen auf diefer Tagfahrt am Donnerft. nach 
Epiphantä 1443 Regiſtr. X. 77—80 und Schbl. LXXVI. 86. 

2) Die Verhandlungen auf dieſer Tagfahrt am Sonnab. nad 
Eonverf. Pauli 1443 Regifir, X. 80 — 82, Die Urkunde über die 





54 Einigung fiber ben Pfundzoll. (1443.) 


Streit gefehlichtet und der Komtur von Elbing, der gerichifi: 
chen Ladungen wegen bereitd mit einem Gefchenle von einem 
Paar ſchoͤnen Hengfien und Jagdfalken zum Roͤm. Könige ges 
fandt, erhielt den Auftrag, die Ladungen wieber abzuftellen. ® 
Es blieb daher auch ohne Erfolg, daß fich jebt erſt die m Luͤ⸗ 
beck verfammsiten Hanfeflädte Hamburg, Stralfund, Widmer 
u. a. an die Prälaten, Ritter und Breien in Preuffen mit dem 
Gefuche wandten, dem Hochmeifter vom Pfundzolle abzurathen. 2 

Man ließ nun aber die erwähnte Aufforderung, daß jeber, 
den Briefe und Privklegien vom Pfundzolle zu befreien fchienen, 
fich noch befonderd mit dem Meifter einigen follte, keineswegs 
unbenußt; denn als biefer bald darauf das Kulmerland bereifte, 
erichienen vor ihm, auf jene Aufforderung fich berufend, bie 
Ritterſchaft Kulmerlands und Bevollmaͤchtigte von Kulm und 
Thorn mit dem Gefuhe, fie überhaupt bei allen ihren Privile 
gien zu laffen und von allen Zöllen durchs ganze Land frei 
zu fprehen. Er wies fie indeß auf ihre gegebene Zufage hin 
und fon um durch zu leichte Nachgiebigkeit nicht auch andere 
zu gleichen Anforderungen anzuloden, verfprah er die Sache 
zuerſt vor feine Gebietiges zu bringen. Dennoch wagte auch 
Danzig bald ein gleiches Geſuch, worauf der Hochmeifter aber 
gar nicht weiter einging, denn ed: war Par, daß jest bie 
Städte im Einzelnen zu exfchleichen ſuchten, was fie verbuns 
den hatten aufgeben muͤſſenz und mit des Meifters feſtem 


Erhebung des Pfundzolles, d. Marienb. Sonnab. nad) Eonverf. Pauli 
1443 ebendaf. p. 81, im Original im Rathsarchiv zu Thorn Serin- 
VIL 20, XV. 5.5 der Hauptinhalt bet Schütz p. 151. Gralatf 
Sch. v. Danzig 3, L 217. 

1) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Iafprud Mittw. vor Con⸗ 
verſ. Pauli 1443 Schbl. LXXVI. 85. 
. 2) Schr. des Raths v. Lübel und der Rathsſendboten an die 
Stände in Preuffen, d. Lübrd am Abend Purif, Mariaͤ 1443 Schdl. 
LX. 139. 

3) Die Verhandlungen mit der Rittwefchaft und den Städten Kulm 
und Thorn zu Papau Donnerfl. vor Oculi 1443 Regifir. X. RM —E 

4) Die Verhandlungen mit den Bevoflmächtigten von Danjia 
Sonnab, vor Palmer. 1443 Regifir. X. 8486. 


Handelsverhoituiſſe. (1443.) 55 
Beharren bei feinen Rechten und Privilegien, fowete. mit feiner 
Billigkeit und Gerechtigbeit gegen. die Gerechtſame und Kreis 
beiten Anderer num wohl bekannt, ließen bie Staͤdte fid, be⸗ 
fhwichtigen. Was jedoch Danzig durch bie neus Auflage des 


Mfundzolles verloren zu haben glaubte, wellte es in: feige fldbti: 
fchen Betriebe durch Die Verordnung wieber gewinnen, daß forthin 


die Polen ihre nach Danzig gebrachten Handelbartikel, na⸗ 
mentlich ihr Getreide dort nicht unmittelbar an fremde, fich 
dort aufhaltende Kaufleute, ſondern nur an Danziger verkaufen 
duͤrften; ebenſo ſollten die Polen Alle ihre Einkaͤnſe wur von 
Danzigern entnehmen koͤnnen. Daruͤber befingte ſich aber als 
über eine dem Inhalte bed ewigen Friedens zuwiderlaufende 


Beſchraͤnkung bed Handeleverkehres beim Hochmeiſter nicht nur 


der König von Polen, fonbern auch der roßfürft von Litthauen, 
der außerbem fich auch befchwerte, daß ber. ſchwere Boll bei 
Labiau den Handelsverkehr nach Preufien an fich ſchon ſehr 
bedruͤcke.““ Der Hochmeiſter berief den Rath, von Danzig nach 
Marienburg, um ſich aber die Gruͤnde ber neuen Anerdnung 
zu verantworten und letzterer wußte allerdings eine Menge 
von Gegenflagen aufzuflellen, woraus hervorging, daß bee 
Verkehr der Danziger nach Litthauen und Polen durch num 
cherlei neue Maaßregeln beſchraͤnkt und fo erſchwert ‚worden, 
daß Danzig nothwendig neue Vorkehrungen babe treffen muͤſſen. 
Immer bemüht, alle Mißhelligkeiten mit den Nachbarlanden 
zu befeitigen, fchlug der Meifter eine gegenfeitige Berathung 
zum Abſtellung der. beiderfeitigen Beſchwerden in einer perfön- 
fichen Zuſammenkunft mit dem Sroßfürften vor,. wozu. fi, 
dieſer auch bereit erflärte; doch konnte fie vorerſt noch nicht 
Statt finden. ? 


1) Sr. des Könlges 9. Pelen, d. Dobrocen. foria-IV post fostum 
Piorien. 1443 Schbl. XXV. 65. Schr, des Komthurs v. Thern, d. 
Lewen Donnerft. nad Mari 1443 Schol. XXXIV. 56. Die Klags 
puutte des Großfuͤrſten, von feinem Marſchall beim HM. angebracht, Regiftr. 
Vu. 212 — 214. Die 3ollabgaben bei Labiau find genam aufgezaͤhlt. 

2) Antwort des HM. auf die Klagen des Großfürften und bie 
Berhandlungen mit den Danzigern Regiftr, VII. 215— 227, 


x 


— 


96. Handelöuechältwifie. 11443.) 


Wie bebeutenb der Handel Danzigd ‚mit dem Autlande 
um diefe Zeit noch war, gebt unter andern ſchon daraus bers 
ver, daß bereitö wenige Monate nach Eröffnung der Schiff: 
fahrt in dieſem Jahre ber Betrag ded dort erhobenen Pfund⸗ 
Fa ſich auf viertaufend und zweihundert Mark belief, ! 
. Dee Giochmeifter. ließ. ed auch keineswegs an. Bemühungen 

fehlen, den Handel ind Ausland, nach den Hanfeftäbten (aus 
deren Bund Kulm um biefe Zeit fchon audgefchieben zu ſeyn 
ſcheint) in die Standinavifchen Reiche und bie Niederlande 
fo viel als möglich zu fordern und zu beleben, und Mißwachs 
in. mehren Landen bob ben Setreidehanbel Preuſſens bebeus 
‚tend empor. Auch fchon beöhalb hätte der Meiſter den noch 
fortdauernden, auch ben Handel fehr flörenben Streit ber bei⸗ 
den Könige von Daͤnemark gerne beenbigt gefehen, zumal da 
er vernahm, bag auch bie Luͤbecker ſich in den Streit einge 
mifcht und dahin arbeiteten, eine Suͤhne zu Stande zu bringen, 
um dann, wenn fie auf ſolche Weiſe den König Chriſtoph 
gewonnen und fich verpflichtet hatten, mit ihm verbunden alles 
aufzubieten, den KHochmeifter zur Abftelung bed Pfundzolles 
zu zwingen.? Es war biefem indeß fafl alle Hoffnung ent 
nommen , burch eigened Einwirken einen Vergleich zu vermit: 
teln, denn Erichs Gegenpartei hatte bereits des Hochmeiſterb 
Entſcheidung abgelehnt und wollte nur da Gleich und Recht 


1) Schr. des Pfundmeifters v. Danzig an den HM. d. Danzig 
Freit. vor Marla Magdal, 1443 Schbl. LX. 136. Danzig erhielt 
don dem Betrage 1399 Mark; zur Ausrichtung der Beduͤrfnifſe des 
HM. wurden verwandt 2000 Mark. Ueber den Betrag des Pfunds 
z0le6 im I. 1444 Schr. des Pfundmeifters, d. Danzig Gonnt. dat 
Nativit. Mariä 1444 Schbl. LX. 122. 

2) Schr. des Raths von Kulm an den Rath von Thorn, d. Kulm 
Breit. nad) Nativit. Mariä 1443 im Rathgarchiv zu Thorn Serie. 
XXY. 7., worin der Rath fagt: „Go weys euwir liebe wol, dab 
wir in die Henze nicht geboren,” er wolle daher auch keine Botſchaft 
an die Danfe nach Läbed mit ausrichten. 

3). Schr. des Komthurs von Danzig, d. am Aſchtage 1443 Sqhtl. 
XXXI. 66, 


Streit wegen ber Neumark. (1443.) 97 


gewähren, wo es ihr geblihre. Da dieß nur vor dem Papfte 
wc dem Kalfer gefchehen konnte, fo erfuchte König Erich ben 
Mefter, ſich bei diefen für ihn zu verwenden, wozu ſich 
Intern jedoch auf Feine Weiſe trotz aller Bitten und Ermah⸗ 
mungen des Köntges2 entſchließen konnte, während die Luͤ⸗ 
beer der Streitfache durch ihre Wermittlung eine fir fie gim- 
he Vendung zu geben fort und fort bemuͤht waren. Da 
bi Kinig Chriſtophs geneigter Gefinnung nicht leicht zu 
finhten war, daß er ſich gegen den Orden werde gewinnen 
Ifen,? fo trat von jetzt an ber Hochmelſter aus den Unter 
handlungen mehr un mehr zurüuͤck. 

Ueberdieß beſchaͤſtigten ihn jetzt mehr als je bie fir ibm 
weh wihtigeren Berhältniffe in der Neumark, wo alles auf 
ven Epiele zu ſtehen ſchien. Schon tm Anfange biefed Jah⸗ 
"8 war Herzog Heinrich der Fette von Mecklenburg, des Kurs 
Maßen Friederich von Brandenburg Schwager, plögli und 
har Kriegsankuͤndigung mit einem Heerhaufen unter Raub 
md Berheerung in bie Neumark eingefallen und ber Vogt 
hette gegen ihn die Waffen ergriffen. ? Diefes Ereigniß ſtand 
köoh keineswegs vereinzelt ba, denn mit jedem Tage mehrten 
ſih im Lande Fehden und Feindfeligfeitenz die Unruhen wurden 
glich enftlicher;, die bortigen Ordensritter, von Mitteln zur 

ziemlich entbloͤßt, geriethen in immer groͤßere Be⸗ 

iß und wie es ihnen ſchien, war alles darauf berechnet, 

def man den Kurfuͤrſten von Brandenburg um Schutz anru⸗ 
fin und ihm fomit Gelegenheit geben folle, in die Neumark 





1) Schr. des Koͤn. Erichs von Dänemark, d, Wiborg am 2, DOfters 
ige 1443 Schbl. XXXI. 51. 

2) Schr. des Koͤn. Erichs, d. Wiborg am T. Kreugs Erfind. u. 
u 2. Afiunt. Mariä 1443 Schbl. XXXI. 37. 40. 

3) Schr. des Kön. Chriſtoph an den HM. d. Kopenhagen Sonnt. 
Tripitat, 1483 Schbl. XXXI. 108. Ueber die Bemühungen .der Luͤ⸗ 
beter Schr, des Koͤn. Ehriftoph an die Rübeder, d. Kopenhagen Dienf. 
 Miumt. Maris 1443 Schbl. XXXI. 27. 

4) Sir. des Vogts der Reumart „d. Rdonigebers Mittw. nach 
Acijaht 1443 Schbl. XIII. 63 


98: Streit. wegen bes Neumark. (1443.) 


einzuruͤcken.) Es galt alfo jest Ten Saͤumen mehr. Der 
Großkomthur Hand von Remchingen erhielt fofort nicht nur 
den Auftrag, mit dem Marichall bed Herzog von Sachen 
wegen eines Huͤlfsbuͤndniſſes, wozu biefer geneigt war, in naͤ⸗ 
bere Unterhanblung zu treten, wobei auch der Deutſchmeiſter 
mit einwirkte, ) fondern er mußte fich auch alsbald in Pie 
Neumark begeben, um bort, fo bald es nöthig fey, mit ernſten 
Maaßregeln einzufchreiten. Der Vogt der Neumark hatte ſich 
bereitö mit feiner Wehrmannſchaft an ber Oder aufgeftellt ?? 
und der Hochmeiſter fdumte nicht, durch Annahme von Söld⸗ 
nern feine Kriegsmacht in der Neumark fo viel ald möglich zu 
verftären; ® er wandte ſich deshalb auch an den Meiſter von 
Lioland, denn es ſchien ihm immer mehr, ald werde Herzogs 
Heinih von Medtenbing Einfall nur das Vorſpiel zu noch 
ernfleren Ereiguifien feyn.?) 

Der Kurfuͤrſt indeß fcheute eben fo ſehr einen kriegeriſchen 
Sewaltfgritt, um um zum Beſitze der Neumark zu gelangen, als 
einen förmlichen Rechtsgang, der vor dem Röm. Könige, benz 
—* oder der Kirchenverſammlung gefuͤhrt werden mußte. 

Er faßte mehr Hoffnung zu einem Gewinn durch einen Ver⸗ 
gleich mit dem Orden. Er bot daher auch gerne bie Hand zu 
einem friedlichen Verhandlungstage, der zu Frankfurt a. d. 
Oder Statt finden ſollte. Die Machtboten bed Ordens, ber 


1) Schr. des Vogts von Lefte, d. Königsberg in d. Reumart 
Breit. vor Epiphan. 1443 Schbl. XL. 61, 

2) Schr. des Großkomthurs an Georg von Bebenburg, Marſchall 
des Herzogs v. Sachen, d. Mariend. Donnerſt. nad) Epipban. 1443 
Schbl. 9. 4. 

3) Schr. des Großkomthurs an d. HM, d. Lande am T. Purif. 
Mariä u. Drawenburg Dienft. nah Purif. Mariaͤ 1443 Schoͤl. XV. 
181, XI. 70. 

4) Soldbrief des HM. für Friederich von der Heide, d. Mer. 
Gonnab, vor Subilate 1443 Schhl. XLIE 22, wo ausdruͤcklich v. einem 
drohenden Kriege wit dem- Kurf. von Brandenburg die Rede tft. 

5) Gewerbe des HM. an den Meifter v, Lioland, d. Gonnab. 
nad Himuelf. 1443 Regiſtr. VL 193 — 19. 213, 


Streit wegen ber, Neumark. (1443) : 659 


Gropfomiier , der Komthur von Elbing und der Propfi von 
Frauenburg erhielten den Auftrag: Eönnten fie den Streit mit 
dem Kurfürften in Güte beilegen, fo follten fie ihm die Summe 
von zehn= bis funfzehntaufend Gulden bieten; wimfche ex eine 
Hälfsverbinbung mit bean Hochmeiſter, fo möchten fie diefe bis 
anf dreihundert Spieße zufagen. Wolle er jeboch die Streit 
fee. auf dem Wege Rechtens entfiheiden laffen umb ben - 
Rim. König als Richter anrufen, fo fellten fie als Richter des 
Dedens den Papfk oder ein Concilinm in Vorſchlag bringen. 
Ta der Mitte des Juni trafen die Machtboten des Drbend 
mit ben Bevollmaͤchtigten bes Kurfuͤrſten zu Frankſurt zuſam⸗ 
men und es traten jene fogleich mit dem Erbieten auf: man 
müfle alled ammenben, um bie Streitfrage auf ben Wege ber 
Güte auszugleihen. Es entfpannen ſich inbeß zuerft lange 
Verhandlungen über mancherlei unbebeutendexe Gegenflände, 
über lagen wegen Friedensverlegung, Anfprliche an einzelne 
vom Adel in der Neumark und dgl.) Dann wurden bie 
Beratungen eine Zeitlang gänzlich abgebrochen. Der Hoch 
meifler nuıßte fogar wieder auf Triegerifche Ruͤſtung denken, ?) 
er war im Begriff, durch eine Botichaft die Beihilfe bes 
Roͤm. Koͤniges zur Aufrechthaltung feines Rechts in Anſpruch 
zu nehmen und hielt fie nur zuruͤck, weil eben mit dem Kurs 
finfien ein neuer Verhandlungstag nach Michaelis aufgenems 
sun worden war. Um das Recht bed Ordens aufs grünb: 
lichſte an den Tag zu legen, ließ man, obgleich ſchon früher 


1) Die Artikel der Vollmacht für die Sendboten, d. Elbing Mont. 
ser Himmelfahrt 1443 Schbi. XIII. 116, 

2) Diefe Verhandlungen anı Dont. nad; Trinitat. 1443 eröffnet 
&dbt. ZIEL. 136. 

3) Wir erfehen dies aus einem Schu des Pfleger6 v. Barten an 
den HM. d. Donnerft. vor Margaretha 3443 Schbl. LXXVE 76. 
Ger. des Drdensmarfhalls, d. Kaporn Dienſt. vor. Margaretha 1443 
cbendaſ. 3. 

4) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Burdeyn am I. Margar. 
1443 Schbl. XIH. 11% Werbeartikel für den Bogt v. Leipe, d, Hol⸗ 
land am Abend Margar, 1443, 


60 Ausgleichung mi b: Kurf. v. Brob. wegen d. Neumark. (1443.) 


das Gutachten verfchiebener berühmter Rechtögelehrten, 3. B. 
des Johannes von Bachenftein daruͤber eingeholt worden und 
fie den Orden gimflig ausgefallen war, durch ben Mugen 
und Eenntnißreichen Biſchof von Kurland Johannes Thiergart, 
fruͤher lange Zeit Ordensprocurator in Rom, eine neue Nach⸗ 
weifung über des Ordens völlig rechtmäßigen Befitz der Neu⸗ 
mark gegen die Anfprüiche ded Kurfinften ausarbeitn.? Man 
war Überhaupt im ganzen Orden der Meinung, ber Hochmei⸗ 
ſter muͤſſe feine Rechte unter allen Umſtaͤnden mit aller Kraft 
vertheibigen und man erklärte fich deshalb an vielen Orten zu 
allen Opfern bereit.” Der Hochmeifter Tieß fich daher auch 
jest vier wichtige Urkunden des Roͤm. Koͤniges Sigismund Aber 
die Neumark vom Roͤm. Könige neu beftätigen. 9 

As jedoch in der Mitte des Octobers die Machtboteri bed 
Drdens, der Großkomthur, ber Oberſt⸗Spittler Heinrih Reuß 
von Plauen, mehre Lanbfomthure und Komthure aus Deutſch⸗ 
land und Livland und einige aus ber Ritterfchaft und ben 
Städten Preuſſens mit denen des Kurfuͤrſten zu Frankfurt 
abermals zufammenfamen und auf Bitten der Ordensbevoll⸗ 
mädhtigten ber Kurfirſt felbft bort ebenfalls erfchien, vereinigte 
man ſich nach vielen Verhandlungen ® endlich in folgendem 
Vertrage: der Kurfürft Frieberich nebft feinen Brüdern Johann, 
Abrecht und Friederich begiebt fich aller Anfprüche und echte 
an die Neumark; er wird beim Rom. Könige und ben Kurs 


1) Wir befiden fie Schbl. XII. 136; vgl. Baczko 2. I. 226, 

2) Das Gutachten des Bifchofs von Kurland, d. Pilten Sonnab. 
nad S. Annd 1443 Schbl. LU. 19. 

3) Schr. des Komthurs und Konvents zu Memel, d. Mont. nad 
Matthät 1443 Schbl. XUE. 141, Der HM. wandte fi) auch an die 
Stadt Thorn um Rath und Huͤlfe in einen Schr. d. Holland Sonnt. 
nah Kreuz.⸗Erhoͤh. 1443. Eine Berathung darüber mit Landen und 
Städten zu Elbing am Dienft. nach Matthaͤi 1443 Regiſtr. X. 87— 
88. Der HM. ließ die Städte zur Beihülfe gegen den Rurfürften 
auffordern. Die geneigte Antwort der Städte o. D. Schbl. XI. 121. 

4) Chmel Regeſten des R. Kön. Friederich d. 154, 

5) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Frankfurt Breit. ned) 
Hedwig 1443 Schbl. XIL 9. 


Antgleihung m. d. Kurf. v. Bedb. wegen d. Neumark, (1443.) 61 


füßen, jebech auf Koſten des Ordens, Verwahrungebriefe 
über die Verzichtleiſtung auswirken, wie fie Dem Orden von⸗ 
nöthen find. Diefe behält ex indeß fo Lange bei fich, bis ihm 
der Hochmeifter eine Summe von funfzehntaufend Gulden hat 
uuögahlen laſſen. Eine gleiche Summe entrichtet ihm ber 
Ocden in Jahresfrift, worüber ihm der Meifter mit zwölf feis 
ur Gebietiger einen Berficherungsbrief ausſtellt. Dagegen 
verpflichtet ſich der Kurfuͤrſt zu Kuͤſtrin Feine neuen Zölle ans 
augen, womit bie Kaufleute oder bie Schiffahrt auf der Ober 
beſchwert · wirden. Beide Theile follen dieſe Vertxagspunkte 
ufendlich verbriefen und befiegeln. 1) Friederich erklärte jest 
ße, daß wenn er, feit er im Befige der Mark Bran⸗ 
denburg ſey, die Veräußerung ber Neumark duch Kaifer Sis 
gennmd an den Orden und bie Trennung berfelben von ber 
Bart Brandenburg für ungültig und für eine Verlegung ber 
geldenen Bulle gehalten babe, fo fey ex im. Irrthum gewefen 
md erfenne jegt nach reifliher Erwägung die Rechtmäßigkeit 
ma Beräußerung vollkommen an, erkläre den Orden flr ‘den 
vlg rechtmaͤßigen BVefiger der Neumark und werbe ihn nie 
im ruhigen Beſitze berfelben in irgend einer Weife ſtoͤren. Mit 
ib ſtellten auch feine erwähnten Brüder gemeinfchaftlich dieſe 
Ofldrung aus.) Die Befldtigung bes Rom. Königes und 
des Kurfinfien von Mainz erfolgte jeboch erſt im naͤchſten 
Jahre, wobei ausdruͤcklich bemerkt wurde, daß bie goldene 
Bule den Anfprüchen ded Kurfürften von Brandenburg weder 
ſdalich noch auch dem rechtmaͤßigen Befitze des Ordens in 
gend einem Punkte nachtheilig oder hinderlich fey. ® 





N Das Driginal des Vertrages „d. Sranffurt am T. Galli 1443 
im geheim. Staatsarchiv zu Berlin, ſign. 443 F.; Abſchrift Schbt. 
XUL 117. 118, gedrudt bei Baczko 3, IL. 383. 

2) Die Urlunde des Kurfürften o. D. in Abfchrift Schbl. XIII 
136, gedeudt bei. Baczko B. III. 380; vgl. Lancizolle Geſch. ber 
SD, des Preuff. Staats S. 296 

3) Das Original der koͤn. Befätigungsurf., d. Nürnberg am ©. 
Geltet. Erucis 1444 im geheim. Staatsarchiv zu Berlin, fign, 430 
0, dbſchrift Schbt. XI. 136, 130; gedrudt in Chmel Regeft- des 


Ed 


62 Anetleichung m. d. Kurf. v. Bibb. wegen b. Neumark. (1443.) 


- Auf demfelben Zage zu Frankfurt verfprach auch der Kur⸗ 
fürft Friederich, in der Fehde zwiſchen Herzog Heinrich von 
Medienburg und dem Orden zum Beſten des letztern ald Ver⸗ 


mittler einzutreten, wo möglich eine verfühnende Ausgleichung 


und für den Orden Erfag feines Schadens zu bewirken und 
wofern dieß nicht gelinge, ben Herzog nicht num nicht zu ver 
theidigen oder zu unterflirgen, fondern bem Kriegsvolke des 


Ordens bei einem Angriffe des Herzogs freien Durchzug durch 


bie Mark zu geflatten, dem lehtern Dagegen, wenn ee bas 
Ordensgebiet überziehen und befchädigen wolle, ſolchen Durch⸗ 
zug nicht zu erlauben. D Gerade aber bad Verhaͤltpiß zwi⸗ 
ſchen Friederich und dem Herzog Heimich von Mecklenburg 
führte, wie ed feheint, bald noch eine nähere Verbindung zwi⸗ 
fihen jenem und dem Hochmeifter herbei, benn die Nachricht, 
daß während des Verhandlungstages zu Frankfurt Herzog 
Heimich fi) auf einem Tage zu Demmin mit ven Nieberlän- 


diſchen Herzogen, auch mit dem von Stettin zu einem Huͤlfs⸗ 


bündniffe gegen den Kurfinften vereinigt habe, um ihm das 
früher dem Herzog Heinrich zugehörige Land wieder abzuge⸗ 


winnen,ꝰ fcheint Friederichen Anlaß gegeben zu haben, mit 


dem Orden in ein engered Vertheidigungsbuͤndniß zu treten, 
nach welchem ber letztere nicht geftatten folle, daß irgend je⸗ 
manb bed Kurfürften Lande aus oder durch des Ordens 
Land angreife oder beſchaͤdige. Räuber, Geächtete und Beſchaͤ⸗ 


MRöm. Königes Friederich No. 51 p. LXIV, vgl. p. 178, Das Befläs 


, tigungedofument des Rurfürften v. Mainz, d. Nürnberg am T. Mat: 


thai 1444 im geb. Staateardh, zu Berlin, fign. 443. O. P. Entwurf 
zu einem Schr. an d. Kurfürften v. Mainz wegen Beftätigung des 
Vertrages o. D. Schbl. XII. 110. 

4) Die Url, darüber, d. Frantfurt Mittw. S. Gall 1443 GEBE. 
XII. 136, 

2) Echt. des Pfarrers v. Danzig, d. Alt⸗Bertin Dienfl. vor Lu⸗ 
cià 1443 Schbl. XIII. 113, worin er verfihert, ex habe obige Nach⸗ 
richt aus fehr wahrhafter Quelle. Die erwähnten Fuͤrſten hätten mit 
Eiden atıf dem Heiligen Holze geſchworen, daß einer dem andern Hülfe 
leiften und alle beim Herzog Helnrich gegen den Kurfürfen fichen 
wollten, 


Ausgleichung m. d. Kurf. v. Brbb. ivegen d. Mum. (1443.) 68 


diger der kurfinſtlichen Lande follten im Ordensgebiete nirgends 
gehauft umb geherbergt werben; gefejehe dennoch Angriff, 
Raub, Brand ober fonft Beſchaͤdigung aus bem Orbensgebiete 
in des KAmfürften Land, fo follte es befien Vogten und Amt: 
leuten erlaubt feyn, im Ordenslande die Miſſethaͤter aufzugrei⸗ 
fen ober zu verfolgen unter Beihlilfe der Unterthanen des Or 
dend. U 

So war der Streit fiber ven Beſitz der Neumark beige 
legt und der Kurflsft Friederich gab fih nun, wiewohl nicht 
ohne Rädficht auf fein eigenes Intereffe, auch alle Mühe, die 
Aißverhaͤltniſſe zwiſchen dem Orden und Herzog Heinrich von 
Mecklenburg auf guͤtlichem Wege auszugleichen. Ex ſchlug eis 
nen Richttag zu Berlin vorz) Heinrich nahm die Vermiit⸗ 
lung an, verſprechend, dem Orden vor dem Kurfuͤrſten zu Ehre 
und Recht zu ſtehen.* 

Den Hochmeiſter beſchaͤftigten mittlerweile Die innern Wer⸗ 
haͤltniſſe des Ordens und des Landes, eine Beitkang ganz be 
fonders die beffere Anordumg und Vervollſtaͤndigung des Dre 
densgeſetzbuches, bie im legten großen Kapitel (1442) befchloſ⸗ 
fen war. Weil man das bisherige Geſetzbuch in vielen Sehdien 
mangelhaft gefunden, fo follten bei ber neuen Abfaffung alte 
Geſetze der Hochmeiſter von einem Generals Kapktel zum an⸗ 
dern darin aufgenonmtert werden, weshalb ber Hochmeifter 
auch an alle oberften Gebietiger und Komthure ded Landes bie 
Auffordening erließ, alle hochmeifterlichen Ordensgeſetze und bie. 
Satzungen der General: Kapitel in den Konventös Orbendbüs 
Gern auffuchen zu laflen und ihm einzuliefem, Auf folde 


1) Das Original des Vertrages von Gelten des HM. d. Mas 
riend. am T. Kathatinaͤ 2483 im geheim. Staatsardy. zu Berlin, fign. 
443. 0., gedrudt in Gercken Cod. Brandenb. T. V. p. 81%; vol, 
Ronetzolle a. a. O &. 297, Kotzebue 3. IV. 263-268. 

2) Schr. des Kurfürften Sriederidh an den Komthur v. Eibing, d. 
Prenzlau Mittw, ©. Brirens Tag 1443 Schbl. XIII. 67, Er fagt: 
er habe dem Herzog Heiarich „haͤrtlich genug” gefchriehen. 

3) Ser. des Komthurs v. Elbing au d. HM, d, Golbin Zreitag 
vor Eliſabeth 1443 Schbl. XIII. 65. | 


BA Verſuch zur Auflöfung des Bandes. (1443.) 


Weiſe entſtand diejenige Abfaſſung der Ordensgeſetze, wie wir 
fie noch jetzt haben. Es wurden drei große Eremplare nach 
des Kapiteld Beſchluß angefertigt und fir Preuffen, Livland 
und Deutfchlend beſtimmt. D Aber auch) auf ben fittlichen 
Zuſtand des Volkes richtete jegt der Meifter feine Aufmerkſam⸗ 
keit, denn bierin eröffneten fich ihm die traurigfien Erfahrun- 
gen. Dürfen wir von dem, was und über die tiefe meralifche 
Geſunkenheit des Volkes in Marienburg ſelbſt berichtet wird, 
einen Schluß auf die Sittlichkeit ber übrigen Städte bed. van⸗ 
des vwagen,. fo tritt uns in ber That in biefer Beziehung ein 
hoͤchſt betruͤbendes Bild entgegen, denn bie Audartung und 
fittliche Verdorbenheit in jener Stadt war wirklich bis auf ben 
hoͤchſten Grab gefliegen. 2) 

In den Bundedangelegenheiten ber Stäbte verfolgte ber 
Meifter jet mehr ald je einen wichtigen Plan. Die Trennung 
der Ritterfchaft von dem großen Stäbten im Streite wegen bed 
Pfundzolles hatte ihm unverkennbar ben Sieg gebracht, Es 
galt alfo jetzt den Verſuch, ob fich nicht auch die kleineren 
Städte vom Bunde trennen ließen. Gelang dieß, fo ſtanden 
hie wenigen großen Städte nur noch allein da und der. Bund 


4) Die Aufforderung des HM. an die Gebietiger, d. Marienb. 
Freit. nach Corpor. Chriſti 1443 Schbl. LXXI. 51. Es heißt: Als 
ir wiſſet, das mans im neſtgehaldenen unſers ordens Groß⸗Capitel iſt 
eins worden, daß man Drey unſers ordens buͤcher machen und aller 
unſers ordens Meiſter gefege von Groß⸗Capitel zu Groß⸗-Capitel ges 
fagt und gemacht, dorinne fullen ſchreiben ꝛc. — Das damals für Mas 
sienburg beſtimmte Eremplar dieſes Orbensgefegbuches befindet ſich noch 
jept im geheim. Archiv. Ueber feine damalige Redaction und über die 
ganze innere Einrichtung deſſelben finden fi nähere Angaben in der 
Ausgabe der Ordensflatuten von Hennig in der Einleitung. Wal. 
auch die Vorrede zu den Ordensſtatuten felbft S. 29-30. Daß aud 
das für Deutfchland beftimmmt geweſene Eremplar noch vorhanden fey 
und in Mergentheim liege, erfieht man aus Bach em Ehronolog. der 
HM. ©. 9. 10. 80, | 

2) Darüber das Schr. der Gewerke zu Marienturg an d. HM, 
d. Marienb. in vigilia nativit. Marise 1448 Gchbl. LXI. 85., gedrudt 


‘ 


in Vogt Geſchichte Mariend, &. 370. u. 566, _ 





Berſuch zur Auflöfun; des Bundes. (1443) 65 


war Iberhaupt dann aufgeht. Dex Werfuch ward unternom- 
men. Die Komthure erhielten den Auftrag, mit den Heinen 
Städten ihrer Diſtricte wegen ihrer Losſagung vom Bunde zu 
unterhandeln. Es war große Vorſicht nöthig, um nicht neues 
Mißtrauen zu erwecken. Hie und ba ſchien der Plan zu ges 
lingen. Mehte Städte des Hinterlandes, Bartenftein, Raften- 
burg, Schippenbeil, Zinten, auch Heiligenbeil u. a. woliten 
gerne dem Beifpiele ber größern Städte folgen, nur fcheute 
ſich noch jebe voranzutreten und ihre Antwert zuerft zu geben. ® 
An andern Orten indeß wollte man zu fchnell zum Biele kom⸗ 
men, Der Meifter hatte zwar auf einem Tage zu Elbing den 
Staͤdten feinen Wunſch wegen des Bundes Auflöfung bereitd 
offen mitgetheilt.) Als man jeboch in Kulm unb Worn 
wahrnahm, wie eiftig bie Komthure im Kulmerlanbe bie klei⸗ 
nen Städte vom Bunde zu trennen ſuchten, ald man hörte, 
daß ber Komthur von Zhern und der Vogt von Leipe Ritter 
und Knechte des Kulmerlandes auf einer Tagfahrt geradezu 
zur Losſagung vom Bunde aufgefordert, die Nitterfihaft aber 
folcheö ben beiben Städten anzeigte und eine gemeinfame Be⸗ 
zathung daruͤber im Vorfchlag brachte, ba eilten bie Raͤthe vom 
Zhom und Kulm, die Danziger bavon in Kenntniß zu fegen, 
wit der Aufforderung, auch Elbing, Bramäberg und Koͤnigsberg 
zu benadyrichtigen, um fobalb als möglih auf einer Tagfahrt 
zu Marienwerber uͤber bie nöthigen Schritte gemelnfam zu bes 
rathſchlagen, wozu auch bie Eleinen Stäbte mit zugezogen 
werben follten.?? Wir willen nicht, ob biefer Zag zu Stande 
kam. Allein dad Mißtrauen war von neuem wach; bem Mes 
fier gelang fein Plan jegt nichts; er ſchob ihm auf fpätere Zeit 
binaus, wo fich bie Verhältniffe vielleicht günfliger für ihn 
geftalten würben, ® 


1) Schr. des Komthurs von Balga, d. Bärtenftein Mont. nad 
Eorpor. Chr. 1443 Schbl. LXXVI. 78. . 
2) Schr. des Raths von Thorn und Kulm an die Stadt Danzig, 
d Kulm Breit. nach Petri und Pauli 1443. 
3) Schr. des Raths von Thorn und Kulm a. a. D. 
4) Es geht daraus hervor, daß man nicht erſt im 3. 1446, wie 
5’ 


66 Vechaniungen mit den Nachbacfürſten. (1444.) 


Die Folge aber war, daß im Lande, beſonders von bem 
großen Städten aus bald wieder allerlei ſeltfame Geruͤchte vom 
Gewaltſchritten, bie der Meiſter gegen bie Verbündeten vorbe⸗ 
zeite, mit Abficht verbreitet wınden. Da man ihm auch feinds 
feige Maaßregeln gegen die Ritterfchaft des Landes unterſchob, 
offenbar um auch .diefe wieber fefter fir ben Bund mit den 

n zu gewinnen, fo mußte ihm alled daran liegen, bad 
biofe dieſer Gerichte zu widerlegen und ſich Gberbaupf 
über feine Gefinnung offen auözufprechen, vor ullem abet die 
Nitterfchaft .ded Kulmerlandes bem Orden geneigt zu erhab 
den.D Als er daher im Anfange des Jahres 1444 einen 
Sendboten an ben Hof des Roͤm. Königes fanbte, ftellte er 
es In Frage und ließ darüber Rath .einholen: inwiefern. unb 
ob die Kulmiſche Handfeſte die Mitterfchaft ded Kulmerlandes 
zur Eittrichtung von Zöllen verpflichte oder nicht, denn. er 
wänfchte eine unparteiiche Auselnanderfegung dieſes Streit⸗ 
zunkted, ? Auch die Stäbte mußte er fo glunpflich als möge 
ich behandeln, denn gerade jest warb es wieder ungewiß, ol 
er ihre Hide nicht bald nach außenhin. werde. in Anfpruch nee 
men müffen. Es zeigte ſich bald, daß dem Kurfuͤrſten von 
Seandenburg trotz aller Verträge noch keineswegs zu toauen 
fen; noch ſchienen in ihm nicht alle Spuren feindli⸗ 
cher Geſinnung vertilgtz er war ſchwer erzuͤrnt worden durch 
die Nachricht, daß man zu Landsberg ſogar im Beiſeyn des 
Komthurs von Elbing fein Wappen abgeriſſen, in ben Koth 
geworfen und mit Bhßen getreten habe. Er hatte Daher auch 
nad Schütz p. 154 gewähnti angenommen wird, einen Verſuch zur 
Aufloͤſung des Bundes machte; ſ. Baczko B. IE. 31. Kotzebue 
8. IV. 77. 

1) Schr. des HM. An den Hauslontbur von Danzig, d. Mar. 
Donnerft. vor Prifck 1444 Schbl. LIT 44, Der HM. ſchickt ihm 
einen Brief an die Ritter und Knechte feines Gebietes, ben er ihnen 
zur Widerlegung der Gerüchte meltthelten fol. 


2) Aufträge für den Sendboten Wilhelm von der Kemnade, Freit. 
vor Prifck 1444 Megifir. VIE 258. 


3) Schr. des hochmeiſterlichen Schreißers an den HM, d. Berlin 
Zreit. vor Quafimebogen. 1444 SäbL IT. 129, 


Berhanbiungen mit den Nachbarfürften. (1444) 67 


ya Kubrichtung ber verfprochenen Bufläherungäbriefe beim Roͤm. 
Rinige umb den Kurfürften nach keinen Schritt gethan. Der 
en ee ah einen ben Kanye 
ir Satyar Slick die Ausfertigung zu bewirken fischen. ® 

ferbem war der durch des Kurfürfien Vermittlung — 


büeben, ſondern anſtatt ſich zu einem Schadenerſatz für den 
rerihten Raub, Mord und Brand ini Ordensgebiete zu verſte⸗ 
ben, hatte der ‚Herzog für angebliche Werlegungen feine: Mes 
Athens einen Schabenerfah vom Orden verlangt, wodurch 
ſich ale Verhandlungen zerfchlagen. 2? Auch die von dem Her⸗ 
pen von Pommern zur Beilegung bed Streiteß zwiſchen beis 
den Fiſten angelnüipften Unterhandlungen führten zu einem 
Orfelge; es folgte ein Verhandlungstag dem andern; man 
kam mitunter zwar fiber gewifie Beſtimmungen uͤberein; allein 
% Ionmte doch nie ein eigentlicher Ausſpruch erfolgen. Man 
reiſchob daher endlich die Entſcheidung der Sache wieder auf 
tum neuen Verhandlungstag bis ins nächfte Jahr hinein. 3 

Auch die Streithaͤndel mit dem Großfuͤrſten von Litthauen . 
weren noch nicht ausgeglichen; fie betzafen, wie wir hörten, 

1) Aufträge an den Sendboten, d. am Chriſttage 1444 Regiſtr. 
VE 26.257. Acch in der erften Bälfte des 3. 1444 zog es ber 
Kurfürk immer noch hin, die Beflätigungsbriefe vom Roͤm. Könige 
wutzwnirten, fich wit feinem Kanzler binter allerlei Vorwaͤnden vers 
letend; Darüber mehre Briefe, d. Berlin Freit. vor Duafimodogen, 

“u 6ght. XIN. 129. 

2) Die Berhandlangen auf diefem Richttage, welche die Geſchichte 
Perufiens nur wenig berühren, d. am Sonnt. nach Converſ. Pauli 1444 
Gibt. XII. 74, Die Verhandlungen führte von Selten des Ordens 
er Muthur von Elbing. 

3) Schr. des Pflegers v. Buͤtow, d. Sreit. nach Zaſtnacht 1444 
Gqͥti. XI. 55. Die weitlaͤuftigen Verhandlungen über dieſen Streit 
während dieſes Jahres berühren Preuffen nicht weiters man findet fie 
in mehren Schreiben des Pflegers v. Batow, des Komthurs v. Dans 
re von Giettin u. a. in Schbl. XV. 133, 134. 106, 

5% 


68 Berhanblungen mit den Nachbarfuͤrſten. (1444.) 


theils die Handelöverhäitniffe zwiſchen beiden Ländern, theils 
Irrungen zwifchen dem Großfürften und dem Meifler von Liv⸗ 
land, um beren Wermittlung jener den Hochmeifter erſuchte. 
Man vereinigte fich endlich über eine perfönliche Zuſammen⸗ 
kunft, die gegen die Mitte des Mat zwifchen beiben Fürften 
zu Chrifimemel Statt fand, D Da beide ſich mit- friedlichen 
und frambdfchaftlihen Gefiimungen entgegen kamen und aufs 
richtig eine Beſeitigung der flörenden Verhältniffe md der Klas 
gen ihrer Unterthanen wünfchten, fo verftändigte man fi auch 
leicht diber die Mittel und Wege, wie bie Irrungen zwifchen 
bem Großfuͤrſten und dem Livlaͤndiſchen Meiſter gefchlichtet 
werben folten.? In.Betreff der Handelsſtreitigkeiten brachten 
bie Kaufleute aus Wilna rechtfertige Beugniffe der Stäbte Kra⸗ 
kau, Poſen, Kaltih, Lublin u. a. vor, baß der Kaufmann 
aus Polen und Litthauen vormals in Damig völlig freien Wer . 
Behr auch mit Fremden habe treiben dürfen. Um baher ben 
Streit zur Befriedigung der Betheiligten beizulegen, warb bes 
fhloffen: die Kaufleute aus Litthauen follten bein Hochmeiſter 
vollguͤltige Zeugniffe der Städte Krakau, Pofen und Warſchau 
daruͤber einhändigen, daß ber Kaufmann aus biefen Städten 
in den Zeiten des Koͤniges Wladislav und ber Großfürften 
Witowd, Sigismund und Switrigal in Danzig völlig unbeſchraͤnk⸗ 
ten Handel mit fremden Kaufleuten babe treiben dirfen; ber 
Meifter follte dann auch die Gruͤnde der Danziger zu ihrer 
neuen Anordnung verhören und nach Gebühr und Billigkeit die 
Streitfache entſcheiden.) Den König Wladislav von Polen 
befchäftigten theils feine Werhältniffe in Ungern, deſſen Krone 
er bekanntlich ebenfalls auf feinem Haupte trug, theild fein 
Zürfenzug, wozu er, obwohl vergeblich, auch den Hochmeifter 


1) Berichte über die Berbandlungen der Botſchafter im Sräßling _ 


1444 Regifte, VIL 247—257. . 

2) Diefe Verhandlungen, zum Theil auch die Verhältniffe Lips 
lands und Litthauens zu Nowgorod betreffend, gehören der Gefchichte 
Livlands an; Regiſtr. VII. 266-269, 

3) Die Verhandlungen gefchahen am Sonnt, Eantate 1444 Regiſtr. 
vo. 270, - 








—R wit den Nachbarfuͤcſten. (1444) 60 
RR, a 0 abet Kae, 1 gerabe in biefer Zeit viel zu 
Toumen Kngen, —* Drden beſonders in Beruhrung hätte 
eih wir wenig verbrauchte er feine beften Streitkräfte, 
che Streitſ Sue, 2 Eine fernere Einwirkung in die 
derholt Darum wies der Hochmeifter ab, obgleich ex wies 
de Repakın dt ward ımb König Erich fi auch wegen 
hen Wehrer Preuffiicher Schiffe zu entichulbigen 
ſeiner untenha um ſo lebhafterem Eifer nahm er ſich dagegen 
Über ie u’ beſonders der Danziger in ihren Klagen 
a Stralfim ſte an, die ſie im Handelsverkehr von Roſtock 
mt. allem d aus ſchon feit laͤngern Zeiten erlitten; er drang 
—E ck darauf, daß die Streitſache auf einem 
tage zu Entſcheidung gebracht und den Seinigen 
* ghcher Schadenerſatz geleiſtet werde und zwar um fo 
* da um dieſe Zeit eigentlich nur ber Handel mit kuͤbed 
ae Blithe Hand, ber Verkehr mit Noſtock, Stralfund, 
und felbft mit Hamburg im Ganzen nicht bebeutend 
* Wie aber immer in Streithaͤndeln ſolcher Art wurde die 
durch allerlei Gegenklagen auch jetzt ſehr erſchwert 

©) Ber weiter binauögefellt. 

Diefe und manche andere Bemühungen um ber Städte 
Vohlſahrt und Gedeihen, woburch ber Hochmeiſter fie fuͤr 
ſh zu gewinnen fuchte,- mochten wohl der Grund ſeyn, daß 
— — 

1) Dhgoss. T. I. p. 775 soqu. Der König wlederholte nach pr 
9 in Befuch an den HM. noch einmal, jedoch ebenfalls vergebens, 
Engel Befch. des Ungriſch. Reihe Th. TIL ©. 61.71, 

2) Diegoss. p. 798. Schitz p. 151. Schr. Albrecht Nebers an 
kn sm,, d. Thorn Donnerſt. vor Invocavit 1444 Gchbl. XXV. 63 
Unis Kriegeungläd des Königes in Ungern, 

J Schr. des Königes Erik an d. HM. d. Wisborg Sonnt. Ju⸗ 
Ki 144 Schbl. XXXI. U. Bwei andere Schr, defſelben ebendaf. 
n 13.52, Bel Det mar Ehronit herausgegeb. v. Srautoff 

I. 80. . 

4) Echt. des Rathes v. Roſtock, d. Dienft. nach Reminifc, 1444 
1. Gär. des Rathes v. Gtralfund, d. am T. Gregoril 1444 Schbl. 
XIXIV. 62 u. 20. Scht. des Pfundmeifters v, Danzig, d, Donnerſt. 
ver Bartholone, 1444 Schbl. LX. 120. 





70 Unzufriebeue Stimmung im Bande. (1444.) 


Ye Mittesfchaft ded Kukmerlartved bie Beichwerbe erhob: bie 
Städte winden ungleich mehr begünftigt, als bie ritterſchaftli⸗ 
chen Landhewohner, deren Wohlftanb mehr und mehr zu Grunbe 
sehe, Daher trat wie im Kulmerlande, fo im Chriſtburgiſchen 
die Ritterſchaft zu Berathungen zufammen, um ſich über ein 
ſ. g. Regiment ober über gewifle Landſatzungen zu vereinigen, 
die man vom Hochmeiſter erbitten wollte, um bem zuachmen 
‚den Berberben bed Lanbed vorzubeugen. D Auf Erſuchen dev 
Ritterfchaft verfosach diefer eine nähere Berathung daruͤber auf 
einem allgemeinen Landbtage im Herbſt dieſes Jahres, ?? denn 
daB in der Landesarhnung Veränderungen und Verbeſſerungen 
vonnöthen ſeyen, erlannte er auch felbf. An vielen Orten 
wurden die Stimmen ber Unzufriebenen immer lauter, In 
horn ging kaum ein Tag vorüber, am bem nicht zwifchen der 
Alts und Neufladt, bie wie zwei Beinbe einander gegenüber 
fanden, neue drgerliche Auftritte vorfielenz?! ja bie Altſtadt 
war keck genug, in Verbindung mit einigen nahe gefeflenen 
Adeligen fich allerlei Gingriffe in die Rechte bed bortigen Des 
bendhaufes zu erlauben und biefem mehre feiner Einkünfte zu 
entziehen, ? | In den Biſthumern Kulm und Samland trat 
man den Biſchoͤfen mit der Forderung entgegen, daß bie alten 
Yaudeswilllühren gewiſſenhafter beobachtet und be&halb von 
neuem beflätigt: werden möchten, und bad Berlangen mußte 
erfüllt werden.d Noch unruhiger war ed im Ermlänbifchen 


1) Schr. des Vogts v. Leipe, d. Schönfee Freit. nad Georgit 1444 
Schbl. LXXVL 127. Ueber die Berathung ber: Ritterſchaft im Chriſt⸗ 
hurgiſchen Schreiben in Schbl. LXXVI. 126. 

2) Schr, des HM. an den Vogt von Leipe, d. Marlenb. GSonnt. 
nach Corpor. Chr. 1444 Gchbl. LXXVI. 130. Regiſtr. X. 100-101, 

3) Schr. der Neuſtadt Thorn an den HM., d. Gonnt. Meminiſe 
1444 Echbl. LI. 97. 

4) Schr. des Komthurs v. Thern, d. am Bten Tage vor Dftern 
1444 Schbl. LU. 69. 

5) Scht. des Biſchofa Johannes v. Kulm an d. HM., d. Löbau 
amı Sten Sage Eorpor. Chr. 1444. Gib. LXIV. 43, Schr. des Dis 


(dofs Nicolaus v. Samland, d. Sau iin, vor Johanni 
1444 Schol. LXYIL 38, 


Unzufsiebene. Citinumung im Sande (1444.) 71 


Diem, wo der Biſchof mit ber Stadt Bruumuberg im hefs 
ligſten Zwiſte wegen ihres Privileglums lag, woran jener, wie 

fie Haste, fie verkinyen wollte. Es kam fo weit, baß ber Bis 
fhof fie vor bad Concilium vorlaben ließ. Da wandte fidh bie 
die Ritterfchaft bed Kulmerlandes und an Thorn und 
Kulm uns Rath und Hülfein ihrer Bedraͤngniß und diefe erſuchten 
fefort ben Hochmeifter zwifchen bie Streitenben venmittelnd eins 
zuireten, um dent Eingreifen eined fremden Gorichtes vorzubes 
gen.) Allein der Streit war fo leicht nicht zu —— 
auf beiden Seiten waren bie Gemuͤther zu ſehr gereizt; ben 

Biſchof hatte es ſchwer erhittert, daß man in Sriefen an iha 


8* 
x 
5 


Biföefe von fremben Gerichten ab; es blieben inbeß auch alle 
— en biefer feinen Gegnern zus Guticheidung 

— — im Lande machte, ohne allen Erfolg, weil 
men fie aus Mißtrauen nicht annahm, obgleich ber Biſchef 
fh erbot: er wolle für jede ihm rechtlich erwieſene Uebertre⸗ 
— erienung eined Privilegtumd eine Buße von zehn 

Bart bezahlen. Co trat bald hiet bald dort ber Geiſt der 
Unzufriedenheit von neuem hervor. Kulm unb Thorn, fich 
auf ihr Privilegium berufend, verlangten vom Hochmeiſter wie⸗ 
berhoit Befreiung vom Pfundgolle, weil auch ein Spruch aus 
Nagdeburg fie davon frei gefprochen. ? Der Meiſter fthlug 
die Forderung mehrmals ab, gab jedoch endlich nach, baß bie 
Zuläffigfeit ihres Geſuches auf einem Verhandlungstage einer 
naͤhem Unterfuchung unterworfen werben folle, ® 





1) Shr des Landrichters, der Dritter und Knechte, der Aelteſten 
des Kutsuerlaudes und der Städte Kulm und Thern an den HM., d. 
Km am T. Jacobi 1444 Schbl. LII. 3%. j 

2) Ode, Des Biſchofs Franciſcus v. Ermland an den HM., d. 
Heilsberg am T. Stephani Invent. 1444 Schbl. LAXVI. 128. 

3) Ein Notariats inſtrument über den Magdeburger Schoͤppenſpruch 
“6 des 3. 1453 ins Rathearchiv zu Thorn scrim, XVIII. 11, Thor⸗ 
a Espichuch p. 108. 

4, Die Verhandimgen des HM. mit Aulu und Thorn wegen 


s 


\ 
73 Verhättniffe sum Kurfürften von Brandenburg. (1444.) 


Der Meifter brdurfte jet ber Beihlikfe ber großen Staͤdte 
wieber mehr als je zu bebeutenden Geldzahlungen, bie ber ers 
fhöpfte Ordensſchatz unmöglich allein leiſten konnte. Bereits 
im Anfange dieſes Jahres hatten anfehnliche Summen theild 
an ben Biſchof non Ermland als alte Schuld zurückgezahlt, 
theild an den Deutfchmeifter geliehen werben müflen,D bemm 
letzterer hatte über zwei und zwanzig taufenb Gulden Schuls 
den zu tilgen, die ihm feine und feined Vorgängers Sendun⸗ 
gen und Verhandlungen mit dem Hochmeifter gekoftet hatten. 2 
Die Drbendmünze aber konnte jest faft gar nichts liefern. 2) 
Ueberdieß forderten die Verhältniffe des Ordens .zum Herzog 
von Mecklenburg und zum Kurfiuſten von Brandenburg bald 
neue bedeutende Geldſummen. Herzog Boguslav von Stettin 
war zwar fort und fort aufs eifrigfte bemüht, zwiſchen dem 
Orden und Heinrichen von Mecklenburg eine Ausgleichung zu 
Stande zu bringen; allein fein Eifer mußte von Zeit zu Zeit 
durch neue Geldſpenden belebt werben, um die Koflen feiner 
Bemühungen zu deden. Ex brachte dabei auch bad mit dem 
Orden abzufchließende Bimbniß zur Sprache, in welchen fir 


ihn abermals ‚neue Geldfunmen zu erwarten waren; und 


des Pfundzolles zu Preuſſiſch⸗ Mark am T. Bartholomaͤl u. zu Golub 
am Dienſt. zu Michaelis 1444 Regifir. X. 9— 91. 

1) Quittung des Biſchofs v. Ermland über ben Empfang einer 
Schuldſumme von 2500 Rhein. Gulden, d. Heilsberg Dienft. nad 
Epiphan. 1444 Schbl. 96. 37. Mit dem Deutfchmeifter hatte fich der 
HM, wegen der 60,000 Gulden geeinigt, die einft der HM. Konrad 
Böllner von Rotenftein dem Deutfchmeifter geliehen und ihm eine neue 
Anleihe von 30,000° Gulden gegeben, wofür dem HM. die Ballei Eis 


faß verfegt worden war, worüber die Urkunden Gähbl. 103. Ar, . 


14, 15... 
2) Kapitelsfchluß, d. Brayffurt Mittw, nach Witt und Modelt. 
1441 in Jaeger Ced. dipl. O. T. a. B. a, 


3) Schr. des Muͤnzmeiſters zu Thorn an d. HM,, d. Mont, nah 


Balentini 1444 Schbl. LXXIV. 34. 

4) Schr. des Herzogs von Stettin an den HM., d. Gultzow 
Sonnab. vor Johanni 1444 Schbl. XV. 135, Behr. des Vogts ber 
Neumark an d, HM., d. Landeberg Dienfl, nah Bifitat, Marik 1444 


Berhlituiffe zum Kurflcſten von Veandenburg. (1444.) 73° 


bach kam ed. trotz aller Bemühungen mb Berathungen im ber 
Ecreitſache mit Herzog Heinrich zu Feiner völligen Gtäne, 
dem ſelbſt der Umſtand erregte neues Mißtrauen, daß ber 
Hetzeg einen Friedensbrief nur auf Papier und nicht auf Pers 
gament hatte fchreiben laflen, weshalb auch der Ordensbevoll⸗ 
möchligte den feinigen auf Pergament bem Herzog nicht eins 
haindigte.) Man begndigte ſich baher vorerft mm mit einer 
neuen Sriebend ng. ? 

Kuh die Spannung ak dem Kurfuͤrſten von Branden⸗ 
bang dauerte noch fort. Der Hochmeiſter, wahrſcheinlich um 
fine Sefinnung näher zu erforfhen, ließ ihm durch eine Ges 
fabtichaft ein noch engeres gegenfeitiged Huͤlfsbuͤndniß in Vor⸗ 
ſchiag bringen, fofern ihre Lanbe von einem Feinde angegriffen 
waden winben.?) Allein trotz alter Benihung des Meifters 
des Johanniter Dxrbens, ein folches Buͤndniß, welches auch ihm 
um großem Nutzen fchien, zu Stande zu bringen, zeigte ber 
 Sufrft doch wenig Luft, in die Bedingungen einzugehen, 
weiten, wie er erfläste, eine ſolche Verbindung mit dem 
Oben nicht nöthig ſcheine.“ So warb bad Mißtrauen noch 
vennehrt. Der Meifter ließ daher bie Schlöffer zu Driefen 
md Schievelbein in Eile neu befefligen und flärker bewehren, ©) 





CH, XII. 76. 73. Schr. des Herzogs v. Stettin an d. HM., d. 
Ci am T. Marid Magdal, 1444 Schbl. XV. 138, 

. 1) Ueber die Sendung der Ordensbevollmaͤchtigten, des Treßlers 
un Komthurs v. Danzig zu einem Verhandlungstage mit dem Her⸗ 
im v. Stettin am Gonnt. vor Jacobi zu Lauenburg Regifir. VIE, 
N-2775. Schr. des Vogts der Neumark an d. HM. d. Schievels 
den Dienft. nach Laurent, 1444, Schr, des Pfleger v. Buͤtow, d. 
Mün, vor Affumt. Mariä 1444 Schbl. XV. 107. 

m Schr. des Komthurs von Danzig, d. Sonnab. nach Lambertt 
MM Est. XII. 82. 

w Aufträge des HM. für die Geſandten, d. Sonnt. vor Pfingſt. 
HM degiſt. VII. 771. 

H Schr. des Vogts der Neumark, d. Landeberg am Abend Bins 

als Petri 1444 Schbi. XI. 30. 

5) Ohr. des Wogts v. Schievelbein, d. Schievelbein Donner, 

vr Touren, 1A Schbl, XIV: 29 


74 VBerhäteniffe zum Kucfückten won Brandenburg. (1444.) 


denn: je · mehr ev wahrnahm, baf ber Rurfinft auch gegen die 
Herzöge von Wolgaft feinem Plane nachging, alte früher ent: 
äußerten Befisungen mit feinen Landen wieder zu vereinigen 
unb felbft dabei die Gewalt des Schwertes nicht feheute, ) um 
fo beforgter ward er auch in Beziehung auf feine Verhaͤltniſſe 
zum Kurfinften, fo daß im Stillen fogar mit ben einflufecide 
ſten Praͤlaten und Hauptleuten in Polen wegen eines Bimd⸗ 
niſſes mit dem Orben unterhandelt wurde. Um fo net 
wenbiger fchien es dem Meifler, dem Kurfirſten vor allem 
die auf Martini verfprochene erſte Zahlung von funfzehrtaufend 
Gulden zu leiſten. Die Schwierigkeiten waren freifich aufer: 
ordentlich. Die Gebietiger wurden beauftragt, wa nur irgend 
möglich Geldanleihen aufzunehmen. Allein in Danzig weigerte 
man fich unter allerlei nichtigen Ausreden und nur mit größe 
ter Mühe brachte ber Komthur einige taufend Mark zuſam⸗ 
men. Der bortige Pfundmeifter ging von Haus zu Hans, 
ohne etwas zu bekommen.“) Elbing und Königäberg erſuchte 
der Hochmeifter um Darleibung des auf fie gefallenen Pfund⸗ 
zolles, erhielt jeboch von beiden Städten ausweichende Antwors 
ten, obgleich ex fichere Rüdzahlung verfpradh.” Dem Drdend 
marſchall lachte der Biſchof von Exrmland ind Geficht, ald er 
von ihm fünftaufend Gulden verlangte, ließ ſich jedoch bereit 


1) Geil Beh. v. Pommern B. Fr. ©, 123. Schr. des Vogts 
v. Schievelbein, d. Freit. vor Mariä Geburt 1444 Schbl. XII. 54. 

2) Schr. Edards v. Büntersberg an d. HM. d. Schievelbein 
Mont. nah Mariä Geburt 1444 Adelsgeſch. G. 35. 

3) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Donnerft, nad 11,000 
Sungfe. 1444 Schbl. LX. 80. Vom Magiftrat erhielt er nus 1000 
Mart. 

4) Schr. des Komthurs v. Balga, d. Hellsberg Mont. vor Gina 
und Judä 1444 Odbtl. LXXIII. 19. Ger. des Hauskomthurs zu 
Martenburg an d. HM. d. Danıig am I. Aller Heil. 1444 Gchbl. 
LX. 143, 

5) Schr. des Komthurs v. Eiking, d. Sonnt. ver Simen 
Judaͤ 1444, Schr. des Ord. Marſchaus, d. Koͤnigsherg Mont. vor 
GSimon und Judaͤ 1444 Schbl. LX. 115. 118. 


Bandeiorhnung. (1444.) Tb 


fben, einige Tauſende bei guten Freunben auftuborgen. » 
Baı Diichofe von Samland, mit dem uͤberbieß neue Irrums 
ga und Anſpruͤche wegen neuer Landestheilungen flr fen 
kandes⸗ Deitttheil obwalteten, konnte man bei feiner grofien 
Imuth ſchon an ſich wenig eder nichts erwarten, ?? Kınz 
we fi) Die Gebietiger hinwandten, anf dem Lande und in ben 
gofen Städten, blieben ihre Bemuͤhungen meiſtentheils verge- 
beab ober boch Hinter dem erwarteten Erfolge. Der Meiſter 
dette den Kurfuͤrſten um einige Brift erſuchen laſſen, jedoch bie 
Antogt von ihm erhalten: „er erwarte bie Bahlung unge: 
Kant; ex werbe feiner Seits am beſtimmten Tage bie verheb 
Penn Briefe zur Mebergabe bereit halten“, und ber Vogt der 
Rama warnte ernſtlich, die Sendung des Geldes ja nicht 
5a berfämgen,? Der SHochmeifter fuchte daher durch eine 
edige Botſchaft beim Deutfchmeifter die fehlende Summe aufs 
fielen ® und es gelang ihm fomit auch wirklich, dem Kur⸗ 
zu Ende Novembers die Summe von funfzehntaufenk 
Salben Durch den Vogt der Neumark zu Frankfurt a, 
entrichten zu koͤnnen. ® 
— war aber auch die Zeit gekommen, in der die Staͤnde 
N ancbmungen zu bem gewimfchten beſſern Regimente erwar⸗ 
kim. Da der Wunſch vorzüglid von ber Kitterſchaft ausge⸗ 


1) Shr. des Ord. Marſchats, d. Eifau am Zage der 11,000 
Jungft, 1444 Schbl. LXVI. 152, Schr. des Komthurs v. Balga, d, 
Dienſt. aach Aller Beil. 1444 Schbl. LXVI, 151, 

2) Schr. des Ord. Marſchalls, d. Königsberg Sonnab. vor Simon 
ud Juda 1444 Schbl. LXVII. 37, Der Bifchof erflärte, daß er in 
ud außer dem Haufe nicht mehr als 40 bis 50 Mark habe, Ueber 
die Theilung auf den beiden Nehringen Schr. des Marſchalls, der Kaps 
ya cm T. Michaeli 1444 Schbl. LXVII. 62% 

3) Schr. des Vogts der Neumark, d. Küſtrin GSonnah. mach Alle 
SAL. 1444 Schbl. xu. 127 

4) Auftraͤge des HM. fir den Pfarrer v. Danzig am Ahend 
Aa Hell. 1444 BRegifir. VII. 286. 

5) Quittung der beiden Martgrafen v. Brandenburg Friederich 
des Yeltern und des Juͤngern, d. Stanffur a, d. O. Dat 107) 
dedecà 144 Schbl, 42. 1, m 125, 


SFR 





76 Landeterdnung. (1444.) 


gangen war, jo erhielten bie Komthure den Auftvag, biefe und 
die vornehmften Gutöherren ihrer Gebiete zu verfammeln und 
ihre Wünfche, Klagen und Vorſchlaͤge beſonders zu vernehmen. 
Die Erfolge fielen fehr verfchieden aus. Jedes Gebiet hatte 
feine befonderen Gebrechen und Beduͤrfniſſe. Im Elbingiſchen 
verlangte man Abflellung des Schalvendfornes, ded Wartgel⸗ 
bed, bed Yflugkornes , freiere Verfügung beim Auskaufe der 
Guͤter; in dem von Danzig klagte man uͤber Beſchwerung 
und Uebertheuerung der Landleute in ihrem Verkehre mil den 
Staͤdten, überließ es aber fonft dem. Hochmeiſter als Landes⸗ 
herrn, ein beſſeres Regiment anzuordnen. Aehnliche Klagen 
führte die Ritterſchaft der Gebiete von. Dirſchau und Schwez, 
indem alle Produkte des Landes, 3.3. Getreide in den Stäbs 
ten wohlfeil verkauft, die fläbtifchen. Waaren dagegen, zumal 
von ben Handwerkern dußerft. theuer bezahlt werben müßten, 
daß die Städte troß Der gegebenen Verordnung doch hie und 
da Beinen freien Handel auf dem Wochenmarkt geftatten woll⸗ 
ten, der Sefindelohn qußerordentlich gefteigert werde, fremde 
Kaufleute aus Pommern und Polen die Märkte mit ihreg 
Waaren viel zu fehr überfüllten u..f. w.? Im Kulmerlande 
hielten die Komthure von Thorn, Graudenz u. a. mit ber 
Ritterſchaft verfchiedene Berathungstage über ihre Wünfche 
und, Vorfchläge wegen einer neuen Landedorbnung; man fand 
fir gut, die alte Landesordnung zum Grunde zu legen und 
nöthige Verbefferungen hinzuzufügen. ® : Aber auch hier waren 
die Geſuche fehr verſchieden, freier Handel für die Holländer, 
freie Land» und Waſſerſtraßen flr jedermann, jeboch Beſchraͤn⸗ 
fung der Schiffahrt der Polen auf der Weichfel, freie Getteide⸗ 


1) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Holland Dienſt. vor Mar⸗ 
tini 1444 6qchbi. LXXIII. 93. 

2) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Freit. nad Martini 1444 
GSchbl. LX. 79, 

3) Schr, ded Komthurs v. Schwe;, d. Freit. nad Eliſabeth 144 
Schbl. LIX. 19, Schr. des Vogts v. Dirſchau, d, am T. Martint 
1 Gchbl. LXXIU. 92. , 

4) Schr, des Komthurs v. Thern, d. Mont. vor. Martini 1444. 


En 


Streit mit Rulm und Thorn wegen des Pfuncbzolles. (1445.) 77 
ausfuhr aus Thorn, eine zweiimäßige Befinbeorbnung, ſtren⸗ 
gere Willkuͤhren fir die Handwerker, Abſtellung des Mahl⸗ 
pfennigs u, ſ. w. Im Gebiete von Graudenz verlangte man 
einen jährlichen Richttag und insbefondere auch die Einwilli⸗ 
gung ber Lande und Stäbte in die Beſchluͤſſe des Ordens 
wegen Krieg und Frieden oder andere Werträge mit fremden 
Kürften und dgl.» 

Die Verſchiedenheit der Wuͤnſche, Vorfchläge und Mes 


ſchwerden machte natuͤrlich eine reifliche und befonnene Erwaͤ⸗ 


gung ber Sache doppelt nothwenbig. Allein jo geneigt fich 
auch ber Meifter zeigte, in billigen und gerechten Dingen den 
Winnfchen feiner Unterthanen nachzugeben, fo begann dad Jahr 
1445 doch wieder mit dem erneuerten Streite der Städte Kulm 
mb Thorn wegen Befreiung vom Pfundzole, die fie auf 
Grund ber Kulmifchen Handfefte forderten. Der Hochmeifter 

hatte fi vom Schöppenfiuhle zu Magdeburg über die Streit» 
* ein richterliches Urtheil erbeten, jedoch ohne Erfolg, weil 
das Schoͤppengericht bie Entſcheidung fir hoͤchſt ſchwierig ers 
klaͤrte.) Gab er indeß hier leicht nach, fo war voraußzufehen, 
daß man bald anberwärtd aͤhnliche Anſpruͤche erheben werde, 
was bereit8 bie und da gefchehen war.? ES. war ihm daher 
doppelt wichtig, mit biefen beiden Stäbten eine gütliche Webers 
einkunft zu treffen, zumal da Thorn unter den Städten noch 
einen mächtigen Einfluß hatte und fein Gewicht den kleinern 
Nachbarſtaͤdten oft nachdruͤcklich fühlbar machte. Es fand 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Kulmfee Dienft. nad Ans 
dre& 1444 Schbl. LAXIU. 97, Die Sraudenzer verlangten: „das uns 
fer Someifter ader dy gebietiger keynen Trieg noch feuͤntſchaft zwiſchen 
fremden Kern made ane der lande u flete wie.” Der Komthur fagt: 
„do mag Euer Gnode achtunge uff haben, von wannen dieß ber kommt.” 

2) Schr, des hochmeiſterl. Schreibers Johannes Bentim and. HM. b. 
Berlin am-T. der Beſchneid. Ehriſti 1445 Schbl. XXXV. 60, € 
fam vorzüglich auf den Artikel der Kulmifhen Handfefte an: Absol- 
vimus eciam totam serram ab omni penitus theolonil exucione. 

3) Namentlidy in Pommern, wie das erwähnte Schreiben ausweiſt. 

4) Darüber das Klagſchreiben der Neuftalt Them an den HM. 

d. Dienft, nach Walentini (1445) Gchbl. M. 98, 


79 Steeit mit Kulm unb Thorn wegen be Pfundzolles. (1445.) 


baher im Sanıar eine abermalige Werhanblung über bie ges 
forderte Befreiung vom Pfundzolle Statt. Die Staͤdte erklaͤr⸗ 
ten, daß auch die Schöppenbant zu Magdeburg, wo fie eim 
Urtheil gefucht, ihre Handfefte im Sinne ihrer Forderung auss 
gelegt und fie von jener Auflage frei gefprochen babe und 
zwar nicht nur im Kulmerlande, fondern überhaupt Im ganzen 
Drbendgebiete;” fie fügten drohend hinzu: werbe ber Meifter 
ihnen diefe Freiheit wicht bessilligen, fo müßten fie die Sache 
auch an bie andern Städte bringen; ber Streit werde dann 
weiter gehen und vielleicht wilber werben, als er ie geweſen. 
Der Hochmeiſter eutgegnete: auch er habe bie gelehrteſten, 
Mügften unb weiſeſten Männer in und außer Landes daruͤber 
befragen laffen und von allen die Antwert erhalten: der Orden 
babe bazu Gottes Recht. Da die Stäbte dem Meiſter vor 
ftellten,. daß Kulm und Zhom an ben Enden bed Landed zwei 
wichtige Schlöffer ſeyen, die jet arm und ſchwach täglich mehr 
abashmen und daher einer Beglmſtigung bebürften,, fo fchlug 
es verfchiebene Wege vor, wie durch fchiebörichterliche Entſchei⸗ 
dung der Steeit auszugleichen ſey, flellte ſolche näherer Erwaͤ⸗ 
gung anheim und verſchob fomit bie Sache auf: einen neuen 
Verhanblungdiag.? Die Klage der Thomer Liber bie zunch⸗ 
mende Verarmung ihrer Stadt war allerdings gerechtz?) auch 
das dortige Ordenshaus litt darunter fehr bebeutenb; der Kom⸗ 
thur und Konvent unterlagen oft ber druͤckendſten Rot, Da 
Binfen und Steuern verweigert ober doch richt entrichtet wurs 
ben, fo war das Haus mit Schulden überlaben; felbft vie 
nothwenbigert Beduͤrfniſſe des Konvents konnten kaum beſtrit⸗ 
ten werden, zumal da auch ein zweijaͤhriger Mißwachs des 
Weines bei Thorn ſeine Einnahme geſchmaͤlert hatte und die 


1) Namentlich in Betreff des erwaͤhnten Artikels: Absolrkaus etc. 


2) Die Verhandlungen über biefen Streit am &, Priſcaͤ 1445 


3) Sle fühsen > B. an, die Stadt könne ſtatt der 400 Pferde, 
die fie fonft gehalten, jagt kaum noch AB Halten, 


[4 


Streit mit Kulm und Thon wegen des Pfundzolles. (1445.) 79. 


Einfhafte vom Hanbelöverlehre fehr verringert waren. Allein 
end, bei der nächiten Verhandiung Fam es zu Feiner Audgleis 
damg. Die beiden Stäbte verwarfen jebe fchiebörichterliche 
Exticheibumg ; feſt auf ihrer Forderung behartend erklärten fie, 
be fie jetzt bie Streitſache nicht mehr fin ſich allein behandeln, 
fondem an Lande und Stäbte bringen wollten? Diefem 
Schritte mußte der Hochmeifter .auf jede Weife vorgubeugen 
"web das Intereſſe der Ritterfchaft und ber Stäbte auch forts 
bin fo viel ald möglih ausemander zu halten ſuchen. Er. 
war daher eifrigft bemüht, durch willfährige Worfchläge und 
Anordnungen zur Entwerfimg der allgemin gewünfchten ver: 


ſelbſt, nach reiflicher Erwägung mit den Prälaten und Gebies 
ttgern, einen Ausſchuß von Deputizten ber Lande und Städte 
vor, ber alles im Berathung ziehen und ben Entwurf eines 
nenen Regiments in Vorfchlag bringen follte, und biefer Plan 
werb von ber Ritterſchaft gebilligt.) Eben ſo bereitwillig 
gewährte der Meiſter die Bitte der Ritterſchaft bed Schwezer 
Gebietes, fie wegen ihrer zunehmenden Verarmung auf acht 
Jehre von ber Leiflung des Kuh⸗ und Schweines Zinfes freis 
zufprechen; fie erklaͤrte ſich beveit, ihn dann wieder leiſten zu 
weien. d Auch bad Gefuch der Ritter und Knechte in dem 
Sehleten von Althaus, Rheden und. Papau wegen Abloͤſung 
des eb Getreide ⸗ Zinſes, bie fihen ber vorige Hochmeiſter den 


1) Zr des Komthurs von Thorn ‚ d. Lewen Sonnab. Gregorii 
145 Schbl. LXXXV. 82, 

2) Verhandlungen auf einer am Tage nach Judica zu Preuſſiſch⸗ 
Mart gehaltenen Tagfahrt Regiſtr. X. 97, 

3) Die Verhandlungen der Tagfahrt zu Elbing Freit. vor Phi⸗ 
Uppi und Jacobi 1445 Regiſtr. X. 101 — 104. Jedes Gebiet ſollte 
zwti, Ganıland vier Deputirte ſenden. Der Bürgermeifter von Kulm 
flug fedy6 aus den Städten vor. Die Namen ber Deputirten eben⸗ 
%f. p 02. Gähr. der Ritter und Knechte des Kulmerlandes an den 
HRM., d. Kulm am Tage Tiburtii 1445 

der Ritter und Mechte des Schwezer Oebletet, d 
Sion am 2, Corpor. Chr. 1445 Shbl. LXXHI. 59, 


80 Berhättniffe mit Holland. (1445.) 


Kulmern verfpeochen, gab er gerne zu und erwarb ſich daburch 
bei ber dortigen Ritterfchaft großen Dank. 

Nicht minder gab er auch den Städten fort und fort 
neue Beweiſe feiner Sorgfalt und feines eifrigften Bemuͤhens 
um ihren Wohlſtand und ihr Gebeihen. Er bewies dieß zumal 
in der Streitfadde mit den Holländern. Der Vertrag zu Kos 
penhagen hatte, wie wir hörten, ben Streit eigentlich beigelegt 
und den Holländern war feitdem die Schiffahrt nach Preuffen 
wieder erlaubt geweſen, fo daß fie den Hafen von Danzig, 
wiewohl noch unter ficherem Geleite des Hochmeiſters, oft fehr 
zahlreich mit ihren Schiffen füllten. Es fehlte freilich nicht an 
Störungen im Hanbelöverfehre, 2 denn man merkte bald, daß 
die Holländer fich welter gar nicht bemühten, den Beſtimmun⸗ 
gen bed Vertrages Folge zu leiften. Man hatte bereitö im 
vorigen Jahre Bevollmächtigte zum Empfange einer namhaften 
Summe des zugefagten Entſchaͤdigungẽgeldes beauftragt?) und 
der Herzog Philipp von Burgund hatte bem Hochmeiſter au 

, daß die im Vertrage beſtimmte Entſchaͤdigung ge 
nau in Ausführung kommen ſolle; ® beides jedoch ohne Erfolg, 
weshalb auch ſchon eine Summe Hollaͤndiſches Geldes in 
Danzig in Beſchlag genommen und unter die Staͤdte verihelt 
worben war. Seit aber die Außfiht zur Vollfuͤhrung bed 
Vertrages fich immer mehr verfor, nahmen bie Beläfligumgen 
und Bedruͤckungen bee Holländer in Danzig mit jedem Tage 
zu. Sie erhoben Klagen auf Klagen über bie Störungen 
des Handels im ganzen Lande.) Die Sache kam auch auf 

1) Schr. des Landrichters Nicolaus v. Senzkau an den HM. % 
Leiſau am T. Margarethä 1445 Schbl. LIXVI 24, 

2) Schr. des Raths v. Danıig an d. HM. d. Eonnob. ned 
Balentini 1444 Schbl. LX. 170, 

3) Vollmacht, d. Elbing 14 Juni 1444 im Matheachn zu Thorn. 

4) Schr. des Herzogs von Burgund an den HM. d. Gent 10 
Juli 1444 Schbl. XXII. 8, 

5) Ace. de6 Raths v. — an den HM. d. am T. Cathedra 
Petri 1445 Shbl, XXI. 

6) Eine Menge von —*2 ber Hollaͤnder gegen die Danzi⸗ 
ger o. D. Schbi. XXIII. 84. 


Verhaͤltniffe mit Holland. (FE4S.) | 81 


Zagfahrten haͤnfig zur Sprache, denn auch die Gkitte Preuf: 


ſens empfanden bald bie Nachtheile des geſtͤrten Verkehers 
mit Holland. Man berieth ſich über allerlei Mitel zur Aus 
gleichung ber Immgen. Auf eine erncuerte Zuſage des 
Herzogs von Burgund und der Staͤnde von Holland, Seeland 
und Friesland, daß fie den Vertrag aufrecht halter und voll 
führen wollten, und auf ihre Verſicherung, daß bisher nur: die 
Wiberfeglichkeit einiger Städte, des Herzogs Abweſenheit und 
manches Kriegeunglüd an der Vollführung des Vertrages ge- 
hindert hätten, daß man aber Mittel finden werde, den For⸗ 
derungen ber Stäte in Preuffen in beffknnten Zeitfriflen Ges 
näge zu leiften,? extheilte ber Hochmeiſter, ber 7* 
Handelsverhaͤltniß mit Holland ſehr ungern geſtoͤrt fah, 

Seefahrern aus jenen Landen von neuem ſichere — 
und ber. Praͤſident und Rath von Holland und Seeland ſag⸗ 
ten für die Unterihanen bed Ordens daſſelbe zu.” Dee Hanz 
del in Danzig hob fich daher bald wieber mehr empor. 9 
Allein bie bisherigen Beſchwerden und Verluſte, welche bie 
Holländer in Preuffen ſeitdem erlitten, hatten die Ausgleichung 
wieber bedeutend erſchwert, benn ed ward felbft uͤber Mord 
unb Zodtfchlag geklagt, bes an Holländem im Hafen von 
Danzig verlibt worden feyn follte. Die Stäbte Hollands und 
Seelands erklärten fih nun zwar immer zur Vollführung des 
Bertrages bereit, erhoben dabei aber die Gegenforderung, daß 
zuvor aller ihren Kaufleuten mittlerweile in Preuffen zugefügte 
Schade und Verluſt vergütet werden müfle. Die Unterhanbs 
lungen darüber zuerft in Brüffel mit dem Herzog felbfl, dann 
im Daag mit ben Deputicten aus Holland, Seeland“ und 


1) Die Verhandlungen darüber auf dem Tage gu Elbing Freit. 
vor Philippi und Jacobi 1445 Regiſtr. X. 103 — 104. 

2) Die Supplication des Herzogs v. Burgund und feiner Lande 
Holland, Seeland und Friesland o. D. Regiſtr. VIL 413, 

3) Schr, des Präfidenten und Raths v. Holland und Geeland an 
den HM. d. Haag 15 Juni 1445 Schbl. XXXIII. 51. 

4) Schr. des Pfundmeiſters von Danzig, d. am Wbend Tacobi 
1445, 


VII. 6 





FR Ausgieihnugzeit Dem, Heiauch v. Mekknlzug. (1445.) 


Siehland zogen. ſich bis in deu Anfang des naͤchſten Jahres 
snb zerſchlugen ſich enblich ohne :Erfelg, da bie Goldaber auf 
der erwaͤhnten Forderung fell behasrien."- 

.: Gluͤcklicher emdigten in biefem Sabre die — 
an, Ausſoͤhnamg mit Herzog Heiurich van Meklenburg. 

dem dex Henog Boguslav von Stettin auch ——e—— der 
Sprwnowifles ter. beiden Parteien ſeit dem Früuͤhling alles fo 
meit vorbereitet) und die Streitenben ſich überhaupt in ihren 
Sefinnungen mehr gendbert, ? Inh ex den Hachmeifter zu einem 
Sichnetag wit dem Herzog Heintich ein.“ Jener fanbie: als 
Nevoll maͤchtigte dan. Mbexrſt a Trappier Wilhelm von Helfenſteia 
und ben Domherrn Andreas Rupertid) zum Tage nach Stolpe, 
wo ed in der Mitte des Auguſts durch des Herzogs von Pom⸗ 
am Vexyrmittelung gu einem guͤtlchen Vergleiche kam, des 
Inhaltes: Alle. Fehde und Feindſchaft zwiſchen dem Orden 
upb Herzog: Heinrich ſehen geflhnt und beigelegt und ihre 
Bande und: Beute, hinfort nicht mehr feindlich. Werde der Or⸗ 
den eine Fehde zu führen wder zu jemand Mahnung Haben 
und bei Hozogs:Hrinrich hayı.bebiwfas, fo folle ber Hoch⸗ 
sneifter es Difeno zwei Monate wor anzeigen und ihm denje⸗ 
nigen benennen, Ber ihm nicht Recht widerfahren laſſe, damit 
Fich der Herzog für ben Orden um Rechtsgewaͤhrung verwen⸗ 
den koͤnne. Bleibe dieß ohne Erfolg, ſo ſolle der Herzog dem 
Orden zu Huͤlfe ſtehen und ſofern es nöthig, bewaffneten Bei: 
Rand leiſten. Bebinfe es ber inte. in einer Fehde, ſo ſolle 





1) Der ſehr neifänftige Bericht über die Gefandfhaft des Sans 
don Walde und ſeine Verhandlungen vom Septem. 1445 vis in den 
Sanuar 1446 im Regiſtr. X. 105 — 112, 

2) Schr. des. Herzogs v. Gtettin an den Komthur v. Danyig, 
d. Stettin am T. Georgi 1445 Schbl. XV. 141. 

3) Weceß über .eine gehaltene Zagfahrt Sonnt. nad Bonifach 
1445 Schbl. LX. 88. 143, 
„ .% Schr. des Herzogs v. Stettin an den HM. d. Rügenwalde 
Sonnab. nad) Bit und Modeſti 1445 Shbl. LX.,88.188., - 

. 5) Vollmacht für die Gefandten, d. Maxienb, am T. Dominici 
1445 Schbl. 33, 2, 


3 


Neuer Steiit mit d. Runfärfien v. Wrimboubuig. (1445.) 83 


pn jewer in feinem Sande auch ein Schloß ober eine Stabt 


Amäumen, um füh von da aus gegen den Feind wehren zu 
knnen, doch ohne daß des ‚Herzogs Lande Dabei Schaden lei: 
den. Alte Anfprüche, bie der Herzog an den Orden zu haben 
arine, ſellen hingelegt aınb beſeitigt ſeyn. — Ba war bie 
Renmark gegen einen Rachbarfänften, der ihr Tange- mit Feind: 
ucher Dada gedroht, ficher geftellt, und fie beburſte feichet 
teuhe jet mehr als je, -denm ſie hatte uͤberbieß theils In einet 
wüden Fehde mit der unruhigen Ritterfamilie won Leccow, die 
mehre ihver Staͤdte um Schoͤſſer mit Raub und 
heimgeſucht, 2 theils durch Straßenraͤuber und Raubbgeſindel 
Heben mb niebern Standes To außerorbentiid, gelitken und der 
Dogt hatte ſowohl auf die beffere Befeſtigung feiner Schloͤſſer, 
als auf die Sicherung ber Landſtraßen gegen ben raubſuͤchtigen 
Adel fo viel verwenden müflen, daß er dtingend den Hoch⸗ 
meifter um Hülfe aus Preuffen zu erſuchen genöthigt war. ® 
Auch die letzte Forderung bed Kurfterſten von Sranden⸗ 
Burg ſollte in dieſem Jahre noch befriedigt werden. Es hatte 
ſich indeß mittlerweile ein neuer Streit über ſechshundert Gul⸗ 
den erhoben, die der Reichskanzler Kaspar Slick vom Kurfür: 
fien und biefer wieber zur KAustsfung ber erwähnten Beſtaͤti⸗ 
gungsbriefe aus der kaiſerlichen Kanzlei vom KHochmeifter for: 
berte, obgleich letzterer die Briefe felbft durch diefe Summe 
bort fchon audgeldft hatte. Der Kurfürft aber, uͤber die Ver: 
eitlung feines Wunſches wegen der Neumark immer noch uns 
wälig, beſtand dennoch anf ber Zahlung dieſer Summe: an 


1) Drlginal des Vertrages, d. Stolpe in Vigilia Laurent. 1445 
Schbl. 33. 4. Unter den Anweſenden werden auch noch genannt der 
Komtbor von Danzig Nicolaus Poftar und Herzog Heinrich von Mes 
lenburg ſelbſt. 

2) Schr. des Vogts v. Schtevelbein an den HM. d. am T. Pu⸗ 
rif. Mariaͤ 1445. 

3) Behr. des Vogts der Neumark an den SM. d. Hermannsdorf 
am ©. Reminiſcere 1445 Schbl. XI. 119. Str. des Vogts v. 
Schiedelbein an den HM. d. am T. Yacobi 1445 Schol. XIV. 55, 
Regiſtr. VII. 306. 

6* 


Ba . Der:Papft und bee Ochen. (1445.) 


ihn, weil ber Reichtkanzler, wie er vorgab, fie von ibm ver⸗ 
langte und ber. Vertrag zu Frankfurt es auch einmal fo fefls 
fest. Man flritt fi nun wieder tiber dieſe Forberung bie 
und ber. 2 Ie deutlicher aber ber Hachmeiſter daraus Friede⸗ 
richs Geſinnung erlannte, um fo mehr mußte er bemuͤht ſeyn, 
bie noch übrigen funfzehntaufend Gulden am beflimmten Tage 
entrichten zu, Finnen. Er fandte deshalb ſchon im Sonmer 
den Komthur von Althaus mach Deutichland, um dort wo 
möglich zehntaufend Gulden bei Surfen ober den Gebietigern 
aufzubringen. Allein von dort kamen nur troſtloſe Nachrichten 
‚und überall abfchlägige Antworten, 2 Indeß glüdte ed dem 
Meifter auf andern Wegen bie nöthige Summe herbeizuſchaf⸗ 
fen und durch Borgen bad Fehlende zu ergangen, ? fo dag 
auch die letzte Hälfte der vertragsmäßigen Abftanböfumme puͤnkt⸗ 
lich entrichtet werden Fonnte. Der Streit aber wegen ber ſechse⸗ 
hundert Gulden dauerte noch fort. * 

Um biefe Zeit trat aber auch die damalige Kirchenſpaltung, 
indem ſeit mehren Jahren zwei Paͤpſte, Eugenius der Vierte 
und Felix ber Fünfte im Regimente der Kirche einander gegen⸗ 


1) Darüber eine Botſchaft des Vogts v. Dirfhau an den Kurs 
fürften zu Oftern 1445 Regiftr. VII. 302. Schr, des Kurfuͤrſten Friede⸗ 
rih an den Vogt der Neumark, d. Berlin Mont, Bartholom. Abend 
1445 Schbl. X. 4. 

2) Schr. des Komthurs v. Althaus, d. Köln Mittw. nah Petri 
Bincula 1445 Schbl. XXXIII. 52, Schr, feines Dieners an d. HM. 
d. Horneck Freit. vor Affunt. Mari 145 Schbl. Deutſchmeiſt. 83, 
Er fchildert die Geldnoth in Deutfchland als faft beifpiellos. 

3) Schr. des Komtburs v. Elbing an d. HM, d. Holland Sonnt. 
nach Michaeli 1445 Schbl. XII, 145, 

45) Aufträge des HM. an den Vogt v. Dirfchau wegen Sahlung 
der 15,000 Gulden, Zreit. vor Simon u. Judaͤ 1445 Megifir. VIL, 
359. Man fiebt auch aus der Aengſtlichlkeit des HM. wegen der aus⸗ 
zuftedenden Dulttungen, wie wenig er dem Kurfürften in der Sache 
traute. Die Quittung des Kurfürften, d. Sranlfurt Mont, nad) Leonis 
1445 Schbl. 44. 3. Mir haben aber eis Rotariatsinſtrument vom 9 
Novemb. 1445 Schbl. 44. 4, nach welchem die Zahlung uaefeihoft 
an dem eben genannten Tage geſchah. 


Der Papfl:amb-bee Orden. (1445,) 85 


der ſtanden, fir den Deden einflußreich hervor, Wie die 
weten Deutfhen Fuͤrſten hatte auch der Orben zu ben beiden 
often ſich mehre Jahre hindurch in einer gewiſſen neutralen 
Selung gehalten, zumal dadie kirchlichen Verhaͤltniſſe des 
Endes um dieſe Zeit wenig Anlaß zu Verhandlungen mit 
dem Rom. Hofe dargeboten. Seit dem Reichttage gu Ninn> 
bag im vorigen Jahre ımb feit der durch Aeneab Syldius bes 
wilten Annäherung des Röm, Königes Frieberich auf die Seite 
Egenius des Bierten !) trat nicht nur von ſelbſt die Nothwen⸗ 
Digkeit einer beftimmten Entſcheidung fi bie eine ober bie ans 
den Iinhliche Partei hetvor, ) fonbern ber Roͤm. König hatte\ 
fh bereits im Fruͤhling dieſes Jahres auch ausdruͤcklich an ben 
Hochmeiſter mit der Aufforderung gewandt, daß der Orden 
mb Ye Praͤlaten Preuſſens fich öffentlich fr ihn und den 
Ya oder wie es hieß „fir dad Reich umd die heilige Roͤm. 
She“ erklaͤren möchten. Was ben Orden felbft betraf, fo 
hatte man im oberften GBebietiger-Rath zuvor ſchon ben Be⸗ 
af gefaßt, man wolle fih für den Papfi Eugenius und, 
. Va Koͤm. König entfcheiben, und als ber Hochmeiſter jegt 
ach bie Lanbeöbifchöfe um ihre Erklärung erfuchte, ertheilten 
fe ale die Buficherung, baß fie in jeder Dinficht des ‚Boch 
meiſters und feines Ordens Beifpiel folgen würden. 9 Indeß 
Fugen die kirchlichen Parteihändel in Deutfchland auch noch 
m Sommer fo wild durch einander und ber Papft Eugenius 
xige fi in bern Deutfchen Angelegenheiten oft noch fo wenig 
Klügg, daß ber Hochmeiſter für nöthig fand, in ber Kirchen⸗ 
ſeche immer noch mit großer Vorſicht zu Werke zu gehen, wes⸗ 

heb er fich auch immer bie genaufte Kenntniß ber Borgänge 


1) Bowers Hiftorie dee Roͤm. Päpfte B. EX. ©. 2m, 

2) Drifker Gefch. der Deutfchen 3. II. &. 506 — 507. 

3) Schr. des Did. Marias, d. Königsberg am Pfingftabend 
ME Gh. LXXUM. 116. Schr. des Bifchefs Nicolaus von Sam⸗ 
mb an d. HM. d. Königsberg am Pfingflabend 1445 Gchbl. LXVII. 
5. Gr. des Bifchofs v. Kulm, d. Loͤbau Sonnt. nad Eorper. Chr. 
Us Sahl. LXIV. As; bie ütwigen Schreiben In der e Echbl. 
IJ. 47. LXV, 3, LXVI. 170. 





86 Dee Papſt uah. dee Dan: (1446.) 


in den kirchlichem Verhaͤltuiſſen · Outſchlands zu; verſhaffen 
ſuchte. N- Der Dapft ſelbſt aben wimſchte den Orden fuͤr ſich 
zu gewinne Als baher auch bie Mirwohner Panmmerellaud 
ſich der Leiſtung aller Zölle zu entichlagen fuchten, behauptet, 
daß fich die Zallfreibeit des Kulmerlandes auch auf ihr Gebiet 
aſtrecke md. der Magdeburger Echönymfpruch auch auf fie Yan 
wenbung finde, ließ fich dar Papſt auf die Klage des Hoch⸗ 
meiſters fehr ‚bereitwillig finden, durch eine Bulle ber Biſchaf 
von Ermland unb bie Pröpfte von Brandenburg und (ir 
land mit einer gründlichen Unterfuchung: der Sache ze beauf⸗ 
Fragen und fie zu erfuchen, die Bewohner Pommerellens mit 
aller Strenge zu ihren Verpflichtungen anzuhalten, fofern. fish 
ihre Befreiung von Zöllen nicht erweiſen laffe. ?_ Aber auch 
die Schlichtung bed Streites zwifchen bem Orden unb Dem 
Kulmern hatte der Papſt ven erwähnten Maͤlaten khertragen 
und zugleich auch ben Roͤm. König erfucht, feiner Seits eben 
falls thaͤtig mitzuminken, daß ein entſcheidender Ausſpruch ge⸗ 
ſchehe und deſſen Ausfuͤhrung aufrecht erhalten werde Den 
Biſchof Francifeus von Ermland ſtand daher jetzt vor allen 
dem Hochmeiſter mit reifem Rathe zur Seite; auf ihn logte 
dieſer immer auch beſonders großes Gewicht und ſein Urtheil 
gab in ben wichtigſien Dingen meiſt ben Ausſchlgv Er 
war es auch, ber ben Hochmeiſter mit Rath wuterflügte, als 
in dieſem Jahre wieder neue Anforderungen. theild wegen Er⸗ 
bebung bed Peterspfenniges, theilß wegen Einfammlung tind 
Myahlung dei: Alaßgeldes von paͤpſtlichen Beamten nach 
Pommerellen und Preuſſen ergingen, denn während der Hoch⸗ 
meiſter felbft oft mit. des größten Geibbehrängnig Tänypfte, 


1) Schr. des Bartholom. Liebenwald an den HM. d. Leipzig 
Streit. vor Jacobi 1445, 

2) Die Bulle des Papfles, d. Romae VII Cal, Jun. p. a de- 
cimo quisto 1445 Schbl. XL. 10. 

3) Die an den Röm. König gerichtete Bulle, d. Romae Idız Iu-' 
ali p. a. decimo quiato 1445 Schbi. XIE 15, 

4) Schr. des Ord. Marſchalls an. den HM. d. deip Dieaf 
nach Jacobi 1445 Schbl. LXVL 176, . 


Dee Hochmeiſter und die Etindes ds BP 


qmöälten jene Beamten, beferdber® auch ber Ebkaͤmmmcer Kon⸗ 
mb von Weinsberg ihn und dad Land fort und fort nit ihren 
Serbesungen. ? Ja dieſer letztere, befien Auforlche bes Hoch 
meifter fchon mehrmals durch fürmliche Probeſtationen zunkdiges- 
wieſen, ohne auf die Mahnſchreiden ber Meichskiftn wo! 
ſelbſt des Roͤm. Königes zu adıten, trat jept--fogas mit der: 
Drohung hervor, er werde, fofern ihn der Meiflen: m ſeinen 
Forderungen nicht befriedige, fi durch Pllmbaung dos Eigen⸗ 
thums des Ordens und deſſen Unterthanen, wort #8 finde, 
ſelbſt feine Bezahlung verſchaffen, ) und in der That erließ‘ 
er auch bald das Geſuch an den Herzog von Bargund, -ihmf. 
zu erlauben, die Guͤter und Waaren aller Ordensumecthanen 
aus Preuffen und Livland, die in feinen Landen Hanbelöges 
fihäfte betrieben, mit Beſchlag belegen ımb fi, daran befriedi⸗ 
gen zu binfen, was der Herzog jedoch nicht zugad, 9 
Unterdeſſen waren auch die Städte Thorn ımd Kulm, jet 
faſt noch die einzigen, die mit dem Meifter im Zwiſte lebken, 
in ihres Beſtrebungen nicht unthaͤtig geblieben. Da es ihnen‘ 
nicht gelimgen war, bie Rätterfhaft für ihre Sache zu gewin⸗ 
nen, ſo ging ihr Bemühen darauf hin, wenigflens die Meinen’ 
Stänte wieder mehr auf ihre Seite zu ziehen. Es fand zwis 
ſchen ihnen und den Abgeorbneten von Graudenz, Strasburg, 
Rheden, Reumatk u. a, eine Tagfahrt zu Kulmfee wegen Bes 
rathung Über dad Landesregiment Statt; allein Die Meinern 
Staͤdte trennten fich bald wieder, ein Beweis, daß ihnen das 


Eccrrben jener Städte nicht zufagte. ® Als Daher in ber Mitte 


1) Schr. des päpftl. Kämmerers u. Nuntius Andreas an die Geift: 
lichen der Didcefe Leſſau, d. Posnanie XVI April 1445 Schbl. LXIII. 
27. Chr. des Pfarrers v. Danzig an den HM. d. Danzig am T. 
nnd 1445 Schbl. LX. 26. 

2) Mahnſchreiben Konrads 9. Weinsberg an d. EM. d. Weins⸗ 
berg Dienſt. Matthaͤi 1445 Schbl. LXIII. 128. 

I) Schr, des Herzogs Phiilipp v. Burgund an d. Sm. d, Bergen 
im Sept. 1445 Schbl. AXXIH. 11, 

. Schr. des Komthurs v. Mieden, d. Hoͤf Beißen am Abend 
Affumt. Mariaͤ 1445 Schbl. LEXR, 41. 





88 Dee Hochmeiſter und bie Staͤnbe. (1445.) 


des Sentembers abermals ein Berhanblungdtag mit Thom und 
Kulm gehalten warb, erklärte ihnen ber Meifter mit feſtem 
Muthe: ex habe fich in ihrer Streitſache bei Geiſtlichen und ge 
lehrten Laien vielfach Rathes erholt; er werbe unb Einne nach 
feinen Privilegien fie vom Pfundzolle nicht frei fpuechen, denn 
es habe ein vollkommenes Recht dazu. Auf den Spruch ber 
Magdeburger, die nicht feine Richter feyen, Tönne er fein Ges 
wicht: legen. So fehieb man wieder ohne Suͤhne. ) Obgleich 
nun aber die Städte ausdruͤcklich den Wunſch erflärt hatten, 
ihre Sache möge im Lande entfchieben werben, bamit fie nicht 
vor ben Roͤm. König gebracht werben müfle, fo war fie den⸗ 
noch bereits zu bed Röm. Könige Kenntniß gekommen und 
zwar, wie ed fcheint, in einem für ben Hochmeiſter nicht guͤn⸗ 
figen Lichte; er war beim Könige angellagt, daß er mit fei= 
nen Landen befländig in großem Unfrieben lebe und von allem 
Hader und Zerwuͤrfniſſe felbft die Schuld trage Da traten 
aber, als dieß in Preuffen befannt warb, alle Stände ibn 
vertheibigendb und rechtfertigend auf, ein Beweis, mit welchem 
glüdlihen Erfolge ihm fein bieberer, offener Character und 
feine gerechte und wohlwollende Sefinnung überall ſchon Ver⸗ 
trauen. erworben. Der Bilhof Johannes von Kulm rühmte 
in einem Schreiben an den Röm. König und bie Kurfinſten: 
„nachdem wir nach fchulbiger, gebüßrlicher und rechter Liebe 
und Zreundfchaft, bie wir zu dem Herrn Hochmeiſter billig 
um feiner überfchwenglichen Güte willen haben, die er und und 
allen den Unfrigen ald ein gütiger und gnaͤdiger Der und 
Beichirmer von Anbeginn, au von den Zeiten her, dba er 
noch in nieberem Stafide und Weſen war und vielmehr ,,. feit 
er in folh ein hochwürbiges Weſen gefeßt und erhoben wor⸗ 
ben, erzeigt hat und täglich fortfährt zu erzeigen, folche ers 
dichtete Sagemährchen auf feine Liebe und Gütigkeit ungern 


1) Schr. des Komithurs v. Balga, d. Wartenflein am T. Augu⸗ 
ſtini 1445 Schbl. LXVI. 184. Bericht über die Verhandlungen des 
HM. mit den Städten-Thorn u. Kulm zu Preuffifchs Mark Donnerf. 
nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1445 Regilir, X. 97 — 8. 


Der Hochmeliſter und die Stände. (1445.) 9 


men haben, fo erflären wir offen, daß der Herr Hochmeiſter 
mit und ımb feinen Landen und Leuten in rechter, Iauterer 
Liebe und Freundſchaft lebt und wir haben auch in Wahrheit 
vernommen und erfunden, baß feine Herrlichkeit nach lauterer, 
sechter Liebe, Eintracht und Zreundfchaft nach feinem höchiten: 
Bermögen Tag und Nacht gefianden und gewacht hat, denn 
alle Späne und Widerwillen, die in vergangenen Zeiten in 
ſeinem Orden und zwifchen feinen und feined Drbens Landen 
mb Stäbten erwedt worben waren, hat er mit Gottes Hülfe 
bei feinen Zeiten mit forgfältigem Fleiße hingelegt, zerflört und 
getilgt umb lautere Liebe und Eintracht gemehrt und bearbeitet, 
fo daß, Gott fey gelobt, folche große Liebe, Eintracht und Ges 
herſam in feinen Landen ift und durch feine Gnade täglich ges 
wehrt, gehalten und regiert wird, das in Wahrheit beweislich 
iſt, als bei Menfchengebenten jemals in denfelben Landen und 
Etabten gehalten und regiert gewefen iſt.“ D Aber nicht bloß 
biefer Biſchof, ein Mitglied des Ordens, fprach mit ſolchem 
Lebe von bed Meifterd Verdienſten, fondem auch ber Landrich⸗ 
ter, der Bannerführer und die gefammte Ritterfchaft bed Kuls 
merlandes erfuchten gleichmäßig den Roͤm. König und die Kurz 
fürften, ben ihnen zugebrachten Gerüchten von der Zwietracht 
zeichen ihnen und dem Hochmeiſter Teinen Glauben zu ſchen⸗ 
ken, betheuernd, daß fie nie mehr als jetzt bereit und willig 
feyen, fich in aller Weile gegen ben Meifter ald gute und ge 
tseue Unterthanen zu bezeigen und alles zu leiflen, was fie 
von Rechts wegen ſchuldig feyen, da er ihnen täglich feine 
Liebe und Güte bemeife. ) Selbſt Thom und Kulm und bie 
hbrigen Stäbte im Kulmerlande widerlegten in befondern Schreis 
ben an den Röm. König die falfche Angabe, daß fie mit dem 
Hochmeiſter fortwährend in Hader und Zwietracht ‚fländen, be: 


1) Gchr. des Bifchofs von Aulm an den Rom. König, die Kur: 
fürften u. f. w. d. Mont. nach Martini 1445 Schbl. LXIV. 46, 

2) Schr. des Landrichters u, f. w. an den Roͤm. König u. a, d. 
Beltfchen im Kulmerlande am Abend Eliſabeth 1445 Schbl. LXXVI. 21, 


SO Der Bodmhee and bie Stäne. (14454) 


zeugend, daß tiefer ihr Herr ihnen täglich Beweiſe feiner Hulb 
unb feines Bohlwollens gebe und ein wahrhafter Beſchichzer 
mb Befchirmer ihres Landes fey. !) 

Dieſe Zeugniſſe über feine Gefinmmg und den Geiſt fei- 
ner Berwaltung mochten gerade jet dem Meifter um fo er: 
winfchter feım, da ihn ber Röm. König in einer langwieri⸗ 
gen: Proceßfache mit einem gewiſſen Heinrich Scholtu (die 
übrigens geringe ygefchichtliche Wichtigkeit hat) ſoeben vor Ge⸗ 
richt geladen hatte, denn ermuthigt durch die erwähnten Er- 
klaͤrungen ließ er den Roͤm. König erfuchen: er möge die La⸗ 
dung zurüdnehmen und ihn nicht aus feinem Rechte bringen, 
zumal da auch der Gegner von ihm ans Recht gertefen fey 
und folche® angenommen habe; feit Menſchengedenken babe 
man von keinem Kaiſer ober Könige gehört, der einen Hochz 
meiſter vor Gericht geladen: und aus feinem Rechte gedrängt 
Babe; fo möge auch er feiner Eeitd einen Hochmeiſter achten 
und halten, wie es feine Vorfahren gethan und bein KReiche 
berfömmlich ſey. Daß der Kläger ihm mit feiner Klage un⸗ 
recht thue, beweife die Liebe und Eintracht, in ber er allzumal 
Mit feinen Prälaten, Gebietigern, Landen und Städten lebe. — 
Der Hochmeifter verdiente auch diefe Anerkennung des Landes 
in vollem Maaße, denn, um bier nur ded einen zu erwähnen, 
welche Werbienfte erwarb er fich allein fihon um Handel und 
Schiffahrt durch feine in Verbindung mit dem Biſchofe von 
Ermland drei Jahre lang fortgefehten Bemuͤhungen um bie 
Verbefferung ded Tiefs auf der Frifchen Nehring, auf welche 
fhon in dieſem Sahre bedeutende Summen verwandt wur 
den, 2 während zugleich auch die Nogatbämme und ein gro- 


1) Schr. des Rathes v. Thorn, Kulm u. anderer Städte u, Rite 
tee des Kulmerlandes an den Röm, König d. am Abend Elifaberh 
1445 Schbl. LXXVI. 1 — 23. 

2) Die dem Pforzer von. Danzig bei: diefee Sendung erthellten 
Aufträge, 9. Donnerſt. vor Katharina 445 Megifir. VIL 368 — 387. 

3) Ueber Die Verbefferungen des Tieſs Schr. des Biſchefs v. Erm⸗ 
land an den HM. d. Heilsberg am Aſchtage 1445 Schbi. XLV. 21. 


Berhättniffe d. Ostens zı Biethanen. uub Meier. 1446.) BI 


ber Bünfiesfhnben am Orhenähanfe Schw md: an bex bowtis 
— 28* nicht geringe Kraͤſte in Anſpruch nahmen, mei bee 
legten. beinahe der gaͤnzliche Untergang brohte, ') 

Mtlerweile traf in Preuffen die Nachricht von der un: 
glücklichen Schlacht bei Varna ein, im welcher der König Wla⸗ 
dislav von Polen gegen die Türken gefallen war. Man hatte 
bereit8 auf einem Reichötage zu Siradz den einzigen noch uͤbri⸗ 
gen Bruder bed genannten Königed, den Großfinften Kaftmir 
von Litthauen zu beffen Rachfolger erwaͤhlt; Bedenklichkeiten 
aber über den wirklichen Tod ded Bruders hatten dieſen bisher 
abgehalten, die Krone fofort zu übernehmen. 2? Da kam im 
Anfange des Jahres 1446 eine Botſchaft des Großfürften an 
den Hochmeiſter, ihm zu verkuͤndigen, daß eine Gefandtſchaft 
aus Polen, an deren Spitze die Koͤnigin, ſeine Mutter und 
der Erzbiſchof von Gneſen, im Herbſt zu ihm gekommen ſey, 
mit der Aufforderung, fi) nach Polen zu begeben und nach 
der Wahl der Reichsgroßen den Thron des Reiches in Befitz 
zu nehmen; vorerft jeboch babe er, in Ungemißheit, ob fein 
Bruder nicht vielleicht noch lebe und weil er nicht auf deſſen 
Stuhl figen wolle, den auf einem Tage zu Wilna verfammel: 
ten Großen Litthauend verfprochen, dad Land nicht zu verlaf- 
fen. Des Herzogs Sroitrigal Senbbote meldete zugleich, fein 
Here fen des Großfurſten getreuer Diener geworben und erfuche 
den Hochmeiſter, daß auch er des Großfünften Freund und 
Gönner bleiben möge. Der Meifter ſprach fich aͤußerſt freund⸗ 
lich über ded Herzogd gütige Gefinnungen aus. Zur Befeiti: 
gung ber Klagen der Litfhauer, befonderd des Kaufmannes zu 


Schr. des Ord. Marfhals an d. HM. d, Koͤnigsb. am T. Auguftini 
1445 u. Kaporn Donnerft. nad Aegidii 1445 Schbl. LXXII. 55, 
LVIL 20, Die Koftenbetehnung Schbl, LAXIL 5t. 

1). Schr, des Komthurs v. Schwer an d. AM, d. Sonne. vor 
Margaretha 1445 Gchhl. LIX, 17, 18. Ger. des Komuthurs v. Rag⸗ 
nit, d. Labiau: Mitt. nah Affumt. Mariä 1445 Schbi. LVIIE 11, 

2) Diugom. T. U. p. B—6. 92 — 10 ZAneiwlz P. U 
p. 195 — 1986. 


92 Vecrhaͤttniſſe d. Orbens zu Stthauen und Polen. (1446.) 


Wilna fiber die ſchon früher berührten Handelsbeſchraͤnkungen 
in Danzig ſchlug er einen Verhandlungstag zu Memel vor, 
wohin beide Theile fachkundige Männer fenden follten, um bie 
Klagen in nähere Berathung zu ziehen.) Dann aber ließ 
der Großfuͤrſt indgeheim dem Meifter auch das Geſuch vorle⸗ 
gen, mit ihm in ein engeres Buͤndniß zu treten, wie es zwi⸗ 
ſchen ſeinem Vetter und dem Hochmeiſter Paul von Rußdorf 
beſtanden, alſo daß beide gleiche Freunde und gleiche Feinde 
erkennten. Aus der Bitte, man moͤge die Werbung durchaus 
geheim halten und nur an’ wenige Gebietiger bringen, ſchloß 
der Meifler, daß der Großfünft dieſes Buͤndniß vorzüglich wes 
gen feiner Verhältniffe zu Polen wünfche, denn unzufrieben 
wegen feiner fortwährenden Weigerung in ber Uebernahme ber 
Krone traf man bort bereitd Anflalten zu einer neuen Königbe 
wahl und dachte, dabei vorzüglich an den Kurfürften Frieberich 
von Brandenburg ? Schon darum ſchien dem Hochmeiſter 
die Sache höchft bedenklich; er ging mit den erſten feiner Ges 
bietiger zu Rath und ließ dem Großfürften die Antwort brins 
gen: „die Botſchaft greife weit; dee Orden flehe mit Polen 
und Littbauen in ewigen Frieden, den er auch fortan zu hal: 
ten gebenfe; ber Großfürft möge fich näher erflären, wie bie 
Verbindung feyn ſolle; darnach werde ber Meifter fich richten; 
werde fie dem ewigen Frieden unfchädlich feyn, fo wolle man 
weiter unterhanbeln.” ? Kaſimir indeß hielt nicht für rath⸗ 
fam, die Unterhandlung weiter fortzuführen. Doc wurde ba> 
durch das freundliche Verhaͤltniß beider Fuͤrſten keineswegs ges 
flört, vielmehr gelang ed dem Hochmeifler, auch ben Herzog 
Georg, der fih an ihn um Vermittlung gavandt, mit bem 
Großfuͤrſten auszuföhnen, fo daß auf feine Fürbitte jener fein 


1) Die Berkandlungen mit den Litthauiſchen Sendboten Sonnab. 
nach Heil. drei Könige 1446 Schbl. XVII. 106, Regiſtr. VII. 427 sequ. 
2) Dingess, T. II. p. Il 2000. Kojalowicz P. U. p 198. 

3) Die Verhandlungen Regiftr. VII. 435 — 436, 618. Der SW. 
Ueß dem Großfürften die Antwort durch den Komthur v. Ragnit übers 
bringen, 


Berhkttniffe d. Ochens zu Litchauen und’ Polen. (1446.) OB 


etliche Erbe jetzt wieber erhielt DES. gluͤckte ihm ferner 
ah, zur Beleitigung der obwaltenben Handelsbeſchwerden den 

zu einem gemeinfamen Verhandlungstage zu ges 
winnen. 2 Er fand einige Wochen nad Pfingflen an ver 
Graͤrze Statt, wohin der Hochmeifter ald Bevollmaͤchtigte den 
Bihef von Samland, den Ordensmarſchall, den Komthur 
ven Ragnit u. a. gefandt halte. ?: Allein bie Machtboten 
des Sropfinften, an deren Spibe ber Biſchof von Wilna, legs 
ten dad meifte Gewicht auf die Berichtigung ber Landesgraͤn⸗ 
jn, worüber man fich atıch vereinigte; in Rüdficht der nicht 
minder wichtigen Handelsverhaͤltniſſe dagegen, ber Zölle, ber 
Handelsbeſchraͤnkungen u. ſ. w. blieb es bei bloßen Klagen; 
mr üiber einige unbedeutende Streitfälle wußte man ſich zu 
veändigen. “ Die Mißhelligkeiten im Handel und Verkehr 
beiber Länder dauerten daher auch ferner for. Man fchin 
ſch jetzt in Litthauen durch Repreffalien Genugthuung verfchafs 
im zu wollen, benn die Kaufleute aus Preuſſen erlitten bald 
m Lauen und Wilna. die größten Bebrüdungen, ohne daß 
des Großmeiſters Beſchwerden darüber beim Großfinflen Ge 
be zu finden ſchienen; bald wurden die Handelswaaren aus 
Reuſſen mit Beſchlag belegt oder weggenommen, bald auch 
den Kaufleuten des Ordens die Zahlung verweigert. Indeß 
warb doch auch dadurch bad yperfönlich freunbichaftliche Ver⸗ 
haͤtniß beider Fuͤrſten keineswegs geſtoͤrt; 9 vielmehr als dev 

1) Ueber die Ausgleihung mit Herzog Georg die dem Komthur v. 
Ragnit Gerlach Merk ertheilten Aufträge Regiftr. VII. 437. 

2) Sir. des Komthurs v. Ragnit, d. Labiau Sonnab. vor Mis 
feier, 1446 Schbl. XVI. 25, 

I) Chr. des HM. an den Großfürften, d. Marienb. Sonnab. 
vor Himmelf. 1446 Regiſtr. VII. 549, Die den Gefandten ertheilten 
Aufträge d. Zreit. vor Pfingft, 1446 Megiftr. VI. 41. Die Volks 
u. I die Gefandten, d. Mar. Pfingftabend 1446 Regiſtr. VIII. 

4) Bericht des Ord. Marſchako, d. Labiau am Ubend Jo haunis 
Bapt, 1446 Megifir. VIE. 447. 

5) Ohr, des EM. on den Großfuͤrſten, * Merlenb. Donnerſt. 
ni Jacobi 1446 Regiſtr. VIIL 559. 560, Beſonders fand ein reger 


OR Wechäitkife d. Orbend zu Biehauen und Polen. (1446.) 
Hochneiſter durch den Oroßfünften felbft bie Machricht erhielt, 
daß er zur Uebernahme ber Kimigökrone in Polen entichloffen 
fey und beibe Lande, Litthauen und Polen unter eine Herrſchaft 
verbinden wolle, ließ ihm jener durch eine Geſandtſchaft feine 
große Freude barlıber zu erkennen geben. D 

Mit Polen fanden jest faſt gar Feine Beruhrungen Statt. 
Mau brachte dort den größten Theil des Jahres mit Verhaud⸗ 
lungen aͤber die neue Koͤnigswahl bin. 2. Die waͤhrenddeß 
oſſenbar an gar Verdaͤchtigung bed Ordens dort verbreiteten 
Geruͤchte, daß dieſer die Thronerlcbigung in Polen benutzen 
wolle, um das Reich mit Krieg zu überziehen, widerlegte ber 
Hochmeiſter leicht durch bie-offene.umd gerabe Erklärung, bie 
ee datuͤber an den Sroßfinften von Litthauen, wie an ben 
Erzbiſchof von Gneſen erließ. „Wir haben ein offenes Land, 
ſchriceb er dem tehten, man Tann ed bie Länge und: Breite 
durchziehen; bad ift und nicht zuwider, fonbern ſehen es gerne, 
kamit man exfahre, ob mir irgendwo Kriegsvolk verſammeln 
oder ſonſt feindliche Rüflungen vorhaben.” 3? Gerne bewilligte 
ey daher auch die vom Erzbiichofe erbetene Erlaubniß, zum 
Beſuche des Bildes ber heil. Barbara nach Althaus kommen 
zu bürfen; ja ex erbot fih, dem Erzbiſchofe zu Gefallen bas 
beilige Bild ind Haupthaus Marienburg bringen zu laffen, 
denn er ftand uͤberhaupt mit biefem in Polen hoͤchſt einfluß- 
weichen Praͤlaten in ben freundlichſten Verhaͤltniſſen, beſchenkte 
ihn bald zu ſeiner Beluſtigung mit einem Paar kleinen, jun⸗ 
gen Affen, bald mit andern angenehmen Ehrengaben. ® 


Galsbandel von Danıig nad Litthauen Statt. Schr. des HAM. an 
den Sroßfürften, d. Rothenhaus am send Laurentii 1446 Megifir. 
yıu, 581. 

1) Aufträge an ben Sefandten Dtto von Machwitz, d. Kiſchau 
Breit. nad) Andrei 1446 Megifir. VII, 446. 

2). .Dingoss. T. H. p. 14 — 21. 

3) Schr. des HM. an d. Erzbifchof v. Gnefen, d. Stuhm Frelt. 
nach Yogidii: 2446 Megiſtr. VII. 562; ein anderes d. Mar. am Abend 
@imon u. Judaͤ 1446 ebendaf. p. 368. VHI..658 — 558. - 

4) Schr. des HM. an den Enrzbiſchof v. Sneſen, d. Mar am 
T. Johanni 1448 u. Stuhm Somab. nah Marla Magdal. 1446 


Verhaͤltniſſe d. Ordens wu Pommern. (1445.) 96 


Auch mit ben Herzogen von Pommern begepnete fich ber 
Orden in friebliden und freundlichen Gefimumgen. Als einen 
befondern Beweis von Frambichaft nahm es der Herzog von 
Stolpe auf, baß ihm ber Hocdmrifler auf die Nachricht van 
feiner Krankheit feine beften Aerzte anbieten ließ; ! und als 
ber Herzog bald darauf krank zu Oliva lag, lub ihn: jener nicht 
nur freundlichft ein, ſich entweber zu beſſerer Pflege und Be: 
quemlichfeit ind Ordenshaus zu Danzig ober in tie Groß⸗ 
fihäfferei nach Königsberg zu begeben, fonbern er fandte ihm 
auch, da der Herzog dort verblieb, feinen beflen Aut und 
verforgte ihn mit Rheinwein, gutem Meth und Erquickungen 
aller Art. ) ES war in jeber Weiſe die liebevollſte und auf: 
richtigfte Theilnahme, bie er dem Fürften in feinem ſchmerzli⸗ 
hen Siegthum bewied. ) Sie ſprach ſich auch ‚gegen bie Herz 
zogin Marie von Stolpe and, als ber Herzog endlich feinem 
faft jahrelangen Leiden erlag, beim mit inniger Ruͤhrung bes 
zeugte ihr der Hochmeifter, daB auch er an dem Verſtorbenen 
nicht ohne tiefen Schmerz zinen  wahrbaften Freund und bies 
den Nachbar verloren. Um fo mehr war er jet auch bemüht, 
die. obmwaltenden Irrungen zwiſchen feinen und ber Herzogin 
Untertanen fo viel ald möglich auözugleichen. ® 

Dagegen nahmen die Streitigkeiten mit dem Kurfuͤrſten 
Zrieberich von Brandenburg mehr ımb mehr eine fo ernſte 
Mendung, daß ber Hochmeifler für nöthig fand, dem Vogt 
der Neumark den Befehl zu ertheilen, Lande und Städte dort 
eiligft zu einer Landſprache zuſammenzurufen, um zu beſſerer 


—N 


Regiſtr. VIII. 555. 559. Schr. beffelben an vn Enbiſchof, d. Mar. 
om Abend Simon u. Judaäͤ 1446 ebendaſ. p. 

1) Schr. des. Pflegers v. Buͤww an den Sm. d. am Wend Fa⸗ 
biani u. Sebaſt. 1446 Schbl. XII. 69. 

2) Schr, des HM. an den Herzog v. Stolpe, ». Malta Mitiw. 
nad Balentini u. Mar. nach Luck 1446 Regiſtr. VIIL 543. 567. 572, 

3) Schr. des AM. an den Herzog won Stolpe, d. Drtelöburg 
Donnerft. vor Invocavit 1446 Regiſtr. VIU. 544, 

4) Schr. bes HM. an die Herzogin Maria ». Stolpe, d. Buͤtow 
Mont. vor Luciaͤ 1448 Regiftr. VILL 573 





96 Berhättuiffed. Ordens zum Kurf. v. Brandenburg. (1446.) 


Bewehrung der Schlöffer und zur Beſchuͤtzung des Landes eine 
Steuer und Beihlilfe aufzubringen.) Zu dem Streite ndmlich 
wegen ber vom Kurfuͤrſten geforderten fechöhundert Gulden, der fo 
weit getrieben wurde, daß biefer drohte, er werde bei fernerer 
Weigerung ber Zahlung die ganze Verfehreibung über Die Neumark 
. wieber aufleben, ? war feit furzem noch ein anderer Hinzuges 
kommen. Dad Schloß Santo follte zum Verkaufe geſtellt 
werben amd. ber Hochmeifler war nicht abgeneigt, ſolches als 
Ordensbeſitzung zu erwerben. Der Vogt der Neumark erhielt 
daruͤber Aufträge. ? Gerade in ber Nähe dieſes Schloffes 
aber hatte foeben. der Kurfuͤrſt den Bau einer Brlde über die 
Warthe auf des Ordens Ufer begonnen, beren Zweck in jeder 
Hinficht fehr bedenklich fchien. d Des Meifters Vorftellungen 
darüber blieben ohne Erfolg, denn da fehon früher dort eine 
Brüde vorhanden gemwefen, fo erklärte der Kurfinfl kurz: a 
habe darüber mit dem Oxden nichts zu fhaffen und werde ben 
Bau fortführen;. ſey er vollendet, fo könne deshalb verhandelt 
werden. Der Meilter ſchlug vor, die beiden Streithänbel zum 
rechtlichen Erkenntniffe ded Markgrafen Hand von Branben: 
burg, Friederichs Bruber, zu flellen, deſſen Urtheil ex fi gerne 
unterwerfe. 6) Er erſuchte diefen daher um gütliche Vermitt⸗ 

ung. 9 Der Kurfuͤrſt erklaͤrte ebenfalls, er wolle den Streit 
gerne zu guͤtlichem Austrage Fommen laffen und fich mit dem 
Drden verfländigen, fobald man nur fell an der zwifchen ihnen 


1) Uufträge für den Vogt von Dirfchau bei feiner Sendung In 
die Neumarf, d. Tapiau Donnerft. nad) Valentini 1446 Regiftr, VIL 424, 

2) Schr. ded HM. an den Kurfürften v. Brandenburg, d. Brans 
denburg am T. Scholaftick 1446 Regifir. VIL 1— 2. 


3) Schr. des HM, an d. Bept der Neumark, d. Wonsderf Breit, 
nach Balentini 1446 Regiſtr. VII. 5, 

4) Schr. des AM. an den Herzog v. Stolpe, d. Mar. am 2. 
Georgii 1446 Regiſtr. VIIL 547, 

5) Schr. des HM. an ven Kurf, von Brandenburg, d. am T. 
Scäolaftich 1446 Regiſtr. VII. 2. 

6) Schr. des HM. an den Marker. Hans v. Brandenburg, d. 
Brandenburg am T. Scholaflicä 1446 Regiſtr. VIII. 2, 


Berhättniffe d. Ordens zum Kurf.v. Brandenburg. (1446.) 97 


abgeſchloſſenen Berichreibung halten werde. Da ihm ber Meis 
fer dieß zuficherte, " fo flelten nun beibe Fürften ihren Streit 
zur Entfcheibung des genannten Markgrafen. 2 Allein obgleich 
der Hochmeifter ſich alle Mühe gab, den Kurfürften af alle 
Weiſe, auch durch Gefchenke von fchönen Roſſen und Falken 
zu friebfertigen Gefinnungen zu flimmen? und der Markgraf 
Dans ſich zur Ausgleichung der Irrungen auch bereit erklärte, ® 
fo zog fich die Sache doch noch fehr m die Lange, zumal da 
bald neue Mißhelligkeiten unter des Ordens und des Kurfürften 
Unterthanen wegen Ueberfällen und Plünberungen einer Aus: 
fühnung abermald Hindernifje entgegen flellten. 9 

Während diefer Verhandlungen mit dem Auslande hatte 
jedoch der Hochmeifter auch die innern Berhältniffe feines Lan: 
de3 fort und fort im Auge behalten. Der Streit mit Kulm 
und Thorn mußte nothwendig bald eine Löfung erhalten, denn | 
ſchon jebt hatte er auf das ganze Kulmerland den allerverderb: 
lichſten Einfluß; der Komthur von Thorn 3. 3. Tonnte die 
Noch und Armuth feined Haufes nicht fchredlih genug ſchil—⸗ 
den; felbft Salz und Fiſche für die Konventsbruͤder Tonnten 
nicht bezahlt werden, weil faſt gar Feine Zinfen mehr entrichtet 
wurben, fo daß fich der Komthur gendthigt fah, Geld bei Ju: 
den in Neflau auf feinen Amtöbrief aufzuborgen. 9 Auf 
mehren Verhandlungstagen hatte der Meifter ſich über die Kul: 
miſche Handfefte mit den Städten zu verftändigen gefucht, hatte 


1) Schr. des HM. an den Kurf. v. Brandenburg, d. Mar. am 
T. Geerpit 1446 Regiftr. VII. 31, 

2) Chr. ded HM. an den Kurf. v. Brandenburg, d. Mar. Dienft, 
sh Trinitat. 1446 Regiſtr. VII. 56. 

3) Schr. des HM. an den Kurf. v. Braudenburg, d. Mar. Eonnab, 
sach Zacobi 1446 Regiſtr. VIIL 85. 

4) Schr. 6 AM. an den Markgr. Hans v. Brandenburg, d. 
Berdeinen Dienſt. nad Kreuz⸗Erhoͤh. 1446 Regiſtr. VIIL 110. 111. 

5) Schr. des HM. an den Kurf. v. Brandenburg, d. Sobowit 
em T. Andreä 1446 Regiſtr. VEIT. 145, 

6) Schr. des Komthurs v. Thorn an d. HM. d. Dienfl. nad) In: 
vecavit 1446 Echt, LXXII. 55, 

Yin. 7 


98 Verſuch zur Aufiöfung des Bundes, (1446.) 


den Papft, den Roͤm. König, die Kurfuͤrſten u. a. als Schieds⸗ 
richter in Vorſchlag gebracht; alles vergeblich, weil die Stäbte 
noch ‚fort und fort auf ben Ausſpruch der Magdeburger Schoͤp⸗ 
gen trogten. Er wandte fich jetzt an den Ordens: : Sachwalter 
im Rom, um über feine Auslegung der Handfefte und die Ver 
pflihtung Pommerellend zum Pfundzolle beim Papft insge⸗ 
beim eine Bulle auszuwirken und fie vom Roͤm. Könige befld- 
tigen zu laffen, damit auf biefe Weiſe der Streit beenbigt 
werde. ) Allein der Tod des Sachwalterd und die Schwies 
rigkeit, eimen andern tüchtigen Mann für dieſes wichtige Amt 
aufzufinden, hinderten die Ausführung. Während indeß der 
Meifter durch Sendung eined Stellvertreters am Roͤm. Hofe 
alle Mittel aufbot, um durch große Ehrerbietungen des Papſtes 
Gunſt zu gewinnen und dort fo der Entſcheidung feiner Sache 
den nöthigen Vorſchub zu geben, 2 hoffte ex vielleicht zuver 
noch auf einem andern Wege zum erwinfchten Ziele zu ge 
langen. 

Er. faßte von neuem den Gedanken, dem Bund wo mög 
ich aufzulöfen, ſchlug jedoch, um ficherer gu gehen, jetzt einen 
anbern Weg ein. Nachdem er zuvor die Gefinnungen ber Pets 
nern Städte durch bie Komthure ausgeforfcht und fie zum 
Theil zum Austritt aus dem Bunde geneigt gefunden, ? hatte 
er ſich an den Ritter Hand von Baiſen mit der Bitte gewandt, 
ihm mit Rath und That zu Hülfe zu flchen in Sachen, in 
benen bed Ordens Rechte beeinträchtigt würden. Obgleich Bai⸗ 
fen eine Zeitlang vom Meiſter wie zuruͤckgeſetzt, wenigftens 
nicht ‚mehr mit dem alten Vertrauen behandelt, auch fo krauk 
war, daß er Feinen Schritt weit gehen konnte, fo verfagte er 
dennoch feinen Beiftand nicht. „Es find Heute, antwortete er 


1) Schr. des HM. an Dr. Jacob Plefler in Rom, d. Seeſten 
Dienft. nach Oculi 1446 Reg iſtr. VIIL 18, 

2) Sc. des HM. an den Papft, d. Mar. IIl April. 1446 Re 
giſtr. VIII. 532, Die zahlreihen Aufträge für den Stelvertreter des 
Brocurators, d. Mont. nad Judica 1446 Regiſtr. VI. 603 —617. 

3, Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Menfchendorf Mittw, 
Annuntiat. Mariä 1446 Schbl. LXXVI. 107, 108, 


J 





Verſuch zur Auflſung des Wunde. (1446) HB 


dabei dem Meiſter, meine Gedanken, nunmer anders zu rathen, 
denn zu Liebe und Eintracht, jeglich Theil bei Gleich und Recht 
zu bleiben.” Mit des Meiſters Plan, ſo weit ex ihn kannte, 
fehien er nicht ganz einverflanden; er hielt fir vathfamer, daß 
der Hochmeifter felbft die Sache des Bundes an Lande und 
Städte bringe, D während diefer von dem Gedanken ausging, 
die Bundesſache von der kirchlich⸗religioͤſen Seite aus anzu⸗ 
greifen, worlber er ſich auch bereitö mit den Prälaten bed 
Landes, befonderd dem Bifchofe Franciſcus von Ermland vers 
einigt. DEE war auf einer Zagfahrt zu Eibing im Anfange 
des April, als letzterer an ber Spige der Prälaten mit ber 
Behauptung auftrat: ed fey ihre amtliche- Pflicht, zu Folge 
ber ihnen obliegenden Sorge für der Seelen Seligfeit nad 
reiflicher Erwägung ber Sache offen zu ertlären, daß der Bund 
gegen göttliche und natürliches Recht, gegen päpftliche und 
Faiferliche Orbnungen und Gefebe ſey. Er fügte hinzu: bie 
Praͤlaten feyen bereit, ben Verbündeten die Gründe dieſer Bes 
bauptimg, fofern fie es verlangten, ſchriſtlich zu uͤbergeben, fie 
auch am Roͤm. Hofe oder anderdwo von gelehrien Leuten uns 
terfuchen zu laſſen und felbft die dabei vorfallenden Koften zu 
tragen. Die Verbündeten indeß, die ſich eine Mittheilung ber 
Gründe erbeten, fuͤhlten fich hiedurch ſchwer beleidigt und kamen 
mit einer bittern Klage beim Hochmeifter ein, baß man fie 
jest geradezu für Mebellen erkläre, Da biefer auf ihre Frage: 
ob auch ex der Behauptung der Prälaten beiftimme? Feine ges 
nügende Antwort ertheilte, fo warb die Gährung und das 
Murren im Lande bald fo wild und bedenklich, daß ber Mei⸗ 


1) Schr. des Sans v. Baifen an den HM. d. Heſelecht Palm⸗ 
ſonnt. 1446 Schbl. LXXVII. 123. Wir erfahren aus dieſem Schrei⸗ 
ben, daß Baiſen ſchon jeht an einer Zußfrantheit litt, Er zeigt ſich 
dem HM. noch fehr wohlgefinnt, obgleich er fagt: mid) bedücht, das 
euer gnode glouben fen mir gekürt hat. 

2%) Ganz unerweisti ift es, wenn Baczto Annalen de Königs 
reichs Preuff. Ates Quart. ©. 19 behauptet, man habe jur Aufloͤſung 
des Bundes auch „die demgerichte gegen die Verbündeten in Unregung 
gebracht. - , 





7* 





100 Vetſuch zus Auflöfung des Vundes. (1446.) 


fer, um bie’Gemüther zu beruhigen, eiligſt bald nah Guns 
melfahrt die Stände zu einer neuen’ Iagfahıt nach Elbing bes 
rufen mußte, ® Der ſtuͤrmiſche Unwille ber Verfammelten 
konnte bier nur dadurch beſchwichtigt werden, daß die Praͤlaten 
eine Art von Ehrenerklaͤrung und Abbitte überreichten , erklaͤ⸗ 
send, daß ihre Behauptung den Bundesverwandten keineswegs 
gu Unehre und’ Unglimpf habe gereichen follen und fie in allen 
Berbündeten nur fromme und rechtfchaffene Unterthanen erkenn⸗ 
ten. Es word bann aber eine neue Tagfahrt fin alle Bundes⸗ 
verwanbten: anberaumt und zwar auf bed Meifters Bitte, nicht 
nach Marienwerber, wie die Verbündeten wünfchten, fonders 
nbermal3 nach Elbing, um bier, wie biefer beabfichtigte, bie. 
nöthigen Manfregeln zur Herftellung der Eintracht und des 
Friedens im Lande zu ergreifen. Gegen ihn fprach ſich baher 
auch immer noch bad biöher bewährte Vertrauen aus, wäh 
send man ber hohen Geiftlichkeit überall mit Mißtrauen ent: 
gegentrat. 2 
Seit langer Zeit hatte feine Tagfahrt alles im Bande. in 
fo große Spannung und Erwartung verſetzt, als bie jetzt ber 
porftebende, Von glen Seiten wandten die Bundesverwand⸗ 
ten alle Mittel auf, fie fo zahlreich als möglich befucht zu 
feben.? Alles firömte daher zur beflimmten Zeit in Elbing 
zufammen. . Die Stimmung gegen bie Prälaten zeigte fih 
zwar etwas gemäßigter; man nahm es dankbar auf, daß jene 
ſich flr die Erhaltung der Ehre und des guten Rufes ber 
Verbündeten fo genuͤgend erklaͤrt. Nur gegen den Bifchof von 
Ermland fprach ſich der Haß und die Erbitterung fo offen 


1) Schätz p. 152. Ueber die Wirkung der Borftelungen ber Prä- 
taten bei den Verbündeten fpricht fih der EM. in einem Sär. an 
den Meifter v. Livland, d. Mar, am 8. Tage Viſitat. Marid 1446 
Regiſtr. VIII. 71 aus. 

2) Die auf der Tagfahrt zu Elbing gehaltenen Reden der Ver⸗ 
bündeten. weiſen dieß deutlich aus; Schiuæ p. 103. &chbl. LXXVI. 93, 
3) Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Menſchendorf Dienſt. 
nach Himmelf. 1446 Schbl. LXXVI, 115. Schr. des Rashe von ‚Kulm 
an den v. Thorn, d. Kulm Mont. nach Sophiä 1446, 


Verſuch zur Aufſung Des ne {1446,) . 301 


aad,:baf man ihm geradezu eröffnete, masn: winiſche ihn von 
dev Tagfahrt entfernt, welchem Verlangen er auch nachgeben 


unißte.) Da trat ber. Hochmeiſter ſelbſt mit: den Worten in 


die Berſanunlung.) „Lirbe Ritter und Kniechte Und liche Ge⸗ 
treuen! Wir wollen mit euch reden und bitten euch, daß ihr 
das zu gut aufnehmet, dem Gott weiß, daß wir's zu euerem 
Beſten thun. Als euch allen wohl wiſſentlich iſt, ba ins, 
ſerm Orden etliche Zwietracht bei unſers Vorfahren Zeit. ent⸗ 
ſtanden war, habt ihr umter euch eine Verſchreibung und Wer⸗ 
einiginig gethan, darum wir euch dem nicht verdenken, wenn 
ihr das um Gefahr willen vielleicht eures Leibes gethan habt 
in ſolcher Zwietracht, als es denn ſtund in :udlerm Orbems 
Sonden nun hat Gott der Allmaͤchtige feine Bade gegeben, 
daß folche Zwietracht, Gott ſey gelobt, mit euerem und vieles 
anbern guten Leute Rath imd Huͤlfe getügt und ab iſt, deß 
wir euch danken ald unſern ‚lieben Getvanen; So vernehmen 
wir, daß man binnen und außer Landes viel Rebe darauf habe 
und ſpreche, daß wir mit euth und ihr mit und nicht einig 
ſeyen um ſolcher Verſchreibung willen. Daum, lebe Ritter 
und Knechte und liebe Getreuen, bitten. wirreudgemit begehrli⸗ 
chem Fleiße, ihr wollet die gebdachte Vereitung: abfum.. Wir 
wollen euch wiederum eine ehrbare, billige Verſchreibung thun, 
als man euch hie davon eine Abſchrift leſen wird, damit wir 


hoffen, dag ihr baß verſorgt und verwahrt ſeyn ſollet als mit 


ſolcher Vereinigung ; und Bitten euch, daß ihr dad in Güte 
aufnehmet und uns eine gute Antwort darauf gebet, dem 
wir hoffen und getrauen, baß bavon viel Liebe und Biotram 
kommen folle.'‘ von. 

1) Schütz p. 153 — 154, - 

2) Wie der HM. feldft in dem erwähnten Schr. an den Meifter 
v. Lioland fagt, geſchah ed auf den Rath guter Treunde, „die auch 
im Bunde ſeyn“; er meint damit offenbar Hans von Baiſen. 

3) Die Rede des HM, im Regiſtr. VII, 541 (nicht im Zol, A., 
wie Kotze bue B. IV. 274 angiebt). Sie weicht allerdings von der - 
weſentlich ab, die wir bei Schütz p. 15% finden, 


102 Vuaſuch zur Auflbfung des Bundes. (4446.) 


Den Berbiinbeten warb fofort bie vom Meiſter entwor⸗ 
fene Verſchreibung vorgelefen, worin: beſonders hervorgehoben 
war, baß fortan niemand gerichtet werben folle in Dingen, bie 
an Hals und Hand gingen, ohne Urfheil und Recht, wie «8 
jeglicpem geblihre.d Allein die Verbundeten ertheilten keines⸗ 
wegs foglei eine genligende Antwort, indem fie erklärten: fie 
fegen hiezu non den Shrigen nicht bevollmaͤchtigt, wollten jedoch 
bed, Meiſters Wunfch zu allgemeiner .Berathung an ihre Ads 
seften und Freunde bringen. Sie baten zugleich, ba. noch im⸗ 
mer viele Klagen im ande über Ungerechtigfeiten ber Ordent⸗ 
beamte und der Praͤlaten vernoinmen wuͤrden, ber Melle 
möge dem firuern, moͤge jebem Gerechtigkeit widerfahren lafien, 
die Gerichtölatungen: ind Ausland abzuftellen. fuchen und auf 
die Anewonung eines guten Regiments bebacht feyn, damit bes 
Drden und die Lande fich eines beſſern Gedeihens zu erfreuen 
hätten; ‚er möge wenigſtens ‘mit einem turen Eutwurfe zuerft 
einen Verfſuch machen. 2 

Der Hochmeiſter war voll Hoffuung, dep fein Pan bes 
lingen werde. Dans. von Baiſen that au reblih, was er 
verfprochen und wa‘ er vermochte, und vielleicht winte auch 
bed Meiſters Wunſch erfuͤllt worben feyn, hätten bie Oxbende 
gebietiger fich ruhiger und befonnewer gezeigt und hätte er 
nicht felbft ſchon im wenigen Wochen erwartet, was erſt in 
loͤngerer Zeit erfolgen konnte. Er felbft aber erließ an alle 
Sebietiger den Auftrag, überall aufzulauern umb auszuhorchen, 
die einzelnen Städte zum Austritte auß dem Bunde zu ermah⸗ 
nen, bier zu bitten, dort zu verfprechen ober auch durch Dro⸗ 
bungen zu fchreden. Es warb ihm allerdings auch die Freude 
zu Xheil, hie und da geneigte und günflige Antworten zu er: 
halten, benn manche Städte erklärten fich nach feinem Wuniche, ®) 


1) Sie befindet fih im Regiſtr. VHT. 541. 

2) Die Erwiederumg der Berbündeten auf die geede des OM. 
Schbl. LXXYVI. 93, 

A) Schr. des Komthurs v. Tuchel an d. HM. d. Konitz Dienft. 
"vor Johanni 2446. Schr. des Komtburs v. Schlochau, d. Menſchen⸗ 
dorf Mittw. vor Johanni 1446 Schbl. LXXYI. 110. 119, 








Berſuch zur Aufiöfung bes Bnbes. (1446) 108 


Ja Gemmerellen, wo man überhaupt laͤngſt am Bunde wenig 
heil genommen, fprachen fi) Lande und Staͤdte faſt allge: 
mein fehr günflig fir den Orden ans, mit Zuſicherung feſter 
Trene und unverbrüchlichen Gehorſams gegen ben Meifter. ') 
Andere indeß, chen zaghafter, weil Danzig auf fie Einfluß 
hatte, erfidrten fi zwar zum Außtritte bereit, aber nur wenn 
andere voran gingen oder ber Hochmeiſter fie au Ehre ma 
GSampf genügend verwahren werbes noch andere felten Fri⸗ 
ſten, nach welchen fie ihre Antworten eriheilen wollten, um 
erſt abzuwarten, was andere Staͤdte thun wären, Keine 
mochte mit einer beflimmten Erklärung voran treten. De 
den Gebieten von Elbing und Chriſtburg, wie in ben Mieder⸗ 
und Hintelanden, wo der Drbendmarfchal fr die Sache fehr 
thaͤtig war, ſchuͤtzten die Städte bald „ihre Einfalt in fo haben 
Dingen“ vor, bald berief ſich auch hier die eine auf dad Wels 
fiel der andern; ebenſo die Freien und ehrbaren Leute bed 
platten Landed.? Auch im Kulmerlande, fo ſehr fich da chem 
false die herumziehenden Komthure bemühten, bie Beinen 
Städte zum Abfalle. zu bewegen, fielen bie Stimmen fehr vers 
ſchieden amd, manche zweibentig und unentidhieben, andere 
wohl entfchiebener, jedoch dem Drben mehr abgendgt, wenige 
aur des Meiſters Winfhen guͤnſtig. Auch bier flirchtete jede, 


41) che. des Komthurs v. Schlochau, d. am Abend Bit. Mark 
und Zreit. nad Zolicis et Aucti 4446 Schbl. LXXYI. 399, 116; ex 
erwähnt, die Städte Schlochau, Friedland und Hammerſtein feyen gar 
nicht im Bunde geweſen. 

2) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Golmya Gonnt. nad 
Corpor. Ehr. 1446. Schr. des Bogts v. Dirfhau, d. am Abend 
Eorpor Chr. 1446 Schol. LXXVI. 117. 120, Gcht. des Komthuss 
v. Danzig, d. Bicafl. vor Burchardi 146 Schbi. LXXVI. 98 wos 
nach auch noch im Herbſte bie Kleinen Städte ihre Antwort erſt nad 
einer Zrik von ſechs Wochen abgeben wollten. 

3) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Holland Donnerft. vor, 
Jehanni 1446 Schbi. LXXVI. 100. Gr. des Kamtburs v. Chrifte 
burg, d. Liebmähl am T. Johanai 1446 Sch. LXXVI. 8. Ger. 
des Ord Maiſchals, d Gerdauen Donnerſt. nach Petri und Pauli - 
1446 Sl. LXXYI. 90. 








104 Wefacy zur Aufläfung bes Bundes. (1446.) 


den erflen. Schritt zu thun, jede in Beforgniß wegen ber nach⸗ 
(heiligen Folgen, die der Austritt aud dem Bunde nach ſich 
ziehen koͤnne. Man berief fi) daher faſt überall auf ber gebe 
fern Stäbte Vorgang, befonderd Kulms und Thorns.) Auch 
bie Ritterſchaft Kulmerlandes ward von ben Komthuren nad 
Reifau zu Tag berufen und zur Auflöfung ihres Bundes aufs 
gefordert; allein fo lau fie fin diefen eine Beitlang bageflanden, 
fo wenig waren bie Einzelnen zu bewegen, mit ihrem Beifſpiele 
borzufreten, obgleich fich alle der Abflellung des Bundes nicht 
abgmeigt erflästen. „Der Bund, erwieberten fie dem Koms 
thur von Thom, bee mit Eintracht gefchloffen warb, muß aud) 
mit Eintracht wieder abgethan werben.” 

So war bie Stimmung im Lande. Allenthalben ver⸗ 
langte man eine allgemeine Zagfahrt aller Bundesverwandten, 
um eine fo wichtige Sache in reifliche Erwägung zu ziehen. ?) 
Kulm und Thorn ſtanden auch hier im Eifer voranz fie forder⸗ 
ten Danzig auf, auch bie Heinen Stäbte zu dieſem Tage zu 
gewinnen, beögleichen follten auch Eibing und Koͤnigsberg in 
ihren Gebieten auf Die Heinen Städte wirken. Die Tag 
fahrt warb endlich nach Marienwerber audgefchrieben. Bene 

fie inbeß zu Stande kam, fahen Männer wie Hans von Bai⸗ 
fen fchon Bar ein, daß durch ber Gebietiger ungeflimes Bas, 
fahren und ber Prälaten unbefonnenen Eifer des Meiſters 
Plan vereitelt ſey. „Die Sache war auf gutem Wege, fehrieb 
ee diefem Magend, mollte Gott es waͤre dabei geblieben. Ich 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Strasburg Sonnt. ta Octava 
Corpor. Chr. 1446 u. Thorn Sreit. nach Corp. Chr. 1446 Edibl. 
LXXVI. 87. 88, Schr. des Komthurs v. Golub, d. Neumark Dienfl. 
in Octava Eorpor, Chr. 1446 Schbl. LXXVT. 102. Schr. des Koms 
thurs dv. Rheden, d. Mont. nah Bifit. Marld 1446. Shbl. LXXVE 
97, wo von den Städten Gtrasburg, Neuftadt Thorn, Neumark, 2 
bau und Hiheden die Rede tft. 

2) Schr. des Vogts v Leipe, d. Schoͤnſee Sonnt. vor Petri und 
Pauli 1446. Gchr. des Komthurs v. Schwez, d. Mont, vor Petr 
und Pauli 1446 Schi LXXVI. 88 (b). 109. 

3) Schr. der Städte Kulm und Thorn an Danzig, d. Koi 
Breit. nach Petri und Pauli 1446 Schbl. LX. 77. 


Verſuch zur Mupdfang des Bumdes. (1486) 105 


had’ es Ew. Gnaben oft gefagt unb auch geſchtirben: man 
folle betrachten der Welt wilden, ungewiflen Lauf, wie dar 
leichtlich zu verberben, was fchwerlich ober nimmer wieder 
kommt. Ich habe getrenen Fleiß mit ben Beinen gehabt, das 
zenge ich mit Gott unb will dad nimmer lafienz wo ich Ew. 
Gnaden mag Treue leiſten, da foll an mir nicht Gebrechen 
ſeyn; ſondem man mag fo viel verderben, daß ich dazu zu 
ſchwach wäre, es wieber zu bringen.” Hand von Baifen hatte 
redlich mit an des Meiſters Plan genrbeitet. Um fo ntebe 
aber war er jetzt in einer fehr mißlichen Lage; denn „überall, 
ſchrieb er dem Meiſter, muß ich mich nim vorfihtig halten ges 
gen bie Leute, baß ich Glauben behalte”) Go gab nm 
auch der Hochmeifter jene Hoffnung fchon faſt A auf, 2 

Die Gebietiger boten zwar jest alle Mittel auf, den Tag 
zu Marienwerder wo möglich zu vereiteln ober doch wenigfiend 
bie kleinen Stäbte bald durch Ermahnungen, Einreden und 
Borfleliungen, bald felbft auch buch Drohungen abzuhalten, 
bort zu ericheinen; und manche ließen fich auch abichreifen, ® 
andere flanden zaghaft und beforgt da, den Bund wicht weni⸗ 
ger als ben Drben fürdtend. Als indeß bie Zagfahrt im 
Juli erhäfnet ward, traten zuerſt bie Abgeorbiteten ber großen 
Staͤdte, von ihren Aelteften, Schöppen, Zünften und Gemeinen 
bevollmächtigt, mit ber Erklaͤrung auf: fie würden ben Bunt 


13) Nah Kopebue 3. IV. 79, ber nach ©. 274 das Sehr. bes 
Hass v. Baifen an den HM. d. Hezelecht am T. Viſit. Mariä 1446 
im Original befaß. 

2) Schr. des HM. an d. Meifter v. Livland, d. Marienb. am 
8. Toge Bifit, Mari& 1446 Regiſtr. VII. 71, wo er fagt: Uns vers 
dunkt auch, das michts darus werden wolle, funder das fie bey dem 
hunde bleiben werben. 

3) Scht. des Komthars v. Schlohau, d. Menfchendorf am T. 
Margaretha 1446, Schr des Komthurs v. Danzig, d. am T. Mars 
geretba 1446 Schbl. LXXVI. 92. 102, Schr. des Komthurs v. El⸗ 
bing, d. Holland Sonnt. vor Margar. 1446 ebendaſ. 113. 

4) Schr. des Komthurs v. Balga, d. Eilau Donnerſt. neh Mar: 
gar. 16 Echbi. LAXVI. 105, berichtet non Kafka, Barten⸗ 
Rein u, a. ° 





106 BVecſuchzur Aufiöfang des Mumnbei, (146.7 


in keiner Weile aufgeben, fondern vielmehr zu feiner Erhaltung 
und Vertheibigung als rebliche Leute ben thätigfien Belſtand 
keiften. Dem flimmten auch die kleinen Städte und die Ritter 
und Knechte aud ben Landſchaften allzumal bei, alfo daß ein 
hellig beſchloſſen warb: Alle wollten treu am Bunde feflhalten 
und ihn vertheidigen mit Leib und Gut. Sofort ging eine 
Gefandtfchaft der Nitterfchaft und Etädte, an ihrer Spitze 
Dans von Baifen, zum Meifter, ihm freimäthig erklaͤrend: 
nach gemeiner Berathung fey ihr Bund ernenert, nicht wie 
des Ordens Rechte, fondern nur wider Gewalt und Unrecht. 
Man böre jedoch, daß der Biſchof von Ermland immer ne 
fostfahre, Die Bundedvermandten zu verleumben.. Der Meifler 
entgegnete: „Was wir gethan, haben wir im Beſten gemeint; 
auch wir wollten duch unfere Verſchreibung euch und eume 
Kinder gegen Gewalt und Unbill fehlten; jeboch will ich euch 
nicht haͤrter drängen. Den Biſchof von Ermland werde ih 
zuerſt durch einen Gebietiger und, wenn es nöthig, auch kur 
Kapitel abmahnen laſſen, denn es iſt mir leid, daß er ſolches 
gethan mb iſt ohne mein Wiſſen geſchehen.“ Der Verbun⸗ 
deten Bitte um einen jaͤhrlichen allgemeinen Gerichtstag zur 
Ausgleichung alles Unrechts ımb um bie | eineh 
beffern Regiments fagte ber Meifter bereitwillig zu ’ dabei je 
bach erklaͤrend: er finde fir rathſam, vorerſt mit einigen Raͤ⸗ 
then nur wenige Artikel feflzuftellen und beren Anwenbung 
auf ein Jahr zu verfuchen, worauf dann mehre und andere 
zweckdienlich ausgeſetzt werben koͤnnten. So fchieben die Abs 
gefandten zufrieden und wegen befürchteter Gewalt von Seiten 
bed Ordens beruhigt mit Dank von bannen, ? 

Der Meiſter war Hug genug, gegen ben Bund. feinen 
— t 

1) Außer Hans v. Baiſen aus dem Oſterodiſchen Geblete, Nico⸗ 
laus von Buchwalde aus den Chriſtburgiſchen, Nicolaus von Senzkau 
aus dem Kulmiſchen u. a., auch die Buͤrgermeiſter von Kulm, Thorn, 
Elbing, Danyig und Königsberg. Kol. B. 7. 

2) Außer dem Berichte bei Schütz p. 154 über die Gendung an 
den HM. noch ein anderer im Sol, B. 7— 8, der noch vollaͤndigere 
Nachrichten giebt, 


Bechaieniffe zutı- Bm. Alnige (4440) 107 


Sthritt mehr zu verfiichen, mohl einfchend, daß fein mißgläd; 
ter Plan mur dazu beigefnagen, ihn wieder ſtaͤrker zu befeligen, 
Anh am Hofe des Roͤm. Koͤniges oder su. Rom wider ihn 
anzukaͤnpfen, dazu waren die Zeiten jetzt nich geriguet, GA 
iſt bekannt, in welchen Zwieſpelt im dieſem Jahre das Rum 
fuͤrſten⸗ Kolleghm mit bem Pauſte Fugenius dem Vierten ger 
rathen und in melche wißliche: Stellung babuwrde der Roͤm 
König zu ben Kurfürflen ſowie zum Pepfie gelommen way. ") 
Rım war bereits im Mai. bie von. dem beriihnten Gienbigu 
von Nuͤrnberg Georg von Heimburg au olle Fircaen: dex Chris 
ſtenheit erlafiene Aufforderung, die Reutvalität gegen ben. Roͤm. 
Pupft abzulegen und fich beflimmt für eine. Partei u. rklaͤren, 
nebft einem Schreiben des Miu. Soͤniges, auch a: den⸗Hoch⸗ 
meifter und den Erzbifchof vom Sign gelangt-uh nd gelt num 
hier die Frage: wofkr man fich entſchelden fole? Der Bir 
ſchof von Ermland, den man.inmeer zuaf zu Mash: zog, von 
der Beinung: der Orden bürfe, ba. fünf Kurfürſten in be 
Sache zu einanber ftänben, ſich weder entſchieden gagen fir 
noch auch offen gegen ben Roͤm. König erklaͤren, ſondern muͤſſe 
gegen beibe geneigte Gefinnungen ausſprechen, deun umer beis 
den babe ber Orden Befigungen; es fm offenbar Schaden zu 
beficchten, wenn man fi) nur dem einen ober dem ander 
zumende.? Bald darauf erließ auch der Erzbifchof von Riga 
an bie vier Biſchoͤfe Preuffens .eine gleiche Asufforberung:, zu 
erklaͤren, zu welcher Partei fie treten winken, fefan bes 
Roͤm. König und das Reich fi) mit dem -Bafler Con⸗ 
cilium gegen den Papſft verbinden wuͤrden.“ Die wich⸗ 
tigſten Gebietiger ſtimmten entſchieden dafuͤr, daß der Mei) 
ſter und dee Orden ſich an bie Roͤm. Kirche, das Reich 


1) S. daruͤber das Nähere in Pfifter Geſchichte d. Deutſchen 
B. III. 507 - 508. 

2) Schr. des Komthurs v Elbing, d. Heilsberg Dienß. vor In⸗ 
vent. Stephani 1446 Echt. LXXVI. 111. 

3) Sehr. des Erzbiſchofs von — an die Bifchoͤfe in Dreufen, d 
Kiga iften Juli 1446 Gchet, U. 





108 WVWathaͤlniſſe juni’ Nom. Mage. (186; 


und den RMNin. König. halten ſeneen. Alſo ſandte ber Hoch 
meiſter, auch der Zuſtimmung der Biſchoͤfe gewiß, obgleich fie 
fi erſt ſpaͤter erklärten, ? den Vogt von Leipe als Votſchaf⸗ 
tee an den Roͤm. Koͤnig mit ber. Buficherung: der Orden werde 
ſtets dem Kötiäe ſich gehorſam zeigen und in ber Kirchenſache 
auch auf feiner Seite ſeyn. Zugleich aber erfuchte er ben Koͤ⸗ 
nig, er: moͤge ben’ Unwillen, ben ex bisher wegen der Appella⸗ 
tion nach Rom in der Rechtsſache gegen Heinrich Scholim 
auf ben Orden geworfen, biefen nicht ferner fühlen Yaffen, bene 
ber Hochnwiſter habe bei dem ‚Schritte; den er hierin gethan, 
site eingig Die Auftechthaltung der Freiheiten und Privilegien 
des Otdents (dev nur allein dem Gerichte des Roͤm. Stable 
unterwoefen ſey) im Auge gehabt. Diefe Ungunſt des Roͤm. 
KRoͤniges gegen: den Orden wieder in Gnade unde Gunſt umzu⸗ 
ſtimmen, war zugleich auch einer der wichtigſten Zwecke einet 
Geſandechaft · des Hochmeiſters an den Reichötag zu Frankfurt 
wo vor allem Kaspar Slick dringend erſucht warb, durch eine 
getade und vffene Darlegung der Sachverhaͤltniſſe jenes Strei⸗ 
tes des Koͤniges Geneigtheit für den Orden zu gewinnen und 
wo zudem auch vor ben Reichsfuͤrſten der Hochmeiſter feinen 
Gehorſam und ſtete Dienfwiligfeit gegen Kelſer und Reich 
begeugert ließ. bu 


1) Schr. des Komthurs 2 Shen, d. Sonnt. zu Pſingſt. 1446 
Schbl. LXIX. 47. 

2) Schr, des Ord. Marſchals, d. Königsberg am T. Laurenti 
1446 Schbl. LXVII. 34. Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Mob: 
rungen am T. Dominici 1446 Schbl. LXVI. 156. 

3) Die dem Vogt v. Leipe ertheilten Aufträge an ben Roͤm. Kr - 
nig, d. Mitt, nach Jacobi 1446 Megiftr. VII. 452 -— 460, Gubi. V. 
21. Der Bogt von Leipe war Ludwig von Erlichshaufen. Urk. des 
Kardinals Nicolaus 8. Marcelli, worin diefer im Auftrage des Pap- 
fies Eugenlus den Heinrich Scholim und deſſen Unhang tn feinem 
Streite vor den Röm. Stuhl citirt, da diefen der Orden nad feinen 
Privilegien allein unterworfen fey, d. Romae VII Mani 1467 &chbl. 92.5. 

4) Die den Gefandten zum Reichstage ertheilten Aufträge Regiſtr. 
Vo. 4695-477 Scht. des HM. an den Kurfürften v. Brandenburg, 
d, Marienb. am T. Dominici 1448 Regifle. VIEL 88. 





Berhanbjungen wegen: bes Abaßgelbet. (4446) BUT 


Zu dieſer Senbung auf den Meichötag bewog den Meiſter 
jedoch auch noch ein anderer Grund. Wir hoͤrten, bis wie 
woeit ber Reichs⸗Erbkaͤmmerer Konrad von Weinöberg feinen 


Streit wegen feiner Fordecung des Ablaßgeldes bereits getrie· 


ben hatte. Vergebens hatte ſeitdem der Hochmeiſter zu billi⸗ 
ger Abfindung ben Kurfuͤrſten von Brandenburg ald Schieds⸗ 
richter vorgefchlagen. Konrab brohte von neuem, die Dxbend« 
güter der Ballet zu Koblenz zu feiner Befriebigung in Ans _ 
fpruch nehmen zu wollen, weshalb ber Hochmeiſter genöthigt 
war, ben Schug ber Kusfürften gegen ben Dränger auzurn⸗ 

fen. Indeß ließ fich biefer ſchlechterdings durch fein Aners 
bieten vor Schiedsrichtern zufrieden fielen, ?? denn er ging 
von ber Behauptung aud, eine. fchiebörichtexliche Unterfuchung 
und Entſcheidung über feine Forderung fey unnüg, weil ja deu 
Hochmeifter durch eine Bulle des Conciliums, fawie durch 

Briefe des Röm. Königed und der Kurfürflen von, der Rechts 
mäßigfeit feiner Forderung volllommen unterrichtet fey.?? Des 
Meifter jedoch Täugnete, daß ihn die Bulle und die erwaͤhnten 
Briefe zur. Entrichtung des Ablaßgelded an Konrad von Weins⸗ 
berg gerabehin verpflichteten. ? Der Deutfchmeifter rieth: man 
möge fih mit Weinsberg, ber Geld jetzt fehr beduͤrfe, durch 
eine Heine Summe abfinden. Allein der Hochmeiſter mie 
derte: Wir dürfen mın einmal nach Laut ber Bulle diefes 
Geld nicht angreifen; ed iſt und bied verboten. Weinsbergo 
Bulle gebietet auch nur, ed folle ihn niemand bei Erlangung 
des Geldes hindern. Das haben wir auch befolgt. Wir haben 


4) Schr. des HM. an die Kusfürften von Main, Trier und 
Kaͤln und den Pfalsgrafen v. Rhein, d. Stuhm am I. Krems Erfind. 
1446 Negiär. VI. 38. Schr. der HM. an den Komthur ©. Kodlen,, 
d. Stuhm Mittw. nach Kreuz: Erfind. 1446 ebendaſ p. 9. 

2) She. des HM. an Konrad v. Weinsberg, d. Mar. Dienft, 
v Pfingſt. 1446. Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, d. wie vor 
Regifr. vu. 3— 54 %, 59 

3) Schr. des HM. an Konrad v. Weinsberg, d, Mehrungen 
Zreit. nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1446 Regiſtr. VIII. 112 - 118. 

4) Rad dem eben erwaͤhnten Schr. 





110 Ginangbebrängeiffe des Ordens. (1446.) - 


auch in feines Dieners Gegenwart unfere Praͤlaten, Kande und 
Staͤdte zuſammenberufen und ihm deren Zeugniß vorgelegt, daß 
das Ablaßgeld nicht in unferer Verwahrung iſt und wir und 
unfer Orden damit nichts zu fchaffen haben. Der Hochmeiſter 
erſuchte daher jetzt den Deutfihmeifter, in Verbindung mit der 
Geſandtſchaft auf dem Heichötage dem Meichs : Exrblämmerer 
alle Berhältniffe klar und deutlich vorzuflellen und zu verfus 
eben, entweder auf dieſe Weiſe ober durch das wiederholte Er 
Beten eines fehieberichterlichen Austrages den Streit enblich zu 
feplichten. D Allein auch diefer Verſuch ſchlug fehl. 

Es gereicht dem biebern Meiſter zur Ehre, daß er fi 
dem ſchnoͤden Ausfaugen feines Landes fo ſtandhaft widerſetzte, 
beim die Geldarmuth ſowohl des Drbend als im ganzen Lande 
war in der That fo groß, daß Sparfamkeit und Beichränfung 
in den Ausgaben ihm felbft als dringendſte Pflicht galt. Die 
bedeutenden Zahlungen, die ihm feit einigen Jahren die Neu⸗ 
mare verurfacht, koſtſpielige Dammbaue, die in den Werdern 
bis in den Herbſt dieſes Jahres fortgefeut wurden, 2 und bie 
großen Ausfälle in den Zindlieferungen und fonfligen Einfanf 
ten hatten Den Ordensſchatz fo gänzlich erfchöpft, daß der 
Hochmeifter felbft manche der nothwendigſten Berpflichtungen 
nicht esfüllen konnte“ umd bald bei den Städten, bald bei 
ben Biſchoͤfen Anleihen aufnehmen mußte. So brang ihn die 
Noth, die großen Städte auch um den ihnen zulommenden 
beitten Theil des Pfundzolkes zu erſuchen. “ Es war 





| 1) Schr. de6 HM. an den Deutfchmeifter, d. Mohrungen am T. 

Lamberti 1446 Regifir. VIIL 113—114 Die den Befandten zum 
Meichstage darüber gegebenen Yufsräge Regifir. VIE. 475—481, 
2) Schr. des Difchofs v. Poniefanien, d. Stangenwalbe Mont, 
nach Galli 1446 Schbl. LXV. 52. 

3) Schr. des HM. an den Deutfchmieifter, d. Mor. Pfingft. 1446 
Megiſtr. VIII. 54. 114 — 115, Die Koften auf die Neumark ſchlaͤgt 
der HM. auf 100,000 Mark an, die Dammbaue auf 12,000 Marl. 
Die Kammersinfen fielen kaum zur Hälfte 

4) Darüuber · des HM. Beſcheinigung auf 1238 Mark, d. Danıia 
am T. Commemorat. Pauli 1446 Regiſtr. VAI. 65. 


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Zinanzbedränguiffe des Orbns, (1466) 111 


im daher auch, wie er ſelbſt erklaͤrte, unmöglich, dem Deutſch⸗ 
weiter eine Schuldfumme von 3750 Gulden und dem Bifchefe 
von Ermland Die bei ihm zur Zahlung fir bie Neumark ges 
machte Anleihe zur beflimmten Zeit wieber zu entrichten. ® 
Betrug doch bie SefammtsEinnahme des Hochmeiflerd und 
des Konvents in diefem Jahre bis um Martini nur 6726 und 
dee ganze Ausgabe 5768 Marl. Der biöherige Ordenstreßler 
Wrich von Eifenhofen konnte daher feinen Nachfolger Leonhard 
von Paröberg um dieſe Zeit auch nur einen Beſtand von 849 
Mark Iberweifen, benn im vorigen Jahre hatte die Ausgabe 
die Einnahme: ſchon merklich überfliegen.? Im gleich drüdens 
der Geldarmuth befanden ſich natürlich auch die einzelnen Or⸗ 
denöhäufer; wir hörten bereitö, in welcher traurigen Lage fi 
der Konvent zu Thom ſah; ebenfo erwieſen die Merzeichniffe 
der fin Die Konvente zu Königsberg und Danzig aus ihren 
Gebieten fallenden Zinfen ſehr bedeutende Ausfälle. Mußte doch 
ſeloſt ber Komthur von Elbing um Stundung einer Summe 
vn 150 Mark bitten, die ber Hochmeifter als Beihlilfe zum 
Fange eined Dammbruched verlangte, weil er fie von ben 
Einfaflen feined Gebietes wegen ihrer Armuth nicht aufbringen 
fsunte.d) Mit Ausnahme der Ritterfchaft war von Wohlſtand 
af dem Lande Faum noch bie Rebe, Der Ordensmarſchall 
gib daber dem Meifter auch den Rath an die Hand, den Oxs 
dendbeamten es ſtreng zur Pflicht zu machen, bie Amtseinſaſ⸗ 
fen mit Schaarwerk fo viel ald möglich zu fchonen, weil fonft 
die Landleute völlig zu Grunde gehen und ihre Aecker immer 


1) Schr. des Ord. Marfhalls, d. Braunsberg Mittw, nad Nas 
fivit, Ehriſti 1446 Schbl. LXVI. 155. 

2) Die Rechnung des abgehenden Treklers, Dienft. vor Martini 
14465 ShbL LXXI 31. Die Einnahme des HM, allein betrug nur 
1847 Marl, die Ausgabe 1607 Mark. 

3) Die Verzeichuiffe für beide Häufer im J. 1446 Sdbl. LYIL 
81. LX 45. 36. 

4) Chr. des Komthurs v. Eibing, d. Holland am T. der Der⸗ 
acatrone 1446 Schbl. LML 8, 


112 „Hanbeisoerhäitmiffe mit dem Auslande. (1446.) 


mehr verwuͤſten müßten.” Dazu Fam, bag auch die Zufunft 
wenig Hoffnung zur Beſſerung verfprad. In manchen Ge 
genden hatten die ſchrecklichen Verwüllungen der Waſſerdurch⸗ 
bruͤche für ‚viele Jahre unerfeglichen Schaden angerichtet?) ges 
waltige Landſtrecken waren mit Sand überbedt, weshalb u 
Meifter den Plan fafite, die zu große Waffermaffe der Rogat 
wieder mehr, in die Weichfel zu leiten. ? In andern Theilen 
des Landes dagegen ließ eine im Frühling ungewöhnlich lange 
anhaltende Düne allgemeinen Mißwachd befürchten, fo daß 
ber Hochmeifter die Getreide Ausfuhr verbieten mußte, wo⸗ 
durch wieberum der Handel nach dem Auslande eine neue Laͤh⸗ 
mung erhielt, ® 

Der Handel Preuſſens ftand überhaupt in Feinem regen . 
Leben mehr, Mit England hatte nur Danzig einigen Verkehr; 
er war indeß jetzt unbedeutend, denn die unaufhoͤrlichen Belaͤ⸗ 
ſtigungen in England, die man natuͤrlich in Preuſſen und na⸗ 
mentlich in Danzig an den Englaͤndern zu vergelten nicht un⸗ 
terließ, hatten ihn faſt ganz erbrudt.? Auch mit Frankreich 
waren neue Danbelöverbindungen angeknuͤpft; fie litten aber eben⸗ 
falls oft empfindliche Störungen. Am lebenbigften war feit 


1) Schr. des Ord. Marſchalls, d. Kaporn Sonnab. nach Eimer 
und Zubd 1446 Schbl. LXXIU. 9, 

„2) Schr. des HM. an d, Deutfchmeifter, d. Mohrungen Sonnab. 
nach Kreuz.⸗Erhoͤh. 1446 Regiſtr. VIII. 115. 
3) Schr. des Raths von Danzig an d. H., d. Danzig am T. 
Simon und Judaͤ 1446 Schbl. LXI. 79. 

4) Anordnung einer allgemeinen Berfahrt durchs Land wegen der 
großen Dürre, um Himmelf. 1446 Regiſtt. VIIL 49. Schr. des HM. 
an den Meifter v. Livland, d. Mar. Dienfl. nah Palmar. 1446 
Regiftr. VIIL 27. Die Getreideausfuhßr nah Rußland, chenfo bie 
von Knochen, Adern, Korn, Leim als für Armbruftmacher noͤthige 
Artikel werden verboten, Regiftr. VII. 62, 147. 

5) Schr. des HM. an d. König von England, d. Danzig 27 
Sun. 1446 Regiſtr. VIO. 64. Val. Sartorius Geſch. des Hanf. 
Bundes 3. IT. ©. 309, u. die Urkunde bei Rymer T. V. P. I. p. 72. 

6) Schr. des HM. an den König v Frankreich, d. Marienb. 
Donnerft. nach Bartholom. 1446 Regifir. VIII. 8, 





Handelsverhaͤltniſſe mit dem Auslanbe, (1446.) 113 


einigen Jahren wieder der Verkehr mit den Hanfefläbten. &o 
fehr jedoch bei ihnen der Hochmeifter immer noch in Anfehen 
fland,” fo mußte er doch bie Stäbte Hamburg, Limeburg, 
Wismar, Roftod, Stralfund und Lüber wiederholt um Er⸗ 
flattung bed alten Schabend mahnen, den fie unter feinem 
Borfahr, zum Theil in ihrem Kriege mit Erich von Dänemark 
den Preuſſiſchen Seefahrern, befonderd den Danzigern zuge⸗ 
fügt, ihnen entfchieben erfiärend: er werde feine Unterthanen 
auf Beine Weiſe rechtlos Laffen.? Mit Holland war ber Hans 
bei immer noch fehr gehemmt, denn der Streit wegen ber 
Entfchädigungsgelder dauerte auch jebt noch fort. Der vom 
Hochmeifter fchon im vorigen Jahre nach Bruͤgge gefandte 
Sroßfchäffer von Königsberg Hand Reppin, wegen eines 
Rechtshandels ind Gefängniß geſetzt, brachte uͤber ein halbes 
Bahr im Kerker zu, ohne weder in feiner Sache vom Herzoge 
eine Antwort: zu erhalten, noch feine Befreiung bei ihm bewir⸗ 
fen zu koͤnnen.) Zweimal fandte der Hochmeifter in dieſem 
Jahre neue Botfchafter, um die Holländer zur Erfuͤllung bes 
Vertrages zu Kopenhagen zu vermögen, verlängerte ihnen auch, 
wie bisher fchon mehre Jahre hindurch fein ficheres Geleit für 
ihren Handel abermals auf ein Jahr. ® Ie länger man aber 
mit Vollfuͤhrung ded Vertrages zögerte, um fo mehr bäuften fich 
wieber neue Mißhelligkeiten, neue Klagen und neue gegenfeitige 


1) Schr. des Großfchäffers v. Königsberg an d. HM., d. Brügge 
Donnerft. vor Pfingft. (1446) Schbl. LVIT. 69. Er fagt: bie Sanfe 
lege großes Gewicht auf den HM. „wen der deutfhe Kaufman belt 
euwir gnode vor iren oberften und vor das houbet der denfe, Sg. 
305. von Müller Were 3. XT. ©. 14. 

2) Schr. des HM. an die erwähnten Städte, d. am T. Petri a. 
Pauli 1446 Schbl. XXXIV. 17. Regiftr. VI. 450. Schr. des HM. 
an Lübed u. Wismar, d. Mar, Sonnt. nad Margar. 1446 Regiſtr. 
VID. 73, Sartorius 3. II. ©. 463. 

3) Schr. des Großfchäffers v. Königsberg, d. Bruͤgge Ment. nach 
heil. drei Adnige u. 10ten T. nad Oſtern u. Donnerft. vor Pfingft. 
1446 Schbl. LYIT. 69. 70, 71. XXX. 130, 

4) Geleitshrief für die Holländer, d. Donnerſt. nach Kreuz⸗Erſind. 

VIII. 8 


114  Hanbelsverhättniffe mit dem Auslande. (1446.) 


Anfprüche: Ban fhien in Holland abſichtlich bie Verhand⸗ 
lungen immer mehr in bie Länge zu ziehen, immer mehr 
Schwierigkeiten entgegen zu legen, um wo möglich auf irgend 
eine Weiſe fi der Zahlung ber beſtimmten Entſchaͤdigungs⸗ 
ſumme gänzlich zu entfchlagen, fo daß es auch jegt noch zu 
Heiner fehlen Enticheivung Fam, wodurch natürlich auch ber 
Handel fehr bebeutend gedruͤckt wurde. ?_ Auch den Verkehr 
mit Rußland und Litthauen erfchwerten viele Beſchraͤnkungen; 
wahrfcheinlich war ed Repreffalie, daß man in Litthauen in 
Beziehung auf den fo wichtigen Pelzbandel, auf ven Abſatz bed 
Salged aus Danzig und mehrer andern aus Preuffen einges 
führten Kaufwaaren verfchiedene fehr druͤckende Handelsgeſetze 
anorbnete, woruͤber bie Stäbte in Preuffen ſich beim Meiſter 
hoͤchlich befchwerten. ?_ Den Handel mit den Skandinaviſchen 
Reichen endlich hatte, wie wir fchon hörten, bie Iangwierige 
Fehde der beiden Könige von Dänemark ſchon feit mehren Jah⸗ 
ven gehemmt. Ueberbieß war zwilchen König Chriftoph und 
bem Hochmeiſter, wem auch dad dußere Verhaͤltniß friedlich 
blieb, fichtbar ein gewiſſes Mißtrauen und eine Kälte eingetres 
ten, bie ben letztern bewog, dem Meifter von Livland bad ihm 
vom Könige angebotene Buͤndniß ernſtlich abzurathen. ® Gerne 
nahm er baher auch bie Nachricht auf, daß König Erich im 
nächften Fruhjahr nach Preuffen Eonmen wolle, hoffend, daß 
dann durch ihn und den Markgrafen Hans von Brandenburg 
bie Streitſache der Könige vielleicht gefchlichtet werben Bönne 


. 1) Schr. des HM. an d. Meifter v. Avland, b. Mar. Freit. nah 
Vifitat. Mariä 1446. Schr. des AM. an die Raͤthe v. Holland, d. 
Mar. Breit. nach Jacobi 1446 Regifir. VII. 69, 83. 

2) Vollmacht für die Sendboten nach Holland, d. Mar. am T. 
Bartholom. 1446 Megiſtr. VIII. 97. Aufträge für die Seſandten Schbl. 
KXXXIV. 68. Schr. des Sendboten Eberhard Pferafeder, d. Brisst 
am T. Zraneiſci 1446 Gchbl. XXXIH. 5, XXXIV. 67. 

I ) Die von den Kaufleuten aus Pittbauen und Reußen den Unter 
thanen des HM, befannt gemachten Handelsgeſetze Regifir. VAT. 425i 

4) Sr. des HM. an den Meiſter v. Pisland, d. Thorn am T- 
Srancifct 1446 Regiſtr. VIII. 119, “ 


Dandelsverhäitniffe mit dem Auslande. (1447.) 115 


wab auch der Handel mit ben Skanbinavifchen Reichen wieber 
neue Beben erhalten werde.) Diefe Beſchraͤnkung und Hem⸗ 
mung bed Handelsverkehres nad) allen Seiten hin mußte aber, 
wie begreiflich, auf bie Sinanzverhältniffe des Ordens und auf 
ben ganzen Wohlſtand ded Landes die nachtheiligfien Wirkuns 
mn Folge haben. 

Um fo mehr aber bot ber Hochmeiſter auch im naͤchſten 
Jehre 1447 fort und fort alle Mittel auf, den Handel mit 
dem Auslande in größern Schwung zu bringen. Es ſtellten 
ſich freilich oft unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen, Seh 
man auch zunveilen Engländer, Franzoſen, Fläminger und Hol⸗ 
‚ Dänen und Hanfeaten, felbfl Spanier und Portugies 
gleicher Zeit in den Preuffiihen Häfen Liegen,? fo 
doch den Getreidehandel, damals ſchon ber wichtigfte 
für Preuffen, die überaus große Theurung und die ungewoͤhn⸗ 
ich hohen Setreibepreife im Lande felbft, fo daß eine Ausfuhr 
an fich ſchon kaum möglich war.” Es hatte ferner auch kei⸗ 
nen Erfolg, daß ber Hochmeifter die immer erneuerten Klagen 
der Litthauer über die in Preuffen, beſonders an ber Schleufe 
bei Labiau erhobenen Zölle u, f. w. dadurch zu befeitigen 
fake, daß er die Beſchaffenheit und Nothwendigkeit dieſer 
ſchon feit alter Zeit angeordneten Zollabgaben gründlich. ausein⸗ 
ander feste, ) ben wie man bald erfuhr, wurde den Kaufleu⸗ 
ten in Litthauen der Handel nach Preuffen gänzlich unterfagt. ® 


1) Seleitsbrief für den König Eric, d. Mar. Donnerft. nach ls 
ler Heil. 1446. Schr. des HM. an den Markgr. Hans von Brandens 
Wurg, d. Mar. Gonnt, nad) Martini 1446 Regiftr. VIII. 136, 140. 

2) Schr. des HM. an d. Erzbiſchof v. Obeſen, d. Sobewit Sreit. 
nach Eantate 1447 Regiſtr. VIII. 586. 

3, Schr. des Ord. Marſchals, d. Königsberg Comeb. vor dat 
mer. 1447 Gäbl. LXXII. 83. Schr. des Komthurse v. Abern, d. 

.1447 Gchbl. LII. 60. LEXU. 108. 
PA Bericht der Litthauiſchen Sendboten am Abend. Yurlf, Martä 
u Schi. AV. 47 De Auteinonderfegung des HD Reglftr, 
vH. 553. 

5) Gr. des Orb, Marcel, d Räriethe Done. und Bun 

eiict 1447 SEchbl. X. 28, . . a , . 


[8 


116 Hanbelsverhättniffe mie dem Auslande. (1447.) 


Den Handel mit den Standinavifchen Reichen, befonbers Im 
Umfage von Preuffiihem Getreide gegen Kupfer und Eifen 
druͤckten zwar eine Beitlang immer noch die ungluͤcklichen Streit: 
haͤndel. In Schweden ward an den Preuffifchen Seefahrer 
eine Gewaltthat nad der andern veruͤbt. König Chriftoph 
felbft aber beläfligte die Drdensunterthanen mit mehren neuen 
Zöllen ald Repreffalie für den in Danzig von den Dänen er⸗ 
hobenen Pfundzoll und feine Unterthanen folgten ihm in ans 
dern Beeinträchtigungen der Danziger Seefahrer nad.) Ins 
deß fehienen fich im Verkehre mit Skandinavien doch bald gim⸗ 
fligere Ausfichten zu eröffnen. Die Verhaͤltniſſe bes alten 
Könige Erich hatten im Frühling dieſes Jahres ſich dadurch 
merklich geändert, daß ihm durch des Herzogd Boguslav Tod 
Pommern zugefallen war und wie der Hochmeifter ihm mel: 
bete, wünfchten auch die Pommern ihn in ihrem Lande zu fe 
ben. 2) Erich jedoch wollte zuvor auch aus dem Beſitze Gott 
lands wo möglich noch einen erfiedlichen Gewinn ziehen und 
erbot fi) daher, das Land dem Orden in Preuffen abzutreten, 
fofern ihm diefer jährlich nach Pommern eine Gelbfumme zah⸗ 
len werbe, die feinen jährlichen Einkimften in Gothland gleich 
tomme, „denn er wolle dad Land, wie er erflärte, niemand 
Vieber gönnen ald dem Orden, da er bem Hochmeiſter hold 
ſey.“) Diefer ging auch wirklich in das Anerbieten ein und 
beſchloß, noch vor dem Winter eine Botfchaft auszurichten, 
weshalb er auch den Markgrafen Hand von Brandenburg , 
Schwiegervater bed Königed Chriſtoph, erfuchte, bei diefem bie 


1) Schr, des AM. an den König v. Dänemark, d. Mar. Freit. 
nad Oftern 1447 Regifir. VIII. 212. Gchr. des HM. an den Koms 
thur von Balga, d. Neuenburg Mont. nach Jacobi 1447 ebendaſ. p 
804, Gr. det AM. an den König Ehriftopf, d. Grebin am T. Ri⸗ 
colat 1447 ebendaf. p 389. Inſtruction für den Komthur v. Danyig, 
Mont. vor Laurentit 1447 Schbl. XXXI. 84. 

. 9) Chr des AM. an König Erich, d. Danzig Mont. nah 
Kreuz: Erfind, 1447 Regifte. VIII. 235. 

3) Scht. des AM. an Marge. Sans v. Brandenburg, d. Mewe 

Gonnt. nad Aller Heil, 1447 Regifte, VIII. 875, 








Handelsverhaͤltniſſe mit dem Auslande. (1447.) 117 


GSache vorläufig fo glimpflich als möglich anzubringen unb auf 
bie befte Weiſe einzuleiten. D Als jedoch bed Meifterd Send⸗ 
beten noch im Winter beim Könige Erich anlangten, hatte fich 
diefer wieder eined andern befonnen, Iäugnete geradezu fein 
Anerbieten ab, obgleich Graf Albrecht von Naugart Zeuge das 
von gewefen, und fügte fogar fpöttifch Hinzu: habe jemand 
eine ſchoͤne Zochter, fo müfle, wer fie haben wolle, ‚jenen bara 
um erfuchen; Feiner pflege fie auszubieten. Alſo zerfchlug fich 
die Unterhandlung wieder. ) Im Handelöverkehre zeigten fich 
bald die traurigſten Folgen, denn ſchon während dieſer Ver⸗ 
handlungen hatte der Hochmeifter fort und fort beim Könige 
Klage führen müffen über die unaufhörlichen Gewaltthätigkeis 
ten unb Plünderungen, die fich deſſen f. g. Auslieger auf ber 
See an Preuffifihen Seefahrern erlaubten. Obgleich er wie 
derbolt und aufs Dringendfte ben König um Abſtellung biefer 
Seindfeligkeit mitten im Zrieben erfuchte, fo nahmen doch bie 
Mißhandlungen und Räubereien je länger je mchr zu.® Erich 
antwortete immer Falt; er wiſſe von dem allen nichts ober die 
Danziger feyen felbft Schuld an diefer Störung bed Handeks⸗ 
friedens.) Der fonft fo rege Verkehr zwifchen Preuſſen und 
Gothland hörte aber faft ganz auf ,‚ als Erich dort bie Neues 
sung einführte, daß jeber in einen Hafen Gothlands einlaus 
fenbe Schiffer, namentlich auch aus Preuffen, eine halbe Mark 
löthiged Silbers in die dortige Münze liefern muͤſſe, wofln er 


1) Schr. des AM. an Markgraf Sans von Brandenburg, d. 
Stuhm Dienft. nah Gall 1447 Regiſtr. VII. 363. Der Markgraf 
hatte nämlich zu Lübet mit König Ehriſtoph eine perföntiye Zuſam⸗ 
menkunft. 

2) Schr. des AM. an Eckard von Guͤntersberg, d. Mar. am T. 
Innocent. 1448 MRegiftr. VIII. 396; vgl: das Schr. an den Markgr. 
Sand v. Brandenburg Regiftr. VII. 375. 

3) Schr. des HM. an König Erih, d. Mar. Mittw. nad Eans 
date 1447 Megiftr. VIII. 239; andere Klagfehreiben an den König, p- 
283. 299, 

4) Schr. des Königes Erih an den HM., d. Wisborg Sonnab. 
vor Dionyf. 1447 Schbl. XXXI. 5.. 


18 GHandeisverhäitaiffe mie dem Aullande. (14473 


dier Mark Ecſtattung echolten folle, eine Maaßregel, bie Dem 
großen Geldmangel auf Gothland abhelfen follte, jedoch Die 
nachtheiligſten Folgen hatte.) Go war alfo Skandinavien 
dem Handel Preuffens faft ganz verfchloffen. 

Auch mit den Hanfeflädten bauerten die Streithänbel noch 
Immer fort. Da bie bereitd erwähnten Städte den mehren 
Ordensunterthanen zugefügten Schaben immer noch nicht wers 
gütet hatten, fü wandte ſich ber Hochmeifler mit einer Klage 
gegen biefe Städte an die in Luͤbeck verfammelten Hanſeatiſchen 
Gefandten und bat um nachdruͤckliche Verwendung. 2 Aber 
umfonfl. . Dagegen erfchien bald .bei ihm eine Geſandtſchaft 
von Seiten jener Zagfabrt mit dem Gefuche: er möge auch in 
feinen Landen gemäß einem gefaßten Befchluffe der Hanſeſtaͤdte 
ben Engländen das Handelögeleit auffündigen und ihnen allen 
Verkehr -werbieten, weil trog aller Bitten und Bemühungen 
feinem Kaufmanne der Hanfe in England bie alten: Privile⸗ 
gien und Gerechtigkeiten mehr gehalten würben, je ben Hans 
featen der Handel im Reiche Sogar unterfagt ſey.“) Der Meis 
flee indeß, der den Handel feined Landes an fich ſchon uͤberall 
beſchraͤnkt und gedruͤckt fah, konnte fich dieſer Anferverung uns 
möglich fügen, Die Stände des Landes hatten ihm felbft ſchon dert 
bringenden Wunſch vorgelegt, alles aufzubieten, um den Hans 
del nad) England wieder mehr zu beleben ® und bereits ſtand 
er auch .feit einigen Jahren ſchon mit dem Könige Heinrich 


1) Schr. des HM. an König Erich, d. Mewe Mittw. nach Vin⸗ 
eula Petri 1447 Regiftr, VIIL 306, Schr. des Raths v. Wisby an 
den HM. d, Mont. nach Aegidü 1447 Schhl. XXXI, 77. 

2) Schr. des HM. an die zu Luͤbeck verſammelten KHanfeftädte, d. 
Mer. Mittw. nad) Georgli 1447 Regifir, VIII. 219. 221. 234, Hans 
feat. Recefl. VI. 555. 

3) Anbringen der Sendboten der Hanſe, Mar. Dienfl. vor Mars 
garetha 1447 Megiftr. VII. 575. Schr. der Rathsſendboten auf der 
Tagfahrt zu Lübel an den HM. d. Mittw. vor Pfingfl. 1447 in 
Hanſeat. Receſſ. VI. 559, 

4) Schr. des Vogts von Leipe an den HM, d, Bothen Doanerſt. 
vor Invocavit 1447 Schbl. LXXVI. 67. 





Ganbeisucchäktuiffe wit- dem Auspinbe. " 1447.). ID 


bem Sehen in Berhanblangen, um Die Sankelsbirberaifi 
ihrer Länder hinwegzuraͤumen. Eiferfürhtig hatten die Hanſea⸗ 
ten dieſe Unterhanblungen einmal ſchon dadurch geflört, daß. 
fie eine Geſandtſchaft des Koͤniges auf der See aufgefangen, 
beraubt und nach Lübe ins Gefaͤngniß gebracht ‚hatten. »- 
Ueberbieß hatte ber Meifter vor kurzem erſt zu demſelben Zwecke 
eine Geſandtſchaft nach England geſchickt, jetzt den giuftigſten 
Erfolg hoffend, denn der König ſchien ſehr geneigt, bie ‚dem. 
Handel mit den Hanfeaten im Allgemeinen ‚.-fomie dem nach 
Preuſſen insbefondere entgegenftehenden Hinderniffe, in befons 
bever Rüdficht auf den Bochmeifter (mie die Geſandten melde: 
ten) völlig zu beſeitigen. ) Da nun. biefer. zudem auch vonr 
Könige noch eine alte Schulkfumme zu fotrdem hatie, Die er 

in feiner Gelbnoth jet Dringend erbat, fo wigs- ex uch Da 
neue Anfinnen der Hanſeaten zuruͤck, Schiffe und Guͤter * 
Engländer in feinem Lande mit. Arreſt belegen zu laſſen, weil 
er den Erfolg feiner. Unterhandlungen auf Feine Weiſe ſtoͤren 
mochte. 9 Eben fo wenig konnte er fich In. bie zur Aufbaife 
des Stapels in Flandern getzoffene Vererbung ‚fügen, daß 
niemand won ber Hanſe irgend welches Gut in andere Schiffe 
Inden und verfrachten folle, als nur in ſolche, die in hie Haufe 
gehörten, auf welche Beſtimmung die Hanſeoten eine groß 


1) HE des Röniges Heinrich von England an den HM. * 
Westmonast. XVI Octobr. regnor. nostror. XXIX. Schbl. 83. 33, 
Der König beſchwert fi aufs bitterfte über die Hanſeateun. — 

2) Bolmadht für die Seſandten, d. Stuhm Sonnab. vor Phi⸗ 
Uppi 1447 Schbl. 83. 34. Regiſtr. VIII. 229. Schr. des HM. an 
den Kaufmann der Hanſe zu Londen, d. wie vor Regiſtr. VIII. 23% 
Hanſeat. Recefi. VI. 576. : 

3), Schr. des Sendboten Johann von AR an den HM. d. Sonden 
Mont. vor Laurentii 1447 Schbl. XXXII. 16, 

4) Wolmacht fir die Gefandten zur Einforderung ie Sqhuld⸗ 
ſumme von 18,274 Robeln, d. Mar. 3 Mat 1447 Regiſtr. VIEL. 225. 
231. Schbl. XXXII. 38, Die Schuld ſtammte nod aus den Zelten 
Heinrichs v. Plauen. 

5) Schr. des HD. an die Sendboten der Hanſe und an Luͤbec, 
d. Mar. Sonat: n. Corpor. She, 1447 Regiſtr. VIII. Wi. VI. 681. 


190. Hanbhövechätuuife: mit Dim Austande.. 1447.) 


Erchtigkeit Tasten. Der Hochenriſter wollte fie fo bedeutend 
verändern, daß fie, tWwin'die Hanſeaten meinten, für den bes: 
rechneten Zweck alle Wirkfamkeit verlieven mußte, worlber eB: 
zu vielen Behandlungen. kam. : Dagegen geflattete er einer 
Menge anderer Hanfeatifcher Handelsſatzungen in feinen Landen 
eine zeitweilige Gültigkeit, um zu verfuchen, ob fie fi) mit 
ſeines Ordens und der. Sande Freiheiten und Gewohnheiten ver⸗ 
einigen und..zu bern. Wohlfahrt und Gedeihen gereichen wie’ 
ben, wibtigenfalls er ſich vorbehielt, fie fofort wieder abzu⸗ 
file? )“) 


. Der Streit endlich mit ben- Hollaͤndern wegen Vollziehung 
. 6. Vertrages zu Kopenhagen fand auch in diefem Jahre noch 
Feine Erledlgung, denn immer noch zögerten fie mit der Be⸗ 
zehlung' der feſtgeſetzten Entfchädigungsfumme, ımter dem Vor⸗ 
geben, Baf auch fie merkliche Anſpruche befonders an Danzig 
hätten, . weil bort ihre Schiffe und Guͤter mit Beſchlag belegt 
worden feyen. Nun erfchten zwar bald beim ‚Dochmeifler eiw 
Sendbote ded Präfidenten und Rathes von Holland mit einem 
fon im Anfange diefes Jahres auf einer Tagfahrt zu Bruͤgge 
befprochenen Plane, nach - welchem bie Entichädigungsfunme 
von neutitauſend Pfund Grofchen: Durch einen Pfundzoll ent⸗ 
richtet werben folle, welcher von ben Schiffen und Gütern ber. 
Holländer in Preufien und Lioland zu erheben fey. Der Weis 
Rtr xcklaͤrte 1 bamit u Anoefanben; 2) das Nähere unb 


4) Sr. vacn⸗ an ben HM. und an Danzig, d. Breit. nach 
Sart holom. u. Donnerſt. nach Johannis Enthaupt. 1447. Schr. des 
Raths v.“ Danzig an den HM. d: Mont. vor Kreuz⸗Erhoͤh. 1447 
Schbl. XXXIV. 19. Hanfeat. Receff. VI. 608. 

2)’ Das Gpekieliere über dieſe Hanſeatiſchen Eingelegenheiten, Die 
Mnträge der Hanfeat. Gendboten beim HM., deſſen Antworten u. die 
Handelsbeſtimmungen weitläuftig im Kegifr. VN. 575. 581. 591.583 

3): Därüber ein Kotariateinftrument, d. Mar. 9 Juni 447 
Schoͤl. X. 1. Abſchrift eines Vertrages, worin der Herzog Philipp 
von Burgund in den erwähnten Plan einſtimut, d. 10-Mat 1447 
Schbl. XXXMI. 132. Der Antrag des Holändifchen Sendboten, noch 
wiehre andere Punkte enthaltend, im Hanſcat. Metefl, VL 549 fi. 





Innere Landedverwaltung. (1447.) 121 


die Ausgleicheng ber uͤbrigen Streitpunkte ſollten auf einem 


Berhandlungstag zu Köln verhandelt werden. Allein auch 
Diefe Hoffnung warb wieber getäufcht, denn vergebens warte: 
ter dort die Drbendgefandten auf dad Erfcheinen der Bevoll⸗ 
mächtigten aus Holland; der Tag blieb ohne Erfolg. Mit 


Recht hoͤchſt unwillig über die abfictliche Werzögerung der 


Sache drang jebt der Hochmeifter wiederholt beim Herzog von 
Burgund mit allem Ernſt auf Zahlung ber Schadenfumme 
und überhaupt auf endliche Beilegung des Argerlichen Streits 
handels, drohte widrigenfalls mit emften Maaßregeln und 
ſchlug deshalb einen nochmaligen Werhandlungstag auf naͤch⸗ 
ſtes Jahr in einer Stadt Preufins dor.“ Somit zog fi 
der vieljährige Streit abermald in das folgende Jahr hinein. 

Während aber der Hochmeiſter in folcher Weiſe fort und 
fort bemüht war, durch Befeitigung der vielfachen Schwierig⸗ 
Briten und Sinderniffe dem Handel nach dem Auslahbe rege: 
wed Leben zu verfihaffen, widmete er auch ber. Bandeöverwals 
tung, befonder® den innem gewerblichen Verhaͤltniſſen feine 
ſortwaͤhrende Thaͤtigkeit, und bier verfprach er fich gluͤcklichere 
Erfolge. Die Gährung und Unzufriedenheit im Lande hatte 
ſich feit einiger Zeit bedeutend vermindert. Hie und ba brach 
var zuweilen die Leiderfchaft und. Parteimuth noch durch 
&o hatte 3. B. die Neuſtadt Thorn won den Altfläbtern und 
etlichen der Kulmifchen Nitterfchaft wegen ihres Austrittes aus 
dem Bunde mitunter noch viel zu leiden. Zuweilen wurden 


1) Schr. des HM. an d. Herzog v. Burgund, d. War. Sonnab, 
vor Biti und Modefit 1447 Regiftr. VIII. 263. Hanſeat. Recefl. VI. 551. 

2) Schr. des HM. an die Stadt Köln, d Mar. Sonnt. nad 
Biri u. Modefti 1447 Regiftr. VII. 269. 270-273. Berichte über 
Den Sag zu Koͤln, d. Köln am I; Margar. 1447 Schbl. XXXIII. 
57. 61, 
3) Schr. des AM. an d. Herzog v. Burgund, d. Mohrungen am 
T. Bartholom. u. Sonnt. nad Concept. Mariä 1447 Regiſtr. VIII. 
3277. 340. 301 - 394, 

4) Schr. des Raths der Neuſtadt Thorn an den Kaplan des HM. 
d. Thorn am 3. Transfigurat. 1446 Schi. LXXVI. 94, ſchildert den 
ſchrecklichen Haß der Altſtaͤdter gegen die Neuſtadt Thorn, 


—O 


12% Innere Lanbesumwaltung. (1447.) 


auch noch Verſuche zu Verſammlungen und Berathamgen zwi⸗ 
ſchen der. Ritterſchaft und den Städten beſonders im Kulmer- 
lande gemacht; allein man ſuchte die Theilnahme daran immer 
moͤglichſt zu beſchraͤnken und überhaupt bie Staͤnde fo viel 
als möglich auseinander zu halten. Um die beſchwichtigten 
Gemuͤther nicht von neuem aufzureigen, erließ ber Hochmeiſter 
das ſtrengſte Verbot, (was allerdings fiir manche unbefonnene, 
muthwillige Ordensbruͤder auch fehr nothwendig war) daß ſich 
hinfort bei Verluſt der hochmeiſterlichen Gnade kein Ordens⸗ 
ritter irgend aͤrgerliche und anzuͤgliche Reden gegen den Bund 
ober Lande und Städte erlauben ſolle, und die Bekamtma⸗ 
hung dieſes Verbotes warb jebem Komthur aufs nachbrüds 
lichfte anbefohlen.? Konrad konnte daher au® bald mit aller 
Wahrheit nach Deutfchland melben: die Verbuͤndeten in Preufs 
fen befennten jest felbft, daß fie nie einen Bund gefchloffen 
haben würden, wenn nicht der Hochmeiſter mit dem Deutſch⸗ 
meifter in’ Zwietracht geſtanden; er habe zwar die Verbuͤndeten 
nicht bewegen koͤnnen, den Bund gaͤnzlich aufzugeben, aber ex - 
und der Orden Bänden in Sriebe und Freundſchaft mit ihrem 
Landen. 9 

Und in der That bewies ſeh auch der Hochmeiſter der 
Liebe und des Bertrauend ſeiner Unterthanen durch feine kluge 
und einſichtsövolle Verwaltung in jeder Weiſe würdig, denn 
bald war es die Feſtſtellung der Rechte und Geſetze und die 
Auftechthaltung alter Ordnungen, bald die Belebung ber Bes 
triebfamfeit des Volkes im Handel und in Gewerben, bald bie 
Sorge für die ſittliche und religisfe Bildung, bald die Vers 
mehrung ber innern Staatskraͤfte, die er für die Wohlfahrt 
feiner Unterthanen fort und fort im Auge hatte Gr litt es 
nie, daß Rechte übertreten oder gefchmälert werden bürften, bie 


4) Schr. des Komthurs v. Chriſtburg, d. Dallenſtaͤdt Mont. vor 
Purif. Marià 1447 Schbl. LXXVI. 71 

2) Befehl an die Komthure, d. Stuhm Sonnt. Zubka 1447 
Regiftr. VIII. 187. 

3) Chr. des HM, an den Komithur von Mergentheim, d. Mar. 
Donnerft. nach Judica 1447 Regiftr. VII. 193, 


_ Innere Ronbesverwaltung. (1447.) 128 


auf gerechten Anfprücen beruhten. Er nahm fich feines 
Städte, die, wie damals häufig der Fall war, Jahrrenten von 
Stästen des Auslandes zu fordern hatten, fletd mit allem 
Nachdruck an, wenn foldhe ihnen verweigert wurden und felbfl 
zu Sunften bed fo widerfirebenden Thorns bewies er darin 
oft fernen ernſten Eifer.) Aber eben fo wachſam ſchuͤtzte und 
vertheibigte ex bie Unverleglichkeit der Privilegien und echte 
feines Ordens; er drang z. DB. aufs nachdruͤcklichſte darauf, 
daß ihm ſein Lehenrecht oder Patronatsrecht uͤber die Kirchen 
zu Danzig, Leſewitz u. a., bad man ihm am Hofe zu Rom 
zu entziehen fuchte, erhalten werde. ? Zur Belebung ber ge 
werblichen Ihätigkeit in Stadt und Land zog er häufig aus 
andern Landen geſchickte Kuͤnſtler und tlchtige Arbeiter herbei; 
bald waren ed Manufacturiſten, bald Büchienfhüten, welche 
die Wehranftalten und das Kriegdzeug in befiere Drbnumg 
und Vervolllommmung bringen mußten, ?? bald andere. zu ans 
been Zweigen ber Betriebfamkeit. In die Neumark ließ er 
Bergleute kommen, um ein bortiged nicht unergiebiges Berg⸗ 
werk beijer zu betseiben. ? Mehren Gewerben im Lande, wie 
den Goldſchmiden, Zucharbeitern, dem Riemergewerke u. a, 
gab er zweckmaͤßigere Gewerksordnungen, die mande. Miß 
brauche abftellten.d Daneben aber finden wir auch, daß ey 
einen aus dem Audlande gerufenen ſehr geſchickten Mühlen 
baumeiſter aus dem Lande wieder zu entfernen fuchte, weil ex 
den großen Stähten ihre Mühlen vollkommener eintichtete und 


1) Darüber mehre Welfpiele im Mesiftr. VII. Offenes Schr. 
des HM. d. Thorn Gonnt. nad, Michaeli 1446 chend, p- 118. 

2) Schr, des HAM. an den Ordensprocurator, d. Brandenburg am 
T. Apollonia u. Mar. am Abend Johannis Bapt. 1447 Regiftr. VII. 
168. 274, 

3) Mehre Schr. des HM. vom 3. 1446 Megiftr. VIII. 145. 146, 

4) Eine kurze Nachricht Über dieſes Bergwerk in einem Schr. des 
HM. an den Vogt der Neumark, d. Stuhm Dienft. nah Kreuz s Ers 
pöh. 1447. Es wurde dors Er, gewonnen; Regiſtr. VII. 351. 360, 

5) Die Verordaungen, d. Mar. Dienfl, vor Margar. 1446 Res 
giſtr. VIII. 71. 


124 Orbentbisciplin. (1447.) 


dadurch dem Orben bedeutenden Schaden verurſachte.“ Im 
Binnenhanbel förderte er den innern gewerblichen Betrieb, fo 
viel nur irgend :möglich war; er fah immer barauf, daß Fabri⸗ 
cate, die man fonft aus dem Auslande gezogen, im Lande 
ſelbſt erzeugt winden umd verbot deshalb die Ausfuhr der im Lande 
gevoonnenen rohen Stoffe. ?_ Mit großer Strenge verpönte 
er den geſetzwidrigen Bernfteinverfauf und deſſen unrechtmäßige 
MWerarbeitung, d fuchte ebenfo dem zunehmenden Eindringen 
der falfhen Münzen, befonderd der Mährifhen aus Polen 
möglichft vorzubeugen u. ſ. w. ® 

Aber auch auf Zucht und Ordnung unter den Orbends 
brübern bielt er firenge Wachſamkeit, und bei dem ſchon fo 
gefuntenen moralifchen Zuftande des Ordens war nichts noth⸗ 
wendiger, als bie Ordensglieder gebietenbe wie gehorchende, mit 
größerer Strenge an Regel und Geſetz zu binden. Es gab 
in Preufien, wie in Deutfchland, eine nicht geringe Zahl von 
Ordensſbrudern, denen Zucht und Vorſchrift, wie fie dad Or⸗ 
densverhaͤltniß auflegte, die laͤſtigſten Feſſeln fchienen, die Durch 
imorbentlichen Lebenswandel die Ehre ded Ordens verunglimpfs 
ten, den Ordenshaͤuſern entliefen und zuchtlos umberzogen. % 
Wie weit ſelbſt einzelne Beamte bed Ordens in mornliſcher 
Entartung gefunten weren, zeigt dad Beifpiel bes Vogts von 
Brathean Heidiche von Milen, Durch fein Prahlen mit gros 
Ben Schäben war ruchbar geworben, daß er im Beſitze eine 
Summe von zwanzigtauſend Nobeln ſey. Durch das Geruͤcht 
‚veranlaßt ordnete der Hochmeiſter eine Unterfuchung an und 
Vieß eine Menge von Zeugen verhören. Der wichtigfte war 
der Vogt von Soldau, der unter andern vom Wogt von Bra⸗ 
= 9) Sär. des HM. an d. Meifter v. Livland, d. Thorechten⸗ Hof 
Mont. nach Nativit. Mariä 1447 Regiſtr. VIII. 343, 

2) Darüber Regiftr. VIII. 147. 363, 

3) Verordnung von I. 1446 Regiftr. VIII. 118, 

* 4) Verordnung vom J. 1446 Regiftr, VII. 147. 

5) Sar. des HM. an den Marfgr. Hans v. Brandenburg, d. 
Mar. Sonnab. Philippt u. Jacobi 1446 Regiftr. VIIT. 37. 134, Schr. 
des HM. an ben Deutfhmeilter, d. Mar. Mont, zu Pfingfl, 1446 
Regiftr. VI. 52. " 





Drbentbiöcpiin. (1447.) 125 


thean felbft gehört hatte: man habe ihn im Verdachte, daß er 
es fey, der fich die Schäße des letzten Hochmeiſters Paul von 
Rußdorf zugeeignet; wobei er binzugefligt: wenn er fie wirklich 
auch befihe, fo werde er cher hundert falſche Eide ſchwoͤren, 
als fie herausgeben. Daffelbe beftätigte das Zeugniß eines 
Goldſchmids, bei dem der Wogt öfter goldene Ringe, Frauen⸗ 
gürtel und große vergoldete Knoͤpfe hatte verfertigen laſſen. 
Auf diefe Audfagen erhielten der Ordenstreßler und der Kom⸗ 
thur von Oſterode den: Auftrag, den Vogt in feiner Behaufung 
zu uͤberraſchen und ihm die Schlüffel feines Hauſes abzuneh- 
men.- &8 gefchab; man fand indeß bei ihm nur eine Summe 
von vierhundert Nobeln, die er aus einem Kornhandel gelöft 
haben wollte, aber babei wirklich mehre Pretioſen, die dem 
verftorbenen Hochmeifter gehört hatten, namentlich einen goldes 
nen Ring mit einem Diamante, den jener täglich getragen. 
In einem Verhoͤre vor dem Hochmeifter und einigen Gebieti⸗ 
gern fprach der Vogt von einem vom alten Hochmeifter erhal⸗ 
tenen Geldgefchenke, was keinem glaublich War. Ueber bie 
gefundenen Kleinodien gab er bie Erklaͤrung ab: fie feyen mit 
in dem Sade gewefen, worin der Hochmeifter ihm das Gelb» 
geſchenk zugefandt habe. In einem zu Marienburg verfams 
melten Ordenskapitel wurde der MBefchuldigte in Form des 
Mechts völlig überwielen, daß er dem Orden durch frevelhafte 
Wegnahme des Eigenthums des verftorbenen Meiſters einen 
Verluſt von mehr als zwanzigtauſend Nobeln zugefügt, wes⸗ 
halb er mit allgemeiner Uebereinſtimmung nach dem Ordens⸗ 
geſetze mit ſchwerer Gefaͤngnißſtrafe belegt wurde. Die Klug 
heit gebot, daB Verbrechen des Drbendritterd fo viel ald mögs 
lich vor ber Welt geheim zu halten. Die Zolge aber wear, 
daß ſich bald allerlei dem Hochmeiſter nachtheilige Gerkchte 
über die Urſachen der Sefangenfchaft des Vogts verbreiteten. 
Sie drangen bis zu defien Verwandten am Rhein und auf 
ihre Bitte verwandten fi die Erzbifchäfe von Köln und Trier, 


1) Die ganze Berhandlung mit dem Vogt v. Srathean gegiſtr. 
VID. 1 188 — 190. 


A A c 


126 Innere Drbensvechäitniffe. (1447.) 


der Graf Gottfried von Sayn zu Witgenftein und mehre an⸗ 
dere Grafen und vornehme Herren beim Hochmeiſter um Frei⸗ 
laſſung ded Gefangenen und Wiedereinſetzung in fein Amt.! 
Es war daher jet nethwendig, zur Widerlegung der Gerüchte 
mit der Wahrheit der Sache hervorzutreten. Dex Vogt, durch 
des Hochmeifters Gnade feiner Haft entlaffen und in einem 
Konvente untergebracht, berichtete dann ſelbſt einigen feiner 
Gönner am Rhein den ganzen Zufammenhang ber Sache und 
vechtfertigte in eigenem Geftänbniffe das völlig gefekliche Ver⸗ 
fahren des Meiſters. Diefer aber feste ben genannten Exzbis 
fchöfen auseinander, daß nicht er, fondern das Ordensgeſetz das 
Ustheil über den Schuldigen gefprochen. 2? 

Konrad benugte jedoch biefed Ereigniß, um ben Orbends 
briidern dee Konvente manche Ermahnung und Warnung nad: 
druͤcklich ans Herz zu legen, namentlich ihnen auch die ohne 
Vorwiſſen der Komthure öfter flattfindenden Werfammlungen 
ober Kapitel und ebenfo ihre häufigen Afterreben und Schmaͤ⸗ 
bungen wie gegen die Bunbeöverwandten, fo gegen ben Kurs 
firftn von Brandenburg u. a. aufs ernſtlichſte zu unterfagen. ?) 
Er ordnete ferner eine allgemeine Vifitation aller Konvente im 
Bande an, um fich eine genaue Kenntniß wie vom oͤconomiſchen 
unb finanziellen, fo auch vom moralifchen ımb religiöfen Zus 
ſtande jedes Ordenshauſes zu verfchaffen, ald Worbereitung zu 
einem allgemeinen Ordenskapitel, welche zu Marienburg ges 
halten werben follt. Cr batte dabei einen für bie Ordens⸗ 


1) Schr. des Grafen Gottfried von Sayn zu Witgenſtein u. a. 
on den HM. d. am Abend Bartholom. 1447 Schbl. L. 32, Megiftr. 
VII. 356, 

2) Str. des Drbensritters Heidiche von Milen an den Domde⸗ 
chant von Köln u. a. d. Mar. Sonnt. nady Matthäl 1447 Regiftr. 
va. 352, an bie Erzbifehöfe von Köln und Trier p. 354, Schr. der 
Drdensgebietiger an diefelben, db. Mar. Mont. nad Matihäi 1447 
p. 354 —355, Schr. des HM. an diefelben p. 355 — 356. 

3) Befehl an ale Komthure, d. Stuhm Sonnt. Judica 1447 
Regifir. VEIT. 187. 

4) Viftationsfchreiben an die Komthure, d. Stuhm Olaf. vr 
Nativis, Maris 1447 Regifir, VIII. 350, 


‘ 





Innere Ordensverhaͤltniſſe. (1447.) 127 


verfaſſung wichtigen Plan. Die neue Abfaffung des Ordens⸗ 
geſerbuches nämlich, wobei man theils größere Vollſtaͤndigkeit 
in allen von frühern Hochmeiſtern gegebenen Geſetzen, teils 
eine allgemeine Uebereinflimmung der Ordensgeſetze in Preuflen, 
Livland und Deutſchland beabfichtigt, war bereitd im vorigen 
Jahre beendigt und den Meiſtern von Deutſchland und Liv⸗ 
land, ſowie dem Landkomthur von Deſterreich in Abſchriften 
zugeſandt worden.) Der Hochmeiſter faßte jezt von neuem 
den Gedanken, zu bewirken, daß die Statuten Werners von 
Orſeln, die in das neue Geſetzbuch wiederum nicht aufgenom⸗ 
men waren und uͤber deren Guͤltigkeit er im Anfange ſeiner 
Regierung eigentlich nur des Friedens wegen hatte nachgeben 
müſſen, jetzt nach der neuen Abfaſſung des Ordensbuches foͤrm⸗ 
lich widerrufen wuͤrden. Die Zeit ſchien dazu jetzt guͤnſtig. 
Der Papſt Eugenius der Vierte war, zum Gluͤck für bie 
Kirche, im Februar geſtorben und an ſeine Stelle Nicolaus 
der Fuͤnfte erkoren. Kaum von ſeiner Wahl durch das Kar⸗ 
dinal = Collegium benachrichtigt, ) verordnete der Hochmeiſter 
fofort durchs ganze Land eine allgemeine Betfahrt, ließ ein Te 
Dem fingen und Proceffionen und Meſſen halten zur Feier 
und Erhaltung bed Glüͤckes, welches der Kirche durch die 
Wahl biefed Papfles zu Theil geworben.’ Kerner war im 
Fruͤhling dieſes Jahres auch der Deutfchmeifter Eberhard von 
Stetten geflorben.? Die Gebietiger in Deutſchland fchlugen 


1) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Defterreih, d. Mar. 
Palmfonnt. 1446 Regiftr. VIII. 26 

2) Schr. des Kardinal: Eoflegiums an den HM. d. Romas XXI. 
Martii 1447 Schbl. 1. 209. Als Rrönungstag des neuen Papfles 
wird hier der 19 Mär, genannt. Stenzel Scriptor. rer. Bilesiac. T. 
L p. 315. 

3) Ausfchreiben an die Gebietiger und Prälaten wegen Der Bets 
fahrt, d. Mont. nah Trinit. 1447 Regiſtr. VII. 257. 

4) Rah einem Schr. des HM. an d. Komtur v. Mergentheim, 
d. Stuhm Sonnt. Jubilate 1447 Regifte. VIU. 231 hatte der AM, 
uns diefe Beit ion 1 die Nachricht vom Tode des Deutfchmeifters Ebers 
hard v. Gtetten, der alfo wentgftens vier bis fünf Wochen zuvor ges 
ſtorben ſeyn muß, Der Ite Mai 1447 ſcheint wohl offenbar die rich⸗ 


128 -: Innere Ordensverhaͤltniſſe. (1447.) 


zu feinem Nachfolger den einflweiligen Statthalter und Kom⸗ 
thur von Mergentheim Jodocus oder Joſt von Venningen 
vor; allein ber Hochmeifter beflätigte die Wahl nicht fogleich, 
fondern fuchte die Sache in die Länge zu ziehen, den Gebte: 
tigern meldend: er werde ihnen feine Meinung, die einzig nür 
auf des Ordens Wohlfahrt binziele, in einem Ordenskapitel 
verkündigen laſſen, welches fie im September zu Frankfurt a. 
M. verfammeln follten.?? Mittlerweile aber fuchte er feinen 
Plan wegen ber Statuten weiter vorzubereiten. Er wandte 
ſich deshalb an den Ordensprocurator zu Rom. „Ihr wiſſet, 
ſchrieb er ihm, welche Späne, Zwietracht und Unwillen vor: 
mald Eberhard von Saunsheim der Statuten wegen angeregt, 
auch wie er fie vom Concilium zu Bafel und, wie man fagt, 
auch vom Kaifer Sigiömund durch eine goldene Bulle babe 
beftätigen laffen. Auch ift euch wohl noch indädhtig, da wir 
zuerft Meifter wurden, was Anfechtung wir von demſelben 
Eberhard wegen berfelben Statuten hatten, und wollten wir 
Eintraht und Friede haben in unferem Orden, drang er und 
dazu, wir mußten mit unfern Gebietigern nach feinem Willen 
ihm folche Statuten zu halten verfiegeln.” Da nun, fährt 
er fort, das Drdendgefehbuch von neuem angefertigt und zu 
befuͤrchten fey, daß, wenn ein neuer Deutfchmeifter biefe Sta⸗ 
tuten abermals bervorziehen würde, wiederum große Zwietracht 
und Irrung fih im Orden erheben werde, fo ſey er mit feinen 
Gebietigen zu Rathe gegangen, wie bem vorzubeugen fey. 
Man babe für zwedimäßig befunden: er möge dem -Papfte das 
dem Orden aus diefen Statuten brohende Unheil und Werber: 
ben voritellen, ihn erinnern, daß auch ſchon der Papft Euge: 


tige Beit feines Todes zu ſeyn, denn diefen Tag führt Bache m Ehro: 
nolog. der HM. ©. 40 aus dem A. B. an, aber das hier angeges 
bene Todesjahr 1448 ift unridhrig und ebenfo das Wahljahr 1447 bei 
Bacılo 8.11. ©. 239. 

1) Jaeger Cod. diplom. O. T. 5. h. a. 

2) Schr. des HM. an die Landkomthure und Komthure in Deutfchs 
land und an den Statthalter und Kouthur v. Mergentheim, d. Mar. 
am 3, Divifion, Apoftol, 1447 Regiftr. VIII. 295 — 246, 


Streit wegen des Deutſchmeiſters. (1447.) 129 _ 


us Eberhard'n von Saunsheim bie Beſtaͤtigung verweigert, 
md dringend bitten, „baß er foldhe Statuten von Wort zu 
Bort mit allen ihren Beftätigungen fowohl von Kaifern, bes 
uen fie nicht gebührten, ald vom Goncilium, forwie umfere und 
unferer Gebietiger eigene Verliebung und Verſchreibung, zu ber 
wir gebrungen worben, aus ben ermähnten Urfachen ganz und 
gar wiberrufe, vernichte und für unkräftig erklaͤr.“ Die Sache 
müßte aber aufs heimlichfte betrieben werben, „auf daß die 
Deutisländer fie nicht erflhren.”D Der Procurator brachte 
den Auftrag anz allein fo geneigt ſich ber neue Papft dem 
Orden bereit auch gezeigt, Indem er 3. B. burch eine eigene 
Bule alle Ordensbruͤder und überhaupt alle zum Orden gehös 
Te Perfonen von den Urtheilöfprlichen der Weftphälifchen Fem⸗ 
geübte und aller uͤbrigen weltlichen Richterſtuͤhle frei gefprochen, 2 
dem Hochmeifter und deſſen Nachfolgern auch bie Befugniſſe 
etheilt hatte, zwei Kanonifate und eben fo viele größere Praͤ⸗ 
beaden im Biſthum Ermland zu befegen,® fo Eonnte der 
Prcurotor mit dem Plane bed Hochmeifters am Roͤm. Hofe 
doch nicht fogleich and Biel gelangen. 

Nun war währenbbeß die Zeit, wo ber Hochmeifter ben 
Gchietigem in Deutfchland feine Meinung wegen der Wahl 
be} Dentſchmeiſters eröffnen wollte, näher geruͤkt. Man hatte 
bi dieſer Wahl ein Vorrecht des Hochmeiſters verlegt, auf 
welches er jetzt mit allem Nachdruck halten zu muͤſſen glaubte. 
Vie naͤmlich in Livland, ſo war es fruͤherhin auch in Deutſch⸗ 
land Sitte geweſen, daß bei der Wahl eines neuen Deutſch⸗ 
meiſters dem Hochmeiſter jedesmal zwei Gewählte m Vorſchlag 





1) Er. des HM. an d. Ordensprocurator, d. Mar. Donnerſt. 
u Ufumt. Marlaͤ 1447 Regiſtr. VII. 317. 

2) Qulle des Papſtes, d. Romae pridie Cal. Junik 1447 p. a. pri» 
= Sqjbl. XII. 1. gebrudt bei Bacjzko 3. IT. ©. 390, jedoch 
fe fehlerhaft, au in Voigt Geſch. der Weſtphaͤl. Zemgerichte in 
Sckhung auf Preuffen S. 214. 

3) Bulle des Papftes, d. Romas IV Idus Juni 1447. p. a. 
—— XI. 5. Mir werden ſpaͤter auf dieſe Sache zuruͤck⸗ 


VL. 9 


180 Streit wegen des Deutſchmeiſters. (1447.) 


gebracht warden, von benen er das Recht hatte een zu bes 
ſtaͤtigen. Diefer Gebrauch war nun aber fchon einigemal und, 
wie man behauptete, auch bei der Wahl bed Deutſchmeiſters 
Eberhard von Saunsheim nicht beachtet worben., Schon bei 
der Wahl des legten Meiſters Eberhard von Stetten war bie 
Sache ernfthaft zur Sprache gekommen, fo daß der Hochmeis 
fler diefen ebenfalld nur allein vorgefchlagenen Deutfchmeifter 
nur unter ber Bedingung betätigt hatte, daß bie Gebietiger 
ausdruͤcklich erklaͤrten, fich in der Folge ſtreng an bie alte 
Sitte halten zu: wollen. Diefe Erklärung auszuflellen war 
aber nicht nur verabfdäumt worden, ſondern bie Gebietiger 
hatten jest abermald nur den Komthur von Mergentheim zur 
Belstigung in Vorſchlag gebracht, vorgebend, fie wollten ba 
durch keineswegs die Rechte und Winde des Hochmeiſters be 
einträchtigen, fondem nur ben bei einem boppelten Borfchlage 
“fo leicht moͤglichen Zwieſpalt verhüten. Der Hochmeifter ließ 
ihnen indeß im Kapitel gu Frankfurt erklaͤren: ex wolle ihrer 
Bitte zwar noch einmal willfahren und den vorgefchlagenen 
Joſt von Venningen beflätigen, jedoch nur unter der Bedin⸗ 
gung, daß fie zuvor eine ihnen vorgelegte Erklärung unterzeich⸗ 
neten: daß fie füch inskuͤnftige ſtreng an bie alte Bitte des 
Vorſchlages von zweien halten wollten. Nach langen Unter 
bandlungen mit den WMachtboten bed Hochmeifterd zu Frank: 
furt und auf einem Zage zu Mergentheim? fügten fich end 
Ulich zwar die Gebietiger und ſchlugen noch den Komthur von 
Marburg Erasmus von Merrhaufen nach alter Sitte vor und 
ber Hochmeifter ertheilte nun dem Erſtgewaͤhlten die Beftdtigung: ? 

1, Aufträge des HM. für die Sendboten zum Kapitel in Zranl 
furt Schbl. 9. 12. 

2) Die Kapitelverhandfungen zu Sranffurt in einem Berichte des 
Komthurs von Mewe Ludwig v. Erlihshaufen Schbi. DM. 19. In 
Mergentheim beriefen fi die Gebietiger auf das Geſetz des Ordens⸗ 
buches: man folle feine Parteien machen, 

3) Die Beftätigungsurfunde des HM. d. Mar, Dienft. ver Gis 
mon und Judaͤ 1447 Regiſtr. VII. 367. Schr. des HM. an ale 
Drdensbrüder in Deutfchland, d, Mar. Mittw, vor Simon und > a0 
1447 ebendaſ. p. 368. 





=. 


EStreit wegm eb Deutſchuutſtero. (1447) 181 


Weil er aber in die Beſlegelung einer ihm von ben Gebie 
figern zugefanbten Note, worin er erklaͤren follte, daß er 
die Fünftige Art des Wahlgeſchaͤſtes eines Deutſchmeiſters dem 
naͤchſten Orbenslapitel zur Entichelbung unterwerfen wolle, 
durchaus nicht einwilligte, vielmehr ben neuen 
auf den Inhalt der Ordensregeln hinmieß, D ſo zögerte Kiefer 
nicht nur erſt lange Zeit mit der Uebernahme des Amtes, fonts 
bern bebrängte ben Hochmeiſter ſelbſt auch: nit neuen Schulb⸗ 
forderungen, 2 erklärte fogar enblih: der Hochmeiſter möge, 
wenn er jene Erfidrung nicht audftellen wolle, das Amt licher 
einem andern Übertragen. Da fchien biefem jetzt ein ernſter 
und nachdruͤcklicher Schritt nothwendig. Well die Wahl und 
Beftdtigung jet völlig dem Geſetze und Herkommen gemäß 
volifüihrt war, fo fandte er dem Deutfchmeifter gegen Oſtern 
des naͤchſten Jahres eine neue urkundliche Beſtaͤtigung zu und 
befahl ihm als oberſtes Ordenshaupt kraft der ihm zuſtehenden 
Macht dad Amt ohne weiteres zu übernehmen. Joſt von 
Benningen fand nun auch für gut, keine Hinderniſſe meht 
entgegen zu ftellen. ®) | 

Waͤhrend aber Konrad in ſolcher Weiſe mit der inner. 
Sonbeöverwaltung und mit ben Angelegenheiten bed Ordens 
beſchaͤftigt war, erfüllten ihn die Streithänbel mit dem Kurfin- 

fen Zrieberih von Brandenburg Immer mehr mit Sorgen, 
— ſie nahmen ſeit dem Anfange dieſes Jahres zum Theil 
wegen eines blutigen Zuſammentreffens von Unterthanen des 
Ordens und des Kurfinſten auf der Oder einen Charakter an, 
der ihm in Ruͤckſicht der Sicherheit der Neumark immer groͤ⸗ 


1) Schr. des HM. an den oberfien Gebietiger in Deutſchland, d. 
Mar. Mittw. vor Simon und Judaͤ 1447 Regiſtr. VII. 367, 

2) Schr. des Statthalters Joſt v. Benningen an d. AM. d. am 
GteppandsTag in Weihnachten 1447 Schbl. 98. 4. Ex verlangte vom 
H. die Bahlung von 10,000 Bulden. 

3) Die Behätigungsurt. des HM, für Joſt von Bermingen, ®. 
Mor. Donnerfl. nad Oſtern 1448 Schbl. 98. 7. Schr. des HE, an 
die Gebietiger in Deutſchland, d. wie vor Regiſtr. WII. 454 — 435. 
Abſchrift der Beſtaͤtigungſurk. ebendaſ. p. 435 - ABS, 

9 % 


132 Verhandlungen mit dem Kurf. v. Branbenb. (1447.) 


Gere Bedenklichkeit erregte. Ungewiß fiber des Kurflrfien. Ab⸗ 
- Fichten, erfieß er daher an den Vogt der Neumark den Befehl, 
Schloͤſſer und Städte dort aufs beſte In wehrhaftem Stande 
zu halten, Überall auf der Hut zu feyn und insbeſondere die 
Graͤnzen mit Bugiehung ber noͤthigen Huͤlfsmannſchaft bes 
Vogts von Schievelbein ſtark zu befetzen.“) Go unbeẽdeutend 
auch die Gegenſtaͤnde des Streites, der Bruͤckenbau bei San⸗ 
tock und die Zahlung der ſechshundert Gulden an ſich felbſt 
ſchienen, fo. großes Gewicht erhielten fie. Doch durch bie Art, 
wie der Kurflrft die ganze Sache behandelte, denn fo oft ihr 
auch der Meifter um Verhandlungstage zur Ausgleichung bie 
fee und der übrigen Irrungen erfuchte, fo wuͤrdigte ihn ber 
Kurfirft lange Zeit fogar nicht einmal einer Antwort. 9 
Markgraf Hans von Brandenburg erbot fich zwar zur Wer 
mittlung auf einem Werhandlungstage bei feiner Ruͤckreiſe aus 
Juͤtland (me et den König Ehriftoph von Dänemark befuchtes) 
ber Hochmeifter nahm dieß gerne an,? fandte au, ald ber 
Tag zu Frankfurt a. d. OD. vom Kurfürften genehmigt war, 
als Bevollmächtigte den Komthur von Tuchel Heinrich von 
Mabenftein und einige andere dahin ab,® ſuchte zugleich auch 
den Kurfürften durch das Gefchen? einer Anzahl der ſchoͤnſten 
Jagdfalken, bie fich dieſer gewünfcht hatte, von feiner freund⸗ 
lichen Geſinnung zu uͤberzeugen.) Allein ber Tag mußte 
1) Schr. des HM, an d. Vogt der Neumark, d. Bar. Mittw. 
nach Beſchneid. Chriſti 1447. Schr. des HM. an d. Vogt v. Schie⸗ 
velbein, d. Dar. Freit. nach Nativit. Chriſti 1447 Regifte. VII. 156. 
158, 


2) Schr. des SM. an d. Kurfürften v. Brandenb. d. Mar. am T. 
Epiphania Dom. 1447. Schr. des HM. an d. Vogt der Neumark d. 
Mar. Sonnab. nah Epipkan. 1447 Megiſtr. VII. 158—159, 

3) Schr. des HM. an den Kurfürften v. Brandenb. d. Toltenrtet 
Mont. vor Purif. Marlä 1447 Regiſtr. VIII. 162. Sr. d. HR. anf 
d. Bogt dee Neumark, :d. Balga am T. Blaſii 1487 ebenda. p. 163, 

4) Schr. d. HM. an den Kurfürften v. Brandenb. d. Warten ame 
C. Mathid- 1847 Regiſtr. VII. 179. SInfiruttion Nr die Botſchafter 
Beglfit. VII. 341 - 552. 

5) Ohr, des HM. an den nn een » Branden, u Mar. 
Dienß. nach Srdica 1447 Regie, VII 


Verhandlungen mit dem Kurf. v. Brandenb. (1447) 333 


zweimal verichoben werben, weil Markgraf Hans, auberwaͤrts 
vielfach befchäftigt, dort nicht eifiheinen kormte. Der Kurflrft 
warf mittlerweile wieder neue Streitpunkte anf, theild den Jol 
ki Kuͤſfrin, theild die Graͤnzen ſeines Landes Betreffend. N 
Somit über deſſen Abſichten immer beforgter hatte : ber Hochs 
meiſter nicht nur bem Procurator in Rom mit ſichtbawer Aengſt⸗ 
lichkeit den Auftrag ertheils, beim: Papfte eine Beflätigunges 
bulle über Friederichs Werzichtläiftung auf bie Numark audzus 
wulen,, 2 fonbdern auch der Vogt ber Neumark warb aufs 
ernfichfke von neuem gemahnt,. die Schlöffer und Btäbte iin 
forgfames Berwahrung zu halten?) Der ganze Sontmer ging 
zun mit Verſuchen wegen neuaufzunchmender: Berhandiungs⸗ 
tage bin, Die der Kurfitſt immer weiter hinauszufchieben 
wußte. Endlich kam man zwar uͤber einen ſolchen Tag über: 
an; allein bed Hochmeiſters Votſchafter waren kaum dahin 
abgegangen , als der Vogt dev Neumark eilkäft berichtete: es 
gehe in der Altmark überall das Geruͤcht, des Kurfuͤrſt finne 
auf Krieg gegen den Orden, habe üuͤber biefen beim Könige 
von Polen nicht nur ſchwer geklagt, ſondern auch um: Huͤlft 
nachgeſucht; ex habe felbft gedußert: er wolle ſich nur erſt mit, 
den Miederlänbifchen Fuͤrſten friehlich verſtaͤndigen, dann ſich 
mit diefen verbinden und darauf den Orden föfort angteifen. 
Vie es ſcheint, hatte der Kurfürft ſelbſt dieſes Geruͤcht veran⸗ 
laßt, um den Meiſter einzuſchuͤchtern, und er. ‚eneiile feinen 


1) Er des HM. an marigtr. Sans v v. Vrandenb ꝑ. Mar. 
Ritt. nach Palmar. 1447. Schr. des HM. an d. Vogt v. Schievel⸗ 
bein, d. Mar. Freit. nach Oſtern 147. Schr. des AM. an Marker. 
Sant v. Brandenb. d. Danzig am T. Gtanislai 1447 Negifir. VIII 
208. 215 — 217. 219. 238, Snßruction für die Sefandten Regiſt. 
vo. 563. Sqhbl. XU. 70. 

2) Schr. des HM. an db, Procurator, d. Mar. am obneben 197. 
Rısifir. VIII. 210, 22, “ 

3) Schr. des HAM. an d. Vogt der Kemer, d. Mar, Streit 
nah Himmelf. 1447 Regiftr, VIII. 245, s 

4) Die vielfältigen Verhandlungen darüber in Bär. des HM. 
an d MWarfgr. Hans, den Rurfärften u. a. Regifir. VIH. 255 — 256, 
264 — 2653. 288. 292. 


134 Bechaltniſſe d. HM. „> d. Herzogen v. Pommern. (1447.) 


Zweck, denn mit großer Aengſtlichkeit ſandte dieſer ſeinen Bot⸗ 
ſchaftern den Auftrag nach, aufs eiligſte und dringendſte noch⸗ 
mals die Vermittlung des Markgrafen . Hand in Anſpruch zu 
nehmen. und ihm zugleich auch zu entbeden, daß eben jene 
Miederlaͤndiſchen Fürften bemüht geweien feven, den Orden 
ſelbſt gegen den Kurfürften aufzuhegen.? Indeß was auch 
an dem Berlichte. wahr oder nicht wahr ſeyn mochte: Die Folge 
war, haf die Drdendgefandten ſich auf dem Verhandlungstags 
wachgiebiger bewiefen und in bie Zahlung ber. ſechshundert Guls 
den enblich einwilligten, die im Verlaufe diefed Jahres dam 
auch noch erfolgte. ? Der Streit über ben Bruͤckenbau, über 
den man ſich nicht verfiändigen Eonnte, verblieb auch ferner 
zur Entſcheidung ded Markgrafen Hand geflellt.? 

Diefe Stellung des Ordens zum Kurfürfien war: aber 
wicht obne Einfluß auf die Werhältniffe des Hochmeiſters zu 
ben Herzogen von Pommern geblieben. Mit einenmale naͤm⸗ 
lich trat Herzog Joachim von Stettin mit ber Behauptung 
hervor: ber Orden ſchulde ihm nach eine namhafte Geldſumme, 
die man ihm in ber Zeit, als die Huffiten in der Neumark 
gelegen, für bie Verluſte, Verheerungen und Brandſchatzungen 
als Entſchaͤdigung verbeißen, fofern er ben Ketzern ben ver 
langten Beifland verweigern werbe. Dem Hochmeiſter war 
bie Forderung ebenfo befrembend, ald die Sache unbekannt. ® 

1) Schr. des HM. an feine Eendboten, d. Gerbauen Dienf. vor 
Kathebr. Petri 1447 Schbl. XII. 71. 

2) Schr. des HM. an db; Begt der Neumark, d. M. Gonnt. nad 
Aller Heil. 1447 Regiftr. VII. 375 Quittung des Rurfürften über 
den Empfang der 600 Gulden, d. Spandau Mont, nad Lucik 1447 
Schbl. 44. 5. 

3) Der Vertrag bes Kurfuͤrſten v Brandenburg mit dem HM. 
über die obenerwähnten Verhaͤltniſſe, d Frankfurt a. d O. am Gonat, 
nad Laurentii 1447 in Baumer Cod. diplom, Brandenb. T. I. 
p. 901 — 303. 

4) She. des Pflegerö v. Butow und des Komthurs v. Danzig 
and. HM, d. Sulmyn Mont. nah Sdolaſticaͤ 1447 Scqhbl. XV. 
109. Schr. des HW. an d. Vogt v. GSchievelbein, d. Stuhm Freit. 
nah Laͤtare 1447. Chr. des HW. an den Herzog v. Stettin, d. 
Stuhm amı 3. Annuntiat. Mariä 1447 Repifte. VII. 186 — 187. 


Berhaͤltniſſe d. HM. zu d. Herzogen v; Pemmem. (1447.) 185 


Der Herzog indeß hatte die Serberung, . wie ok ſcheint, auch 
mx getban, um einen andern Plan durchzuſetzen, denn fein 
ber Rieberländifchen Herzoge Wuof ging. eigentlich das⸗ 
bin, bad frühere Bünbnif mit dem Diden entweder feſter 
**8 oder eine neue engere. Verbindung mit ibm einzu⸗ 
hen. Wie wichtig ihm dieß in feiner Gtellung. zum SKınp 
hey son Brandenburg war, bewies ‚bie Eile, mit ber er 
betrieb. Allen fo erwimſcht be Hochmeiſter auch 
Verhaͤltniſſe zum Kurfürſten ein ſolches Buͤndaiß 
„ fo war gerade eben dieſes Fuͤrſten wegen bie 
noͤthig. Ex ließ fich Daher ganz -inögeheim mit 
e über Ziel und Zweck ber neuen Verhindung in 
erhandlung sr? Man ſchlug ihm vor: das 
folle, wie ſchon das fruͤhere, mit Ausnahme des 
„ des Kaiſers und der Könige von. Daͤnemark mp 
‚ gegen jeben gerichtet ſeyn, der es wagen werde, Die 
Länder des Ordens oder der Herzoge von Vommern mit Krieg 
zn überziehen ober irgendwie zu befchäbigen. Man drang in 
den Hochmeiſter, fich ſobald als möglich offen zu erflären, 
weil widrigenfalls die Herzoge nicht. abgeneigt feyen, fich mit 
dem Kınflrflen auf einem nahen Tage auszuſoͤhnen und mit 
ihen ein folched Bimdniß einzugehen. Da nun bee Markgraf 
Hand von Brandenburg fi wirklich um eing Verbindung 
zwischen feinem Bruder und dem Herzoge Joachim fehr be 
mühte, fo bedurfte ed des Meiſters ganze Klugheit, um die 
Herzoge fo lange hinzuhalten, bis feine Berhältnife zum Kur 
fünften fich guͤnſtiger geftelt hatten, ® M 
Auch mit dem Könige von Polen hatte fi & ber aurfurſt 
dem Geruͤchte nach gegen den Orden verbinden wollen; allein 


1) Des erwähnte Schr. des Pflegers v. Buͤtow Schbl. XV. 109. 

2) Schr. des HM. an den Herzog v, Stettin u, an den Vogt 
v. Schievelbein, d. Stuhm om T. Annuntiat. Maria 1447 Regiſtr. 
VIIL 186 — 187. 

3) Schr. des Pflegers v. Buͤtow an den HM, d. Donnerfl, zu 
Dftern 1447 Schbl. XV. 18, Vol. Sell Beihichte v, Pommern 
8. 1, 6%, 


PER 


I 


Hi 


186 WBichätchiife das HM. zum Anlze v. Polen. (1487.) 


von ba her. wor für diefen wenig zu fürchten. Fielen auch 
mit den Polnifchen Sränzhauptienten ; befonberd beiten zu Rafs 
fau und Bromberg Über weggenommene Kaufgfiter, Privatver 
legungen und @erichtöverhältniffe ber ‚beiberfeitigen Unterthanen 
wohl häufig. unangenehme Rebungen vor, fo warb doch da⸗ 
durch der allgemeine Friede keineswegs geſtoͤrt.) Dafuͤr birgte 
ſchon das freundliche Verhaͤltniß des Hochmeiſters zu den hoͤhern 
Veichsbeamten und beſonders bie perſoͤnliche Freundſchaft zwi⸗ 
ſchen ihm und deni beim Könige in hohem Anfehen ſtehenden 
Erzbiſchoſe von Gneſen, denn beide wetteiferten mit einander 
in Geſchenken, Ehrenbezeugungen und Gefaͤlligkeiten jeglicher 
At? und ber in ganz Polen fo hochgeachtete und einſtußreiche 
Maͤlat benußte jede Gelegenheit, dem Meifter feine —— 
Zuneigung zu erkennen zu geben und alles zu beſeitigen, was 

das friedliche Verhaͤltniß hätte ſtoͤren koͤnnen.) Auch mit 
dem Könige Kaſimir ſelbſt, der ſchon als Großfuͤrſt von Lits 
thauen dem Orden ſtets bie frieblichften und freundlichfen Ges 
finnungen bewährt, fland der Meifter im beften Vernehmen. 
Ben ihm felbft zum Königskrönung im Juni dieſes Jahres nach 
Kirakau eingeladen, fanbte biefer, durch viele Geſchaͤfte gehin⸗ 
bert, als feine Stellvertreter den Ordensſpittler Heinrich Reuß 
von Plauen, den Komthur von Mewe Ludwig von Erlichs⸗ 
haufen und mehre andere auserwählte Sendboten bahin, *) zus 
gleih mit dem Auftrage, ben König und bie Reichsgroßen zu 
dem im Vertrage zu Brzeſc feflgefegten Eid auf ben ewigen 
Frieden zu beflimmen (weil dieſer von jebem neuen Könige und 
alle zehn Jahre auch von ben Reichögroßen und ben Ordens⸗ 


- 4) Darüber eine Menge v. Schr, des HM. an die Poln. Haupt 
leute aus dem 3. 1447 Regiftr. VIIL 551. 552, 568. 582 u. f, 

2) Schr. des Erzbiſchofs v. Gneſen an d. HM. d. Dienf nad 
Thomaͤ 1446 Schbl. XV, 74 u. ein anderes, d. am Sonnt. Res 
minifcere 1447 Schbl, XIV, 87. Sr. des AM. an den Erzbiſchof, 
d. Raftenburg Sonnt. Invocavit 1447 Regiſtr. VIIL 561, 585, 600 — 
601, 618. 

3) Beifptele in erwähnten Schreiben. 

4) Diugoss. T. IL 27. 





Vexrhaͤltniffe des HM. zum Mnige v. Yalım. (1447.) 137 


gebietigern erneuert werben follte), dann aber auch zur Schlich⸗ 
tung aller obwaltenden Gteeithändel und Beſchwerden ber Un⸗ 
terthanen um einen gemeinen Richttag zu bitten, wie er nach 
Inhalt des ewigen Friebend von Zelt zu Zeit Statt finden 
follte, D worliber jeboch im Werlaufe des Sommers noch viel- 
fach. verhandelt wurde.) Co widerlegte ber Meifler am beften 
die von mißigen Köpfen: ſchon im vorigen: Sabre in Polen 
verbreiteten Gerlichte von Kriegſtuͤſtungen bes Ordens zu einem 
Angriffe auf das Königreich während. des jungen Koͤniges neuer 
Begentichaft, weshalb fich der Hochmeilter vom Gondiikm zu 
Bafel vom ewigen Frieden folte haben losſprechen laſſen. Die 
Sache war dieſem auch ‘fo wichtig, daß er ſich vom Concilium 
ein foͤrmliches Zeugniß über die unwahrdeit ber Sauchtt aus. 
ſtellen ließ. 2) 

Balb darauf aber gab er dam Könige noch einen andern 
Beweis feiner Zreundfchaft und Gefälligkeit. Der geächtete 
Herzog Michael, längft nach dem großfünftlichen Stuhle von 
Litthauen flrebend, hatte den Plan im Werke, entweder im 
Stillen mit nur wenigen Pferden fich dutch Preuffen hindurch⸗ 
zuftehlen, oder, wenn bieß nicht möglich, mit flärferer Macht 
fi) His Litthauen freie Bahrı zu brechen. Der König von Po: 
In, bavon benachrichtigt, melbete dieß indgeheim dem Hoch⸗ 
meifler, mit der Bitte, den Herzog nirgends durchzulaſſen. 9 
Konrad ertheilte fofort auch an bie Gränzen ben Befehl, ben 


1) Schr. des HM. an d. Erzbifchof v. Gnefen, d. Sobomwik Freit. 
nach Eantate 1447 Regiſtr. VIIL 585 u. d. Mar. Dienft. zu Pfingſt. 
1447 ebendaf. p. 589-590. Aufträge des HM, für die Gefandten 
Schbl. XXV. 86, Vollmacht für diefelben Megiftr. VI. 252— 253, 

2) Credenz⸗ und Vollmachtsbriefe für den Komthur v. Chez, 
& Mar. au T. Aſſumt. Mariä 1447 Regiſtr. VIU, 313 — 314. 
vn. 516, u 

3). Die Bulle des Conciliums zu Baſel, d. Basilene IV Cal, 
Septemb. 1446 bei: Dagiel 'F. EV. p. 1 — 140. Das Eoneilium 
widerlegt die Gerüchte auch in einem Schr. an den Bifchof v. Krakau. 

4) Eoyalowicz P. II. p. 108. 108. 

53) Disgoss. T. IL 38 — 26. 


138 Wechkttniife dub HPR. ya Rlnige v. Polen. (1447.) 


Bünfben, wo man ihn finde, zuruͤckzuweiſen.) Diefer kam 
nun zwar beim Meifter bald bittenb ein: ihm zu gönnen, fich 
nach Preuſſen begeben und da verweilen zu bürfen oder boch ihm 
ben Durchzug nad) Livland zu geſtatten. Da beided abgefchlagen 
und ihm gemeldet wurbe, Daß ed dem ewigen Frieden wider⸗ 
ſtreite, fo griff er zu einem Wagſtuͤck, kam mit vierzehn Pfers 
den durch die Wildniß ſuͤdwaͤrts von Allenſtein und zog beine 
lich, jedoch nicht unerkannt, durch Koͤnigsberg. Des Orbend 
marſchall ließ ihm alöbald nachfegen und ſechs Meilen die 
feitö ‚der Memel warb er eingeholt, Er entlam zwar auf dem 
Rüdwege der Wachſamkeit feiner Führer, ritt in Wäldern und 
Bröchen umber mit nur vier Pferden, ließ endlich auch biefe 
laufen und ging zu Fuße, um unerkaunt zu bleiben. Er waid 
indeß dennoch in einem dichten Walde aufgegriffen und nad 
Körigäberg gebracht. Won da mußte er des nämlihen Weges 
wieber zurüdreiten, auf dem er durch die Wilbniß gekommen 
war. Der Meifter gab fofort auch den Könige Nachricht von 
dem Ereigniſſe,“ zugleich bei den Herzogen von Mafovien fid 
entfchulbigend, baß er des ewigen Friedens, ſowie feines Eides 
und feiner Ehre wegen gegen ben Herzog nicht anders habe 
handeln können. Man wußte nicht, wo der Flüuͤchtling bin 
gekommen fey. Erſt im Anfange des naͤchſten Jahres konnte 
der Hochmeifler dem Könige melben: der Fürft ſey kurz vor 
Weihnachten mit zwei Pferden beim Herzöge Konrab von Oels, 
dem alten weißen Fuͤrſten erſchienen, mit der Witte, beim Koͤ⸗ 
nige um Gnade für ihn anzufuchen. ® 


1) Schr des AM. an db. Meiſter v. Livland, d. Thorechten⸗Hof 
Mont. nach Nativit. Mariä 1447 Regiſtr. VII. 348. 

2) Diugoss. 1 e fpridht von einem Commendator Pratenicas, 

3) Schr. des HM. an d. König dv. Polen, d. Stuhm Dienſt. 
nach Bali 1447 Regiſtr. VUL. ‚603. 

4). Chr. des HM. an die Hemoge Flotho u. Bollo von Maſe⸗ 
vien, d. Mar. Dienſt. vor Simon u. Jubä 1447 Regiſtr. VII. 603. 

5) Schr. des HM. au d. König v. Polen, d. ar, Freu. vor 
heit, drei Könige 1448 Regiſtt. VEIL 609, . Diugess. .T. 2. 35. 





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Kriegähfife voch Fidand. 11447,) 189 

Dad Jahr ging jebech nicht ganz ohne kriegeriſche Sewe⸗ 
gengen vorlber. In Folge eines Buͤndniſſes nämlich mit Koͤ⸗ 
nig Chriſtoph von Dänemark hatte des Meifter von Liplaub 
einen Kriegszug gegen Nowgorod beſchloſſen, wozu er auch bie 
Beihülfe ded Hochmeiſters in Anfprud) nahm. Der Krieg 
gegen die Ungläubigen — denn als ſolche galten noch Die Rufe 
fen — fchien Diefem immer noch bie erfle Pflicht des Ordent, 
weshalb er fich nicht wir an ben Papft mit ber Bitte wandte, 
ihn bei dieſem Kampfe zus Demüthigung des ungläubigen Wels 
tes mit dem im Lande gefammelten Ablaßgelde zu unterſtuͤ⸗ 
gen, 2 fonbem auch an ben Deutfchmeifter und andere Gebie⸗ 
tiger in Deutfchland bie Aufforderung ergehen ließ, theils ſelbſt 
wit Kriegshülfe herbeizueilen, theils Die Fuͤrſten und bie Deutfche 
Ritterichaft zu ermahnen, zum Dienfte der Jungfrau Maria 
aufzuftehen, wie in alten Zeiten im Kampfe gegen bie Ungldus 
bigen Ritterdienſt zu uͤben und „bie gottiofen Abtrimnigen an 
ben Ufern des Wolchow zu bemüthigen.”3) In Preuffen bes 
gannen kriegeriſche Ruͤſtungen, jedoch nicht ohne bebenkliche 
"Schwierigkeitm. Schon faft gewohnt, fi) bald diefer bald 
jener Pflichtleiftung gegen hie Landesherrſchaft zu widerfehen, 
weigerten fi in mehren Theilen des Lande die f. g. Heinen 
Freien, obgleich laut ihren Verſchreibungen jeber Zeit zum 
Kriegsdienſte verpflichtet, fo oft und wohin der Drben ihn vers 
laugte, dem Aufgebote Folge zu leiften, bald fi) auf anbere 
Gebiete berufend oder darauf, was das ganze Land thım 
werbe, bald verlangend, daß man auch die Städte zur Kriegs⸗ 
bülfe auffordern ſolle. Der Komthur von Elbing mußte daher 
in mehren feiner Kammeraͤmter durch fcharfe Drohungen die 


1) Bol. Gadebuſch Livl. Jahrb. B. I. 123, Raramfin 
2. V. 235 — 246, wo biefe Kriegsereigniffe nach Mittheilungen aus 
dem geh. Archiv zu Königsberg erzählt find. 

2) Schr. des HM. an d, Procurator, d. Mar. Gonnab, vor 
Palmar. u. Sonnt. nach Judica 1447 Megifir. VIIE 200 — 201, 

3) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter u. den Komtbur v. 
Mergentheim, d. Holland Sonnt. dor Lätare 1447 Megifir, VIII. 183, 
231. Karamfina. a. O. 


- 


J 


140 Krlegshuͤlſe nach Livland. (1447.) 


Sewohner zu ihrer Pflicht zwingen, denn ſelbſt auch nur brei 
bis fuͤnf Gewappnete aus einem Kammeramte aufzubringen, 
koſtete oft große Schwierigkeiten.) AS es endlich gelungen 
war, einige Heerhaufen aufzuſtellen, ließ der Meiſter den einen 
unter der Fuͤhrung des Vogts von Roggenhauſen, eines kriegs⸗ 
gewandten Hauptmannes, in Danzig einſchiffen; ) ein anderer 
aus Fußvolk, Reiterei und ſchwerem Geſchuͤtze beſtehend, zeg 
mit einem ſehr geſchickten Buͤchſenſchuͤzen zu Land von Memel 
ans nach Rarwa.? Als man indeß bald Nachricht erhielt, 
Daß auch bie Moskauer, Walachen und Zataren ben Nowgo⸗ 
rodern zu Huͤlfe kommen und die Macht des Feindes außeror⸗ 
dentlich verfiärfen winden, ® ſank die Hoffnung auf den Sieg 
der Ordenswaffen fchon mehr und mehr. In allen Conven⸗ 
ten bes Landes wurden feierliche Gebete fir das Glüd ber 
chriſtlichen Waffen gegen die Heiden angeordnet und jede Woche 
bis zum Michaelisfeſte Meſſen und feierliche Umgänge gehalten 
‚zu Lobe Maria's der werthen Jungfrau, allen Heiigen zu 
Ehren und der ganzen Chriftenheit zu Troſt und Mehrung, 
auf daß Gott durch ſolch inniges Gebet gefanftmüthiget den 
Seinen wider die abgefchnittenen Ruſſen und bed Krane 
Chriſti Feinde feinen göttlichen Steg verleihe.“) Dennoch be 
kam ber Meifter im Auguſt die traurige Kunde, daß es al 





1) dr. des Komthurs v. Eibing an den HM, d. Holland am 
T. Walpurgis. 1447 Schol. X. 27. LXXVI. 66, Der Komthur weiß 
keinen andern Rath, als denen, die der Aufforderung nicht Folge lei⸗ 
fteten,, ihre Guͤter zu entziehen. 
2) Schr. des HM. an d. Meifter v. Livland, d. Mar. Donnerfl. 
wor Pfingfl. 4447 Regiſtr. VIIL 253. Schr. des Komthurs an den 
HM. 0. D. Schbl. X. 29, 

3) Schr. des HM. an d. Meifter v. Livland, d. Mar. Abend 
Eorpos. Ehr. 1447 Regiftr. VIIL 258 — 259, Karamfin 2, V. 
366; vgl. audy Regiftr. VIII. 261. 

4) Schr. des HM. an d. Meifter v. Livland, d. Dar. Sonnt. 
nad Corpor. Chr. 1447 Regifir. VIIL 261 — 262, 

5) Befehl des HM, an die Komthure wegen der Gebetsordnung, 
d. Mar. am T. Johannis Bapt. 1447 Regiſtr. VIIL 231, In al 
Meſſen folle die Collecte contra paganos eingelegt werden. 


Drbenlapitel. (1447.) 141 


der Rarwa, am deren beiberfeitigen Ufern bie Streicheere ſich 
suigefiellt, zu einem fchweren Kampfe gelommen fey, die Ruf 


fm mehre den Strom hinaufſegelnde Schiffe des Ordens Aber | 


küm, bie Mannſchaft theils erfchlagen, theils ‚gefangen ges 
namen, alles auögeplünbert und verheert und. dann fich in 
ie Sand zurückgezogen hätten. Ueber hundert Mann vom 
Lregvolke aus Preuffen waren im Gefechte geblieben ober in 
Scangenfihaft gerathen, ein Verluft, ber durch eine bedeutende 
Jah von gefallenen Livlaͤndern noch erhöht, burch bie vom 
Enlinbiichen Meiſter bei einem Einfalle ind feindliche Land 
veihte zehntägige Verheerung und Plümderung keineswegs aufs 
geegen ward. ®) 

Da berief der Hochmeifter gegen Ende des Jahres ins 
Herychaus Marienburg ein allgemeines Ordenskapitel, denn 
sneen fir dad Fommende Jahr 1448 fehr wichtige Ver: 
Mätniffe zu berathen.“ Zunaͤchſt hatte man durch die veran- 
jalete Bifitation der Ordenskonvente manchfache Unsrbnungen, 
Oegeibrigkeiten und Vernachläffigungen im Wandel und in 
ker Lebensweiſe ber Ordensbruͤder entdeckt, denen nothwenbig 
miggengewirft werden mußte. Der Gotteöbienft, wie ihn bie 
Lexl verlangte, warb in vielen Drbenöhäufern fehr fdumig, 
u manden wenig oder gar nicht gehaiten; in mehren Ordens⸗ 
lawenten handen fich die Brüder wenig an die vorgefchriebenen 
bertgeſeze; man ließ häufig die Orbenäburgen unbekuͤmmert 


‚DE find Hier dieſe Erelgniffe nur kurz beruͤhrt worden. Gpes 

er Nachrichten, Die jedoch der Gefchichte Preuffens fern Liegen, In 

Ede. des SER. an den Procurator zu Rom, d. Mar. Donnerft, nach 

Yaundi. Mariä 1447 Megifir. VIII. 315 und mehren andern. Aufs 

Mt iR, daß Karamfin B. V. M6 — 247 über ‚die für ihn fo 

Niederlage des Ordensvolkes nichts ſagt, vielleicht weil man 

Im, obgleih er ©. 363 — 367 fo vieler aus dem Königsberg. Archiv 

Rachrichten über dieſe Ereigniſſe erwähnt, gerade die über 

N Eifalg der Unternehmung fpredhienden Schreiben des HM. nicht 
Wigetheile hatte. 


| ‚9 Sutfäreiben bes HM. zum guofien Kapitel, d. Tuchel Sonnt. 
meriiai 1447 Megiſtt. VIIL 3390 3800. Das Kapitel folte ger 
* en weiten om Sonntage nach Lucia. . 


} s 


12 Orhenctapitel. (1447) - 


in Verfall geraten, während aus Eigennutz bie Waͤlder durch 
WVerkauf des beften Bauholzed oder durch zu große Vermehrung 
der Dechöfen immer mehr verwüftet und verwahrloft wurden. V 
Zur Abſtellung diefer und anderer Unorbnungen warb im Div 
denskapilel feſtgeſetzt: es folle fortan jedes Jahr in allen Kom 
denten zweimal genau unterfucht werden, ob man den vorge 
fhriebenen Sotteöbienft fleißig und pünktlich halte; ber Kone 
thur jedes Hauſes folle darauf fixeng achten und feine Kom: 
ventsbruͤder zum ordentlichen Beſuche der gottesdienſtlichen Zei⸗ 
ten mit Ernſt und Nachdruck ermahnen mit ſtrenger Ahnung 
gegen die Saͤumigen. Deögleichen folle darauf gefehen wer 
ben, daß am Sonntage Kapitel und über Tiſch die Lection 
gehalten, Spazieren ohne Urlaub abgeftellt, den Ordensbruͤdem 
ihre Speifen und Getränke gut bereitet, hinreichend und wohl 
genießbar dargereichet würden und zwar ftetö auch zu rechter 
Zeit. Die Spitale ber Ordenshaͤuſer follten einer genauere 
Aufficht unterworfen und alle -Mängel und Gebrechen dem 
Meifter von Zeit zu Zeit angezeigt werden. Die Gebietiger 
mb Amtleute folten ihre Häufer und Gebäude ſtets in gutem 
Stande halten, Wälder und Heiden, die zu ihren Aemtem 
gehörten, burch Holzverkauf nicht zu Grunde richten, fondem 
daraus nur fo viel nehmen, ald zu ihrer Häufer Bediͤrfniſſea 
nothwenbig fey; nur beftimmte Holzgattungen unb was bie 
Ordenshaͤuſer entbehren koͤnnten, möchten zum Verkaufe ge 
bracht werben. Pechoͤfen folle man ganz abftellen, mit Aus 
nahme derer in ber Nähe der Wildniß, wo fie bem Lande we 
ſchaͤdlich ſeyen.“ Ueberall ſolle man bie Mälder fchonen, „da⸗ 


1) Rundfchreiben des HM. an bie Gebletiger u, Amtleute v. I 
1448 Schbi. LXXI. 52, 

2) Die genaueren Beſtinmungen über die Abhaltung bes GSottes⸗ 
dienſtes Negiſtr. VII. 400. SH. LXXL 5% - 

5) Ramentlich bet Ragnit, Inkerburg, Serdauen, UAngerburg, 
Löpen, Lyck und Johannisburg. Schr. des Komthurs v. Elbing am 
d. HM. d. Mehrungen Donner. mad Epiphan. 1448 GAB. XXII. 
20. Ecqhr. des Vogts v. Dirſchau an d. HM. d. Reuenbarg Donntt 
nach Margar. 1448 Sa, LXIV, i 


Innere Orbencbicciplin. (1448.) 143 


mit bie, die nachkommen, auch nach Rothdurſt zu bauen has 
km" Bon ben in den Ordenburgen aufgefchütteten Getreide 
fein die Gebietiger und Amtleute nichts verfaufen und was 
fe vafanft, aus eigener Rechnung wieder erfehen, benn fie 
Yen ed nur in Verwahrung und feyen dem Meifter dafuͤr 
muutwortiich, Endlich forderte der Hochmeifter die Gebietiger 
wb Drbenäbeamten auf, auf biefe und uͤberhaupt alle Gefehe 
ar Drbsumgen zeit aller Strenge zu wachen. ? 


Richts ſchien Überhaupt dem Hochmeifter zum Aufrechthal- 
tung der Sittlichfeit und Ordnung nothmwenbiger als Strenge 
in der Diſciplin. Se mehr er daher Über den Zuſtand des ſitt⸗ 
ſihen Eebens im Orden oft bie unerfreulichften Erfahrungen 
meh, um fo ernſter und nachbrüdlicher glaubte er, wohlbes 
lant mit den Folgen, welche das fittliche Verderbniß für den 
yazea Drbenbau herbeiführen müſſe, ſtets auf die alten Res 
gia und Geſetze des Ordens zuruͤckweiſen und mit fcharfem 
Nehornd den Abirrungen und Geſetzwidrigkeiten entgegentreten 
wuchen. Häufig wurben beöhalb von ihm unorbentliche Or⸗ 
Vaßirkber aus ihrer Umgebung entfernt unb zur Beſſerung in 
über intiernte Konvente verſetzt. Da ed oft, ja wie ber 
Pehmmdifter ſelbſt fagt, faſt täglich geſchah, daß umgehorfame 
üter, die fich Vergehungen und Werbrechen hatten zu 
fommen laſſen, um den Strafen zu entgehen, zu 
Dichiſen, Fuͤrſten, Rittern oder zu ihren Verwandten entwi⸗ 
den und von dieſen aufgenommen und beherbergt gegen ben 
daen aufhegten, fie zu Beindfeligkelten anteizten und fo ben 
Sahrim und Drbenöburgen oft tmermeßlichen Schaden und 
dem Diben Schmach und Schande zuzogen, fo fah fich ber 
Bahr genoͤthigt, beim Papſte um eine Bulle nachzufuchen, 


— — 








1) Die Verordnungen, d. Mar. am T. Epiphanie 1448 Regiſer. 
‚MO 401. Gibt, LIXL 52, Sie enthalten noch mehre eins 
U Befimmungen, | 
| 2) Sir. des HM. an d. Deutfchmeifter, d. Tuchel Dienft. nad 
‚Maniat 1447 Oegifir. VIIL 380. Der unordentlide Oxdensritter 


| von Witleben wird aus Deutſchland nach Livland verfeht. 


144 Innere Orbentbifeilin: (1448.) 


wodurch ben hohen Geiſtlichen, Fuͤrſten und überhaupt jedem 
die Aufnahme und Beherbergung ſolcher ungehorſamen und ab⸗ 
truͤnnigen Ordensbruͤder unter Strafe des Banned mit allem 
Nachdruck unterſagt wuͤrde.) Er ſelbſt ahnete das Entlaufen 
ſolcher Ritter ſtets mit aller Strenge; ſelbſt Fuͤrbitten von Fin⸗ 
ſten konnten die Flüchtlinge von ihren Strafen nicht befreien, 
wenn auch zuweilen der Meifler fie milberte. 2 Er duldete «8 
daher auch unter Feiner Bedingung, felbft auch nicht in Krank 
heitsfaͤllen, daß ſich Ritterbruͤder außerhalb der Konvente, etwa 
bei ihren Verwandten aufhalten konnten.“ Um bei der Auf⸗ 
nahme neuer Ordensbruͤder die nöthige Sorgfalt bei einer fixen: 
gen Prüfung ihres fittlichen und unbefcholdenen Lebenswandels 
nicht aus dem Auge zu laffen und auch hierbei die alten Ge 
fege und Orbnungen in Wirkſamkeit zu erhalten, erlaubte er 
ben Gebietigen in Deutſchland keineswegs, hierin nach eige: 
nem Gutduͤnken zu verfahren, fondern verlangte, dag ihm dar⸗ 
über zuvor bie nöthigen Berichte zugeſandt würben, denn auch 
bier ſollte Feine Willlühr eine Gebietigerd geltend werben bins 
fen. Selbſt gegen Komthure verfuhr er mit fcharfem Ernſte 
und forberte fie vor dad Kapitel, wenn fie fi) Gefegwibrig: 
Feiten zu Schulden kommen ließen und fogar bem Deutſch⸗ 
meifter wollte er nicht geflatten, baf er Gebietiger in Deutſch⸗ 
land ohne fen Wiſſen und Willen zu Tagen vorladen dürfe. 9 


1) Schr. des HM. an ben Procurator zu Rom, d. Holland Mont, 
nad Gregorii 1448 Regiſtr. VIII. 432, wo wir de6 HW. Klage über 
die erwähnten Ungebüprlichkeiten leſen. 

2) Schr. des HM. an den Herzog Adolf von Kleve, d. Mar. 
Sreit. vor Beſchneid. Chr. 1448 Regiſtr. VIIL 397. 

3) Schr. des HM. an den Drbensbruder Srig von Wieſenthau, 
d. Mar. Mont. vor Barnabä 1448 Regiftr. VIII. 500. 

4) Schr. bes Grafen Albrecht von Wertheim an d. Erzbifchof v. 
Köln u. an Eberhard Thun von Stenderhain, ehemaligen Komthur » 
Koblenz, d. Grebin Dienſt. nach Eorpor. Chr. 1448 Regiſtr. VIIL 49% 


5) Schr. des HM. an den Komthur v. Koblenz, d, Dar, am 
Abend Afſumt. Mariä 1448 Regifir, VIII. 508, 


Berdältuiffe d. Orbens 3. Rönige v. Polen. (1448) 145 


Außer diefen innern Berhältnäffen beö Ordens aber Tamen 
auch deſſen aͤußere Angelegenheiten im Ordenskapitel vielfach 
zur Beratung. Ban hatte Nachricht, daß ber König von 
Velen ſich noch nicht zur Beſchwoͤrung ded ewigen Kriedend 
habe verſtehen wollen. Unter mancherlei Aubfegungen war die 
wichtigfte . feine Klage. fiber das Verhalten des Meiſters von 
Eioland, welches dem Inhalte des ewigen Friedens keineswegs 
zu entfprechen fchien. Der Ordensmarſchall ımb ber Komthur 
von Ragnit wurden zum Audgleichung der Irrungen zum: Koͤ⸗ 

nige gefanbt und ed gelang ihnen, diefen und die bei ihm feyens 
* Reichsgroßen zur Beſchwoͤrung des Friedens zu bewegen, 
obgleich Kaſimir erklärte, er werde, wenn der Hochmeiſter nicht 
ſelbſt wirffam eingreife, den Ungerechtigkeiten des Livlaͤndiſchen 
Meier keineswegs mehr nachlehen.? Konrad unterließ das 
ber nicht, dieſen warnend darauf aufmerffam zu machen, in 
welche ſchwere Gefahr er ben ganzen Orden ftürzen werbe, 
wen er ben König zum Kriege reize und ihn, ben Hochmei⸗ 
fer, dann nöthige, ben Eioländern gegen den König Hülfe zu 
lien, fo daß fomit der ewige Friebe für Lioland wie fin 
Yreuſſen gebrochen werde,2 denn ber bittere Zom, mit dem 
der König uͤber bed Lioländerd Eingriffe in feine Gebiete ges 
frrochen, ließ in ber That das Schlimmfle erwarten. Der - 
Hochmeiſter bot daher alles Mögliche auf, um durch Wermitts 
kmg den Streit wieber auszugleichen. ) Indem er fich felbft 
bemühte, dem Könige eine liebenswürbige Gemahlin zu vers 
ſchaffen, war es vor allem deſſen Gunft, die er ſich baburch 
zu erhalten fuchte, denn ald ber Statthalter der Ballet in 


Sachen, Brieberich von Polenz ihm fehrieb: Herzog Heinrich 


1) Bericht bes Ord. Marſchalls u. des Komthurs v. Ragnit, d. 
Zyeßmor Sonnt. nach Nativit. Chr. 1448 Schbl. XV. 78,84. Der 
König befand ſich um dieſe Seit in Wilna, wo er die Ordensgeſand⸗ 
sen wit großer Auszeichnung behandelte. Dlugoss. T. II. 36. 

2) Schr. des HM, an den Livlaͤnd. Meifter, d. Mar. Mont. nad) 
Eyipbdan. 1448 Regtftr. VIII. 404, 

3) Sir. des HM. an den Livländ. Meifter, d. Bellen Sonnab, 
nadı Converſ. Pauli 1443 egiſtr. VII 418 — 419, 429. 

VII 10 


146 Verhaͤltniſſe d. Orb. 3. Könige Erich v. Dänemark. (1448) 


von Braunſchweig, ber erfahren babe, daß ber König von Pos. 
len noch ein junger Here und unvermählt fey, babe ihm ges 
meldet, daß fein Vetter Herzog Frieberih von Braunſchweig 
eine Tochter habe, „die fchön und gerade von Leib unb von 
der Mutter ber eine Markgräfin von VBrafidenburg fey, und 
Herzog Heinrich wünfche feined Vetters wegen, daß der Hoch⸗ 
meilter eine Verbindung mit dem Könige einleite, erklärte er 
fich fehr bereit, die Sache bei biefem anzubringen.” Da bies 
fer Plan aber nicht gelang, fo verfolgte bee Hochmeifter gegen 
Ende ded Iahred einen andern, den König nämlich für eine 
Verbindung mit der jungen verwittweten Königin Dorothea 
von Dänemark, Gemahlin des Königes Chriftoph und Tochter 
des Markgrafen Hand von Brandenburg, zu gewinnen. Aber 
auch dadurch verdiente er fi) nur bed Markgrafen Danl, ? 
benn ber König vermählte ſich mehre Jahre nachher mit Elifas 
beth, ber Zochter des Kaiferd Albrecht des Zweiten. 


Außerden Famen in dem Orbendfapitel auch die Dänis 
ſchen Verhälkniffe zur Sprache. Seitdem König Erich bie Un⸗ 
terhandlung wegen Gothlands gänzlich abgebrochen und des 
Koͤniges Chriftoph Tod im Anfange dieſes Jahres ihm wieder 
mehr Hoffnung zum Beſitze der Krone gegeben, waren gegen 
fuͤnfhundert Seeraͤuber um ihn verſammelt, die bald bie Kuͤſten 
Dänemarks, Schwedens und Norwegens, bald die Wendiſchen 
Kuͤſtenſtaͤdte und die Strandgebiete Preuffend und Livlands mit 


1) Schr. de6 HM. an Sriederih v. Polen, d. Mar. am ten 
Sage Epiphan. 1448 Regiſtr. VII. 411 — 412. Kopebue 2. IV. 
57 fpricht bier faͤlſchlich von einer Tochter des Herzogs Heinrich ſelbſt, 
da doc Im erwähnten Schreiben von einer Tochter des Herzogs Zrie⸗ 
derich die Rede ift, Erfterer iſt offenbar Heinrich der Zriedfertige (dee 
1473 ftarb) und letzterer Herzog Srieberich der Eifrige von Braunſchweig⸗ 
Lüneburg, vermählt mit Magdalene, Tochter des Kurfürften Friederich! 
von Brandenburg. Ihre Tochter, von weldyer oben gefprocdhen wird, 
war wahrſcheinlich Margaretha, nachherige Gemahlin des Herzogs Hein 
rih von Mellenburg. - 

2) Schr. des Marlgr. Hans v. Brandenburg an d, HM. d. Plafs 
fenberg Sonnt. nad Thomä 1443 Schbl. XII. 64, 


Verhaͤltniſſe d. Ord. z. Könige Erich v. Dänemark, (1448.) 147 


een Plömberungen beimfuchten, bald bie Schiffe auf der See 
auffingen und überall Raub und Mord uͤbten; ja Erich hatte 
gedroht, daß im nächften Sommer noch tauſend Mann aus 
Pommern zu ihm ftoßen follten, mit denn er alles vernichten 
werde, was ihm nicht huldige. Es kamen bie bitterfien Kla⸗ 
gen vor den Hochmeilter.? Auf Anfuchen der Danziger, die 
mehr als alle andern litten, wandte er ſich an die wichtigften 
Hanfeftäbte mit dem Antrage: man möge indgemeln allen Hans 
delsderkehr mit Gothland aufheben und nirgenböwoher dorthirt 
Zufuahe geftatten, um fo den König zu zwingen, von feinem 
auch den Hanfeftäbten fo höchft nachtheiligen Raubwefen abzus 
ſtehen.) -Lübel fand zwar fir rathfamer, bewaffnet einzus 
fihreiten umb forberte den Hochmeifter auf, dreihundert Kriegds 
leute mit den nötigen Schiffen auszuräften, um fie, ſobalb 
die See offen fen, mit den ihtigen zu verbinden und die See 
za fänbern. Da indeß mehre ber Seeftädte fi dem Vor⸗ 
fhlage des Hochmeiſters zumeigten und ihm ſelbſt jenes Mittel 
der Savalt aus manchen Gründen auch bedenklich fchten,? fe 
beharıte er feft bei feinem Plane, fandte jedoch, um noch eins 
mal den Weg friedlicher Ausgleihung zu verfuchen, Botſchaſ⸗ 
ter an ben König, um ihn aufzuforbem, baflır zu forgen, baf 
den Orbensunterthanen, befonderd den Danzigern, die von fels 
nen Anliegen genommenen Schiffe und Guͤter wiedererſtattet, 


1) Schr. bes AM. an den Martgr. Hans v. Brandenburg, d. 
Mar. Mittw. nad heil, drei Kön. 1448 Regiftr, VID. 398. Schitz 
» 155, Koͤhler Samml. Hanf. Geſchichte p- 220. 

2) Schr. des HM. an die Städte Hamburg, Luͤbeck, Lüneburg, 
Wiswar, Roftod u. Stralſund, d. Dar. am T. Epipban. 1448 Res 
giſtr. VIIL 402. Die Geeräuber Erihs nennt der HM. gewöhnlich 
„des Koͤniges Erichs Ußlegers.” Schr. des HM: an den Livländ, 
Meifer, d. Mar. Mont. nad Epiphan, 1448 Regiſtr. VILL 405. 

3) Schr. des HM. on Lübel, d. Elbing am T. Fabiani 1448 
Teiler. VII, 416. Schr. des Raths v. Stralfund an den HM., d. 
am ©. Purif. Mariä 1448 Schbl. XXXIV. 69. Schr. des Raths 
». Roſtock an den AM, d. Mittw. vor Purlf, Martd 1448 Schol. 
AxXXL 79, - ‘ 

10 * 


\ X 


148 Verhaͤltniſſe zu Dänemark u. Schweden. (1448.) 


aller Schade verglitet und inskuͤnftige aller Unbill folder Art 
gewehrt und vorgebengt werde.) Allein ber König antwortete 
dem Botfchafter in trokiger Sprache: „bie Auslieger hätten 
nichts anders, als was fie naͤhmen; ex gebe ihnen fonft nicht”; 
und als diefer den König warnte: ed werde auf die Länge wohl 
- ein guted Ende nehmen, fuhr Erich fort: |,fage deinem Herrn, 
daß er die Hände in den Buſen floße und laſſe mich allhier 
. mein Abenteuer beſtehen.“ Da der Senbbote fich dann im Ras 
wen bed Hochmeifterd über die von jedem aus Preuffen nad 
Gothland fegelnden Schiffe zu zahlende Abgabe einer halben 
Mark Silber befchwerte, erwieberte dev König: „bad gefchieht 
mit Recht; Luͤbeck nimmt Acdfe, ber Orden einen Pfundzoll, 

die ungewöhnlicher und gröber find ald dieß. Wir find ein 
armer, vertriebener König und unfer Königreich ift klein. Wir 
müffen doch etwas haben, davon wir uns ernähren. Wer da 
fommt, ber gebe; wer dad nicht mag, der bleibe daheim.“ 2 

Auf diefe Antwort erließ der Meifter, in feinem Lande den Be 

fehl, daß fortan niemand Getreide ober fonflige Lebensmittel 
nach Gothland ausführen folle, und daſſelbe Gefuch erging auch 
an den Meifter von Livland.? 

Binnen einem Monat aber änderte fich die ganze Geftalt 
der Dinge. Karl Kuutfon, der Reichs: Truchfed, bemächtigte 
fi) Stodholmd und warb bald nachher auf Schwedens Thwn 
erhoben. Die Dänen ermählten Chriftian den Erſten von DL 
denburg zu ihrem Könige. ? So gingen Erichs Hoffnungen 


1) Schr. des AM, an König Erik, d. Mar. Mittw, nah Pal⸗ 
mar, 1448 Regiftr. VII. 433. Schbl. XXXI. 43, Schitz p. 155. 

2) Nah Kopebue 3. IV. 82, der nad S. 267 den Bericht des 
Botſchafters Heinrichs Hattenik an "den HM. in einer gleichzeitigen 
Abſchrift beſaß. 

3) Schr. des AM, an den Livl. Meiſter, d. Mar, Gonnt. Qua⸗ 
fimodog. 1448 Regiſtr. VIII. 441. Durch eine Geſandtſchaft ‘an die 
Königin von Dänemark ließ fi der HM. bei diefer- wegen feines Ver⸗ 
haltens gegen König Erich entfchuldigen, Schbl. XXXI, 84, Schütz 
-» 155. 

4) Seljer Geſchichte Schwedens B. J. 212 — 214 feht die Koͤ⸗ 
nigswahl Karl Knutſons erft auf den Mai 1449; wahrſcheinlich iſt 


Verhaͤltniſſe zu Dänemark u, Schweben. (1448) 149 


fiel wicber unter. ‚Um Gothlands Beſitz nun von neuem 
befergt,, trat er mit dem Hochmeiſter in neue Unterhandlungen 
wegen Abtretung bed Eilandes an ben Orden, dem er ed aber: 
mald durch einen Sendboten aus Pommern hatte anbieten lafs 
fen. Er forderte dafür eine Summe von dreißigtaufend No: 
kein, wovon ihm ber Orden jährlich, fo lange er lebe, fünf: 
taufend Rhein. Gulden, ald die jährlichen Einkünfte aus Goths 
laud, entrichten folle. Allen der Meifter erklaͤrte in Ueber 
enfüranumng mit allen feinen Gebietigern: wenn der Orden 
irgenb auf bie Sache eingehen folle, fo koͤnne dies nur mit 
Willen und Genehmigung der Reichsraͤthe aller brei Reiche ge: 
ſchehen; diefe müfle Erich vor allem auszuwirken fuchen, damit 


nachmals niemand Anfprüche an dad Land erheben könne. 


Die Unterhandlungen dauerten zwar noch bid zum Auguft ımb 
Erich bot gemäßigtere Bebingungen; allein die vornehmften 
Gebietiger, beſonders der Ordensſpittler widerriethen dem Mei⸗ 
fer immer entſchiedener, ſich im bie gefährliche Sache nicht weis 
ter einzilaffen.? Als nun uͤberdieß die Nachricht kam, daß 


dieſes Sahr ein Drudfehler, denn er läßt die Wahl Karl Knutfons 
ſelbſt vor der Wahl Ehriftians I gefchehen, deſſen Koͤnigsverſicherung 
in Dänemark fchon vom 1 Sept. 1448 iſt. Wir haben auch ein Schr, 
des H. an den Warlgr, Hans v. Brandenburg, d, Dar. am 3: 
Aegidii 1488 Regiftt. VIII. 529, worin er dieſem meldet: ‘ Nachdem 
der allerdurchl. fürfte etczwan konig Eriftoffer ezu Dennemarken Hit ver 
Rorben, fo haben die Sweden Karl Knutfon ufgeworfen und en am 
tage Petri u. Pauli czu eyme Tonige u, ſeyne frame czu eyner Eonis 
gnane czu Sweden gecrond. 

1) Die Verhandlung des HM. wit den Sendboten des Koͤniges 
Erich Ladicke Maſſow, Hofmeiſter des Landes zu Stolpe u. a., d. 
Püngft. 1448 Schbl. XXXI. 12, 71. Schr. des Komthurs v. Chriſt⸗ 
berg, d. Preuſſ. Mark Pfingſt. 1448 Schbl. XXXI. 4. Schr. des 
Kemthurs v. Eibing d. Pfingſt. 1448 Schbi. XXXI. 78. 

2) untethandlung eines Ordens⸗-Sendboten beim Könige Erich 
Sqhbi. XXI. 70, Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Elbing am Abend 
Alfumt. Mariä 1448 Schbl. XXXI. 80, Ein gleiches Schr. des Kom⸗ 
thurs v. Ehrikburg, d. wie vor Shbl. XXI. 67. Kankow Po: 
weronie B. I. ©, 66 —67 ſiellt die Verhandlung anders dar, 


” 


| 150 Verhaͤltiſſe zu Danemar u. Schweden. (1448.) 


eine Schwediſche Flotte Gothland mit ſtarker Macht umlagere, 
wich dieſer allen weitern Verhandlungen mit dem Könige aus. *) 
Ueberhaupt fand er ed auch im Intereſſe feined Landes, fich 
jest den neuen Beherrſchern Schwebend und Dänemarks mit 
geneigten Gefinnungen zuzuwenden. Als daher Karl von Schwes 
den an Danzig bie Aufforderung erließ, weber Gothland, noch 
bie troßende Stadt Wisby mit Zufuhr und Lebensmitteln zu 
verforgen, ? begrüßte ihn der Hochmeifter nicht nur mis feinem 
Gluͤckwunſche zu feiner Erhebung auf den Koͤnigsthron und bat 
um feine Sreundfchaft und um Schuß für die Kaufleute aus 
Preuffen, fondern verfprach ihm auch, feinen Wunfh in Be⸗ 
ziehung auf Gothland zu erfüllen und von neuem alle Zufuhr 
dorthin zu unterfagen.d Erich, Anfangs feſt entfchlofien, Wisby 
Durch jedes Opfer zu behaupten, rief zwar bald ben Hochmeiſter 
um Beiltand zur Entfegung an; auch feine Verwandten, bie 
Herzoge yon Pommern, bie Herzogin Maria von Stettin und 
Derzog Adolf von Schleöwig u. a. baten um ‚Hülfe zur Be⸗ 
freiung Erich aus feinen Bedraͤngniſſen; ) der Meifter indeß 
ſchlug alle Bitten ab, ftellte jedoch dem Könige auf deſſen 
Geſuch einen fichern Geleitöbrief durch fein Land aus und ver 
ſprach, wenn ex es wiünfche, feine Vermittlung zur Auögleis 
hung mit Karl von Schweden? Dagegen gab ex fich alle 


1) Schr. des HM. an den Bärgermeifter v. Ruͤgenwalde, d. Freit. 
nach Aſſumt. Mariä 1448 Schbl. XXI. 57; vgl, Geijer Gefchichte 
Schwedens 3. I. 213-214. 

2) Schr. des Koͤniges Karl v. Schweden an den Rath v. Dans 
sig, d. Bornholm am Abend Affunt. Mariä 1448 Schbl. XXXI. 31, 

3) Schr, des HM. an den König Karl v. Schweden, d. Dar, 
Mittw. vor Bartholom. 1448 Regiſtr. VII. 527, Schr. dei HM. an 
den Markgr. v. Brandending, d, Mar, am T. Aegidii 1448, ebend. 
». 529. 

4) Schr. der Herzoge Wartislav u. Barnim v. Gtettin an den 
HM. d, Freit. nach Martini 1448 Schbl. XV. 43. Schr. d. Herzo⸗ 
sin Maria v. Stetiin an den HM. d. Schloß Rügenwalde am Ubrnd 
Andrei 1448 Schbl. XV. 62, Schr. des Herzogs Adolf v. Schleswig, 
d. Luͤbeck Freit. nad Martini 1448 Schbl. XXXI. 109. 

5) Schr des HM, an die chen gengnnten Zuͤrſten, d. am % 


\ 


Verhandlungen wegen Ablaßgeld. (1448.) 151 


Mühe, des letztern volle Gunſt und Freundſchaſt zu gewinnen, 
ertheilte ihm die Mitbruͤderſchaft des Ordens, hob auf ſein 
Anfuchen das Berbot ber Zufuhr nach Gothland wieder auf, 
geſtattete jedem, Karls Kriegsleuten dort Lebensmittel und Ver⸗ 
Rärkung jeglicher Art zuzuführen und erklaͤrte ſich Überhaupt zu 
«den feinen Wimſchen bereit.) Aber auch dem neuen Könige 
Chriftian von Dänemark bezeugte er feine Freude über feine . 
Zhernerhebung und fuchte fi) auch deſſen Gunſt und Huld a“ 
gewinnen. ?) 

Enblih kam in dem erwähnten Ordenskapitel auch ber 
Streit wegen bed Ablaßgelded von neuem zur Sprache, über 
welches der Hochmeifter, wie wir und erinnern, fchon Jahre 
Yang mit dem Erbkaͤmmerer Konrad von Weinsberg hin und 
hergeſtritten. Er wuͤnſchte fehnlichft diefen drgerlichen Zwiſt 
bald beſeitigt zu ſehen, denn auch während des letztverfloſſenen 
Jahres war fortwährend über die Sache verhandelt worden. 
Da feitbem wieder name Anforderungen wegen biefed Geldes 
vom Sonctlium angelangt, ein Theil aber bereit8 auf den Krieg 
gegen die Ruffen verwandt war, fo ließ der Hochmeiſter noch⸗ 
mals am paͤpſtlichen Hofe daB Geſuch anbringen, das noch 
fhrige Geld zur Fortführung bed Kriege anwenden zu duͤr⸗ 
fm. Lange war dort Feine Entſcheidung zu erlangen. Erſt 
ald dem dortigen Ordens⸗Sachwalter insgeheim der Auftrag 
ertheilt worden war, dem Papfle oder, wofern es zwedimäßi: 
ger, dem bie Sache bearbeitenden Kardinale vom Ablaggeide 


Eripban. 1449 Regiſtr. IX. 395, Der HM. Aufert { immer noch eine 
ſehr große. Theilnahme an Erichs Schickſal. 

1) Schr. des HM. an Koͤnig Karl von Schweden, d. Rheden 
Freit. vor Dienyfil 1448 Regiſtr. IX. 20. 

2) Schr. des HM. an König Ehriftian von Dänemark, d. Dans 
dig am Abend Ihomä 1448 Regiſtr. IX. 56. 

3) Ucher die Verhandlungen in diefer Streitfadhe eine Menge von 
Säreiben tm Regiſtr. VII 194 — 195. 278, 310 — 311. Schbl, 
LXVIL 173. LXV. 22, 

4) Schr. ded HM. an den Procurator zu Rom, d. Mar, Don: 
sch. ned) Affunıt, Maris 1447 Regiſtr. Vi. 315, 377, 


152 Verhandl. wegen Ablaßgeld u. Peteröpfennig. (1448.) 


ein» bis zweitaufend Ducaten zu verfprechen, eröffnete ſich 
eine günflige Ausfiht,” Schon daraus laͤßt fih auf eine 
ziemlich bedeutende Summe bed gefantmten gefammelten Gel⸗ 
des fchließen.? So erſchien endlich nach einigen Schwierig⸗ 
keiten, weil man in Rom auf eine noch reichere Erndte gerech⸗ 
net hatte, eine guͤnſtige Bulle Nicolaus des Fuͤnſten, worin 

er mit Ruͤckſicht auf des Hochmeiſters Erklärung, daß bereits 
ein Theil der Ablaßgelder auf den Krieg gegen bie Ruſſen 
verwandt .fey, und auf deſſen Bitte, im fernen Kampfe bes 
Ordens gegen die Ungläubigen zum Schuge bed Glaubens in 
Preuffen und Lioland durch dad Ablaßgelb unterflügt zu wers 
den, dem Drben in biefen Ländern zwei Theile ber geſammel⸗ 
ten Gelder zu dem erwähnten Zwecke bewilligte, ben britten 
aber zur Hülfäfteger ber Ungern wider bie Zinfen für bie 
päpftlihe Kammer in Anfpruch nahm, indem er zugleich den 
Meifter ımb den Orden gegen alle weitern Anforderungen und 
ſonſtige üble Zolgen ficher und frei erflärte und endlich auch 
bie vorgeblichen Anfprüche Konrads von Weinsberg ohne weis 
fereö zur Seite wies, ’ 

Mittlerweile aber war vom Röm. Hofe eine anbere neue 
Beldfligung für Preuffen ausgegangen, Was man ndmlid 
am Ablaßgelde eingebüßt, wollte man durch Erhebung des 
Peteröpferniged wieber gewinnen. Ein päpftlicher Legat Bap⸗ 
tiſta von Rom meldete von Polen aus, er werbe mit Bullen 
und -Machtbriefen bes Papfted verfehen auch nach Preuffen 


1) Scht. de6 HM. an Bartholomäus Liebenwald in Rom, d. 
Brandenburg am 2. Purlf, Mariä 1448 Megiftr. VIEL. 422, 

2) Ueber die an den HM. eingelieterten Summen einzelner Städte 
die Reverfe des HM. Regiſtr. VIII. 434. 477. 4885 Ausjzuͤge daraus 
bei Kohebue 3. IV. 276. Danzig fandte 1000 Mark Ablaßgeld. 
Nach einem Werzeichniffe über das in den 3. 1448 und 1449 nad 
Marienburg gelteferte Ablaßgeld betrug die ganze eingegangene Summit 
2391 gute Marl, oder da Danzig noch mit 500 Marl und Königsberg 
noch wit 350 Mark reilirten, im Ganzen 3241 gute Marl, Sqhol. 
LXIII. 63. 131. 132. 

3) Driginal der päpfll, Bulle, d. Romae V Cal, Septenb, 1448 
Schbi. Xu, 9. 10. 


\ 
Berhanblungen wegen bed Peteröpfennige. (1448) 188 


Eommen, um den Orben „zu vifiticen” und den Peterspfemig - 
einzunehmen. Der Meifter wandte fich eiligft nach Rom, um 
bie Sache zu hintertreiben, denn er fuͤrchtete, wenn der Legat 
witkuch im Lande ſich zeigen werde, viel Unheil und Zwieſpalt, 
da eine ſolche Viſitation auf paͤpſtlichen Befehl in ber Ge 
ſchichte des Ordens biöher unerhoͤrt war.) Zugleich aber trat 
auch der Bifchof Johannes von Defel auf, bem Legaten mel 
denb: daß er Fraft einer Bulle des Papfles Eugenius nur 
akrin ermächtigt fen, in Pommerellen und einigen andern Ge 
bieten des Ordens bad erwähnte Geld einzufammeln und der 
püpftlihen Kammer zuzufenben, was er bisher auch gewifiens 
baft gethan, weshalb er ihn erfuchen muͤſſe, von feinem Vor⸗ 
nehmen abzuftchen.? Allein der Legat legte barauf Fein Ge 
wiht und beharrte bei feinem Vorſatze. Der Biſchof von 
Defel appellizte an den Papſt; der Hochmeiſter ſuchte am 
Ri. Hofe einen Widerruf eines etwanigen paͤpſtlichen Bes 
ſchls an ben Legaten auszumwirdenz;? er ſchlug deshalb vor: 
man wolle bem Papfle vom Ertrage des Peteröpfenniged in 
Dommerellen und Kulmeland, den er auf viertbalbhumbdert 
Mut angab, etwa zweihundert Mark abtragen und das Uebrige 
fir den Drben behalten. Diefer Angabe traute inbeß der 
Yapft nicht, da er von bedeutenden Summen vernommen 
hatte, die vom XAblaßgelde und Peteröpfennig in Preuffen und 
Saiern eingefammelt liegen follten. Weberdieß durch die große 
Exfhöpfung ber päpftlichen Schatzkammer auch fehr bebrängt, 


1) Chr. des HM. an den Procurator, d. Mar, Sonnt. vor 
Barnabä 1448 Megiftr. VIII. 49. 

2) Schr. des Biſchofs dv. Defel an den päpftl. Nuntius Baptiſta 
fa Polen, d. Mar. am T. Barnabä 1448 Regiftr, VIII. 501. Schr. 
des Bifhofs v. Pomefanien an den HM. d, Rieſenburg am T. Divif, 
Urchel. 1448 Schbl. LXV. 4. Schr, des HM. an den päpftl. Nuns 
iss, d. Mar. am T. Barnabaͤ 1448 Regiſtr. VIII. 502. 

3) Schr. des HM. an den Prosurator, d, Mar. am T. Vincula 
Petri 1448 Regijtr. VIII. 521, 

4) Schr. des HM. on den Procutator, d, Mar. am T. Remigii 
1448 Regiſit. IX. 24-25. 


‘ 


154 Verhandlungen mit dem Biſchofe v. Erinland. 11448.) 


beauftragte er den Kölner Kleriker Gerhard von Dyeck als 
päpftlichen Nuntius mit der Vollmacht, die in beiden Ländern 
gefammelten, der Röm. Schaglammer zulommenden Summen 
an Ablaßgeld. und Peteröpfennig in Empfang zu nehmen und 
nah Rom zu fenden. Der Runfius erfchien auch wirklich im 
naͤchſten Jahre zu Marienburg und erhielt da nicht unbedeu⸗ 
tende Eummen für den Papſt ausgezahlt.) . 

Und das geichah, während der Ordensſchatz und die ein⸗ 
zelnen Komthurhaͤuſer fortwaͤhrend den druͤckendſten Mangel 
an Geld litten. Der Deutſchmeiſter mahnte den Hochmeiſter 
wiederholt um die alte Schuld, mit deren Abzahlung er ſchon 
mehre Jahre hingehalten war und die Mahnungen wurden 
immer dringender, weil die Balleien in Deutſchland, beſonders 
die in Thuͤringen, denen der Deutſchmeiſter aufhelfen wollte, 
unter ihrer Schuldenlaſt beinahe zu Grunde gingen; und doch 
konnte ber Hochmeiſter immer noch keine Zahlung leiſten. 2 
Zur Abtragung der fruͤhern Anleihe beim Biſchofe von Erm⸗ 
land mußte, weil anders die Schuld nicht getilgt werden 
konnte, mehre Jahre lang von allen Komthuren und Ordens⸗ 
beamten ein Schoß erhoben werden, und doch waren manche, 
wie der Komthur von Strasburg u. a. nicht einmal im Stande, 
einen maͤßigen Beittag von einigen achtzig Gulden beizu⸗ 
fleuem.? Nur mit großer Mühe konnten in dieſem Jahre 


1) Bude des Papftes Nicolaus V, d. Romas Idib. Novemb. 1488 
Schbl. XII. 10, Abſchrift Schbl. LXIII. 28. Die Urkunde enthält 
zugleich aud auf Grund der vom Papfte über das Ablaßgeld ertheils 
sen Bulle die Quittung des päpftl. Nuntius Äber 2109 Preuff. Mark 
. vom Refte des Ablaßgeldes und über 2495 Mark vom Peterspfennig- 
Es ging alfo aus Preuflen die Summe von 460% Marl nah Rom, 
Die Quittung ift d. Marienb. die tertia Augusti 1449. 

2) Schr. des Deutfchmeifterse an den HM. d. Hornet Gonnt. 
nad Bernhardt 1448 Schbl. 103. 23, 24, Er verlangt die ganze 
Summe von 9250 Rhein. Gulden auf heit. drei Koͤnige. Schr. des 
HM. an denfelb. d. Mar. am T Remigli 1448 Megiſtr. IX. 15. 
16. VEIT. 511. 

3) Ausfchreiben ded HM. an die Komthure, d. Mar. am T. 
Martini 1448 Regiſtr. IX. 43, Die Verzeichniffe des in den I. 1448, 


Berhanbiungen mit dem Biſchofe u. Ermland. (1448) 155 


dan Siſchofe britthalbtaufend Mhein. Gulden auf Abſchlag 
gezahlt werben, weil viele mit ihren Beiträgen ruͤckſtaͤndig 
Nichen. 

Mit dem Biſchoſe von Ermland ſtand aber der Hoch⸗ 
meiſter gerade jetzt keineswegs in dem Vernehmen, in welchem 
er von ihm viel Nachſicht erwarten durfte. Wir hoͤrten be⸗ 
reits, daß der letztere, wie es ſcheint, auf ſeine beſondern Vor⸗ 
ſtellungen und Bitten durch eine Bulle dad Recht. erhalten für 
ich und feine Rachiolger, zwei Kanonikate und eben fo viele 
Präbenben im Billyum Ermland bei eintreffenden Erledigun⸗ 
gen bejegen zu dinfen. Eo weit hergehelt die Gruͤnde waren, 
wenit man beim Papfle die Billigkeit dieſes Rechts zu bes 
weiſen geſucht, fo Par lag ber Zweck vor Augen, auf diefe 
Weiſe im Domilifte Ermlands, wo bisher felten ein Ordens 
mitglied Domherr werden Eonnte, dem Hochmeiſter größern 
Einfluß zu eröffnen.?? Nun wollte dieſer fchon im Anfange 
dieſes Jahres bei einer eingetretenen Exlebigung Gebrauch von 
jenen Rechte machen und wandte fi, da dad Domkapitel die 
Stelle eiligft wieder befept hatte, nad Rom, um beim Papfle 
die Verleihung für feinen Secretaͤr Johannes Bentim auszu⸗ 
wicken. So geheim dieß auch betrieben werden follte, fo 
war es doch dem Bifchofe ımb Domkapitel bald befannt ges 
werden und fie boten nım durch eine Botichaft an den Papfl 
"de auf, um durch ihn dad ertheilte Privilegium widerrufen 
zu lofien, behauptend, ed flreite die neue Anordnung nicht nur 
gegen des Landes Wohlfahrt, fondern fie werde unfehlbar auch 


48 und 1451 von den Komthuren erhobenen Schoſſes, ebendaf, 
» 353 — 386, Schbl. LXVI. 165. Scht. des Komthurs v. Strasburg, 
d. Zeit. nad) Präfentat. Mariä 1448 Schi. XXV. 80, 

1) Schr. des Ord. Marſchals an den Treßler, d. Koͤnigsb. Mont, 
nad Luciä 1448 Schbl. LXVI. 163, 17%. Quittung des Bil. von 
Ermland, über 2500 Rhein. Gulden, d. Heilsberg Donnerft, vor heil. 
drei Könige 1448 Schbl. LXVE. 168, 

2) Driginal der Vulle, d. Romas IV Idus Jun. 1847 p. a. peimo 
Schbi. II. 5. 

3) Schr. des HM. an Anehelmus Corrector in Rom, d. Mar, 
Gonnt, nad dem Sten T. Epiphan. 1448 Regiſtr. VHL 412 Al, . 


156 Verhandlungen mit dem Biſchofe v. Erınland. (1448.) 


großen Heß und Unfrieben zur Folge haben. - Der Hochmels 
ſter indeß, dieß gruͤndlich widerlegend, trug ſeinem Sachwalter 
in Rom auf, dad Privilegium unter jeder Bedingung und 
mit allen Gründen aufrecht zu erhalten, ed koſte auch, was es 
wolle. Das alte Theilungöprivilegium bed erſten Ermlaͤn⸗ 
diſchen Biſchofs Anfelmus, welches er nach Rom fandte, follte 
ben Beweis ftellen, da fchon damals sin Ordensbruder Bi: 
fhof von Ermland geweien fen und ihm ber Orden nad) der 
Landestheilung ‚feinen Biſchofstheil nach päpfllicher Anorbrumg 
zu Lehen gegeben, er alfo ald ein Ordensbruder bie Domberm; 
fielen geftiftet habe. Da jedoch dem Hochmeifter alle daran 
gelegen feyn mußte, ſich mit dem Biſchofe, einem für ihn fo 
wichtigen Rathgeber, über die Sache friedlich außzugleichen, 
wozu vor allem auch ber Orbendfpittler rieth, fo erhielt der 
Ordensmarſchall den Aufteag, den Biſchof wo möglich durch 
die Verfiherung zu begüfigen, baß ber Meifter zu ben Doms 
berenftellen immer folche in Vorfchlag bringen werbe, bie des 
Bifchofs Wünfchen entfprechen winden, fo Daß das Privilegium 
keineswegs zum Nachtheil des Biſchofs und Kapiteld gereichen 
folle; es folle nie eine Befegung wider ihren Willen gefchehen. ® 
Dieß blieb jedoch ohne Erfolg. Der Ermlaͤndiſche Official 
hatte vielmehr uͤber die kirchlichen Verhaͤltniſſe in Preuſſen ſo 
viele Unwahrheiten und Erdichtungen verbreitet, um die Wi⸗ 
derrufung des Privilegiums zu bewirken, daß der Hochmeiſter 
es noͤthig fand, durch die Praͤlaten des Landes uͤber den wah⸗ 
ren Zuſtand der kirchlichen Angelegenheiten in Preuſſen einen 
Bericht abfaſſen zu laſſen und ſolchen nach Rom zu ſenden, 


1) Schr. des HM. an den Procurator, d. Holland Sonnt. Ju⸗ 
dica 1448. Schr. an denſelb. d. Mar. Mont. nach Marci 1448 Re⸗ 
giftr. VIII. 431. 455. 469, 

2) Schr. des HM. an den Procurator, d. Mar, Dienf. nah 
Philippi und Jacobi M48 Megifte. VILL 471. 

3) Schr. des Ord. Spittlers an d. HM. d. Reichertswalde Don 
nerft. nach Marcellini 1448 Schbi. LIV. 96. 

4) Schr. des Ord. Marſchalls an den HM, d. Koͤnigsb. Dienſt. 
nach Johanni Bapt. 1448 Schbi. LXVI. 49. 


Verhandlungen mit bem Bifchofe v. Eemland. (1448.) 187 


um den Papft von ber Umrichtigkeit ber Vorſtellungen bes 
Dfficield zu überzeugen. Es erfolgte daher im Februar des 


naͤchſten Jahres eine neue Bulle, worin der Papfi bad dem 


Hochmeifter estheilte Recht mit feinen früher gegebenen Bes 
flunmungen über die Beiegung ber Ermlaͤndiſchen Kanonikate 
und die Verleihung des Präbenden mehr in Einklang brachte, 
den darin obwaltenden fcheinbaren Widerſpruch aufklaͤrte und 
daB dem Meifter verlichene Hecht von neuem betätigte. 

Damit aber war ber Streit noch keineswegs beendigt und 
der Bifchof winde gewiß einen noch ſtaͤrkern Widerſtand ent» 
gegengefielit haben, hätte er nicht mit ber Stabt Braunsberg 
in einem Zwiſte geflanden, zu deſſen Beſeitigung ev des Hoch⸗ 
meifterd Beifland und Bermittlung bedurfte Die Braunds 
berger nämlich waren von neuem gegen ihn mit ber Beſchwerde 
aufgetieten, daß er ihr redliches Herkommen und ihre ftddtis 
fchen Privilegien und echte immer mehr zu befchränken fuche 
und fie bereitö barin fehr beeinträchtigt habe. Der Bilchof, 
dieß laͤugnend, behauptete Dagegen, daß fie ben Gerechtſamen 
feiner Kirche täglich mehr Abbruch thäten, während er noch 
keins ihrer Rechte auh mm um. einen Buchſtaben verkürzt 
habe. So sing der Streit hin und her; ed Fam fo weit, daß 
ber Biſchof die Braunsberger nah Rom vorladen laffen, dieſe 
dagegen ihre Sache an bie großen Bunbesitäbte bringen well 
ten. Beides fchien dem Hochmeiſter fehr bedenklich. Er ließ 
daher den Biſchof erfuchen, von feiner Vorladung abzuſtehen, 
wozu biefer auch bereit war, jedoch wuͤnſchte, der Meifter möge 


1) Schr. des HM. an den Procurator, d. Mar. am T. Rewigil 
1448 Regiſtr. IX. 18 

2) ODriginal der Bulle, d. Romae sexto Idus Fohruar. 1448 p. 
a. socando Schbl. XU. 6, Was das Datum diefer Bulle betrifft, 
fo gehört fie, obgleich fie die Jahrzahl 1448 hat, doch Ins I. 1449, 
denn Helwig in feiner Beit = Rechnung zur Erläuter. d. Daten in 
Urt ©. 138 hat nachgewieſen, daß Nicolaus V die Pontificatsjahre 
von feiner Krönung zähle und das Jahr nad) Art der Slorentiner vom 
25 Mär, angefangen habe. Sein Jahr 1448 reicht alfe vom 25 Bin 
1448 bis zum 24 Mär, 1449, 


158 Verhandlungen mit dem Biſchofe v. Ermland. (1448) 


in beus Streite ind Mittel treten. Allein obgleich er durch 
letztern den Braundbergern gewilfe Erbietungen vorlegen ließ, 
auf deren rund man fich ausgleichen wollte, fo konnte man 
fi doch barkber nicht vereinigen, denn immer ſuchten bie 
Stimmführer die großen Bundesſtaͤdte mit in ben Steeit zu 
ziehen.) Der Biſchof fchlug Schiebörichter vor, barunter 
auch den Hochmeifter; allein fie verwarfen biefe, ſowie jeden 
anbern Weg der Audgleichung, obgleid man ihnen fogar das 
nöthige Geld zur Verfoͤlgung des Rechtsganges anbot.?) So 
zog fich ber Streit auch ind naͤchſte Iahr hinein, denn alle 
‚ Berfuche des Biſchofs, ihm auf dem Wege bed Rechts ober 
einer gütlichen Auogleichung zu befeitigen, blieben ohne Erfolg, 
nicht minder die bed Hochmeiſters, der durch Ermahnungen 
mb Vorſtellungen bald bei ber einen, bald bei der andern 
Partei eine Beremigung zu bewirken bemüht war, bean am 
meiften beforgte er, bie großen Bundesſtaͤdte möchten in ber 
Sache wieder zu weiterer Ihdtigfeit angeregt werben. ‚, Euere 
Herrlichkeit, ſchrieb er dem Biſchofe, mag aus ben Srmbe 
bee Sachen immer wohl merken und erkennen, winbe ingenb 
etwas verficht durch den Bund weiber euere Wäterlichkeit, es 
wuͤrde beſorglich auch alfo fortan durch bie Unfern verfucht 
ımb gebreitet; was Unglimpfed, Aergerung, Schaden und Bers 
berbniß Die Länge daraus entfichen möchte, geben wir euere 
väterlichen Güte zu erkemen.“ ) Auch der Biſchof theilte 
biefe Beforgniß unb fo wurbe, endlich, wahrjcheinlich durch ben 
Erz: Bifchof von Riga, der fich eben damals einige Zeit zu 


\ 


1) Schr, des Ord. Marſchalls, d. Eilau Mittw. zu Pfingft. 1448 

2) Schr. des Bifhof6 v. Ermland an d. HM. d. Heileberg 
Mittw in der h. Leichnamswoche und Freit. nad heil. Leichn. 1448 
Schbl. LIV. 45 LXVI 161. 

3) Schr. des Bifchofs v. Ermland an d. HM, d. Heilsberg Freit. 
nach heil. Zeichn. 1448 Schbl. LXVI. 166. 168. 

4) Göhr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. ar, Mite. 
zu Pfingfl. 1449, Schbl. LXVI. 6, 


Sunbeitoerhättulffe im Bande u. mit dem Auslande. (1448,) 159 


_ Baumöberg und beim Biſchofe aufhielt, der Streit durch eine 
gerche Ausgleichung beigelegt. ) 

Des Neiſters Beſorgniſſe aber wegen neuer Aufregungen 
in Bunde waren keineswegs ungegruͤndet, denn es zeigten ſich 
bad mieber neue Spuren von allerlei Reibungen und Bewe⸗ 
gan im Bande. Die Neuſtadt Thom warb im Auftrage 
dee Bundesverwandten von Kulm mit ber Aufforderung bes 
einst, ſich beſtimmt zu erklaͤren: ob und warum fie aus ben - 
Bade außgefchieden fen, und bie Art ber Aufforderung febte 
de Statt in große Bekimmerniß, denn man fürchtete irgend 
am Gewaltſchritt. ) Man fprach ferner im Lande wieder 
wei von Parteien und heimlichen Verbindungen unter den Or⸗ 
deintten verſchiedener Konvente, befonders auch in Koͤnigs⸗ 
bag. Der Hochmeifter ließ fie überall aufs firengfte umterfas 
gen, weil auch dadurch die Werbünbeten von neuem in Be 
Wenig gerieten. Zwar ſuchte ber Ordensmarſchall ihn dar⸗ 
über zu berubigen; ® allein «8 fanden unter ber Ritterfchaft. 
db Lulmerlandes, an deren Spige immer noch der Banner⸗ 
fen Hans von Gzegenberg ſtand, bald wieder mehre Vers 
Memlungen Statt, und von bort aus warb von den Bun⸗ 
ihlupten eine neue allgemeine Bunbeötagfahrt nach Dias 
Samaber außgefchrieben und die Ritterfchaft aus allen Land⸗ 
Maften dorthin eingeladen. ? Man bemühte ſich zwar, bem 
Beifer den Zweck diefer Bunbeöverfammlung als ziemlich un⸗ 


— — — 


1) Ehr. des Komthurs d. Balga an d. HM. d. Donnerſt. nach 
Gudi 1449 SchhL. LXVI. 4. 

Y Schr. des Raths d. Kulm an die Neuſtadt Thorn, d. am T. 

1448. Schr. des Komthurs v. Thorn an d. HM h. horn, 
F nach Jubilate 1448 Schbl. LXXVI. 10. Antwort der Neu⸗ 

ſabt Thom, d. Donnerſt. Valeriani 1448 Schbl. LXXVI. 5. 

3) Schr. des HM. an alle Konvente, d. Mar. Mittw. vor Pfingſt. 
IUB Regifir. VIII. 486. Schr. des Ord. Marſchals an d, HM. d. 
Lass, Mont. zu PfingR. 1448 Gchöl. LXXVI. 17. 

4) Satr. des Vogts v. Beine, d. Seurab. vor Primi u. Zeliciani 
IMS Gast, LXXVI. 20, 


160 Hambelsvechäteniffe im Lande u. mit bem Auslande. (1448,) 


wichtig darzuſtellen ) ımd es erklaͤrten auch bie Ritter und 
Knechte und ehrbaren Leute mehrer Landfchaften, z. B. aus 
ben Gebieten. von Bartenſtein, Balga, Königsberg, auch 
manche aus dem von Elbing: fie winden auf bem Tage nicht 
erſcheinen, weil fie dem Meifter die Zuſage gegeben, ohne feine 
Aufforderung und Einlabung Feine Zagfahrt mehr zu beſu⸗ 
chen.) Auch bie ehrbaren Leute bed Gebiete von Oſterode 
wollten ihre Bevollmächtigten, unter denen Hans von Baiſen 
und Georg von ber Delau, nur dann fenden, wenn ber Mes 
fler fie zur Zagfahrt berufe. 9? Sie Fam indeß dennoch zu 
Stande und ſchon dieß erregte beim Hochmeiſter, der gerade 
damals durch eine ernflliche Krankheit in feiner Thaͤtigkeit ſehr 
gehemmt war, nicht geringe Beforgniffe 9? Auf dem Tage 
warb nun zwar nichts gegen ben Orben verhandelt und be 
ſchloſſen; allein von der unzufriebenen Stimmung im Lande 
zeugte boch-die Klage, welche nach ber Tagfahrt einige Abge⸗ 
ordnete der Ritterfchaft, ald Hand von Gzegenberg, Hand von 
Heimfobe u. a. vor den Meifter brachten, betreffend die großen 
Beihwerden, die fie feit Ianger Zeit ſchon und immer noch 
von den großen Städten und beſonders von Danzig täglich zu 
‚erleiden hätten. Sie gingen vorzüglich darauf hin, dag man 
feit langer Zeit ſchon den Hollaͤndern und andern Kauffahrern 
Bein Seleit mehr gewähren wolle, ben gemeinen Markt verbiete, 


1) Die Kulmifhe Nitterfchaft Hatte felbft dem Vogt von Leipe 
eine Mittheilung aller Verhandlungen zugefagt. 

2) Schr. des Ord. Marfhalls, d. Koͤnigsb. Donnerft. vor Jo⸗ 
banni 1448 Schbl. LXXVI. 2. Schr. des Landrichters v. Bartenſtein 
Kunz v. Kunzed an Hans v. Ezegenberg, d. DBartenftein Donnerſt. vor 
Petri u. Pauli 1448, ebend. 10. 21. 100. Schr. des Komthurs von 
Elbing, d. Mohrungen am 8. Barnabä 1448 Schbl. LXXYI. 9. 3 

3) Schr. des Komthurs v. Dfterode, d. Bierzig: Huben am I. 
Petri u. Pauli 1448 Schbl. LXXVI. 18. Hans v. Baifen fland noch 
- entfchieden auf der Seite des Ordens. Schr. des Bifchofs v. Pomefanien, 
Kiefenburg Mittw. nad) Michaeli 1443 Schbt. LXXVI. 8, 

4) Schr. des HM, an d. Vogt v. Schievelbein, d. Mar. am 2. 
Johannis 1448 Regiſtr. VII. 509, wo er auch von feiner Krankheit 


ſpricht. 


Gushetschlitaife im Sande u. mit bem Auelande. (1448.) 161 


Ye Sawohner ber kleinern Stäbte uͤbervortheile und bie Ges 
beibepreife nach Belieben flelle, indem man oft für den Schefs 
fl num zwei Scot biete u. f. w. D Der Hochmeifter ſchrieb 
enen von ber Ritterſchaft gewuͤnſchten Berathungätag nad) 
Ebing aus, jeboch ausdrücklich gebietend, daß von ber Ritters 
(haft aus jebem Gebiete nur zwei und aus jeber großen Stabf 
chenſalls nur zwei Benollmächtigte erſcheinen fdllten.? Zu⸗ 
Hei, benutzte ex auch bie, wie e8 ihm fchien,,.. jest gümflige 
Gelegenheit, ſich an die Nitterfhaft abermals mit dem Geſuche 
za wenden: fie möge jegt die. ihr friiher gethane Erbiefung zu 
deze nehmen, ihren Bund auflöfen und ihre Sendboten bes 
wlmdhtigen, die ihr bereitö von ihm angebotene Verſchrei⸗ 
bung über ihre Sicherheit und echte von ihm aufnehmen. 9 

Auf der Tagfahrt felbft aber fcheint diefer Antvag, viel: 
liht wegen ber Anweſenheit ber fläbtifchen Abgeordneten, nicht 
wir zu Sprache gekommen zu ſeyn; wir hören wenigſtens 
nichtz von Verhandlungen darüber. Wohl aber gefchah man 
dei zur Förderung des ‚gemerblichen Betriebes im Lande. Zur 
Betigung der erwaͤhnten Mißbraͤuche ward z. B. für zweck⸗ 
Ruhig erachtet, daß in jeder Woche in ben Städten ein Frei⸗ 
nalt gehalten werde, wo auch ber Landbeſitzer beim Verkaufe 
Kine Erzeugniſſe durch Feine ftäbtifchen Verordnungen beſchraͤnkt 
Mn dirfe. Bei den großen Städten indeß fand biefer Bes 
up nicht nur nachdruͤcklichen Widerfpruch, weil man in ihm 
den Grund zum größten Schaden und Berderben fowohl.: fs 
den Staͤdter als für den gemeinen Landmann finden wollte, 
ade Danzig bot auch durch feinen Einfluß bei den übrigen 
Etldten alles auf, um die Annahme biefer Anordnung durch⸗ 
8 zu hintertreiben. ® Außerdem aber hatte ber Hochmeiſter 


— 





1) Bericht vom Tage zu Marienwerder Somt. nad Petrt und 
derli 1448 Schbi. LXXVI. 13. 

2) Rundſchreiben des HAM, durchs Land, d. Mar. am Abend Als 
ler Seil. 1448 Regiſtr. IX. 39. 

3) Ohr. des HM. an die Ritter u. Anechte, d. Mar, am aderd 
Ur Get, 1448 Negiſtr. IXX. 30 — 40. 

m Ch des Komthurs v. Elbing, d. Sonnt, dr geil Ehriftas 


- 


102 Genbsitprehkitaiffe I daude u. wit dem Anbianbe. (1448.) 


im Verlaufe dieſas Jahres mm Belebung des Binnenhandels 
und der Induſtecie, ſewie zur Bertilgung berrfchender Big 
braͤuche mit Beirath der Staͤdte ſchon manche zweckmaͤßige Bes 
ſtinunung entworfen. Der Berbauf der Pferde außer Landes 
bis zu ehuenz gewiſſen Preife warb verboten. Das vesbeblihe 
Gewerbe deu Moßtaͤuſcher follte in Stabt und Land forthin 
unterbleiben, nur mit Ausnahme der großen Staͤdte, wo bie 
Noßtaͤuſcher wohnten. > Minuberger. und andere Kaufleute 


Sungnge be. ihnen, jedoch fonfl — 


alten bevamenben und beſchraͤnkenden Handelsſatzungen und ge 
genſeitigen Belaͤſtigungen, umb folglich auch die immer wieder⸗ 
heiten Klagen und Beſchwerden wie ded Koͤniges fo bed Hoch⸗ 
meiſters Statt, dem fo oft auch Mittel und Wege zur Hin 


1448, Chr. des Ord. Marfchalls, d. Waldau Mittw. vor Quciä 1448 
EGchbl. LXXM. 95. Schr. des Remihurs v. Thorn, d. Wittw, vor 
Barbarä 1448 Schbl. LXXII. 102. 

1) Nameptlich Rum, Thorn, Elhing, Königsberg, Danzig und 
Marienburg. 

2) Bu Marienburg auf Walpurgis und zu Danzig auf Dominil. 

3) Die Verordnungen, d. Mar u... ı nach KreugsErfind, 1448 
Gqbi. LXXUI. 99, 





I Ahr di 000 dam Wehen Anktnmn — 
heworging· Auch bie Verwickelangen ber Preufſiſchen Staͤdte 
ne den Sunfellsten Hamburg, Loͤneburg, Roſtock, Viemer 






* wollte vor allen nichts 
— ans ber Hochmeiſtet folle die Schulvigen nen⸗ 
mn; Wie Roſtocker wucſen ale Schuld, daß der Sitreit noch 
nicht geſchtichtet fe, anf ves Ordens Schaboten. Es blieb 
jet aiches anderes uͤbtig als daß die betnachthetligten Unrerthatien 
des Ditend — ma 0b Mofas Beim —— 


kur ed Mittel, me bie — bein —* racgangig 
za machen; dieſer indeß ließ ſich dazu auf Feine Weiſe gewin⸗ 
mm, fenbem beiimmme nur eine Friſt, binnen twelcher die bei⸗ 
den Stäbe wg Sebring: eines Bebounmaͤchtigten die Sache 
auöyegletchen fadyın wehßer, wenn nicht bie Sadumg ihrer 
Sertgamg haben (HU. * 

ie dagegen jetzt der langwierige Streit 


en des Küatzes dv. Boten am & AM. ». Omooriar far 
quinte bnfra octar. visitat. Marine 1M8 Schbt. XXV- 9. Gar det 
HM. an den König v. Polen, d. Mar. Sonnt. nah Mamt 1448 
Seife. VIH. 613. Scht. des HM. an Krakau, d. Mar. am Ab, 
Bartbofom. 1448 ebend. p. 619; andere Verhandlungen Schbl. XXV. 
2. 77, 

2) Shr. des AM. an Luͤbeck, d. Brandenteng er TBlaſtk 

Achiſtr. VER: 423. 


3) de. des Raths won Humburg an Ben v. vuber, 5 Bienſt. 
na Palmar. as Oqhl. XXIV- 2. hr, des Rath v. Noſtock 
on den v. Luͤbeck, v. Dienfi. nach Palmar. 28 Schot. XXXVV. 3, 
Oel. 87. 27. 

45 Sehr. des AM. an Hechog Heinrich von Mekleuburg, d. Ros 
thenhaus Zreit. nach Urbani 1448 Regiſti. FII. 496, 

11 


164 Handelsvertrag mit Holland. (1448.) 


mit den Holländen wegen bed Schadenerſatzes für bie zwei 
und zwanzig genommenen Schiffe. Der Herzog von Burgunb 
und der Hochmeifter hatten ſich endlich nämlich, dahin geeinigt 
und leßterer hatte auch, wiewohl nicht ohne Mühe, feine Städte 
dafuͤr gewonnen, daß der Schabenerfag von neuntaufend Pfund 
Groſchen durch Auflegung eines Pfundzolled auf die Schiffe 
und Güter der Unterthbanen ded Herzogs abgezahlt werben 
fole.) Ueber die zwedmäßigfte Art der Erhebung dieſes Zol⸗ 
led, fowie ‚uber die Befeitigung der übrigen Streitpunfte in 
den SHanbeldangelegenheiten follte auf einem befondan Bera⸗ 
thungstage dad Nöthige verhandelt werben.? Er fanb zu 
Bremen auch wirklich Statt und ed kam bort zwifchen ben 
Bevollmächtigten des Herzogs und feiner Lande Holland, Sees 
land und Friedland, und denen bed Hochmeifterd und feiner 
Lande Preuffen und Lioland? durch Bermittlung ber brei 
Birrgermeifler und eined Rathöheren von Bremen am fiebzehn: 
ten December diefed Jahres folgender wichtiger Hanbelßvertrag 
zu Stande. 1. Die Sühne zu Kopenhagen bleibt in Kraft, 
nur mit Veränderung ber Zahlung der Entfchäbigung, worüber 
bie Zürften fich vereinigt. 2%. Die Klagen beider Theile über 
den fpdter nah Wegnahme jener Schiffe erlittenen Schaden 
follen vorerft dahin geftellt bleiben, ohne daß irgend ein heil 
etwas darin thut, fei ed durch Arreſtation oder andere Befchas 
bung, fo daß wenigftens ſechs Jahre die Unterthanen beiber 
Lande die andern Lande mit ihren Schiffen und Kaufwaaren 
ruhig und friedlich befuchen dinfen. In den lebten zwei Jah⸗ 
ren biefer Srift werben beide Fuͤrſten fich über eine Tagfahrt 


1) Schr. des HM. an den Herzog v. Burgund, d. Mar. Sonnab. 
nach Marci 1448 Regiftr. VIII. 465. 

2) Uebereinfonmen des HM, mit den Bevollmaͤchtigten bes Her⸗ 
3096 dv. Burgund, d. Mar. 2. Aug. 1448 Schbl. 84. 2. Regiſtr. VIII. 
522. 523. Gar. des HM. an den Livländ. Meifter, d. Mar. Sonn, 
nah Affumt. Marid 1448 Regiſtr. VID. 525. 

3) Vollmacht des HM, für die Sendboten, d. Mar. Mont, nad 
Aegidii 1448 Regiſtr. IX. 5. Schr. des HM. an den Komtpur von 
Bremen, d. wie vor, ebendaf- p. 2, 


Danbelöuerteng „mit. Helfand.  (1448.). 165 


zer Seilegung biefer Streithaͤndel vereinigen. 3. Zur Bezah⸗ 
kung der neuntauſend Pfund Groſchen ſoll ber Pfundzoll wie 
von allen ein⸗ und ausgefuͤhrten Gütern, fo. auch von unge 
münzten Golde und Silber entrichtet werben, nur nicht von 
geniinyztemn Gelbe. 4. Zur jährlichen Berechnung des erhobes 
Dfundzolled follen ber Herzog, ber Hochmeifter und bie 
bt Danzig jeder einen. Bevollmächtigten: fmben. 5. Unten. 
in ber Entrichtung des Pfundzolles ſoll. vom Schulbigen, 
er entdeckt wird, mit dem Dreifachen. bed: Betrages ges 
werben. 6. Kuf. ben Antrag ber Hollaͤnder, Seelaͤnder 
mb Friedlänber, daß fie in des Hochmeifterd Landen von ber 
kaiſerl. Acht und ber Feme frei und ungemühet ſeyn follten, fagten 
bie Senbboten auß Preuffen zu, baß der Hochmeiſter, obgleich 
es nicht im feiner Macht fey, fie bagegen ganz zu fichern, fich 
dech ftets behülflich und, förberlich zeigen werde, bie mit ber 
Ad ober Feme Beldfligten zu befreien und davon: zu entbins 
deu. 7. Des Meifterd Verbot betreffend, daß Fein Hanſeate, 

Engländer, Schotte, Spanier, Holländer u. ſ. w. bis Pfing⸗ 
ira des Jahres 1450 in. Preuffen oder Livland Schiffe bauen, 
kaufen oder verkaufen dürfe, fo fol den Holländern vergönnt 
fon, bis zur genannten Zeit in beiden Ländern zehn Schiffe 
zu kaufen. ' 8. Keinem braven Manne aus Holland, Seeland 
uud Friedland foll in Danzig der König= Artushof zum Vers 
kehre verſchloſſen feyn, jedoch zur Verhütung von Mißhelligkei⸗ 
ten der Befuch erft dann zugeftanden werden, wenn ſich bie 
beiden Fuͤrſten über alle werben vertragen haben. 9. Beim 
alten Pfundgelde, welches in Danzig von allen Sremden und 
Eingefeffenen erhoben wird, follen die Holländer, Seeländer 
und Frieslaͤnder nicht anders als alle andern Voͤlker behandelt 
waben. 10. In Entricktung bes f. g. Lobegeldes, 1) im nur 
mittelbaren Handel mit den Polen, im Verkaufe des Herings 
und Salzes in Livland und Preuſſen u. ſ. w., worin die Hol⸗ 
laͤnder bisher manchen Beſchraͤnkungen unterworfen gewefen, 
ſollen fie fortan diefelben Freiheiten genießen, . wie andere be 


E3 


FE 


1) Bet. darüber oben 8, VO. ©, 470. 


166 Suebutucchäimeifle un Euplanı. (1448.) 


Hamkbete Natlonen. 11. Dagegen felten bie Verufien unb 
Rislämber wegen: Ihe Klagen leben erhoͤhte Zölle unb an vielen 
Orten : ibnas aufgebirbete Abgaben und Auflagen, fo wie 
Kberhaupt wegen aller ihrer Gebrechen im Handel mit Hollanb 
einen Besblkmächtigeen an ben Statthalter und Rath von Hol⸗ 
Jand ſenden, weiche Maͤger und Belagke verbiuen, ihre Be 
weiſe unterſuchen und jeglichen Teiı Bleche gaweiſen werden, 
damit der Kaufmann bei feinen alten Privilegien ımb Beweis 
heiten erhalien: werde. 12. Alle dieſe Beflunmmngen follen ie 
dech noch der Seuchmigung unb dem Willen des Herzegs unb 
des Hochmeiſtets anheimgeftellt bleiben, alſo daß ſte ſich dan 
über bis zu naͤchſten Bohannitr Tage ſchaiftlich erklaͤren follen 
Das führe Geleit für die Serfahren und Kauflenie aus ben 
beiberfeitigen Tanken fell baher bis zum erſten Detober Pünflb 
ges Jahres verlängert: ſeyn, auch fAbft wen bie Benchuriguumg 
bes Grin. nicht eelgte. 3 

An dieſe Verhandlungen zu Bremen fehtoffen ſich arbere 
mit einigen hevollmaͤchtigten Senbboten ans England an. Der 
Handel zwiſchen diefem Lande und Preuffen war beſonders in 
ben letztern Jahren durch eine Menge von gewaltthätigen Em: 
geiffen und perfsnfichen Verletzungen fo vielfach geſtoͤrt, es 
waren bereits fir eine große Zahl Preuffifiher Kauffahrer bald 
durch Beſchlagnahme ihrer Güter, balb durch Aufgreifen ihrer 
Schiffe in England felbft und auf der Ser fo außerorbentliche 


LU 1 62 2Pe no Cr 


1) Das Original über dieſen bisher noch ganz undefannten Han⸗ 
delsvertrag, d. Bremen am 17 Decemb. 1448 Schbl. LXXXIII. 35, 
in Abſchrift Schoi. KXXCHT. 588.406. Die Außerft breit und mwertreidh 
ebgefaßte Urkunde enthält noch einige Punkte mehr als oben mitge 
theilt find, Am Gehluffs erkloͤren dig beiderſeitiaen Sendboten woch 
auedruͤdijch, daß fie afe Punkte und Beſtimmungen nicht als Depu⸗ 
tirte oder Froft Ihrer Vollmochten, ſondern allein aus Freundlichkeit, 
um fie auf Behagen an ihre Herren zu bringen, vorläufig abgefaßt 
und ſich daruͤber verftändigt Hätten. Ueber die dem Vertrage vorange⸗ 
gangenen Verhandlungen mehre Berichte Schol. XXAHE 70. 18%. 
64 - 60. ur 


Haubehtvechäteuigfe mit Bugtemd. (1005) 167 


Beriufie erfolgt, tum es beifihte im ‚Ganbeltieben zuffdgen 
England unb Preuffen ein jo wilter, ordnungẽloſer, anbſuch⸗ 
tiger Beift, Daß tung des feichlichen mb frennblichen Werphls 
niſſes zwiſchen dem Hochmeiſter unb ben huge ſelbſt Dein 
Schiffer eine Fahrt mach England mehr unternehmen konnte. ® 
Mon vergalt natürlich in Preuſſen, um die Verluſte einiger 
maßen zu erfeen, am Engliihen Schiffen uud Kaufleuben mit 
Gleichem, wozu felbft auch die Orbenäbeamten »ftusaid. bie 
Hand boten. Diefer Zuſtand ber. Dinge Tonnte, wie Koͤnig 
Heimich von England ſelbſt einfah, unmoͤglich fo bleiben. Er 
gab daher den Senbboten, bie en im Sommer dieſes Zahres 
in ähnlichen Gefchäften nad) Daremark faubte, zagleich auch 
den Auftrag und die Vollmacht, zur Aufrechthaltung der fruͤ⸗ 
heren Vertraͤge zwiſchen den Konigen Englands und den Hedi 
meiſtern alle Irrungen und Mißverhaͤltniſſe wegen: Werlufte, 
Beranbungen ober fonfliger Gewalthaten umsier ben beiberfati: 
gen Untesthanen wo möglich auszugleichen, ſowie zur Erhal⸗ 
tung bed Ftiedens und zur Sefftellumg und ‚Sicherheit eine 
georbneten Handelsverkehres mit bem —— neue Ver⸗ 
träge abzuſchließen, indem ex zu Allem im voraus feine Ge⸗ 
nehmigung ertheilte.? Diefe Sendboten trafen seht mit des 
Hochmeiſters Machtboten in Bremen zur Berhanblung zuſam⸗ 
men. Allen weiter als uͤber bie Anberaumung eines andern 
Verbandlungstages zu Lühed konnte man ſich miht vercinls 


1) Ein N Ein Beneicniß der den verfchiedenen Dreuff. Stäbten durch 
die Engländer in verſchiedenen Jahren, beſonders 1488 — 1449 wegge⸗ 
nommenen Schiffe u. Guͤter mit Angabe des Schadens Schbl. XXXII. 
112. Willebrandt Hanf, Chron. Ch. II. p. 97. 

2) Es geſchah hoͤchſtens noch auf einen beſondern Schutz⸗ und 
Gmpfeblungäktief des HM. an den König v. England, Reife. 
Vo. 494, 

3) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Gonat. vor Philippi u. 
Jacobi 1448 Schbl. XXXIV. 81. 

4) Vollmacht des Koͤniges v. England für ſeine Geſandten, d 
Wentmonast, XXIV Juli 1MB Schbi. XXXU. 32. XXXIV. 2% 
sel. Bymer T. V. p. 2% 4 Willebrandt Hanf, Ehren, Th. II. 
p. 58 - 59. 


% 


6‘ 


+ 


188 Henbrlsvechkieniffe mit: England... (1448.) 


gen. : Die kaͤniglichen Bevollmaͤchtigten wandten fich darauf 
won Luͤbeck ans auch an den Meiſter ſelbſt, unterrichteten ihn 
vom Zwecke ihrer Sendung, ?) und’ König Heinrich, um ber 
Sache Rachdruck zu geben, woteberholte in einen: — an 
den Hochweifter alle feine Klagen, beſonders daß gewifſe Bes 

flinmiungen, über: bie man früher ‚mit Bevollmächtigten bed 
Dedens in London fich geeinigt, von ibm immer noch. nicht 
Keftätigt,, der engliſche Kaufmann in feinem Handel in Preuf⸗ 
fen fort. und fort den groͤßten Belaͤſtigungen ausgeſetzt fen; 
niemals Erſatz ſeines Schadens. und Verluſtes erhalten koͤnne, 
vielmehr täglich ſchimpflicher behandelt werde, fo daß durch 
ſplche bittere Beſchwerden bewogen das Parlament bereitd ben 
Beſchluß gefaßt habe, alle Privilegien ber Deutſchen und 
Pruſſen in England gänzlich aufzuheben, und diefen Beſchluß 
muͤſſe er als König auch in Ausführung bringen. ? Der Hoch⸗ 


meiſter machte dagegen dem Könige die angemeflenften Vorſtel⸗ 


lungen, ihn erfuchend, che man biefen Schritt wage, doch 
lieber exit. friedliche Wege zur. Ausgleichung einzufchlagen, ins 
dem ex fich. erbot, bis dahin dem Englifchen Raufmanne in 
Preuſſen Freiheit und Sicherheit im Verkehre zu gewähren, 
denn er wünfchte bad zwifchen dem Könige und dem Orden 
beftehende freundliche Verhaͤltniß in jeder Weife aufrecht zu er⸗ 
Halten. d Nun gefchah aber, daß die Engländer nicht went 
ger als hundert und dreißig Schiffe, die theils nach Frankreich 
Spanien, landen und Holland, theild auch in die Hanſe⸗ 
ftädte gehörten, an der Kuͤſte von England mit bewaffneter 
Hand angriffen und wegnahmen. Da auch vierzehn derfelben, 
mit Salz und andern Gütern befrachtet, nach Danzig gehoͤr⸗ 


1) Schr. der Sendboten des om. d. Bremen Mittw. nach —4 
tini 1448 Schbl. XXXIV. 22. 

2) Sr. der Engliſchen Sendboten an den HM. d. übel 1 
Decemb. 1448 Schbl. XXXII. 31. 30, 

3) Schr. des Königes v, England an den HM, d. Westme- 
mast. seoundo die Decemb. 1448 Gchbl. XXXII. 9. 

4) @cır. des HM. an ben Känig v. England, d. Mar. am % 
Georgii 1449 Regiftr, IX. 125, 


Verhandl. m. d. Ku. v. Diamar u. Schweden. (1440.) 169 


ten, fo ließ der Hochmeiſter fofort auf die erfle Nachricht von 
biefer neuen Gewaltthat alle in Danzig und fonft in Preuffen 
befinblichen Engfifchen Kaufleute gefangen feßen und zum Ex 
ſatz ber Berlufte alle ihre Gier und Waaren in Beſchlag neh⸗ 
men.) Die gefangenen Engländer wandten ſich zwar alsbald 
an ihren König unb diefer flellte auch dem Hochmeifter ihre 
ſchwere Klage über bie exlitene Behandlung vor; alkin Kon 
rad antwortete ganz kalt: „man hanble jet in Preufien an 
den Englänbern in eben der Art, wie in England an feinen 
Unterthanen gehandelt fey. Sorge der König dafiır, daß ben 
Unterthanen des Ordens in England dad Ihrige erflattet wer⸗ 
be, fo werde er in feinem Lande baffelbe thun.“) Go lag 
der Handel mit England jebt ganz darnieder. | 

Auch in den Sfandinavifchen Angelegenheiten waren bie- - 
Unterhanblumgen im Jahre 1449 wieder ziemlich lebhaft. Nach⸗ 


dem fi) König Karl von Schweden der Statt Wisby auf Gothland = 


bemädjtigt, wandte er fich an ben Hochmeiſter, ven er wegen 
des den Preuſſiſchen Seefahrern durch König Erich veranlaßten 
großen Schabend und Berlufted fehr erzirnt wußte, mit ber 
Bitte, die Stadt Wisby die unglüdlichen Berhältniffe nicht 
entgelten zu laſſen und ihren Einwohnern nach alter Gewohn⸗ 
beit auch fernerhin die freie Aus⸗ und Einfahrt in die Häfen 
Preuſſens zu geftatten. ? Der Hochmeifter, wegen ber großen 
Nachtheile des fortwährenden Haders für den Handel feines 
Landes eine Ausgleihung des nutzloſen Streites ſchon laͤngſt 
herbeiwuͤnſchend, erbot ſich durch eine Botſchaft beiden Koͤnigen 


1) Schr. der Alterleute des gemelnen Kaufmanns der Deutſ. Hanſe 
zu Bruͤgge an die Stadt Danzig, d. 2 Juni 1449 Schbl. XXXIV. 
71. Schr. des HM. an den Meiſter v. Livland, d. Schlochau ‚Steht 
nach Divifion. Apoſt. 1449 Megiftr. IX. 163. 

2) Schr. ded HM. an den König v. England, d. Roggenbaufen 
12 Dctob. 1449 Regifte, IX. 194, Der Brief iſt überhaupt mit un⸗ 
gewöhnlichen Ernfle gegen den Köntg abgefaßt. Weber diefe Handels⸗ 
verhältniffe mit England Hanſeat. Recefl. VI. 637 ff. 

3) Schr. des Königes Karl v. Schweden an den HM. d. God: 
Holm Sonnt. Septuagef. 1449 Schbl. XXXIL 35, 


} 


170 Betendt. m. d Bin; d. Dimenkazt u. Ehwehen. (4440,) 


gu einer Wermitlfung.D Karl von Schweden, ber ſich "bereit 
mit Erich über manche Punkte geeinigt, weh das Anerbieten 
an, denn auch er fehnte fich nach Frieden. Allein mn: miſchte 
fich auch der König Chriſtian von Dänemark in bie Sache ein, 
von Karlin verlangend, er folle.feln Kriegksolk aus Gothland zu 
rüdziehen, weil dieſes Eilanb ber Arme Daͤnemarks gehöre. 
ee Hochmeiſter, (eb nur nom "interefie {eich Banbes get 

tet, wandte ſich jetzt durch eine Gefantefchaft auch am ihn, bat 
sun feine Kreunbfhaft und Gunft und befonbers um Echuk 

fin ben Seefahrer und Kaufmann. aus. Preuffen, zumal da 
diefe in Dänemark wieder neue Beldfligungen in ihrem Ber 
kehre hatten erbulden müflen.? Gbeiftien fagte ihm alles 
freundlich zu, jeboch unter der Bebiugung, daß bie Preufſſiſchen 
Seefahrer fortan nicht mehr wie bißher gegen bad Verbot Eng 
She Büter in feine Ströme und Gebiete einführen, ben 


muit bahn zu wirken fuchen folle, daß Karl Knutſon, ber ſich 
Schwedens Krone unterwinden, Gothland von feinen Krieg® 
volke räume, um es dem Daͤniſchen Reihe wieder zu verbin⸗ 
den. 9 Der Hochmeiſter befand ſich fomit jegt im einer be 
denklichen Lage. Da er indeß balb erfühe, daß Grid, den 
Denen daB Schloß Wisby, welches fich bisher gegen bie 
Schweden noch gehalten, eingeräumt und ſich nach Yonman 
in: fein Herzogthum begeben habe, um von ba im Sommer 
nach Daͤnemark Iberzufegen, weit er fih mit König Chriſtian 
dahin geeinigt habe, daß er Ihn bei ſeiner Kroͤnung alle dem 

Reiche förmlich abtreten und dagegen brei Schlöffer unb eine 
jährliche Leibrente erhalten folle; da ferner auch Nachricht kam, 


1) Schr. des HM. an König Eric und König Karl von Edit 
den, d. Mar. am Palmfennt. 1449 Megiſtr. IX. 115, 

2) che. des Königes v. Schweden an den HM. bd. Stochholm 
ten: Sonut. nad Oftern 1449 Shbl, XXXI. 103, 
' 8) Yufträge des SM fiir die Befandten, d, Mittw. vor Philippi 
a. Jacobi 1449 Gchbi. XXXI. 103, 

A) Sär. des Koͤniges Chriſtian v. Dinsmart an den HM. d. 
Kopenhagen Dienft. nach Eantate 1449 Eqbl. XXXL 10 da) 





Berhabl. m. d. Bin. v. Dimemark u. Schweden. (1440) 171. 


daß Eheiftien Ach mächtig rüfle, um Schweben zu erobem 
unb Karls Kriegsveik mb Gothland zu vertrebben, ſo weil 
Ugte der Meiſter zwar in De Testen wieberholte Bitte, den 
MWiobyern den freien Hanbeisverkehr in feinen Sanden zu er 
lauben,“ fo daß ber Haudel zwiſchen Preufſen und Wisby 
bald wieber neued Leben gewann, ba ber Ebnig jede Schabden 
perletzung Vrruſſiſcher Schiffe und Kaufwaaren auft ſtrengſte 
verpoͤnt hatte; ) allein er trug doch mehr und mehr eben 
Pen, ſich in’ weitere Verhaudlungen mit den ESuigen vinzulaf⸗ 
fen, um wicht irgendwie in ben Krieg, ber zwiſchen ihnen 
drohte, verwickelt zu werben und rieth baffelbe auch dem Mes 
ſter von Abpland.“) Erſt auf wiederholte Geſuche beider Kb: 
nige an ihn, durch Vermittlung und wo möglich durch einen 
mit Beihllfe der Hanfefläbte einzuleitenden friedlichen Austrag 
ihres Streites dem drohenden Kriege vorzubeugen, ber auch. bem 
Handel Preuffend wieber neue Machtheile bringen mußte, vexs 
hieß er ihnen feine Beihhlfe in ‚der Friedensſache, ſofern ein 
Bechimblungdtag angeerbnet werbe, auf welchem auch bie 
Danfeftäbte zu gründlichen Merhöre der Streitigkeiten erſchei⸗ 
nen Fönnten.® Allein in venfelbigen Tagen warb unter bite 
fliand eigener Anfuͤhrung bie Schwebiihe Beſatzung in. Wieth 





4) cr. det AM. an den Markgr. Hand v. Brandenburg, d. 
Ber. Dienft, nah Pfingſt. 148, Bde. bed HM. an den Meiſter ©. 
Livland, d. Danzig Mont. nah Himmelf. 1449 Regifir. IX. 1544140. 

2) Ohr des AM. an König Karl v. Schwetxen, .& Grebin 
Dienft. nach Himmelf. 1449 Regiſtr. IX. 141. Des SIR. nicht Her 
den Berluft, den feine Unteribanen von Widby aus titten hatten, 
auf 40,000 Marl an. 

3) Schr. des Königes Kart v. Schweden an den HM. ,. Gtods 
Kolm Freit. nad Nativit. Inhanuia 3449 Gchbl. XXI. 82% Ueber 
Die Zunahme der Schiffahrt nach Wabe Repifir. IX. 4 

4) Schr. des AM. an den Meifter v. Livkand, d. Boat, zu 
Pfingſt. 1448. Schn des HM. an den Koͤnig v. Schwaben, d. Tuchel 
am T. Margaretda 1449 Regifir. IX. 180. 164. 6% 

5) Sr. dei HM. an bie Könige v. Daͤnemark u. GSchoeden, d. 
ter. Mont. nach uc. u. Dimf, nad) Banpolem. 19 eotin 
x. 199 127 - 


172 Vethandl. m. d. Kin. v. Daͤnemark u. Säytorben. (1449.) 


(verrätherifch, wie Karl von Schweden Plagte) überfallen, bie 
Stadt angezuͤndet und ganz Gothland für die Krone Daͤne 
marks wieder gewonnen. ? Da bald darauf Karl von Schwe⸗ 
den dem Meifter ben Abſchluß eines Beifriedens, den er mit 
ben Dänen hatte eingeheri müffen, uͤberſandte und ihm für 
feine Bereitwilligkeit zur Vermittlung dankte, fo brach biefer 
nun bie Verhandlungen völlig ab,? denn auf ein Bimdniß, 
welches ihm Karl zur Belämpfung der Dänen durch ein 
heimliche Botfchaft antragen ließ, ließ er fich nicht weiter eim, 
obgleich er gegen König Chriftian wegen Verlegung ber ben 
Dreuffifchen Seefahrern zugefagten Sicherheit und Freiheit und 
wegen ber daraus entftandenen Verluſte fl bie Unterthanen 
des Ordens ſchwere Klagen zu führen hatte, 3) 

Ueberall alſo druͤckkten den Handel mit dem Auslande Bes 
laͤſtigungen und Hemmungen nieder, In Lübed hatte man 
auf die Einfuhr des Bernfleind einen neuen Pfundzoll gelegt, 
der natürlich auch dem Handel mit biefem Produkte großen 
Einttag that. Der Meifter befchwerte ſich daruͤber und bat 
um Aufhebung der Abgabe, „weil der Bernſtein, wie er fagt, 
nicht eine Kaufmannfchaft, fondern eine Gabe Gottes fig.” 9 
Alein auch in diefem Jahre wurde der Zoll dort noch fort em 
hoben und ber Hochmeifter mußte feine Klage tiber diefe Ver⸗ 
letzung bed alter Herkommens und ber Privilegien des Orbend 
erneuern.) Und doch war die Zunft der Bernſtein⸗ Paterno⸗ 


4) Schr. des Königes v. Schweden an den HM. d. Stocholm 
am Abend Bartholom. 1449 Schbl. XXXI. 73, Geijer Geſch. Schwe⸗ 
dene B. I. 2145 vgl. Mallet Geſchichte v. Dänemark B. I. 113. 
Kangom Pomerania 3. II. ©. 67. 

2) Schr. des Könige v. Schweben an den HM. d. Stockhholm 
Dienſt. nah Nativit. Mariä 1449 Schbl. XXXI. 79. 

3) Antwort des HM. auf das Anbringen der Schwebif, Sendbo⸗ 
ten, d. Sonnab, Matthät 1449 Schbl. XXXI. 84. 

4 Schr. des HM. an die Stadt Luͤbeck, d. Mar. am T. Aſſumt. 
Marlaͤ 1448 Regiſtr. VII. 524. 

5) Schr. AM. an feine Seudboten Johann AR Pfarrer zu Thom 
und bie Bürgermelfter zu Danzig und Elbing, d. Waldau Donner, 
vor Petri Kathedra 1449 Schbl. LELXIU. 56, Der HM. macht eb 





Werättniffe.gm Palm. (1449,) 173 


Her: Barker zu Luͤbeck neidiſch und eiferſuͤchtig daruͤber, Daß in 
Preuffen auch für Wenebig Bernflein aufgekauft und dort, ibe 
usb der Paternofiers Macyer: Zunft zu Brügge zum Nachtheil, 
verarbeitet werbe, weshalb auf ihre Klage der Rath non Luͤ⸗ 
bei fi an den Hochmeiſter mit ber Bitte wandte, den 
Beufteinverfauf nad) Italien zu verbieten und. zu hindern. D 
Da mm wie Luͤbeck auch der Erzbifchof von Trier, tie Zolls 
freiheit des Ordens nicht achtend, bie Weine und fonfligen 
Güter der Ordensherren wie alle Übrigen mit Zoͤllen und Abs 
gaben belegte, fo mußte ber Hochmeiſter, nachdem er ſich 
wehemals theils durch den Roͤm. Koͤnig, theils auch ſelbſt, 
wiewobl immer vergebens, an den Erzbiſchof gewandt hatte, 
die Beibülfe des Papfled zur Aufrechthaltung des alten Or 
den privilegiums, welches ihn von allen Zoͤllen frei fprach, in 
Unfpruch nehmen. ? 

Was die hbrigen Verhältniffe ded Ordens zum Auslande 
beträgt, fo Fand er gegen den, König von Polen jet vollkom⸗ 
men gefichert da. Der ewige Friede war ſchon im Februar 
ded Jared 1448 zu Raflenburg fowohl vom Hochmeifter felbft, 
als vom Biſchofe Nicolaus von Samland, dem Ordensmar⸗ 

—* vielen andern Gebietigern und ehrbaren Leuten aus dem 
Lbande beſchworen worden. ? Ueberbieß beſchaͤftigten auch den 
König von Polen theild die innern Verhaͤltniſſe feines Reiches, 
söbefenbere Litthauens, theild auch feine Kriegshaͤndel in ber 
Moldau. Im Sommer ded genannten Jahres hatte er auch 
bereits in WBerbindung mit den Herzogen von Maſovien eine 
ſehr ſtarke Kriegsmacht an die Zatarifche Gränze legen muͤſ⸗ 


als Privilegium u. Recht des Ordens geltend, daß man von keinen 
Gütern des Ordens Bol fordern ſolle. Der Bernſtein ſey In Flandern 
und an allen Orten zolffrei. | 

1) Schr. des Raths v. Kübel an den HM, d. Sonnt. vor Si⸗ 
wer u. Judaͤ 1449 Schbl. 87. 9, 

2) Sir, des HM. an den Ordensprocurator, d Mar. Mont. 
m Pinsft. 1449 Megifis, IX. 148. 

3) Bericht darüber, Mont. mac Mewiniſcere 1448 Schbl. XXV. 


17344 Wechkitniffe m. Pelen. (1440.) 
fen,’ dem fein Gegner, Hetzog Mchael hatte ſich aus 


5 

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zweiter Sinfall imb Land gewagt, dießmal 
Michael ſelbſt gehitet, der an ber Spitze ber 
Der König war zum, hinlanglich geruͤſtet, 
eutgegengezogen; allein bes größte Theil der Polen 
fu vernahmen, daß Herzog Michael ben Zeinb aufichre, 
in keinen Kampf einlaflen, weil fie Michaels Water einen 
feierlichen Eis geleiſtet, daß bie Krone Polens nie gegen ihm 
ſtreiten fole. Auch Die Herzoge von Maſovien bezeigten wenig 
Luſt, As den König Opfer zn bringen.) Run gelang ed 
dieſen 


Ars 
hi; 


gewornmmear Orinzburgen wieber abzanehnen; ) allein glan⸗ 
zenb war vieſes Rrirgögiiel keineswegs, beun ex war fo wenig 


1) Ode. bes Beats v. Gedau an d. Kouchur v. Ofterobe, d. 
am 3. Praxedis 1448 Schbl, XXV. 85. 

2) Schr, des Vogts v. Soldau an d. Komthur v. DOfterode, d. 
Sonnab. nach Corpor. Chr. 1448 Schbl. XXV. 81. 

3) Schr. des HM. an d. Grafen Hans von Dettingen, d. Mar. 
Sonnt. nad Heil. Chriſt. 1449 Regiſtr. X. 68, 

4) Schr. des Vogts v. Soldau an d. HM. d. Sten T. nach 
Frohnleichn. 1449 Schbl. XXV. 58, Schr. des BAM. an den Mieiker 
v. Livland, d. Mar. Sonnad, nach Corpor. Ehr, 1449 Regiſtr. IX. 


155. ‘ 

5 Schr. des Königes v. Polen an ben SM. 5. in Fovogrodeck 
foria VI in feste b. Jacobi 1449 Schbl. AXYV. 5, Cd des HM. 
an dm König, d. Mar. anı 3. Lausentli 3449 Stepife. X. 408. 
. Schr des Liol, Meifters an den HM. d, Aiga u T. Petre Wincule 
1448 Gähl, XVI. 16, Bil, Dingess T. IL 2. 0, 


Bechättniffe gi dam Runfkeflen 6. Beanenb. (1440,) 173 


im Stanbe, wirkfamen Widerſtand zu leiflen, daß Herzog 
Michael im Spaͤtherbſte mit vermehrtem Kriegsvolke einen 
Weitten Einfall wagen konnte, wobei dad Land abermals ber 
ferchtbarften Verheerung Preiß gegeben war. Diefe Wer 
haͤltniſſe erlären es auch, wie es kam, daß der König von 
Polen uͤber die Klagpunkte in Hanbeldangelegenheiten dem 
Hochmeiſter ein ganzes Jahr lang nicht einmal eine Antwert 
gegeben hatte. 2 

Die meiſten Sorgen machten dem Meiſter immer noch 
die Verhaͤltniſſe zum Kurfuͤrſten von Brandenburg; fie waren 
zwar keineswegs mehr feinblich, denn Friedrich ſprach fogar 
in feinen Streithänbeln mit feinen eigenen Unterthanen, beſon⸗ 
ders den Berlinern, den Rath und bie Beihuͤlfe des Hochmei⸗ 
ſters am und dieſer ſchien auch nicht abgeneigt, ihm ſolche im 
Fall ber Roth zu leiſten.) Allein feſtes Vertrauen Tonnte 
Konrad zum Kurflnflen nie gewinmen, denn die päpflliche 
Beftätigung fiber feine Briefe wegen der Nemmark hatte immer 
neh nicht erwirkt werden koͤnnen,“ der Streit wegen ber 
Bruͤcke bei Santock war auch jeht noch nicht beigelegt; verge⸗ 
bens erfuchte der Hochmeiſter den Brarkgrafen Hans um end⸗ 
che Emfheibung;® vergebens ſandten biefer und feine Bruͤ⸗ 
bee Frieberich und Albert den Vetter bed Hochmeiſters Beorg 


8, Schr. des Mol, Meiſters an den AM, d. Miga am E. Katha⸗ 
ind 1449 Sch. XVI. 15, 

2) Ueber die SHanbelsverhältniffe mit Polen Schbl. XXV. 54. 56. 
60. Schr. des HM. an den König v. Polen, d. Mar. am T. Felicis 
MB Regiſtr. IX. 413. 

3) Schr. des HM. an den Vogt ver RAcumark, d. Mar. am T. 
ter Heil, drei Koͤn. 1448 Utegifte. VIE. 408. Gr. des DIOR, an den 
Kurfürften, d. Mor. am T. Aegidii 1448 Megiftr- VOR 528, 

4) Echt. eb HM. an ben Procurator, d. Suhm Dierft. nad 
Sihwetli und Valerian, 1448 Regie. VEIT. 454; ein anderes Schr. an 
den Procurator, d. Rheden am E. Dionyſ. 1448 Regiſtr. ER. 29, 

5) Sche. des HM, an den Karfürſten v. Brandenburg, d. Mar. 
am Ubend Viſit. Marla 1448 Megiſtr. VIE 561. Sr, 6 SR an 
den Martye. Band 9, Brandend. 6, Mau. am 7, Aegldit 1448 Aend. 
rn 528, 


\ 
176 Verhaltniſſe .zu dem Kurfurſten v. Sdenndenb. (1449,) 
von Erlichshauſen, Domherrn zu Wirzburg, zur Befdiiguy 


des Streites nach Preuffen.” Das Wichtigfte aber war, def 


der Kurfinft mit den Herzogen Barnim und Warzlav vor 
Pommern und dem Biſchofe von Kamin ein Hülfbimbnif 
geichloffen hatte gegen jeden, ber wider einen von ihnen irgent 
einen Anfpruch erheben werde; ja ed war unter ihnen fogaı 
von emem Einfalle in die Neumark die Rebe gewefen. Dar 
durfte alfo dort kriegeriſche Ereigniffe befürchten, denn ba 
bloßen Verfiherung, daß das Buͤndniß auf einen Angrifl 
‚gegen ben Drden ziele, konnte der Meifter Fein rechtes Ver 
trauen ſchenken. Man arbeitete- daher auch von Seiten bei 
Ordens mit Eifer an einem Gegenbiinbniffe mit dem Herzog 
von Stettin und den Oberfwinifchen Herren, wobei des Her 
3098 Pluger und gewandter Rath Lüdeke von Maſſow fid 
außerordentlich thätig bewied.?) Da indeß der Hocmeifle 
auf einem Tage zu Hammerftein, wo die Sache zum Schluf 
kommen follte, nicht perfönlich erfcheinen Tonnte, fo zog ſich bie 
Verhandlung immer weiter hin, obgleich die Urkunde über dad 
Buͤndniß bereitd entworfen war. Sie zerfchlug fich endlich 
ganz, ald ber Vogt der Neumark Georg von Eglofftein dem 
Herzog von Stettin in einem Streite mit ben Nieberlänbifchen 
Herren einen Reiterhaufen zu Hülfe fandte, denn biefe traten 
nun gänzlich zurüd und wie man hörte, freuten fie fi, daß 
fie dadurch einen Anſpruch an ben Orden erhalten. Der Vogt 
warb beöhalb zwar feines Amtes entlaffen und dieſes dem bie⸗ 


1) Schr. de6 HM. an ben Grafen Albrecht v. Wertheim, d, Mar. 
am T. Aegidii 1448 Regiſtr. IX. 2. A. 

2) Schr, des Pflegers v. Buͤtow, d. Sonnt. nad Bir u. Mobeſti 
14438 Schbl. XV. 44, 

3) Schr. des Pflegers v. Buͤtow, d. Sonnt. nah Jacobi 1448 
Shhl. XV. 36. Schr. des HM. an Lüdele Maffow, d. Mar. Mittw. 
vor Laurent. 1448 Schbl. XV. 20. 3%. 

. 4) Der Entwurf zum Buͤndniſſe 0. D. Schbl. XV. 19, Schr. des 
Dflegers v. Bütomw, d. Freit. nach Johan. Enthaupt. 1448 Shbl. XV. 
21. 25. 27. Schr, der Hergoge dv. Pommern an die Drbensgefandten 
zu Hammerftein, d. Gälgom Sreit. nad Michaeli 1448 Schbl. XV. 23 


Katpar von Harburg. (4449) 177 


berigen Vogt von Leige Hans von Debene uͤberinagen; 1 
an auch er trat nur mit großem Widerwillen und nur erfl 
auf des Meiſters nachörädlichen Befehl in die jekt mit der. 


Berwaltung ber Neumark verbundenen mißlichen Verhaͤlt⸗ 


nifle ein. 2 

Aber nicht bloß vor dem Kurfuͤrſten wurde der Weiſter 
son auswaͤrts her fort und fort gewarnt, ofme daß man recht 
wußte, was er eigentlich im Werke habe, ?? fonbern es kam 
aud bald: ie Nachricht, daß Herzog Heinrich von Meklen⸗ 
burg, durch die Klagen feine Städte Roflod und Wismar 
gegen ben Orden veranlaßt, fi mit Kaspar von Iſenburg 
verbunden habe, uns fobalb die. Ober mit Eid beſtehe, mit 
Heeresmacht in die Neumark einzufallen, eine Gefahr, zu deren 
Abwehr es dem Vogt fowohl an ber nöthigen Mannſchaft als 
an Gelb und Lebendmitteln gerad.) Erſtere ſandte der 
Meifter fofort aud Pommerelen, um bie Städte und Gräns 
zen der Neumark flärker zu befegen. Daß Heinrich von 
Mellenburg aber mit bem Kusflirften Friederich im Einvers 
ſtaͤndniſſe fiche, fchien dem Hochmeifter gewiß und es Eonnte 
ihn nicht täufchen, daß ihm dieſer im Anfange dieſes Jahres 

1) Schr. des HM. darüber, d. Elbing Freit. vor Eliſabeth 1448 
Mepiftr. IX. 44, 

2) Schr, des Vogts Hans v. Dobened an d. HM, d. Sqhoͤnſee 
Sonnt. vor Martini 1448 Schbl. XIU. 39. 

3) Schr. de6 HM. an den Statthalter in Sachſen, d, Mar. am 


T. Elifaberh 1448 Regiftr. IX. 46. In einem Schr. des HM. an 


den Vogt der Neumark, d. Königeb. Sonnt. zu Faſtnacht 1448 Regiftr. 
VIDV. 424 und einem andern ebend. p. 450 unterfagt er dem entlaffes 


"nen Vogt der Neumark, fi unter keiner Bedingung wie der Kurfürft 


gewünfcht hatte) in deſſen Dienfte als Rath zu begeben und übers 
haupt vertrauten Umgang mit ihm zu pflegen. 

4) Schr. des HM. an Herzog Heinrich v Mektenburg, d. Sobo⸗ 
wis Mittw. nach Katharina 1448. Schr. des HM. an den Vogt der 
Neumark, d. Kifchau Zreit. vor Andre& 1448 Regiftr. IK, 48. 49. 54. 
Chr. ded Bogts der Neumark an den HM, d. Landsberg Mittw. 
nad Luciä 1448 Schbl. XIII, 35. 


5) Schr. de6 Komthurs v. Eibing, d. am T. Johannis in Weih⸗ 


nad. 1448, Schbl. X. 10, 
VIII. 12 


l 


178 . Kaspar von Iſenburg. (1449.) 


einen Boͤhmiſchen Panzer als Neujahrsgeſchenk üherfanbte, ? 

Die Neumark wurde daher immer ſtaͤrker mit Kriegsmann⸗ 
ſchaſt beſetztz der Komthur von Tuchel erhielt Befehl, fi mit 
einer Streitſchaar an bie Oder zu legen, ſich dort moͤglichſt 
zur Gegenwehr zu ruͤſten und zugleich auch Kuͤſtrin beſſer zu 
- bemannen.?. Waͤhrend aber ber Hochmeiſter bemüht war, ben 
Herzog Heinrich wegen ber Klage feiner Städte zu beguͤtigen, 
indem er. eine genaue Unterfuchung ber Sache verfprad, ? 
hatten nicht .nım Kaspar von Iſenburg und eine große Zahl 
von rauflufligen Rittern aus Meklenburg und aus ben Ban 
den der Herzoge von Wolgaft und Barth bem Orden ihre 
Fehdebriefe bereitd zugefandt, fonbern ed war auch fchon-bie 
Seit beftimmt, in ber fie ihren Einfall in die Neumark zu 
Raub und Brand ausführen wollten. Um dem Sturme 
fo viel als möglich vorzubeugen, wandte fich der Hochmeiſter 
fowohl an Kaspar von Iſenburg felbft, ald an bie Herzoge 
Heinrich von Meklenburg, Ioahim von Stettin (mit dem dr 
Hochmeifter immer noch im freundlichften Vernehmen fand), ® 
Barnim von Barth und Warzlaw von Wolgaft, ‚ihnen vor: 
ſtellend, wie leichtfertig Kaspar von. Sfenburg früher empfan⸗ 
gene Wohlthaten vergeflen Ind die feierlichften Verſprechungen 
und Zufagen gebrochen, wie undankbar er am Orden handele, 
ba einer feiner Söhne felbft den Ordensmantel trage und in 
welche Strafe des Bannes und anfehnliche Geldbuße er unfehl: 
bar verfalle, fofern er ſich erkuͤhne, das Ordensgebiet feindlich 


1) Schr. des Kurfuͤrſt. Sriederih an den HM. d. Berlin Don 
nerſt. nad Newjahrstag 1449 Schbl. XII. 35. 

2) Schr. des HM. an den Vogt der Neumark, d. Mar. Don 
nerfl. zu Weihnacht. 1449 Regiſtr. IX. 64 73. 

3) Schr. des HM. an Herzog Heinrich v Meklenb., b. Elbing 
Dienſi. nach Converſ Pauli 1449 Regiſtr. IX. 91. 

4) Schr. des HM. an den Komthur v. Tuchel und den Vogt 
der Neumark, d. Mar. am T. Bincentit 1449 Regiſtr. IX. 82. Scht. 
des HM, an Lübed, d. Elbing Mittw, vor Purif, Mariä 1449 ebend. 
p- 92. 

5) Sär. des HM. an d. Boot de Neumark, d. Mar. Diaf. 
nad) Pfingft. 1439 Regiſtr, IX, 151... 





\ 
Kasper von Iſenhuch. (1449.) 179 


zu übesgiehen, da ſich der Orden in allen Anforberungen,, bie 
‚ex etwa haben möge, vor erwählten Schiebörichtern zu Gleich 
und Recht erbiete. Der Hochmeifler ſchlug mehre Mittel und 
Wege vor, wie bie Irrungen mit Kaspar von Ifenburg auf 
rechtlichem Wege ausgeglihen werben Tönnten, ‚mit ber drin⸗ 
genbften Bitte an bie genannten Zürfien, wie an den Kurfin⸗ 
fen von Brandenburg, ald Vermittler einzutreten und wenn 
ihnen die Vermittlung nicht gelingen follte, ben Verſchmaͤher 
des Rechts in ihren Landen nicht zu hegen und zu bulden, 
auch den Rittem aus ihren Landen, bie bem Orden entfagt 
hatten, ben Zuzug zur Beihülfe Kaspars von Sfenburg mit 
Strenge zu verbieten.” Den Rittern Otto und Joachim von 
. Blantenburg und allen anbem, die dem Orden Fehdebriefe zus 
gefanbt, machte der Meifter bie ernſtlichſten und nachdrücklich⸗ 
ſten Vorſtellungen uͤber ihren verwegenen Schritt, mit Hin⸗ 
weiſung auf die aͤußerſt nachtheiligen Folgen, die fix fie daraus 
bervorgehen wirden; ) und ber Ernſt und Nachdruck, mit 
dem der Hochmeifter auftrat, hatte die erwuͤnſchte Wir⸗ 
kung, daß, fo lange ex lebte, jedes feindliche Unternehmen gegen 
die Neumark unterblieb und felbft Herzog Heinrich von Mel; 
Ienburg dem Drben wieder Friede und Greundfchaft entgegen- 
bot. Nur mit dem Kurfürften von Brandenburg gelang 
buschaus noch Feine Ausgleihung Der Markgraf Hand von 
Brandenburg, der mit dem Hochmeiſter immer noch im vers 
trauteften Vernehmen fland, war zwar zu dieſem Zwede in 
die Mark gekommen; allein Triegerifche Ereigniffe riefen ihn 


1) Schr. des HM. an die genannten Herzoge, d. Dfterode Dienſt. 
nach Dculi 1449 Regiftr. IX. 400 — 401. Schr. an den Karfuͤrſten v. 
Brandenburg, d. Mar. Mittw. nad) Palmar. 1449 ebendaf. p. 118 — 
320. Aufträge des HM, für einen Sendboten an die erwähnten Fuͤr⸗ 
ſten Schol. XII. 5, 


2) Schr. des HM. an die oben genannten Ritter, d. Oſterode 
Dienft. nad Dculi 1449 Regijtr. IX. 402 — 403. 


3) Schr, bes Herzogs Helnrih von Mellenburg an den HM. u 
Bäftrow Sonnt. Jubilate 1449 Schol. VE. 113, 
12 * 





186 Schluß d. Streiteß mit ben Hollaͤnd. Ser. u. Friebl. (1449.) 


ſchnell nach, Franken, ohne daß in ber Streitfache irgend etwas 
gefchehen Tonnte. » 

Um biefelbe Zeit erhielt endlich der langwierige Streit 
mit den Holländern, Seeländen und Friesländern dadurch 
feinen Schluß, daß der Hochmeifler den auf der Tagsverhand⸗ 
Img zu Bremen am Ende des vorigen Jahres entworfenen 
Beſtimmungen ohne weitere Weränderungen feine Genehmi: 
gung ertheilte und den Holländern auf fechd Jahre Schug und 
Sicherheit in allen ihren Handelsverhaͤltniſſen in den Ordens⸗ 
landen zuficherte.d Auf Luͤbecks Aufforderung war er aud) 
bereit, durch Sendung eined Bevollmächtigten auf einen Ber: 
handlungstage zu Bremen die obmwaltenden Streithänbel ber 
Hanfeftäbte mit dem Herzoge von Burgund befeitigen und 
zugleich auch bei diefem durch einen Botfchafter die Aufrecht⸗ 
haltung ber den Hanfeaten ertheilten Privilegien und Handels⸗ 
rechte bewirken zu helfen,” denn auf des Hochmeiſters Theil⸗ 
nahme und Mitwirkung in folchen Verhandlungen legten bie 
Hanfeaten immer noch ganz befondern Werth. Der Bürgers 
meifler von Danzig Reinhold Nieberhof warb dazu mit ber 
nöthigen Vollmacht verfehen, zugleich mit der Befugniß, ben 
Stapel ded Dentfchen Kaufmanns der Hanfe, fofern fih ber 
Herzog den Wünfchen der Hanfeftddte in Rüdficht ihrer alten 
Handelsrechte nicht geneigt zeigen werde, von Brügge nad 


1) Schr. des Markgr. Hans v. Brandenburg an den HE. 
Berlin Mittw. vor Himmelf. 1449 und Schr. des Kurfürft. an ben 
HM. d. Berlin Freit. nah KHimmelf. 1449 Schbl. XII. 87. 68. 36, 
Schr. des HM. an Hans v. Brandenburg d. Mar. Donnerf, nad 
Pfingſt. 1449 Regiſtr. IX. 152, 


2) Schr. der HM. an den Herzog v Burgund, d. Danzig ame 
Himmelfahrtstag. 1449 Regiſtr. IX. 139; in einem andern Schr. d. 
Dar, am T. Petri und Pauli 1449 Regiftr. IX. 159 erfucht er den 
Herzog, ihm feinen Willen wegen Genehmigung des Receſſes fund zu 
thun, da cr bis dahin darüber von ihm noch nichts vernommen batte. 


3) Schr. des HM. an Luͤbeck, d. Danzig Himmelf. 1419 Rtgifir. 
IX. 139, 


Fo 


Verhandlungen to. d. Statuten Werners v. Orfein. (1449,) 181 


oder anderöwohin zu verlegen, zumal mit Brlgge 
in Folge von Beichlagnahme Preuffifcher Handelögüter Strei⸗ 
tigkeiten obwalteten, zu deren Entſcheidung auf ben Antrag 
bes Ordensmarſchalls der Magiftrat dieſer Stabt nach Rom 
cirt worben war.?? Uebrigend aber gewann ber Handel 
zwilhen Holland und Preuffen nun neues Leben, denn erfolg 
tem auch biöweilen in einzelnen Fällen noch gewaltthätige Sins 
güffe, wie es vor dem Swen in Slandern einem aus Portu⸗ 
gal kommenden Schiffe des Ordens gefchah, fo wurden doch 
folhe Einzelnheiten bei dem emflen Streben beider Fuͤrſten 
zur Aufrechthaltung ber Sicherheit und. Ruhe immer leicht 
befeitigt. ®) 

So weit orbnete der Hochmeifter, fo viel es ihm möglich 
war, die Berhältniffe mit dem Auslande. Aber auch den its 
nm Angelegenheiten bed Ordens wie feines Lande wanbte 
er fort und fort feine ganze Thätigkeit zu. Vor allem wandte 
es alles an, um den neuen Umtrieben bed Deutichmeifters. ent» 
gegen zu arbeiten. Der früher erwähnte Verfuch des Hoch⸗ 
meiſters, am päpfllichen Hofe einen förmlichen Widerruf ber 
Etetuten Wernerd von Orſeln auszuwirken, war damals, wie 
wir hörten , nicht nach Wunſch gelungen? Bald darauf bot 
dagegen der Deutfihmeifter durch feine Sachwalter in Rom 
alle Mittel auf, vom Papfte wo möglich eine Beſtaͤtigung ge 
wiffer Beftimmungen zu erhalten, die ohne Zweifel diefe Ste 
tuten betrafen, denn er wußte wohl, daß der Hochmeifter fei- 
nm Plan noch nicht aufgegeben. Der Ordensprocurator hatte 
jedoch den Verſuch des Deutichmeifterd beim Papfte hintertrie⸗ 


1) Bollmadıt für den Bürgermeifter v. Danis „d. Mar. om J. 
Johannis Bapt. 1449 Regiſtr IX. 158. 


2) Die Eitations = Urkunde, b.. Romae XVI. Ari. 1449 Schbl. 

3) Sär. des HM. an den Herzog v. Burgund, d. rt Sonnt. 
nad Jacobi 1449 Regiſtr. IX. 165. 

4 S. oben S. 129. | 


i82 Verhandlungen w. d. Statuten Werners v. Orfeln. (1449,) 


ben. Hatten ſchon diefe Werhältniffe und bie fortwährenben, 
immer dringenderen Gelbmahnungen an den Hochmeifter wegen 
der alten Schuld eine ſtarke Kälte und Sparmung zwiſchen 
beiden angeregt, 2? fo wuchs bad Mißtrauen des SHochmeifter! 
noch mehr, als fih auch von Wien aus die Nachricht ver: 
breitete, daß der Deutfchmeifter auch dort Plane verfolge, dir 
ben ganzen Orben in große Zwietracht bringen und zum Ber 
berben gereichen müßten; ?) und man erfuhr bald, daß er audi 
beim Roͤm. Könige eine Beſtaͤtigung der Statuten zu erhalten 
geſucht. Auch der Meiſter von Livland hatte dieſe Nachricht 
erhalten, gab jedoch dem Hochmeiſter die Verſicherung, daß er 
und der ganze Orden in Livland auf keinen Fall an der Sache 
heil nchmen und dem Hochmeifter ſtets fefte Treue und Ge 
horfam beweifen wuͤrden.“ Das Wichtigfte aber war, daß 
c& mittlerweile ber Ordensprocurator durch feine woieberholten 
Vorſtellungen ber großen Gefahr eined neiten ärgerlichen Zwie⸗ 
fraltö im Orden beim Papfte dahin gebracht, eine Bulle aus⸗ 
zuwirken, in welcher dieſer bie Bifchöfe von Ermland und Po: 
meſanien beauftragte, aufs gründlichfte und gewiffenhaftefte zu 
unterſuchen, ob und in welcher Weife die Statuten Werners 
von Orſeln dem Orden wirflih heilfam und vortheilhaft oder 
wegen Unftieden und Zwietracht, bie daraus hervorgehen koͤnn⸗ 
ten, gefährlich und verberblich feyn wirben. Im letztern Falle 
erhielten die Bifchöfe zugleich die Vollmacht, die Statuten 
fammt deren Beftätigungen und barauf geſchehenen Verpflich⸗ 


1) Schr. des Drdentprocurators an den AM. d. Rom Mittw. 
nad Jacobi 1448. Er erfuhr die Sache heimlich. Der Papft hatte 
ihm aber verfprochen, „er wolle folches nit zugeben noch beflätten, 
funder der orden fole hinfüro als bisher in feiner freiheit und lobli⸗ 
der gewonheit bleiben. “ 

2) Schr. des HD. an den Deutfchmeifter, d. Mar. am T. Innos 
cent. 1449 Pegifte, IX. 67. 132— 133. 178. 

3) Schr. des HAM. an Nicolaus Weißenburg zu Bien, d. Mar. 
Pfingft. 1449, Schr. deff. an den Komthur zu Wien u. an den Ordene⸗ 
procurator, d. wie vor Megifir. IX. 146— 147, ' 

4) Schr. des Livlaͤnd. Meifters, d, Riga Eonnab, vor Marga⸗ 


% 


Janere Eanbetvechäieniffe. (1400) 183 


tmigen ohne weiteres fin unkraͤftig und michlig zu erklaͤren, 
bie Widerſpaͤnſtigen aber ſofort mit dem Banne zu beſtrafen. 
Judem es endlich ber Papft ausdrücklich als feinen Willen 
ausfprach, daß nur das f. g. Ordensbuch bie geltende Norm 
und dad Geſetzbuch fir den Orden ſeyn ſolle, hob er die 
geſetzliche Gültigkeit der Statuten an fich- fchon auf, weil fie, 
wie erwähnt, ind Ordensbuch nicht mit aufgenommen ‚waren. 
Um fich jeboch für jeden Ball ſicher zu fielen, hatte bereits 
der Hochmeifler dem Ordensprocurator ben Auftrag extheilt, 
den Papft um bie gefehliche Beflimmung zu erfuchen, daß alle 
Drbenöbrüber, bie dem Hochmeifler Ungehorfam beweifen ober 
w ſonft des Ordens Regeln, Statuten, Gewohnheiten oder 
ten widerſetzen wuͤrben, vbne weiteres im Banne 
kyn.? Die beiden Biſchoͤfe von Pomeſanien und. Ermland 
sahen nun zwar noch eine genaue Unterfuchung in Beie 
kung auf bad Ordensbuch ımd die Statuten vor; ?) allein der 
Deutichmeifter gab von felbft feinen Plan ohne weiteres auf. * 
Ohnedieß aber würbe er bei feinem Vornehmen in Preuffen 

it auch nicht den Anklang und die Beihülfe gefunden haben, 
wie früher gefchehen war, ‚Seit langen Zeiten hatte bad Land 


1) Diefe wichtige Bulle, d. Romae pridie Calend. Maji 1449 p. 
a tertio im Original und mehren Abſchriften Schbl. ZU. 16, Koße: 
due 3. 1V. 296— 298, 

2) Schr. de HW, an den Procurator, d, Mar, am Pfingftabend 
149 Regifir. IX. 147, 

3) Schr. des Biſchofs v. Ermland an den HM., d. Heilsberg am 
T. Hieronqui 1449 Schol. LXXL 50; er bittet den HM. um jemand, 
der über den alten Streit wegen der Statuten gut unterrichtet ſey. 
Bir Haben auch noch eine Urkunde der Bifchöfe von Pomefanien und 
Ernsland, worin fie in Folge der erwähnten päpftlihen Bulle mehre 
Gchieriger, den Drdensfpitiler KHeinri Reuß v. Plauen, den Komthur 
von Thorn u. a. nad) Elbing vorladen ad verilicationem narratorum, 
Die Sache betraf ebenfalls die Statuten; allein die Urkunde, d. im 
epide Eliting . . «. October. 1449 Gchbl. IL 6, ift fo vermodert, daß 
ige näherer Sapatt nicht mehr zu entziffern iſt. 

4) 2m einem Schr. des Deutſchmeiſters an den HM. d. Korned 
Seit, vor Gimen und Judaͤ 1449 Schbl. 98. 44 ift von der Gade 
gar nicht wucht die Rede, 1. 


184 . Same Banbitorchäitniffe. (1449.) 


fein ruhigeres Jahr geſehen als biefed. In Ahorn vegte ſich 
zwar in einigen Verſammlungen, durch einige vornehme Wort 
führer angereizt, ‘ber alte Geiſt des Widerfirebens und ber 
Unzufriedenheit von Zeit zu Zeit immer wieber. Sie wollten 
dort feinen freien Markt dulden; er ſey, erklaͤrten fie, keines⸗ 
wegs auf Betrieb des Landes ober ber Ritterſchaft, ſondem 
nur auf Gutduͤnken der Landesherrſchaft angeordnet. Sie A 
ten ferner ud: fonft babe der Hochmeiſter durch bie Stadt⸗ 

gemeine sine geroifie Quantitdt Korn und Hafer auflaufen 
und für Zeiten ber Noth auf die Ordensſpeicher aufſchuͤtten 
laſſen; jetzt ſey dieſes einigen Gebietigern und dem Biſchofe 
von Ermland zugewieſen und auch dadurch die Nahrung ber 
Stadt geſchmaͤlert worden; überhaupt leide ihrefreie Stabt” 
durch ihre eigene Landesherrſchaft allerlei Beſchwerden und 
Belaͤſtigungen, ſelbſt dunh neue Zoͤlle; deshalb ſchon feyen 
ſie auch keineswegs geneigt, ihren Bund abzuthun. Freilich 
habe man ſonſt großes Vertrauen auf Hans von Cjzegenberg 
ald den Vornehmſten ded Bundes gefebt gehabt; feitbem bie 
fer aber zu Elbing zum Hochmeifter gefagt: „Gnaͤdiger Har 
Meifter, gelobet, und hilft das nicht, fo richtet!” gehe ihnen 
dieß fehr nahe. Im Uebrigen aber gab fich bei ben Bunde 
verwandten, felbft auch bei denen, die fonft am eifrigften für 
ben Bund gefpruchen und gewirft, überall eine gewiffe zag⸗ 
hafte und muthloſe Stimmung wie in ihren Reden ſo in 
ihren Handlungen kund.) Wie man auf Hans von Czegen⸗ 
berg "nicht mehr viel vertrauen zu wollen ſchien, fo hemmte 
fortwährende Krankheit auch Hanfend von Baiſen Thaͤtig⸗ 
keit.) Ueberdieß gab man jetzt kluͤglicher Weife auch alle 


1) Als folche werden noch genannt Johann von ber Linden, Phi⸗ 
Iipp von Loe, Lucas Watzelrode, Johann von der Leype u. a. 

2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Beſchneid. Chr. 1440. 

3) Schr. des AM. an den Hauptmann Kratkowsky zu Neflau, 
d. Rothenhaus am T. Felicis Eonfefl. 1449 Regiſtr. IX, 396; er bib 
tet den Hauptmann, dem juͤdiſchen Arzt Meifter Meygen, der wegen 
Hanſens von Ballen Krankheit nach Deriubers kommen ſolle, fichered 
Geleit zu geben. 


Lane Landesverhaͤitniffe. (1449.) ‚183 


were Berfuche auf, ben Bund: mit Gewalt aufzulbfen ober 
die Berbündeterr durch Mittel der Lift oder auf andere Meife 
vom einanber zu trennen, denn wenngleich fich unter den Or⸗ 
bendgebietigern allerdings immer noch manche fanden, bie, ben 
Bed als Aufruhr betrachtend, die Theilnehmer gerne mit 
Sem und Schwert zum Gehorfam hätten bringen mögen, fo 
and biefer Partei im Orden boch mit überwiegenden Eins 
ſiuſſe eine andere gegenuͤber, die, mit dem Hochmeifter an ihrer 
Spike, jegt von ber Anficht geleitet wurbe: der Bund werde 
fh lich von felbft aufldfen, wenn ein gutes ımb georbnetes 
Regiment allgemein im Lande herrfchend werbe, :wenn man 
theull und ohne Anfehen ber Perfon Recht und Gerechtigkeit 
handhabe und bad Volk in Landen und Städten wieder allges 
mein Zımeigung und Vertrauen zur Landesherrſchaft gewonnen 
habe. Dieß aber hatte fi ber Hochmeiſter jetzt zur wichtlgften 
Aufgabe geſtellt und von biefer Leberzeugung geleitet wußte 
a auch die flinmifchere Segenpartei immer im Zügel und 
Zeum zu halten. ’ 

Je mehr fich aber umter biefer frieblichen Ruhe bed Lan: 
bed die Außficht eined immer glüdlicheren Gebeihend: feines 
Vohlſtandes eröffnete, um fo mehr hielt fich der Meifter auch 
verpflichtet, einer Gefahr vorzubäugen, die.wenigflend auf einige 
ct für dad Land verberblich wirken und ihm einen Theil 
feines beſten Kräfte entziehen konnte. Schon im Mai nämlich 
weldete der Deutfchmeifter, daß in den Deutfchen Konventen 
viele Ordensbruͤder gefonnen feyen, im nächiten Jubeljahre nach 
Rem zu pilgern und bort Ablaß zu ſuchen. Die Nachtheile 
davon dem Hochmeiſter vorftellend., ertheilte ex ihm ben Rath, 
Gar eine vom Papfte auszuwirkende Bulle in jebem Orbens: 
gebiete einige Perſonen bevollmächtigen gu laſſen, ven Ordens⸗ 
brüdern, die es verlangen winden, Beichte zu gewähren und fie 
eben ſolches Ablaffes theilhaftig zu machen, als wenn fie ihn 
verſonlich in Rom ſuchten.) Der Hochmeifter, nicht ohne 

1) Bat. darüber Schütz p. 160. 

2) Sr, des Deuiſchmeiſters, d. Horneck Mont. nad Jocundit. 
1.64, 9 8. . ’ FB 


186 Innere Landerverhalenifte. (1449.) 


Beiorgniß, daß in Preuffen außer den Ordensbruͤbdern auch 
eine große Menge Volkes die Wanderung nah Rom antres 
ten, bie fläbtifchen Aemter- zum Theil unverwaltet und das 
Land hie und da unbebaut bleiben werde, folgte dem Rathe 
und gab dem Ordensprocurator barlber bie nöthigen Aufs 
träge. Weil indeß die Bulle fo bald nicht erwartet werben 
Eonnte, fo fand der Meifter mit Beirath der Landes » Prälaterz 
fie zweckmaͤßig, bem Wolke überall befannt machen zu Iaffen, 
daß man beim Papfte eine Gnadenbulle zur Ertheilung des 
Ablaffed im Jubeljahre erwerben werde, es bürften alſo die 
Unterthanen des Ordens bed Ablaſſes wegen bad Land nicht 
verlaffen, denn jeder werde ihn an den Orten erhalten können, 


die der Papft ſelbſt näher beflimmen werde. Auf der Präla= . 


ten Rath erließ ber Dochmeifter dann auch einen Befehl ar 
die Gebietiger und Amtleute an ben Gränzen, daß fie vorerſt 
bis Weihnachten keinen Pilgrim über die Gränze geben laffen, 
fondern jeden, der nad Rom wandern wolle, wieder zuruͤck⸗ 
weifen follten, bis bie paͤpſtliche Ablaßbulle angelommen fen. - 
Der Procurator in Rom erhielt daher die Weiſung, die Sache 
aufs möglichfte zu befchleunigen. 2) 

Gerne hätte ſich jegt der Hochmeifler auch mit dem Erm⸗ 
laͤndiſchen Domkapitel wegen ber ihm zugeflandenen Befekung 
von zwei Domfliftöftellen ausgeglichen; allein allerlei Aufhetzun⸗ 
gen, meift von den erbitterten Seifllichen aus Riga ausgehend, 
hatten bad Mißtrauen ded Kapitel gegen bed Meiſters Abfich- 
ten und Plane noch gefleigert. Man möge fi, bie es von 
dorther, gegen den Orden möglichft vorſehen, denn wie ex ſich 
jetzt bie Belebung von zwei Domherrnſtellen anmaße, fo gebe 
offenbar fein ganzes Streben dahin, nach bed jegigen Biſchofs 
Tode zu bewirken, daß bad ganze Domflift zu Frauenburg, 
wie zu Dorpat, dem Orden einverleibt und mit Ordensbruͤdern 


1) Schr. des HM. an den Drdensprocurator, d, Mar, Mont. vor 
Doniiniei 1449 Regffir. IX. 171—172, 

2) Schr. des HM. an den Procurater, d, Mar. Mont. nach 
Franciſti 1469 Regiſtr. IK. 133 — 189, Ausſchreiben des HR. au 
die Komthure und Amtleute an den Graͤnzen 0, D. Gchbl, LIE 136, 


Innere Lanbeöverhäfentffe. (1449.) - 187 


befeht werde. Der Hochmeifter, wohl erkennend, daß biefe 
aufhegende Erdichtung nur darauf berechnet fey, dem Unftieben 
und der Erbitterung bed Domtapiteld neue Nahrung zu geben, 
hielt fir nothwendig, fih in einer Mittheilung an dieſes letz⸗ 
tere über die Quelle und den unredlichen, feindfeligen Zweck, 
aus weldem das verbreitete Gerücht gefloffen und wozu es 
berechnet fen, offen und frei audzufprechen, mit der wahrhaftes 
fin Verficherung, daß nie ein entfernter Gedanke folcher Art 
in feiner Seele erwacht fey.”D Da indeß bie dem Hochmeifter 
vom Papſte ertheilte nähere Erklärung über das verliehene 
Prieilegium den Bifchöfen von Pomefanien und Samland zur 
Öffentlichen Bekanntmachung aus Rom bereitö zugefandt war, 
zugleich mit der Aufforderung, dem Meifter bei Ausübung ber 
darin enthaltenen Befugniß auf alle Weife, noͤthigenfalls feibft 
mit Zwangsmitteln beizuftehen, und da ber Biſchof und das 
Domfapitel von Ermland davon auch fchon die nöthige Kennts 
niß erhalten, ? fo machte er jest von dem ihm ertheilten 
Rechte auch ohne weitered Gebrauch, indem er feinem vielrähs 
rigen getreuen und Tenntnißreichen Gefchäftöträger, dem Doctor 
Lorenz Blumenau eine. vacante Domherrnſtelle zuertheilte, 9 


‚ obgleich er wohl wußte, daß man von Seiten des Domkapi⸗ 


tels durch Sachwalter in Rom immer noch mit allem Eifer 
daran arbeitete, ihm das verliebene Privilegium burch eine 


1) Schr. des HM. an den Dompropft und das Kapitel zu Frauen⸗ 
burg, d. Brandenburg Donnerft. vor Balentini 1449, 


2) Due des Papftes an die Bilchöfe von Bafa (Vasatensi) Po⸗ 
mefanien und Sanıland, d. Romae VI Idus Februar. p. a. secundo 
(1149) Schbl. XIII. 7. Urt, des Biſchofs Bernhard von Bafa, worin 
er dem Bifchofe und Kapitel von Ermland die erwähnte Declaration 
des Papſtes befannt macht, d. Romae XXVIU. Maji 1449 Schbl, 
Zur. 8, 


3) Schr. der Gebletiger an den Procurator, d. Mar. am Abend 
Eifabeth 1449 Regifr. DI. 200, Notariats inſtrument über die Ver⸗ 
leihung eines Kanonicats an Laurentius Blumenau, d. Seumis penal- 
imo die Ostobr. u Schol. LL 31, 


189 Konrads v. Erlchehauſen Krankheit u. Jod. (1449.) 


daſſelbe widerrufende Bulle bed Papftes wo moͤglich wieder zu 
entziehen. 

Bereitd aber ſtand der Hochmeifler am Abend feinee Tage. 
Längft hatte fein reger und ſtets thätiger Geift mit feinem 
ſchwachen Körper wie. im Kampfe gelegen. Schon lange hatte 
er in Rom um bie Vergünftigung. bitten müffen, an Faſttagen 
Fleiſch und Milch genießen zu bürfen, weil Fiſch⸗ und Faſten⸗ 
fpeifen feiner ſchwachen Gefundheit nicht zufagten.? Es war 
das zunehmende Gefühl feiner Hinfälligkeit unb ber innere 
Drang frommer Sefinnung, ber ihn bewog, vom Papfle bie 
Losſprechung von allen Sünden, „darauf wir, wie er fagt, ein 
Gewiffen haben würden, wie bie auch wären, groß ober Bein,” 
zu ebitten. „Ihr duͤrft euch nicht befahren, fchrieb er darlıber 
dem Procurator, daß wir burflig oder mit Vorſatz darauf ſuͤn⸗ 
digen woliten, denn wir und felbft ungern verleiten mögen.“ 3) 
Seit einiger Zeit fhon war fein Körper boppelt ſtark angegrifs 
fen. Es wird berichtet, daß feine Kränklichkeit dadurch fehr 
vermehrt worben fey, daß er eine Fiſtel, die lange Zeit. fließenb 
gewefen, babe zubeilen laſſen.) Schon einmal hatte ihn im 
Herbft diefed Jahres der Schlag gerührt; dennoch konnte man 
ihn nicht bewegen, fich zu ſchonen und feine jährliche Umreiſe 
Dusch - einen Xheil ded Landes außzufegen. Er trat fie im 
Anfange des Octobers an, und ging über Roggenhauſen nach 
Graudenz, wo ibn der Schlag zum zweitenmal traf. Da er 
fein Roß nicht mehr befteigen Fonnte, ließ er ſich nah Papau 
fahren, Hier verſuchte er es aber dennoch wieder, den Weg 


— —— — — 


1) Daruͤber mehre Sr. des HM. an den Procurator aus dieſem 
Jahre Regiſtr. IX. 101— 102. 153. 173, 

2) Schr, des HM. an den Procurator, d, Dar. am T. Innocent, 
1447 Reyiftr. VID. 154 

3) Kogebue 2. IV. ©. 108. 

4 Drdens= Ghron. p. 179. Einige Ehroniften, wie Preuff. Ehros 
nica, Henneberger p. 306 ſchreiben feine Krankheit und feinen 
Tod feiner Gewiffenhaftigkeit im Geläbde der Keuſchheit zu, jedoch wie 
fhon Pauli 3. IV. ©. 310 vermuthet, wird von Henneberger Konz 
rad von Erlichahauſen mit Konrad von Zungingen verwechſelt; vgl. 
oben B. VL 377, Die DrdenssEhren. p. 179 fpricht chenfalls davon. 


KRonrads dv. Erlichehauſen Krankheit u. Tod. (1449) 18% 


bis nach Thorn und Schönfee, „role wohl ger bel: und genen 
den Rath feine Kompane” reitenb zurädzulegen.D Bon da 
aber konnte er die Reife nicht mehr forkfegen. Ex Tehrte nad 
Stuhm zurüd;® bier fehwanden "feine Kräfte täglich meht 
mb mehr, fo Daß man ihn nur noch mit großer Mühe nad 
Boxtenburg bringen konnte. 

Da die Krankheit ded Meifter mit jebem Tage bedenk⸗ 
Sicher ward, fo fanden die vornehmſten Gebietiger es rathſam, 
Eh im Haupthaufe zu verfammeln, um feinen Rath zu hören 
wegen eines windigen Nachfolgerd, Sie begannen das Ge 
fpräch mit tröftenden Worten über feine Krankheit, ihn hinweis 
ſend auf Gottes Mächt, bie leicht alles wieber zum Beſten 
führen koͤnne. Konrad aber erwicberte bie firafende Worte: 
„die Freude, die ich während meiner Regierung von euch und 
andem gehabt, müßte mich wohl krank machen, wenn ich es 
wicht fchon wäre. Wir ift fo wohl, daß ich nichts, anderes 
begehrte, als zu flerben. Gott vergebe mir meine Stunden!“ 
a3 ihn darauf bie Gebiefiger um Rath fragten: wer man 
im Falle feines Hinſcheidens zum Verweſer bed armen, betruͤb⸗ 
tm Landes erwählen folle? antwortete er: „es wäre wohl ein 
weifer , verfländiger Verweſer dem armen Lande groß Noth, 
wenn man ihn nur hören wollte Es find vor anbern zwei 
muter euch, bie nach der Ehre des Meifteramted ſtreben. Nehmt 
dr Heinrich Reuß von Plauen, fo habt ihr einen Aufſtand ber 
Untertbanen. Waͤhlt ihr meinen Vetter Ludwig, fo weiß fih 
Dieter ſelbſt nicht zu rathen und muß thun, was ihr und ans 
dere wollen. Ich duͤrfte euch wohl rathen zu Henn Wilhelm 

1) 9% die alte Preuff Ehron, p. 46. Eie ſtimmt mit den Orte⸗ 
augaben der letzten Schreiben ded HM. im Regiſtr. IX. 10 — 1% 
voͤlig überein. Sein Schreiben aus Schönfee hat das Datum: Mitts 
woch nach Luck 1449. Die erwähnte Chronik fchreibt feine Kraͤnklich⸗ 
keis zums Theil auch dem Umftande zu, „daz ber nymer of den abend 
06, fundern des andern tagis a6 ber denne deſte mehr.” Ordens⸗ 
Ehren. p. 179. Schütz p. 161 fagt: er fiel „aus herzliher Wehmut 
in Schwachheit.“ Jaenichii Meletemata Thorun. T. II. p. 226. 

2) Bon bier aus ift fein legted Schreiben Datirt: Stuhm am T. 
Simon und Judä (28 Octob.) 1449 Regiſtr. IX. 194. 


190 Nonschb v. Eciqͥchanſen Kranfpeit u. Ted. (1449.) 


von Eppingen, Komtchur zu Oſterode, ber, ein fanftmthiger, 
friedliebendr Mann, das Land mit Treuen meine. Aber was 
nuͤtzt ed, daß ich euch rathe; es iſt alled umſonſt, benn ich weiß 
wohl, daß juͤngſt die meiften Gebietiger zu Diewe verfanmelt bes 
fchloffen haben: wer von ihnen zum Hochmeiſter erforen werbe, 
folle den Bund vernichten, follte man auch dad Land darüber 
verlieren. Und flieht großes Unheil bevor um unſerer Simbe 
willen. Auf Gottesdienſt achten wir nicht, leben alle in Ueber⸗ 
muth und jeder thut, was ihn gelüfte. Wollte Gott, ich wäre 
in ein Karthäuferklofter gezogen, mir wäre nun viel beffer. 
Sott kehre den Iammer dieſes armen Landes ab! Mit Gots 
tes Hülfe iſt es durch umfere Vorfahren von ben Heben ge 
wonnen; fehet zu, daß man ed durch Gottes Verhängniß aus 
Uebermuth nicht wieder verliere. Gott erbarme fich feiner!” » 
Nah dielen Worten tiefer Wehmuth Tehrte er fich zur 
Seite, jammerte und ſeufzte. Da gefegneten ihn bie Gebieti- 
ger und gingen davon, einige ihn kleinmuͤthig ſcheltend, anbere 
voll banger Beforgniß wegen ber unbeilvollen Zukunft. We⸗ 
nige Tage nachher, am fiebenten November Abends um fünf 
Uhr verfchied Konrad ruhig in feiner Kammer und warb am 
Abend vor Martini aufs feierlichfte beftattet, 2 ber legte Meifter, 
der feine Ruheftätte in der ©. Annens Gruft in Marienburg 
fand. Neun Jahre hatte er dem Orden vorgeflanben; fo 


ſchwer fir ihn die Zeit diefer Regentfchaft auch gewefen war, 


1) Die ganze Verhandlung bei Schüsz p. 161, Ordenschron p. 
239, 270. 182. ’ 

2) Schätz 1. e. Ordens⸗Chron. p. 182 — 183. 

3) Die alte Preufl. Chron. a. a. D. u. DrdenssChron. p. 179, 
giebt den ©. Leonards - Tag oder 16 Novem. als Todestag an, Bas 
chem Ehronol. der HM. S. 44 den Gten Noven.; beides unrichtig. 
Mir haben die genaufte Nachricht darüber im Regiſtr. IX. 195, wo 
e6 heißt: In der Jarczal unſers Herren 1449 am febenden tage des 
Menden Noveniber, das mas der nefte freitag vor dem tage fant Dlars 
tint, den hatten wir darnach am Dinftag, fen den Abendt umb des 
zeigers fünfe vorftarb der Erwirdige herre Eonrad von Erlichshuſen Ho⸗ 
meifter deutſchs Ordens uffem Huwze Morienburg in feyner lamer. 





Konrabs v. Elichthauſen Verbicuſte. (1449.) ° 391 


fo bezeugten doch bie Gebietiger: nur Eine gemeinſame Sehe 
des Volkes folge dem Meiſter ind Grab nach.” 

Und fürmahe Konrad ficht in der Gefcbichte wie -ald 
Menſch, fo ald Ordens⸗Meiſter und Landesfinſt gleich ehrwin⸗ 
dig und hochachtungswerth da. Sein fefter, unbeftechlicher 
Sinn, fein rubiger Ernft und feine ımerfchütterliche Entfchlofs 
fenheit und Beharrlichkeit in jeglicher Lage bed Lebens unb uns 
ter den ſchweren Stimmen feiner Zeit, gepaart mit milder und 
ſchonender Gefinnung, mit wahrer, dchter Froͤmmigkeit im 
Geiſte feines Zeitalterd, erheben ihn in die Reihe ber ebelften 
Sürften feined Jahrhunderts. Bor allem prägt fich in allen 
feinen beieflichen Mittheilungen ganz befonbers fein frommes, 
ſtets gottverteauended Gemuͤth aus, Er hielt daher auch im⸗ 
mer fireng auf fleißigen Beſuch des Gottesdienſtes und gottes⸗ 
dienſtliche Uebungen. Schon ald Komthur von Ragnit ließ er 
fi) der Gnadenwirkungen frommer gottetbienfllicher Uebungen 
theilhaftig machen. Ueberall, wo menſchliches Leiden. zu lin- 
ben war, zeigte fich feine vaͤterliche Sorgfalt felbft bei den: 
Seringften feiner Untertbanen. Noch in den legten Jahren 
feine Lebens war er eifrigft bemüht, dem von ihm bei Preuſ⸗ 
ſiſch⸗ Holland geſtifteten Hospital fur Arme und Leidende durch 
eine paͤpſtliche Beſtaͤtigung ſeiner Freiheiten fuͤr die Zukunft 
Dauer zu verſchaffen.“ Auch fir die Vicare der ©. Adal⸗ 
bertö= Kapelle bei Lochſtaͤdt verwandte er ſich gerne wegen Ers . 


neuerung bed ber Kapelle vom päpftlichen Stuhle ertheilten Ab⸗ 


laſſes, der zu ihrem Unterhalte diente. Freilich waren ſei⸗ 
ner Freigebigkeit und Mildthätigkeit, wie. er ſelbſt ſchmerzlich 


1) Schr. der Gebietiger an die Ppralaten, Aebte u. ſ. w. d. War, 
am Abend Martini 1449 Regiftr. IX. 195, 
a2) Auszug aus der Preufl. Ehronica. 

3) ©. oben ©. 5. f. Url. des Priors u. Konvents des Kloſters 
Paradieß, d. Carthusie an. 1426 Gchbl. LIV. 19. 17. 

4) Schr. des HM. an den Procurator, d, Mar. Sonnt, Judica 
1448 Regifir. VIII. 431. 

5) Schr. des HM. an den Procurator, d. Hohenflein Gonnt. 
Dculi 3449 Regiftr, IX. 103, 


192 Konrabd v. Ertkhehaufen Vechlenſte. (1440.) 


Plagte, durch die Binanzbebrängniife bed Ordens häufig zu enge 
Graͤnzen geftedt; aber er half flets, fo viel er Eonnte, erließ 
Sinfen und gewährte Mittel zur Aufhuͤlfe, fo viel ihm irgend 
möglich war. Sprechende Beweiſe feiner milden Sorgfalt find 
eine große Menge f. g. Tifchverfhreibungen, durch bie er alte, 
getreue Diener des Ordens in ihrem Alter mit Wohnung, Be⸗ 
koſtigung und. Kleidımg -in den Drbenshäufern bid au ihe Les 
bensende verforgte, um ihnen Die Tage ihres Alters zu erleich⸗ 
ten. D Den Kindern des treuen Anhängers bes Ordens 
Eckards von Guͤntersberg gab er nicht nur bie von ihrem Bas 
ter bem Drden verpfändbeten filbernen Geraͤthe ohne weiteres 
zuriͤck, ſondern beſchenkte fie auch zur Belohnung ber Ver⸗ 
dienſte ihre Waters mit mehren Hundert Marl.) Wie er 
mit großer Sorgfalt füch des mildthaͤtigen umb zahlreich beſuch⸗ 
ten Brigitten» Klofterd zu Danzig annahm unb befien ſpaͤrliche 
Einkimfte zu vernehmen fuchte, fo verbot er dagegen mit 
aller Strenge auf des Ordensſpittlers Rath das faule Bet⸗ 
teln ober f. g. Xerminiren ber Mönche zu Elbing, bie mit 
ihren Bettelfäen durchs ganze Land zu ziehen pflesten, 
zumal da fie einen Franken Ordensbruber durch ihre Gies 
vigfeit zu einer ſchweren Gefegwidrigteit verleitet hatten. ©) 
Streng und ernſt uͤbte er überall Recht und Gerechtigkeit 
und dieß vorzuͤglich erwarb ihm auch immer voteber das 
Bertrauen: feiner Unterthbanen. Um fo entichiebener aber 
Fonnte er auch alle Verſuche zuruͤckweiſen, welche die Weſtphaͤ⸗ 





1) ©. die Urkunden v. I. 1449 Regiſtr. IX. 28. 60. 14 —125, 
460. 183, . w 

2) Beiſpiele im Regiſtr. IX. 5. 10. 33, 107; 109. 145. se u. a. 

3) Schr, des HM. an d. Waſdmeiſter v. Schievelbein, d. Mar. 
Sonnt. nach Aller Hell. 1448 IX. 4, 

4). Schr. des HM. an den Procurator, d. Mar. Sreit. 9— Dio⸗ 
nyſ. 1449 Regiſtr. IX. 190; ebenſo ein Schr. Ludwigs von Eriiche⸗ 
hauſen an den Procurator vom J. 1450 ebendaſ. p. 225. 

5) Schr. des Ordensſpittlers, d. Elbing Mont, vor Maria Hm 
melf, 1448 Schbl. LIX. 20. 


Kemrads v. Erlichshauſen Verdienfie. (1440) 193 
Wien Zemgerichte zur Geltendmachung ihrer Gerichtögewalt im 
Dhenöflaate jest fhon fo oft wieberhalten, wie er denn 
ach den häufig vorfomimenden Vorladungen des Röm. Koͤni⸗ 
ges an Drdensunterthanen vor bad Lönigliche Hofgericht zur 
Berantwortung gegen ihre Kläger fich ſtets widerſetzte, zu⸗ 
mel ba fie immer die Freiheiten bed Ordens verlegten. ® 
Da Konrad fletd — drang, daß jedem, der Klage 
a führen hatte, vor feinem geſetzlichen Richter und auf 
dem geordneten Wege bed Rechts und Geſetzes Recht wis 
derfahre, fo ließ er auch zwei Zweilämpfer im Kulmers 
lande, bie gegen fein ausdruͤckliches Exbieten, ihnen durch 
Berufung einer Ritterbank nach Ritterrecht Recht fprechen zu 
laſſen, dennoch ein Duell vollzogen hatten, in Haft nehmen 
mob nur auf feiner Gebietiger Fürbitte nach einiger Zeit auf 
Bürgfchaft wieber frei geben.) Endlich barf unter Konrads 
vielen ruͤhmlichen Eigenfchaften feine Friebensliebe und fein 
veföhnlicher Sinn kaum noch einmal erwähnt werben, denn 
dieſe Zugenben prägen, wie wir bereitö gefehen, allen feinen 
Handlungen und feinem gefammten Wirken wie in ben wir- 
zen Verhaͤltniſſen zu feinen Unterthanen, fo in denen zum Aus⸗ 
lande den burchgreifenden Charakter auf, Immerdar und über 
el war ed Friede, gedeihliche Ruhe, Verſoͤhnung und Aus⸗ 
gleichung wiberfirebender Intereffen, denen ex ald Zielen ſeines 
Birtend entgegenging. Er war, wie ihn die Chronik nennt, 
ein wahrbafter Friedepsfuͤrſt. 

Als Oberhaupt des Ordens erkannte wohl keiner ſo gut 
wie er die ſuͤndlichen Verirrungen, Maͤngel und Gebrechen, die 
ſe tief ſchon am Herzen des Ordens nagten und ihn der in⸗ 
nern Aufloͤſung und dem Untergange immer naͤher entgegen⸗ 


1) a Boigt die Weſphaͤliſ. Femgerichte in Beꝛlehung auf 
Prcuſſ. S. & ff. 

2) Sr. des HM. an d. Komthur zu Wien, d. Mar. Donnerſt. 
neh Rewigii 1449 Regifir. 186— 187. Scholl. VE. 38. 

3) Schr. des Komthurs v. Ehrifiburg, d. Preufffh- Mark am 
hend Margaretha 1449. Schr. des Vogts v. Lelpe, d. Dienft. nad 
Trinitat. 1449 Schbl. LXIL 1, 3, 

VII. 13 


194 Konrads von Erlichshauſen Berbienft. (1449.) 


führten. Wir hörten bereits, wie fafl Fein Jahr feiner Ansts- 
verwaltung vorüberging, in welchem er nicht bemüht war, die 
zuchtlofen und verwilderten Ordensbrüder zur alten Regel, zu 
fittlicher Zucht, zum Gehorfam, zur Entfagung des Eigen: 
thums und überhaupt zur Obſervanz ihrer Gelübbe zurüdzus 
führen; D unb in biefem Streben war er auch noch in bem 
letztern Iahren unermüdlich thaͤtig. Noch im Jahre 1448 er: 
ließ er an die Sebietiger eine Anzahl von Verorbnungen, bie 
theils ben Beſuch des fo fehr vernadhläffigten Gottesdienſtes, 
theild die fitengere Hausorbnung und fittliche Lebensweile ber 
Ordensbruͤder zum Ziele hatten. D® Er hielt daflır, daß beſon⸗ 
ders bei der Aufnahme junger Ordensritter mit größerer Strenge 
und Vorficht auf ihren fittlichen Wandel, ihren moralifchen 
Werth, Reife des Urtheils und uͤberhaupt ihre ganze Tauglich⸗ 
keit für das Leben und ihre Beſtimmung im Orden geſehen 
werben muͤſſe. Dieß fchien ihm um fo nothwenbiger, da in 
Deutichland ber Zudrang zum Orden immer noch fehr groß 
war, denn von allen Seiten ber meldeten fich von Jahr zus 
Jahr zahlreich Söhne edler Kamillen zum Cintritt in den Or⸗ 
den? ober fie wurden auch haufig von Fürften zur Aufnahme 
bem ‚Hochmeifter empfohlen, wie ber junge Graf von Dohna 
vom Herzog Flotko von Teſchen.“ Konrab, beflen wach 
ſamem Auge bie großen Nachtheile dee leichtfertigen und ohne 
gehörige Prüfung erfolgten Aufnahme junger Leute nicht ent» 
gangen waren, gebot daher, ed folle fortan Fein Landkomthur 
ober Komthur in Deutishland. junge Edelleute in ben Orden 
aufnehmen und einkleibenz; er wolle nach alter Gewohnheit ms 


1) She, des HM. an den Landkomthur von Defterreich, d. Stuhm 
Donnerft. nad Judica 1449 Regiftr. IX. 114, woraus zugleich her⸗ 
vorgeht, daß es mit dem Gehorſam der Ordensbruͤder anderwärts nicht 
befier fand als in Preuffen. 

2) Die Verordnungen des AM. vom J. 1448 Gqhbl. LXXI. 52. 

‚ 3) Schr, des HM. an den Landkomthur von Bieſſen, d. Grebin 
Dienft. nach Himmelf. 1449 Regiſtr. IX. 143. 

4) Schr. des Herzogs Zlotlo zu Tefchen, Herr zu Großglogau an 

den HM, d. Großglogau Oſtermont. 1449 Schbl. Adelsgeſch. D. 37, 38, 


Koneads von Erlichshaufen Verdienſte. (1449) 195 


mer ſelbſt Bevollmaͤchtigte ausfenden, die dieſes Gefchäft fireng 
nah Regel und Geſetz und nach gewifienhaftefter Prüfumg 
ausführen follten.D Er ſtellte dabei aber noch ein höheres Ziel. 
Bisher war ed Gewohnheit, daß jemand, ber in den On 
den eingefleibet werben füllte, zuvor das Geluͤbde bes Ge: 
horſams ablegen mußte; in die Kirche zum Amte der Meffe 
geführt, legte man ihm dann nach vorgefchriebenem Ritus bie 
Dibendfleidvung an. Konrad indeß, der in feinem Orden nicht 
bloß gehorfame Kirchengaͤnger, fondern auch gebildete Menſchen 
in feinen Ordensbruͤdern fehen mochte, zugleich auch von ber 
nichtigen Anficht geleitet, daß ımter ben jungen aufgenomme⸗ 
wen Orbeörittern ohne eine gewiſſe höhere Bilbung auch Feine 
Eittlichfeit und Fein georbneter Lebendwandel herrfchend wer» 
den koͤnne, wandte ſich nad) Rom, um durch eine paͤpſtliche 
Bulle die Erlaubniß auszuwirken, baß tauglich befunbene Per- 
feren auch nach geleiftetem Geluͤbde des Gehorfams noch drei 
bis vier Jahre oder fo lange man es zweckdienlich finde, in 
weiffichen Kleidern bleiben und waͤhrend ber Zeit auf Univerfi- 
teten gefanbt ober ald Sendboten und Bevollmaͤchtigte in 
fremden Ländern gebraucht werben könnten, um fich auf dieſe 
Weiſe mehr audzubilden,? denn Konrab hatte wohl erkannt, 
daß die Zeit vorüber ſey, in welcher der weiße Orbensmantel 
allein ſchon Achtung und Ehrfurcht erweckte, und daß ber Or⸗ 
den nur durch Bildung und Intelligenz aus ſeiner Geſunken⸗ 
beit wieder emporgehoben werben muͤſſe; er hatte wohl er⸗ 
kannt, daß die bloßen Formen und Aeußerlichkeiten ohne in⸗ 
nen geifligen Gehalt keine Geltung mehr fanden. Er zog 
daher nicht nur häufig gelehrte ober fonft gebilvete Männer 
ins Lanb, wenn fie ibm vom Deutſchmeiſter ober von Goͤn⸗ 
nern des Ordens empfohlen wurden ,? ſondern wie fein Vor⸗ 


I, Sir. des HM. an den Landkomthur v. Bieſſen a. a D. 
2) Edr. des AM. an den Procurator, d. Mar, Mont. nad 
Balmar. 1449 Regiſtr. IX. 118. 
3) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, d. Mar. am T. Res 
migii 1448 Regiftr. IX. 16, 
13 * 


196 Konrads von Erlichöhaufen Verdienſte. (1449.) 


gänger unterftüigte er auch immer eine Anzahl talentvoller Jimg⸗ 
linge auf ausländifchen hohen Schulen. Auf Koften bed Or: 
dens fludirten junge Leute aus Preuffen zu Bologna, Siena, 
Löwen, Krakau, Wien u. ſ. w.) Nach vollendeten Studien 
wurden fie dann in Gefchäften des Ordens bald im Haupt- 
hauſe Marienburg oder anberwärtd als Sachwalter angeftelt 
oder ald Gefandte zu Verhandlungen ausgefandt. 

o Betrachten wir endlich Konrad von Erlichshauſen ald wal- 
tenben Landesfuͤrſten, fo fehen wir auch hier fein wachendes 
“ Auge ſtets auf des Landes Wohlfahrt und Gedeihen, auf Rube 
- und Ordnung im Volke und Abftelung herrſchender Mängel 
und Gebrechen gerichtet. Sind aber Gefege immer gewiſſer⸗ 
maßen ein Maaßſtab fir den Stand der Bildung und Sitt: 
lichkeit eined Volkes, fo duͤrften die vielen Verordnungen und 
Geſetze dieſes Meifterd eben Fein ruͤhmliches Zeugniß für die 
Gefittung feiner Zeit ftellen und im fittlichen Zuftande ded Vol: 
tes in Marienburg tritt und auch in der That, wie ſchon er: 
wähnt, das traurigſte Bild der tiefflen moralifchen Gefunken⸗ 
heit entgegen. Gewinnſucht und Geldgier, Vergnuͤgungsluſt 
und Genußfucht, Verachtung alles Hehren und Heiligen, Be 
ug im Handel und Wandel, Kleiderluxus, Unzucht und 
Schamlofigkeit, Abtreiben ber Frucht, Kindermord, Voͤllerei und 
gewaltſame Entführungen ehrbarer Frauen, Ehebruch, Verach⸗ 
tung ber Priefter und bes Gottesdienſtes, Entweihung ber 
Sonn= und Feiertage find die Suͤnden und Verbrechen, fiber 
die felbft der Handwerksmann in Marienburg beim Deeifter ſich 
aufs bitterfte beflagte.? Häufig wurden im Lande wie in den 
Stäben Mordthaten, Diebereien und andere. Verbrechen be 
gangen; ed fehlte nicht an Beifpielen mörberifcher Ueberfäle 
felbft von Preuffifchen Edelleuten. Ueberall herrichte im Volke 
noch finſterer Aberglaube; Häufig ſchlichen im Lande noch Zau⸗ 


1) Mehre Beiſpiele in Boigts Geſch. Marienb. S. 385; Re 
giſtr. IX. 38. 42. 46. 59. 487 502. Schbl. 105. 223. 

2) ©. oben S. 15. Voigis Geſch. Marienb. S. 39 372. 
566. 


Konrabs von Erlichöhaufen Verbieufte. (1449). 197 


berer und Zauberinnen umher, die den. Bürger und Landmann. 
auf alle Weife zu umflriden und zu beteligen wußten; noch 
immer waren im gemeinen Volke allerlei heibnifche Gebräuche 
im Schmange und um fo weniger warb ber chriftliche Gottes⸗ 
dienft befucht. Sonn: und Feſttage entheiligte man durch als 
lerlei grobe und lärmende Arbeiten, durch Handel und Krämes 
rei ober.felbft durch Saufen und Wöllerei. Und wie ber Her, 
fo der Knecht; fo. oft auch Öefindeorbnungen entworfen und 
daran gebefert wurde, das Gefinde in Stabt und Land hielt 
fi) wenig an Drdnung und Geſetz. Vorkauf drüdte Arme 
und Dürftige immer tiefer ind Elend, und Luxus bei Hochzei⸗ 
ten und Kindtaufen, Schmaufereien, Saufgelage, Zarme umb 
Spielmuth machten Reiche arm. Auf dem Lande faß ber - 
Bauer bis tief in die Nacht in Bierhaͤuſern. Bettelei nahm 
immer mehr uͤberhand. Verſchuldeten Bauern mußte oft das 
Ackervieh abgepfändet werben.) Kaum ein halbes Jahrhun⸗ 
dert hatte hingereicht, dad Land aus feinem MWohlftande und 
ſeiner Blüthe unter Konrad von Jungingen in dieſes Elend. 
und Verberbniß zu bringen. 

. Konrad von Erlichshauſen war aufs emftlichfte bemüht, 
gewefen, biefem fittlihen Verfalle auf alle Weife entgegenzus 
arbeiten und durch firenge Geſetze die Gebrechen und Uebel, 
die alle Lebensnerven zerrütteten, wieber audzurotten. Alle be 
waffneten Zuſammenkuͤnfte, Läfterungen und Schmähreben ge 
gen die Landesherrſchaft oder ſtaͤdtiſchen Magiftrate wurden 
ſcharf verpoͤnt. Es warb geboten, jeder Herr folle feine Un- 
terfaffen, Untergebenen und Gefinde zu Beicht und Gottesdienſt 
anhalten und vor Zauberei und Aberglauben warnen; am 
Sonntage und auf dem Kirchhofe folle fortan Fein Markt oder 
Verkauf mehr Statt finden; kein Kauf oder Zaufh um Erbe 
oder Grundſtuͤcke, am Abende gefchloffen, folle gültig feyn, 
wenn er des Morgens nicht von neuem genehmigt werde. Der 
Entführer einer Frau oder Jungfrau wider ihren Willen und 


1) Das Einzelne geht aus des HM Gefehen u. Landesordnungen, 
zum Theil auch aus miehren Schreiben der Komthure hervor. 


198 Konrabs von Erlichshauſen Verdienſte. 1449.) 


nicht minder die Gehülfen follten ihres Eigenthums ımb Erb⸗ 
vechtö verluflig ſeyn und gleiche Strafe bie entführte Jungfrau 
treffen; kehre fie zuruͤckk, fo folle fie nur ihre Nahrungsnoth⸗ 
durft erhalten. Auch über Handwerksunfug, den fi) häufig 
Gefellen erlaubten, wurden verfchiedene Gefete verfügt. Alle 
Amtleute follten die Deutfchen und Preuffiihen Dorfbewohner 
ernfllich zum Gottesdienſt anhalten und darauf fehen, daß das 
Preuffifche Gefinde das Pater-Nofter und den Glauben erlerne. 
Bei Hochzeiten, Kindtaufen, in der Kleibung u. f. w. ſchrieb 
ber Meifter zweckmaͤßige befchräntende Beftimmungen vor und 
verfügte überhaupt eine Menge heilfame Verordnungen, bie 
das Leben mehr regeln und veredeln, bie Sitten reinigen und 
verbeffern und den Zuſtand ber religißfen und fittlichen Bil⸗ 
dung des Volkes mehr und mehr emporheben follten.” Kon: 
rad indeß warf feinen Samen in einer Jeit aus, in welcher 
unter ben nachfolgenden wilden Stürmen aus ihm Feine ge 
beihliche Brucht hervorgehen konnte. 


1) Diefe Sandesordnung u, Geſetze Konrads v. Erlichshaufen im 
geh. Archiv, gedrudt bei Baczko 8. II. 407—429, Auszüge bei Kos 
tzebue B. IV. 95 ff. Sie enthalten außer dem oben Mitgetheilten 
noch manche insereffante Notiz Aber den fittlichen Zuſtand der Zeit, 


Sagungen ber Gebietiger. (1450.) 199 


Zweites Kapitel. 


Wr gewöhnlich bei eines Meiſters Tod ging die Sandeöver: 
waltung, bevor ein Statthalter erkoren war, zunächft auf den 
hefim Gebietigers Rath über. Ihn bildeten jet der Groß: 
bmthur Heinrich von Richtenberg, der Ordensmarfchall Kilian 
ven Erdorf, der Oberfl-Spittler Heinrich Reuß von Plauen, 
vn Oberſt⸗Trappier Wilhelm von Helfenflein und einige an: 
dar Raihsgebietiger. In ſolchen Zeiten wurden ſtets nur bie 
bringmdften Angelegenheiten in Berathung gezogen. Nichts 
aber war jegt dringender ald die Sorge für die von ben Nach⸗ 
bestanden abermals bedrohte Sicherheit der Neumark. Dem 
Bogte wurbe daher aufs fchleunigfte die ſorgſamſte Bewachung 
der Burgen und Graͤnzen anempfohlen und der Kurflrft Frie⸗ 
deich von Brandenburg im nöthigen Falle um Schutz und 
Schirm gebeten.) Um die Gunſt des Roͤm. Könige und der 
vernehmflen Reichöflirften warb man durch Zuſendung ber ſchoͤn⸗ 
fen Falkengeſchenke, die ihnen ſchon der verftorbene Meifter 
ngedaht.D Erſt im Anfange des Decemberd \erkoren bie 
Rathögebietiger den Großkomthur Heinrich von Richtenberg zum 





1) Schr, der Drdensgebietiger an den Vogt der Neumark u. den 


Aufirken v. Brandenburg, d. Mar, am T. Martini 1449 Regiftr. 
19, 


2) Sär. der Gebietiger an d. Roͤm. König u. andere Bürften, 
d Mar, Donnerſt. nach Martini 1449 Regiftr, IX. 196. 


v2 


200 Sagungen der Gehletiger.. (1450.) 


Statthalter D und beriefen num auch erſt bie Meiſter von 
Deutfchland und Livland und die Landfomthure und Komthure 
von Oeſterreich, Elſaß u. a. zur neuen Meifterwahl ind Haupt: 
haus Marienburg auf den Sonntag Lätare nächfles Jahres. ? 
Wichtig aber war ed, daß man jest ſchon uͤber gewille Bes 
fimmungen, eine Art von Wahltapitulation, einig ward, deren 
Aufrechthaltung und Befolgung der künftige Hochmeifter unbe 
dingt verfprechen ſollte.) Es hieß darin: der Eünftige Mes 
ſter folle nicht fich allein, fondern dem ganzen Drben hulbigen 
laſſen, wie von Alterd her gewoͤhnlich; er folle keinem Gebiete 
oder Amte etwas von feinen Zinfen, Fiſchereien oder ſonſti⸗ 
gem Einkommen entziehen, beſonders was zu einem Konvente 
gehöre, ferner auf Gebietiger oder Ordensbruͤder einen Schoß 
ausſetzen ohne feines innerften Rathes Wiffen. Der Nachlaß 
verfiorbener Konventsbrüber folle dem Gebietiger des Konventd 
felbft zufallen und nur ber ber alten Gebietiger, „bie zum 
großen Silber ſitzen“, ) dem Treffel, deſſen Treßler ihr Kam 
mergeräth in Empfang nehmen folle nach Verordnung bed Dre 
densbuches. Der Eimftige Meifter folle kein Amt unter fih 
fhlagen, und Preuffiih: Mark und Mewe wieder Konvente 
erhalten, wie fruͤherhin.) Winden dem Meifter von den Ge: 
1) Später beſchwerten ſich die Stände, daß man fo lange Seit, 


ohne Ernennung eines Statthalters Habe hingehen laſſen; Megift: 
x. 132, 

2) Schr. der Gebietiger an die Meifter v. Deutfchland u. Lioland, 
d, Mar. Sreit. nah Barbarä 1449 Regiftr. DI. 201. 

3) Es heißt: Am Tage Barbare im XLIX Jare Haben ale Ge 
bietiger diffe nochgefchreben Artikel alle eyntrechticlichen gelowbet bey 
Iren trewen und eren ftete, vefte und unvorbrochlichen czu halden, fo das 
der, der under en zum Homeiſter geloren und gemachet werde, welchet 
der auch fey, die alfo czu halben. 

4) D. h. die oberften Gebietiger, 

5) Preuffifch = Mark jedoch erft nach zwei Jahren, damit binnen 
der Beit da6 Haus Küftrin gebaut werden koͤnne. Daß der Konvent 
aufgehoben war und wieder eingerichtet werden ſollte, fagt auch ein 
Schr. de6 Komthurs v. Schwer an d. Statthalter, d. Dienſt. nach 
Concept. Mariaͤ 1449 Schbl. LXX. 45, 





Satzungen ber Gebietiger. (1450,) 201 


bieligern, Amtleuten oder Brüdern „Kläffereien ober unendliche 
Reben” angezeigt, fo folle er die Beichuldigten vor fich rufen, 
dte Sache ımterfuchen und ben, der fich nicht zu rechtfertigen . 
wiffe, nach dem Rechte beftrafen. Er folle ferner aus den 
Rheinländern, Meifnern und. denen aus den nahen Landen 
Drei in feinen innerſten und Drei in feinen dußerften Rath auf: 
nehmen, begleichen auch je Drei von den Schwaben, Franken 
end Baiern in jenen und biefen Rath und alle Aemter follten 
fortan gleich getheilt werben, Jeder Gebietiger folle binfort 
feinen Hauskomthur und alle anbern Amtleute felbft anftellen 
umb der Meifter fich nicht damit befafien. Er folle auch kei⸗ 
mer Drdennöbruder in die Eifen fchlagen ober in ben Thurm 
ſeten laſſen; verbreche ein Bruder etwas, fo folle er nach dem 
Drbenbuche in ber Kappe büßen. Keinem Ordensbruder dürfe 
a fin Selb oder Gut mit Gewalt nehmen oder abtroßen, 
men man folle jeglichen das Seine zu bed Drdens Nugen 
fir fein Zeben laſſen; wem er flerbe, folle ed an den Kom⸗ 
thur ſeines Konvented fallen. Gegen Orbenäbrüder follten auch 
mr Drbenöbrüber, nie weltliche Leute zeugen dinfen. Sobald 
des Deutſchmeiſter ind Land komme, follten ihn alle bitten und 
alien Fleiß anwenden, daß er fie bei der Meifterwahl bei 
ihrem Ordensbuche und der alten Gewohnheit bleiben laſſe. 
Die Landkomthure und Komthure in Deutfchland follten fort 
ka mır Strafen, Freiherren, Ritter und Knechte, nach alter 
guter Gewohnheit, nicht aber Bürger oder Bauern um ihrer 
Güter ober ihres Geldes willen in den Orden aufnehmenz 
(hide man folche oder überhaupt Leute von nicht guter Geburt 
instinftige nach Preuffen, fo fole man fie wieder zuruͤckſen⸗ 
den, von wo fie gekommen feyen.” So lauteten die wichtig- 
ken Beflimmungen; man fieht, wie die meiften Darauf berech⸗ 
net waren, des Hochmeifters Gewalt zu befchränfen und bie 
Gebietiger gegen ihn freier zu flellen. 


1) Die Beftimmungen, uͤberſchrieben: „Vorbundt ber Gebietiger 
im Orden etlicher Artitel, die ein konftiger Hohmeiſter czu halten vor- 
frredden und czufagen fol’, in zwei gleichzeitigen Ubfchriften Schbl. XXI. 


202 Verhandlungen wegen bed Subeljahres. (1450.) 


Da brad) dad Jubeljahr 1450 an und mit ihm kam aud 
in Preuffen alled in Bewegung; überall traf man Anflalten 
zur Pügerveife nach Rom. Die Ordensgebietiget gerietben in 
Berlegenheit, was zu thun fey, denn trotz aller Bemühungen 
des Drbensprocuratord, für Preuffen einen beſondern Ablaß 
auszuwirken, war ber Papft nur dahin zu bewegen geweſen, 
einen Kardinalskegaten für Deutſchland zu ernennen, ber dort 
den Ablaß des gnadenreichen Jahres extheilen follte; eb blieb 
ungewiß, ob er auch nach Preuſſen komme; ber Papſt hatte 
nur verfprochen, dem Hochmeiſter auch abweſend ben Ablaß 
und zwar billig geben zu wellm. Bevor man indeß dieß 
in Preuffen erfuhr, mußten hie Maaßregeln getroffen werben, 
weil dad Pilgern aus dem Lande nur bis Weihnachten unters 
fügt war. Die Bifchöfe waren daruͤber verfchiedener Meinungs 
ber Kulmer und Pomefanier viethen, dad Volk am Pilgem 
nicht zu hindern, weil man fonft nad) des Papſtes Bulle in 
große Buße verfalle, der Samländer dagegen, bie Gebietiger 
möchten ſich mit den Magiſtraten der Staͤdte dahin vereinigen, 
dem Wolke die gerade jest fo große Gefahr der Reife durch 
Polen und Deutfchland vorzuftellen und es zu bereden, bie 
Pilgerfchaft noch aufzufchieben bis zur neuen Meifterwahl; be 
neue Meifter werde dann wohl Mittel finden, ben Ablaf noch 
ind Land zu bringen.? Bald inbeß Fam vom Drbenäprocs 
zator die Nachricht an: er habe den Papſt für die Gewährung 
feined Gefuches keineswegs geneigt gefunden; fir die Ordend⸗ 
Brüder und dad Gefinde hoffe er noch eine Gnadenbulle aub⸗ 
zuwirken, nur flr des Ordens Unterthanen werde es ihm nicht 
gelingen. Der Röm. Hof nämlich hatte, wie man erfuhr, 


1) Schr. des Procurators, d. Rom am T. Nicolai (1449) Schbl. 1.42. 

2) Schr. des Biſchofs v. Pomefanien an d. Statthalter, d. Mes 
ſenb. Mittw. nach 5. drei Könige 1450 Schbl. LXIII. 45. Schr. dei 
v. Kulm, d. Löbau Freit. nad Epiphan. 1450 Schbl. LXIV, 32. 
Sär. des v. Samland, d. Fifhhaufen Gonnab, vor Epiphan. 1450 
Schbl. LXIT. 4. 

3) Schr. der Gebletiger an d. Meifter dv, Lioland, d. Mar, Freit. 
vor Balentint 1850 Regiſtr. IX. 214, 


Berhanblungen wegen bes Jubeljahres. (1450) 203 


ez ſhen Übel aufgenommen, daß man im SDrbenslanbe bad 
Pügem nach Rom bereitd unterfagt; ed kam hinzu, daß ber 
Parft den erledigten Bifchoföfluhl von Leilau einem gewilien 
kaſewoli verliehen ımb den Orden aufgefordert hatte, ihn auch 
ia die unter dem Orden gelegenen Güter einzuweiſen. Der 
veftorbene Hochmeifter hatte dem auch Folge geleiſtet. Nun 
ib aber ber König von Polen ben Gebietigern melden, daß 
a in Einverflänbniffe mit dem Kapitel zu Leflau den Johan⸗ 
ns Gruſchinsli zum Biſchofe von Leſlau ernannt habe, fie 
afindernd, den Guͤnſtling des Papftes auf Feine Weife zu 
mtrhügen, und dabei brohend, ex werbe feine und bed Kapis 
ti Vahl mit aller Kraft, felbft auch unter Blutvergießen 
ask zu erhalten fuchen. Die Gebietiger, des Könige Worte 
af findliche Maßregeln gegen ben Orden beutenb, ließen ihm 
atmen: fie winrden die unter dem Orden gelegenen Güter 
ben laffen, ben ber König fende. Um jedoch auch des Pap⸗ 
fd 3m abzuwenden, trugen fie dem Procurator auf, ihm 
De ducch den König bebrängte Lage des Ordens vorzuftellen 
u zu verhuͤten, daß er bed Ordens Untesthanen mit Bann 
u Interkict firafe. 2) 

Um fo mehr wuͤnſchte man jetzt fo bald ald möglich wies 
der ein Haupt an der Spike des Ordens zu fehen, zumal be 
ab Verhandlungen mit dem Könige von England wegen 
Me Tages zu Utrecht obmwalteten, wobei fich bie großen 
Gtähte des Landes nicht eben fügfam zeigten, inbem fie alle 
Beiträge zu denn Koften der Botfchaft verweigerten, ) uͤberdieß 





N Sqhr. des HM, an d. König v. Polen, d. Mar. am 3, 
kanderti 1449 Megiſtr. IX. 412. 

2) Schr, der Gebietiger an d, Procurator, d. Mar. Donnerſt. vor 
ver. Maris 1450 Megiſtr. IX. 208. Schr. des HM. an benfelben, 
d. Mer, Minw. nach Oftern 1450 Regifr. IX, 229, 

3) Sr. der Gebietiger an d. König v. England, d. Mar. 27 
‚ mar 1450 Megiftr. IX. 207. Schr. derf. an Luͤbeck, d. Mar. am 
% Agathà 1450 ebendaf. p. 2411. Schr. der Stadt Kulm und der 
Urigen Gtädte an den Statthalter, d. am T. Upollonia 1450 Schbl. 
RX 111,19 — 141, . 





204 Wahldes HM. Ludwig v. Erichehaufen. (1450.) 


auch der alte König Erich wieder Unterhandlumgen anknüpfen 
wollte, die, wie er vorgab, von Wichtigkeit feyn follten.” Da 
bereitö im März die beiden Meifter von Livland und Deutſch⸗ 
land ihre Herankunft zur Meiftermahl gemeldet, erfterer ſchon 
fehr kraͤnkelnd, Yeterer mit dem Wunſche, den Wahltag etwas 
weiter hinauszufchieben, 2 fo erging fofort an alle Prälaten 
und Konvente die Verordnung, daß am Tage der Meiſterwahl 
in Kiöftern und Kirchen des ganzen Landes in feierlichen Got: 
teöbienfte Gott zum Gelingen einer guten Wahl angerufen wer: 
den folle.? Die Wahl war jebt auf den Tag S. Benebictd 
oder ben emundzwanzigften März feſtgeſetzt. Da erkoren die 
Gebietiger, uneingeden? der Warnung des verfiorbenen Me 
ſters feinen Brudersſohn Ludwig von Erlichöhaufen, kurz zu 
vor noch Komthur zu Mewe, zum Hochmeifter völlig einſtim⸗ 
mig, denn von einer zwiefpältigen Wahl reden nur fpätere 
Berichte. Warum die Stimmen fi alle in ihm vereinigten, 
iſt ungewiß,® vielleicht weil er ſich am leichteflen in bie vor 
erwähnten Beſtimmungen fligte ober auch weil er vielen nad. 
gießiger und geſchmeidiger ſchien, als ſich der letzte Meiſter be⸗ 
wieſen. In einem großen Gebietigeramte hatte ſich Ludwig 


1) Schr. des Koͤniges Erih an d. Komthur v. Danzig, d. Ruͤ⸗ 
genwalde Dienſt. vor Faſtelabend 1450 Schbl. XXXI. 48. 

2) Schr. des Livl. Meiſters an d. Statthalter, d. Tuckem Mont, 
nad) Invocavit 1450 Schbl. LV, 24. Schr. des Deutfchmeifters, d- 
Berlin Donnerft. vor Reminifcere 1450 Schbl. DM. 85. 

3) Rundfchreiben an die Prälaten und Konvente, d, Mar, Mont, 
nad Reminifcere 1450 Regiftr. IX, 216. 

4) Im Fol. A. 139 heißt «6 über den Wahltag „am tage des 
heil. Abtes Benedicti, do die fonne war in Ariete und der Mond ia 
Cancro, das die Astronomi nennen eyn czurüdegebende zeychen.“ 

‚ 5) Ueber den 21 März als Wahltag Tann Fein Sweifel ſeyn; wir 

haben darüber die beflimmteften Angaben im Regiſtr. IX 217 u. X. 
114; vgl. Schütz p. 161. Bachem a. a. O. S. M; ebenfo Über die 
Einftimmigteit in der Wahl; Schr. d. HM. an den Procurator, d. 
Mar. Donnerft. nah Oſtern 1450 NRegiftt. IX. 227. Es ift daher 
unrichtig, daß viele im Wahlfapitel ihre Stimmen dem Heinrich Reuß 
v. Plauen gegeben hätten, wie Kopebue 3. IV. 111 anführt; vgl. 
Sol, A. 139, 


Verhandlung wegen der Huldigung. (1450) 205 


nd keineswegs fuͤr audgebreitete Gefchäftsverwaltung tuͤchtig 
md bewährt gezeigt. Früher meifl nur geringern Aemtern, wie 
dem Bogtamte zu Leipe vorfiehend, war er auch nachmald nur 
zum Amte eined Komthurd gelangt. Sein Vetter, ber vorige 
Reife, hatte ihm einigemal auswärtige Sendimgen, nament: 
ih auch zum Roͤm. Könige übertragen; er felbft fcheint ihn zu 
einem hoͤhern Ordensamte nicht für fähig gehalten zu haben. ® 

Asbald erließ der neue Meifler an die Ritterfchaft und 
Etaͤdte ein Umfchreiben, ihren Abgeorbneten einen Tag beſtim⸗ 
werd zut Berathung über bie zu leiftende Huldigung. Sie 
kamen, aus jedem Gebiete zwei ber Angefehenften von ber 
Rinerſchaft und zwei aus jeber großen Stadt; aber fie traten 
ſogleih mit der Erflärung auf: es fey Herfommen, daß ein 
Pain bei der Huldigung fletd die gefammte Ritterſchaft, 
Inne wie Reiche, Geringe wie Vornehme zufammenberufe, die 
a5 ihrer Mitte Bevollmächtigte gefandt, denen fi) dann auch 
de großen und Eleinen Städte angefchloffen hätten. Da fols 
ches jet nicht gefchehen fey, fo möge der Meifter durch ein 
nes Umfchreiber zuvor auch die Uebrigen zur Verfammlung 
afferden. Ludwig indeß wiberfehte fich der Neuerung, be 
Jauptend, daß auch unter feinem Vorfahr nur die Angeſehen⸗ 
im der Ritterfchaft und nur die großen Städte berufen wor: 
den ſeyen; auch alte Schriften, in denen man nachforfchte, 
wide nicht aus, daß je Die Beinen Städte verfammelt wor⸗ 
dm. Allein Lande und Städte beharrten bei ihrer Forderung, 
Obgleich auch der Deutfchmeifter und die oberften Gebietiger fich 
ins Mittel legten. So mußte der Meifter endlich nachgeben, 
da man ihm.zufagte, daß fonft nichts Unbilliged auf dem Ver: 
haidlungstage vorgenommen werben folle. Er follte zu Elbing 

finden. 2 

1) Im 3. 1434 war Ludwig v. Erlihshaufen Kompan des Kom: 
Mars v. Brandenburg, vom J. 1436 bis 1439 "Kompan des HM., 
von da bis 1447 Bogt von Leipe; als folder ward er 1446 zum Roͤm. 
Köniz geſandt; im 3. 1447 wurde er Konıthur zu Mewe. 

2) Die Berhandlungen im Regifir, X. 114 — 116, Schbi. LXXVIL 
6. Ordens: Chron, p. 184, 


206 Verhandlung wegen ber Hulbigung. (1450.) 


So erweckte ſchon Ludwigs erſter Schritt wieder neues 
Mißtrauen; ed ward bald noch vermehrt, als er die Stadt 
Marienburg durch günftige Zufagen bewog, aud dem Bunde 
audzutreten, benn man fah auch dieſes ald eine feindliche 
Maaßregel gegen bie Verbuͤndeten an. Alſo traten nım auch 
von allen Seiten die Intereffen ber Parteien wieder fchärfer 
hervor. Die Stände, wieder vereint, befchloffen in ihren Be 
rathungen: man wolle dem Meifter zwar huldigen, jebod nur 
mit demfelben Eibe wie feinen Vorfahren, dabei aber auf Zu⸗ 
fiherung ihres Bundes, auf Abftellung der oft gerligten, ſeit⸗ 
dem noch vermehrlen Beſchwerden und auf einen jährlichen 
Richttag mit altem Ernſte bringen. Viele im Orden riethen 
zum Nachgeben, wenigſtens zum Schein, um bie Staͤnde bed 
Bundes wegen vorerft zu beruhigen. Andere widerfprachen mit 
bitterer Heftigkeit, an ihrer Spitze dee Deutfchmeifter, der jede 
freundliche Verhandlung und alle Nachgiebigkeit aufs entſchie⸗ 
denfle verwarf, zu offener Gewalt gegen bie Meuterer anreizte 
und Präftige Vertretung ber Rechte des Ordens beim Papfte, 
Kaifer und Reich verhieß, fobald ed nur der Hochmeiſter nicht 
baran fehlen Iaffe, bie Widerſpaͤnſtigen mit aller Kraft im 
Baume zu halten. ® 


Er verrieth indeß nur zu bald unrebliche Abfichten, ald 
daß fein Wort beim Meifter hätte Vertrauen erwedten können; 
denn in benfelben Zagen brachte er auch von neuem die Streit: 
ſache wegen der Statuten Wernerd von Orfeln zur Sprache, 
ſich beim Hochmeifter beflagend, daß der Meifter von Livland 
unter dem vorigen Hochmeifter einen Widerruf diefer Statuten 
auögeftellt habe, und verlangend, er folle diefen Widerruf wie: 
ber zuruͤcknehmen. Der Lioländifche Meifter aber, vorausfehend, 


1) Die urkundliche Zufage des HAM, für die Stadt Marlenburt 
bei ihrem Austritt aus den Bunde, d. Mar. Mittw. vor Oftern 14% 
Schbl. 42. 4, u. LXXVII. 74 (Abſchrift), gedrudt in Voigt Seſch 
Marienb. ©. 573 vgl. &, 396, 

2) Schistz p. 161. 

3) Schätz 1. e, Ordens⸗Chron. p. 184, 


Tagfahrt zu Eibing. (1450.) 207 


daß bier eine neue Quelle zu Hader und Zwielracht eröffnet 
werbe, war bazu keineswegs geneigt.) Dee Deutfchmeifter 
dagegen ging offenbar darauf aus, den Statuten wieder volle 


Geltung zu werfhaffen? und darum eben mußte ex auch wüns 


chen, daß der Zwifl des Hochmeiflerd mit den Ständen vor 
ef werigfiend noch fortdauere. 

Im Fruͤhling aber war im Lande alled in voller Bewe⸗ 
gung, ein Zheil des Adels, der Bürger und des Landvolkes, 
feibft viele von ben Dienem und dem Hofgefinde bes ‚Hochs 
meiſters im Begriffe, die Pilgerfahrt nach Rom anzutreten, 
denn des Papſtes Zorn fürchtend hatte der Meifter es jetzt jebem 
frei geflellt, die Heimat zu verlaffen und die Zahl ber Auswan⸗ 
dernden war bald fo groß, daß man fürchtete, dad Land werde 
halb verwirftet liegen bleiben und der größten Gefahr ausge⸗ 
fest fyn.? Ein anderer Theil der Ritterfchaft und ber Bin 
ger eilten nach Elbing hin, wo am einundzwanzigfien April 
die wichtige Tagfahrt eröffnet warb. Der Hochmeilter ließ zus 
ek die Stände um ihre Erflärung befragen, wie fie die Hul⸗ 
Yung zu leiften gebächten, feiner Seits verlangenb: man 
folle ihm Huldigen, wie man es feinem Vorfahr gethan. Allein 
die Stände, ihre Antwort verfchiebend, traten dem Meiſter 
mit der Forderung entgegen: er folle, bamit die Verhandlung 
fiber die Huldigung und andere Dinge „ohne allen Verfang‘ 
geſchehe, zuvor feine Schreiber und Gelehrten aus der Ver: 
femmlung entfernen. Der Meifter fand das Verlangen um fo 
befremdender, ba die Gelehrten feine gefchworenen Raͤthe und 


1) Schr. des Livl. Meifters, d. Koͤnigsb. Dienſt. zu Oftern 1450 
Eh. Zi. 39. 

2) Yus dem erwähnten Schr. des Livl. Meifters dürfte man faft 
Khlichen , daß der HM. vom Deutfchmeifter [don halb und halb für 
Be Statuten gewonnen geweien jcy. 

3) Schr. des HM. an den Procurator, d. Mar, Breit. nad 
Quaſimodogen. 1450 Regiſtr. IX. 231— 232. Schr. des HM. an 
Ya Kurfürfken v. Brandenburg, d. May. Gonnt, vor Michaelis 1450 
Begifir. IX. 273, Zol. A, 139 — 140, wonach fehr viele Menfchen, 
Rede u. Arme, Männer u, Frauen nach Rom ausgewandert waren, 


208 Tagfahrt zu Elbing. (1450.) 


die Schreiber feine beftändigen Begleiter auf ſolchen Zagfahr: 
ten waren, zumal da auch die Stände felbft folche unter ſich 
hatten, welche Fremde und nicht einmal feine Unterthanen 
waren. Allein fo entfchieden er fich auch wiberfegte, fo be 
harıten die Stände doch mit folcher Hartnädigkeit darauf, daß 
er dennoch endlich nachgeben und feine Doctoren und Schrei⸗ 
ber entlaffen mußte. Nun traten die Stände mit ihm, dem 
Deutfchmeifter und den Gebietigern in unmittelbare Verband: 
lungen, klagend über allerlei Gebredhen und Schmaͤlerungn 
ihrer Privilegien und Freiheiten, „denn, fagten fie, wir find 
hieher gelommen, um unfere Gebrechen vorzubringen.” „St 
wollet nichts ald Neuerungen”, unterbrach fie der Deutſchmei⸗ 
ſter. „Was nennet ihe Neuerungen, wuͤrdiger Herr? rief ihm 
Hans von Ezegenberg, ber Wortfuͤhrer der Stände, zu; ihr habt 
geäußert, würden wir ſolche Dinge nicht abthun, fo muͤſſe man 
darauf denken, wie man fich ihnen entgegenftelle. Und aber 
bebimket, ihr fange Neuerungen mit dem Gelde an, dad ihr 
dem Hochmeifter verweigert; bedenket jedoch, es giebt im Lande 
noch manche Leute, die wie ich, Herr Hand von Baiſen und 
andere die Lanbeöfitte wohl kennen. Ihr regt nur Mißtrauen 
gegen und an.” Der Hochmeifter, das Gefpräch unterbrechen, 
brachte jegt die Sache der Hulbigung wieder zur Sprache; 
allein die Stände wichen der Verhandlung aus, indem fie dem 
Meifter eine Schrift uͤberreichten, voll von Klagen über eine 
Menge von Mißbräuchen und Gebrechen in der Landesordnung, 
mit Bitten und Vorſchlaͤgen zu ihrer Abſtellung. Sie klagten, 
daß denen im Bunde felbft in vechtfertigen Sachen vor det 
Landeöherrfchaft nie folches Recht widerfahre, wie denen, bie 
nicht im Bunde feyen; fie häuften eine Menge von. Beſchwet⸗ 
. den und Anforderungen fiber ben längft verfprochenen Richttag, 
Beldftigung der Güter mit Zins und Zehnten, freien Otter: 
verkauf, Beſtraſung nur nach Recht und unparteiifchem Ge: 

1) Es Heißt: „fo das der Herre Homeiſter, uff das her ſtillen 
mechte ire ungebertigleit und fenftigen ire geftrengifeit, obirgab durch 
ſolchen gedrang writ ganzer bitterkeit ſeyne Doctores.“ 





Tagfahrt zu. Elbing. (1450) - , 209 


ut und nie ohne Urtheil und Spruch; fie beſchwerten fich 
ah, daß Handel und Wandel, Mälzen und Brauen, was 
fenft nur Sache ber Orbendfchäffereien geweien, jetzt tägliches 
Gekhäft der Ordensherren fen, wodurch den Städten ihre Nah⸗ 
sung entzogen werbe. Dem entgegnete aber fogleich ber Mei: 
ker mit den Worten: „Je mehr Kaufleute, deſto beffer für das 
Band; was Ruſſen, Polen und Fremden überhaupt erlaubt 
Rt, muß auch den Ordensbruͤdern frei fliehen.” Aehnliche For⸗ 
dermgen bäuften fi dann noch in großer Zahl; jede Stabt 
eheb ihre eigenen Klagen, Elbing über Störung in ihrer Fi⸗ 
Kherei, Braunsberg über Verkuͤrzung ihrer Gerechtfame durch 
den Bifhof, Königsberg über die Malzfteuer, ebenfo Danzig, 
De Gtäbte in Pormmerellen, Kulmerland und Rieberland u. ſ.w. 

Der Hochmeifter antwortete auf alle diefe Klagpunkte bald 
zuſagend, bald auf fpätere Zeiten vertröftend, bald_nähere Un: 
lerfuchung verheißend. Zunaͤchſt aber verlangte er der Stände 
Antwort über die Huldigung. Otto von Plenchow inbeß und 
Anguſtin von ber Schewe entgegneten im Namen der Ritter: 
Kaft: des Meiſters Antworteh auf ihre Beſchwerden feyen zu 
fe und ungenuͤgend; werde er fich befriedigend über die Abs 
Relung der Landesgebrechen dußern, dann wollten fie ihm auch 
game die Huldigung zufagen. Da brach zornig ber Hochmei⸗ 
fer in die Worte aus: „Ihe habt auf dem Tage zu Marien⸗ 
bung: mir verſprochen, daß hier nur ber die Hulbigung und über 
Beſtellung der neuen Regierung verhandelt werben folle. Jetzt 
bringt ihre allerlei Händel vor, bie unferem Orden Schaden 
m, aber das will ich euch gedenken, lebte ich auch zehn 
Jahre noch und laͤnger; ich werbe es euch nie vergeſſen.“) — 





1) Diefe Beſchwerden und Anforderungen der Lande und Saadte 
km Negiſtr. X. 118 — 122 mit des HM. Antworten und obne diefe 
S6L. LXXVU. 71. "Die Klagen der einzelnen Städte find zum 
heil von Intereffe, indem fie über den fintenden Wohlſtand Im. Lande 
moncen Aufſchluß geben, nur würde ihre Mittheilung bier zu. weit: 


fon. 
2) In diefem Bufanmmenhange ſprach der HM. bie obigen Worte 
und fo erhalten fie auch eine beftimmitere Beziehung, als in der Art, 
VII. 14 


. 





210 Tagfahrt zu Elbing. 1450.) 
De erſchlen am undern Tage die ganze Verſammlung ber Be⸗ 
vollmaͤchtigten vor den Meifter, ihn befragend: was ed mit 
diefen Drohworten zu bedeuten habet Er laͤugnete jeboch, daß 
ed Drohungen geweſen und fuchte die aufgeregte Stimmung 
buch Milde wieber zu beſchwichtigen. Man glaubte nun batin 
ein Mittel zur Ausgleichung zu finden, daB man von baden 
Weilen zwölf Bevollmaͤchtigte ernannte, bie ſich über die wich: 
tigften Punkte berathen und verflänbigen follten; allein es lam 
bald ach zwiſchen ihnen zu heftigen Erklaͤrungen, zumal durch 
den Komthur von Elbing. Man brachte den Richttag zur 
Sprache, indem die Stände verlangten, daß auch die Ordens⸗ 
herren, die Prälaten und Domberren vor dem Richttage ver: 
klagt werden Tönnten. Die Orbenöbevollmächtigten wiefen vo 
als den Ordensprivilegien widerſtreitend zurid, Man 
fm nichts zur Entſcheidung konimen. Da warb auf Ders 
von Balfen Vorſchlag die Zahl der beiderfeitigen Bevollmaͤch⸗ 
tigten auf vier vermindert und bie ber Stärtbe legien jeht dem 
Meifter geriſſe Beſtimmungen vor, die er den Ständen we: 
en follte. Da er fie aber veränderte, fo kam es auch 
Herder teoß aller Verhandlungen zu Teiner NWereiriigung. And) 
eine Verſchrelbung des Hochmeiſters, worin er ihnen verſprach, 
fie bei allen ihren Rechten und Freiheiten zu Taffen und zum 
Verhoͤre ihrer Klagen über Werkinzung Ihrer Rechte jährlich 
eine allgemeine Tagfahrt zu halten, warb als ungenuͤgend zus 
ruͤckgewieſen, ebenfo fein Anerbieten, ihre Streitfache durch 
fehiedörichtettcheß Urtheil des Roͤm. Koͤniges, des Papſtes oder 
ber Kurfuͤrſten entfcheiden zu laſſen. Endlich Iegten die Stände 
dem Meiſter noch einmal eitte Anzahl von Artideln fiber Ge 
brechen und Mängel vor, deren Abftellung fie unbebingt ver: 
langtn. Er ſah fi) gensthigt, In ihr Werlangen zu wills 


wie fe Kohebue 9. IV. 112, der hier nur Schütz p. 162 vor fh 
Hatte, anfährt. Ueberhaupt iſt Kotz ebue in feinen Berichte über 
diefe Tagfahrt hoͤchſt unvollſtaͤndig. 

1) Namentlich die Forderung wegen Zinsabloͤſung, ferner daß alte 
Leute ihre Güter verkaufen duͤrften, niemand gerichtet werde ohne Ur: 
theil und Meist, freies Mahlrecht u, f. w. 


-Deiblgung. (1450,). 211 


gm, um vorerſt wentgfiind wegen der Huldigung an das er⸗ 
winfchte Ziel zu kommen. Da erhob ſich aber ein neuer Zwiſt 
über die Form des Huldigungseides; der Meiſter verlangte ihn 
wie zu Pauls von Rußdorf Zeitz die Stände dagegen wollten 
ihn nur leiften wie zur Zeit Winrichs von Kniprode, wo Or⸗ 
ben und Land in Blüthe geſtanden. Sie wagten endlich felbft. 
einen Huldigungseid vorzufchreiben, den fie leiften wollten, und 
ber Meiſter und die Gebietiger mußten fich bequemen, ihn ans 
zuchmen, „ba ed ja anders nicht feyn konnte.“ Aber voll 
Bom verließ alsbald der Deutfchmeifter die Tagfahrt. ) 


Marienburg hulbigte zuerft, ſchwur jedoch noch den alten 
En, wie unter den früher Hochmeiften. Darauf trat Lud⸗ 
wig nach Dflern feine Huldigungsreife durchs Land an. Ueberall 


„aber leifleten ihm die Bunbeöverwandten in Stadt und Land 


bie Huldigung auf Die zu Elbing verfaßte Eideöformel, wors 
anf er dann jedesmal die WVerficherung gab: er werbe bie 
Stänbe allzumal bei allen ihren Privilegien, Freiheiten und 
Rechten lafien, die fie von feinen Vorfahren erhalten, und fie 
cher vermehren und verbeffern ald verkürzen. Häufig wurben, 
wie zu Danzig ımb andern Orten die Klagen über Mängel 
und Gebrechen und bie Bitten um Abänderung und Verbeſſe⸗ 
nmg ber Lanbedorbnung wiederholt. ? Mer Meifter Ändere 
und verbefierte auch, fo viel er konnte, erwarb fich auch das 
duch manchen Freund, daß er eine große Zahl von Begnadi⸗ 
gungsbriefen für Geaͤchtete auöflellte, bie fich auf feiner Hul⸗ 
digungsreiſe bei ihm einfanden und wie auch ſonſt ſchon Sitte 
war, unter feinem Schutze in die Stäbte zudidichtten, aus 
‚denen fie geflüchtet waren, . Es geſchah jedoch ſtets mu amter 


4) Die Verhandlungen auf dieſer Tagfahrt fehr volftändig im 
Regifir. X, 116— 132 u. Gibt. LAXVU 76. Schäts p. 162 ‚hat 
Darüber wenig; noch weniger fährt man bei Baczto B. II. M2 — 
33 u, Kopebue 8. IV. 112 uͤber die Vorgänge auf diefer Tagfahrt. 

2) Ueber bie Suldigungereife and die Art der Huldigung die ges 
nouften Ungaben im Regifir, X. 374-878, X, 12 — 1335 vgl, 
‚Ordens s Ehron, P. 134, a 

14 


212 Der Viſchof v. Ermland u. d Dentfämeifter. (1450.) 
der Bebingung, daß fie ſich mit ihren Gegner auögleithen 


wien. !: 


Die Gaͤhrung im Lande abe war nod) keinesweg be⸗ 
ſchwichtigt. Im Ermland vorzuͤglich erhielt ſie durch den Bi⸗ 
ſchof neue Nahrung. Die Klagen der Staͤdte, beſonders 
Braunsberg übet vielfältig von ihm erduldetes Unrecht kamen 
von neuem vor ben Hochmeiſter, deſſen Schutz und Huͤlfe fie 
in Anſpruch nahmen. Allein der Biſchof wollte vor keinem 
andern Richter ſtehen als dem Papſte und feinem Erzbiſchofe. 
Auch er ſtimmte, wie der Deutſchmeiſter, fuͤr ernſte Strenge 
‚gegen die Aufrührer und fchrieb deshalb mit bittern Vorwuͤrfen 
dem Biſchofe von Leflau: „Hart, aber wahrhaft ift der Aus⸗ 
ſpruch des Heiligen Auguftin: ein Prälat, der nicht der Unter: 
thanen Lafter zuͤchtigt, ift mehr einem ſchamloſen Hunde aß 
einem. Bifchofe zu vergleihen. Wer zu bekannten Verbrechen 
ſchweigt, der hat darein gewilligt. Unwiffenheit entſchuldigt 
den Hirten nicht, deſſen Schafe der Wolf verzehrt, denn er 
ſoll wachen!“) Durch ſolche Aeußerungen erhittert, erklaͤrten 

‚bie Stände dem Hochmeiſter in kuͤhner Sprache: „Könnt ihr 

‚nicht des Biſchofs Richter feyn, fo ſeyd ihr auch. fein Beſchir⸗ 

‚mer nicht, fondern wir wollen felbft mit ihm zu thun haben, 

‚follte es ſogar auch Hälfe often” So dropten die Stände 
ſchon offen mit bewaffneter Selbfthülfe, 9 


- Bor allem aber hatte ber Deutfchmeifter auf die Sin- 

mung im. Lande höchft nachtheilig eingewirkt. In feiner zwei 
deutigen Stellung hatte Feine Partei Vertrauen zu ihm faflen 
koͤnnen. In den Konventen ging von ihm dad Gerücht um 
ber: ex eigentlich habe im Stillen den Hulbigungseid, ben die 


1) Die Lifte diefer Geächteten und die Formel der für fie ausge: 
ſtellten Begnadigungsbriefe Regiftr. IX. 378— 379. Ihre große Zahl 
- wirft ebenfalls kein günftiges Licht auf den fittlichen Zuſtand des Lan⸗ 
- des. Wir finden z. B. als Geächtete aufgezählt für Elbing 35, für 
"Danzig 53, für Thorn. 43, für Königsberg 37 u, ſ. w. 
2) Kogebue 3. IV. &, 112, ' 
3) Schütz p. 162, 


Der Biſchof v. Ermiand u. d. Deutſchweiſter. (1450,) 213 


Ctände Dem Hochmeiſter vorgeſchrieben, angerathen "und gench⸗ 
migt; er wandte ſich deshalb auch an mehre Komthure, um. 
ſeine Unfchuld zu betheuern.) Dem Meifter aber erklärte er: - 


er werbe Die Art, wie Lande und. Städte durch ben Huldir 


gungseid (obgleich er. ihn für den Augenblick gebilligt 2 ) des 
Drdend Privilegien und Rechte geichwächt, keineswegs unge⸗ 
rägt laſſen und ſey entſchloſſen, ſie deshalb hinaus ind Reich 
vor Gericht zu laden. Der Hochmeiſter, ihn auf die Gefahr 
md Erbittterung, die er dadurch anregen werbe, hinmeifend, 
rieth aufs entfchiedenfte ab, wandte fich aber zugleich auch an 
den Meifter von Livland, denn auch diefen und bie Gebietiger 
m Eimland hatte jener um Beiſtand in feinem Plane angefpros 
den. Er bat ihn aufß dringendſte, feine Gebtetiger dor dent‘ 
Anternehmen bed Deutichmeifterd nachbrüdtich zu warrien, da 
& offenbar zu des Ordens Schaden und Schande führen muͤſſe, 
dam noch immer waren es eigentlich Die Statuten Werners 
von Orſeln, denen et auf irgend eine Weife während der Be 
und Wirren in Preuffen neue Geltung zu verfchaffen 
ſachte.) Mittlerweile indeß hatte er ſich, ohne fich über feine 
Aane weiter audzulaffen, vol Groll und Erbitterung aus dem 
Sande entfernt. Um fo erfreulicher war für ben Hochmeifter 
die Erklaͤrung des Meifterd von Livland: er habe dem Deutfchs 
meifter auf entfchiebenfte fein Vorhaben, „Rande und Städte 
mit geiftlichem und weltlihem Rechte anzuſtrengen“, abgerathen 
und ihm vorgeftellt: was jebt bei diefer Huldigung geſchehen 
ſey, koͤnne kuͤnftig auf paſſendem Wege und mit Glimpf wies 
der anders gemacht werden; verfahre man jetzt mit Landen 
md Staͤdten in ber Art, wie er wolle, fo ſey unfehlbar 
fhwere Bedraͤngniß und grobe⸗ Verderben für den Orden zu. 


1) Schr. des Deutfchmeifterd an die Komthure dv. Brandenburg, 
Ebing, Dalga , Danzig u, Thorn, d. Dienft, nah Jocunditat. 1450 
Eis DM. 86. 

2) Schr. des HM. an den Livlaͤnd. Meiſter, d. Preuſfiſch⸗ - Mart 
Mittw. nah Himmelf. 1450 Regiftr. IX. 241. 

3) Der HM, fagt die im erwähnten Schr. an den Lioland. Mei⸗ 
Br auedruͤcllich. | 


214 Auccwurtige Werhktinife. --(1450.) 


fürdten: Die Sache möge alſo jetzt in Ruhe geſtellt dlelben, das 
fg aller Gebletiger Meinung.’ So mußte auch ber Beuth 
meifter, zuntal vom noͤthigen Gelde zur Ausführung feine 
Planes entbloͤßt und dutch andere Verhaͤltniſſe in Deutſchland 
bebrängt, fein Vornehmen jest aufgeben. 2 


© trat jebt im Lande eine gewiffe Stille ein und dee 
Meifter gewann Zeit, feinen Blick auch auf die Außern Anges 
Iegenheiten hinzuwenben. Die Verhaͤltniſſe zu Polen hatten 
ſich zwar nicht merklich geaͤndert; indeß konnte man im Orden 
doch nie rechtes Vertrauen zum Könige gewinnen, denn be 
jeber Nachricht von Ruͤſtungen und beabfichtigten Heerfahrten 
in Polen ließ man ängftlich ausforſchen, was man bamit bes 
zwecke.“) Die Hanbelögerhältniffe zwifchen Polen, Litthauen 
und Preuffen ließen immer noch reichlichen Stoff zu allerlei 
Klagen und Befchwerben übrig. Die Streithändel zwiſchen 
Dänemark und Schweden berührten den Orden jetzt weniger 
als früher, Da die Streitfrage über Gothlands Beſitg auf 
einem Verhandlungstage zu Calmar endlich ihre Loͤſung erhal⸗ 
ten ſollte, ſo erſuchte Karl von Schweden den Hochmeiſter, ver⸗ 

trauend auf deſſen Huld und Freundſchaft, den Tag buch 
zwei Gebiaiger zu beſenden, die mit andern kundigen Herren 


1) Schr des Linländ, Meiſters an d. HM. d. Riga Gonnt, ab 
octav. corpor. Chr. 1450 Schbl. X. 23, Dankſchreiben des HM. an 
den Livl. Meſſter, d. Schlochau Donnerſt. nach Vitt u. Miodefti 1450 
Regiſtr. IX. 249. 

2) In fpätern Schreiben gedentt der Deutfähnieifter ber Verfätts 
nifle in Preuſſen nieht weiter, Uebrigens hatte er dem Livlaͤnd. Mei⸗ 
fter vorgefchlagen , feinen Plan auf gemeinfchaftliche Koften auszufühs 
rn. Den Deutfhmdfter Hefchäftigte in Deutſchland befonders der 
hoͤchſt traurige Huftand der dortigen Balleien, wie feine Schreien 
Schbl. DM. 43. 44. u. Schbl. 98. 8 ausweifen, 

3) Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Dienft, nach Viftet. 
Mariä 1450 Schbl. LIX. 80. 

4) Schr. des HM. an den König v. Polen, d. Mar, Mittw. 
nach Kreuzs Erhoͤh. 1450 Regiſtr. IXX. 420— 422% 


Auswärtige Verhaͤltaiſſe. (1450.) 215 


in der Kechtsſache Schiedsrichter ſeyn follten.? Der Beſitz 
dei Eilandes mar fir dad Handelsintereſſe Preuſſens viel zu 
wihlig, als daß ber Meiſter des Koͤniges Wunſch nicht hätte 
afüllen follen, 2 zumal ba ohnebieß der Handel mit Schwe⸗ 
den und nach Skandinavien überhaupt noch fost und fort häufigen 
Othungen auögefegt war, denn noch gar zu oft verlor ber 
Pruffikhe Seefahrer dort Schiff und Waare.9 Allein der 
Lag zu Calmar blieb ohne Erfolg. ® Auch dee alte, durch 
Kuenkieit gebeugte König Erich, jetzt ald Herzog von Pom- 
men zu Rügenwalbe lebend, mochte fich immer noch durch 
ie Berbindung mit dem Orden am biefem eine Stuͤtze vers 
ſhafen und Intıpfte mit deu Komthur ımb dem Rathe von 
Danzig Unterhanblungen an, beide erſuchend, fich bet Schwe⸗ 
den mb Luͤbeck Für ihn zu verwenden und fie aufufordem, 
dm in feiner Sache Ehre und Recht wiberfahren zu laffen 
oder widrigenfalls bie Handelsverbindung mit ihnen aufzuhe⸗ 
be Natürlich wie der Hochmeifter biefes flr Danzig wur 
DER nachtheilige Anfinnen ohne weiteres zuruckz O ſelbſt auf 
cine perfinliche Zuſammenkunft, die Erich wünfchte, ließ er 
fh nicht ein. Indeß fuhr diefer Dennoch fort, dich allerlei 
Pumbiche Zuficherungen für ben Kaufmann und Seefahrer 





1) Schr, des Königes Kart v. Schweden an deu HM. d. GSted- 
Ita am T. Jacobi 1450 Schbl. XXI. 101. 

2) Schr. des HM. an d, König v. Schweden, d. Stuhm om 2. 
Siruuyai Megiſtr. IX. 274, 

Eher, des HM. an die Stadt Stockholm, d. Mar. Sonnt. 
uch Bit. Mariä 1450 und Schr, deffelben an Olav Axelſong Haupt: 
wann auf Wiborg, d. Einfiedel Monet. vor Margar. 1450 Regifr, 
IK 25, 257. Cchbl. XXXL.8. 

4) Seijer Seh. Schwedens B. I. ©. 215 

5) Schr. des Königes Erich an den Komthur v. Danzig, d. Ru: 
yawolde Zreit. vor Iohanni 1450 Schbl. XXXI. 32, Schr. deſſelb. 
a des Rath vom Danzig, d. Donnerft. nad Nativit, Marid 1450 
Cds. XXXI. 16. Go flil, wie Kdnkom Pomerania 3. I. ©, 
768 meint, lebte alfo Erich in Rügenwalde nicht. 

6) Er. des HM. an König Erich, d. Mar. Donnerfl. nad 
Bourti 1450 Regifr. IX. 274, 


216 Auswärtige Verhaͤltniffe. (1450,) 


aus Preuffen um des Hochmeiſters Gunſt zu buhlen, dem 
von ihm allein hoffte er noch Ehre und Recht in feiner Streit 
fache mit Lübel und Schweden. 


Auch mit dem Herzog Philipp von Burgund kam Lud⸗ 
wig bald nach ſeiner Wahl in neue Unterhandlungen, dem 
jener machte den Antrag: das von feinen Unterthanen zur 
Entſchaͤdigung der Preuflifchen Städte zu entrichtende Pfund⸗ 
geld möge, weil biefe allmählige Bezahlung zum großen Nade 
theile des Handels fich fo lange hinziehe, wenigftend auf drei 
Jahre eingeftellt bleiben, da der Seefahrer durch dieſe Abgabe 
von der Fahrt nach Preuffen fehr abgefchredit werde; man 
wolle auf andere Mittel zur Entfchädigung denken, doch möge 
vorerft dem Kaufmanne aus Holland und Seeland aud) fers 
ner Schuß und Sicherheit zugefichert werden. Die Gebietiger 
und bie Stände, die der Meifter daruͤber zu Rathe zog, ſtimm⸗ 
ten zwar keinedweg dafuͤr; um indeß fich. Dem Herzog geneigt 
zu zeigen, willigten fie doch mit dem Meiſter in die Einflellung 
des Pfundzolled auf drei Jahre ein, fofern ſechs Stäbte des 
Herzogs: ſich durch Schuldbriefe für die Bezahlung ber Cuts 
ſchaͤdigung binnen drei Jahren verbingen würden. ? Der Her 
30g aber nahm bie ohne weitered für eine unbedingte Zufagt, 
fand die fortdauernde Forderung des Pfundgeldes von ſeinen 
Unterthanen in Danzig ſehr befremdend und beſchwerte ſich bei 
halb beim KHochmeifter, meinend, bie Sache fey mit feinem 
Vorſchlage ſchon abgemadt.? Dieſer war jedoch um fo we 
tiger zu geflgiger Nachgiebigkeit geneigt, ba trog der vom Her 
zoge erſt vor kurzem den Hanfeflädten und insbefonbere auch 
ben Kaufleuten aus Preuſſen von neuem gegebenen Beſtaͤtigung 


1) Schr. des Koͤniges Erich an d. HM. d. Kigenwarte am Abend 
Aller Heil. 1450 Schbi. XXXI, 50. 

2) Schr. des HM. an d. Herzog v. Burgund, d. Mar, Mitt, 
vor DOftern 1450 Regiſtr. IX. 220, 

3) Schr. des Herzogs v. Burgund an d, HM, d, Brüffel 5 Mai 
1450; Schr. deffelben an den Kaufmann aus Preuffen in Brügge vom 
nämtichen Dat, Schhl. XXII. 20, 21, 


Anbeekztige Berpkiiniffe. (1480.) 917 


alker ihrer alten Privilegien und Freiheiten bie letttern doch 
nicder in ſeinen Lauden durch raͤuberiſche Angriffe an Schiſ⸗ 
fen ud Gütern bedeutende Verluſte erlitten und die Zuſage 
des bergoglichen Schutzes ihnen Feine Sicherheit gewährt hatte, ® 
E wurde bin und her verhandelt; ) allein der Meifter blieb 
fit dabei, daß nur nach wirklicher Einhändigung der verlang⸗ 
ten, vom Herzoge beftätigten Buͤrgbriefe die fernere Erhebung 
des Pfundgeldes eingeftellt werben koͤnne,) was auch darum 
un fo notwendiger ſchien, da die Stabt Amſterdam fogar 
Einfprud) that, dag man den Pfundzoll in Danzig biöher kei⸗ 
uemegd nach den barüber feftgeftellten Beftimmungen erhoben 
habe.) Da der Herzog auch noch am Schluſſe dieſes Jah⸗ 
veb ſich mit feinen Städten nicht verflänbigt batte, fo kam es 
sereft noch zu keiner Vereinigung. 9) 

Auch mit England wurden neue Unterhanblungen begons 
sm. König Heinrich, bie. Nachtheile der gänzlihen Sperre 
des Handelsverkehres mit Preuffen erkennend, kam felbft mit 
dem Vorſchlage eined neuen Berhandlungstages zu Utrecht 
gegen und obgleich damals noch Fein Hochmeifter an der 
Spitze des Ordens flanb, fo nahmen bie Drdenögebietiger daB 
Inerbieten doch gerne an. Don Seiten bed Ordens aber. 
winfähte man auch Luͤbecks und der andern Hanfefläbte Zheils 


1) Schr. des HM. an den Herzog v. Burgund, d. Danzig Dienß. 
sch Kreuz = Erfind. 1450 Regiſtr. IX. 238, Schr, des Raths v. Luͤbeck 
on den HM. d. Sonnt, nad) Philippi und Jacobi 1450 Schbl. 86,6, 

2) Schr. de6 HM. an den Herzog v. Burgund, d. Graudenz 
Beat, nach Trinitat. 1450 Regiſtr. IX. 44. 

3, Schr. des HM. an den Herzog v. Burgund, d, Mar. Sonst. 
md Vifit. Mariä 1450 und Schr. des HM, an bie Alterleute ju 
Brügge, d. wie vor Regiftr. IX. 253, 255. 281. 

4) Schr. der Stadt Amſterdam an den HM, 0 D. Schbl. 
XXIII. 74. Antwort des HM. o. D. Regiſtr. IX. 282, 

5) Gr. des Herzogs v. Burgund on d. HM. d. Bergen 25 
Decem. 1450 Schbl. XXXIII. 17; andere hieher gehörige Schr, Schbl. 
XXıH 94, XXZI 18. 19. ZXXIV. 72, 

6) Gyr. Der Gebietiger an d. König v. En ‚d Mar 27 
Saruar 1450 Regiſtr. IX. 207. 


ve Did mac Srrufen Dgrben möchten, dam an I 
Ian befrachtete mann ben Dochuneifter old „Das Haupt 
ber Ganfe." Bepterer fertigte fie bie Englduber die Gele 





fen ſelbſt habe unterhandeln wollen, und zugleich bittend , bie 
Danfeaten möchten ihre Bevollmaͤchtigten auch bieher ſenden; 
damit‘, wie unser ihnen feſtgeſetzt ſey, ihre Streithänbel mit 
den Engländern gemeinfam verhandelt und ausgeglichen wer 
den koͤunten.“ Die Lübeder indeß, mißtrauiſch und eiferſuͤch⸗ 
tig wegen bed Zutrauens des Königed zum Hochmeiſter, wuß⸗ 
ten biefe Verhandlung nicht anderd zu vereiteln, als daß fie 
den Engliſchen Gefaubten auf ber See auflauern, fie aufgres 
fen und ins Gefängeiß legen ließen, zum großen Verduiß 
fowohl des Hochmeifler,, der fofort den Bürgermeifler vom 
Thorn Thielemann von Wege ald Botfchafter deshalb nad 
Luͤbeck ſchickte,“ als auch des Könige ſelbſt, ber es in ber 
That jetzt ernſtlich und redlich mit einer friedlichen Ausgiei⸗ 
chung mit dem Orden gemeint hatte, wie man fie Überhaupt 
in ganz England wuͤnſchte. Aus Zorn ließ er daher auf die 
Nachricht von der Frevelthat alsbald in London alle Kauf: 
manmögiiier ber Hanfeaten mi Beſchlag belegen. ® 


4) Br der Gebietiger an Luͤbeck, d. Mar. om S. Agathaͤ 1458 
und Schr. derſelb. an d. König v. England, d. Mar. 5 Febr. 1440 
Megiſtr. EX. 211. 

2) Geteitöbrieh des HER. für die Sendboten bes Koͤn. v. Englanl, 
d. Mar. 1 April 1450 Regie. IX. 223 — 225, 

3) Schr. des HM. an Pübedt, d. Mar, Oftern 1450 Megifie IX. 


238. . 
4) Schr. des HM, an Laͤbeck, d. Stuhm am T. Rativit. Maris 
1450 Megiſtr. IX. 266, 
5) Schr. des Geſandten des ZW. Hans Winter, d. London am 
Kbend Matthaͤli 1450 Schbi. XXXII. 5. Er ſagt auedruͤdlich, dab 
der König den HM. als Haupt der Hanſe asbſehe. 


Auf des Deutſchmeiſters Antsag indeß warb es ins naͤchſt⸗ 
Jahr verſchoben,“) denn ohnedieß herrſchte eine zuerſt in Thorn 
ausgebrechene peſtartige Seuche über ganz Preuſſen, beſonders 


1) Schr der Gebietiger v. Livland, d. Wenden Mittw. nah Ti⸗ 
burtii 1450 Schol. IV. 39. Beſtaͤtigungsurkunde des AM, d. Mar, 
Mittw. nad Kreuz⸗Erhoͤh. 1450 Regiſtr. IX. 267 - 268; vgl. Index 
op. histor. diplom. Livoniae 7. H. p. 2—3. Unter dem Tage Eis 
burtti iſt Hier nicht der Tag der Mörtgrer Tipurtius, Valerianus und 
Maximus (14 April), fondern der Tag des Roͤm. Maͤrtyrers Tiburtins 
(11 Auguſt) gemeint, wie fon die Stellung der Briefe im Regiſtr. 
ausweiſt. 

2) Schr. des HM. an den Livlaͤnd. Meiſter, d. Mar, Donnerſt. 
nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1450 Regiſtr. IX. 268. 

3) Schr. des HM. an den Landlomthur v. Bießen, d. Star. 
Donnerf. vor Oſtern 1450 Regifir. IX. 219. Der in den Orden auf: 
genommene Italiener war ein Graf von Naem, noch dazu gebrechlich. 
Ein Entloffungsbrief des AM. für einen mit Schalden beladenen auf 
genommenen DOrdensbruder Regiſtr. X. 280, 

4) Schr. des Komthurs v. Rheden an d. HM. v. 3. 1460. 

5) Schr. des Deutſchmeiſt an d. AM. d. Home Mont. nach 
Afſumt. Mori 1450 Ghbi. DM. 44. Regifir, IX. 284, 





| ZEO: Der paͤpſtl. Legat Ludwig BViſchof von Silveẽ. (1450.) 


unter dem jiengern Geſchlechte mit fo außerordentlicher Seftig⸗ 
keit, daß z. B. in Danzig, wo fich die meiften Kauflente' ges 
Ahchtet, nicht weniger als fechzehntaufend Menſchen buch fie 
bingerafft worden feyn fallen. ' 

Da kam inmitten diefer Zrauerzeit aud Rom bie Rod 
icht, daß ber Papft, deſſen Zum wegen des vom vorigen 
Meiſter angeorbneten Verfahrens gegen bad Pilgern nach Rom 
vom Procurator nur mit großer Mühe hatte befchwichtigt: wer: 
den. koͤnnen,“ auf bed legten Bericht über die Zwietracht 
zwiſchen dem Orden und befien Unterthanen nach bem Rathe 
mehrer dem Orden fehr geneigten Kardinaͤle befchloffen babe, 
einen Legaten in ber Perfon bed Biſchofs Ludwig von Silves 
in Portugal nach Preuffen zu fenden, um buch ihn eine 
gruͤndliche Unterfuchung der Streithaͤndel anordnen und ‚ben 
Zwiſt beilegen zu laſſen, wedhalb er auch den Roͤm. König 
erfircht. habe, zu. füglicher Verhandlung der Sache bem Lega 
ten einige feiner Mäthe beizugeben.? Da bei der Ankmft 
dieſer Nachricht bie Stände zu Elbing eben Zagfahrt hielten, 
fo eröffnete ihnen ber Meifter: nach. der Mittheilung feine 
Procuratord (die er Öffentlich vorlefen ließ) fey ein paͤpſtlicher 
Legat unterweged, „um merkliche Sachen in Preuffen zu ver: 
hören”, die man dem Papfte vorgebracht, beſonders daß Rande 
und Städte etliche Artikel aufgeflellt haͤtten, die wider bie 
Kirche und den chriftlichen Glauben flritten. Erſchrocken frag: 
ten bie Stände : welches biefe feyen? Der Meifter erklaͤrte: et 
Eenne fie felbft nicht. Aus einem andern Berichte des Proc: 
rators theilte er jedoch mit: der Papſt ſey daruͤber hoͤchlich er⸗ 
zuͤrnt, daß in Preuſſen verboten worden ſey, in dieſem Jubel⸗ 
jahre nach Rom zu ziehen. Endlich baten die Staͤnde: er 
möge fie auch ferner von allem unterrichten, was in ber Sache 


1) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſt. d, Mar. Gonnt. 38 
Michaelis 1450 Regifir. IX. 273. 285, 

2) Schr. des Procurators, d. Babriano 28 Yug. 1450 Schbl. L 41. 

3) Schr. des Kardinal = Presbuserse ©, Vitalis an d. Om d. 
Fabriani IX Septem, 1450 Schbl. I, 208. 


Der pApfkL. Begat Sshrolg Viſchef von Eiives: (1450.) AI 


vergehe; fie winden gegen ihn handeln, wie es getreuen Ban: 
nen gegen ihren Herrn 'gezieme. 

Beim Röm. Könige, Izu dem fich ber Legat zuerft begab, 
erhielt er abfchlägigen Beſcheid, denn Friederich erklaͤrte, er 
werbe ſich ohne befondere Aufforderung des Hochmeiſters (der 
Ken feine Meiflerwahl noch nicht einmal gemeldet) um die 
Streithaͤndel in Preuffen vorerft gar nicht weiter befinnmern. ? 
So langte aljo der Legat, von Thorn an durd) einen ihm da⸗ 
Yin entgegengefandten Domherrn von Frauenburg begleitet, allein 
am 23. November beim Hochmeifter zu Marienburg an. Wie 
in allen Stabten, die er durchzogen, warb er auch hier. mit 
due Proceffion und Vortragung von Heiligthuͤmern vom 
Hecwneikter ſelbſt aufs feierlichfte empfangen.» Sofort exöff: 
nde er diefem in einer Verfammlung der Gebietiger., wozu 
auch miehre von ber Ritterfchaft aus dem Lande berufen was 
sn,” den Zwed feiner Sendung, und legte feine Beglaubi⸗ 
gungs= und Vollmachtsbriefe nebft einem befondern. Empfeh> 
Inngöfchreiben vor, worin der Papſt erflärte: er fenbe biefen 
feinen Botfchafter, um einige in Preuffen gegen bie ‚Freiheit 
der Kirche aufgeflellten Artickel grümblich zu unterfuchen, mit 
der Kraft Friebe und Ruhe in dieſen Landen wieder herzus 
ſtellen und wit dem Sochmeifter fich uͤber die Mittel zu bera> 
then, „were biefe Peft im Lande auszurotten ſey“, wozu ber 
Yapft diefen zu eifrigfter Mithülfe auffordert. In andern 


1) Schütz p. 162. Doß Kopebue 3. IV. 113 de HM. bei 
dicher Verhandlung der Heuchelei befhuldigt, iſt unrecht, denn was 
Ins der Papft über die Sache geſchrieben, war damals noch nicht in 
felmen Bänden; er erhielt es erft durch den Legaten felbfl. 

2) Echr. des Procurators an den HM. d. Rom 21 Novem. 1450 
Sqbi. I. 14, 

3) Schr. ded HM, an den Deutſchmeiſter, d. Mar. Dienſt. nach 
Ziomä 1450 Regiſtr. IX. 288. Fol. A. 140. 

4) Sol. A. 128. 1405 es find genannt Sabelel % Boiſen, Sege⸗ 
end ©. Bapele, Yaul v. Shehmesdorf u.a. - ' 

5) Driginalbulle des Papfles, % Fabriand a, d, 1480 Galond. 
Septemb, p. a. quato Schbi. XIH. 20, 


232 Die pipflt. Sogar Lutrnig Biſchef von Stine. (1450.) 





Bullen, wovon die eine an den Erzbiſchof von u 
war, machte er bem Orden bie nachdruͤcklichſten Vorwuͤrſe über 
fein ſchlechtes Regiment. „Der Hochmeiſter, hieß ed, bie Lan⸗ 
des + Prälaten, die Sehbietiger haben ſich in ber Verwaltung 
der Kirche und des Landes, wie in ber Sorge für ihre Unter⸗ 
thanen laͤſſig bewiefen und beharren auch jegt noch im ſolcher 
Fahridffügleit. Statt die Unterthanen mit väterlicher Milde 
zu behandeln, habe man fie früher wie jegt mit allerlei Laſten 
und Beſchwerden bebrüdt; daher ber Verfall des Gottesdien⸗ 
fled, daher aus ſolchem böfen Regimente der Bund unter ber 
Ritterſchaft und den Städten, bean die Unterthanen ſeyen ge⸗ 
zwungen worben, zu ihrer Vertheidigung fich zu vereinigen und 
gersiffe Beftimmungen feftzufiellen, die der Bicchlichen Freiheit 
und kaiſerlichen Rechten widerſtritten, woraus nun umfägliched 
Unheil zu beforgen. fe.” Der Legat hatte eine fehr ausge 
dehnte Vollmacht fowohl in Beziehung auf ben eben wegen 
des Verfalls des Gottesdienſtes, Nachlaͤſſigkeit in der Verwal⸗ 
tung und wegen des uͤblen Regimentes, als auch gegen die 
Unterthanen wegen ihrer Anmaßung, verderblichen Satzingen 
Buͤndniſſe u. ſ. w. Es war ihn bie ſtrengſte und gewiſſen⸗ 
hafteſte Unterfuchung alles deſſen, was verbammlich und nad: 
theilig, und die eifrigſte Sorge zur Herſtellung der Ruhe und 
des Friedens aufs nachdruͤcklichſte ans Herz gelegt, mit der 
Vollmacht, durch Bann und Interdict, ſelbſt mit Beihülfe 
des weltlichen Armes alles anzuwenden, um das ihm aufge⸗ 
tragene Geſchaͤft mit erwuͤnſchten Erfolgen auszufuͤhren. Der 
Erzbiſchof von Riga erhielt die Weiſung, dem Legaten, im dall 
er durch irgend ein Mißgeſchick in feinen Aufträgen gehindert 
werbe, aufs thätigfte zu Hülfe zu ſtehen.) Der Hochmeiſter 
beantwortet 


zu Punkt, zulegt erklaͤrend: durch Unterfuchung der Verhaͤt⸗ 


1) Originalbulle des Papſtes an den Krzbifch,. v. Miga, d Ma- 
Indeni =. d. 1480 IV Nonas Augmti p a. quarto Echbl. XBI. 19. 
Kotzebue 8. IV. 300. deneas Sylsius Comment. fagt ebenfell, 
Daß der Papſt pepulesium fodus ‚dunnmis utque ab oo disamieren! 
anathoma interminstas imperavis, ne 


Tagfahet zu Eins. (1450) . 223 
u ſcbſt, womit det Legat ja eben beanfivagt fe), werbe 
War an den Tag kommen, ob der Orden mit Recht ober Un- 
ut eines boſen Regimenteß unb ber Verſaͤumlichkeit in feinen 
Wicten beſchuldigt werben koͤrne.) 
Auf des Legaten Erſuchen kuͤndigte jest ber Hochmelfter 
Yen Praͤlaten, Gebietigern, Landen und Städten eine Tagfahrt 
m Ebing an, um da ben Zweck der päpftlichen Botſchaft zu 
vehoͤren und dem Legaten auf fein Aribringen zur Antwort zur. 
Ren... Das erregte ımter den Bundesverwandten eine gewal⸗ 
bye Sprung und Bewegung. Wo man zufammen fam, in 
hen zum Ablaß, in Stäbten zu Berathungen, auf Band: 
tagen unter der Mitterfchaft galt es überall nur bie Frage: 
wen den Legaten zu beachten und zu thun ſey? Dean 
we Bevollmaͤchtigte.) Im Kulmerland, wo bie Auftes 
ag am größten, wurden täglich Berathımgen und Verſamm⸗ 
Kay gehalten, bald zu Leifau, bald zu Thorn, zu Kulm u. 
kw. Mein fo verſchieden auch die Meinungen, fo einig war 
en doch allenthalben in bem Entfchluffe, den Bund umter 
Yan Umfländen aufzugeben und Lieber fich der größten Noth 
u Bedraͤngniß zu unterwerfen. „Will bet egat ,- ſprach 
Üger der Bornehmften im Bunde zu Thom, des Bundes we: 
gen mit ims telvingen, fo haben wir ja wohl auch noch ein» 
der zieitaufend Mark im Hofe zu Rom zu verzehren.” 9 
Miiertoelie bereiſte der Legat Ermland und Samland, um da, 
wc bereitß auf feiner Reife von Thorn her in Kulmfee und 
er gefhan, bie dortigen Kirchen zu viſitiren und 
da Zaſtand des Kirchenweſens genaiter Eennen zu Iernen. ® 
Am zehnten” December warb‘ bie Tagfahrt zu Elbing 





ww Die Erflärung des HR. über die paͤpſtl. Bulle SHH, LXXXTI. 


2) Cr. des Komthurs v. Ehriftburg, d. Preuſſiſch⸗Mark am 
Cd Nicolai 1450 Gäbl. XXXIX. 33, 
* ein. det A v. Thorn, d. Lewen am T. Nicolai 1450 
4) Car. des SWR. an den Deutſchmeiſter, d. Mar. Dienſt. mach 
Uemd 1450 Megifir. IX. 283, 





224 _ Tagfahrt zu Efking. (1450.) 


aͤußerſt zahlreich eröffnet." Im ganzen Lande war man vol 
geſpannter Erwartung und Beſorgniß. In einer langen Rede 
ſprach der Legat zuerſt den Zweck ſeiner Sendung aus, erzaͤhlte 
dann, was der heil, Water durch Pilgrime in dieſem Sabre 
vom Verfalle des Gottesdienſtes, von dem verbrecherifchen und 
ſtraͤflichen Bunde eine Xheiled der Unterthanen, von dem 
böfen Regimente und ber Fahrlaͤſſigkeit in der Verwaltung, von 
der Gefahr flr den Glauben u. f. w. vernommen, woburd er 
bewogen worben fey, ihn in biefe Lande zu fenden, „ein fol 
ches abzulegen, zu unterftehen, zu wandeln und zu ſtrafen nad 
Laut feines Machtbriefes.“ ) Auf bed Papſtes Nachſicht und 
Milde hinweifend legte er dann drei Wege vor, auf benen die 
gerlgten Gebrechen und Mängel abgethan werben koͤnnten, 
ben ber Inguifition ober der firengen Unterfuchung der Wahr 
beit, den bed Rechts und Verhoͤrs beider. Theile, und den ber 
Liebe, ded Friedens und der Eintracht ober des freundlichen 
Vergleiche. Unter diefen flellte er die Wahl und forberte eine 
beftimmte Antwort. D Nachdem fich ber Legat entfernt, hielt 
der Meifter mit den Ständen Berathung über bie Antwort 
auf die Vefchuldigungen in der paͤpſtlichen Bulle, ihnen aw 
beim ftellend, ob fie mit dem Orden und den Prälatn eine 
gemeinfame oder für fich eine befonbere Erklärung ertheilm 
wollten, in welchem letztern Falle er fich erbot, ihnen die des 
Ordens zuvor vorzulegen, damit fie auß deren Inhalte erſchen 
koͤnnten, daß fie nichts zu ihrem Nachtheile enthalte. Die 
Stände baten um die Mittheilung, erflärten jedoch: fie hätten 
Feine Vollmacht von den Ihrigen, dem Legaten irgend eine Ant: 
wort zu ertheilen, fondern nur ihn zu hören, und nun fie ihn 
gehört, wollten fie ihn nicht weiter hören.” „Jedoch Her 
Meifter, ſprach einer von ben Landen, ihr wiſſet, wir haben 
euch als getreue Manne gehuldigtz ihr feyb num ſchuldig, und 


1) Fol. A. 140. Schülz p. 162. 


2 Sol. A. 140, 141. Schr. des HM. an ä Deutſchweiſter 
a. % 


3) Schr. des HM, an den Deutfchmeifter a, a. 2. 


Togfehet zu Eibing. (1450.) 5 


und die Verleumder, bie und bein Papfle angeklagt.“ Der 
Meiſter erwiederte: „wohl iſt es des Oberherrn Schuld und 
Pflicht, die Unterthanen zu vertreten; jedoch ein. anderes iſt's 
in Glacbensſachen; darin dem Papſte zu widerſptechen, gilt 
für Tebſuinde. Leit des Papſtes Bulle, da findet ihr leicht, 
weſſen man eich beſchuldigt.“ „If Darin ber Bund ges 
int, entgegneten fie, fo wiſſet ihr wohl, daß wir ihm gegen 

und Unsecht unb mit Wiſſen und Willen bed Hoch⸗ 
ers Paul von Rußdorf, ber Gebietiger und Prälaten ges 
ener Borfahr und Better Konrad von Erlichshauſen 
igt hat. Ihe ſelbſt Habt und, ohne Einrede wegen 
‚ unfere Freiheiten und Privilegien zugefagt. Der 
iſt nicht gemacht wider unfern rechten Herrn, ben wir 
unverhimäßige Gewalt vertheibigen wollen. Der 
von Ermland ift der Anflifter aller und aufgebürbeten 
Seſchaldigungen; er will nicht nur feine Untertbanen unters 
then , ſondern moͤchte auch über die des Ordens herrſchen. 
Bir bitten nochmals: vertretet und fehübet und gegen bed Le 
geten Gebrang und Bann; wie müflen fonfl vor dem Papfle, 

i Bürften 


hu 






vol Zorn der Meiſter in die Worte aus: 
Bündniß, welches ihr, gegen euere Herren 
gemacht, ſogar noch vertheidigen wollet, hat noch Tein redlicher 
Baun jemald gebilligt und ich ſelbſt werde ed nimmermehr 
bifigen. Glaubt ihr Klagen winer und führen zu Tönen, fo " 


Ungeborfamd und eurer Widerſpaͤnſtigkeit. Wollt ihr vom 





\ 
2) Joel. A. 142, womit Schüsz p- 163 Immer übereinfimmt, oft 
ganz, wörtlid, 
vıı. 15 


226 Tagfahrt zu Elbing. 1450.) 


Legaten Beinen Bann befürchten, fo zeigt euch gehorſam.“ 
Mebr als eimmal forderte jetzt Lubwig die Stände auf, dem 
Legaten irgend eine verfländige Antwort zu geben ober ſich doch 
zu entfchuldigen, baß fie auf der Stelle Feine ertheilen koͤnnten, 
weil fie aus mangelnder Vollmacht bie Sache erſt an bie 
rigen bringen müßten; er ermahnte fie, den Legaten nicht 
fo ganz umwindig aus den Augen zu feßen, denn ed werbe 
dieß als Ungehorfam, felbft als Werachtung des heil. Vaters 
gebeutet werben und Folgen haben, bie fie zu bereuen hätten; 
nicht einmal: Könige und Fürften wiefen paͤpſtliche vegaten in 
folcher Weile wie fie zuruͤck. Trotz dem beharrten die Stände 
bei ihrem Benehmen; ed. fruchtete auch nicht, daß der Meifler 


“ Ihnen des Ordens und ber Prälaten Antwort an den Legaten 


zue Kenntnißnahme vorlegte Auf ihe Erfuchen bat er diefen 
zwar um eine längere Frift, damit fie die Sache zuvor mit 
den Ihrigen berathen koͤnnten. Allen ber Legat verweigerte 
das Geſuch; er fen, erklärte er, jest fehon lange genug im 
Sande; er habe fie mit Vollmacht zur Tagfahrt einladen laflen, 
fie hätten fich laͤngſt berathen und befprechen koͤnnen; ihre 
Bitte bezwede nur Verzögerung und. deute auf Ungehorfam 
und Verachtung des päpftlichen Befehles; wie fie, werde kein 
König oder Fuͤrſt ihn behandeln. ’. 

Der Hochmeifter, bie Prälaten und Gebietiger übergabm 
nun ohne Säumen dem Legaten ihre Antwort, darin erflärend: 
fie genehmigten jeden der vorgefchlagenen drei Wege zur Stil⸗ 
lung des Streites; durch den der Unterfuchung und bes Rechts 
werde zwar ihre Unfchuld am Harfien an den Zag kommen, 
doch gerne nähmen fie auch den des Friedens und Vergleiches 
an; weiſe man ihnen Fahrlaͤſſigkeit nach, fie würden die Strafe 
nicht fliehen, ſondern als Söhne des Gehorfams thun, was 
das Recht der Vernunft erheifche.d Da bob der Legat feine 
Hände auf und dankte, daß er an ihnen fo gehorſame Söhne 


1) Fol. A. 144, 
2) Fol, A. 144 — 145. Bel Schistz fehlen Hier die Berfandtim: 
gen. Einiges davon im Schr, des HM. an den Deutſchmeiſter a, 0.2. 


Tagfahrt zu- Eibing. (1450.) 297 


meh. Bchber ‚gefunden unb verſprach, es ihnen hoch vor dem 
Seil. Bater zu gedenken, daß fie ihm „eine fo gütige und an⸗ 
Dichtige Antwort” ertheilt. Als er barauf auch von bes 
Stäsben eine Antwort verlangte, entichulbigte fie. der Meiſter, 
fo gut er Eonnte, mit ihrer. mangelnden Vollmacht. Allein dee 
Legat erwieberte zornig: nein, nicht.aud mangelnder Vollmacht, 
and Verſchmaͤhung defien, deſſen Stelle ich bier veltrete, ant⸗ 
werten fie nicht; ich kann fie darin nicht anders erkennen, denn 
als ungehorſame Söhne bed Papfled und der Kirche So 
aber winden fie nicht feyn, wenn fie in ihrem Frevel am 
Hechmeiſter felbft nicht einen Rüdhalt hätten, ber fie in ihrer 
Hartnädigkeit noch befefligt.) Ihr, Herr Meifter, feyd ein 
chen fo mächtiger ‚Herr in diefem Lande als ein König in feis 
zen Reiche. Nun ſteht aber in ben päpfilichen Briefen meis 
ner Legation, daß außer den geiftlichen Strafen wir gegen 
Frebler auch das weltliche Schwert anzufen können, fofern es 
Roth thut. So rufen wir an euere Sroßrmächtigkeit als einen 
Handhaber ded weltlichen Schwerte in diefen Landen, Rich⸗ 
tet sch auf wider fie mit dem Schwerte meltliches Zwanges 
wit ſolchem Ernſte, daß fie gezwungen werden, und. eine Ant⸗ 
wort zu geben. 

Lande und Städte erfuchten jet ben Melfter um eine 
andere Zagfahrt nach. Neujahr, um fich zuvor mit ben Ihrigem 
bexathen und dann eine Antwort geben zu koͤnnen. „Das if 
mischt unfere, erwieberte der Hochmeifter, fondern des Lega⸗ 
ten Sache; es ziemt und nicht, in feine Macht einzugreifen, 
denn fo weit biefe reicht, Liegt bie unfere darnieder. Erlaubten 
wir euch jebt befondere Verſammlungen, fo griffen wir ihm 
m feine, d. bh. in des Papfles Macht ein.” Da erfchienen. vor 
ihm am andern Zage fämmtliche. Stände mit ben: Worten: 
„Hier fliehen Lande und Städte, euere getreuen Manne und 
forechen,, daß fie dem Herrn Legaten auf dieſe Zeit keine Ant⸗ 
wort geben koͤmen.“ Sie baten nochmals um eine andere 
Zagfahıt Voͤtlich aber trat des Pegaten Schreiber in bie 


1) Fol. A. 145. Schr, dev HM. an den Deutichmaeifter a. a. O. 
15 * 


288 Tagfahrt zu Eibing. (1450,) 


Befmmlmg, erklaͤrend: Bein Herr, der Legat, ſendet mich 
hieher, euch zu fragen, ob ihr ihm eine Antwort geben wellt 
oder nicht? Als niemand antwortete, fuhr er fort: Der Legat 
gebeut euch bei der Pin feiner paͤpſtlichen Briefe, daß Feiner 
von euch von binnen ziehe, ihr habs ihm denn eine Antwort 
ertheilt; ex gebent euch bei berfeiben Pan, daß ihr ihm bie 
Bundesacte Kberliefert; wird er darin finden, was mit Gott 
und Recht beſtehen kann, fo wird er ed beflätigen, was aber 
wider Gott, bie kirchliche Freiheit und Faiferliches Recht if, 
wird er abthun, wie ihm der Papft befohlen. Auch bierauf 
erfolgte Feine Antwort. Die Stände baten nur ben Meifter, 
der, fie auft neue ‚zum Gehorſam ermahnte, er möge die Pit 
wo möglich noch abwehren und eine andere Zagfahrt berau⸗ 
men, banı wollten fie gerne „eine bequeme Antwort” ein⸗ 
bringen. Den Ständen vorfielend, in welchem Verdachte ex 
ohnedieß ſchon beim Legaten fiche, ließ er fich nur ſchwer be⸗ 
wegen, dad Gefuch bei diefem anzubringen, fandte jeboch end⸗ 
lich zu ihm den Biſchof von Ermiand, ben Großkomthur, 
Ordenmarſchall und Ordensſpittler, und es gelang ihren Bor- 
ſtellungen, ben Legaten zu bewegen, ben Ständen eine nase 
Tagfahrt in Elbing in den lebten Tagen biefed Jahres zu be⸗ 
willigen. Es ward dann vom Legaten noch verlangt, ba 
mittlenveile fen Machtbrief und des Hochmeiſters Antwort 
von ben Kanzeln dem Wolfe befannt gemacht werbe, damit 
es erfahre, welche Don bei fernerer Widerſetzlichkeit der Staͤnde 
dem Bande drohe, Peiner fid) mit Unwiſſenheit entſchuldigen 
und ber Legat fidh beim Papſte gegen Vorwürfe ber Saum⸗ 
ſeligkeit vechtfertigen koͤme. Der Hochmeifter erließ Deshalb 
an bie Komthure und Amtleute fofort die nöthigen Befehle. 2 

Sekt wurden in Eile umter den Verbuͤndeten überall Ver⸗ 
ſammlungen gehalten; bie und ba zeigten fich allerdings bei 

1) 30, A, 147. Schr, des HM. an dem Deutichmeilter a. a. D. 

2) 301. A, 147. Berordnung des HM. & Mar, Dienfl. nad 
Lucià 1450 Schbl. LXXVII. 72. Schr. des Vogts v. Leipe, der Bo⸗ 


then Dienſt. nach Luciaͤ 1450. Schr. des HM. an den Deutſchmel⸗ 
ſter a. a. O. 


Tagfahrt zu Eibing. (1450.) 229 


Brgaten Macht zaghafte und ſchwankende Semutcherz 
gab manche, Die gerne aus dem Bunde audſcheiden moch⸗ 


21 


ten; allgemein indeß ward auf ben Tagfahrten ber Beſchluß 
gefaßt: man wolle treu und feſt beim Bunbe bielben; ße 
wollten für einen fliehen und Drohung und Bann ſollten fe 
nicht trennen; Gut und Blut wolle man daran fehen mb 
den Ausgang Sott und der Gerechtigkeit anheimftellen Das 
alles war aber dem Legaten und. bem Hochmeiſter ſchon be: 
kannt, als ſich Lande und Städte gegen Ausgang des Jahres 
zer neuen Zagfahrt in Sbing einfanpen.? Sie begannen 


die Berhanblungen mit der Anfrage beim Hochmelſter: ob ex 
fie bei der Antwort, die fie dem Legaten geben wuͤrden, auch 
gegen ihn ſchuͤtzen und beſchirmen weile! Seine Antwort war 


Wundbes,” worin fie erklärten: es ſey men ſchweres Unrech 
geſchehen, daß man fie beim Papſte wegen Verfalles des Get 
tesvienfted und Beeintraͤchtigung ber Kirchenfreihen angeklagt, 


1) Daß Mariendurg, Neuſtadt Thorn und Kontſh erſt jetzt im 
Zeige der Drohungen des Legaten vom Bunde abgefallen ſeyen, wie 
Schiisz. p. 163 und nad ihm Baczko 3, II. Mi u. Kogebue 
3. IV. 114 erwähnen, iſt unrichtig, denn wir wiffen beftimmt, daß 
Reuſtadt Thorn längft nicht mehr im Bunde und Mariesburg ſchon 
sum Oftern 1450 ausgetreten war. j 

2) Schütz p 163. Schr. des Vogts v. Peipe on den HM. 5, 
Ehönfe Sonnt. nach Nenjadr 1451 Schbl. LXX VIE. 13: Die ſchwar⸗ 
yon Moͤnche in Thorn hetzten miit frevelhaften Morten das Wolt an; 
in Thern werde viel unnäges geredet; die chrbaren Leute fluͤchteten 
ſchon Habe und Gut in die Städte. 

3: Got A, 148. Das urkundliche Zeugniß des Legaten über die 
Hm übergebene Abfchrift des Bundesbriefed, d. ia castro Elibing se- 
eunde die Januar. 1451 Echbl. XV. 38. Hans von Baiſen fuchte 
darch eine lange Rede die Stände regen Ihres Verhaltens auf der 
kepten Tagfahrt beim Legaten zu entfchuldigen. 


\ 


2% Tagfahrt zu Elbing. (1450.) 


vielmehr hätten fie die in: Kriegen mit Ihren Nachbarn zer 
Hirten Kirchen und Klöfter nach aller Kraͤften wieber aufge⸗ 
baut, den Gottesdienſt wieder eingerichtet und ben chriſtlichen 
Slauben bei ‘ben benachbarten Heiden über hundert Meilen 
weit audgebreiftt. Viel Volks aus: Preuffen fey im werganges' 
nen Subdljahre nach Rom gepilgert, aus Damig allen bei 
zwsitaufenb: Menſchen, bie dort nicht wenig Gelb gelaffen. 
Mit gleichem Unrecht feyen fie als Verſchwoͤrer und Wider⸗ 
ſpaͤnſtige gegen ihre Landesherrſchaft angeſchuldigt. Ihr Bund 
ſey aus ehrlichen, redlichen und nothwendigen Urſachen gefchlofs 
fen; fein Zweck widerſpreche weder dem Rechte, noch der Bil⸗ 
tigkeit, noch threr Unterthanenpflicht; er ziele einzig dahin, bene 
Hochmeiſter getreu und hold zu ſeyn, ihm gebührlichen Gehot⸗ 
fam zu leiften und aller Ungerechtigkeit und Gewalt zu ſteuern 
und zu wehren.”’d. Ein Theib' dieſer Antwort indeß gefiel 
dem Legaten nicht. „Habt ihr etwas, fprach ex, fir den Got⸗ 
tesbienft oder dem Papfte zu Ehren gethan, fo war das euere 
Schuldigkeit. Daß ihr aber Biſchoͤfe und Geiſtliche an euer 
Geſetz und euere Ordnung binden: wollet, ift wider Botte Ges 
bot.” Nein, entgegnete Hans von Baifen, wir werden und 
allzumal ald gehorſame Söhne: der Kicche finden laſſen und 
gegen Gott und unfern Herrn nie anders handeln, ald wir 
nach Ehre und Recht ſchuldig find. Iſt irgend ein Gebrechen 
und Zwiſt zwifchen und und bem Meifter und feinem Orden, 
fo wollen wir uns guͤtlich und freundlich mit einander vertra⸗ 
gen und verftändigen. ? 

Froh vernahm der Meifter diefe letzten friedlichen Wortes 
auch der Legat dußerte fich erfreut über der Stände friedferti= 
ges Erbieten, doch fügte er vermahnend hinzu: „euere Worte 
find gut und lauten wohl; fehet aber zu, daß fie auch in der 
That und ‚mit den Werken alfo befunden werben.” Als exe 
hierauf aber verlangte, man folle ihm das Erkenntniß uͤber 


1). Die Antwort der Stände vofftändig bei Schütz p. 163 — 164. 
Der Kol. A, 148 weift nur auf alte Regifter bin, wo man fe finde. 
2) Schütz 1. c Sol, A, 148, 


Tagfahrt/ zu Eiking. (1450. 231 


Yen Bund umbebingt anheinfſtellen und auch von Seiten ber 
Staͤnde einen: der drei von ihm. vorgeschlagenen Wege waͤhlen, 
der bie Sache zur Entfeheibung bringe, entgeguete Hand von 
Baiſen: „Soilte ed dabei zum Disputiren kommen, fo wis 
ten viele Dinge auf Die Bahn gebracht werden, die dem Papfie 
ſelbſt ımlieb zu hören wären, bem Orden' aber nicht zu Ehro 
wid Glimpf gereichen winden.”” Lande und Städte erſuch⸗ 
tan daher den Meiſter: ſey irgend Mißhelligkeit zwiſchen ihnen, 
ſ⸗ wellten fie gerne als getreuen Manne fich in Guͤte mit 
m vertragen, alſo daß jedem Recht widerfahre; mm möge er 
fe von den Bedraͤngungen des Legaten befreien. Da Ludwig 
wi ebenfalls Feine weitere Einmifchung bes letztern in bie 
Verhaͤtniſſe des Landes wuͤnſchen konnte, fo verforach ex, ſich 
für Be beim Legaten zu verwenden? und ſandte an ihn ſofort 
auch eine Geſandtſchaft mit der Bitte: er möge die Kraft und 
Strafe feiner Bulle nicht in Anwendung bringen und bie Uns 
lerthanen mit ber Beſchwerung feiner Machtbriefe‘ verfchonen, 
denn Lande und Städte hätten ihm istt vollkommen genligende 

Zufagen gethan; eö werde fich nun alled leicht audgleichen und 
zum Bellen fügen, denn man werbe ſich in Liebe und Eins 

wacht verftändigen. Der Legat trug Anfangs Bebentn, in - 
das Geſuch zu willigen; er ſchuͤtzte vor: er koͤnne nicht eigens - 

ich mit Freude zum heil. Vater zuruͤckkchren, da: ex noch keine 
völlige, Cintracht herbeigeführt; von feinen vorgefchlagenen We 
gen hätten trotz aller feiner Ermahnungen die Stände doch 
eigentlich Teinen angenommen; dad Verſprechen, ihrem «Germ 

alles zu thun, was fie ihm von Ehre und Mechtö wegen 
ſchuldig feyen, fen feit Beginn ded Bundes von Landen und 

Staͤdten oft gegebetz es frage fich, wenn er dem Lande den 

Züden zeige, ob fie ed auch ausführen wurden? Jedoch auf 

des Meiſters, der Prälaten und Gebietiger Bitten wolle er 

nachgeben und fein Störer des Friedens feyn, wenn ihn bee 
Präfter auf diefe Weiſe herzuftellen hoffe; er werde dem Papite 


11, Schisz p. 164.: Sol. A. 148 —149, 
2) Schittz lc. Sol, A. 149, 


232 Abwiſe des Legaten. (1451.) 


gungen Verlauf berkhten. „Uber, fügte er hing, dab 
he —* wiſſen, daß ich durchaus Willens der 
Ausſihrung der Cenſuren mit Strenge nachzug 
ich ber Leute Hartnaͤckigkeit in ihrem Irrthum * 
afahten, ſollte ich auch sn ber Gerechtigfeit willen Sqhaden 
an meinen Leibe genommen haben und felbft Maͤrtyver gewor⸗ 
den ſeyn.“ Machdem er darauf noch ein urkunbliches Bag 
niß über den ganzen Verlauf feiner Berhanblungen auf beiden 
Tagfahrten für den ‚Hochmeifter außgeftellt > umb biefer bie 
Stände ernſtlich ermahnt hatte, — fle alle Mrisndglichkit 
und Bitterkeit ausſchlagen, Liebe und Freundſchaft in ihren 
Herzen grimden unb forthin den Obvenbläfern Seinen Glauben 
mehr ſchenken moͤchten,“ warb bie Tagfahrt aufgehoben und 
des Ergat tat nach. wenigen Tapen feine Ruͤckreiſe nach Rom an. 

So allgemein erfreut man aber Aber des Legaten Enifes 
nung war, fo erfuhr der Meifter Doch nur zu bald, wie fer 
er ſich im feinen Friedenshoffnungen getäufcht habe, Es kam 
ihm dad Gerichht zu, daß bie Verbuͤndeten eine Botfchaft an 
den Röm. König geſandt hätten. Je weniger ex aber jet 
bei dieſem auf befonbere Gauiſt und Beiſtand rechnen durſte, 
um .fo dngfllicher trug er dem Landkomthur von Deſterreich 


F 








aber, wie man erfuhr, ihre Zwecke fir den Mund üſtig zu 


— wir 





) 
1) Sol. A, 150; faft gleichlautend ein Bericht Aber das Weſent⸗ 
liche der Tagfahrt Sätt. LXXVI. 47. 
* Urtunde— d. in castro Elhing sexta menais Januar. 1451 Shbl. 


. AA A. 150. Ordens⸗Chron. p. 185, 
4) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Defterreich Johann v. 
Pommershein, d. Etbing am T. Beſchneid Chr. 1451 Gqbl. LXXXVII. 


Abreife bei Legaten. (1451.) 233 
uerfeden ſachten.““ Doga Damen neue Welosguiffe wegen bed 
Brgaten. Er war nicht ehe Unwillen und Verdrußz aus Preufs 
fm abgereiſt. Die Hartnaͤckigkeit ber Verbiimdeten als eine 
Sqhmach und Berachtung feiner Legatenwuͤrde betrachtend hatte 
er felbf geaͤußert, daß er vom dieſem Geſichtspunkte aus bie 
Seche auch dem VPapſte vorſtellen werde, damit dieſer zur Bes 
ſeefung ſolches Trotzes die weltliche Macht in Anſpruch nehme, 
Baendbte man ſich nun aber von Rom aud an ben Roͤm. 
Kinig ober an andere Fuͤrſten zu Gewaltmaaßregeln gegen bie 
Berbimbeten,, fo war fi das Land großes Unheil zu befindhs 
m. Der Hochmeiſter bot daher alles auf, ſowohl am paͤpſt⸗ 
uen Hofe, ald an dem bed Roͤm. Möniges bie Sache im 


noch 

tech Die koͤnigl. Hofgerichte in Schutz zu nehmen.“ mb 

fer hatte balb bie Freude, zu erfahren, daß ber 
Gefinaungen gegen ihn hege, feine Entſchuldi⸗ 


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es ſeinen Vorfahren in allem, was feinem Heil 
Sonth und Schirm widerfahren zu lafien. ® 

Innern des Landes konnte bie Aufregung ber 
leicht nicht wieder befhwichligt werben. In ben 
Schlochau, Konitz und Tuchel waren zwar in 
weſenheit des Legaten viele vom Lande und die 


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1) Schr, des Komthurs v. Oſterode, d. Plehwmähl Donnerſt. vor 
Satonii 1451 Schbl. LXXVIL &, 

2) Er. des HM. an d. Procurator, d. Danıig am T. Agnes 
1451 Schbl. LXXVV. 8. Schr, deſſelb. an d. Landkomthur v. Deſter⸗ 
reich, d. Mar. Donnerſt. vor Valentini 1451. Schbl. 105. 51. 

3) Vollmacht für den Botſchafter, d. Donnerſt. nach Scholaſtica 
1151 Shbl. XXXV. 74 

4) Schr. des Lanakowthura v. Qeſterreich an d. HR. d. Reuftedt 
Zreit. vor Petri Stuhlfeier 1451 Shbl., DM. 87. Der HM, Hatte 


234 Die Ebdechſen⸗ Üktter. (1451.) 


Städte ſelbſt aus dem Wunde ausgetreten; ) um fo unruhlger 
aber umb gereizter war bie Stimmung im Kulmerland. Unter 
ben Stäbten flanben dort immer noch Kulm und Thorn veram, 
der Sammelplatz aller Unzufriedenen. Unter der Rittaihaft 
aber waren ed vor allen. bie Witglieber ber alten Eidechſen⸗ 
Geſellſchaft, bie, nachdem ſich ihr Verein lange Zeit im Stil 
und ohne vege Zheilnahme an ben Öffentlichen Angelegenheiten 
ziemlich verborgen gehalten, jest von neuem wirkſam in bie 
Verhaͤltniſſe des Landes eingriffen. In ihrem Bunde hatten 
ſich gerade jegt bie angefehenflen und. einflußreichften Männer 
des Landes vereinigt ober verftärkten ihm bucch ihren Beitritt 
von Tag zu Zag. Zu ben Vornehmſten gehörten Hand von 
Gzegenberg, Auguftin von ber Schewe, Georg Maul, Gabriel 
von Baifen, Hunſens von Baifen Bruder, Thielemann von 
Berge, ber .berebte Biurgermeiſter von Thorn, ? Jocuſch oder 
Jacob von Swenten, Michael von Buchwalde, Ramſchel von 
Kriren genannt von Ludwigsdorf, einige Zeit Landrichter Im 
Gebiete von Rieſenburg und mehre andere.) Seit Ludwige 
von Erlichshauſen Antritt des Meiſteramtes traten biefe Eidech⸗ 
fen = Ritter wie zu neuem Leben auf bie Bühne ber Ereigaiſſe 
hervor. % Ihres eigenen Bundes urfprünglicher Zweck fiel ja 
‚im Ganzen mit. dem der Stände in eins zufammen. Daher 
erfcheinen auch jet ihre Häupter auf den Tagfahrten und bei 
Berathungen ald bie erfien Sachführer und Sprecher. Sie 
vorzüglich hatten fi ben Wünfchen und Bemühungen de 
Legaten mit kecker Beharrlichkeit widerfest, ihm manches Fühne 
Wort gefagt und ben Zweck ſeiner Sendung mit vereitelt; 


ſich wegen der fpäten Ankuͤndigung feiner Wahl mit der . Einnchmung 
der Huldigung und dgl. entfchuldigen Laffen. 

1) Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Sonnab. Purif. Mariä 
1451 Schbl. LIX. 60. Goͤdtke Gefchichte der Stadt Konig ©. 33. 

2) Bogl über Thielemann von Wege Prätorius Thorner Ehren: 
tempel &. 17 — 19. 

3) Ueber den Beitritt diefer Männer und mehrer anderer zur €i: 

dechſen⸗ Geſellſchaft ſ. B oigt Gefch. der Eidechſen⸗ Geſellſchaft & 61 ff. 

4) Voigt Geſch. der Eidechſen⸗-Geſellſchaft ©. 79, . 


Die Eidechſen⸗Ritter. (1451.) 235 


fe waren eB, die zu Leſſen eine eigene Berathung uͤber die 
Sroge veranftaltet: wie ber Legat wieber aus bem Lande zu 
ſchaffen ſey? 1) Sie waren es auch jebt, die nach der Abreife 
des Legaten bie Spannung ber Seither bon Tag zu Tag 
neu aufsegten und fleigerten. 

Shen wenige Wochen darauf eilten die Eidechfen- Ritter 
zu emer Berfammlung nach Rheben, ihrem Hauptberathungßs 
orte, dem Scheine nach zur Wahl eines Vicars für die dortige 
Bicarie ihrer Geſellſchaft. Allein man erfuhr nicht näher, was 
fe bei verfchloffenen Thuͤren berathen und befchloffen.? Cs 
web eine nette Berfammlung berufen und dazu au Thorn 
web Kulm eingeladen. Es fchien nothwendig, Gelbmittel aufs 
zubeingen, um bie Bundeöfache uͤberall zu vertheibigen, zu 
ſchuͤtzen und zu fördern, wo und wie es die Noth erforbere, 
Mau berieth ſich daher uͤber die Erhebung eines Schoſſes, 
Eder die Verwendung des Pfundzolles und die Wahl gewiffer 
Gehäftsfährer, die, ſechs ober acht an ber Zahl, ein Jahr 
lang die wichtigften Angelegenheiten bed Bundes im Ins und 
Zustande beforgen follten. Es Fam barüber zwar noch zu kei⸗ 
nem feften Beſchluſſe; allem nicht ohne Abficht verbreiteten bie 
Eivechfens Ritter dad Gerücht: der Orden habe im Auslande 
Soldnerhaufen beftellt, auch vom Meifter von Livland Kriegs 
usit erbeten, um bamit das Land zu überfallen, : Dabei war 
ihr Pan, fobalb als möglich eine große Tagfahrt aller Bun⸗ 
detverwandten zu veranflalten. Hand von Gzegenberg ward 
ehrt, als Hauptmann und oberfler Leiter aller Verhandlungen 
an tie Spike zu treten unb von Xhom und Kulm aus alled 


1) Vol. das Nähere in Voigt Geſch. d. Eidechſ. Geſeuſch. ©. 
82 — 84. 

2) Seth. d. Eldechſ. Geſellſch. ©. 91. Schr. des Komthurs v. 
Rheden, d. Mont, nach Balentini 1451 Schbl. XLV. 19. 

3) Schr des Komthurs v. Thorn, d. Lewen Mont, nach Umbrofil 
1451 Schbi. LXXVII. 7. Aufträge für Ihielemann 9, Wege auf den 
Tag zu Leiſau am Gonnt. Lätare 1451 im Rathsarchiv zu Thorn 
Serin. XV. 24, im Thorner Copiebuch p. 124, 


t 


236 Near Gaͤhrung im Lande. 1491.) 


in Bewegung zu ſetzen.“ Wohl nicht ohne Abſicht hatten 
auch zwei Eidechſen⸗Ritter Albrecht von Czippelin und Ludwig 
von Mortangen einen langwierigen Rechtsſtreit mit bem Bi⸗ 
fchofe von Kulm wegen ber Fiſcherei in einem bem letztern zu⸗ 
gehörigen See begonnen und führten ihn mit foldher Heftigkeit, 
daß weber ber Biſchof von Pomefanien, noch ber Hochmeiſter 
die Sache auögleichen konnten oder: vielleicht auch nicht weil 
ten, fo daß fie bis an der Rom. Hof gebracht werben 
mußte, ? 

Auch die Gaͤhrung im Wolke nahm zu, als fich die Nach⸗ 
richt verbreitete und ſelbſt von den Kanzeln herab im Ermiand 
verfündigt wurde, daß der Legat bei feiner Abreife erftät 
babe: alle Xheilnehmer am Bunde feyen in Todſuͤnden befans 
gen und im päpfllihen Banne, die bereits Verſtorbenen aber 
in ewiger Verdammniß. Der Biſchof von Ermland hatte die 
Erklaͤrung öffentlich beftdtigt; in Heilsberg kam es barkber 
um bie Ofterzeit zur größten Aufregung, obgleich der Biſchof 
ed noch nicht gewagt, die Sacramente zu unterfagen, ſondem 
Abfolution anbot.? Die Lage des Hochmeifterd warb ned 
bedenklicher, da auch in Livland in Berfammlungen und Be 
rathungen unter ben Städten Riga, Reval, Dorpat und Wen 
den fich ein unzufriedener Gelft fund gab und ſchon die Be 
forgniß entftand, fie möchten fich mit den Bundesſtaͤdten in 
Preufien in nähere Verbindung fehen, benn bereits war wirt 
lich von bort ein Genbbote an dieſe abgegangen. 9. Der En 
bifchof von Riga rieth dem Hochmeiſter: er möge ſich ja wit 
zus nachgiebig zeigen und auf Feine Weiſe von bei Ordens 


1) Schr. des Vogts v. Roggenhaufen, d. Mittw. nad Laͤtate 
1451 Schbl. LXXVII. 69. 

2) Das Nähere darüber in Boigt Gef. der Eidef. Geſchſch. 
©. 165 fi. 

3) Sr. des Mathe v. Hellsberg an den Math der Witfadt Kb 
nigeberg, d. Dienft. zu Oftern 1451. Schr, des Komthurs v. Bolga, 

4, Schr. des Livi. Weiters an deu HM. d. Riga Gonnab. vet 
Palmar, 1451 Schbl. XXI. 4, 


Rene Gaͤhrung im Lande. (1451.) 237 


ririlegien und Gerechtigkeiten dringen laffen; je mehrer bes 
wilige, je mehr werbe man forbernz er möge zuerfl noch Mits 
tel der Site verfuchen, und blieben fie erfolglos, dann bie 

bed Bundes aus Landen und Städten nach Rom 
laden laſſen und die Bedingung flellen, daß der Bund binnen 
beffiummter Friſt aufgelöft werde. Durch gütliche Wermittlung 
Yume ja ber Meiſter den Ständen immer noch feine landes⸗ 
vätrrliche Geſinnung beweifen ımb bewirken, daß bie Ladung 
wieder aufgehoben werde. ) Auch der Deutfchmeifter rieth jetzt 
nach des Legaten Erfcheinen zu einer gütfichen Einigimg mit 
den Bundeöverwandtn, weil er von ber Strenge bed Rechts 
wb von den Stmfen bed Papfied gegen die Bundeshaͤupter 
nur Unheil für das Land befürchten zu mılen glaubte. 2 Und 
doch waren ed gerade feine Schritte in Deutfchland, weiche bie 
Sitzung und Epannung der Geminher bald noch bedeutend 


fkigerten. 
BBie nämlich der paͤpſtliche Legat in Deutfchland die Han: 
ſeſtoͤdte dringend aufforberte, bie Danziger ald die Häuptfinge 
des Bundes (denn fie galten in Deutfchland allgemein als bie 
Derſten ober als „die Hauptlente” deffelben) mit ſtrengem 
Exafte zur Aufbebung ihred Bundes zur ermahnen, 2 fe wandte 
ſich auch der Deutfchmeifter an den Röm. König, den Mark: 
geafen Hand von Brandenburg und durch diefen an ben Kur⸗ 
fürften Frieberich von Brandenburg, fowie an den Erzbiſchof 
Köln und andere Firſten mit der Bitte, an die Verbim- 
in Preufien ebenfalls nachdruͤckliche Mahnfchreiben ergeben 
daß fie dem Bunde entfagten; widrigenfalls follte 
Roͤm. König einen Richttag beflimmen, auf welchem 
des Ordens Bevolmaͤchtigten erſcheinen und nach 


dr. des Erzbiſchoft v. Riga, d. Retenkaufen Dienſt. zu 
41 Schbl. XXVI. 13. 
SA. des Deutſchmeiſters, d. Hornet Dienft. zu Oſtern 1451 
DE. M 
Sqhr. des paͤpſti. Legaten Kardinal S. Petri ad Vincula an 
und Bremen, d. Würzburg 17 Mai 1451 Schbi. LAXVH. 








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238 Neue Gaͤhrung im Lande. (1451.) 


Verhär ‚der Klagen und Gebrechen Mittel gefunden werben 
folten, um die Zwiſtigkeiten auszugleichen und ben Bund auf: 
zulöfen, denn nur in dieſer Weife ſchien e8 dem Deutfchmeifter 
noch möglich, durch einen gütlichen oder rechtlichen Austrag, 
vermittelt durch jene Fürften, die immer zunehmende Spaltung 
und bürgerliche Zerriffenheit zu befeitigen. Die Schreiben 
diefer Fürften, alle an Danzig gerichtet, kamen auch bald an; 
fie flellten den Verbündeten in ernſter, jedoch wohlwollender 
Sprache die Gefahr vor, die ihnen wegen ber verachtenden Zu⸗ 
ruͤckweiſung der päpfllihen Vermittlung durch den Legaten fo 
wohl vom Papfte ald vom Roͤm. Königedrohe, da fiealle Wege der 
Ausgleichung fträflich verworfen; fie zur Befinnung über ihre 
bisherigen Schritte gegen ihre Landesherrfchaft ermahnend, for: 
berten fie fie dringend auf, jetzt wo ed noch möglich fey, auf 
Mittel und Wege zu denken, wie die Irrungen und Beſchwer⸗ 
ben, bie fie gegen ihre Herrfchaft haben möchten, freundlich 
und gütlich auszugleichen feyen. Insbeſondere rieth der Erz⸗ 
biſchof von Köln: fie möchten ihre Sache gegen den Orden 
nicht felbft führen wollen, fondern fie lieber zu gütlichem Aus⸗ 
trage vor den Papft oder den Roͤm. König und die Kurfürften 
bringen; er wolle felbfl, wenn fie Zwang und Gebrang litten, 
ald Wermittler eintreten und alles thun, was irgend zum Fries 
den führen Eönne u. |. w. 2 

Dieß .alled aber hatte nicht nur keineswegs den erwuͤnſch⸗ 
ten Erfolg, fondern die Danziger erhoben, indem fie nicht ohne 
Entjtelung der wohlgemeinten Abfichten des Fürften den Inhalt 
der Schreiben Landen und Städten befannt machten, überall 


mn — — — 


1) Schr. des Deutſchmeiſters, d. Horneck Donnerſt. vor Miſeri⸗ 
cord. 1451 Schbl. DM. 93. 

2) Die Schr. des Kurfürften Friederich v. Brandenburg, des Erz⸗ 
bifhofs v. Köln und des Morfgraf. Hans v. Brandenburg Schbl. 
LX. 60. 71. 72. LXXVI. 18. 20. 48. Schbl. 106, 90 €s erwähnen 
ihrer auch der Zol. A. 151 und Schäsz p. 166, wiewohl hier der Ins 
halt etwas anders lautet. Das Schr. des Kurfürften v. Brandenburg, 
d. Köln a. d. Spree Eonnab. nach Urbani 1451 in einer Originals 
Eopie im Rathsarchiv zu Thorn; in Thorner Copicbuch p. 99— 101. 


Spaltung im Bunde. (1451.) 239 


großes. Geſchrei, als hätten bie Kürften ihnen ben Frieben 
fhon förmlich aufgekuͤndigt. Durchs ganze Land lief das Ges 
rücht: der Meifter habe bereits breihundert Glevenien Soͤldner 
bei Schlochau, vierhundert erwarte er noch aus der Mark, um 
dann die Bundesverwandten zu überfallen. So grunblos bieß 
auch war, fo feßte ed im Bunde doch alles in Bewegungs; in 
Darzig traf man Auflalten zur Wertheidigung, befefligte die 
Tinme und gebot, daß jeder Buͤrger ſich auf ein Jahr mit 
Harniſch und Koft wohl verforge.D Im Kulmerland, wo 
Hand von Ezegenberg und Auguſtin von ber Schewe unter 
den Eibechfen-Rittern und Kulm und Thorn unter ben. Stäbs 
ten am thätigften: wirkten, hielt man eine Verfammlung nach 
der andernz ed warb enblich befchlofien! man wolle alle Bun⸗ 
desverwandten zu einer großen Tagfahrt nach Marienwerber 
berufen, um zu berathen, was bem Hochmeifter ber den Ins 
halt der fürftlichen Schreiben zu fagen und was den Zürften 
zu antworten fey. Aldbald ergingen auch Einladungen an alle 
Glieder des Bundes. ? 

Allein um: eben diefe Zeit war eine Spaltung im Bunde 
felbft entflanden. Nicht ohne einen wichtigen Zweck hatte eben 
damals der Hochmeilter Hanfen von Baiſen ind Kulmerland 
gelandt,. ver ihm aus Zhom berichtete: jest ſcheine ihm bie 
rechte Zeit, dahin zu wirken, daß der Bund aufgelöfl werde; 
e wolle e8 babei an Eifer und Fleiß nicht mangeln laſſen 
und er hoffe, ed werbe ihm gelingen. Niemand Fannte ben 





1) ol. A. 151. 
2) Schr. des Landrichters Nicolaus v. Senzkau und anderer Rit⸗ 
tee und: Knechte zu Kulmſee verſammelt an den Landrichter und Ritz 


ter und Knechte im Gebiete von Schlohau, d. Sonnt. vor Margare⸗ 


tha 1451 Schbl. LXXIX. 120. Schr. des Vogts v. Roggenbaufen 
an den Treßler, d. Sonnt. vor Margaretha 1451 Schbl. XLV. 12% 
Aufträge für Thielemann v. Wege und Johann v. Lohe zur Tagfahrt 
in Marienwerder auf Maria Magdal, 1451: im Thorner Copiebuche 
» 114, 

3) Schr. des Hans v. Ballen an d. AM, d. Thorn Gonnab, 
nad; Margar. 1451 Schbl. LXXVII. 138. 





240 Spaltung im Bunde. 11451.) 


Zweck feines Aufenthaltes in Thom; er feibft gab vor, große 
Sterblichkeit? habe ihn aus feinen Beſitzungen verſcheucht. 
Dime Zweifel war er beauftragt, bie Geſinnungen ber Einzels 
nen auszuforfchen und bie Schwankenden fir ven Drben zu 
gewinnen. Hoͤchſtwahrſcheinlich war es ihm gelungen, aud 
das wichtige Bunbeshaupt Hans von Cyegenberg von der Ges 
meinfache des Bundes merklich zu entfremben, denn fchon auf 
einem Berathungstage zu Leißau, wo von den Bundes: Xetes 
ften nur Auguftin von der Schewe erfchten, ſprach fich gegen 
diefen die größte Exrbitterung aus, Man gab ihm Schuld, 
daß er und einige andere ben Bund in große Werwidelung 
gebracht und „nun zögen fie bad Haupt aus des Schlinge” 
Man fchalt ihn oͤffentlich einen Boͤſewicht und Werräther ımb 
man beſchloß, Ihm auf allen Wegen aufpaflen zu laſſen, da⸗ 
mit er nicht allein zum Hochmeiſter kommen koͤnne. Jatob 
von Swenten ward beauftragt, ihn Tag und Nacht zu beob⸗ 
achten. Die ganze Ritterſchaft im Kulmerlande gerieth in große 
Beſorgniß, denn wie die Mitglieder der Eidechſen⸗Geſellſchaft, 
fo fand mit ihnen zugleich auch ein großer Thell des Bundes 
in zwei Parteien da, an ihrer Spike Hand von Czegenberg 
und Auguflin von der Schewe, die eine offenbar bemüht, ſich 
den Dtben mehr zu nähen. Auch der Vogt von Roggenhau⸗ 
fer, der dieß alles auskundſchaftet, rieth dem Meifter, bie 
eine Partei anf alle Weife zu gewirmen, wo möglich aud zu 
verhindern, baß auf der Zagfahrt zu Marienwerder die Send 
boten des ganzen Bundes erfchienen, weil da Leicht wieber eine 
Berföhnung zu Stande kommen könne. ? 

Diefem Rathe folgend, dem auch die andern Gebietiger 
beiftinunten, wandte ſich ber Meifter theild an einzelne richtige 
Bundesgliebder mit dem Gefuche, an den Berfammlungen det 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Sonnab. nach Margar. 
4451 Schbi LXXVI. 122, 

2) Schr. des Vogts v. Roggenhaufen, d. Sonnab. nad Margar. 
uns SM. LXXYVI. 66, Boigt Geh, der Edechſ. Geſelſch. 


Verhandlungen mit den Verbuͤndeten. 44451) WAL 


Verbündeten ferner nicht mehr Theil zu nehmen,” theils ließ 
er durch die Komthure den Vornehmſten die Ermahnungsfchreis 
ben der Fuͤrſten mittheilen, um fie mit dem wahren Inhalte 
und ihrem wohlgemeinten Zwecke bekannt zu machen? Die 
Danziger ließ er aufs ernftlichfle warnen, von ihren feindlichen 
Anftalten abzulaffen, obgleih man fehr bemüht war, dieſen 
einen andern Zweck unterzufchieben.? Aus mehren Gebieten, 
wie von Schwez, Chriftburg u. a. erhielt er auch erfreuliche 
Berichte Über die dortige Gefinnung für den Orden; man vers 
forach, auf dem Tage zu Marienwerber gewiß nur das Belle 
bed Ordens zu fördern und in jeber Weife fih dem Meifter 
treu und gehorfam zu beweifen. ® 

Auf der Zagfahrt ſelbſt faßte man nach vielfaͤltigen Be⸗ 
rathungen zunaͤchſt eine Antwort auf die Schreiben der er⸗ 
waͤhnten Fuͤrſten ab, worin man erklaͤrte: es ſey ein unges 
scchter Vorwurf, daß fie bed Legaten Vorfchläge zur Einigung 
verachtet hätten, vielmehr fey von ihnen der Weg freundlicher 
Ausgleihung angenommen und dem Drben alles dargeboten 
worden, was fie ihm von Ehre und Rechts wegen fchuldig 
ſeyen. Mehr habe der Meiſter nie von ihnen verlangt. Freund⸗ 
liche Tage zur Ausgleichung und Suͤhne habe keiner von ihnen 
je verworfen und noch zur Stunde ſeyen ſie bereit, jede etwa⸗ 
nige Irrung mit dem Meiſter auf guͤtliche Weiſe zu beſeiti⸗ 
gen.*6) Dieſe Antwort legten die Stände durch eine Botſchaft 
auch dem Hochmeifter vor, wieberholten aber bei ihm zugleich 


1) Schr. des Komthurs v. Strasburg, d. Sreit, nad Diviſſon. 
Apoſtol. 1451 Schbl. XXXIX. 32. 

2) Schr. des Kowthurs v. Chriſtburg, d. Preuſſ. Mark Sonnt. 
ua Diviſion. Apoſtol. 1451. Schbi. LXXVII. 58. 

3) Verhandlung des HM. mit d. Danziger Sendboten, am T. 
Diviſion. Apoſtol. 1451 Fol. A, 92%, Regiſtr. X. 134 - 135. 

4) Schr. des Komthurs v. Chriſtburg, d. Preuſſ. Mark Mont. 
vor Maria Magdal. 1451 und Schr. des Komthurs v. Schwe, d. 
Dienſt. vor Maria Magdal. 1451 Schbl. LXXVU. 32. 35 

5) Schr. der Ritterfehaft und. Rathsſendboten der Städte zu Ma⸗ 
rienwerder verfaommelt an die genannten Zürften, d. Marienwerder ia 
erastino Mariae Magdal. 1451 Schbl. Varia 139, 

VII. 16 


DI2 VWerhandiungen mit den Werbinditen. (1451.) 


auch das Geſuch wegen Abhaltung eines KRichttages zur Abs 
ſtellung vieler Beſchwerden, bie fich feit mehren Jahren gehäuft 
hatten. Schon im Mai dieſes Jahres nämlich hatte Ludwig, 
um bie Hauptbefihwerbe ber Berblrdeten aus bem Wege zu 
säumen, einen Richttag ausdgefchrieben, auf welchem alle fe 
Beginn: feined Meiſteramtes erhobenen Klagen und Zrifle 
auögeglichen werden follten. Die Stände waren zwar bamald. 
zu Elbing erfihienen, hatten aber ber Abhaltung des Serichtes 
widerſprochen, vorgebend: das Gericht ſey nicht fe befegt, wie 
es bedungen werben, auch müßten nicht bloß bie feit zwei 
Jahren erhobenen, fonbern ach die unter des Meifters Vor⸗ 
fahr zur Sprache gebrachten Beſchwerden zur WWerhanblung 
kommen. Da ſich damals aber der Hochmeifter auf diefe For⸗ 
derung nicht eingelaflen, bie Stände jedoch dabei beharrt hats 
ten, fo war ber angeorbnete Richttag ohne Erfolg geblieben 
mb zwar wie ber Meifter und die Gebieiger ausbrüdli er 
klaͤrten, durch Schuld der Stände feibfl.D Ludwig ging de 
her auch jet auf ihr wiederholtes Gefuch nicht weiter ein, 
vorgebend, feine Gebietiger feyen ihm jetzt nicht zur Hand, um 
einen neuen Richttag anzuorbnen. ® 

Die Bunbeöverwandten wurden aber balb von neuem in 
Beſorgniß gelebt. Es war den Sendboten des Deutſchmeiſters 
naͤmlich geglüdt, auch beim Roͤm. Könige ein ernſtes mb 
nachdruͤckliches Ermahnungsſchreiben an Danzig und bie uͤbri⸗ 
gen Werbindeten auszuwirken. Außerdem hatte auch ein 
Sendſchreiben des Hochmeifters felbft dem Könige bie Bun⸗ 
deöfache in bem nachtheiligften Lichte gefchildert, fo daß dieſer 
„an ſolchem Vornehmen und Handlung bed Bundes großes 
und erſchreckliches Mißfallen gefaßt.” Dem gemäß Iautete auch 
bie Sprache feined Schreibens; er erklaͤrte den Bund ald gegen 
geiftliches und weltliches Recht ſtreitend; die Reichsfuͤrſten hits 


1) Verhandlungen de6 HM. ut den Gendboten am T. Zacobi 
1451 Regiſtr. X. 135— 136, Fol, A. 93, 151. 

2) Darüber Sehtitz p. 165. 166, 

3) Zol. A. 94. Regifir, X. 136, 


Verhandlungen mit den WBerbämbeten. (1451.) 243 


ten ihn anfgefosbert, mit allem Nachdruck gegen ihn aufzutres 
tm, jedoch wolle er aus Güte und in Betracht, bag das 
Berberben ber Werbindeten beim Drben keinen Nuthen bringen 
Eiune, zuerſt warnen, fie ermahnen und ihnen befehlm, den 
Dund in Sine abzuthun und fich nicht gegen Geſetze, Kreis 
beit, Kecht und loͤbliche Ordnung aufzuiehnen, fondern fich 
ihrer Hervfchaft gehorſam zu beweiſen, wo nicht, fo werde er 
felche Aebertretung geiftlicher und weltlicher hochverpoͤnter Ges 
ſetze nicht laͤnger dulden.) In Folge dieſer ernſten Verwar⸗ 
wung ward eine neue Tagfahrt zu Warienwerder angeordnet, 
um einen gemeinſamen Beſchluß zu faſſen. Nach kurzer Be 
rahang warb von dort abermals eine Botſchaft, am ihrer 
Eyritze Hans von Ezegenberg, an ben Hochmeifler gefandt, ihn 
um Roth zu fragen, vwie man fi) gegen den König werants 
werten folle.”) Gr erwicberte: wir zathen euch gerne, was 
und zent unb Recht if. Da ber König euch fchreibt, daß 
euer Bund gegen Recht, Freiheit und Geſetz ſtreitet, und euch 
befiehlt, den Bund guͤtlich abzuthun, fo vathen wir euch mit 
alien unſern Sebietigern, ben Gebote des Koͤniges amd ber 
Kurfürflen ohne weiteres zu gehorchen und dem Munde zu ents 
fegen, euch bei ihnen entſchuldigend, daß Ihr bei Schließung 


1) Schr. des Komtburs v. Virnsberg Martin v. Eibe an d. HM. d. 
Bien Gaming nad; Divifon. Apoſtol. 1451; Dabei auch eine Abfchrift 
des She. des MRoͤm. Königes an die Danziger und Verbuͤndeten, d. 
Bien Dennerf, nad Diotſion. Apoſtol. 1451 Schbl. DM, 88; in 
Abſchrift wit dem Dat. Wien Mittw. nah Margaretha 1451 im Ratha⸗ 
archiv zu Thorn Lit. A. 26; Thorner Copiebuch p. 108. Auch Schisz 
» 166 erwähnt des Könige Schreibens; indeß don Leibes= und Geld: 
trafen, mit denen der Koͤnig gedroht Haben fol, ft In dem Schreiben 
aichts enthalten. Schr. des HM. an den Marfgr. Hans v. Brandens 
berg, d. Zeollemit Gonnt. vor Purif. Mariä 1452 Schbl. LXXYH. 
16. Sol. A. 95. 

2) Nach Zol. A. 151 fand diefe Tagfahrt am Abend Nativit. 
Marid Statt, Die Aufträge für Thielemann dv. Wege und Johann 
v. Lohe bei ihrer Sendung an den HM. d. Sonnt, vor Nativit. Mas 
vih 1451 im Rathéarchio zu Thorn Berka. XVII. 24, Lhorner Eos 
priebuch p- 112. 

16 * 


244 WVerhandlungen mit den Werbimbeten. (1451.) 


deffelben nicht gewußt, daß er gegen Freiheit, Recht und Ge 
feg fey, denn nur fo könnt ihr der Gefahr und den Strafen 


| 
N 


entgehen, die im ben Briefen gebroht find. Er verwies ed de : 


bei den Ständen ald gegen Ordnung und Hertommen, def 
fie ohne Willen und Erlaubniß der Herrſchaft Tagfahrten und 
Verſammlungen anorbneten, wann und wo fie wollten. Die 


N 


abermalige Bitte um Abhaltımg eined neuen Richttaged ſchlug 
er ohne weiteres ab, befchieb fie jedoch zu einer neuen Zug - 


fahrt, die nächflens zu Elbing gehalten werben follte, ! 


Sie fand zu Ende bed Septemberd Statt, „Vergleicht 
euch, fprach der Meifter zu den Verbündeten, wie ihr & un 
gefagt, mit und in Güte über euere Klagen und legt ben 


Bund ab, bad iſt mein und aller Gebietiger letzter Rath und 


Bitte Wir wollen euch eine Präftige Werfiherung und Berker 


‚bung geben, die euch gegen Ueberfall, Gewalt und alles Un⸗ 
recht ficher ftellen fol. Auf der Stände Erſuchen warb ihnen 
folche auch alöbald zugeftellt, denn fie war bereitö entworfen, ? 
Es hieß darin: aller Streit und Unwille zwifchen dem Drben 
und den Ständen folle hingelegt und vergeſſen ſeyn zu ewiger 
Zeitz niemand folle vom Orden gerichtet werben ohne Urtheil 
und Recht; wer dem erweidlich zumiber handle, uͤber ben folle 
ber Meifter Gericht fprechen, entweiche er aus bem Lande, ſo 
folle ihn Bein Ordenshaus herbergen, bis er nach bed Ordens 
Regel und Recht gerichtet ſey. Jedes Jahr folle ein Richttag 
‚gehalten werben, auf dem man jeden, der gegen einen Gebie⸗ 
tiger, Beamten ober Ordensbruder uͤber Gewalt und Unrecht 
Magen werde, verhören wolle Auch über die Abhaltung ber 
Gerichtes felbft waren die nöthigen Beflimmungen gegeben. * 

Allein die Stände fuhren in ihrer Antwort fort, den Bund in 


1) Die Verhandlungen des HM. mit den Genbboten der Staͤnde 
"am Abend Nativit. Marid 1451 Zol. A. 95-96. u. 152%. Die Gore 
rung wegen eines Richttages war ſchon in den vorangehenden Ders 
fammlungen beſchloſſen; Schbl. LXXVIL 5. 

2) Zol. A. 97—98, 

3) Die vom Sm, ausgeftellte Verfehreibung bei Schütz p. 16 
u, Sol, A, 106. 153 


Verhandlungen mit den Verbündeten. (1451.) 240 


feinem Zwecke immer wieder. auf die gewohnte Weiſe zu rechts 
fertigen und zu vertheibigen, beriefen fich dabei auf das gleiche 
Beifpiel Schwedens, bemerften- auch, daß ſolche Zuficherungen 
und Exrbirtungen bereitd auch von bed Hochmeiſters Vorfahr 
gegeben feyen. Die ihnen jetzt vorgelegte fanden fie zu kurz 
uud unvollfländig, erklärten füch jeboch bereit, fie zu näherer 
Peifung an die Ihrigen zu bringen.D Es kam alfo aud) 
jetzt wieder zu Feiner Einigung. ? Nicht ohne Abficht, wahrs 
ſcheinlich um die Stände einzufchüchten, ließen jetzt der Mei: 
ſter und der Bilchof von Ermland in Öffentlicher VBerfammlung 
die püpftlichen Bullen vorlefen, worin bem erflern bie nach⸗ 
driclichſten Vorwuͤrfe wegen feiner Nachſicht und Schonung 
gegen bie Verbündeten gemacht und er beshalb fogar ein Feind 
der Röm. Kirche und Verfolger des päpftlichen Stuhles ge 
nannte, 2) die Biichöfe aber, am welche ebenfalld vergleichen 
Ballen gelommen waren, * beauftragt wurden, die Bunde 
glieber in ihren Didcefen zu verfammeln, fie mit ben durch 
die Kirchengefege ımb beſonders durch die Carolina gegen folche 
Simde feftgeftellten ſchweren Strafen genau bekannt zu ma⸗ 
den, fie von ihrem Ungehorfam und dem Bunde abzumahnen, 
die zum Gehorſam Zuruͤckkehrenden von den Strafen frei zu 
fprechen, ihnen nur eine heilfame Buße für ihre Schuld aufs 
zulegen, fie ihred Bundeseides zu entbinden und diefen als 
einen gegen gute Sitte und Freiheit begonnenen Wahnfinn für 
nichtig und unmaͤchtig zu erfldten; fofern fie jedoch ſolchen 


1) Schisiz p. 168. Fol. A. 99—100, 154. 

2) Bol. A. 100. 

3) Die Bude an d. AM. tft im Original nicht mehr verhanden, 
in Abſchrift im Fol. A. 99 mit den Dat. Rome 1851 octavo Cal. 
Jenii p. a. quinto, dabei eine deutfche Ucberfegung. Der HM. ſpricht 
von ihr 301. A. 153, auch in einem Schr, des HM. an d. Landkom⸗ 
tyur v. Defterreich, d. Stud am T. Hedwigs 1451 Schbl. LXXVIII. 32, 

4) Die paͤpſtl. Bullen an die Biſchoͤfe v. Kulm und Samland, d. 
Rome 1451 octavo Cal. Janii p. a. quinto Schbl. XIII. 23. 24, beide 
gleichlautend; der an d. Viſchof v. Ermland wird sl A. 100-101, - 
», 154 cnwähnt. 


246 Becrhandlungen mit ben Verbuͤndeten. (1451.) 


Ermahnungen nicht folgen wirrden, fo werbe ber Papft zum 
Schreckensbeiſpiele fir Andere fie als in alle fefbgefekten Stra⸗ 
fen verfallen erklaͤren muͤſſen, damit fie fähen, daß nicht allein 
er, fondern alle Ehriftenfünften und Boͤller mit Macht und 
Nachdruck gegen fie. aufftchen winden. 

Allein audy dieſe drohende Sprache ded Papftes hate 
keineswegs die erwuͤnſchte Wirkung, vielmehr vernahm man 
deshalb umter den Verbündeten viele wilde Reben „unb vide 
Herzen wurden noch mehr ala fruͤherhin erbittert.“ Die 
Chrifiburger und Dſteroder nebft einigen ihnen anhangenden 
Heinen Staͤdten übergaben zwar bern Hochtreiſter den Entwurf 
einer Verfchreibung, wie fie fie wimfchten; allein bie Art, wie 
fie den jährlichen Richttag gehalten wiflen wollten, Tonnte er 
nicht genehmigen. Die Kulmer wollten fich auf gar nichts 
weiter einlafjen; daher enttieß ber Dochmeifter die Werfammel: 
ten und beftimmte nad Michaelis eine neue Aagfahrt in El⸗ 
bing, wo man ihm die Antwort der Stände einbringen foßte. ? 
Ihrem Berfprechen indeß wenig vertrauend, fanbte er fofort 


Gebietiger in alle Staͤdte umher, um den Birgern ben weh: : 


ren Inhalt feiner Berfchreiiung genau bekannt zu machen. 9 
Allem auch davon ſah er Beinen ſonderlichen Erfolg, dem 
wenn auch einige Kleinere Staͤdte ihm ihre fernere Treue und 
Ergebenheit bezeugen ließen,“ fo trat dagegen bie Ritterſchaft 
mit ben groͤßern Städten in ihren Berfammlungen um fs fe 
fier zu dem Beichluffe zufammen: man wolle ben Sund ım: 
ter Feiner Bedingung aufgeben und beim Röm. Könige fi in 
‘ einer bimbigen Antwort rechtfertigen. Es wachte fogar der 
Gedanke wieder auf, man müffe fih wie vormals an bie 
Konvente wenden und von ihnen Dälfe erbitten, wenn bie 


1) 301. A 154, 

2) Das Nähere Fol A. 102 - 108. 155. 

3: Sol.’ A. 155. 105. Schr. des AM. an die Bebietiger, d. Hol⸗ 
land Sonnab, nad Michaelis 1451 ibid. 

4) 3. B. die Stadt Neumark; Echr. der Rathsmanne v. Net: 
mark an d. AM. d. Gonnab. vor Matthät 1451 Schbi. LXXVII. 38. 


Verhanblungen wit den Verbündeten. (1451) ZT 


Kane Be, der and Dun Banke aukkem wirde. Die Bn- 
füncibung bed Meiſters warb dort auch allgemein verworfen. 
„Bäßten wir einen Bürger in Thom, ſprach der Buͤrgermei⸗ 
Ber Thielemann von Wege in einer Verſammlung ber Lande 
und Städte, der des Meiſters Brief aufnähme, wir wollten 
ir den Kopf abſchlagen und ihn vor bie Hunde werfen. Ag 
Selb zu Zagfahıten fell ed und nicht fehlen; wir fegen einen 
Schoß aufs Land, wovon jeder erhält, was ex andgegeben, 
Bird es nöthig, fo können wir auch an ben Roͤm. König ap- 
pelliren, denn große Gelehrte, bie wir um Rath gefragt, bar 
ben nd erklaͤrt, daß wir den Bund mit allem Rechte behaupr 
tzu können und daß er nicht wider bie heilige Kirche ſey.“ © 
Deatelbe Saft ſprach fig auch in Danzig aus; nur die ehr⸗ 
barem Leiste Der Umgegend wollten mit dem Bunde nichts mehr 
zu fehaffen haben.“) Ueberdieß war ed dem Eibechfen- Ritter 
Zacob von Swenten bereitö gelungen, zwiſchen ben beiden 
Porteien ber Gefellfchaft eine Sühne zu bewirken, benn - bie 
erwähnten Ereigniſſe hatten in allen das Gefühl des nothwen⸗ 
digen Einigkeit, und bes Berföhnung von neuem rege gemacht. 
Dans von Czegenberg und Auguflin von bes Schewe hatten 
Eich wieder genähert und erflerer fih wieder an die Spige ber 
Berbündeten geftellt, 4) 

Bon dem allem, vom Außfalle der Antwort der Verbin: 
beten, von ihrer Senvung an ben Röm. König, ben fie zu 
einer milden Meinung vom Urfprunge und Zwecke ihres Bun- 
des zu gewinnen fuchen wollten, von Danfend von Czegenberg 
veränderter Sefinnung war der Hochmeiſter bereitö unterrich- 


3) Schr. des Komthurs v Althaus, d. Donnerſt. nah Mauritit 
1451 und Schr. des Pilegers v. Papau, d. Freit. nad Srancifet 1451 
Shbtl. LXXVII. 4. 68, Voigt Geſch. der Eidechſ. Geſcilſch. &. 96. 

2) Schr des Komthurs v. Sraudeny d Streit. vor Dionyſ. 1451. 

3) Schr. des Hauskomthurs v. Danzig, d. am T. Galli 1451 
‚Edel. LXXVI. 52. 57. 

4) Boigt Geſch. der Eidechf. Geſelſſch. ©. 96 — 97. 


248 Verhandlungen mit den Werhändeten. (1451.) 


tet, 2) als er im Detober auf’ der Zagfahrt zu Elbing abermals in 
bie Mitte der Verbuͤndeten trat. Im einer Rede, amd bern 
Herzlichkeit deutlich hervorging, daß fie ber aufrichtigften und 
zeblichften Gefinnung entquoll, ermahnte er nochmals zu Friede 
und Einigkeit; hinmeifend auf den im Zwiſt und Hader immer 
zunehmenden, unaufhaltiamen Verfall ded Landes, warnte er 
vor ben Läflerungen und Afterreben, durch die man bad Voll 
Immer mehr verheße und machte babel auch aufmerkfam anf 
den Wankelmuth und bie Zweibeutigfeit, die Hand von Ge 
genberg biöher bewieſen.) Allein bed Meiſters Wort blieb 
ohne Wirkung. Die Stände ſchoben ihre Antwort wegen An- 
nahme der angebotenen Verſchreibung bis in ben November 
des folgenden Jahres hinaus, vorgebend, bis bahin gebrande 
ten fie Zeit, um auf Zagfahrten die fo wichtige Sache in 
reifliche Erwägung zu ziehen.? Ihrer Bitte, fie bis dahin 
gegen alle Bebrängungen fowohl im In⸗ als Auslande ir 
Schuß zu nehmen, gab ber Meifter gerne Gehör, doch gegen 
den Papſt, wie er ausbrüdlich erflärte, nur infofern er koͤnne. 
So führte auch diefe Tagfahrt zu Feiner Annäherung; vie 
mehr hatten ihre Verhandlungen von neuem gezeigt, baß es 
vorzüglich die Ritterfehaft des Kulmerlandes, befonderd bie 
dort am meiften ausgebreitete Geſellſchaft der Eivechfen Ritter 
und die fünf mit ihnen enge verbundenen großen Stäbte wa⸗ 
ren, bie am hartnädigften am Bunde fefthielten und deren 
Feindſchaft die Uebrigen beim Austritt aus dem Bunde auch 

am meiften fürchteten. Vom Kulmerlande aus wurden auch 
fon mit dem Landvolke befonberd in den Werbern Verbin 
dungen angelnüpft, wenn Gegenmwehr gegen Gewalt nothwen⸗ 


1) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Oeſterrelch, d. Stuhm 
s am T. Hedwigs 1451 Schbl. LXXYIH. 32, 

2) Fol. A. 107. 156. 

3) Aufträge für Ruͤticher v. Birken aus Thorn zur Tagfahrt in 
Eibing, Mittw vor 11,000 Jungfr. 1451 im Rathsarchiv zu Thorn 
Borin. XVII. 24, Thorner Copiebuch p. 190. 

4) Zol. A. 106— 108. 156. Schr. des HM, an d. Procurator, 
d Mar, am %, Martini 1452 Schbl. DOM, 97, 


Behandlungen mit ben Verbuͤndeten. (1451) 249 


big werben fellte. An bie Kulmer ſchloſſen ſich am meiſten 
bie Ofterober an, doch fehlte es hier noch an einem rechten Vereis 
seungöpunfte,D denn Hans von Baifen flanb immer noch 
vermittelnd da, häufig bemüht, die Intereſſen gegenfeitig aus: 
woleihen; feine Thätigkeit hemmte inbeß immer noch feine 
fertwährende Kränklichkeit. 2) 

Ueberdieß waren diefe Zeiten der Stimme im Lande felbft 
nicht ohne Beforgniffe eined Krieges mit. einigen Nachbarfuͤr⸗ 
fen bingegangen. Aus Polen kamen mehrmald Nachrichten 
von bebenklichen Kriegsruͤſtungen, nicht ohne die Vermuthung, 
daß fie auf einen Einfall ind Ordensgebiet berechnet feyen, 
bean ber Krieg wurde in Polen gewimicht und ber König 
weilte, wie man hörte, nur noch abwarten, welcden Exfolg 
bie Behandlungen bed Ordens mit den Verbündeten haben 
wörben, um dann vielleicht bie Partei diefer letztern zu ergreis 
fen. Ganz ficher war daher der Orden gegen Polen jest fchon 
keineswegs. Noch ernfilicher drohte eine Zeitlang eine Fehde 
mit Derzog. Joachim von Stettin, der bedeutenden Schabener: 
ſat baflır verlangte, daß der Vogt der Neumark feine Feinde 
mb allerlei Raubgefindel und Morbbrenner haufe und hege, 
die feinem Lande außerordentlichen Schaden zugefügt. Da 
fh der Hochmeifter in ded Herzogs Forderung gar nicht ein⸗ 
ſieß, fo begann biefer fo flarfe Kriegsruftungen, daß man es 
wötbig fand, mit Herzog Heinrich von Meklenburg wegen 


1) Schr. des Komthurs v. Dfterode, d. Dienft. vor Simon und 
uds 1451 Schbl. LXXVII. 39. 

2) Schr. des Hans v. Baifen an d. HM. d. Hefeleht Mont, 
ver Thom 1451 Schbl. LXXYVII. 121. Die Kraͤnklichkelt Hanfens 
». Baifen mochte wohl auch Urfache feyn, daß er feinem Bruder Sti- 
bor einen anfehnlichen Theil feiner Güter zu Eodyn, Nehberg, Schar⸗ 
fenberg u. a. käuflich überließ; Regiftr. IX. 363. 

3), Schr. des Kamthurs v. Tuchel, d. Mont. nad) Johannis Ent: 
haupt. 1451; Schr. des Hauslomthurs v. Danzig, d. am T. Bali 
1351 Schbl. LXXVII. 65. 52. Daß der HM. und der König von 
Polen auch nit iur beften Vernehmen ftanden, beweift ein Schr. des 
HM, an den Papft, d. Mittw, vor Dominict 1451 Regiſtr. IX. 337. 


250 General⸗Kapitel zu Marienbung. (1451.) 


eines Hätfeblnbniffes in Unterfandlung zu treten. Judeß go 
lang ed ben Bevolimächtigten des Hochmeiſters mit einigen 
Mäthen des Herzogd ‚auf einem Verhandlungstage zu Naulm 
die Irrungen noch glüuͤcklich zu befeitigen. 2) Uebrigens konnte 
ſich jetzt der Hochmeifler um die auswärtigen Verhaͤltniſſe 
wenig bekuͤmmern. Nur auf die ausbrkdliche Aufforderung 
des Papfted, zur Beendigung bed Streites zwiſchen den Könk 
gen Chriſtian von Dänemark und Karl von Schweden mit 
zu wirken,2 erflärte er fich bereitwillig. Die beiden Könige 
nahmen auch fein Anerbieten gerne an, ber von Daͤnemark 
jeboch mit ber Bemerkung, daß zwifchen ben bevollmächtigten 
Raͤthen beider Königreiche unlängft fehon eine Suͤhne und 
Ausgleihung der wichtigſten Streitpunkte zu Stande gel 
men fen und über die noch unentfähiebenen Artifel auf eine 
Zagfahrt zu Calmar naͤchſtens eine Einigung getroffen werben 
fole. 9 Der Hochmeifter fand es daher andy nicht mehr ne 
thig feine Gebietiger dahin zu ſenden. 9) 

Bichtiger wurden für ben Hochmeiſter feine Verhandlun⸗ 
gen mit dem Deutfchmeilter Soft von Venningen. Es waren 
feit einiger Zeit im ben innen Werhaͤltniſſen des Ordens fo 
wichtige Fragen zur Sprache gelommen, baf man ed noth⸗ 
wendig fand, die oberflen Gebietiger zu einem Generals Kapitd 


1) Schr. des Herzogs v. Gtettin an d. HM. db. Mit: Gteitin 
Donnerft. vor Eftomihi 1451 Schbl. XV, 112. Schr. des Vogts ber 
Neumark, d. Soldin Pfingftabend 1451 u. andere Berichte über die 
Sache Schbl. LXXVII. 11. 25. 26. 31. Schr. des Komthurs von 
Elbing, d. Holland Freit. nad Eorpor. Ehr. 1451 Säit. X. Il. 
Vollmacht des HM. für feine Sendboten Schbl. 47. 3 

2) Die piptt. Bulle an den HM. d. Homao sexto Idus Jun 
1450 p. a. quarto Schbi. XII. 18. - 

3) Schr. des HM. an den König Chriſtian v. Dänemark, b. 
Sobowig Sonnt. vor Eonverf. Pauli 1451 Regifir, 1X. 298. 

4) Schr. des Königes v. Dänemark and. HM. d. Odenſte Mittw. 
nach Mitfaften 1451 u. Schr. des Koͤniges v. Schweden an d. HM. 
d. Stroddolim Sonnt. Invocavie 1451 Schbi. XXXI. 11. 10. ' 

5) Str. des HM. an d. König v. Schweden, d. Montau Gonul. 
Eantate 1451 Regiſtr. IX. 321. 


General » Kapitel zu Maricubucg. (1451) Bl 


222 vefemmeln. Wie gewoͤhnlich hatte zunor 
ber Hochmeifter ben Buflend der Ordenthaͤuſer und die Lebens 
weiſe are ce ber Ordensbe⸗ 
Bemgen buch |. g. Wifitiser genau unterfuchen lafien; 
va Bogt von Leipe Georg von Egloſſtein war zu dieſem ⸗ 


haurigen Zuflande der meiſten Balleien und Komvente fowohl 
m —* als ſittlicher Hinſicht hatte ſich manches gefum⸗ 

was durchaus einer Abhuͤlfe bedurſte; ed. war z. B. ein 
—2 Geſetz nothwendig uͤber die Verwendung des Nach⸗ 
laſſes verſtorbener Ordensbruͤder, beſonders der Boamten, denn 
tretz der. beſtehenden Verordnungen daruͤber“ war ber Miß⸗ 
beach eingeriſſen, daß jeder, wer kannte, ſich des Nachlaſſes 
hbemoͤchtigte und ihn zu feinem Nutzen verwandte. Außer: 
den hatte der Johamnniter⸗ Orden ſchon im vorigen Jahre und 
jetzt von neuen durch einen beſondern Sendboten dem Hoch⸗ 
meiſter den Vorſchlag machen laſſen, die beiden Orden in 
einem zu verbinden ober doch, wenn dieß nicht geſchehen koͤnne, 
die Güter des Johanniter⸗ Ordens in Deutfchlanb gegen bie 
des Deutſchen Ordens in Neapel und Sicilien auszutaufchen, 
was für beide Orden von Nucen ſeyn koͤnne. Das Erſtere 
wünfche man von Seiten des Johanniter⸗ Ordens am meiſten, 
dech eigentlich nur in Italien, benn die Johanniter⸗Ritter in 
Dentichland, von denen man Widerſpruch befinchtete, hatte man 
davon noch gar nicht unterrichtet. Der Hochmeifter theilte da⸗ 


" Beiuschten für die Viſitirer Regiſtr. IX. 282. 353. Schbl. 


Be Das Empfehlungsſchreiben des Doge v. Venedig, d. in ducali 
Palstio TIL August, 1451 im Maths⸗Archiv zu Thorn Seria. XV. 8. 

3) Namentlich Kontads v. Ertihshaufen. 

4% Sche. des AM. an ber Deutſchmeiſter v. J. 1.451 Gchbl. 98. 
3. Gr. der oberſten Viſitirer Deutſcher und Waͤlſcher Lande an den 
kendtomthur von Deflareih, d, Laubach Sonnab. nach Divif. Apoftet. 
1451 im Nathsardiv. zu Thorn Scria. XV. 6. Theorner Copiebuch 
p 102, 


252 General : Kapitel zu Marienburg. (1452.) 


ber die Sache dem Deutfchmeifler auch als Geheimniß mit, 
um fie mit einigen feiner vertrauteften Gebietiger reiflith zu 
berathen und dann fein Gutachten Darkber auf den General⸗ 
Kapitel abgeben zu können. Endlich aber — und das war 
das Wichtigſte — hatte diefer auch die Frage Über die Gil⸗ 
tigkeit der Statuten Wernerd von Orfeln abermals zur Sprache 
gebracht. Der Hochmeifter hatte ihm verſprochen, die Sache 
auf dem Kapitel noch einmal zur Berathung zu nehmen, um 
entfcheiden zu laſſen, ob die Statuten, wie Lubwig wimſchte, 
ein= flr allemal gänzlich verworfen oder in der Art modiſicirt 
werben follten, daß fie Feinen Nachtheil bringen und nieman: 
den. in feinen Rechten beeinträchtigen koͤnnten. 2_ Der Deutſch⸗ 
meifter, der die Bebrängniffe ded Hochmeiſters zur Ausführung 
feined Planed jest benuben wollte, erzielte burchaus eine um 
veränderte Annahme derfelben, fand jedoch in ſeinem Geſuche, 
man möge ihm die einzelnen Punkte, bie dem Orden nad» 
theilig ſeyn follten, näher bezeichnen, beim Hochmeiſter Fein 
Gehör, denn biefer antwortete ihm bloß: eine Wergleijung 
der Statuten mit dem Ordensbuche werde fie ihm leicht auf 
finden laſſen. ® 

Der Deutfchmeifter trat mit dem Beginne bed Jahres 
1452 feine Reife nach Preuffen an, jedoch nur unter einem 
fihern Geleitöbriefe des Hochmeiſters, denn wie er felbft er 
Härte, wagte er ed nach feinem legten Abfchiede vom Tage der 
Berbündeten nicht, ohne folchen im Preuffen zu erfcheinen. ® 


1) Schr. des HM, an den Deutfchnieifter, d. Stuhm Donnerk. 
nach Lucia 1451 Schbl. LXXI. 75. Schr. des Procuratord on den 
HM. d. Rom Sreit. nad Afcher » Mitt. 1450 Schbl. I. 40. 44. 

2) Schr. des HM. an den Deutfchmeifter, d. Mewe Sonnt. nad 
Eorpor. Chr. 1451 Schbl. 98. 32, 

3) Schr. des Deutfchm. an den HMM. d. Gpeier am T. Yawmentil 
1451 Schbl. 913. 33. Schr, des HM, an. d. Deutfchmeifter, d. Dat. 
Sonnt. nad Aller Heil. 1451 Schbl. 104. 4, 

4) Schr. des Deutfchmeifters an den HM. d. Homed Mitte 
nach Kreuz s Eirhöh. 1451 Schbl, DM. 89. LXXVII. 50. Schr. des 
HM. an den Meutſchmeiſter d. Mar. Sonnt. nad Miller Heil. 1051 
Schbl. 104. 4, 


General = Kopitel zu Marienbuch. (1452) 258 


Er fanb das Land wieder in großer Aufregung und innen 
Benifienbeit. Die unter den Mitgliedern ded Bundes und 


der Eidechien = Befellfchaft wieberhergeftellte Eintracht ward flır 


den Orden jebt darum noch gefährlicher, weil fih nım bie 
Zahl der Eibechfen > Ritter durch den Eintritt neuer Mitglieder 
nech bebeutenb vermehrte. Auch in den Bund ſelbſt traten 
jet wieder neue Städte und Ritter ein, beſonders in den Nie⸗ 
derlanden. Dabei nahm aber auch die Hartnädigkeit unb bie 
BWiderfpänfligkeit der Bundesverwandten mit jebem Tage zu. 
Den Borlabungen der Orbenöbeamten leifleten fie fchon fait 
gar Eeine Folge mehr,” hielten Zagfahrten und luden dahin 
vor, wen fie wollten, befchloffen da, was ihmen beliebte, gaben 
Bersbuungen, wie ed ihnen gut bünkte, alles ohne Wiffen 
mb Erlaubniß ded Hochmeiſters, denn feine Verbote wurden 
beinahe ſchon gar- nicht mehr beachtet, und wenn es von einigen 
bie und ba zum Scheine noch geſchah, fo hielten ed doch auch 
dieſe im Stillen mit dem Bunde. ? 

Rum ward dad General: Kapitel zu Marienburg, jeboch 
eh gegen Ende des März eröffnet. Der wichtigfte Gegenſtand 
der Berhandblungen war die Stage liber die erwähnten Status 
im. Der Hochmeifter erflärte fogleich frei heraus, fie müßten 
als dem Orden in aller Hinficht fchdblich, für Ruhe und Fries 
den nachtheilig jebt völlig aufgehaben und vernichtet werben, 
ud bat auch den Deutſchmeiſter, fich darin willig zu zeigen. 
„Mit nichten, erwieberte diefer, haben bie Statuten dem Dr: 
den in früherer Zeit Schimpf und Schaden gebracht; dieſer 
erwuchs vielmehr aus böfem Negimente und aus eigener Schuld, 
sicht aber aus jenen, *die an fich ehrlich, redlich und nuͤtzlich, 
som Concilium beflätigt und von unfern Vorfahren für zweck⸗ 


1) Schr. des Vogts v. Noggenhaufen, d. am Neujahrstage 1452 
Eqchol XLV. 15. Voigt Gef. der Eidechf. Geſellſch. ©. 98. 

2) Schr. des Bogts dv. Leipe, d. Dienft. Timothei 1452 Schbl. 
LIXVH. 135. 

3) &o fchildert der HM. felb den Zuftand der Dinge in einem 
Gr. an d. Markgr. Hans v. Brandenburg, d. Tolkemit Sonnt, vor 
Yurif, Maria 1452 Schbl. LXXVII. 16, 


8 


254 Werhanbiungen mit den Ständen. (1452.) 


dienlich und hefffam befunden worden find. or allem müßte 
man boch nachweilen, in welchen Punkten fie dem Orden 
nachtheilig gewefen feyen.” Es wurden darauf ef folder 
Punkte vorgelegt, bie theils die richterliche Gewalt des Deutſch⸗ 
meiſters uͤber den Hochmeifter in Fällen, wo diefer ſeinen 
Amtspflichten nicht fireng genug nachgekommen ſey, theil des 
erftern Einfluß auf die Hochmeifter - Wahl und deſſen Eingrei⸗ 
fen in des Hochmeifterd Amtögewalt, theild auch ſolche Be 
ſtimmungen betrafen, bie den Geſetzen bed Ordensbuches ents 


weber widerfprachen oder dieſe als unnuͤtz und unnoͤthig ers ' 


fhienen ließen. Man fuchte zu erweiſen, wie unvermeidlich 
aus diefen Punkten Hader und Unfriebe im Orden und Scha⸗ 
den und Verderb für dab Land hervorgehen muͤßten, fobald fie 
in Anwendung kommen würben. Der Deutſchmeiſter indeß 
ließ fich weiter auf Feine Erörterungen ein, vorgebend, er 
habe fich mit feinen Gebietigern in Deutfchland uͤber die Sache 
nicht zuvor berathen Finnen, weil ihm ber Hochmeifter die ans 
geblich nachtheiligen Punkte nicht früh genug bekannt gemadit, 
obgleich er darum gebeten habe. Die Sache mirffe demnach 
ber Entſcheldung eines andern kuͤnftigen Kapitels anheimgeſtellt 
bleiben. Somit konnte alfo jetzt Feiner der beiben Meifter ſei⸗ 
nen Iwed erreichen. Ueber den Erfolg ber fibrigen Bere: 
thungen dieſes Kapiteld find wir weiter nicht unterrichtet. . 
Die Stände aber hatten ſchon vor der Verſammlung 
des Kapitels befchloffen, Die Anweſenheit ber Meifter von 
Deutfhland und Livland zu benugen, um ihre Klagen 
und Beſchwerden gegen den Orden in deren Gegenwart frei 
und offen auszufprechenz; fie baten daher von Marienwerder 
aus, wo fie fih verfammelt, um eine Zagfahrt, auf welcher 
auch die beiden Meifter und alle Landes» Prälaten erſcheinen 
moͤchten.) Der Hochmeifter indeß gab darauf feinen Bes 


1) Die Verhandlungen über die Statuten vollſtaͤndig Schbl. Ver 
ria ur. 9. 

2) Schr. des Bogts v. Lelpe, d. Mont, nad Reaminifcere MR 
Scqhbi. LXXVM. 107, Zol. A. 109, 166. 


Verhandlungen mit den Ständen. (1452) 255 


feheib, ? zumal da er durch Hand von Baiſen erfuhr, daß bie 
Etände den Plan gefaßt hätten, auf der erbetenen Zagfahrt 
den Hochmeiſter, die Prälaten und Gebietiger wegen der viel: . 
fachen Gewaltthaͤtigkeiten und Ungerechtigkeiten vor jenen beiden 
Reiften förmlich in Anklage zu verſetzen, um dann audh die 
Frage zu verhandeln, ob unter folchen Verhäliniffen ein Bund 
gegen Gewalt und Unrecht nicht rechtmäßig fey?? Da Lub- 
wig überhaupt aus mehren Gruͤnden eine Zuſammenkunft des 
Deutfchmeifterd mit den Verbündeten fcheute und zu vermeiben 
ſuchen mußte, fo ließ er jenen, ohne weiter einen Schritt zu 
then, fo bald als möglich aus Preuffen wieber abreifen. ®, 
Diefed Werfahren des Meifterd regte jedoch die Erbitterung 
ber Beubimmdeten nur noch heftiger auf; man warf ihm vor, 
dag er jet fichtbar allem Frieden entgegenarbeite. Wo nur 
eine Klage, eine Korberung gegen den Orden möglich war, ba 
wurbe fie laut. Danzig trat fogar wieder mit feinem alten 
Streithandel wegen Brechung des bifchöflichen Hauſes her⸗ 
ver, um vom Orden eine Entſchaͤdigungsſumme von zwoͤlfhun⸗ 
dert Unger. Gulden zu ſordern; der Hochmeifter mußte fich 
ſelbſt nach Rom wenden, wo früher die Sache verhandelt 
war. Am eifrigſten zeigten ſich auch jetzt wieder die Eidech⸗ 
fm Ritter im Kulmerlande thaͤtig. Es warb im Mai eine 
oligemeine Verſammlung derfelben zu Rheden gehalten theils 
zn Aufnahme neuer Mitglieder in ihren Verein, theils zur 
Beratbung fiber mancherlei Klagen und Befchwerden in Sachen 
des Bundes gegen ben Hochmeiſter. Auf Hanſens von Cze⸗ 

1) Sol. A. 156, 

2) Schr. des Hans v. Balfen an d. HM. d. Kloſterchen Mont. 
sch Zudica 1452 Schbf. LXXVIU. 116. Er Hagt noch immer über 
eine Krantbeit; er habe fich unter großen Schmerzen von Marienwer⸗ 
der nach Kloſterchen bringen laffen, koͤnne ſich aber gar nicht rühren. 

3) Schr. des Deutſchmeiſters an den HM. d. Soldin Freit. vor 
Yubilate 1452 Schbl. 98. 19, 

4) Set. A. 156. 

5) Schr. ded HM. an den Procurator, d. anı T. Dominic 1451 
Regiſtr. IX. 338, Schr. des HM. an Hans v. Baifen, d. Mar. 
Dienſt. nach Stanislai 1452 u, die Unkvert Schhl. LXXVV. 117, 


256 Verhandlungen mit den Ständen. (1452.) 


genberg Rath ward eine allgemeine Zagfahrt um Pfingken 
befchloffen, auf welcher jeder der Eingeladenen bei Verluft von ' 
Ehre und Treue erfcheinen follte. Dort wollte man fich darüber 
beratheh, um zu erfahren, „wie man mit bem Orden und dem 
Meifter daran fey und wie man nun der Streitfache ein Ende 
machen koͤnne.“ Man fchien jegt mit dem entſchiedenſten 
Ernfte gegen den Orden auftreten zu wollen! und ging daher | 
von deman auch mehr und mehr darauf aus, das Landvolk 
und ben gemeinen Mann mit in bie Sade bed Bundes m 
ziehen und für fein Interefie zu gewinnen. ® 

Alſo kamen in der Mitte ded Juni die Bundes verwand⸗ 
ten in großer Zahl zu Marienwerder zur Tagfahrt zuſammen, 
an ihrer Spitze die vornehmſten der Eidechſen⸗Ritter, Hand 
von Czegenberg, Auguſtin von der Schewe, Jacob von Swen⸗ 
ten, Gabriel von Baiſen, Michael von Buchwalde, Thielemann 
von Wege u. a. Bon dort brachten Abgeorpnete dem Hoch⸗ 
meifter, der damals auf einer Reife zu Mewe war, eine auf 
der Tagfahrt abgefaßte Schrift, worin man zuerft für bie, 
welche Klagen zu führen hätten, um einen Richttag bat, auf 
dem fie verhört werden und Abhülfe erlangen koͤnnten. Der 
Meifter erwieberte: „Zwei Jahre haben wir Richttage gehal: 
ten und jeden verhoͤrt, der vor und kam. Wir find zwar jetzt 
wegefertig auf einer Reife durch Pommerellen, doch wollen wir 
auch jegt noch jeden verhören, der vor und Klage führen will.” * 
Darauf Hagten aber die Sprecher des Bundes weiter: „Bit 
vernehmen von unfern Freunden, daß man fich im Lande hin 
und wieber viel Mühe giebt, Viele von unferem Bunde durch 
Geſchenke, Beftehung und Drohung zu trennen. Man hat 


1) Schr. des Vogts v. Roggenhauſen, d. zum Zehnden Mittw. 
vor Himmelf. 1462 Schbl. XLV. 16; über die Wichtigkeit dieſes 
Berichtes für die Innere Geſchichte der Eidedf. Geſellſchaft, f. Boigt 
a, a. D. S. 99— 100. 

2) Im erwähnten Schreiben; |. Eidechſ. Geſellſch. S. 101. 
3) Schr. des HM. an den Procurator, d, Mar. am T. Martial 
1452 Schbl. DW. 97. Schr. des HM. an den Livl. Meile, d. 
Mar, Streit. vor Dionyf, 1452 Schbl. DOM, 95. 


f 


Verhandlungen mit ben Ständen. (1452) 257 


uns verklagt beim Papfle, beim Kaiſer, bei den Fuͤrſten; ihr 
wiſſet felbft, daß ihr und in. unferer Vereinigung frei und uns 
keihwert gefunden und daß ihr felbft verfprochen habt, uns 
unfere Freiheiten zu erhalten, unb bermocd drängte und der 
yapftliche Legat, bebrängen und bed Papſtes Bullen. Bon 
den Kanzeln herab werben wir als unfreue und untüchtige 
Chriſten gefholten. Wir find vor dem Röm. Könige und bei 
ben Fürfterr verleumbet und ihr wifjet, welche drohende Briefe 
wir empfangen. Wir find hieher gefandt, euch zu bitten, und 
von diefen Beichwerungen und Beläfligungen zu.befteien. Wir 
haben durch Heiden und andere Feinde im Kriege, durch Raub 
wo Brand viel gelitten, unfere Srauen und Kinber geopferts 
wur felbft haben für euere Vorfahren vor den Bäunen gelegen, 
wu euere Orbenshäufer zu ſchuͤtzen und zu reiten; das Ges 
ſchmeide wurde unfern Grauen von den Kleidern gefehnitten, 
um euere Gefangenen auszulöfen; aber wir haben leider des 
wenig Dank verdient in dieſen Läufen. Als euer Vorfahr 
Paul von Rußdorf mit den Konventen in Zwiſt lag, haben 
fie Landen und Städten die Sache anheimgeftellt und dieſe um 
Hülfe angerufen. Damals wurde durch diefe Friede und Ruhe 
wieberhergeftellt; fie verfprachen uns damals wiederum Huͤlfe, 
worüber wir noch Brief und Siegel haben. Verdenket ed uns 
elfo nicht, wenn wir und jest an fie wenden. Darum bits 
ten wir mit aller Demuth, und vor Läflerungen zu ſchuͤtzen. 
Geſchieht foldyes nicht, fo verargt ed und auch nicht, daß wir 
und da verantworten, wo ed Noth wird feyn umb worin bie 
Roth uns dringt. 

Der Meifter gab darauf Feine Antwort, ſchuͤtzte fine Reiſe 
durch Pommerellen vor, verſprach jedoch nach feiner Ruͤckkeht 
weitern Beſcheid zu ertheilen.) Da wandten ſich die Vers 
bimdeten, exbitterten Gemuͤthes, alöbalb an die Komvente zu 
Koͤnigsberg, Balga und Vrandenburg, fie an den Schutz ers 


1) Diefe Berhandlung vollftändig Fol, A. 109— 113. 156— 157, 
Voigt. Geſch. der Eidehf. Geſellſch. S. 102— 103. Schr. des HM 
an d. Procurator, d. Mar, am T, Martini 1452 Schbl. DOM, 97, 

VIII. 17 


⸗ 


258 _Berhandlungen nıit den Ständen. (1452,) 


innernd, den fie ihnen einft unter Paul von Rußdorf gewährt, 
und fie jest um gleichen Beiſtand bittenb, indem fie beim 
Papft, Kaifer und Weich verklagt, vom Hochmeiſtet aber ohne 
Huͤlfe gelaffen feyen. Die Nachricht hievon erregte beim 
Hochmeifter die größte Beſorgniß; aͤngſtlich fuchte er bei vers 
fchiedenen Gebletigern näher auszuforfchen, was ed mit biefer 
Bufage des Beiſtandes von Seiten der Konvente für eine Be 
wandtniß habe, denn die Sache fehien ihm allerdings hoͤchſt 
bebenklich.) Mittlerweile erließen die Häupter bed Bundes 
die ernſtüchſten Warnungsfchreiben am die unter den Anhaͤn⸗ 
gern des Ordens, welche, wie der Mitter Segenand von Was 
pels im Ghriflburgifchen, fich vielfältig bemühten, in den Ges 
‚ bieten von ODſterode, Chriſtburg, Elbing u. f. w. die Theilneh⸗ 
mer am Bunde ſcheu zu machen und zum Abfalle zu base 
gen, indem fie vorgaben, „bie Bimdiſchen gingen nur mit 
Bug und Trug um ımd hätten nur mit Lift und Schalkheit 
Bide in den Bund gebracht”? Bo wurden bie Gerklither 
Immer mehr entſtaumt. Die Gaͤhrnng nahm noch zu, aß 
bald darauf eine neue Bulle bed Papſtes ankam , worin diefe 
nicht nur den Bund für null und nichtig und alle Beſtin⸗ 
nungen und Sagungen, twerauf er beruhte, fuͤr völlig unguͤl⸗ 
tig und kraſtlos erklärte, ſondern auch allen feinen Anhängern 
unb Börberern mit dem Bannſtrahle drohte, weofem fie ben 
gegen alle Kirchenfreiheit flxeitenben Bund nicht fofort aufge 
ben und ‚zum Gehorſam gegen den Orden ımd bie Landes⸗ 
Hraͤtaten zuruickkehren wixden.? Die Aufregung im ganzen 


.. 1) Gr. der Ritter u. Anchhte m. der großen Städte an die drei 
Konvente, d. Sonnab. nah Viti 1452 Schul, LXXVI. 135, 

2) Schr. des Komthurs v. Memel an d. HM. d. an 3. det 
14,000 Ritter 1452 CdbL, LXXVIE. 13, 

D) Gr. des Diser, Kucchte u, Stadie an dan Diiter Gepmend 
von Wapels, &. Mare Gonnab, nach Viti u. Modeſti 1452 Gbbl 
LXXVIL 129. 

4) Wir haben dieſe Bulle nur in einem Transfumt vom 3. 1455 
us dene Dot. Rome VER Cal. Maji 1453 p. a. sexto Schbl. XIV. 
6, eine deutfche Ueberfetung Schol. LXXVI. 96, Der Papfk führt 
darin die Sprache des ſtrengſten Ernſtes. 


Birhandlunger mie Ser Stanben. (1452) 259 


Sande war außerordentlich, AS dieß bekannt wurde; uͤberdieß 
berbreitete fich fehnell im Kulmerlande dad Gerücht: der Mei 
fee Habe ben Komthuren jener Gegenden bereits heimlicy den 
Befehl erfheilt, fi BR Bundeshaͤupter und Stümmfuͤhrer for 
bald als moͤglich zu bemaͤchtigen und wo man fie finde, auf⸗ 
Adeben. Ban beſchlotß jebt, an den Hochmeifter Eine Bots 
haft zu ſenden, im ihn deßhalb init ftrengem Ernſte zur Mede 
gi ſtellen. 1) — 

Nun geſchah aber, daß der Meiſter gegen Ende des Ku 
auf des Koͤniges von Pole Eintadung, die er nicht ausſchla⸗ 
den Tonne, eine perfönlihe Zuſammenkunft im ihm bet Thoru 
Biel, um fich Aber mancherlei Werhältträie, beſonders Aber Bid 
Handelsſtreitigkeiten mit ihm atiözugleichen, bie bisher innner 
noch zwtſchen Poben und „Dei Orden, namentlich zwiſchen Kra⸗ 
Bau und Danzig obgewaltet mid den Verkehr beider Ländet 
fer ſchon ganz erdruͤckt hatten. Die Verhandlungen hatten 
handy Beſeltigung mehrer Hanbelsbeſchtaͤnkungen manchen ge 
ſigen Erfolg. 7 Der Konig umb der Meffter begegneten fich übers 
heupt mit der größten Freunbtichkeit, Inden einander zu Gaft, 
beſchenkten ſfich gegenfeitig, wie es damals‘ Sitte war, der 
Bechmeiſter Ser König int zwef feiner ſchoͤnſten Hetigffe ımb 
framten ſich dann nach ihren Verhandlungen mit allen Be⸗ 
weifer von Freundſchaft.) Da erſchien nun aber Beim’ Hochs 


ij Schr. de6 Vogts v. Lelpe, J. Schönfee Sonnt, nad Apof, 
Chai. 1452 Ghbt. LXXVIE 118. Mi einen Schr. des HM. di be 
Her v. Kulm, d. Nosgenhauſenn Bickſt. nach Givikonr Ayofl- 1452 
fa Nathéarchio zu Thorn, Thorn Copiebuch ». LER. widerlegt eb dad 
wrbreitete Geruͤcht. nn 

2) Die Verhandlungen über die Sänbefofweitigtsiten: arfihen Pos 
Ya und der Danzigern' zu Neffad, d. Sonnud. Batsti.- E52 Echbl. 
LXxXVIL 118. Schr. des Könige v. Polen amd. HM.!d} Eiml 
Bkizs ferir Vi pom festum Petri viacula 1452 Gchbl, ZEVI/ 28, 

3) Sr. bes HER. dh v. Procurator, d Mar Martink 1092 
EhbL DM. N. Shr. des AM. an d. Livl. Meiſter, vi Mur: Freit 
der Diem. 1482 Sabl. DOW. 9. Auköss TB: 92: Berhede 
Ihornif. Chron. p- 52. . \ 

17 


260. Werhandlungen mit Yan, Staͤnden. (1452.) 


meiſter auch eine Geſandtſchaft der Bundeshaͤupter, an ihre 
Spige die Eidechfens Ritter Gabriel von Bajiſen, Jacob von 
Swentn und Thielemann von Wege, theild um ihm über. bie 
angeblich feindliche Maaßregel zu befragen, theils ihn um eine 
entfchiebene Antwort auf das ihm zu Mewe vorgelegte Geſuch 
‘anzugehen, : Er wies fie indeß mit allerlei Ausfluͤchten ab; 
man brang immer fehärfer auf. Antwort, dem man wollte ſich 
nicht Iänger hinhalten laſſen; endlich verfprach er fie nach fer 
ner Heimkehr den Ständen zu ertheilen. ) | 

Wohl aber mochte damald der König von Polen den er⸗ 
ſten klaren Blid in die wirren Berhäifziffe Preuffens gethan 
und baraud vielleicht mancherlei Hoffnungen fl die Zukunft 
entnommen haben. Es Eonnte ihm Baum unbefannt bleiben, 
dab hie und da im Kulmerlande fon Stimmen laut wurden: 
wolle der Meifter feine Untertyanen nicht bei ihren Rechten 
laſſen, fo ſey man fehr geneigt, fich ben Polen näher anzu⸗ 
ſchließen.) Auch bewies fchon die Aengfllichkeit und die bange 
Beſorgniß der Anhänger des Ordens unter der Ritterſchaſt, 
daß wichtige Plane im Schwange gingen, zu beren Ausfich⸗ 
ung man nur Die geeignete Zeit erwartete? De Malle 
felbſt hatte fchon faft Feine Hoffnung mehr, mis den Ständen 
bei. der obwaltenben Leibenfchaftlichkeit und Grbitterung.. Eh 
je guͤtlich auögleichen zu koͤngen.“ Er hatte ſich an ben.alten 
Freund feines Haufed, den Markgrafen Hans von Branden⸗ 
burg mit der Bitte gewandt, bei einigen angefehenen Reichs⸗ 
fürften voch einige Briefe an die Verbuͤndeten, wie bie bed. 
Kurfürften von Brandenburg :und bed Erzbiſchoſs von Köln zu 
bewirken; der Markgraf verfprady auch, bei dem naͤchſtens flatts 


.. M.GOh A, 113-114, 157; . : 
..D Schr. des Vogts v. Roggenhanfen, d. Pfingſtabend 1452 Gchbl, 
LEZV 55 . 2 5. 

.B8) Schr. Segenands v. Wapels u. einiger andern Anhänger des 
Ordens an d. HM, d. Chriſtburg Mont. nach Dominici 1452 Schol. 
LXVI. 121, | 

4) Schr. des HM, an d. Prosurator, d, Mar. Martini 1452 
Schbl. OM. 97 . 


Berhanblungen mit den Ständen. (1452) 261 


ſiadenden Turniere zu Bamberg einige Flırflen dazu zu gewin⸗ 
nn. Über was konnten ſolche Briefe noch viel fruchten, 
da der Deutichmeifter die fehon bei feiner Abreife. aus Preufien 
gegebene beflimmte Erklärung jest wieder erneuerte, Daß er zu. 
dee Art, wie der Hochmeifter durch die erwähnte Berfchreibung 
fh mit den Verbimbeten abfinden wolle, niemals feine Zus 
ſtimmung geben, viel weniger, wie man verlangt, fie mit. bes . 
fiegeln werbe, wenn nicht mehre wefentliche Punkte, beſon⸗ 
ders in Beziehung auf die Gerichtsverhaͤltniſſe darin verändert . 
winben. 2 
ueberhaupt aber ſchienen auch die Verbimbeten felbft ſchon 
kenme Ausgleihung auf frieblichem Wege mehr zu erwarten, 
Der Kaifer Friederich, an den fie fich gewandt,. hatte an fie 
bad ernſt drohende Gebot erlaffen, fie follten den Bund ſchlech⸗ 
terbings abthun, ihren Streit beilegen unb dem Orden Gehors 
fam leiften oder ed werde nöthig ſeyn, wider fie nach Reiches 
rechten zu verfahren. Kaum mar biefed Schreiben ange: . 
langt, als der Meifter erfuhr: es feyen von den Verbimdeten 
Auguftin von der Schewe, Ramfchel von Kriren, Vogt des 
Parnefanifchen Domſtiſtes, 9 Thielemann von Wege und Ans 
dead Brunau, ein Binger aus Königsberg als Sendboten 
zum Kaifer erkoren, e) um bei diefem ben Hochmeifter und den 
Drden zu verflagenz fchon fey ein Regifter aller Klagbefchwers 
den gegen bie letztern ausgefertigt, die großen Theils „feltfam 
und grob” lauteten; am meiften beſchuldige man ben Meifter 
unb ben Orbenöfpittler Beinrich Reuß von Plauen, welcher letztere 


1) Schr. des Markgr. Hans v. Brandenburg an d. HM. d. Plaf: 
fenburg Mont. vor Jacobi 1452 Schbl. LXII. 13, . 

2) Schr. des Deutfhmeifters an d. HR. d, Hornet am T. Lau⸗ 
rentii 1452 Shdl DM. 99. 

3) Schr. des Kaifers an die Verbündeten, d. Neuftadt Samſtag 

nach Petri u. Pauli, des Reiches Im 13ten, des Kaiſerth. im erften 
Fahre, ins Rathsarchiv zu Thorn Cist. II. 44, 

4) €x legte fein Amt als Stiftsvogt bald nieder; Schbl. LXV. 9, 

5) Ueber die Wahl ein Schr. des Bifchofs Raspar v. Pomeſanien, 
d. Rieſcabirg am T. Nativit. Mariä 1852, 


PAR Werhanblungen mais den Staͤnden. (1452,) 


orme Waiten ihren Guͤter heraubt mb aune Binder in Die 
Viehhoͤfe geſteckt habe; vom Hauskomthur zu Preuffiich Mat 
ſage man, daßz &x drei Menſchen graͤulich gemartert und dans 
heimlich im Thunn ermordet haben fehle, und folcher ſchaͤndl/ 
chen Dinge wuͤrden dem Orden eine Menge angedichtet. Auf 
den Kaiſer ſetzten die Verbuͤndeten immer noch Vertrauen, denn 

fie meinten, der Brief, den ber Meiſter als des Kaiſers Vricf 
Landen und Staͤdten mitgetheilt, fey vom Biſchofe von Erm⸗ 
land geſchriehen und untergefchoben. Ludwig traf fofert Am 
ſtalt, zu feiner Verantwortung den Vogt von Leipe Georg ven 
Eglofſtein als Motichafter an hen Kalfer zu fenden, nicht ohne 
große Schwierigkeit, denn ber Ordensſchatz mar fo erſchaͤpft, 
daß die hazu möthige Geldſumme von ben Komthuren unb 
Wögten zufammengehracht werben mußte unb von biefen warn 
wehre nicht sinmal im Stande, zwanzig big braißig Gulden 
beizuſteuern, ja der Ordensmarſchall wagte nicht einmal feine 
Amilleute dazu aufzufärbern, aus Beforgniß, fie möchten ihm 
alle ihre Aemter auffagen. 2) 

Menor jedach der Meifter hen Votſchafter ausſandte, be 
rief ex die Stäube zu Ende des Augufi zu eine Ragfahrt 
nach Marienburg, um ihnen bie verlangte Entſcheibdung zu ger 
hen. Sie perfammelten fih zu Marienwerder und fanbten won 
dba, um weitern Zwiſt zu vermeiden, nur eine Botſchaft von 
ſechs Verſonen zum Hochmeiſter. Er ſprach zu ihnen mis gem 
Per Milde: „Mir haben feit etlichen Jahren unter einander 
ohne Richter ſchriſtlich und mündlich Klage und Antwort auf⸗ 


1) Schr. des Wogts v. Moggenhauſen, d. Dienſt. vor u. l. JFrauen⸗ 
Tag 1452 Schbl. LAXVII. 138. Es heißt auch: Sch vorneme ob, 
das fo dem keyſer zufihrghen über die heren des ordens, wiy dat mas 
In ir wiber beſchlaf und In die manne vorfoͤſſe oder vortreale md 
Der arthlel fol ſchentlichen. 

2) Schr. des Komthurs v. Straskurg, d. am T. Bartholomn 
1452 Schbl. LXXVII, 117. Gchr. bes Ordensmarſchalls, d. 5 
Dienft. vor Bartholom. 1452 Schbl. LXXVII. 109; aAhnliche Schrei⸗ 

- den anderer Sebietiger, die erklaͤren, As bonnten gar nichts oder nur 
die Hälfte, etwa 15 Gulden beiſtenera ebendaſ. Nr. 113. 114 


Berpandiungen mit den Ständen. (1452) 268 


amenmen, finb aber dadurch nicht zu Ruhe und Friede ge: 
Ponmen, benn was und Recht duͤnkte, ſchien euch Unrecht. 
Niemand iſt in eigener Sache unparteiifcher Richter. Wären 
die Klagen. vor einen gerechten Richter gebracht, ihr wäret 
längft zur Ruhe gekommen. Nun beißt ed aber in euerem 
Bunde ausdrüdlich: er fey wider Gewalt und Unrecht geftiftet, 
fe daß jebermann bei Recht bleiben ſolle; werbe jemand über 
Ungecht klagen, der folle fich zu Recht berufen und am Rechte 
genügen laſſen. Faſſet alfo alle euere Klagen wider und zu⸗ 
ſammen, wie wir beögleichen die wider euch; wir wollen dann 
beide vor einen gebübrlichen Kichter treten. Was diefer ald 
Res ausfpricht, wollen wir euch fell und unverbruͤchlich hal⸗ 
tem Waͤhlet den Richter ſelbſt; ift euch der Papſt, unfer ges 
büßrlicher Richter zu ferne, fo wählet den Kaifer, einen Kur⸗ 
fürſten, einen Zürften in. Deutichland, einen Erzbiſchof ober 
Biſchof, den Erzbiſchof von Riga oder die Prälaten unſeres 
kandes oder auch vier von beiden Zheilen erkorene gottesſürch⸗ 
tige und weile Männer aus unfern Unterthanen, bie unter ſich 
einen Obmann ernennen mögen. Sie mögen nach Gott und 
Recht alled enden und entſcheiden.“ 

Mit diefem Erbieten gingen die Senbboten nach Marien 
weder zu den Ihrigen zuruͤck. Allein das friedliche Wort fand 
kin Gehoͤr; vielmehr fandten die Bundesverwandten nach we⸗ 
nigen Zagen „durch einen fchlechten Boten” dem Meifter eine 
neue Klagfchrift zu, fich bitter darin befchiwerend, daß fie nicht 
me auswärts vom Kaifer, Papft und von Fuͤrſten wegen 
ihres Bundes fort und fort bebrängt und verfolgt, fondern 
auch im Lande felbft von den Kanzeln herab verleumdet, von 
den Drbendamtleuten mit Drohungen, Gefpött und unziemli⸗ 
den Reden aufs fehwerfte verletzt, beleidigt und auf alle Weiſe 
zum Abfalle vom Bunde durch die Gebietiger bebrängt wir: 
den, und zuletzt erklaͤrend: der Hochmeifter koͤnne es ihnen 
nicht verdenken, daß ſie ſich darüber an gebuͤhrenden Orten 


1) Zol. A. 114 - 116. 157—158, Schr. det HM. an den Pre⸗ 
cutatot, d. Day, Martini 1452 Schbl. DW. M. 


264 Berhandlungen mit den Seine. (1452.) 


verantworten würden. Damit deutete man auf bie Sens 
dung an ben Kaifer bin. Eine Sühne mit dem Orden mar 
jest kaum noch denkbar, denn bie Erbitterung der Gemiither 
wuchs num mit jedem Tage mehr, da ‘auf ber Zagfahrt zu 
Marienwerber eine Menge ber gröbften Gewaltthaten und 
Graͤuel mehrer Sebietiger gegen bie Unterthanen zur Sprache 
gelommen waren, bie, obgleich meift offenbar nur zu dem 
BZwecke erdichtet, um gegen ben Orden aufzuhetzen, dennoch afls 
gemein geglaubt wurden und alled gegen bie Ordensherren es 
bittern und empören mußten. Nun konnte Feiner ſchon meht 
gleichgültig und parteilos bleiben; bie Spaltung warb immer 
größer, die Feindſchaften immer ſchneidender, die Gährung im: 
mer wilder. Die Verbimdeten verfolgten bie aus dem Bunde 
Ausgeſchiedenen mit fchändlichen Schelts und Schimpfworten, 
Berleumdungen und Drohungen und fo biefe wieberum jene. 
Freunde flanden gegen Freunde, Brüder gegen Brüder auf; 
da war fein Ort und Feine Stabt mehr, wo nicht Hader und 
Zwietracht herrſchte.) Selbſt die engften Banden verloren 
ihre Kraft. Kam doch aus Thorn fogar die Nachricht, daß 
feibft hie und da Ordensbruͤder, felbft einige Konvente ben 
Verbuͤndeten nicht abgeneigt feyen; fogar auf einige Komthure 
im Kulmerlande und Pommerellen fing man an mißtrauiſche 
Blide zu richten, denn ihr Hin= und Herreiten und ihre heim 
liche Thaͤtigkeit ſchienen hoͤchſt verdächtig. ”) 


4) Schr. der Ritter u. Knechte u. der Bundes-Städte and. HM, 
d. Marienwerder Donnerft. vor Aegidii 1452 Zol. A. 117. 19, Gär. 
des HM. an den Procurator, d. Mar. Martini 1452 Schbl. DM. 9. 


2) So in einem Schr. des Komthurs v. Thorn on d. HD. & 
Thorn Mittw. vor Nativit. Marlà 1452 Schbl. LXXVII. 53. 


3) Schr. des Munzmeiſters v. Thorn an d. HM, d. Thorn am 
J. Nativit. Marid 1452 Schbl. LXXVII. 113. Er nennt als ſolche, 
deren Zuſammenkuͤnfte ihm ſehr verdächtig ſchienen, den Hauskowthur 
von Thorn, den v. Schlochau und die Komthure von Althaus und 
Schivej. Er ſagt ehenfalls: Schelten und Fluchen iſt fein maß vfl 
dem Lande denjenigen, dy von dem bund getreten ſint. 


Verhandlungen mit den Ständen. (1452.) 263 


And) des Meifterd lebte Erbieten erzeugte nette Spaltıms 
gen und Feindſchaften, dem bier warb es fin billig gefunden 
ud angenommen, bort bagegen verworfen. Im Danziger Ges 
biete erflärte eine bebeutende Anzahl der ehrbaren Leute: es 
thue ihnen leid, daß die Buͤndiſchen des Meifters —* 
zxcruckgewieſen; da num ſchon die drei Gebiete von Elbing, 
Eriſtburg und Oſterode aus dem Bunde ausgetreten feyen, 
fo wollten auch fie ferner nichts mit ihm zu ſchaffen haben; 
nur möge der Hochmeifter auch ihnen, wie jenen, mit Rath 
mb Huͤlfe beiftehen, wenn fie deshalb zur Rede gefeht wir: 
ben. ? Auch im Oſterodiſchen Gebiete fand es faft allgemei: 
en Beifall, felbft auch bei dem Theile der Ritterfchaft, bie 
ned im Bunde war, ? denn im ganzen dortigen Gebiete gab ed 
au noch dreizehn dem Bunde angehörige Ritter, freilich aber wa⸗ 
ven bieß die reichften und angefehenften, einige berfelben, wie 
Albrecht von Hippelin und Georg von Kynthenau zugleich auch 
Bitglieder der Eidechfen = Gefellfehaft. Der Komthur von Oſte⸗ 
ode war eifrigſt bemüht, auch von biefen mehre zum Abfalle 
vom Bunte zu bewegen und Sander von Baifen fland ihm 
darin treulich bei. ?) 


Se mehr aber in folcher Weife in einzelnen Zheilen des 
Landes der Bund gefchwächt zu werben fchien, je mehr man 
wahmahm, wie die Komthure indgeheim bei den Freien, den 
Schultheifen und wo fie fonnten, alle Mittel auf boten, vo 
der Theilnahme am Bunde abzufchreden ober die Theilnehmer 
abtruͤnnig zu machen, hier mit Gewalt und Drohungen, dort 
durch heimliche Verlodung, Lift und Verfprechungen, um fo 


1) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. am Abend Nativit. Ma: 
rià 1452 Schbl. LXXVII. 102; er nennt 36 ehrbare Leute, worunter 
Yer Landrichter, 12 Landſchoͤppen, theils von Adel, theils Buͤrgerliche. 


2) Schr. des Komthurs dv. DOfterode, d. Hohenſtein Donnerft. vor 
Natisit. Marik 1452 Schbl. LXXVII. 64, 


3) Schr. des Komtthurs v. Oſterode, d. Gilgenburg am T. Crutis 
1452 Schbl. LAXVII. 100. 


366 Verhandlungen mit den Ständen. (1452,) 


nothwendiger fchien es ben Oberhaͤrptern ber Bundesverwand. 


ten, dad Band ihrer Genoffenfchaft feſt und enge zuſammen⸗ 


zubalten, ‚zugleich aber auch im Auslande eine Stüge zu ſuchen, 


bei der fie unter der immer flärker drohenden Gefahr Halt und 
Hülfe finden koͤnnten. Sie verfammelten zu ſolchem Zweck 
im September einen neuen Bundestag zu Kulm. Von dort 
aus fanbten fie zuerft dem Hochmeiſter eine fchriftliche Erklaͤ⸗ 
rung, worin fie das erwähnte Erbieten deſſelben Punkt vor 
Punkt durchgingen, theil$ ung zu beweifen, daß fie feit bed 


— —— 


paͤpſtlichen Legaten Anweſenheit ſtets dahin gearbeitet haͤtten, 
Ruhe und Eintracht, Liebe und Freundſchaft wieder herzuſteß 


len und daB fie nichts fuchten ald Freiheit und Gerechtigkeit, 


theils auch um darzuthun, daß der vom Meifter vorgefchlagene | 


Weg der fchiedörichterlichen Entfcheidung zu nichts nügen könne, 
„Unſer Land, fagten fie, ſteht theils im Magdeburgifchen theils 


- m. 


im Lübedifchen Rechte, vor welchen jeder gerichtet werben kann; 


auch ift jeder von und an ein beflimmtes Gericht gewieſen, vor 
dem er gerichtet werden muß. Mißfaͤllt ihm deſſen Urtheil, jo 
baben wir ein Mittelgericht zu Kulm und dann zu Magdeburg, 
in deren Rechte wir fiten. Es ift alfo niemand bei und Rich⸗ 
ter in eigener Sache. Und gebricht ed und an den Mittelge 
richten, fo bekennen wir den Kaifer ald unfern oberften Kid 
ter.” Des Meifters Erbieten wiefen fie daher enblich mit den 
Morten zuruͤck: „Die Wege, die ihr und gebt, dad Recht zu 
fuchen, find weit und breit; würben wir einen aufnehmen, fo 
beforgen wir, daß ihr ſowohl ald wir zu großer Unruhe kom⸗ 
men würden.” Darauf aber traten fie mit ber Erklärung her 
vors weil der Meifter ihnen auf ihr zu Mewe eingegebened 
Geſuch auch jegt noch Feine genügende Antwort gegeben, ſo 
duͤrfe er es ihnen nicht verbenten, daß fie jetzt an ben Orten, 
wo fie angeklagt worden, namentli beim Kaifer, fi) zu ver 
antworten, zu rechtfertigen und offen darzulegen fuchen müßs 
ten, welche dringende Gründe fie zur Schließung ihres Bun 
des bewogen, und daß fie zugleich auch da und bei ſolchen 
Freunden ſich um Rath, Huͤlfe und Beiſtand bemuͤhen wuͤr⸗ 
den, wo ſie ſolche zu finden hofften, zumal da ihnen durch die 


Verhandlungen wit den Ständen. (1452) 267 


Geefger ihee Freunde binnen und außerhalb Landes immer 
mis ctzogen winden. i 

Bey man hiebei im Auge hatte, ward dem Meiſter bald 
kmh gethan, denn ber Komthur von Thorn meldete ihm: bie 
beden Eidechfen- Ritter Gabriel von Baiſen und Thielemann 
von Vege ſeyen beim Cyzbiichofe von Gneſen geweſen, ihn m 
litten: er möge beim Könige von Polen bewirken, daß er bie 
Bendet rwandten in Preuflen im feinen Schug und Schirm 
wine, und man fage, bet König habe ihnen busch Brief un) 
Schel Schutz und Hlilfe zugefihert. 2 Auch der Biſchof pon 
Sonefenien hatte in diefe Verhältniffe ſchon einen tiefern Blick 
gig und warnte ben Meiſter vor dem Könige, dem Erzbi⸗ 
Hk von Gnefen und den Polnifhen Prälaten,? Es war 
ao unzweifelhaft jest die erfte Verbindung der Verbuͤndeten 
ut Polen fchon angeknuͤpft es war der erſte Ring der Kette 
von Errigniffen gegeben, die nach wenigen Jahren ben Ver⸗ 
IR des ganzen weſtlichen Preuffens für den Orden heybeiführs 
im; ed war ber erfte Schritt zum Abfalle vom Drden gethan, 
da mit der Reihe der ihm folgenden das Schickſal biefer Lande 
af Jahrhunderte binaus beſtimmte. Der Einfluß bes Koͤni⸗ 
pi von Polen auf die innern Verhaͤltniſſe Preuſſens war von 
ER an unverkennbar. 

Neuermuthägt erliegen jest bie Kulmer ein Audfchreiben 
an ale Bundesverwandten, worin fie biefen anzeigten, ba 
mar für nöthig befunden, vier namhafte Männer an den Kals 
fr und wohin es fonft nothwendig fen werde, auszufenben. 

wifiet, hieß es dann, daß etliche von ben Landen ihre 
mb Freue an Landen und Städten fehr vergeffen habenz 
we man die behandeln foll, wirb euch noch bekannt werben, 
Sat iſt von Landen und Städten beſchloſſen worden, daß 





1) Die Verhandlungen fpeeieller Zol. A. 118— 119. 159 — 160. 

MSchr. des Komthur« v. Thorn, d. Lewen Mont. vor Matthät 
AN Shpt. LXX VII. 109. Geſch. der Eidechſ. Geſellſch. &. 106. 

3) Gär, des Biſchofa von Pomeſanien, d. Miefenburg am T. 
Retisit, Marid 1452 Schbl. LXX VI. 131. 


[4 


208 - Steigende Gaͤhrung der Parteien. (1452.) 


man der Stäpte Marienburg, Konig und der Neuſtabt Thom | 
Gefinde nirgends mehr fördem und ihre Siegel fir ungültig ' 
und wertblos halten fol. Wird jemand aus unferem Bunde 
irgendwo bebrängt, fo nehmt ihn in euere Stadt auf und ge | 
währt ihm Zuflucht und Hülfe zu Tag und Nacht. Kehrt 
euch nicht mehr an Drohungen; handelt als brave Leute, wie | 
ihr und mit Hand und Mund zugefagt habt, denn wir hoffen, 
daß unfere Sache gut ausfchlagen werde. Was euch wibers | 
fährt und was ihr von umferem Bunde vernehmet, meldet 
gleich an bie nächfle große Stadt.” D 

Seit diefer Zagfahrt zu Kulm gefhah nun ein Schritt. 
nach dem andern, um die Spaltung unbeilbar, jede Verfü: 
nung unmöglich zu machen. Man hatte von der Tagfahrt ud 
die Nachricht verbreitet: man habe fichere Kunde, daß da 
Hochmeifter bereitd in Böhmen eine flarfe Macht von Sol: 
truppen in Dienft genommen, die ind Land einruͤcken werde, 
fobald er e8 verlange. Darüber erſchreckt wandten ſich ſee | 
die Bundeöhäupter an den Polnifchen Hauptmann zu Di 
bau; ) in Danzig beeilte man fich, die Stadt auf ein gan Ä 
Jahr mit Lebensmitteln zu verforgen; aller Drten traf man 
Anftalten zu Gegenwehr.? Daß man fich beim Ausbruche 
eined Kampfes dem Könige von Polen in die Arme werfen 
wolle, ward bald im ganzen Lande allgemein bekannt.” Zu: 
gleih warb mit emfiger Eile die Abfertigung der Senbboten 
an ben Kaiſer betrieben, fo daß drei Schreiber Tag und Nadt 
befchäftigt waren, um alle Klagen und Befchwerben von der 
Zeit der Zannenberger Schlacht bis auf den lebten Tag zu 


1) Ausfchreiben der Kulmer an bie Bundesverwandten, d. Kal 

Sonnab. nah Matthaͤi 1452 Schbl. LII. 27. 
2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Cleophaͤ 1452 Schbl. 

LXXVII, 110, 

3) Schr. de6 Komthurs v. Danzig, d, am T. Michaelis 14% 
Schbl. LXXVII. 94. 

4) Schr. des Komthurs v. Suhl, d, Sonnt. vor Franciſci 1852 
Schbl, LXXVIL 128, 


Steigende Gährung der Parteien, (1432.) . 260 


) Auch dieß warb eigentlich meift nur von 
den Bundeöverwandten im Kulmerlande , befonderd von ben 
Eidechfen: Rittern ind Werk gefebt, denn viele von den uͤbri⸗ 
gen, ſelbſt Danzig, fahen auf diefe Sendung an ben Kaifer 
nicht ohne bange Beforgniß hin.? Auch Hans von Baifen 
hatte durch feine Freunde auf bem Tage zu Kuim fie zu hin⸗ 
tertreiben gefucht; allein die Nachricht von auswärtiger Trup⸗ 
yenmerbung und das Bemühen der Gebietiger, das Landvolk 
uegen den Bund zu gewinnen, hatten feine Gründe nicht Durch 
Bringen lafien. Er rieth mit Ernft jet dem Meifter: er möge 
einlenken; was man jest beim Landvolke betreibe, werde zu 
proben Verderben führen, „benn die Läufe der Welt find un: 
gewiß und wild. Setzet eiligſt eine Tagfahrt nach Elbing an, 
verfpuchet bort den Verbündeten jährlich eine -Zagfahrt und 
Auen Richttag , leiftet den Klagenden Genüge und bringt fig 
zu Ruhe. Wir felbft wollen mit aller Macht zum Belten 
mit einwirken.‘ ?) 


Diefer Rath indeß warb nicht beachtet, warb ald Schwäche 
eine Tranfen Mannes gedeutet. Und doch trieb im Kulmer⸗ 
lande die Erbitterung der Gemüther von Tag zu Tag zu wei: 
em Schritten. Auf Ihielemannd von Wege und anderer Räthe 
Antrag erging von Thorn aus das Gebot: es folle niemand 
von den Bundbeöverwandten mit ben aus bem Bunde Audges 
ehenen irgend welche Gemeinfchaft haben weber in Hanbelds 
geſchaͤſten noch in andern Angelegenheiten; man folle fie als 
Meimeidige verachten und niemand ihr Geſinde in’ Dienſt neh⸗ 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn a, a, D. 
2) Echr. des Komthurs v. Danzig a. a. O. Schr. des Mathe v. 
Danzig an den Rath v. Thorn, d. am T. Leodegarii 1452 im Raths⸗ 
archis zu Thorn, Thorner Copiebuch p. 136; der Rath von Danıig 
unterhandelte durch den dortigen Komthur mit dem HM., ob man die 
Streitſache nicht im Lande beilegen könne, um die Sendboten des Buns 
des nicht an den Kaifer geben zu laſſen. 

3) Schr. de6 Hans v. Baiſen an d, HM. d. Hefeleht Dienſt. 
sor Michael, 1452 Schbl, LXXVIL 120, 


e 


270 Säteigende Gaͤhrung der Parteien. (1452.) 


inen; ihre BDriefe und Siegel follten nirgends mehr Suctigkell 
finden, fordern verachtet und verworfen werben. So war ei 
amf dem Tage zu Kulm befchloffen und fo behandelte zundcl 
der Rath der Altfiadt Thorn die fchon laͤngſt befeindete dow 
tige Neuſtadt. ) Mochte alfo jet immerhin der Papfl durch 
einen Kardindt die Bundesverwandten, befonder& die Anfllfte 
und Wortführer im Kulmerlande und die fünf großen Sim: 
desſtaͤdte mit allem Nachorude abermals ermahnen laffen, von 
ihrem Bunde abzuftehen, 2 mochten in den Gebieten von &% 
Bing, Chriſtburg und Oſterode, befonders don der Ritterfhuft 
fich viele von der Bundesſache ſchon foͤrmlich loſsgeſagt haben, 
im Gebiete von Danzig nur noch aͤußerſt wenige, in dem bon 
Dirſchan nur der Heinere Theil noch Bundesglieder ſeyn; moch 
daraus der Hochmelfter immer noch einige Hoffnung faſſen, 
«8 werde alles noch zunt Beften enden,” mochte auch Hard 
von Baiſen immer noch nicht ermuͤden, die Erbitterung be 
Gemuͤther wo möglich noch zu befchwichtigen, dem Hochmeiſtet 
Fuge Nachgiebigkeit, den Werbündeten auf einer Tagfahrt zu 
Graudenz Maͤßigung und Beſonnenheit anzımather und von 
ber Sendung an den Kaiſer abzumahnen, um auf einer Jag⸗ 
fahrt die Irrungen vielleicht noch zu befeitigen und bie Hubs 





27 Sr des Komthurs v. Thorn, d am T. Hlerongnt d. ai 
2. gies 142 Gibt. XVI. 31. BXXVI, 50, Seſch. der Cidechß 
Geſellſch. ©. 107. 

2) Einiahnungsfireiben des Kardinals Lubwig ⸗. Iunnieeii Mi 
Damasco an die Verbündeten, d. Romae die Veneris sexio Octobt, 
1452 Schbl. XIV. 5, 


3) Schr. des HM; au ber Procuratot, 5 Mat. Marfinf 1452 
Eött. DER. 97. Schr. dei, an den Fiständ. Meifter m, den Enbi 
fhof d. Migt, d. Mar: $reit. vor Dionyf. 1452 Est. DM. # 
Er fagt: für affe Mitten und Knechte in den Gebieten von Ef 
Ehrittdurg und Oſterode fenen In Gegenwart mehrer Sevlerlger 
fünf Normen aus- dem Bunde getreten, ſo baß im: Efdingthen'nüf 
noch einige, im Chriſtburgiſchen tur noch fünf, tar Oflerodifchen 2 
med mem dar Bunde, in Damiger Gebiete ader de Bis auf 
ausgetreten ſeyen. 


Sendung an ben Kaifer. (1452.) 271 


im Sande wieberherzuftellen; D — es war bei dem alle Ban⸗ 
den bed Gehorſams ſich entfehlagenden, wilden Geifte, der noch 
ig einer großen Zahl ber Bundesverwandten nicht bloß im 
Kulmerland, fondern ſelbſt in Königsberg vorherrfchte,% bei 
den Trotze, der noch uͤberall aller Vermittlungsverſuchen ent: 
gegentrat, und bei der mit dem Könige von Polen angefnüpf- 
tm Verbindung, die durch die Ihätigkeit der Eidechfen- Ritter 
mit dem Kanzler be Koͤnigreiches Polen (ber fich bereits zu 
Som, angeblich wegen Krankheit, befand)? eifrigft unterhal: 
at ward, an eine ruhige Ausgleichung der gegenfeitigen An: 
Iniche, Forderungen und Klagen durchaus nicht mehr zu 
denken. 


- fo traten nun im Detober die erwaͤhnten Sendboten 
ber Berbümndetert mit breißig Pferden ihre Reife zum Kaiſer an, 
in ihrer Begleitung au eine Anzahl Anderer, die ebenfalls 
iu irren Drivatverhältniffer (wie jetzt wieder häufig gefchah) am 
Kaiſerhofe gegen den Orden Klage führen wollten. Aber zu 
gleicher Zeit ging auch, nachden man im Thor mit dem 
Rachötanzier, dem Dompropfte von Krakau und dem Provin⸗ 
Hal des Drebiger- Ordens im Polen (bie wegen der Peſt in 
Yılm nach Thorn gefitichtet zu ſeyn vorgaben) täglich Unter: 
handlungen gehabt, eine Gefandtichaft, an ihrer Spite Ga: 
niet von Baifen, zum Erzbiſchofe von Gneſen und von ba 
nach Krakau zum Könige, um fich deſſen Beihilfe im Fall 


1) Schr. des Hans v. Ballen an d. AM. b. Befelecht Mirko. 
ser Gkmon. u. Yubd 1452 Schbt. LAXVII. 119. 

2) Schr. des Ord. Marfhalls an d. HM. d. Waldau am Abend 
Simon. u. Yudä 1452 Säbt. LXXVIL. 106. 

3) Sir. des Hauskomthurs v. Thom, d. Somt. vor Simon. u. 
Zi 1492 Odbl. LXXVIL 106. 

4) Er. des Komthurs v. Althaus, d. Mittw. vor Simon. u. 
Ya 52 Sqhbl. ALV. 17. Schr. des HM. an ven Procarator, d. 
Mer. Martini 1452 Schol. DM. 97. Chr. des Hauskomthurs dv. 
Tiem a. a. O. Der Auszug ber Geſandten geichad am 20 Detob. 
Das Eredirto fiir fie im Moor. über den Preufl, Bund B.108. Schütz 
» 171. Bernede Thorniſ. Chron. p. 52. 


272 Sendung an ben Kalfer. . (1452.) 
der Roth zu verfichern.?.. Schon: vorbem aber hatte ver Hoch 


weiter, un den Anklagen der Verbuͤndeten zuvorzukommen, 
wie bereitd erwähnt, ben Vogt von Leipe Georg von Cgloi⸗ 
ſtein an den Kaifer abgefandt, mit zahlreichen Documenten, 
Schreiben und Machtbriefen verfehen, um daraus des Ordens 
Sache zu vertheidigen und das Ungerechte der Klagen der Geg⸗ 
ner dazzuthun.?? Er fand fon auf dem Wege Gelegenheit, 
den Umtrieben ber Verbündeten zu begegnen; er erfuhr zu 
Leipzig, daß fich diefe bereitd auch an die Doctoren des Rechts 
der Univerfitäten zu Leipzig, Erfurt und Köln durch Zuſendung 
ihrer Bundesacte gewandt hatten, um bei ihnen günflige 
Rechtöurthel über die Rechtmäßigkeit und Zulaͤſſigkeit ihres 
Bundes zu bewirken, jeboch in Leipzig wenigftend ohne. Erfolg, 
weil man dort mißtrauiſch Über den Zwed des Bundes dar 
über Antwort zu geben Bedenken trug. 9 

Mittlerweile verlief die Zeit ir. Preuffen unter den wilde 
ſten Bewegungen; jeder Zag fhon ließ einen Ausbruch dei 
Kampfes befürchten. Die Bundesſtaͤdte fah man raſtlos mit 
Anftalten zur Gegenwehr beſchaͤftigt; die Bunbestitter ſorgten 
fie Harniſch und Waffen; der Orden verfah in eiligfter Th 
tigkeit die Burgen mit Kriegebebarf und Lebensmitteln; die 


1) Schr. des Hauskomthurs v. Thorn, d. Mittw. vor Eimer. 
u. Judd 1452 Schbl. LXXVII. 112, Schr. des Komth. v. Thom, d. 


% 
[4 
» 


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Mittw. vor Simon. u. Judaͤ 1452 ebend. 119. Schr. des Boys v. 
Roggenhauſen, d. Dienſt. vor Simon. u. Judaͤ 1452 ebend. 120. | 


Bol Voigt Geſch. der Eidechſ. Geſellſch. S. 109-110. 

2) Fol. A, 160. Bericht über die dem Vogt gegebenen Aufträge 
b. Mar. Dienfl. vor Kreup: Erhöh. 1452 LXXXU. 93, Das ei 
tiv und der Geleitöbrief Schbl. 25. 4, LX. 69, 

3) Dazu trugen auch die Vorſtelungen des Vogts ſelbſt nicht we⸗ 
nig bei. Schr. des Vogts v. Leipe an d. HM. d. Leipzig Mont. nad 
Michaelis 1452 Schol. LXXVIL 130; er giebt einen vollſtaͤndigen 
Bericht über feine Verhandlungen mit einem Doctor der Juriſten⸗ ger 
cultät zu Leipzig. Von Jena -aus. fehriek er auch an bie Univerftät 
zu Erfurt und fandte zugleich einen Kaplan dahin, der die falfhen 
Angaben der Berbündeten widerlegen follte; Scht. deſſelb. d, Jena 1452 
Schbl. LXXVI, 93, 


’ 


Sendung an ben Kaiſer. (1452) 273 


Gehe von aubwärtiger Truppenwerbung wurben inmer lau⸗ 
ter wie beim Orden fo bei ben Verbündeten; dabei täglich auf 
beiden Seiten neue Schmähungen, Verhetzungen und bie felts 
ſamſten Beichuldigungen der Parteien gegen einander. „Ges 
heinde, meineibige Schälfe” hießen im Bunde die aus ihm 
Ansgetretenen ; „bindifche Hunde” nannte man häufig im Or: 
den die Bundesglieder.) Man warf den Gebietigern vor: fie 
hätten die Preuffen fuͤr leibeigene Knechte erklärt, die fie einft 
it benz Schwerte gewonnen oder im Kriege gefangen genom⸗ 
men. Man beſchuldigte dagegen die Verbünbeten: fie nennten 
die Ordensherren nicht ihre Vorgeſetzten, fondern Tyrannen, 
die man aus dem Lande jagen muͤſſe.“ Und dieſer Geift der 
wildeſten Aufregung fand vom Kulmerlande aus immer neue 
Nahrung. Als die Gefandten aus Polen, wo fie überall mit 
fresndlicher Aufnahme und fröhlichen Hoffnungen beim Erzbi⸗ 
fhofe von Gnefen, beim Kardinal und Bifchofe von Krakau, 
bei mehren andern Bifchöfen und Woiwoden umbergezogen 
waren, nach Thom zuruͤckkehrten und ben Erfolg ihrer Sens 
dung befannt machten, verbreitete fi) von dort aus ein wah⸗ 
ver Hohnjubel unter den Verbimdeten. „Sie ließen, meldet 
der Komihur von Thorn, fogleich nach ihrer Heimkunft eine 
Mefie auf den Orgeln fingen und gaben allen Prieflern Voti⸗ 
ven; diberall war große Zreude, denn fie fprachen, daß man 
fie allenthalben freundlich empfangen habe und es fey ihnen 
wohl gegangen auf ihrem Zuge”? Dffenbar alfo hatte Gas 
briel von Baiſen in Polen mehr gefucht und bewirkt als bloß 
freies Geleite fir die Sendboten an den Kaifer, denn biefen 
Zweck ſchob man unter, um den wahren zu verſchweigen. Da⸗ 


1) Die Ausdruͤke kommen bei mehren Gelegenheiten vor, 

2) Schütz p. 171. 

3) Schr. des Hauskomthurs v. Thorn, d. am T. Martini 1452 
Sqbi. LXXVIL 132, Schr. des Raths dv. Kulm an den Rath v. 
Teen, d. am J. Catharinaͤ 1452 im Rathsarchio zu Thorn, Thor: 
ner Copiebuch p. 139, woraus wir feben, daß die oben erwähnten 
Yölsten eine Befondıfäaft der Serbündeten an den König v. Polen 
angerathen und dabei ihre Huͤlfe verfprochen hatten. 

1 


274 Sendung an den Kaiſer. (1452.) 


ber blieben auch die Nachſorſchungen der Komthure vorerſt ganz 
Fruchtloß: N) 


Bereits war nun die Zeit gekommen, in welcher in de 
Mitte des Novemberd die Bundesverwandten dem Meifter eine 
beftimmte Erklärung fiber die Fortdauer ihres Bundes zu ges 
ben verforochen. Da aber täglich bei diefem die bedenklichſten 
Berichte über die feindlichen Anftalten und Vorbereitungen der 
Bunbesftädte einliefen, daB z. B. in Thorn jede Nacht ein 
Viertheil der Stabt zur Wache befehligt, Geſchoß und Har⸗ 
niſch in fertigen Stand geſetzt, bie Gaſſen unb Wege vom der 
Burg in hie Stadt jeden Abend mit Ketten und Riegeln ver: 
ſchloſſen, heimliche Wachpoften ausgeftellt wirben,? bag Ei: 
bing für fich zweihundert Soͤldner angeworben und einen Theil 
berfelben bereits in feinen Mauern habe,“ daß man in Dans 
zig bedeutende GetreivesMaffen für die Verbuͤndeten aufkaufe 
und dort das Gerlicht gebe, man wolle ſich zundchft ber bei⸗ 
den Burgen zu Danzig und Ihomn bemäditigen u. f. m, 
fo fehrieb er den Verbündeten eine Zagfahrt nach Marienwer: 
der aus und fandte dahin ben Biſchof von Pomefanien, den 
Großkomthur und einige Komthure, um von, den Ständen 
Antwort über ihr fernered Verhalten gegen ben Orden zu fors 
bern. Allein fie wichen mit der Erklaͤrung aus: jetzt da ihre 
Sendboten beim Kaiſer feyen, koͤnmen fie dem Meiſter in 


1) Schr. des Vogts v. Reggenhauſen, d. Mitt, vor Ellſabeth 
1452 Schbi. LXXVU. 134, Schr. des Kowmthars v. Thorn, d. Le 
wen Mittw. vor Eliſabeth 1452 Schbl. XIX. 125; vgl. Geld. dr 
Eldehf. Schi. &. 11 — 112. 

2) Schr. des Hauskomthurs v. Thorn, d. am T. Martini 1452 
Schbl. LAKVIL 132%. Ehen des Komth. v. Thorn, d. Donnerf. vor 
Elifaberh 1452 Schbl. LII. 38. Gchr. des HM. an den Rath ® 
Then, d. Mar. am Abend Katharinaͤ 3452: im Rathsarchiv zu Short, 
Thorner Copiebuch p. 146, 

3) Schr. des. Hauskomthurs v. Eibing, d. am Abend kuſabei 
1452 Shbl. LXXVII. 92, 

4) Schr. des Ziſchmeiſters zu Pupig, d. Mont. nach Eliſabeth 
1452 Schbl. LXXVIl. 110. 


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Sendung an den Kaiſer. (1452.) 275 


nichts zur Rede fliehen; fie würden Antwort / geben, wenn jene 
heimkehrten.) Der Hochmeiſter warb noch 'beforgter, da in 
denſelben Tagen auch die Nachricht kam, daß man’ bemüht ges 
weien fey, ihn feldft beim Könige von Polen und den Reichs 
großen auf alle Weiſe anzuſchwaͤrzen. Eine neue Botfchaft 
ber Verbündeten hatte fie gewarnt, fich vor dem Meiſter und 
dem Drben zu hüten; fie fuchten Krieg gegen Polen. Es wa⸗ 
ren dieß alles Umtriebe und Verhetzungen, die, wie man balb 
erfuhr, vorzuͤglich durch die Eidechſen⸗Ritter und zwar am mei⸗ 
ſten von Gabriel von Baiſen angeſtiftet wurden. Fand man 
es doch ſogar nothwendig, den Hochmeiſter zu warnen, ſich 
un Eſſen imd Trinken wohl im Acht zu nehmen,‘ m Kuche 
und Keller auf getreue Diener zu halten, damit mahı Ihm nicht 
etwa durch Gift beifommen koͤnne; und ed wat fein anberes 
als Eidechſen⸗Gift, vor welchem er fich huͤten folte.D Mochte 
die Sache Srund haben oder nicht, mochte fte wahr ober zu 
irgend einem Iwede "erfonnen ſeyn, fie zeigt, bis wehin bie 
Exbitterung ber Paxtelen bereits gefliegen war, - 

Da leuchtete, freilich nur ſchwach und fen, noch ein 
Strahl der Hoffnung auf eine beffere Wendung der Dinge, 
Der Kurfürft Zriederich von Brandenburg und Herzog Friebe⸗ 
tich von Sachſen, beide beſorgt, die Sache: des Bundes iM 
Preuften Fönne wohl leicht auch in andern Rändern um fi) 
greifen und als Beifſpiel wirken, erboten fich zu gütlicher Ver⸗ 
mittlung, kimbigten dem Hochmeiſter die Senbung ihrer Raͤthe 
an? und wandten ſich deshalb auch mit Ermahnungen zur 
Nachgiebigkeit und Maͤßigung an die Bundesverwandten ſeloſt 
Schon in den erſten Tagen des Jahres und hangten von 


sy pol. A. 160 - 161. Schr. des Sreßlonichure, d. Barker 

der Ban nad Eliſabeth 1452 im Fol. A. 120 — 122. 

2) Chr. des Komthurs v. Golub, d. Donnerft, nach: aueid 1452 
Schbl. XLV. 15 (a). Geſch. der Eivedf. Geſellſch. S. 110— 111. 

3) Shr. ves Kurfürft. Friederich v. Brandenburg an den HM. d. 
Kin a. d. Spres Sonnt. nach Katharina 1452 u. Schr, ded Herzogs 
v. Sachſen en d. HM. d. Eorgau Mittw, vor Andreä 1452 Sott. 
XII. 39, LXXVI. 98. 123, gol. A. 120, 161. 

18 * 


276 Verhandlungen vor dem Ralfer. (1453 = 1453.) 


Seiten bed Kurfuͤrſten ber Biſchof Johannes von Lebus, ber 
Nitter Both von Eulenburg, ber Rath, Heinepful, von Seiten 
des Herzogd der DObermarfchall Hildebrand von Einfievel und 
der Ritter Nicolaus von Schönberg beim Hochmeilter wirklich 
an, von ihm aufs freunblichfte aufgenommen. Er erklärte 
fi) auch zu allem, was zum Frieden flihren Eönne, bereit. ® 
Auf die Aufforderung der Gefandten indeß an bie Stabt Kulm, 
fie möge eine. Tagfahrt der Bundesverwandten veranlaffen, wo 
man die Vorfchläge zur Vermittlung vorlegen wolle, erfolgte 
zuerft eine nichtöfagende Antwort, ? und als fpäter bie Send⸗ 
boten ber Verbiindeten zuruͤckgekehrt waren, erklaͤrte man ben 
Sefandten unter hoͤflichen Worten: Lande und Städte dankten 
den Fuͤrſten fir ihre gütigen Bemühungen; da der Kaifer, wie 
man durch die Sendboten vernommen, in Gegenwart ber Or⸗ 
densgefandten einen Ausſpruch gethan habe, ſo ſeyen ſie ent⸗ 
ſchloſſen, ihm Folge zu leiften unb dem Meifter alles zu ges 
waͤhren, was fie ihm pflihtig und ſchuldig feyen. Dieß be 
richteten fie dann auch dem Meiſter ſelbſt, ohne ſich mit den 
fürftlichen Raͤthen in weitere Verhandlungen einzulaffen. 
Bevor indeß dieſe dad Land verließen, ward insgeheim zwiſchen 
ihnen und dem Hochmeiſter ein Huͤlfsvertrag verabredet, nach 
welchem auf des Ordens Verlangen der Kurfuͤrſt Friederich 
ihm zweihundert Mann reiſige Soldtruppen und der Herzog 
von Sachſen tauſend gutgeruͤſtete Reiſi ige und ebenſo viel Tra⸗ 
banten auf ſechs Monate oder zwei Jahre zuſenden ſollten, 


1) Zol. Ar 121. 161. SchöL. VI. 9. XII. 16. XI. 5. Kotbebue 
B. IV. 119 fegt unrichtig thre Enkunft in den Ynfang des I. 1452, 
Ordens: Chron. pP» 185. 

2) Zol. A. 121. 161. 

3) Ger, des Gtadt Kulm an d. Bifchof v. Lebus, d, am *- 
Ygnes 1453 u. Schr. des Raths v. Kulm am die Raͤthe des Kerionk 
v. Gachfen, d. Mittw, vor Converſ. Pauli 1453 Schbl. LXXVIII. 
25, 164. 

4) Diefe Erflärungen der Verbündeten erfolgten erſt am Mitte. 
vor Purif. Mariä 1453 Fol. A. 12% 124, 161. Gar. dei HR 
on ben Livl. Meifter d. wöniaen € GSonnt..Dculi 1453 Set, LXXVII. 
16%, ' on 


Sehänbtungen vor dem Küife. (14501453) 277 
Welle der Orden eine namhafte Geldſumme verhieß. Doch 
ward bie Behkätigumg des Vertrages den Firnſten felbft noch 


Mittlerweile waren Georg von Eglofftein und der ihm 
hiter nachgeſandte Pfleger von Raftenburg Wolfgang Sauer, 
uch vor der Ankunft der Bundeögefandten, am Kaiferhofe an: 
gelangt. Das dem Kaifer vorgelegte Erbieten des Meifterd 
an die Verbuͤndeten war nicht bloß von biefem, fondern von 
allen dort verfammelten Zürften, den Herzogen Albrecht von 
Deſterreich und Lubwig von Baiern, dem Markgrafen Albrecht 
von Brandenburg u. a. fehr gnädig und gütig aufgenommen 
und aufs freundlichfte beantwortet worden. So faßte man 
auch die beften Hoffnungen, zumal da unter den Zürften und 

Räthen nur Eine Stimme war, baß der Stände ⸗ 
Bund in Preuflen durchaus gegen Recht und Geſetz freite, ?) 
Der Kaiſer erließ daher in denfelben Tagen noch einmal ein 
nachdruͤckliches und ernſtes Ermahnungsfchreiben an Danzig 
ind die übrigen Bunbeöverwandten, fie nochmald an ihre 
Michten und. an Gehorfam gegen ben Orden erinnernd und 
zit firengfter Ordnung des Rechts drohend, fofern fie nicht 
willfahren wolden. Der Orden, gegen fie ald Ungehorſame 
llagend, babe jet dad Necht angerufen und der Meifter fich 
zu Recht exboten. Er befehle ihnen fomit aufs ernfllichite aus 
kaiſerlicher Macht, den Bund fofort abzuthun und nad bes 
Reiſters Erbieten, fi ch am rechtlichen Austrage genuͤgen zu 
laſſen; er ſey bereit, einen Tag auszufchreiben, die Streitfache 
zu verhören und in Güte beizulegen. Werbe dieß verfchmäht, 





1) Der Entwurf diefes Vertrages mit den Brandenburgif. Kaͤ⸗ 
den, d. am T. Ugathd. 1453 und mit den Gädfif. Raͤthen, d. am 
T. Dororheä 1453 Schbl, XIE. 43 LXXVIM. A. Beide find für das. 
Gätdners und Kriegsweſen des Zeit nicht unwichtig. Der HM. ver⸗ 
fprad für die 2000 Kelegeleute aus Sadfen auf 2 Jahre 55,000 
Kein. Salben. 

2) Schr. des Landkomthurs v. Oellerreich und des Vogt v. spe 
d. Reuſtadt am Te Andrttaͤ 1452 Schbl. LAXVIL 97. 


279 Werhanbtungen vor dem Ralf. (1452 -— 1453;) 


fo müffe ex als Kaifer: nach des. Reichtrechts Ordnung wlbe 
fie als Ungehorfame und Widerſpaͤnſtige verfahren. Ä 

Nachdem erft kamen auch die Bunbeögefandten am ſech⸗ 
ſten December zu Wien an, uͤberreichten dem Kaifer anfehnliche 
Ehrengeſchenke, forachen bann viel über des Bundes Iwed 
und Urſprung während der Zwietracht unter Paul von Ruß⸗ 
dorf,. Aber fein ruhiges Verhalten unter beffen Nachfolger und 
über die Urfachen und Anldffe, warum unter dem jebigen 
Meifter der Bund zur Vertheibigung feiner Ehre und Sicher 
heit in bie feindliche Stellung gegen den Orden babe treten 
möffen. Sich zu rechtlichem Erkenntniſſe erbietend erfuchten 
fie Bann den Kaifer um richterliche Entſcheidung, da der Drben 
feibft fih auf ihn als oberften Richter berufen, Der Kaifer, 
von zu vielen Gefchäften mit mehren. Kürften uͤberladen, ver 
ſprach, die Parteien fpäter zu verhoͤren und, wenn fie nicht 
güttich zu vergleichen fen, nach) dem Rechte zu entſcheiden. 
„Nein, erwieberten bie Ordensgeſandten, es bebarf Feine 
Rechtstages, denn die Urfachen bes Bundes find todt, fo muß 
der Bund auch ſelbſt todt ſeyn; ber Kalfer halte die Stände 
nur an, den Bund fofort ganz abzuthun.” Die Bundesge⸗ 
Fandten widerſprachen; ba jedoch bie des Ordens erklärten: fit 
hätten jetzt Peine Vollmacht, fich auf eine rechtliche Erörterung 
mit ihren Gegnern einzulaffen, fo legte der Kaifer den Parteien 
einen Rechtstag auf Johanni des naͤchſten Jahres.“ Die 
Proenögefandten beſchieden fich des, meldeten aber bem Hoch⸗ 
meiſter: „ed iſt der Fuͤrſten und anderer Herren Rath, daß iht 
wohl thut, wenn ihr in einer Hand dad Schwert, in ber an 
bern das Recht Habt; laſſet euch ja nicht wehrlos finden, bes 
mannet vor allem euere Häufer. Fuͤrſten und Herren erklaͤren: 
wie ihre eltern einft Preuffen haben gewinnen helfen und 
deshalb ihr Blut. vergoffen, fo muͤſſe es auch jegt erhalten 


1) Schr. des Kaifers an den Rath v. Danzig umd an die Mana⸗ 
ſchaft und Staͤdte des Bundes, d. Neuftadt Zreit, nach Mnderd 1453 
Schbl. LXXVII. 133, 

2) Darüber weitläuftig Schütz p. 171—173, 


Berpandiungen ver dem Kalle, (1452— 1453.) 278 


wesben, ber Orden dürfe es nicht verlieren. Man rathe aber, 
der Meiſter möge alsbald einige Tauſend Arabamten in Boͤh⸗ 
men ober Maͤhren aufnehmen, um ſich gegen den Bund vorerſt 
wenigſtens ficher zu ſtellen. 

Indeß gelang den Bundesgeſandten doch noch ein aͤußerſt 
wichtiger Schritt. Sie bewirkten nicht nur fir bie Städte 
Kulm und Thom eine kaiſerliche Beſtaͤtigung aller ihrer Frei⸗ 
beiten, Privilegien und , ihres alten löblihen Herkommens 
(— und Die gewiß nicht ohne Abficht auf ihr Bundesverhaͤlt⸗ 
niß, obgleich davon im Beſtaͤtigungsbriefe nicht weiter bie 
Rede mar —)? fondern fie erhielten vom Kaifer für Die Bun 
deivenwandten in Preufien fogar auch bie Vollmacht und Bes 
recigeng, Daß diefe fich in ihren Bundesangelegenheiten, . fo 
sk fie wollten, ingefammt oder im Einzelnen verſammeln, Tage 
und Beratungen. halten, Anwalte wählen, fie. zur Verhand⸗ 
lung ihrer Sache mit Vollmachten verfehen und zur Aufbrin- 
gung der Koften bei Sendung ihrer Machtboten und zur Volt 
ſichrung ihrer Rechtöfache „eine ziemliche Schatzung und Schoß‘ 
auöfchreiben und erheben binften. Dabei gebot der Kaifer, 
mon folle die Stände Preuffend in dieſen ihnen estheilten Be 
gadigungen und Beguͤnſtigungen bei Vermeidung feiner ſchwe⸗ 
sen Ungnabe auf Leine Weile irren oder hindern.) Man 


1) Schr. des Vogts v. Leipe u. des Landkomth. v. Oeſterreich, d. 
Reuftadt Donuerſt. nach Nicolai 1452 Shbl. LAXVIL 111. 

2) Das Original: s Document der Beftätigung, d. Neufadt Freü. 
nach Puciä 1452 Im Rathsarchiv zu Thorn, gedrudt bei Schütz p. 
173, Eine Bergleihung ergiebt, daß diefer Abdruck nicht ganz getreu 
und wie e6 fcheint, abfichtlich zu Gunſten des Bundes manches darin 
zeröndert if. Im Original ift z. B. nur die Rede von den Städten 
Aula und Thorn, bei Schütz iſt dagegen hinzugeleht „und ihre mit 
verwandten Städte der Lande Preuſſen,“ welcher Bufak freilich dem 
Privilegium eine größere Ausdehnung und Wichtigkeit giebt. Kope- 
bae 3. IV. 124 ſpricht fogar von einer Bejtätigung der Privilegien 
mder Stände,’ wovon ganz und gar nicht die Rede if; ost. GSra⸗ 
lauh Geſch. v. Danzig B. I. 231. 

3) Das Original⸗Document dieſer kaiſ. Verleihung, d. Neuſtadt 
Str, nach Thomaͤ 1452 im Rathsarchiv zu Thorn (ohne Siegel, weis 


280 Verhandlungen vor dem Kalſer. (1453.) 


muß fuͤrwahr erflaunen uͤber die wichtigen Wortheile, bie Frie⸗ 
derich, ber kurz zuvor die Abſtellung des Bundes mit folchen 
Ernſte befohlen, in ſolcher Weife den Bundesverwandten eins 
räumte. Wohl mochte er vielleicht ſelbſt Die ertheilte Berech⸗ 
tigung nut auf den obwaltenden Rechtshandel beziehen; allein 
wir fahren doch, daß ed ein Geſchenk von fünftaufenb viers 
* hundert Gulden war, welches die Bundesgeſandten ihm auf 
naͤchſte Oſtern zu ſenden zugefagt, unb zwar, wie fie bie kai⸗ 
ſerl. Verleihung ausdruͤcklich deuteten, „dafuͤr, daß der Kalfer 
vorlängft eine Freiheit und jet vom unferer fleißigen Bitte 
wegen den Städten Kulm und Thorn eine Confirmation gege⸗ 
ben und diefelben Städte damit gnaͤdiglich fürgefehen hat, auf 
folche Meinung: ob fich diefelben Städte mit andern Stäbten, 
auch Rittern und Knechten im Lande zu Preuffen vereint und 
verbunden Hätten oder hinflr vereinen unb verbinden würden, 
daß fie des ganze und vollmädtige Gewalt haben nad Saat 
ber Briefe, ihnen von dem genannten Kaifer darum gegeben. “ 
Alſo deuteten bie Bundeögefandten offenbar, was fie ſelbſt 
„bie Freiheit und: Gonfirmation fir die beiben erwähnten 
Städte nannten, als. eine förmliche kaiſerliche Beſtaͤtigung dei 
“Bundes, an beffen Spike biefe Städte flanden, » und nicht 
ohne Schlauheit war in ihren Schrift alles fo geftellt, daß Un 
kundige ihrer Deutung Glauben fehenten formten. ® i 








ches verloren iſt) Original⸗Abſchrift ebendaf. Litt. A. 29. Thorner 
Copiebuch p. 126. Im Original fteht: „under unferm Saflgel, fo wir 
vor unferer kayſerlicher Frönung gebrauchet Haben und noch brauches.“ 
Bedenklich ift dabei der Umſtand, daß die ebenerwähnte Beftätigumgee 
urtunde für Thorn und Kulm doch fchen hefiegelt wurde „mit unſerer 
kayſerlichen maieftat anhangenden Infigel.“ Gehrudt iſt die Urkunde 
in Preuff Samml. 3. U. S. 686. 

1) Das Original diefer urfundlichen Bufage von 5400 Gufben, d. 
Neuſtadt am &. GtephanssTag zu Weihnacht. 1453 im Rathsarchio 
zu Shorn mit den Siegeln Auguftins v. der Schewe, Ramſchels d- 
Krisen, Thielemanns v. Wege u. a. Gedrudt iſt die Urt. in Preuß, 
Samml. 3. UL. &, 242, 

2) Darauf weiß eine aufmertſame Lectüre der Urkunde ſelbß 
Kar bin, = J J 


Uneteiebe der Parteien im ande. (1453) 281 


beiten fie beim Kalfer auch einen Befehl an den Biſchof von 
Kemin ausgewirkt, durch welchen biefer beauftragt warb, Lande 
mb Staͤdte, Bürger, Landgefeflene und Bauern in Preuffen, 
fo lange der Hochmeiſter mit den Berbündeten in Zwiſt Icbe, 
gegen bie Anmaßungen und Anfechtungen ber Weſtphaͤllſchen 
Semgerichte nach dem Inhalte feiner im Jahre 1442 erlaffenen 
Reformation in Shut zu nehmen und vor Beläftigungen auf 
ae Weife zu fichern. !) 

Aber es galt jest vor allem, in den Bundesverwandten 
m Preuffen Muth und Vertrauen aufrecht zu erhalten. Das 
her meldeten die Befandten der Stadt Thorn: „gebt vorerfl 
dem Hochmeifter Feine weitere Antwort, bis wir euch unfere 
Beabung eingebracht haben, die durch Gottes Gnade gut ifl, 
dem der Kaifer hat unfer Vorbringen wohl aufgenommen und 
5 mit unferm Widerpart vor Biſchoͤfen, Fürften, Grafen 
uub Rittern zu unferm Willen gnädig entfchieben, wie ihr kuͤrz⸗ 
Bi weiter von uns hören ſollt. Macht dieſes unfer Schreiben 
allen Fremden, Landen und Städten zum Troſte affgemein 
befannt und haltet euch in guter Hut.“) Nachdem nım der 
Kaiſer beiden Parteien einen Ladungsbrief auf: den angeſetzten 
Gerichtstag ausgeftellt und zugleich. beiden ernſtlich unterfagt 
hatte, bis dahin nichts zu unternehmen, was ald Feinbfeligkeit 
‚betrachtet Bder auch nur ald unfreundlich aufgenommen werben 
miiſſe, ) kehrten die Sefandten nach Preufien zuruck. Aber 


- 4) Diefes für die Gefchichte des Aemgerihtsweiens in Preuffen 
intereffiante laiſerl. Mandat an den Biſchof v. Kamin, d. Neuſtadt 
Sreit. nah Thomaͤ 1452 iſt mir leider erft nach dem Erfcheinen meiner 
Sqrift über die Femgerihte in Beziehung auf Preuffen zugekommen. 
Oreßen Einfiuß Hatte indeß dieſes Mandat wohl nicht, denn die nady 
Dreufien gehenden Borladungen der Bemrichter hatten fih ohnedieß 
ſchon im 3. 1452 fehr vermindert; f. in der erwähnten Schrift S. 130. 
) Schr. der Bundesgefandten an d. Bürgermeifter u. Math von 
Thorn, d. Neuftadt Dienft. nach Weihnacht. 1453 Schol. XLV. 13, 
3) Die Originale diefer Urkunden, d. Neuſtadt 27 Decem. 1452 

im Rathsarchiv zu Thorn und Danzig, zwei Abfchriften, beide mit der 
Johrzahi 1453 Schbl. LXXVII. 55. Die Worladung des HM. auf 
den anberaumten Gerichtstag, d. Neuftadt 21 Decem, 1452 Schbl, 





ZB Umteiebe bee Parteien im Bande. (1453.) 


fo viel war 'gewiß und es kam auch bald zu bei Meiſtere 
Kenntniß, daß vorzüglich dad Geld der Bunbeögefandten am 
kaiſerl. Hofe und befonders in der kaiſerl. Kanzlei fir ihre 
Sache fo glnflig gewirkt hatte, denn faſt alle irgend einfluß⸗ 
zeichen Räthe am Hofe waren bucch ihre Geld s und Ehren⸗ 
geichenfe gewonnen worden. Allerdings hatten auch bie 
DOrbendgefanbten, um ihre Sache nicht Preid zu geben, ſich zu 
ſolchen Mitteln entſchließen müflen, „bern, fagen fie ſelbſt, um 
große de, Schaben und Schmach für den Meiſter und 


den ga Drden zu vermeiden, mußten auch wir in bie 


Kanzlei eine Summe Geldes geben; Gott weiß, baß fich ber 
Vogt von Leipe fehwerlich deshalb gemuͤhet und befümmert 
bat. "2 Allein der Drben konnte durch folche Mittel keines⸗ 
wegd mit dem Nachdruck wirken, wie feine Gegner. Seine 
Einkünfte waren. bereitd außerorbentlich verringert; weder bie 
Städte noch die Ritterfchaft bed Bundes leifteten ihre Abgas 
ben; bie andern brüdte Armuth und Elend barnieder. Man 
hatte zwar auf Land und Städte wieder einen Schoß ausge⸗ 
fohrieben; allein wenn es auch einigen Gebietigen gelang, 
einzelne Städte, fchlechte Freien und Bauern zur Zahlung zu 
bewegen, fo erklärten Ritter und Knechte, daß fie, uͤbermaͤßig 
belaftet,, nichts mehr leiften wuͤrden, fofern ber Orden nicht 
auch von den Kulmern fordere, was er von anbern verlange. 
Bon: ber Kulmifchen Ritterfchaft aber konnte der Orden na: 
türlich gar nichts erwarten. ® 

UUnter folcden Berhältniffen nahm es der Hochmeiſter auch 
fhon als gewiß an, daß die Verbündeten ihren Bund unter 


LXXVMI. 55, gedrudt in Preuß, Samml. B. IE 680 685; vgl. 
Sol. A. 124 - 125, 

1) Schr. des Landkomth v. Oeſterreich, d. Reuſtadt Gonnt. vor 
Neujahr 1453 Schbl. LXXVIU. 27. Schütz p. 174 crwähnt, daß 
die Koften durch Beiträge der großen Städte und auferlegte Steuern 
beftritten wurden. 

2) Schr, des Landkomth. d. Defterreih a. a. O. 

3) Schr. des Kouthurs v. valge, d. Eilau Donnerſt. aach Epi⸗ 
phan. (1453). 


Antriebe der Yazteien im Lande. (1453) 233 


keiner Bedingung aufgeben und, wenn der Kaiſer ihnen nicht 
ga zu Willen ſeyn werde, auch, wie man ſchon allgemein 
agte, einen Verſuch beim Papfle ober irgend einen andern 
nicht ſcheuen wuͤrden.) Zwar meinte ber Bilchof 
ver Ermland, ber Bund babe fi wohl nur deshalb an den 
Keiſer gewandt, um nad) ber Heimkehr feiner Senbboten ſich 
wit bem Orden leichter zu vertragen, ba man ben Irrthum 
efonnt und bed Ordens Gerechtigkeit vor Papſt, Kaifer und 
vielen Fuͤrſten num offen dargelegt habe.) Biel richtiger aber 
urtheilte Der Deutichmeifter: nur auf dem Wege ber Güte 
wab durch freundliches Verſtaͤndniß fen es noch möglich, den 

Zeichen wieberherzuftellen; auf dem eingefjlagenen Wege fin 


I 


Das bewährte fi auch alsbald nach der Heimkehr der 
Bindesgeſandten, bie wie im Triumph von einer großen Menge 
Volles eingeholt in Thorn einzogen.) Die Bundesverwand⸗ 
tm, bald darauf zu einer Zagfahrt in Marienwerder verfems 
meit, erklaͤrten jet dem Hochmeifter: fie koͤnnten, ba. ihre Sache 
zum am kaiſerl. Hofe hänge, ihm in Beziehung auf ihren 
Bund weiter Feine Antwort geben, obgleich: fie ihm ald ihrem 
Hera auch ferner thun wenden, was fie ihm nach Ehre und 
RNecht, nach ihren Freiheiten und Privilegien. ſchuldig ſeyen. 9 
Zugleich aber waren bie Bundeshaͤupter, beſonders bie Eidech⸗ 
fen - Ritter eifrigft bemüht, ihre Aufnahme und — 
cm Kaiſerhofe überall im guͤnſtigſten Lichte darzuſtellen, 


1) Schr. »B 6ar. dei HM. an den Meifter v. Livland, d. Mar, Sonnt, 
vor Antonii 1453 Säbl. LXVII. 34, 

2) Schr, bes Bifchofs v. Ermland, d. Wartenberg am T. Marceli 
1453 SEchbi. LXVI. 190; vgl, damit ein Schr. des Biſchofs v. Pos 
mefanien, d. Rieſenburg Dienſt. vor Price 1453 Schbl, LAXXVIH, 
140. 

3) Schr. des Tmtfümeifert „d. Some am T. Converſ. Paul 
1453 Shhl. DM. 1 

4) Schr. des Kamiture v. horn, d. Dunſt. vor Converſ. Pauli 
1853 Schbol. LXXVIIL. 69. 

5) Sol. A. 161, 


284 Umtelöbe ber. Parteien im Bande. 1453.) 


den Muth feif zu erhalten. Zu Thorn anf dem Rathhauſe 
erflärte Thielemann von. Wege: ed ſey wohl eines halben 
Landes werth, daß die Senbboten beim Kaifer geweſen, denn 
zum babe man volle Gewißheit, daß ber Bund ferner beſtehen 
werbes ber Kaifer habe fie an feiner Seite figen laſſen, die - 
des Ordens dagegen hätten flehen muͤſſen und ſeyen von eini⸗ 
gen Fürften verlacht und verhöhnt worden. Ein anderer 
brachte dad Geruͤcht aus: der Kaiſer habe zum Deutſchmeiſter 
sefagt: ihr Kreuzherren macht mir viel Unwillen; lafiet ihr 
nicht davon , fo wird fire euch nichts Gutes daraus entfichen. 
Der Vogt von Leipe fey kreuzweis vor dem Kaiſer niederge 
fallen, mit großen Ehrengefchenten, die dieſem aber fehr umans 
genehm gewefen, weshalb er nichts davon habe nehmen wol 
len.) Ramfchel von Kriren erzählte: der Kaifer habe ihn 
und die Selnigen aufs wirdigfte empfangen, ihnen entgegen: 
gehend freumblidh die Hand gereicht und erlaubt, zu ihm zu 
kommen, fo oft fie wollten. Die Ordensgeſandten dagegen 
hätten nur auf gefchehene Vorladung erfcheinen dinfen, und 
als fie einmal vor dem Kaifer auf der Bundesgeſandten Kla⸗ 
gen nicht hätten antworten koͤnnen, habe dieſer in bie Hand 
gelaht.? Das waren die Mittel der Bundeshaͤupter, um 
die Leichtgläubigen zu gewinnen unb zu feſſeln. Aber man 
ließ es auch nicht an Bemühungen fehlen, die kleinern Städte 
bald durch Nedereien und Belaͤſtigungen, bald auf andere 
Meife in den Bund zu ziehen. Die Bundesoberften hatten 
zu dem Zwecke eine neue Zagfahrt in Marienwerder ausge 
ſchrieben und dazu auch bie Beinen Städte geladen. Man 
war im Orden bemüht, diefem Plane auf alle Weife entgegen 


| 1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Agathaͤ 1453 Sl. 
LXXVII. 165. 

2) Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Konis Sonnab. nah 
Purif. Marld 1453 Schbl. LIX.- B&, 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Lewen Donnerfi, vor Eſto⸗ 
mihi 1453 Schbl. LXXVIIT. 47. - 

4) Wie dieß z. ®, mit der Neuſtadt Thorn gefhad; vgl. ESchbl 
LXXVII. 119, 


Unstelebe der Parteien im Lande. (1453) - 285 


zaricnz Die Komthuse riethen Ihren Städten vom Erſcheinen 
5!) die Biſchoͤſe gaben den Rath: der Hochmeiſter möge, 
die Städte vor dem Eintritt in den Bund warnend, ihnen die 
wohre Beſchaffenheit befien, was am Kaiſerhofe gefchehen ſey, 
jur Biderlegung der verbreiteten Gerüchte offen bekannt mas 
den, zugleich ihnen aber auch gebieten, den von ben Verbuͤn⸗ 
been auögefchriebenen Schoß ſchlechterdings nicht zu entrich⸗ 
0 Allein bie Bunbeöhäupter und großen Stäbte boten 
de Mittel auf, ihren Zweck zu erreichen. Mehre, wie Thies 
kmuma von Ziege, Hans von Lohe? u, a. zitten von einer 
Stadt zur andern, um fie zum Eintritt in ben Bund zu ges 
wann.) Hans von Gzegenberg zog im Kulmerlanbe, und 
in Derodiſchen Gebiete in den Dörfern umber und „gloſ⸗ 
fie" den Heinen Freien ihre Handfeſten alfo, daß fie fich 
khal.dem Bunde zuwarfen.® Da wandte fi) ber Hoch 
wiſter ſchwer befimmert an Hans von Baifen mit der Bittes 
nbeifet rathen, daß folcher Widerwile und Zwietracht unter, 
namen unb hingelegt werbe, bemm wenn bad nicht gefchieht, 
 Bounet ihr wohl erkennen, daß uns ein folhed bie Ränge 
Mei, ſtimde zu dulden; wir müßten auf andere Wege 
deln, um ben Unſrigen Ruhe und Friebe zu verſchaffen.“ ® 
Un auch diefer fo allgemein geachtete und einflußreiche Mann 
wor jeht nicht mehr im Stande, das drohende Ungewitter zu 

1) Schr. des Komthurs v. Mewe, d. Dienft. vor Balsntini 1453 
Et. LXXVIM. 93. 

2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Riefenburg 
Dernerſt. dor Zaſtnacht 1453 und Sehr. des Biſchofs v. Samland an 
HM,» Ziſchhauſen Soant. Eſtomihi 1453 Schbl. LIXVIIT. 134, 
R2 (a) 130 (a). v. 

I) S. Praͤtorius Thorner Ehrentempel e. 1. 

4) Schr. des Hauskomthurs v. Thorn, d. Mittw, vor Kathedra 
etri 1453 Schbl. LXXVIII. 30. 

5) Schr. des Komthurs v. Oſterode, d. Hohenſtein Dienſt. vor 
Yarcanit 1453 Gchbl, LXXVIH. 122; vgl. Gef» der Eidechf. Ges 
Mid. ©. 119, 

6) Chr, des HW. an Sans vd, Baifen, d. Balga am T. Mas 
GR 1453 Gil, LXXVIN, 121. | u 


286 Umtelebe u. Bewegungen ber Parteien Im Lande. (1453.) 


deſchwoͤren; der Sturm der Leldenſchaſten tobte ſchon zu wild 
umb mächtig, als daß eines Menſchen Wort ihn hätte be 
ſchwichtigen koͤnnen. 
Der Tag zu Marienwerder kam heran. Da legten die 
Bunbdeshaͤupter den Elemen Städten zuerſt einen Beticht ihrer 
Bendboten Aber die Verhandlung mit dem Kaifer vor, wonach 
Diefer und bie Fuͤrſten ben Bund als nicht wider Gott, die 
Kirche oder bie rechtmaͤßige Herrſchaft ſtreitend erklaͤrt und er 
ſterer ihn auch ohne weiteres beftdtigt habe. Dieß zu erwe⸗⸗ 
fen, las man bem zahlreich Werfammelten eirre Schrifk vor, die 
allerdings einer Beftaͤtigung ähnlich Taufete; man fügte hinzu: 
wer ed nicht glauben wolle, möge nad) Thorn kommen, 10 
man ihm das Document ſelbſt zeigen koͤnne. Man nahm in⸗ 
deß allgemein für wahr an, der Bund fey wirklich vom Kal 
fee beſtaͤtigt. Die Bundeshaͤupter verlangten dann gur Deding 
der Koſten fire die Reife der Serbboten von ben Meinen Staͤd⸗ 
ten eine verhältnißmäßige Beiſteuer, bern Leiftung fie auch 
allgemein verfprachen. ?_ Auf die Nachricht hievon wandte ſich 
ber Hochmeifler alsbald an die Stabt Thorn mit der Auffors 
derung, man möge ihm die Taiferliche Beſtaͤtigung zufenden. 
Sie wurde indeß wertweigert.? Erſt in den letzten Tagen dei 
Bebruars bei der Heimkehr der Ordensgeſandten, die zugleich 
des Kaiſers Schreiben Aberbsachten, erhielt Ludwig die erfle 
nähere Kenntniß uͤber den Stand ber Verhaͤltniſſe.“ Zunaͤchſt 
erhielt nun der Procurator in Rom den Auftrag, ben Orden 
beim Papfte zu entfchuldigen, daß es, von den Berbünbeten 


17 Ohr. des HM. an den Procurator, d. Mar. Mitwo. ver 
Dftern 1453 Schbl. LXXVIIT. 28, 
2) Er. des Hauskomthurs v. Holland an den Komthor v. El⸗ 
King, d. Donnerft. nady Mathid 1453 SAH. EXXYII. 139. 
3) Schidz p. 174 
4) Sol. A. 124 - 129. 161. Einfges hatte der HM. ſchon eine 
Woche früher erfahren durch ein Schr. der Ordensgeſandten, d. R 
ſtadt Zreit. nach Thomaͤ 1452, worüber ein Notariatsinſtrument, JE 
Stargard 17 Febr. 1433 Schbl. XIV. 6. Die Verhandlung des Vegu 
v. Leipe am Kaiferhofe Shbl. LXXAII. 93. ' 


Umtriebe u. Bewegungen der Parteien im Lanbe. (1453.) 287 


dam gebrängt, die Streitfache, in welcher eigentlich er aller 
bingd ber vechtmäßige Richter fen, am den Katferhof gebracht 
babe, was Teinedwegs „aus Willendmuth ober aus Berfäuns 
nit des heil. Vaters oder feines Gerichted " gefcyehen fey. » 
Dieb war um fo nothwendiger, weil man in Erfahrung brach⸗ 
te, baf bie Verbimdeten heimlich auch in Rom eifrigft Darauf 
binarbeiteten, eine paͤpſtliche Beftätigung ihres Bundes auszu⸗ 
wirken, zumal da man wußte, daß ed ber Papft keineswegs 
keifäiig aufgenommen habe, daß die Sache and feinen Häns 
ben an ben kaiſerl. Hof gelommen ſey. Da fi ferner 
aber die Nachricht von ber kaiſerl. Zuſtimmung und Beftdtis 
gung bed Bundes im Lande immer allgemeiner verbreitete, die 
Gembtber immer mehr irre führte, ber Bund fich jetzt durch 
neue Theilnehmer immer mehr verftdrkte,? fo erließ der Mei⸗ 
fer an den Hauskomthur zu Wien den Befehl, dort überall, 
ia ber kaiſerl. Kanzlei, bei den Räthen bed Kaifers und bei 
dieſem felbft bie genauefien Erkundigungen einzuziehen, oh 
wirklich etwas der Art dort audgefertigt woͤrden ſey, widrigen⸗ 
fall8 aber beim Kaifer ein Schreiben auszuwirken, worin dies 
fer felbft das Geruͤcht widerlege, denn dies hielt man für bie 
beſſe Waffe zur Bekämpfung der Tügnerifchen Umtriebe. 

Es begann jet aber zwotichen dem Orden ımb ben Ber: 
kandeten ein neuer Streit Uber den von diefen ausgefchriebenen 
Schoß, den der Meifter nothwendig ald einen neuen wider⸗ 


1) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Mar. Freit. vor Fafts 
nacht 1453 Scbl. LXXVIN. 5. Rotarlatsinftrument, d. Marienb. 
29 April 1453 Schbi. XIV. 12. Über eine Volmacht für den Procus 
vater, Die Sache des Ordens gegen die Verbuͤndeten am päpftl. Hofe 
pw führen. 

2) Ghr. des Procutators an d. HM. d. Rom 3 März 1453 
Gqbi. LXXVIIL 2. 

3) Schr. der Komthure v. Mewe, DOfterode u.a. Schbl. LXXVIII. 
111. Echr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Koͤnigsb. Sonnt. Ocult 
1453 Schbi. LXXVM. 162, Schr. des HR an d. Deutſchmeiſter, 
d. Tapiau Mittw. nach Oculi 1453 Schbl. DM, 103, 

4) Schr. des HM. an d. Hauskemthur zu Wien, d. Elbing Zreit. 
‚vor Reminiſcere 1453 Schbl. LXVMI. 25, 


288 umtriebe u. Bewegungen der Parteien Im Lande. (1453.) 


rechtlichen Eingriff in feine landesherrliche Gewalt betrachten 
mußte, zumal da bie Verbündeten feine Erhebung fo weit 
ausdehnten, daß auch bie Aermften, Hirten, Maͤgde, Spin 
nerinnen u. f. w. Dabei angezogen werben follten.? De 
Meifter erließ zwar auf ben Rath der Prälaten und Gebietiger 
das firengfte Verbot. gegen bie Exhebung ber Abgabe; allein 
es hatte wenig Exfolg, denn wenn ſich von den funfzig Stäb- 
ten, bie auf dem Zage zu Marienwerber ihre Senbboten hat 
ten, manche auch ‚gerne der Entrichtung der Steuer entfchlagen 
hätte, fo fürchtete fich Doch jede einzelne, zuerft mit ihrer Ver⸗ 
weigerung aufzutreten. ? Ueberdieß hatte man auf dem Tage 
duch allerlei Vorgebungen, buch Vorleſung einiger kaiſerl. 
Briefe, durch Berichte von bed Kaifers gütigen Gefinnungen 
gegen .den Bund die Gemüther fo befanger, man behauptete 
fort und fort mit fo Leder Zuverläffigkeit, der kaiſerl. Beſtaͤti⸗ 
gungäbrief liege auf dem Rathhaufe zu Thor, man bot fo 
vielfältig alle erfinnlichen Mittel auf, die Sache ded Bundes, 
wie fie am Kaiferhofe verhandelt fey, im allergünftigften Lichte 
datzuftellen und dadurch zur Theilnahme an bemfelben ann. 
Ioden, man ftellte endlich die Erhebung bed Schoffes, der 

zweimalhunderttaufend Mark betragen follte, für des Bundes 
Wohlfahrt als ſo hoͤchſt nothwendig vor, daß auch beöhalb 
ſchon des Meifterd Verbot wenig Beachtung fand.” Dazu 
kam bie raftlofe Ihätigkeit der Bunbeshäupter, die Aufmunte 
rungen und Anfeuerungen, das Hin und Herreiten ber Eis 


1) Schr. des Bilhofs Kaspar v. Pomefanien, d. Kiefenbung 
Mittw. nah Reminifcere 1453 Schbl. LXXVIIT. 59, 

2) Schr. des Komthurs v. Etrasburg, d. Gonnt. vor Oculi 1453 
Schbl. LXXVIL 67 (a). Er fagt, daß Grrasburg und Rewnar 
fih nur böchft ungern zum Schoß verftanden hätten. 

3) Sr. des Komthurs v. Thorn, d. Lewen Donnerfl. vor. Oculi 
1453 Sobl. XXTIT. 35. Schr. des Vogts v. Roggenhauſen, d. En⸗ 
gelsburg Donnerft. vor Oculi 1453 und mehre andere Schr. ber Koms 
thure hierüber Schbl. LXXVIM. 120, 147. 111, 146. Schr. des 
HM. an den Procurator, d. Mar. Mittw, vor Ofere 1453 San 
LXXVII. 28. nn J 


Unetriehe u. Bewegungen der Parteien im Lande. 11453.) 289 


been Ritter, bier drohend, daß man jeben als ehrlos und 
meineidig verfolgen werde, ber jetzt vom Bunde abfalle, dort 

durch ſchoͤne Worte umb Berbeifungen zum Eintritt in denſel⸗ 
ben anlodend, während von den Übrigen Randedrittern fafl 
keiner mehr fir den Orden wirffem auftrat. Selbſt Hans 
von Baifen ſank in des Hochmeiflerd Vertrauen ſchon mehr 
und mehr. Seit längerer Zeit fchon fir des Ordens Intereſſe 
sig imthätig, hatte er fich jet wieder nach Thorn begeben, 
gwer immer noch leivend, jedoch täglich in Berathungen und 
Berbandlungen mit dem dortigen Rathe befchäftigt, ohne daß 
men erfahren konnte, was fie eigentlich betrafen.? Am mel: 
ben aber brachte die Semüther dad wieberholte Geruͤcht in neue 
Ummhe, daß der Orden mehr ald je auf blutige Gewaltmaaß⸗ 
regein denke, bereitd in Deutſchland Soͤldner anmwerbe und bei 
mehren fremden Fuͤrſten, wie bei den Herzogen von Mafovien 
um Huͤlfsvolk gebeten habe. Babriel von Balfen warb be 
auftragt, in Mafovien ſelbſt daruͤber genaue Kunde einzuzies 
Ion, >) | 


Somit galt es jegt die Löfung zweier Streitfragen, die mehre 
Monate lang dad ganze Land in allgemeiner Bewegung hielten. 
Die eine war: ob wirklich eine BVeftätigung ded Bundes vom 
Kaiſer vorhanden ſey? Da die Bundeshdupter fort und fort 
kein Mittel unverfucht ließen, ihrer Behauptung Glauben zu 
verſchaffen, da fie die Befiegelung und die ganze Beſchaffen⸗ 
beit des wichtigen Documentd aufs genaufte befchrieben, da 
fie ferner vielen, die nach Thorn kamen, wirklich einen kaiſerl. 
Brief vorzeigen und wenn auch niemanden ihn lefen ließen, 
doch etwas, was nach Befldtigung lautete, daraus felbft vor: 


1) Nach den erwähnten Berichten der Komthure. 


2) Schr. des Hauslomthurs v. Thorn, d. Somab. vor Dculi 
1453 Schbl. LXXVIII. 107. . 


3) Zol. A. 161 — 162. Schr. des Komthurs v. Thorn, d, Lewen 
Donnerft. vor Ocull 1453 Schbl. XXIII. 35. Schr. des Konityurs 
9. Mewe, d, Sonnt. Oculi 1453 Schbl, LXXVIII. 146, 

VI. 19 





290 Umtriebe u. Bewegungen der Parteien ins Rande. (1453.) 


Iofen,D fo Torte natlnlich für den Hochmeiſter nichts eich 
tiger ſeyn, als zu erſorſchen, ob fid ein folthes Document 
wirklich in Thorn befinde ober ob alles nur Trug und Zaͤu⸗ 
ſchung ſep. Der Komthur von Ahorn warb daher beauftragt, 
vom Rathe ber Stadt eine Abſchrift des Beſtaͤtigungsbtiefes u 
verlangen. Sig ward Anfangs unter dem Vorwande verwei⸗ 
gert, eb ſtehe n nicht in, der Macht eines. einzelnen Bundesglie⸗ 
Des, das Dorument zu veröffentlichen; > bald darauf indeß 
verſprach auf wiederholtes Geſuch der Roth von Thorn: ber 
Meifter folle, wenn er darnach fende, die gewünfchte Abſchrißt 
erbaltenz des Beſtaͤtigungsbrief ſey bisher nur wenigen im 
Bunde hekannt geweſen; jeht da man zur Ausſendung eine 
neuen Botſchaft am den Kaiferhof und zu andern Bundesan⸗ 
gelegenbeiten einen Schoß auögefchrieben: Jake, muͤſſe man ihm 
befannt machen, um im Volke Geneigtheit zur Entrichtung bie 
fer Steuer zu eweden.? Nun erfuhr der Meiſter auch babe 
der neue kaiſerl. Veſtaͤtigungshwef betregfe nur bie Privilegien 
von Thorn und Kulm, vom Bunde fey darin mit einem 
Worte die Rebe; ® wohl. aber fey allerbingd auch ein Beſtaͤti⸗ 
gungsbrief über ben Bund vom Jahre 1441 vorhanden, wes 
hen damals bie Städte Kulm und Thorn vom Roͤm. Könige 
erworben, worin diefer ihnen wirklich die Erlaubniß zur Stiſ⸗ 
tung eined Bundes gegen Gewalt und Unrecht zuerkannt und 
zugleich freigeftellt habe, in den Bund Ritter und Städte auf 





1) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Mor. Mitte. v. Oſtern 
1453 Schbl. LAXXVIN. 28. | 

2) Schr. des Komthurs dv. Thom, d. Mont. nach Oculi 1453 
Schoͤl. LXXVII. 145, Diefelbe Antwort erhielt auch des HM. Se⸗ 
cretär, den er zu dieſem Zwecke nad Thorn fandte, Fol. A. 162 
Schr. des HM. an den Procurator, d. Mar. Mittw vor Dftern 1453 
Schbl. LXXVIII. 28. Sernede Thorniſ. Chron p. 53. 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Mierw, nad Oeuli 1453 
Schbl. LXXVIII. 148, 

4) Schr. des Vogts v. Leipe, d. Schönfe am T. Gertrudis 1453 
und Schr. des HM. an d. Procurater, d, ar. Mittw. vor Ofen 
1453 Schbl. LXXVIL. 131. 28, | 


S 


Streit wegen Scheß⸗Erhebung. (1453.) 291 


zunehmen, fo viel fie wollten, jedoch mit der ausdrlicktichen 
Befiemung, daß bes Hochmeifterd Unterthanen biefem ihrem 
Her leiſten follten, was fie ihm von Rechts wegen und nad 
Inhalt feiner Privilegien ſchuldig feyen.D Dieſes Document 
hatte man in Königöberg dem Ordensmarſchall Indgeheim vors 
geleſen; auch der Biſchoef von Pomefanien begeugte, daß eine 
ſolche Beſtaͤtigung vorhanden fry.? Go Elärte fich dem Hoch⸗ 
weiſter biefe ganze Sache auf. | 

Die andere Streitfrage, Über die man mil ungleich groͤ⸗ 
Serer Heſtigkeit ſtritt, betraf die Erhebung bes von den Bun⸗ 
desoherften ausgeſchriebenen Schoſſes. Der Hochmeifter, bie 
Yraͤlaten und Sebletiger behaupteten: diefe Anmaßung des 
DBendes ſey nicht nur eme offenbare Verletzung ded gelels 
feten Huldigungseides und der dem Hochmeiſter zuſtehenden 
Iendeöherslichen Rechte, ſondern widerſtreite auch dem lebten . 
Gebete des Kaifers, daß bis zum Serichtötage Fein Theil ge: 
gen ven anbeın irgend eine Neuerung anheben folles ſchon 
darum habe man volles Recht, bie Erhebung ber Steuer zu ver» 
bieten, zumal da der Bund nur darauf ausgehe, unter Vor⸗ 
ſpãegelung feines Beſtaͤtigungsbriefes den armen Bingern der 
Beinen Städte das noͤthige Geld für feine Zwecke abzupreffen; 3 
zudem hätten auch bie großen Stäbte bei der Anweſenheit des 
päpftlichen Legaten ausdruͤcklich zugefagt, daß bie kleinen 
Staͤdte fortan frei und unbeſchwert bleiben ſollten. Diefe 
Sünde bewogen jest auch mehre Städte, wie Preuffifch: Hols 


1) S. oben ©. 2. 

2) Schr. des Ordensmarſchalls, d. Könige. Mittw. nach Oftern 
41453 Schbl. LXXVIN. 107. Eine Abfchrift des Beftätigungsbriefes 
hatte der Raͤth v. Königsberg ebenfals verweigert, Der Marſchall un: 
terfcheidet aber gan; richtig zwei Documente, die man ihn vorgelefen, 
das eine von 1441, das andere die neuerworbene Beſtaͤtigung der Pri⸗ 
vileglen, worin vom Bunde nicht die Mede war. Schr. des Biſchofs 
2. Pomefonien, d. Marienwerder am guten Fteit. 1453 Schbl. 
LXxVIN. 44. u 

3) Sär. des Biſchofs Francifcus 9. Ermiand, d. Wärtenberg 
Brele. nad) Oculi 1453 Gchbt, LAXYIH. 7. . 

-39 


292 Streit: wegen Schoß Erhebung. (1453.) 


land, Muͤhlhauſen, Tolkemit, Moprungen, Liebſtadt, Raflen: 
burg u. a. zu der Erklaͤrung: ſie wuͤrden ſich ſchlechterdings 
zu keiner Leiſtung verſtehen, wenigſtens nicht ohne Willen des 
Hochmeiſters; auch auf dem Lande erregte in vielen Gegenden 
bes Meiſters erneuertes Verbot gegen ben Schoß große Freu⸗ 
be.) Dagegen erklärten die Verbündeten zu ihrer Rechtferti: 
gung: ber Drben habe fie auswaͤrts vielfach verunglimpft und 
angeklagt; bieß nöthige fie, fich zu vertheibigen und Sendbo⸗ 
ten zum Gerichtötage außzufertigen; um bie Daburch veranlaß⸗ 
ten Koften zu beflxeiten, habe man nothwendig einen Schof 
ausfchreiben muͤſſen; der Orden habe dazu felbft den erſten 
Anlaß gegeben. So fprachen befonderd die Stimmführer des 
Bundes in Thorn und anderswaͤrts im Kulmerland.? Weil 
fi indeß. in. andern Städten auch andere Meinungen kund 
thaten, in Danzig ber Schoß nur unter Zwang und Strafen 
beigetrieben werden Eonnte, in andern Orten man ſich auf bie 
gebietende Macht ber Bunbeshäupter berief, in noch andern 
ein Theil der Bürgerfchaft für, der andere gegen bie Exhebung 
flunmte, manche fich der Abgabe überhaupt ganz zu entichlas 
gen fuchten,? fo hielten die Bundesoberſten und namentlich 
die Eidechfen» Ritter für nothwendig, auf einer Tagfahrt zu 
Kulmfee fi) über durchgreifende Maaßregeln gemeinfam zu be 
rathen. 

As der Tag eröffnet warb, trat unter allen Gabriel von 
Baifen mit ungezügelter Heftigkeit behauptend auf: was bed 
Meifterd Verbot wegen bed Schoffes betreffe, fo fey man fiber: 
haupt gar nicht fehuldig, ihm den Huldigungseid zu halten, 
denn er felbft habe ja dem Rande auch nichts von bem geles 


1) Schr. der Komthure und Voͤgte v. Elbing, Leipe u. a, Sbbbl. 
LXXVIN. 57. 92. 98. 45. 131. 

2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Freit. vor Judica 1453 U. 
Schr. des Romthurs v. Schwez, d. Sonnab. vor Zudica 1453 Sohbl. 
LXXVTI 64. 84. 

3) Eihr. der Komthure v. Danzig, Mewe, Althaus, Grouden 
Schtt. LXXVIII. 70. 88. 95 LIL 29. Schr. des Biſchofs v. Erm⸗ 
tand, d. Wormditt Donnerfl, vor Palıyar, 1453 Schbl. LXXVIll. 26, 


Annäherung des Bundes an Palm. (1453) 203 


fit, was er ihm zugeſagt. Dieb feharfe Wort gab weitern 
Anlaß zur Berathung über die nahbrädlichften Maaßregeln 
gegen alle Diejenigen, welche ben Schoß bieher verweigert: 
Gabriel von Baifen flug vor, man müffe drohen, alle Wi⸗ 
berfpanfligen ohne weitered fin ehrlos zu erklaͤren. Vor allem 
wichtig aber war ber auf biefer Tagfahrt angeregte Pan, Pol⸗ 
niſche Große mit in den Bunb gegen ben Orden aufzunehmen 
sder wofern dieß des Königed von Polen Berhältnig zum Hoch⸗ 
meiſter nicht zulafie, fo viele Polnifche Herren als möglich in 
die Eidechſen⸗Geſellſchaſt hereinzuziehen, „auf daß/ wie es hieß, 
man deſto mehr Rath und Huͤlfe von ihnen moͤchte haben.“ 
Unter dem Vorwande, daß der Meiſter die Bundesverwandten 
bei den Großen in Polen und bei den Herzogen von Maſo⸗ 
vien ſchwer verleumdet und angeklagt, brachte darauf Gabriel 
von Baiſen eine Geſandtſchaft nach Polen in Vorfſchlag, bie 
er ſich felbft zu übernehmen erbot, um den Bund zu verant⸗ 
worten und zu vertheibigen. Dffenbar aber lag dabei vor al: 
kam der Zweck zum Grunde, ben Bunb in Preußen mit Pos 
len in nähere Verbindung zu bringen unb ben König ober 
weraft doch wenigſtens die Reichsgroßen über ihr Intereſſe an 
des Bundes Erhaltung näher zu mterrichten; D es ging ja 
laͤngſt ſchon dad Gericht: falle des Kaiferd Spruch nicht gims 
fig, fo wolle der Bund fich den Polen in die Arme werfen. . 


Sabrield von Baiſen Vorſchlag fand williges Gehör, 
Thielemann von Wege war fehon vordem mit einem Danziger 
Rathsherrn nach Breslau auögezogen, um von da, wie man 
efuhr, an den Kaiferhof zu eilen.? Sohn von ber Sene, 
der Eidechſen⸗Ritter, von einer Reife nad) Polen zuruͤckgekehrt, 
ſtand ſeitdem mit dem Polniſchen Hauptmar.ae zu Bromberg 


1) Schr. des Vogts v. Leipe, d. Schönfe Sount. Palmar. 1453 
ESchbl. XLV. 37; Voigt Seſch. der Eidechſ. Geſellſch. S. 119 - 120. 

2) Schr. des Pflegers v. Lochſtaͤdt an d. Komthür v. Elbing, d. 
Lochſtaͤdt Donnerſt. nach Miſericord. 1463 en. LXXVIN. 11. 
Zernecke Thomif, Ehron. p. 53. 


204 | Unnäheung des Bundes an welen. (1453.) 


in bee engſten Werbiabung. d Der Polnifche Hauptmann von 
Brzefe wur bingft unablaͤfſtg thätig, bas Feuer der Zwietracht 
in Preuffen immer mehr anzufchlren und bie Unterthanen ge 
gen den. Orden aufzuheben. Schon hörte man im Kulmerlande 
haͤufig die Drohung: werde ber Bund ben Bundesverwandien 
vom Kaifer abgefprochen, fo wollten fie eine Verbindung ſchlie⸗ 
Bew, die noch fefter ſey als dieſer Bund ımb in ber fie wenb 
ger zu bilden haͤtten.) Nun begab fich auch Gabriel von 
Balfen mit einem Thorner Rathsherrn zuerſt zum Biſchoſe von 
Kujavien, um bann feine eigentliche. Befanbtfchaft nach Polen 
anzutreten. ?. Nachdem allem ahnele man auch im Orten, 
Daß wichtige, gefahrmolle Plane im Werke feyen. ) Der De 
densſpittler gab nach einer heftigen Unterredung mit Ramſchel 
von Kiiren dan Meifter ben Rath: : er. möge eiligft, ba bie 
Berbimbeten jest offenbar nichts Gutes im Werke hätten, durch 
vorfichtige Voten in Polen und Schlefien ausforfchen laſſen, 
ob. fie: nicht eiwa „mit Büberrien umgingen” und vielleicht 
heimlich ſchon Kriegsvolk anwerben Heßen,®) denn bad Bun⸗ 
dedhaupt Hans von Czegenberg hatte dem Hauskomthur von 
Rheden gekabehin erklaͤrt: ber Bund ſey mm einmal vom 
Kaiſer in voller Macht mit feinem Majeſtaͤts⸗Siegel in Go 
beflegelt und .beflätigt; ber Kaifer felbft habe gefagt: che ber 
Bund und feite Beſtaͤtigungsbulle zuruͤckgingen, falten licher 
alle Privilegien bed Ordens vernichtet werden. Komme ed 
aber zur Gewalt, fo hätten die Städte fich bereitd erboten, 
ber Ritterſchaft dreiunbzwanzigtaufend Mann zu flellen; biefe 


1) Schr. des Komthurs v. Mewe, d. Donnerft, nach Judica 1453 
GScqhbi. LXXVII. 14, 

2) Schr: des Hauskomthurs v. Thorn, d. Mittw. v. Pätare 1459 
Schbl. Adelsgeſch. B. 37. Schr. des Hauptmanns v. Brieſc an den 
HM. d. Bidgoſt am Sonnt. Laͤtare 1453 Gchbl. XXVI. 60, 

3) Schr. des Vogts v. Leipe a. a. O. 

4) Schr. des Bitdofs v. Pomefanten, d. Marien. guten Freit. 
1453 Schbl. LXXVIH. 44 

5) Schr. des Komtfure v. Eibing, d. am grünen Donner 1453 
Schbl. LXXVII. 147, 


Aundherung des Bunbed an Polen. (1453) 205 


werde banın . auch ihre Kriegämacht fammeln ımb einen ſtarken 
Heerſchild aufftellen, um ben Orden aus dem Lande zu ver 
treiben, „denn, hatte er hinzugefügt, unfere Herren verderben 
sd mb wir zuletzt auch fie; wenn wir Freunde würben, fo haben 
wir nichts und unfere Herren ebenfalld nichtd, um und zu 
heiſen; jeder müßte zufehen, wie er ſich berge, wir müßten 
sauben und Uebels thun, was umfere Wäter nie pefhan.” ) 
Se ging man in Haß ımb Feindſchaft von Schritt zu 
Schritt weiter. Auch das gerheine Volk und der große Daufe 
wurden wie in Danzig, ſo in den andern großen Städten, 
durch die ſtaͤdtiſchen Behoͤrden immer mehr gegen ben Drben 
guet; um ben gemeinen Bürger fefter fin den Bund zu 
gesimen, verfprach man die Abftelung druͤckender Abgaben, 
Wſchaffung des Pfundzoled u. f. w., und es gelang fo an 
vielen Orten, ‚den gemeinet Mann und namentlich auch bie 
Gewerke mit in die Bundesſache hineinzugiehen. ?_ Es ſchien 
bes Hochmelfter unmöglich, den immer wilder anwachſenden 
Sturm auch nur irgendwie wieber zu beſchwichtigen. Seibft 
von der Entſcheidung am Kaiferhofe war jeht ſicherlich kein 
Frirde mehr zu erwarten. Da wandte fich des Meiſters lebte 
Soffnung voiederum nad Rom; ber Biſchyf von Pomelanien 
hatte auch längft geraten: man möge Wege einſchlagen, bie 
Sache wieder in bed Papſtes Hände zu bringen, er werde 
Beäftiger eingreifen, ald der Kaifer. 2 Die täglich mehr hervor 
tretende Einmifchung der Polnifchen Großen in die Sache des 
Burıded fühlen es dem Melfler nothivendig zu machen, bieges 
gen zunaͤchſt am Röm. Hofe einen Schritt zu thun. Er ließ 
dem Papfte vorftellens wie ſehr der bereitö verftorbene Erzbi⸗ 
ſchof von Gnefen und jetzt immer noch der Karbinal und Bi⸗ 
ſchof von Krakau alle Mühe aufgewandt, dem Srevel ber 


1) Schr. des Komthurs v. Rheden, d. Sonnt. Judica 1453 
HH. LXXVMII. 10, 

2) Sebr. des Hauskowthurs v. Danzig, d. Mittw. nach Judica 
1453 E&bl. LXXVM. 138, 

3) Sr. des Biſchefs Kaspar v. Pomefanten, d. Rieſenburg 
Dennerf, nach Purif. Mariaͤ 1453 Schbl. LXV. 11. 


296- Tagfahct zu Maulmwerder. (1458.) 


Verbündeten durch Rath und That Vorſchub zu leiflen, wie 
Gabriel von Baifen mit dieſem Prälaten noch fort und fort 
in Unterhandlung flehe und wie im Vertrauen auf dieſe Bei 
- hilfe aus Polen-der Bund ſich immer wilder und troßiger ges 
gen die Landesherrſchaft auflehne Er ließ baher bitten: ber 
Papft möge ben Polnifchen Prälaten, befonders dem Biſchofe 
von Krakau aufs emnftlichfle, unter Androhung bed Banned 
und Berlufles ihrer Aemter, verbieten, fich ferner in bie Bun⸗ 


beöfache irgendwie einzumifchen.D Der Hochmeiſter fühlte ſich 


bald noch um fo mehr gebrungen, feine und des Ordens 
Sache dem Papfte anbeinftellen zu müffen, da er erfuhr, daß 
Zhielemann ‚von Wege zu Wien mit Lug unb Trug umgegens 
gen ſey, ben Hochmeiſter befchuldigt babe, er welle durchaus 
den ewigen Frieden mit Polen brechen, : während bie Staͤnde 
entichlofjen feyen, ihn aufrecht zu erhalten und ihrem Eibe ge 
treu zu bleiben oder lieber felbft dem Könige von Polen ale 
Schloͤſſer und Städte einzuraͤumen, daß ferner: ber Kaifer 
zwar von einer Befldtigung des Bundes durchaus nichts wiß 
fen wolle, aber doch Feine offene Erklaͤrung daruͤber auspufſtel⸗ 
len geneigt fey, und.endlic auch daß dem Kaifer und befien 
Raͤthen wirklich vom Bunde anfehnliche Geſchenke gemacht 
worden und am Kaiferhofe überhaupt Unterſchleife vorgegam 
gen feyen. ? 

So fanden die Verhältuiffe, ald zu Anfang des April 
die Vornehmflen des Bundes zu einer Tagfahrt in Marien⸗ 
werber zufammenfamen. ? Ron ba aus legten fie dem 
Hochmeifter durch eine Botſchaft, an deren Spige Hand von 


1) Schr. de6 HM. an den Procurator, d. Mar. Gosat. De 
Oſtern 1453 chbl. LXXVIU. 28, 

2) Schr. des Hauskomthurs v. Wien, d. Wien Gonnab. nah 
Oſtern 1453 Schbl. LXXVIII. 29. Er fagt unter andern: „Ich rat 
euch, verlaft euch nicht gar fer auf des kaiferd Rat oder feiner Räte, 
das gelt iſt Lieb, die welt iſt frank und hat gern gelt.” Er fügt bin: 
zu, daß der Kaifer insgeheim ein Geſchent von 2000 Gulden erhalten 
babe. 
3) Fol. A. 162. Schütz p. 174, 


Tagfahet zu Narlenwerder. (1453.) 297 


Geegenberg mb Stibor von Baiſen ſtanden, in 
bie Klage vor: bie Sebietiger hätten faft in allen Städten unb 
Gebieten Bürger und Volk verfammelt und öffentlich behaup⸗ 
tet, daß alled, was die Bundesgeſandten zu Wien verhanbelt, 
unter Zug umb Trug gefchehen und bie Taiferliche Bundesbe⸗ 
Bitigung eine offenbare Erbichtung fey. Es feheine ihnen nım 
auch gar nicht nöthig, den Hochmeifter die kaiſerl. Briefe vor 
auoelfen, fonbern vielmehr rathfamer, fie auf dem angeſetzten 
Rechtsſtage vorzubringen umb ben Kaifer felbft über ihre Guͤl⸗ 
figßeit urtheilen zu laffen. Auch thue ihnen fehmerzlich leid, 
daß der Meifter Landen und Städten unter den nachdruͤcklich⸗ 
ken Strafen an Leib und Gut die Beiſteuer zur Koſtendeckung 
fr die Geſandtſchaft an den Kaiſer verboten. Warum follten 
folhe, deren eigene Sache ed ſey und denen es an Ehre und 
Supf gebe, nicht zu den Unkoſten mit beitragen? Sie ſeyen 
ja keine Pachtbauern oder Leibeigene, bie mit dem Ihrigen 
nicht thun Dinften, was fie wollten. Sie befchwerten fich 
jener, daß man fie in allen Zuſammenkuͤnſten an ib und 
Huldigung mahne, als hätten fie dieſe übertreten und verlekt. 
Der Meifter möge doch wohl erwägen, daß er ihnen fo viel 
ſchuldig ſey, als fie ihm, nämlich Gerechtigkeit, um die fie ihn 
biäher ſo oft gebeten und gefleht hätten. Statt beffen wuͤrden 
fie täglich von den Ordensrittern und Anwalten verunehrt, ges 
läftert und gefcholten; fie bäten daher, der Meifter möge fols 
her Beſchimpfung und Verleumbung Einhalt tun, damit fie 
nicht gezwungen feyen, ihr felbft zu ſteuern, woraus viel Uns 
vath antfichen werde. — Der Hochmeifter antwortete auf jeden 
dieſer Punkte; allein man kam fich natürlich auch, durch dieſe 
Verhandlung richt im mindeſten näher. 

Auf diefer Tagfahrt aber hatten ſich bie Bunderd ͤupter 
auch uͤber die Wahl der neuen Sendboten an den Kaiſerhof 
vereinigt. Seitdem wurden in Thom und andern Orten 


9) Beukändig Die Berbandiungen Zol. A. 162—163, Mir. B, 
über den Preufl. Bund p. 136, Schätz p. 174 - 175. 
2) Gel, A. 162, 


398 Tagfahrt zu Marlienwerder. (1453.) 


Verſammlungen auf Verſammlungen gehalten, beſenders zerm 
da Kläger gegen ben Orden zu verhöten und eine möglichfk 
große Zahl von Klagen und Beſchwerden einzuſammeln, bie 
man dem Kaiſer vorzulegen gedachte, wovon man abfidhtik 
manche zuvor dem Hochmeiſter Liberreichte, um auch deſſen 
Antworten damit zu verbinden. d Nicht minder thaͤtig war 
man auf Beiten des Drvens. Der Biſchof von Ermland Heß 
es ſich angelegen feyn, bie Volksſtimmung auf religtöfem Wege 
aufzuregen; er verordnete zur Mieberherftelung ber Ruhe tm 
Lande Meffen und feierliche Proceffionen und verhieß jedem 
Theilnehmer eine vierzigtägige Indulgenz.?? Der Meiſter ſeldſt 
Kid den hociberühmten Johann von Capiſtrans nach Preuffen 
en, um theils durch feine hinreißenden Predigten auf das 
Bolt zu wirken, theils fich in der Bundesſache feined Raches 
zu bedienen. Diefer entfchutbigte fich indeß mit feiner ſchwaͤch⸗ 
chen Geſundheit und den vom Papfte ihm in Böhmen aufge: 
tragenen Geſchaͤften.) Dagegen gelang es dem Orden, zwei 
fehr Eenntnißreiche und gewandte Rechtsgelehrte, den Doktor 
Peter Knorr Propft zu Wetzlar und den Doctor Gregor Heym⸗ 
burg aus Nürnberg durch namhafte Sahrgehalte daflı zu ges 
winnen, die Sache des Ordens als Rechtsanwalte am Kaifer 
dofe zu vertreten und zu verfächten. d Ein Gefchäftsträger des 
Didens erhielt den Auftrag, bei der hohen Rechtöfchule zu Bologna 
em juriftifche® Gutachten über ben Bund einzuholen und wirkte 
ſolches auch aus, obgleich man es dort nicht gerne gab.9 Die 





1) Schr. des Komtburs v. Thorn, d. Gonnt. Mifericord. 1453 
Schbl. XLV. 31. LXXVII. 149, 

2) Die Verordnung des Biſchofs, d. Braunsberg 16 Uprif 1453 
Gqhbi. LXHI. 124. 

3) Schr. des Johann von Capiſtrano an den HM. d. Breslau 
IV feria infra octavam Johanis bapt, 1453 Schbl, LXXVUT. 25. 

4) Schr. der Komthure Hartung v. Eglofftein zu Nürnberg und 
Martin v. Ende zu Virnsberg, d. Nürnberg Sonnt. vor Jubilate 1453 
ehr. DR. 305, 108, Peter Knorr erdieit ein Jahrgehalt von 1200 
Mhein. Sulden. 

5) Schr. des Seſchaͤftstroͤgers Paul Einwalt an d. HM. d. Bes 


Pens Umtriebe der Verbuͤndeten. (1453) OB 


Sitterfehaft der Gebiete von Cheifiburg, Neuenarrg, Dieſchau 
u. a. ernammte die Ritter Sander von Baiſen und Segenand 
von Wapels zu Ihren Bevollmuͤchtigten, um fie am Kaiferhofe 
wegen ihred Austrittes aud dem Bunde gegen bie etwanigen 
Beihulbigungen der Verbuͤndeten zu techifertigen.D Dex 
Hochmeiſter beauftragte zugleich) auch ben Deutſchmriſter, zur 
guten Bührmug ber Sache am Kaiſerhofe ſich perſoͤnlich um 
be Guuſt und ben Beiſtand mehrer Reichsfuͤrſten, des Erzbi⸗ 
ſchofs von Köln, des Pfalzgrafen vom Rhein, des Markgrafen 
von Baden, bed Erzbischofs von Mainz u. a. zu bewerben 
uub fie zu erfuchen, daß jebet von ihnen zwei feiner Räthe, 
nementicch einen Doctor des Rechtsb zur. Bertheivigung bes 
Rechte des Ordens an den Kailerhof ſende,“ denn bereits 
hatte ſich, offenbar durch bie Bundeshaͤupter aufgehetzt, auch 
eine merkliche Zahl von Klaͤgern aus Preuſſen in Privathaͤn⸗ 
deia gegen ben Orden an ben Kaiferhof gewandt, von wo 
aus der Hochmeiſter fir jeden einzelnen Fall vorgeladen warb, 
om am beſtimmten Rechtstage entweder in Perfon ober durch 
Bevollmaͤchtigte fi) zu verantworten. 3) 

Dabei liegen die Bundeshäupter Fein Mittel unverſucht, 
um im Wolfe den dem Orden fo trokig widerſttebenden Geiſt 
wach ımb rege zu erhalten und ihn immer mehr anzufeuern. 
Des Rath von Danzig erließ dad Verbot, daß Fein Bürger 


logna Mittw. nady Eorpor. Ehre. 1463 Schbl. I. 201, Das einge 
holte Gutachten koſtete 44 Ducaten. 

N Erklärung der Ritterfehaft im Ehriftburgifchen, d. Preufſ. Mark 
Eonnt. vor Georgii 1453 Schbl. XIV, 11. LXXVM. 41. 26, Schr. 
des Vogts v. Dirſchau, d. Sobowitz Freit. nach Georgii 1453 Schbl. 
LXXVII. 77. Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Freit. nad Varti 
1453 ebend. 64. 

2) Schr. des AM, an den Deutſchmeiſter d. Mar, am T. Georgli 
1453 Schbi. DM. 106. 

3) Beiſplele dieſer Vorladungen in einzelnen Klagſachen Anden 
ſich in Menge, Am 12 Mär allein fertigte der Kaiſer ſolcher Vorla⸗ 
Wangen an den HM. mehr als 15 aus; Schbl. VI. 1. 8 10 — 1f, 
18, 19, 31. 2% 23 


300 Mine Umtriebe der Werblicbetm. (1453.) 


ober Handwerker mit feiner Kaufwaare ben Markt von Ma⸗ 
rienburg befuchen folle, weil ber Hochmeifter, wie man vorgeb; 
den Danzigern alle Sicherheit in Dlarienburg verweigert babe, 
was nur bazu dienen follte, das Volk in Danzig noch mehr 
gegen ben Meiſter zu erbittern. Es wurde ferner trotz be 
Hocmeifters feſter Zuficherung das Gericht von auswärtigen 
Zruppenmwerbungen und von einem beabfichtigten feindlichen 
Ueberfalle der Bunbeöftäbte immer wieder im Umlauf gebracht 
und meift mit fo beflinmten Einzelnheiten, Daß es immer 
mehr Glauben fand als des Meiſters Widerſpruch.) Es 
wurden Briefe bed Kaiſers an ben Hochmeiſter und bie Bun⸗ 
deshaͤupter erdichtet, mit der ausdruͤcklichen Weifung ; daß kein 
Praͤlat, Hochmeiſter oder Gebietiger der Einnahme des Schoſſes 
irgend. ein Hinderniß in ben Weg legen folle, und es glüdte, 
wehre kleine Städte zur Entrichtung ber Abgabe zu bewegen. 
An den Unterhandlungen mit bem Könige von Polen und den 
Herzogen von Maſovien fuchten die Bundesoberſten ihre Bun 
dedeinigung mit allerlei Scheingründben auf jebe Weiſe zu recht 
fertigen, unter andern ald Hauptgrund zur Stiftung des Bun 
des vorgebend, daß ber Hochmeifter beim Tode der Aeltern bie 
Töchter auf den Gütern ohne weiteres wegnehme, fie nad 
Willkuͤhr verheirathe und ben Beſitz einziehe, um Diener und 
Freunde damit zu ‚belohnen. Selbft bis in die Hanfeftäbte 
gingen Verleumdungen und Befchuldigungen, um ben ‚Orden 
allenthalben zu verunglimpfen und ins uͤbelſte Licht zu-flellen, 
weshalb der Biſchof von Ermland und ber Orbenöfpittler an 
rietben,, an bie Hauptfläbte ber Hanfe Lübed und Bremen 

1) Schr. des Hauskomthurs v. Danzig, d. Dienſt. nad Miferis 
cord. 1453 Schbl. LX. 67. 

2) Schr, des Vogts v. Roggenhaufen, ® Mittw. vor palmet. 
1453 Sqhbi. XXIII. 33. 

3) Schr. des Hauskomthurs v. Elbing, d. am T. gebanai⸗ ante 
portam 1453 Gdbl. LXXVILE 16. Gebr. des Haustonithurs v. Hol⸗ 
land, d. Sonnab. nah Himmelf. 1453 Schbl. Lill. 79. 

4) Schr. des Pflegers v. Reidenburg, d. Sonnab. Ken Erfed. 
1453 Schol. LAXYVIIN. 53, 


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Neue Umtriebe ‚ver Berbündeten. (1453) 401 


bie Bundesurkunde felbfl zu fenben, damit man dort eine 
richtige Vorſtellung von ber Sache gewinnen Törme, ® 

Es warb daher auch um fo nothwenbiger, jeden Schutt 
der Berbimbeten forgfam zu beobachten. In bed Meiflers 
Auftrag legte der Mimzmeiſter zu Thom auf alle Straßen 
nach Breslau und Krakau insgeheim Kundfchafter aus, um 
inöbefondere auch zu erfahren, was Hand von Ballen im 
‚, denn. man. traute ihm ſchon laͤngſt nicht mehr. 
Gabriel hatte, um fi) Geldmittel zu verfehaffen, 
verkauft und ließ jet auch fein goldenes und 
äthe im der Münze zu Thorn verfegen ober an 
nden.?? Auch auf die. fortdauernden Gefandts 
Bundeöhdupter nach. Polen und Maſovien mußte 
tet werben, unb da man erfuhr, daß der König 
größten Theile feined Reichsadels einen Verſamm⸗ 
Iungösag halten, die Verbimbeten aber ebenfalls Machtboten 
dahin fenben wollten,” fo fertigte auch ber. Meifter einen ges 
heimen Kundſchafter aus, der ihm berichtete: ber König und 
ie Maͤchtigſten vom Adel haͤtten erklaͤrt, daß ſie auch fortan 

ewigen Frieden unwerbruͤchlich halten wollten. Sichetlich 
aber hatten nur die zwiſchen Litthauen und Polen gerade ob⸗ 


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1) Schr. des Biſchofs v. Ermiand und des Komthurs v. Elbing, 
d. Dramburg Dienft. Rogat. vor Himmelf. 1453 Schbl. LXVI. 19. 

2) Schr. des Münzmieifters zu Thorn, d. Mont. vor Himmelf. 
1453 Schbl. LII. 35. Schr. ded Komthurs v. Thorn, d Dienfl. vor 
Invocavit 1453 Schbl. Adelsgefh. B. 38. Gabriel verfaufte feine Guͤ⸗ 
ter em HM. für 1850 Mark; das Berkaufsinftrument Schbl. 93. 12. 

3) Schr, des Komthurs v. Thorn, d. Mont, zu Pfingſt. 1453 
Ghbl. XIX. 41. Schisz p. 176. 

4) Raͤhere Rachrichten über die Verbättniffe zwiſchen Polen and 
Litthauen in e. Schr, eines gewiſſen N. S. an den HM. d. Thorn 
Dennett. vor Pfingſt. 1453 u. Schr. des Komthurs v. Thorn, d. wie 
vr. Schbi. XXVI. 50. 51. Der König war bei einem. Beltätummit 


302 Geſanbtſchaften an ben Kalſerhof. (1453.) 


gab Ludwig fein Vertrauen auf ben König noch nicht gem 
auf, denn auch der Biſchof von Ermland riet: er möge ſich 
ja noch an ibn und an bie Litthauiſchen Herren halten, um 
im Nothfall ihre Beihilfe anzufprechen, „immer ſeyen Freund 
haften an der Thüre die beſten.“ Was follte dagegen ber 
Meifter davon halten, wenn ihm ber Rath von Thom fen 
Bebauem darüber dußerte, daß er beim Orden fo fehr in Um 
grade ſtehe und nichts mehr als feine Gunſt und Geneigtheit 
wimfche, oder wenn bie Thorner ben dortigen Komthur und 
Hauskomthur gnädige und guͤtige Herren nannten oder auch 
wenn jest ber Bürgermeifter von Danzig dem Komthur er⸗ 
Härte: man wuͤnſche nichts mehr, als daß die Bundesſache in 
Guͤte beigelegt und wo’ möglich wieder ind Land zuruͤckgebracht 
werde, wo man fie am beften durch fchiebörichterliche Erkennt⸗ 
niffe befeitigen koͤnne? ) 

Mittlerweile waren bie zum kaiſerl. Rechtötage erkorenen 
Orbensbevollmaͤchtigten, ber Biſchof Franciſcus von Ermland, 
ber Oberſtſpittler Henrich Neuß von Plauen, der Bogt von 
Leipe Seorg von Eglofftein, ber Emmlänbifche Domherr und 
bochmeifterliche Rath Laurentius Blumenau fchon zu Ende bei 
Mai in Wien gluͤcklich angelangt, mit Vollmachten und zahl 
reichen andern Schriften über den ganzen Werlauf bes Bun⸗ 
desſtreites hinreichend verfehen, um fich am Kaiferhofe mit bem 
Landkomthur von Deftrreich, dem Komthur von Wien und ben 
bereits erwähnten MRechtögelehrten zumor noch zu berathen. °) 


M Litthauen ſchwer verwundet worden; man wollte dort einen neuen 
Großfürften an die Herrſchaft bringen. Schr. det HM; an d. Biſchof 
v. Ermland, d. Stargard Dienft. nah Viti u. Modell 1453 Suhl. 
LXXVIII. 58. 

Bär. des Biſchofs v. Cruland, d. Sch Ping. 1453 Sqᷣbl. 
LxxViur 93, 

3 Schr. des Münzmeifters zu Sorn, B Yapan am Wbend bed 
Alumelf, Tag 1453 Schbl. Adelsgeſch. B. 43. Schr. des Komthurs v. 
Danzig, d. Dienſt. zu: Pfingſt. 1453 Schbl. LXXIX. 54, 

3) Bolmacht für die Ordendoefandten vom 23 April in Preuff 
Gaumi, B. IE G. 9, ... 


t 


Geſandtſchaften an den Kaiſechof. (14535) 308 


Die Bevollmaͤchtigten ded Bundes dagegen, Gabriel von Bai⸗ 
fen, Ramfchel von Kriren, Hans von Zhauer, Zhielemann von 
Wege, Hand Mazkow, der Bürgermeifter von Kulm und ber 
von Danzig Wilhelm Jordan zogen um biefe Zeit erſt aus 
Preufjen aus,!) denn lange hatte die Aufbringung ber nöthes 
gen anfehnlichen Geldmittel (wobei felbft der Muͤnzmeiſter zu 
Thorn fo viel ald möglich binberlich war) ihre Abreife ver 
get. Wie aber laͤngſt Thielemann von Wege, ber in 
Bien geblieben war, dert fich alle Mühe gegeben, durch allers 
ld unnüßed Reben, Schelten und. Schänden über den Orden 
de Meinung und das Urtheil der Hofbeamten zu befangen 
mb zu beftechen,? fo verbreiteten bie Werbiindeten auch in 
Prenſſen allerlei Gerüchte und Nachreden, um den Muth bes 
Belle immer nes anzufrifchen und bed Ordens Sache zu vers 
dachtigen. Da hieß es bald: der Biſchof von Ermland fen 
auf der Reife erichlagen worden und der Ordensſpittler kaum 
noch gerettet; andere wollten wiſſen, diefe beiden hätten ſich 
anf dem Wege geprügelt, jener fen gefangen genommen, dieſer 
an feinen Wunden geftorben, unb wie die Gerüchte weiter 
Iauteten , fo daß ber Hochmeifter dabei einft ausrief: „der 
müßte viel Mehl haben, der aller Leute Mund fiopfen wollte!” © 


1) Driginol des Vollmachtsbriefes, d. Altſtadt Thorn d, 26 Mai 
1453 im Rathsarchiv zu Tharn List, A. 32; Preufſ. Samml. 8. IE. 
717 — 718, die ebendaf. S. 527 befindliche Volmacht von fpäterem 
Datum ift nur eine Erneuerung der frühern. Schäsz p. 176. Runan 
Histeria des groß. Dreischnjähre. Krieges, Borrede p. 19, 

2) Schr. des Münzmeifters v. Thorn, d. am Abend Trinitet. 
1853 Schbl. LXXVIII. 58. 

3) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Wien Dienſt. nad hell, 
Leichnam 1853 Schbl. LIXVIH, 9; er nennt den Thlelemann „einen 
ger böfen Leichnam,” auf den man ganz befonders Acht heben mie. 

4) Schr. an ten HM. d. Königsb. am heil. Leichnamst. 1453 
Gqhᷣl. LXXVAII. 74, Schr. des Komthum ©. Thorn, d. Gonnab, 
vor Barnabaͤ 1453 Schbl. Adalsgeſch. B. 44. Schr. des HR. an den 
Biſchof v. Ermiand, d, Mar. Dienfl. nah Barnabaͤ 1453 Schbl. 
LXXVMII. 89. Ueber den Biſchof verbreiteten ich Die meiſten Ges 
rühte, ©. Voigt Geſch. der Eidechſ. Geſellſch. S. 126 127. 


804 Geſandtſchaften an den Kaiſechof. (1453:) 


Wohl aber beſtaͤtigte ſich bald bie Nachticht vom einem ſchwe 
ren Unfalle der Bundesgeſandten, die auf ihrer Reiſe durch 
Maͤhren vier Meilen von Bruͤnn von einem Maͤhriſchen Edel⸗ 
manne, dem Herrn von Miltitz überfallen, zum Theil ſchwer 
verwundet, ihrer meiſten Papiere und Gelder beraubt und ge 
fangen genommen worden waren. Mehre ihrer Diener hatten 
bei: der Gegenwehr ihr Leben geopfert.) Nur Gabriel von 
Baifen hatte fich wader burchgefchlagen.und war, obgleich 
verwundet, durch Huͤlfe feines fchnellen Roffes aus ber Nie 
derlage entlommen und in Wien angelangt. ? Hand ven 
Thauer, die Bürgermeifter von Kulm und Danzig und zwei 
andere Begleiter wurden gefangen auf das Schloß Miltit 
gebracht. Die That machte gewaltige Auffehen, zumal de 
Gabriel von Baifen nicht nır am Kaiferhofe behauptete: bab 
Bubenſtuͤck fey auf des Ordens Anfliften gefchehen, damit bie 


1) Aoneae Sylt Epist. 162 bezeugt dieß ebenfalls, nennt abe 
auch Wären terrem latronibus inhabitatam, whä tanto quisqwe nabl- 
lior daciktur, quanto spolia maiora oommisit. 

2) Die Berichte hierüber weichen in einzelnen Angaben von einst: 
der. ab. Hans Krauß von Eſchenbach meldet dem HM. in einem 
Schr. d. Brünn Mont. nach Veitstag 1453 Schbl. Adelsgeſch. C. 35: 
der Ueberfall ſey am S. Veitstage geſchehen; alles fen den Sefandten 
genommen und fie ſelbſt gefangen aufs Schloß Milrig gebracht. Scr- 
des Hans Winter an den HM. d. am T. Petri und Pauli 1453 
Schbi. LXXVII. 91: die Sefandten Hätten fi) beine Ueberfal fehe 
gewehrt, drei Herren aus Mähren hätten ihn ausgeführt. Schr. des 
Komthurs von Nürnberg Hartung v. Eglofftein, d. Nürnberg Des 
nerſt. nach Divffion. Apoft. 1453 Schbl. 108. 28: den Gefandten fol 
ten 18,000 Gulden, viele Kieinodien, Zobel, Privilegien u. a. geraubt 
und 24 bie 26 dabet erſchlagen worden ſeyn. Nad einem Schr. des 
Biſchofs v. Pomsfanien, d. Stangenwalde Freit. vor Magdalenaͤ 1453 
ſollte Gabriel v. Baiſen einen Schuß in die Seite bekommen haben; 
- Schitz p. 177 ſpricht ebenfalls von einer ſchweren Verwundunz; det 
Komthur v. Elbing in einem Schr. an dm HM. d. Graͤt Mistw. ver 
Margar. 1453 Schbl. LXXVIN. 161 fagt dagegen: er koͤnne an Ga⸗ 
briel nicht merken, daß er verwundert oder krank fm. 

3) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Grip am T. Margar. 
1453 Schbl. LXXVIII. 130. 


Sefanbtichafeen an: den Kaiſerchef. (4453) 906 


Oehenbten micht a —efiinunten Nochtotage hätten kommen 
Huneu, fonbern auch ſoſort nach Preufien meldete: der Vogt 
von Leipe folle ſelbſt amı ker Bade Theil genommen habenz 
man moͤge in Eile aus Meuffen einen Reitertrupp ſenden, um 
Die Gefangenen zu befrelen.) Ob dieſe Veſchuldigungen ger 
geinivet waren, laßt fich ſchwer entſcheiden; aber gewiß ft, 
daß: ber Komthur von Thom kurz vor ber Geſendten Abreife 
uns *3 dem Hochmeiſter wirklich den; Man am: die Hand 
gegeben hatte: er möge, wenn ed mit ugrigeßchehen koͤnne, 
„ven Blfewihten H. nachſtellen und fie niebatkagen-Laffen.2) - 
Das Ereigniß aber hatte manche wichtige Folgen. Vor 
allem gewannen bie Ordensgeſandten buch die berfpäiete Ans 
kunſt ihrer Gegner binlänglih, Zeit, am Kaiferhofe für ihr Ins 
tereſſe wirkſam zu ſeyn. Sie wußten es ferner am Mönt. 
Dofe dahin zu bringen, daß ber Papſt ofien erklärte: er habe, 
bed Ordens Sache noch keineswegs aus der Hand gegeben, 
fonbern nur auf ſechs Monde verſchoben, sum zu. ſeher, wie ſich 
der Kaiſer dabei benehme; biefem aber Haste Der. Papfb tie 
Freiheiten und Privilegien des Ordens aufs bringenbfle: ns 
siohlen. Es gelang ihnen uͤberdieß, bei Nicolaus: auch ein 
Ermahrsmgöfchreiben an bie Könige von Polen, Ungern, Dis 
nemark und Schweden und an bie Herzoge von Mafonien und 
Burgund auszuwirken, worin. ed biefen aufs nachdruͤcklichſte 
ans Herz gelegt wurde, bie in Preuffen durch den. gottlofen 
Bund fo ſchwer angefochtene Freiheit der Kirche mit Eifer zu 
Khügen und zu vertheibigen, berin man wußte bereits auch in 
Kom recht gut, daß ben Verbündeten von Polen aus viel 
Vorſchub geleiftet werde, ?. Am Kaiferhofe ſelbſt gewannen 
die Ordensgeſandten bald die. beflen Hoffnungen. Mit befoss 
bee Huld nahm ſich ihrer der junge König Ladislav von Um- 


3) Sr. des Bildefs 9. Pomefanien, d. Stangenwalde deelt. 
yon Magdal. 1453 GSchol. XLV. 23. Shäzl. u : 

2) 8. die Stelle aus dem Schr. des Kowthors ©. Shern in 
Boigt Gef der Eidechſ. Seſellſch. ©. 126. 

3) Gr. des Procuratons; d. Rom 12 Juni 1963 Sch EXXVU. 
6.9 LIX 9%. 

VIII. 20 





300 Seanbtiheftn an den Kalfechef. (1453.). 


gem und vorzuͤglich beffen bödhfheinflifecidher Bassptaann: Se 
hann Giskra von Brandeis an.” : ber auch ber Kaiſer, ben 

fie zu Graͤtz trafen, bewies fich ihnen ſchr günflig. In Ber 
ziehung auf feine angebliche Beſtaͤtigung des Bundes erklärte 
ex fogleich im erſten Gefpräche: es fey nie etwas beugleichen 
. von ihm ausgegangen und er wife von nichts der AN 
Und dieſe Erklaͤrung nebft der Angabe, daß er durch fdm 
Kanzler und Schreiber auch alle Bücher und &egifter deöhaih 
vergeblich habe durchfuchen laſſen und daß auf fein Anſordem 
Gabriel vor Baiſen und Ramfchel von Kriven jet ebenfallk 
geſtanden hätten, fie wuͤßten nichts von einem folchen Meitdi 
gungäbriefe, ließ Friederich alsbald Öffentlich bekannt machen; 
mit der ernſtlichen Warnung an die Bundesverwandten in 
Preuffen, daß fie fich ferner nicht mehr unterſtehen follten, Ri 
einer folchen kaiſerl. Befldtigung zu ruͤhmen.“ Man faßte 
zun wieder volles Vertrauen zum Kaiſer und bie Ordensge⸗ 
fandten berichteten dem Meifter: es gehe alles auf beſtem Weges 
ww möge baher auch in den Werhanblungen mit den Verbim⸗ 
beten ſich nicht zu milb und nachgiebig zeigen, wohl: aber die 
Burgen und Häufer gut verwahren, denn je geneigter der 
Papft, je günfliger der Kaifer fi) dem Drben beweife und je 


1) ueber Joham SGiskra v. Brandeis vgl. Enger Bed. di 
Unger. Reiches 3. M. Abth. 1. 

2) Schr des Komthurs v. Elbing, d. Graͤß Dienſt. vor Johanni 
1453 Schhl. LIXVIN. 67. 144. Schr. des Difchefs v. Ermland % 
des Kowthurs v. Elbing, d. Gräh Donnerſt. vor Nativit. Johannis 
1453 Schbl. LXxXVIII. 92. 

3) Notarlatsinftrument über die Verhandlung nit dem Kaiſer v. 
28 Juni 1453 Schbl. KIV. 13 — 15, LXXVNT. 46, Sol, A. 164, 
Schiitz p. 177— 180. Bericht über die Berhandlungen der Ordent 
Hefandten am Kaiſerhofe um Johanni Schbl, LAXX. 47. 

4) Das MWarnungsſchreiben des Kaiſers, d. Gräg Mitto. vor 
Maria Magdal. 1453 Schbl. XIV. 16, LXXVM. 3. Dabei ein 
Beugni von vielen Edeleuten, Rittern und fuͤrſtlichen SRäthen, d. 
GSraͤt Zreit. nach Jacobi 1463 Schl. XIV. 17. LXXVM. 50; eb 
gtnals Topie im Rathſarchiv zu Zhorn Bauia.: EL 1, tn nn * 
piebuch p. 177. 


u 


Gefonttfcaften an den Raifechsfl 5) 307 


ſſcherer man dem emoimfchten Ziele am Kaiſerh entzegen⸗ 


ſehe, wm fo mehr winden auch Racheichten nach Preuſſen 


Isaunen, die ben Bund zu ernfllichen Schritten treiben koͤnnten. 9 
Bier aber hatte die Nachricht von dem räuberifchen Ueber⸗ 
ale der Bundesgeſandten unter den Verbimdeten alles mit 
Exitterung erfüllt, weil man die That allgemein der heimli⸗ 
den Beranftaltung des Meiſters zufchrieb. Man hielt Tags 
feheten zu Kulmſee, Staubenz und andern Orten, theild um 
über die Art und Mittel zu berathen, bie zur Befreiung ber 
gfangenen Sendboten zu ergreifen ſeyen, theils auch um bie 
Berichte zu vernehmen, welche Jacob von Swenten über feine 
ſorwauernden Unterhandlungen mit den Polntichen Großen abs 
Stetten hatte. Diefe immer häufiger hin und ber ziehen: 
den Sefandtfchaften der Werbimbeten nach Polen, zumal’ in 
ver Zeit, als der König mit ben zahlreich verfammelten Reiches 
großen zu Petrikau eine neue Tagsberathung hielt, machten den 
Hechmeiſter jet am melften beforgt.? Zwar ließ ihm jener 
von derther bie Verſicherung bringen: er bebauere die zwiſchen 
den Hochmeifter und deſſen Unterthanen obwaltende Uneinigs 
feit und verfpreche, ſich ber letztern, die vielfach bei ihm Rath 
and Hülfe gefucht, ſtets nur ald Vermittler annehmen zu wols 
im, weöhalb er auch rathe, ber Meifter möge zur «Herftellung 
bed Friedens auf Aufrechthaltung ber Freiheiten, Privilegien 
und — der Stände mit allem Ernſte bedacht ſeyn. 
Akten felbft in diefer Mittheilung und in der Art ihrer Abfaſ⸗ 

fung fand Ludwig Gründe genug zum Mißtrauen gegen den 





1) Sir. des Biſchofs v. Ermland, d, Sraͤtz Mittw. ver ann 
1453 Schbl, LXXVIII. 108. 


2) Chr. des Vogts v Roggenhauſen, d. am T. Commemorat. 
Paull 1453 Schhl. LXXVIN. 158, 


3) Gebr. des Komthurs v. Oſterode, d. Aöhenfleie Gonnt. —* 
Vhe. Bloriä. 2453 und Schw. eines gewiſſen N. S. an d. HM, d. 
Shern Mistn. vor Joan 33 cau LEKVIN: 148. 160. Diugon, 
2. I. p 112, 


20 * 


308 Deohende —— im Laube. (1453.) 


Rönig, vor dem er auch laͤngſt gewarnt war.” Säme babır 
bie angebotene Bermittiung anzunehmen, ließ er ihm durch ben 
Ordendtreßler eine zweckmaͤßige Darflellung bed ganzen Sees 
te8 Überbringen und dabei Fund thun, baf der Bund bereits 
vom Kaifer und Papft für firdflich ımd geſetzwidrig erklaͤrt ſey 
mit dem Erfuchen, ben Verbündeten von feinem Reiche amd 
feine Huͤlfe und Vorſchub gewaͤhren zur laffen.”? Ueberdich 
machten die Bundesoberſten jetzt neue Verſuche, we wͤglich 
noch die zahlreichſten Orbenskonvente mit in ihr Intereſſe za 
ziehen. Zu Thorn legten die Eidechfen » Ritter Auguſtin von 
der Schewe und Stibor von Baiſen den dortigen Konvents⸗ 
bruͤdern gewiſſe Artikel vor, bie offenbar eine Annaͤherung be 
wirken ſollten; gleiches geſchah zu Danzig und Koͤnigsberg; 
allein man wies uͤberall die Anträge ohue weiteres yurhd. 
Bald indeg drohten von Seiten ber Verbuͤndeten ches 
Eriegerifche Gefahren. Die Befreiung der. gefangenen Geſand⸗ 
ten und die von neuem verbreiteten Gerichte, daß ber Drbm 
im Auslonde Söldner geworben und zu Gewaltmaaßregelin 


1) Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. in Pyotrkow feria 
II in crastino visitat. Marias 1453 Schbl. LXXVIIL 118. Er fagt 
yulegt: ad quorum (privilegioram etc.) eciam ampliorem conservatie 
nem Militares, (Cives et populus prafati vigore inseriptionum pacs 
petpetuo defensionis nostre tutelam precantur et roquirunt, quotsı 
' eisi. iusta Äegiäiimague sit precatio, wullatenus tamen vollemus 
inter vos ordinemque vostrum prefatosque militares, Burgenses ot P% 
pulum aliam interpositionem facere, nisi veri et pacifici mediatores 
Bol. Schütz p. 176. Diugoss. T. II. 113, 

29 Yufträge für den Treßler an den König v. Polen, d. Sonnab. 
nah Mari Himmelf. 1453 Schbl. LXXVIIL 114, 

8) Schr. des Marks v. Eibing an den Math v. Thorn, d. Mont. 
nah Maria Magdal. 1453 mit den cr. dee Werbänderen an die 
Konvente zu Balga, Brandenburg und Königsberg und deren, nt 
worten im Rarhsarhiv zu Thorn Cist. IIL 22, Thorner Copiebuch 
p. 186. 

.4) Ede. bes Komthurs v. Thorn, d. am Abend Marger.: :1483. 
Schr. des Hauslomthurs v. Danzig, d. am Abend Big. Wasid 4443 
Echbl. LXXVIII. 39. 183. Chr. des Ord. Marfhaäe, d. Kisigek 
am Abend Margar. 1453 Schbl. LVII. 31. 





Drohende Bewegungen un Sande. (1453.) 808 


ſchreiten wolle,” hatten binlänglich Vorwand gegeben, bie 
Auschflung von funfzehnhundert Meifigen zu beſchleunigen, zu 


dern Hauptleuten der Gibechfen » Ritter Nicolaus von — | 


wis und Karl von Firbung ernannt. wurden.) Es warb 
überdieß bekannt, es werbe naͤchſtens eine Zagfahrt der Bun⸗ 
beöoerwanbten zu Graudenz Statt finden, zu welcher jeder⸗ 
mann von Landen und Städten in voller Ruͤſtung und bes 
waffnet erfcheinen folle.? Da die Bundeshaͤupter Nachricht 
hatten, daß ber Ritter Georg von Schlieben aus Sachfen ald 
Soſdnerhauptmann an der Spike eined Soͤldnerhaufens bereits 
bei Komik lag, mit dem Auftrage, feine Schaar durch neue 
Berbungen in Deutichland möglichft noch zu verflärken, ® 
fo hatten auch fie einen Haufen von Schligen herbeigeyogen 
und ind benachbarte Dobrmerland gelegt, um ihn im Nothfall 
am bie Zeit der Zagfahrt zu Graudenz zu ihrem Schuge ber: 
beiurufen. Stibor von Ballen, den man deshalb zur Rebe 
fegte, Idugnete zwar jede feindliche Abficht gegen den Orden; 
allein feine Worte waren zweideufig und da dem Hochmeis 
fer fogar die Nachricht zukam: es folle auf nächfler Tagfahrt 
beſchloſſen werben, dem Orden zuerft die Hulbigung aufzukuͤn⸗ 
digen , dann fich ber Burg zu Graudenz und darauf aud) 
mehrer anderer Orbenshäufer zu bemächtigen,) fo wandte er 


4) Schr. des Ord. Warſchaus, d. Königsb. am Abend Sack . 


153 Scbl, LVII. 30. 

2) Schr. des Biſchofs v. Pomefanien, d. Stangenwalde Freit. 
vor Margar. 1453. 

3) Schr. des Komthurs v. Graudenz, d. am T. Mariä Magdal. 
1453 Schbi. LXXVIII. 113. gol. A. 164. 

4) Schr. Georgs v. Schlieben an den HM, d. Konih Mont. 
neh Jocobi 1453 Schbl. XLVIII. 2. Nachrichten v. einigen Haͤuſern 
des Seſchlechts v. en ©. 377. Nah Kotzebue B. IV. 307 
Yetten am Zehanni Bach ſchon die Herzoge Balthafar und Rudolf von 
Shlefien dem Orden Kriegsdülfe zugefagt. 

5) Schr. des Komthurs v. Graudenz, d. am T. Dominid 1453 
Odbl. LXXVIH. 43, ©. 

6) Schr. des Komithurs v. Braudea;, d. am Abend Petri 1458 
Od. LAXVIL 38. 


\ 


810 Drohende Bewegungen im Bande. (1433.) 


ſich mit einem offenen Schreiben an Danzig und die uͤbrigen 
Bundesſtaͤdte, ihnen mit ernſtem Nachdruck erklaͤrend: er ver⸗ 
nehme nicht ohne hoͤchſtes Befremden, daß Lande und Stäbte 
auf naͤchſter Tagfahrt zu Graudenz in Waffenruͤſtung erſchel⸗ 
nen wollten, was bisher nie geſchehen ſey. Deshalb und auch 
um anderer wunderlichen Nachrichten willen muͤſſe auch er 
darauf denken, die Ordensburgen zu bemannen und in guter 
Hut zu halten, womit er keineswegs Arges, ſondern ded Drs 
dens ımb Landes Heil und Beſtes bezwecke, wie man dieß 
ben Bingern in feinem Namen verfihern möge.” In der 
That beeilte man ſich fofort, die wichtigften ber Landesburgen, 
Thorn, Rheden, Elbing, Königsberg, Danzig u. a. mit ſtaͤrke⸗ 
ser Mannſchaft und den nöthigen Vertheidigungsmitteln mögs 
lichſt zu verforgen.? or allem war im Kulmerlande eine 
ſtaͤrkere Bemannung und beffere Bewehrung ber Orbenöhduier 
hoͤchſt nothwendig, denn dort drohte die Gefahr am meillen 
und boch waren bie dortigen Burgen am wenigften gut vers 
forgt. Thom z. B., dem faft alle feine Einkünfte ſchon ent⸗ 
zogen waren, hatte nur noch zwoͤlf Ordensbruͤder, auf die ſich 
ber Komthur verlaffen konnte; die übrige Beſatzung befland 
aus umzuverläffigen Dienern, die zum Theil unter ben Ber 
biindeten ihre Freunde und Verwandten hatten; unb bei biefe 
ſchwachen Befagung war überdieß bad Haus von Lebensmit⸗ 
teln und Harniſch faſt ganz entblößt und der Komthur nicht 
einmal im Stande zur Erndtezeit feine Arbeitsleute gehörig 
auszulohnen. Das Haus Papau hatte Feine einzige brauch⸗ 
bare Armbruft®? und der Komthur von Rheden erklärte: er 


1) Sqhr. des HM. an Danıig, d. reif Mart am T. Denis 
‚niet 1453 bei Schüsz p. 182, 

2) Sar. des Komihurd v. Mheden, d. Dienſt. vor Minute Petzl 
1453. Schr. des Vogts v. Roggenhaufen, d. nach Dowinid 
1453. Schr. des Orb. Marſchaus, d. Könige. am T. Siri 
1453, Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T; Cirlaci 1453 Bdt. 
des Pfleger v. Papau, d. Sonnab. vor Weihnacht. 1453 Sdbl. 
LXXVII. 118, 123, 136. 142. 156 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d, am S. Eistad 168 6 


-Deopende Veregungen · in Lande „.(1454) 811 


Tonne .fich - bei ſeiner ſchwachen Beſatzung - auf keinen ſeiner 
Dienz mehr verlaffen; um nicht von ihnen. noch mehr als 
von den Feinden felbft zu befürchten, muͤſſe er fie alle ſchwͤ⸗ 
wu laſſen ab wer bieß nicht wolle, aus ber Burg verweifen. ) 

Mit jedem Tage nun drohte der Sturm gefahrvoller, 
waben die Leidenfchaften ungegügelter, bie. Verhetzungen gehäfs 
for, die Verunglimpfungen immer bittever, fo daß der Meiſter 
gebieten mußte, wer fortan den Orden ber Theilnahme an ber 
Riederlage der Bundeögefandten, boͤswilliger Plane bei Ans 
wehung fremder Soldiruppen u. bgl. befchuldige, falle verhaf⸗ 
tet md ihm eingeliefert werden. Noch ‚wilder wurben- bie 
Bewesungen, als auf feinen Befehl die Komthure die erwaͤhn⸗ 
ten Zeugniſſe und Dokumente über bie falfchen Angaben und 
bie Abläugnung der Bundesgeſandten in Betreff bed angebs 
Gen daiſerl. Beſtaͤtigungsbriefes in allen Gebieten und Staͤd⸗ 
tea bekannt machten. Die Bundeöhdupter und Kidechfen s 
Gitter boten: jest alle Mittel auf, ihrer Behauptung Glauben 
a veiſchaffen, erflärend: ber Kaifer Fünne Feine Unwahrheit 
fagen, alles feyen nur „trodene Zeidingen,” die Bundesge⸗ 
fanbten könnten fo etwas unmöglich geldugnet haksn.? Am 
meißten traf bie Erbitterung und der Haß der Nambeähdupter 
den Biſchof von Ermland und ben Oberſtſpittler, fo daß einige 
Pat den Plan gefaßt haben follten, won bei iher Ruͤckkehr 


LXVII. 142. Der Komthur giebt ſchon um dieſe Belt alle Hoff⸗ 
mung auf, Das Haus Thom in dieſem Zuſtande gegen die Stadt vers 
tzeidigen zu koͤnnen. 

1) Schr. des Komthurs v. Rheden, d. am T. Transſigutat. Do⸗ 
mial 1453 Schbl. LXXVIII. 156. Er. dub Ordeneritters Hdnrid 
v. Pfolfpent an d. HM. d. Rheden Samſtag nad: Laurent. 1453 
Bapl. LXXVILII. 97; er giebt vom ber —— des Hasſes Rhe⸗ 
den die troſtioſeſte Schilderung. 

2) Schr. des Hauskomthurs v. Elbing, y Dit: vor Vincula 
Petri 1453 Schbt. XXI. 39, 


3) Edır. des Komthurs v. Pe d. Denß. vor Vincula Petzl 
153 Sch, LXXVIH. 118, . 


312 Tagfahrt! der Werbäubeten’ in Gräuben. (1453.) 


Mm Groß⸗MPolen auflatiern , fie dort überfallen und ermorben 
zu laffen, um fich zugleich aller ihrer Schriften zu bemädhtigen. 
So nahte ver Tag zu Graudenz. Daß dort wichtige 
Plane und Beſchluͤffe gefaßt und irgend etwas Entſcheidendes 
ind Werk gefelt werben folle, ſchloß man fihon aus bem firms 
gen Gebote: · jeded Bundesglied folle bei Vermeidung nachdruͤck⸗ 
fichfter Strafen entweder ſelbſt oder durch Bevollmaͤchtigte al⸗ 
da ericheinen.D Es ging das Geruͤcht, die Bundesverwandten 
winden von dort aus dem Orden bie Hulbigung aufſagen, die 
aus dem Bunde ausgetretenen Ritter und Städte mit Macht 
Aberfallen und. damit aus Haß gegen ben Biſchof von Em: 
fand im Gebiete von Heildberg den Anfang machen.” Ber 
Meifter erlich daher an dad Domkapitel bie Warnung, bie 
Burgen in Ermland, befonberd Altenflein in guter Obhut zu 
halten. ‚Die Bewehrung ber Ordensburgen warb ohne Raſt 
Zag und Nacht fürtgefeht. Zur Bemannung Königäbergs 
und der naͤchſten Häufer berief der Orbensmarfchall bewaffnete 
Hilfe aus Livland.“) Selbſt das Heiligthum S. Barbara’ 
hielt man auf Ahaus nicht mehr fire ficher und rieth bem 
Meter, ed nach Marlenburg ober in bie feftere Burg zu 
Graudenz bringen zu laſſen. ® 
1) Schr. des Pfleger v. Neidenburg, d. Mont. nah Dominic 
1453 Schbl. LXXVIII. 92. Die Nachricht von dem erwähnten Plane 
batte der Landrichter des Ofterodifchen Gebietes dem Bannerfuͤhrer Ant 
par Matern und diefer dem Pfleger nıitgetheilt, 

2) Schr. des Vogts v. Moggenhaufen, d. Mont. vor Stephani 
1453 Schbl, XXI. 36. Es war geboten, auf der Tagfahrt zu ers 
fheinen ‚bey leybe, bey gute, bey Kuͤe, ben pferde und werde, und wer 
dahin wit Tonınıc, der fat feib und gut vorfallen ſeyn.“ 


3) Schr. des Hauskomthurs v. Königsberg, d. am T. Dowinici 
1453 Gap. LVIR 34. 

4) Sär. des HM. an den Dempropft &mofd v. Datteln, d 
Dollſtaͤdt am Abend Laurent, 1453 Schbl, LXXVIIE. 52% 

5) Schr. des Prd. Merſchats, d. Kinlseb. am Z GSiti 1453 
Schbl. LXXVNI. 135. 136. 

6) Schr. des Komthurs v. Kheden, d. Sonmb. nach Laurenti 
1453. Schbi. LXXVIII. 19, Schr. des Vogts v. Lelpe, & Sthduſe 
am A. Laurent, 1453 Schbi. LXXVIH. 100, ' 


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Tagfahrt der Werklibeten In Sraudenz. (1433) 813 


Altes, was bimbiich hieß, ſtroͤmte num nach Granbenz 
bin, wo am ©, Lorenz = Tage (am zehnten Augufl) die Tag⸗ 

ſahrt eröffnet ward. Sie war aͤußerſt zahlreich, unter den 
—*2 des Bundes die Eidechſen⸗Ritter Hand won Cze⸗ 
genberg, Auguſtin von der Schewe, Jon von Eichholz, Nico⸗ 
lans von Tergowitz, Michael von Buchwalde, Stibor von Bai⸗ 
ſen u. a. Der Komthur von Graudenz war vom Meifter bes 
suftragt, theils alles, was dort verhandelt werde, aufs genaufte 
auszuforfchen, was ihm jedoch bei der Geheimhaltung der Bes 
sethungen fehr fchwer wurbe, theild den Verſammelten in bes 
Reiters Namen gewifie Grftdrungen vorzulegen, bie er m 
Betreff der Rüftung und Bewehrung der Ordensburgen bereits 
den Dansigern und andern Berbimbeten zugefandt, d in denen 
er aber auch die Wahrheit bed von ben. Ordensgeſandten zu 
Bien eingefandten urkundlichen Berichtes uͤber bie Abldugnung 
des kaiſ. Beſtaͤtigungsbriefes zu erweiſen unb zu erhärten 
ſuchte, da, wie bereitö erwähnt, bei ber Öffentlichen Bekannt⸗ 
machung bie Acchtheit diefer Erklärung hie und ba in Zweifel 
gezogen. worben war. 2. Es gingen mehre Tage unter mans 
cherlei Verhandlungen hin.” Darauf begab fi eine zahl⸗ 
reihe Gefandtjehaft nach Marienburg, dem Hochmeiſter theits 
vorzuftellen,, daß Landen und Städten von ben von ihm bei 
der Huldigung gegebenen Zufagen wegen Auftechthaltung ihrer 
Privilegien und Freiheiten, wegen Schug gegen Gewalt und 
Unrecht, wegen des jährlichen Richttages u. f. wo. moch durch⸗ 
anß nichts gehalten und erfüllt ſey, theils ſich daruͤber nach⸗ 
druͤcklichſt zu beſchweren, daß fie ſelbſt waͤhrend des obſchwe⸗ 
benden Rechtstages am Kaiſerhofe von den Gebietigern und 
Divensbeamten fort und fort an Ehre und Glimpf beleidigt, 
außer Landes geläftert, der Untreue und Falſchheit befchuldigt, 
Eingnoffen | und Bimdner gefcholten und Fuͤrſten und Herren 


1) Der 4) Der Inkatt, wie ifn der Fol. A. 165 mittheilt, iſt der naͤm⸗ 
liche, wie in dem Schr. an die Danziger bei Schütz p. 182. 

2, gel. A. 164— 165. 

3) Ueber die Verhandlungen an dieſen Tagen Mscr. äber den 
Preufi. Bund B. Auszug in der Geſch. der Eivechf. Geſellſch. S. 17%. 


314 Sogfahet ber Verbundoden in Gemeteny (1453.) 


dadurch gegen fie erbittert wuͤrben. Solche Läfterungen ſeyen 
ohne Zweifel auch der Anlaß zur Nieberlegung ihrer Gefand: 
ten in Mähren. Der Deifter, klagten fie ferner, laſſe, wie 
der Komthur von Graudenz ihnen angezeigt, feine Burgen be 
wehren, angeblih dem Drben und bem Lande zum Befln; 
dad möge man abftellen, eö zeuge nur von großem Mißtrauen 
gegen fie, bie ſolches um den Orden nicht verdient. Suche 
jemand beim Meifter oder feinen Gebietigem Hecht in feiner 
Bade, fo werde er unter Spott und Hohn an ben Kalle 
und an die Bundeöherren gewiesen. Der Hochmeifter aber 
wies in feiner Antwort auf diefe Klagen die meiflen als nich⸗ 
tig und grundlos zurüd, Da trat endlich Stibor ven Baiſen 
mit der Korderung hervor: der Meifter follte ihnen den Mam 
nennen, der ihm bie Nachricht zugebracht, daß Lande und 
Städte ben König von Polen zu ihrem Herm aufgenommen 
hätten oder doch aufnehmen wollten, baß die Bundesſtaͤdte die 
Ritterſchaft mit Geld unterflügt, damit fie Harniſch und Roſſe 
Taufen, mit ihnen aber auch treu am Bunde fefthalten möchten, 
Daß fie die Drbensburgen beſtirmen und einnehmen und bie 
fie nicht gewinnen Eönnten, mit Feuer vernichten und endlich 
mit Kriegsmacht ind Feld ruden und dem Orden den Huldi⸗ 
gungdeid auffagen wollten. Der Hochmeifter indeß erwiederte 
bloß: ex babe das alles durchs Gerücht erfahren. So Tehrte 
vie Gefandtfchaft unbefriedigt zuruͤck. ı 

So weit bie Öffentlichen Verhandlungen, fo viel wir fie 
kennen. Die Tagfahrt ward jedoch auch noch im anderer Hin 
fiht von Wichtigkeit. Bei der großen Zahl der auf den ge 
meinen Zagfahrten verfammelten Bundeöglieder war es biöher 
unmöglich gewefen, die Berathungen, Beſchluͤſſe, Vorſchlaͤge 
und Meinungen, bie zur Sprache kamen, immer fo geheim zu 
halten, als ed das Intereſſe des Bundes oft erforderte. Die 
erwähnte Anfrage Stibors von Baifen an ben Meifter war 


1) Die Berichte über diefe Verhandlungen in mehren Abfchriften 
GM. LXXVIN. 62 (e). 73. 116, 134. Die Untwort des H. end 
13, &ol. A, 165— 166. Schistz p. 182, 


Tagfahet der Wechlnberen in Graubenz. (1453.) 815 


vn neuer Beweis, wie vieled von den geheimen Unterhand⸗ 
Immgen bed Bundes dem. Orden fchon bekannt geworben. 
Man hatte femer ſchon im Verlaufe dieſes ganzen Jahres das 
dringende Bedinfniß gefühlt, die Hauptleitung der wichtigften 
Bunbesangelegenheiten ‚, zumal bei den oft fchnell zu faffenben 
Beſchluͤſſen einer kleinern auderwählten Zahl von Bundes⸗ 
haͤnptern anzuoertrauen und es war bereit3 bisher auch das 
Bichtigfte in der Bundedfache immer im Kreife dieſer geringern 
Zahl von Bundedoberften berathen ımb geleitet worden. Da 
ec indeß bis jegt darüber an eigentlich feften Beſtimmungen 
gefehlt, fo warb auf diefer Zagfahrt der Beſchluß gefaßt: es 
felle binfort bie Hauptleitimg aller Bundesſachen, „damit. nicht 
alleß durch den gemeinen Haufen verhandelt werben duͤrfe,“ 
einem geheimen Ausſchuſſe von Bundesgliedern, den man „ben 
engen Rath oder ben heimlichen oder geheimften Rath,” die Ael⸗ 
teſten oder Dberften ded Bundes nannte, Übertragen und in feine 
Zahl die angeſehenſten und wichtigften Männer und bie eifrigften 
Verfechter des Bundes erwählt werden. Ihrer waren zehn bis 
"zwölf und unter ihnen die Gidechfen : Ritter Hand von Gzegenberg, 
Babwiel und Stibor von. Baifen, Auguflin von ber Schewe, 
Ihielemann von Wege, Ion von Eichholz. Auch Hans von 
Baifen warb bald nach feiner Ruͤckkehr von Breslau in ihre 
Bahl aufgenommen, denn biefer wichtige Dann, obgleich eine 
Zeitlang aus Kränklichkeit meift unthätig, aber bis zu feiner 
Neiſe nach Schlefien ald Mitglied bed engen Rathes bed 
Hochmeiſters immer noch am Orden fefthaltend, war jest ſchon 
entſchieden der Sache des Bundes zugethan und trat nun aud) 

3) Was Hier Über den engern Bundesrat gefagt iſt und inwle⸗ 
fern die Rachrichten darüber bei Schütz p. 175-176 mit den juvers 
laſugen UrhivssQueken zu vereinigen find, „JR genauer in Voigt 
Geſch. der Eidechſ. Seſellſch. S. 131 — 133 nachgewieſen, weshalb hier 
eine weitere Auseinanderſetzung überflüffig fcheint. Schr. des Muͤnz⸗ 
meins v. Thorn, d. Mittw. nah Pfingft. 1453 Schbl. LIT. 6, 
Chr. des Ord. Marſchalls, d. Koͤnigsb. Donnerſt. nad) Barnabä 
2453 Schbi. LXXVII. 45 beftätigen die a, a. O. gegebene Unſicht 
der Gache Hiernach iſt nicht alles richtig, was Kohebue B. IV. 
127 von dem heimlichen Rathe ſagt. 


316 Ausbruͤche der Partelwuth. (1453.) 


in die Geſellſchaft ber Eidechſen⸗Ritter ein. Er konnte nicht 
mehr flehen bleiben, wo er bisher geflanden hatte. Schon 
vor feiner Entfernung aus bem Lande fühlte er fi vom 
Meifter viel zu fehr zuruͤckgeſetzt, fah feinen Rath viel zu wenig 
beachtet, die Macht ded Ordens fchon viel zu tief gefunfen und 
geſchwaͤcht, ald daß er Muth hätte behalten Binnen, für befien 
Sache ferner noch zu wirken. Gleichguͤltig und theilnahmlos 
durfte und konnte er nicht daftehen in dem Sturme, wo jeder 
betheifigt war. Er ergriff jeht das Intereſſe des Bundes, 
denn er fühlte, feine Kraft gehöre mehr dem Lande, als bem 
hinſinkenden Orden an.” 

Der Meiſter vermuthete aber ſelbſt, daß ſeine Verhand⸗ 
Img mit den Verbimdeten auf fie nicht den gimſtigſten Ein 
druck gemacht. Die Komthure wurden baher beauftragt, alles 
was vom Erfolge ber Tagfahrt zu erfahren fey, aufs genaufte 
auszuforfchen. Allein ihre Berichte waren nichts minder als 
erfreulich, denn alled nahm ſchon mehr und mehr eine kriege⸗ 
riſche Wendung. Der Umſtand, daß der Meifter das Geſuch 
wegen Abftellung ber Bewehrung der Ordensburgen nicht nur 
zurüdgewiefen, ſondern vielmehr die Wehranftalten und bie 
Verforgimg der Burgen mit Eifer und Eile fortfegen ließ, 


1) Es if durchaus unridhtig, wenn Baczko 3. TIT. 248 und 
Kotzebue an. mehren Stellen annehmen, Dans von Baifen habe ſchon 
Lange vor dem 3, 1483 auf der Seite des Bundes geflanden und ſey 
nur zuweilen von HM. wieder für die Sache bes Ordens gewonnen 
worden; daher es Baczto a. a. D. auch ſchwer findet, Hanſens vba 
Baifen Plan zu durchſchauen. Keineswegs! Hans v. Ballen ſtand 
bis in den Unfang und einen Thell bes Jahres 1453 immer no auf 
der Geite des Drdens; das weifen feine und des KHochmeilters Brieft 
unmwiderleglich aus. Exft während oder nach feiner Linweſenheit ia 
Breslau im J. 1453 tritt er entſchieden zur Sache des Bundes über 
und wird nun aud Eidechfens Ritter; f. Seſch. der Eidechſ⸗ Geſelſch 
S. 70 — 70. Seitdem wird er auch den Ordensgebletigern verdächtig. 
Ohr. des Komthurs v. Thorn, d. am Vorfeſte Viſu. Maria 1453 
Schol LXXVDI. 103, wo berichtet wird, daß Hans von Baiſen den 
Drden bei „dein andäctigen Manne zu Brcslau (Johann von Es 
piftrano ?) fehr verunglimpft haben folle " 


Ausprlche der Parteiwuth. (1453.) 817 


beachte Angſt und Schreden durchs ganze Land, denn nun 
ſchien e3 unzweifelhaft, daß der Drben auf Zwang und Ges 
walt denke.) Wohlgefinnte riethen bem Hochmeiſter, er möge 
den unbeilvollen Geift des Mißtrauend möglichlt zu beſchwich⸗ 
tigen fichen, und manche Stäbte ließen fich auch beruhigen 
mb erklaͤrten, dem Orden au ferner dienftwillig und gehor⸗ 
ſam bleiben. zu wollen, fo Schwez, Graudenz, Preuffiih- Mark, 
Etargard u. m. a.2 Anders aber in den großen Bundes⸗ 
ſtaͤdten. In Königäberg drohte man dem Ordensmarſchall 
ſchon mit entſchiedener Gegenwehr, ſofern der Meiſter irgend 
etwad Feindliches beginne.” Im Elbing arbeitete man zum 
Edge der Stadt mit größter Thätigkeit an ſtarken Boll und _ 
Zribwerken, bewehrte die Thürme mit Buͤchſen und ber Rath 
acllarte dem Hauskomthur geradezu: man werde bie Wehran⸗ 
Balten fostfegen, fo lange dieß auch auf ber Burg geſchehe. 
Der Meifter fanbte zwar bald darauf ben Treßler, um -bie 
Dinger zu beruhigen; da man indeß die Bewehrung ber Burg 
gegen die Seite der Stadt hin immer noch fortfegen und. Das 
ſchwere Geſchuͤtz gerabe-gegen die Stadt richten ſah, fo gerieth 
das Volk in fo wilde Bewegung, daß es kaum nach von Ges 
waltichuitten zuruckzuhalten wear und der Rath ben Meifter 
aufs dringendfte um Einftellung der Rüflungen erſuchen mußte, 
wenn nicht ein fürmliches Aufruhr entſtehen follte, 8 | 


1) Schr. des Komthurs v. Danzig, d. Sonnt. nah Yfumt. Mas 
ud 1453 Schbl. LXXVIII. 138, 

2) Schr. des Pferdemarſchalls v. Lefle, d. Schwer Sonnab. nad. 
Larrent. 1453. Schr. des Komthurs v. Mewe, d. Sonnab. nad Rau: 
went. 1453- Ser. des Hauskomthurs v. Preufſ. Mark, d. Somab. 
much Laurqut. 3453. Schr. des Komthurs v. Strasburg, d. am % 
Afumt Mariä 1453 Schbl. LXXVIIL 127. 82. 123, 72. 

3) Gr des Orb, Marſchalls, d. Känlgss, am &, Hippolyti 
453 Gati. LIXVIu. 115. 

4) Schr. des Hauskomthurs v. Elbing, d. Sonnab. nach Laurent. 
1453 und. Zreit, nad Alam. Mariä San. LXxxvII. 40, 154, 
UMV.7, on 

5) Cd, des. Nathes v. Elbing ‚an den FR % Mont. vor-Bars 
qqele. 1453-Gchbl. LXXVIII. 139, 





818 Auebruche der Parteiwuch. (1453.) 


Noch wilder war die Gaͤhrung im Kulmerlande. In 
Thorn gab ein in der S. Lorenz⸗Nacht in der Altftabt aus⸗ 
brechendes Feuer Anlaß zu einem allgemeinen Volldaufſtand 
in beiden Stäbten. Wan ſtuͤrmte vor die Burg und bie De 
densmuͤnze; felbft ein Theil des Rathes und ber Schöppen 
nahmen daran Antheil und brachen gegen den Hochmeiſter in 
bie aͤrgſten Scheltworte und Schmähungen aus, vorgebend, er 
babe die Stabt durch Verrätherei überfallen wollen. Gegen 
den dortigen Münzmeifter fand bie Wolkswuth Tamm eine 
Graͤnze; er mußte aus ber Blünge auf bie Burg flüchten, 
weil man ihn feines Spionirend und Schmähend wegen in 
ber Stadt nicht mehr dulden wollte.” Hundert Bewaffneie 
bielten die ganze Nacht die Burg und Münze beſetzt. Am 
anden Tage mußte ber Rath aus der Neuflabt mit allen 
aus dem Bunde Ausgetretenen Zuflucht auf ber Burg finden, 
um ſich gegen einen drohenden Ueberfall aus der Altſtadt zu 
veiten,, denn bad Volk hatte dort flirmend dad Rathhaus 
umlagert und vom Birgermeifter Harmifch, Gefchoß und Pub 
ver gefordert. Auf bes Komthurs ernftlichfte Warnung an den 
Rath wurde aus dieſem und ber Gemeine ein Ausſ chuß von 
ſechzehn Maͤnnern ernannt, welcher das Geſchoß in Obhut 
nehmen und jeden aufs ſtrengſte beſtrafen ſollte, der die Kuhe 
ber Stadt irgendwie durch Wort oder That fernerhin ſtoͤren 
wuͤrde. So warb ber Aufruhr zwar wieder geſtillt; uͤbercl 
aber herrſchte Angſt und Bangigkeit vor Raub ımb Brand 
bed Pöbeld und jeber, der etwas zu verlieren hatte, filchtelt 
mit bem Seinigen, wohin er konnte.) Die Burg zu Worn 
aber war auch jetzt noch fo wenig mit Lebenämitteln, Haruiſch 
und andern Bebürfniffen zur Vertheidigung verfehen, daß ber 


1) Ueber das Schimpfen und Schelten des Wuͤnzweiſters gegen 
den Rath dv. Thorn und die Bundeshaͤupter ſ. Thorner Copichuch p. 
155 -—— 156, 

2) Schr. des Münzmelfters v. Thorn, d. Gonnt, vor Affumt. 
Mariä 1458 Schbl. LI. 34. Scht. des Komthurs v. Thorn, d. am 
T. Sippolyti 1453 Schbl. XXVUI. 150. Geh. der . Bofl 
ſchaft & 134 — 135. 


Asöchcje der Vortewuth; (1458) 319 


Super fort und fort aufs bringenbfle um Hüuͤlfe fiehen 
mußte.) Gleich Frechen Uebernuth bewies auch ein großer Theil 
ber Ruimiftchen Ritterſchaft. Der trotzige Bundesritter von 
Beyerfee, der auf dem Tage zu Graudenz eb durchaus hatte 
durchſetzen wollen, bag man bem Hochmeiſter den Huldigungs⸗ 
eb auflimbigen folle, ſcheute ſich nicht, Öffentlich die Drohung 
essufsrechen: er wolle Habe und Gut baran fegen, baß ber 
Bafter nicht ein Jahr mehr überleben ſolle. Faſt kein Tag 
giez mehr vorlber, an dem nicht irgend ein kuͤhnes Wagſftuck 
ober gefahrdrohende Nachrichten neue Angſt und Beſorgniß 
engsten. So ſprengten eines Abends, nachdem Dans vom 
Cryenberg den Vogt von Roggenbaufen durch allerlei Friebliche 
Bee zur Entlaſſung feiner Burgmannfchaft zu bewegen ges 
mit, pöglich einige zwanzig Neifige gegen bed letztern Burg 
an, ſchoſſen auf dad Burgvolk und würden bad Thor erſtinmt 
haben, wäre dee Vogt nicht auf feiner Huth geweien.? Aus 
dem Kilmerlande erhielt der Meifter die Nachricht: der König 
va Delaı rüfte mit Macht zum Kriege; ber Polniſche Haupts 
mean Scherlenski habe bereitö ben Verbimdeten viertaufenb 
Reiter zu Huͤlfe verfprochen und auch vom Bifchofe von Pos 
fen ſey ihnen Beifland zugeſagt.) Geſchreckt durch dieſes fich 
ümmer wilder aufthuͤrmende Gewitter hatte ber Meiſter dem 
Best dee Neumark fon den Befehl extheilt, ſich mit feiner 
Nanuſchaft jeden Tag fertig zu halten, um beim erſten Gebete 
uch Preuffen aufzubrechen; felbft mit dem Kınfürflen von 
Deandenbutg waren wegen Huͤlfsvolkes Unterhaublungen ans 


1) Schr. des Kowmthurs v. Thorn, d. Mittw. vor Bartholom. 
MR. ShbL LIT. 58, vgl. LXXYIT. 150. 
2) Schr. des Pflegers v. Papau, d. Sonnt. nad Laurent. 1453 
* LXXX. 2. Schr. des Komthurs v. Graudenz, d. Sonnt. nach 
dautent. 1453. 


5) Schr. des Vogts v. Roggenhauſen, d. am T. Hippolyti 1453. 
Eqti. XxVm. 52 
9 Er. des — v. Schwez, d. Sonnab. nach Laurent. 


SEHE, Schr. des Komthurs v. Graudenz, d. Dienft. nach Aſſumt. Ma⸗ 
vd 1453 Schbt. LXXVMI. 171. 89, Schütz p. 183. 


320 Ausbruͤch⸗ ber Partelwuth. (1453.) 


Dos wußte aber auch fchan der Bunberaih. Um fo 
nothwendiger ſchien ed ihm jetzt, den fchon auf dem Tage zu 
Graudenz eingeldteten Plan zu befchleunigen, bie VRitterſchaft 
umb Städte ber Niederlande, die bisher am Bunbeinterefe 
noch weniger Theil genommen, allgemeiner fire daſſelbe zu ger 
winnen. Es warb beöhalb eine Tagfahrt zu Braundberg ver 
anftaltet, wo im Auftrage der Kulmiſchen Ritterſchaft der & 
dechſen⸗Ritter Michael von Buchwalde und mehre andere Be 
vollmächtigte des Bundesrathes erfchienen, um eime enge 
Berbindung zus bewirken. Zwar ward biefer Zweck keinebwegb ſe 
wie man gewimfcht, erreicht, denn der Ordensmarſchall und 
bie Komthure von Balga und Brandenburg hatten Die angeſe⸗ 
benften Männer ihrer Gebiete dahin zu bewegen gewußt die 
Tagfahrt nicht zu befuchen, fo daß namentlich aus Samlaud 
niemand . bort zugegen war. Indeß bie bort Werfanmelten 
fagten doch faft alle dem Bunde Theilnahme zu? und daß fe 
auch bald fir deſſen Sache thdtig vwirkten, bewies ba6 ven 
mehren Kleinen Städten des Niederlandes ausgehende Beſtreben, 
dad Landvolk befonders die Preuffen auf bem platten Lande 
durch das Borgeben gegen den Orden aufzubheken, baf.'ber 
Hochmeifter im Lande die Acciſe einführen und Zind und 
Schaarwerk noch erhöhen wolle. Die Wirkung dieſer Aufwie⸗ 
gelungen fehlte nicht, denn wie im. Balgnifchen Gebiete yeigke 
fi bald mehr und mehr auch anderwaͤrts eine immer zunch⸗ 
mende Anndherung ber ehrbaren Leute zur Bundesſache. 3 
fehlichen Bundesglieder von Stabt zu Stabt, von Darf pu 
Dorf, um zu Zheilnahme anzuloden, fo baß bie Komthure 





1) Schr. des Vogts der Neumark, d. Landsberg Donner. ned 
Aſſumt. Mariä 1453 und Goldia Sonnt. Ealirti; Gr. bei 
Komthurs v. Thorn, d. Freit. nad Aſſumt. Marid 1453 Ghbk 
LXXVIII 46, 78. 103. 

2) Schr. des Komthurs v. Brandenburg, d. Kreuzburg Mitw. 
vor Barthol. 1453. Schr. des Ord. Marſchalls, d. Koͤnigeb. Abend 
Bartbol. 1453 Schbl. LXXVIII. 143, 110. 48. Schr. des Peopſets 
v. Grauenburg an d. HM. d. Sonus. nach Barthel. 1453. Schr. Dit 
Hauslomihurs v. Balga, d. Mont. nach Barthel, 1453 Gchbl. MV. 3 


Sand von Baifen ale Bundeshaupt. (1453.) 921 


Mittel aufbieten mußten, um den aufwachenben geführt 
iſt im Wolke nisberzubalten. D 
hätten bie Bundeshaͤupter jest auch ihre Ver⸗ 
it dem Könige von Polen noch enger gelnüpft, 
Hochmeifler ben Zreßler, fo ſandten fie ben ges 
Orden fo beftig erbitterten Ritter von Beyerfee zum 
e, um fi) defien Beiftand noch fefler zu verſichern. Als 
geneigt biefer der Bundesſache auch ſchon ſeyn mochte, 
ex dem Zreßler doch eine begütigende Autwort, deu 
m durfte ex fich noch fir Feine Partei erklaͤren,“ da feine 
Berhaͤltniſſe in Litthauen, wo bie Großen bes Landes fi) der 
umitelbaren Unterthänigleit unter ber Krone entichlagen und 
Ike genen Großfürfien haben wollten, immer noch fehr bes 
dalich waren.“ Sie fandten fogar eine Klagheichwerbe über 
den König an ben Hochmeifler, der ihnen zwar feine Theil⸗ 
nahme und ſelbſt auch feine bereitwillige Mithilfe zur Veraͤn⸗ 
berung ihrer Verhaͤltniſſe zum Könige zuficherte, jedoch ohne 
biefen babei irgendwie zu verlegen. 9 | Ä 
Mittlerweile aber war Dans von Balfen, von Breslau 
mh Thorn zuruͤckgekehrt, feit kurzem an bie Spitze des Bun⸗ 
des getreten. Hand von Czegenberg hatte fich in ber Iegtern 
Zeit, wenn auch keineswegs vom Bunde ganz getrennt, fo 
doch non ber oberften Leitung der Bundedangelegenheiten mehr 
ud mehr zuruickgezogen. Wie ed fcheint, hatte ex fchon laͤngſt in 
fen Entſchluſſen geſchwankt. Wohl mochten fich ihm auf ber. Hoͤ⸗ 
de, auf die er unter dem Sturme ber wilden Vollbbewegungen 


1* 
2 


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18 


1) Schr. des Komthurs v. Balga, d. Pellen Freit. vor Aegidii 
1453 Säbl. LXXVIE. 117. 

2) Schr. des Treßlers, d. Klobia (in der Raͤhe von Brzeſc) Sonnt. 

3) Schr, des Ord. Marſchalls, d. Königeb, Mont, nach Nativit. 
Mariä 1483 Schbl. XIVL 52. | 

4) Das Unbringen der Litthauif, Gendboten on den HM. und 
Veen Untwort am Seonnab. nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1453 Schbl. LXX VII. 
10. Die Litthauer fuchten offenbar eine Annaͤherung an den Orden, 
da „man fie von Polen aus zu Leibeigenen machen wolle.“ 
VIII. 21 


822 Hans von Balfen als Bundechaupt. (1453.) 


emporgeflegen war, bange Zweifel erheben, ob und wie bie 
bochgefteigerte Spannung und Gährung ber Gemuͤcher fich noch 
ohne Mord und Blut und ohne bie Gräuel eines offenen Bir 
gerkrieges werbe Iöfen koͤnnen; es iſt möglich, daß auch bie 
Testen wilden Ereigniſſe im Kulmerlande maͤchtig auf im ein 
gewirkt ober vieleicht auch feine eigene Taͤuſchung über ber 
kaiſerl. Befldtigungebrief ihn tere gemacht und bewogen habe, 
als Bundeshaupt vom Schauplage ber Ereignifle mehe und 
mehr zurkchjutveten. D So tbernahm jebt Hans von Baiſen, 
der biöher immer noch einen Schalt von hundert Mark aus 
ber hochmeiſterlichen Kammer gezogen und ſich auch jetzt no 
des Hochmeiſters Rathögefdhmorener nannte, ? die oberfle Leis 
tung ber Bundesſache. Da warb auf feinen Rath in einer 
VBundesverſammlung zu Thorn der Beſchluß gefaßt: man 
wolle, bevor man weitere Schritte wage, dem Hochmelfter noch 
einmal die auf bem Tage zu Graudenz zufammengefoßten Sans 
desbeſchwerden vorlegen und nochmald bringenb um Abhidfe 
bitten.” Es fand due Tagfahrt in ber Mitte bed Septem⸗ 


1) Es laͤßt ſich über die Urſachen des. Bunddtretens Hanfens v. Ge 
genberg nicht ganz zur Gewißheit kommen, wie ſchon in der Geld. dar 
Eidechſ. Geſellſch. S. 146 angedeutet iſt. In einem Schr. des Komtur 
von Nheden an d. HM. d. am T. Zransfigurat. Domini 1453 SHhl. 

LXXVMI. 156 meldet biefer: Sans v. Czegenberg babe zu des Kome 
thurs Dienera geäußert: würden die Dinge zu arg werben; fo weit 

er. nirgend anderswohin als nach. Rieden aufs. Baus, wo er auch WP 
mals wohl gelegen babe, Des Kauıthur fengt beim HM. an, ob & 
{hm oder andern Bundesherren wohl Zuflucht auf dem Haufe gönnen 
ſolle. Wir Haben aus denfelben Tagen aud noch ein Notartatsinftru 
ment, worin bezeugt wird; daß Hans dv. Ezegenberg auf, bie Frage 
des Vogts v. Roggenhaufen: ob der Bund vom Kaifer beftdtigt ſeyl 
Or Gegenwart: mehrer Zeugen bejahend geantwortet und erftärt habt, 
dag er die Beftätigungsurfunde in Thorn ſelbſt geſehen und gelefem 
Babe; d. Roggenbaufen 5 Aug. 1453 Schbl. XIV. 18, 19. 

2) Der Komthur v. Eldind trägt erft im Decemb. 1453 darauf 

An, die hundert Work den: Sans v. Baifen nicht mehr zu zahlen, da 

“ ſich nicht mehr „als gehuldeter Mann und geſchworener Bash" Ks 
weife; GEchbl. XLVI. 23; 

3) Schr. des Ord, Marſchals, d. Walde Mont, nach Kecch 


Dans von Ballen eis Bunbeshaupt. (1453.) 823 


bers zu Rothenhand Statt, nachdem kurz zuvor bie beiden 
Bunbeögefandten Gabriel von Baiſen und Ramſchel von Kri⸗ 
xen vom Kalferhofe zuruckgelehrt waren. Eine Botſchaft 
von dort erklaͤrte zuerſt dem Hochmeiſter, daß die beiden Bun⸗ 
desgeſandten mit der Richtigkeit der von ihm bekanmt gemach⸗ 
tm urfundlichen Erklarung keineswegs einverſtanden ſeyenz ® 
dann Hbergab fie ihn die ſchon von Eraudenz amd: bei ihm 
angebruchten Landesbeſchwerden und bie Geſuche wegen Ab⸗ 
ſellung der Bewehrung ber Oxdenöhdufer, wegen be8 Lehen: 
muthes Der Orbenögebietiger u. f. w. Man beſchwerte ſich, 
daß Ordensritter auf der Jagd oft mitten durch das Getreide 
ritten, daß bie Ordentbevollmaͤchtigten am Kaiſerhofe ſich bie 
geöbften Laͤſterungen und Schmaͤhungen gegen ben Bund er⸗ 
lanbt, daß fich ber Meiſter um Schutz und Unterſtuͤtzung des 
budndifchen Kaufmannes ſchon laͤngſt nicht mehr bekuͤmmere, 
daß man mit großem Unrecht Hanſen von Baiſen beſchuldige, 
er ſey nad) Breslau gefandt worden, um dort ben Orden zu 
wrunglimpfen. Man klagte dann aufs bitterfte über ben 
Mönzmeifter zu Thorn, der den Bürgern nur Umvillen und 
Ungemach zuziehe, bie Landeöbewohner mit einem neuerdachten, 
merhörten Münzrechte befchwere und Wucher treibe, fo bag 
der Muͤnzhammer habe niebergelegt werden müffen, daß ex fich 
bie freche Drohung erlaubt, er wolle den Thornern wo mög» 
lich noch dad Aergſte zufügen, ihre Abgeordnete in Stuͤcke zer⸗ 
baum und in Säden beimtragen laſſen. Diefer und ähnlicher 
Klagen wurben eine Menge vorgelegt. Des Meiſters Antwors 
tn aber waren theils die nämlichen, wie fruͤherhin, theils wies 
derum ausweichend, abläugnend, unbefriebigenb und zurüdweis 


Echah. 1453 Schbil. LXXVII. 54. Er meldet: Hans v. Baiſen habe 
ia Thorn offen erflärt, daß «x nur feiner Geſundheit, ſonſt keiner ans 
dern Sache wegen in Breslau geweſen fey. 

1) Er. des Mathe v. Thorn an den Doctor Martin Meyer, d. 
Comm. nah Nativit. Maria 1453 im Xathoarchiv zur Thorn Sorin, 
AVI. 43, Shomer Copiebuch p- 150. 

‚2) Wie aud) das eben erwähnte Schreiben ausſagt; Thorner Eos 
viebech ». 151— 152. . 

21 


324 Hans von Bellen aid Bundechaupt. (1453.) 


ſend. So Hatte aud) diefe Berhandumg den böfen Geift des 
Mißtrauens und bie bittere Feindſchaft wicht daͤmpfen koͤnnen; 
vielmehr man trennte fich abermald mit. Stoll und neuer Er; 
bitterung. ® . 

Es war jest keine Sühne mehr denkbar. Die durch Eu 
ropa verbreitete Prophezeiung von einer gewaltigen Umwälzung 
aller Drbmung im Staate, von einbrechendem Jammer und 
Eend in allen Geftalten und Schredinifien ſollte in Preuſſen 
jest, wie es fehlen, in Erfuͤllung geben, ? .benn der Wirfel 
wer am Kaiferhofe geworfen, 


) Die Verhandlungen und Antworten des HM. am Abend Kur 
Erhöh. 1453 Schbl. LXX VIII. 10. 132, Zol. A. 167—168, 

2) Die Propdezelung wurde vom Kardinal ©. Angeli, einem 
päpftl. Legaten, dem Kaifer Fricderich zugefandt; fie folte dom Sep⸗ 
temb. 1453 an in Erfülung geben, Schbl. LXIT. 15, 


Rechtoſtreit vor. dem Keiſer. (1452.) 325 


rc 


Drittes Kapitel. 


Kr Raiferhofe tenten am beſtimmten Gerichtötage bie Ordens⸗ 
gibt vor dem Kaifer in bed Ordens Namen mit dem 
Gefiche auf, den Bund als unnuͤtz und untauglich durchs 
Recht für unzechtmäßig und nichtig zu erklaͤren. i¶ Dawider- 

eber erhoben fich die beiben Abgeorbneten ded Bundes Ga: 
id von Baifen und Ramſchel von Krixen, vorflellend: da _ 
des Bundes Machtboten, trog kaiſerl. Geleites in Mähren 
überfallen, beraubt, zum Theil gefangen und noch mit Ver 
haft beſtrickt, zum feftgeftelkten Richttage nicht hätten erfchel> 
nen Sonnen, fo. müßten fie den Kaifer um Verlängerung ber 
Gerichtsfriſt erfuchen, 2 Die Bitte ward erfüllt; zweimal, 
ridte der Kaifer den Richttag auf Antrag der Geſandten bis 


4) Die folgende Darftelung des Gerichtsganges am Kaiſerhofe 
het großen Theils das kaiſerl. Document zur Quelle, welches auf des 
Kaiſers Beſehl ausgefertigt und wit feinem Siegel bekräftigt wurde, 
Wit dieſem noch verfehen befinder es fih Schbl. 26. Naͤher beſchrie⸗ 
ben ik es bei Kothebue 3. IV. 310. Ein zweites Eremplar, ohne 
Bariel-für den Bund ausgefertigt, auf 34 Pergamentblättern und 
gleichfalls mit dem großen kaiſerl. Majeftätsfiegel verfehen, bewahrt _ 
das Rotssarchiv zu Thosn. Ein Auszug daraus in den Preufi. Sanımtl. 
%,0.@. 464. Da aub Koxebue. 3. IV. 130 ff. einen ſolchen 
in ziemlicher Yusführlichleit gegeben, fo dürfen wir. ung hier kürzer 
ofen und nur auf das :efentliche befchränfen. 

2) Raiferl, url. p. 1—3 Runas Historia des breischnjößr. Kriege, 

p 19, Schitz p. 180 — 181, " 





336 Voqhtoſteelt vor dem Rılfe. (1453.) 


‚ auf ben 23ften Zul hinaus. Mittlerweile erfreuten ſich bie 

Drdendgefandten manche Beweiſes kaiſerlicher Gewogenheit. 
An einem Freudenfeſte zu Ehren der Kaiſerin war es Sander 
von Baiſen auf Thierberg, dem ber Kaiſer ein ſchoͤnes CEdel⸗ 
fraͤulein zufuͤhren ließ, um vor dem Kaiſerpalaſte um ein gro 
fied Freudenfeuer den Vorreihen zu tanzen. Man nahm 
bieß flr um fo wichtiger, je mehr bie Bundesgeſandten ben 
Orden aufs beftigfte zu fehmähen und zu verläftern bemüht 
waren, Es trat überhaupt -trog dem am Kaiferhofe, vorzuͤglich 
burch das Eräftige Wort des Eenntnißreichen und berebten Props 
ſtes zu Wetzlar, Doctor Knorr) überall geltend gemacht, eim 
für den Orden ſehr günflige Meinung hervor und es wirkte 
ſelbſt zu deſſen Gunſten, daß die Ordensbevollmaͤchtigten ſich 
mit allem Etfer der Freilaſſung der gefangenen Bundesgrſand⸗ 
ten annahmen. ¶ Die auch beim Kalſer angebrachte Seſchul⸗ 
digung des Drbend wegen Thellnahme am ber werlbten Fre⸗ 
velthat widerlegte bee Biſchef von Ermland um beſten darch 
bie von ihm ſelbſt bewirkte Sendung des Landkomthurs vom 
Oeſterreich und Sanders von Baifen an den König Ladielaus 
don Ungern mit der Bitte, den Ritter von Miltitz zum Bas 
höre vorladen und den wahren Thatbeſtand bei dem Ueberfalle 
aufs genanfte ermitteln zu laſſen, um fo des Ordens Unſchulb 
zu ermelfen, Seitdem kam auch bie Anklage am Kaiferhoft 
nicht wicher zur Sprache, ® ' 


1) Schr, Sanders v. Balfen an d, HM. d. Sraͤt Donner. md 

Viſit. Maria 1453 Schobl. Adelsgeſch. B. 97. 

2) Schr, des Propſtes De, Peter Knorr an d. HM, d. NAurnberg 
Gonnt. vor Bartholom. 1453 Schbl. LXXVMI. 125 

3) Schr. des Vogts v. Leipe Georg v. Eglofſtein an d. HM. d 
MWien Donnerſt. nach Ulriei 1453; Schr. des Komthurs v. Elbint, 
d. Graͤß am T. Margaretha 1853 Schol. LXXXVIII. 6. 6. 100. Ch 
Georgs v. Erlichshauſen, Domherrn zu Warburg an d. HU, % 
Grätz am T. Wargaretha 1453 Schbi. LXIX. 19. 

4) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Graͤtz am T. Seohannis 
1853 Schr. des Biſchofs v. Ermland, d. Brit am T. Fellcis und 
adaucti 1453 Gqchbl. LXxVvuI. 339. 86, Schlitz pı 186 Gi We 


NRechesſtreit ver dem Ralf. (1453.) 327 


Die Bprilsflung der Bundesgeſandten zog ſich aber den⸗ 
fo lange bin, daß eine abermalige Verlängerung des 
Richtkages vom Kaiſer - erbeten werben mußte; man fand 
auch noͤchig, amd Preuffen .einen neuen Vollmachtsbrief ber 
Bumdesginpser nach Wien zu fenden? und als dann nad 
Berlauf won dreijehn Wochen am 22fken Detobex der Gerichts 
ing emblich eröffnet warb ?) und anflait der bereits nach Preufs 
Barsicheld von Krisen ihr Gachwalter Meiſter Martin Mayer * 
für den Bund auftrat, wollten ihm die Ordensbevollmaͤchtigten 
m fprechen wehren, weil er keinen Gewaltsbrief aufguweiſen 
Wie. Da ihm indeß ber Kaifer auch ohne foldden zu ſprechen 
ehuibte , erklaͤrte erı es ſeyen jebt von neuem angefertigte 
Meqhthoten des Bundes auf dem Wege; in Breslau jedoch 
wagen Unſicherheit auf dem naͤhern Wege burch Mähren ges 
werut, hikten fie dieſen Richttag ohne ihre Schuld verfäumen, 
men.) Der Kaifer bewilligte daher nochmals einen Auf 
ſchab bis zum 29flen October. ©) 
8. im um biefe Zeit der Richttag abermals erdffnet 
trat zuerſt der Sprecher ber Ordensgeſandten mit Worles 
* der Klagpunkte auf, in denen er den Kaiſer in bed Is 
dens Namen um Recht anſprach. Nachdem er vor allem der 


Mhandlang: des Aeneas Sylvius Verdienſte um Preuſfſen, in Break 
1) Schütz ko . Sr. des Komthurs v. Elbing an d. Komthur 
» Graudenz, d. Bruͤck an der Mohr in Steiermark Freit. Stephani 
1453 im Rathsarchiv zu Thorn Serin. XV. 9. 
2) Vollmachtsbrief für die Bundesgeſandten, d. Thorn 8 GSeptemb. 
1453 Original im Natsarchiv zu Thom Kit. A. 34, in bder laiſerl. 
U. p. 75; in. Preuſſ. Samml. B. II. 527, jedoch nicht ganz richtig 





3) Koiferl. up 4—5, 

4) Schr. ded Meiſters Martin Mayer, d. Sräs am Erichs⸗ Sage 
1453 im Nathsarchiv zu Shen Bamin, ML 18, Therner eu 
1 195 

5) Kalſerl. Url. p. 6 

9) Husnam a. a. &« nenut den 28 Octab. 


328 Recjtöftreit vor dem Kalfer. (1453.) 


unrerhtmäßigen und geſetzwidrigen Stiftung bed. Wumbes ev 
wähnt und den Bundesbrief felbft vorgelefen, ’ erklaͤrte e: 
der. Brief ‘enthalte viel „verbeiite Wortes” wo er vom ob 
feel. Rechte foreche, meine er eigentlich nur Landreche; durch 
Deutung ihres Landrechts aber ımb ihrer Privilegien ewtyögen 
Die Bundesverwandten der Herrfehaft alle ihre kaiſerl. und paͤpſt⸗ 
lichen. Gerechtſame, wodurch fie bie Landesherrſchaſt bereits fehl 
gefchwächt. Die Abftelung alter Beſchwerden verlangendb vers 
Händen fie darunter die unter kaiſerl. Macht angeordneten 
Zölle, alte ehrbare Gewohnheiten, altes Herkommen, Taifes 
Uches und paͤpſtliches Necht, und dennoch erklaͤrten füe fort und 
fort: fie wollten ihrer Herrſchaft thun, was fie ihr von Ehre 
und Rechts wegen ſchuldig ſeyen. So warb des Bundesbrief 
in den meiſten Punkten burchgegangen und bemwiefen, daß die 
Worte von den Verbündeten bald ganz anders gebeutet, bild 
in viel weiterer Ausdehnung angewandt und daher auch bie 
meiften ihrer Korberungen allem Recht und Gefek wibaflre 
tend befunden winden; es fey z. B. wiber alle echte der 
Kirche, wenn fie in ihrer Forderung eined allgemeinen Gerich 
ted verlangten, daß Prälaten von Laien gerichtet wenden, ? 
Es wurde enwiefen, daß durch die im Bundesbriefe enthaltenen 
Bellimmumgen alle Rechte der Landbeöherrfchaft unmächtig und 
unguͤltig gemacht, der Gehorfam der Unterthanen aufgehoben, 
diefe felbft zu Richten in ihrer eigenen Sache erfidıt, uͤber⸗ 
haupt alle Ordnung im Staat und Kirche umgelchrt werde. ® 
Sodann wies der Sprecher weiter nach: ber Bunb fen erſtens 
wider göttliche Hecht, weil die Verbündeten ihm gegen ihre 
Herrſchaft gefchloffen, der fie gehuldigt und gefchworen und 
besen Gehorſam fie verachteten; ? er fen auch wider natürliches 


— — mn — — 


1) Kaiſerl. url. p 7 — 11. 

2) Raiferl. Url. p. 11 — 13. 

3) Dieß wird in den einzeinen Punkten des Bunbettrife welt 
Läuftig nachgewieſen; kaiſ. Urk. 14 — 15. 

4) Kotzebue B. IV. 131 greift offenbar fehl, wenn. er das vom 
Redner angebrachte Beifpiel von Saul als Hauptbeweid anfährt; des 


Rudyisfizrit ver dem Haller. (1438.) 829 
Btexht, venn dieſes fage: was bu möcht willſt, daß die geichleht, 
DaB thae auch du einem andern nicht; ed fen Ten Edelmann 
im MWBunbe, der wolle, daß ihm feine Unterfafien oder Diener 
ein Regiment fetten, bem er fich unterwerfen folles er fey fers 
mer weiber geiſtliches Necht, welches beftimme, daß Unterthanen 
* Macht haben, wider ihre Oberherrſchaft Buͤnde, Ver⸗ 
ſchreibnngen ober Satzungen zu machen, em wentgften weltliche 
ee gegen geiflliche Herrſchaft; er ſey endlich auch 
wäre kaiſerliches Recht, welches klar dahin laute, daß alle 
Enung, Bimd, Berfammlung, Orbrung und Satung von 
Untertanen und Laien wider —— gemacht, unrecht, um⸗ 
Wenbig und unfräftig ſeyen, wie fchon Kaifer Friederichs des 
Budten Werbot aller Bünde, bie er Gonfpirationen nenne, 
abweife und bie goßbene: Bulle Karls des Vierten fie aus⸗ 
bciccũch verbiete. Nach ſolchen von Kaiſern und Päpften ges 
gebenen Geſetzen und Rechten hätten bie Verbuͤndeten laͤngſt 
bie Aeichsacht und ben Bann verbient. Dann erklaͤrte der 
Gprocher weiter: der Bund wiberflreite auch des Hochmeiſters 
mb des Drdens Freiheiten, guten Sitten, alter loͤblicher Lan⸗ 
it und dem geleilteten Eide.2 Der Bunbedeih 
Kane niemand binden, denn Fein Eid wiber die Herrſchaft 
babe verbindende Kraft. Seit dreizehn Jahren feyen die Lan⸗ 
beöbifchöfe bemüht „ dad Wolf zu belehren, daß es durch fein 
mrechtliches und fünbhaftes Vornehmen des Bundes fich im 
JIrrthum, in Zobfünden und ſchwerer Strafwindigkeit befinde; 
man habe es nicht geachtet, denn das fonft fo ehrbare, gute 
Bolk fey durch die Bunbeshäupter verfiridt und verführt. Die 
Klage über den Bund fey bi8 zum Papfle gebrungenz er Babe 
Legaten geſandt, ber wegen ber ihm erwiefenen Verach⸗ 
dad Land mit dem Interdicte habe beſtrafen wollen; 
babe bes Hochmeifler durch Fuͤrſprache verhindert. Man. 











ber 
Belfpie iR bio Beleg dazu, Daß jemand gegen göttlihes Geſctz han⸗ 
gehorfam wird. ' 


880 Mechsöfleeit nor dem Role. (1483.) 


babe bern Srben Gehorſam ımb guͤtliche Ausgleichanng ver: 
forochen, aber niet Wort gehnlien; nıw Marienbung, Wartet 
Thorn und das Gebiet von Schlochau feyen aus: Dem Bund⸗ 
getreten und. zur Pflicht zuruͤckgekehrt.) Der Papſt babe ben 
Bundeseid für unverbindikh und Eraftios, fe Trotz und Wahn⸗ 
fun, unb bie Praͤlaten bed Bandes auf feinen Beſehl den 
Bund auf dem Rathhauſe zu Elbing für unrecht und ungklig 
erklaͤrtz dieß alled aber, ſowie des Kaiſers und ber Kurfuͤrſten 
Schreiben an die Verbuͤndeten ſeyen verachtet worben. Zum 
ſeyen in Folge dieſer Schreiben noch eine merkliche Zahl ande⸗ 
res zum Gehorſam zuruͤckgekehrt; gegen bieſe Ausgeſchicdenen 
aber Hätten die Verbündeten Satzungen gemacht und fir did 
Ehrloſe behandelt; Eein Handwerksluecht duͤrfe für fie arbeiten, 
alle Bundesſtaͤdte ſeyen ihnen verboten, ihre Zeugniſſe vor Ges 
richt wuͤrden verworfen u. f. 10; 2) 

Nach dieſer Darfielumg bed Ordendredners dauerten Di 
Gerichtsverhandlungen Tag für Tag bis zum ſiebenten Roben⸗ 
ber. Da trat bed Bundes Sprecher mit feiner Rechtfertigung 
und Gegenklage auf. CS fey mit Gründen wohl zu bewer 
fen, daß ber Bund nur zu des Ordens und ded- ganzen ban⸗ 
des Wohlfahrt gefliftet ſey, denn der Orden habe zur Verkin 
zung der Laudesfteiheit neue Zölle auferlegt, mit Koͤnigen sb 
Fürften, felbft fogar mit Heiden ohne der, Stände Rath und 
Wiffen zu großem Schaden des Landes firh verbunden; and 
ded Ordens Kriegen mit Polen und Litthauen feit Heinrichs 
von Plauen Abfrgung feyen für bie Lande Preuffen fletb mM 
Unheil, Verwäftung und Werberben hervorgegangen. Als nun 
zu Pauls von Rußdorf Zeit im Orden große Zwietracht ent 
ſtanden, hätten die Gehietiger etliche Lande und Stäbte af 
ihre Seite zu bringen geſucht und deu Hochmriſter feibll- am 
wünfcht, Lande und Staͤdte möchten ſich vereinigen, um bei 


1) Ratferl, Urt. pı 20, 
3) Raferl, Urt. p. 23; vgl. auch die ——— — 
ſehungen bei Schittz p. 14—1 193, 


Vechteſtreit ver Dem Kolfer. (1453.) 88T 


Nufıieben zu füllen. Da hätten biefe, um bern Verderben des 
bandes uorgubengen, bem Orden und dem Lande zu Hell und 
wiber Gewalt und Unrecht eine Einung geſchloſſen 
mu dem Meiſter vorgelegt; fie fen ihm nicht zuwidet geweſen, 
ſendern vielmehr zu ——— Durch fie ſey des Diden 
in ſich wieder zur Ruhe gekommen; auf einer Tagfahrt zu 
Eining haͤcten bie Gebietiger ben vereinten Landen und Staͤdten 
Verb gran DE ———— daß ber Orden ed Ihnen 
ab ihren Nachkommen nimmet vergeffen wolle.) Go fielite 
der Nedner bed Bundes Urſprung dar. Dann heb er des 
Suued GSebrechen hervor. „Nach Kutuiichem Rechte ſoll das 
Sub Silbermuͤnze und Flaͤmiſches Ackermaaß haben. Jene 
aber IE in kupferne verwandelt; um fie zu beſſetn, werben: 
Sande und Stadte zu einem Schoß angezogen, aber die Minze 
wicht verändert. Dad Flämifche Maaß ift verkuͤrzt; aus vier 
uber find fünf gemacht und dadurch bee Zins vermehrt. 
Bier bie ee — erhoben. Waͤh⸗ 
vnb des Krieges mit Litthauen wurden einft den Schalauern 
Ye Warten anbefohln und ihnen dafuͤr Kom und Wartgeld 
entrichtet. während bed Krieges Dauers er iſt laͤngſt deendigt, 
aber das Wartgeld beſteht noch fort. Lehengüter auf Mag 
deburgiſches echt zieht ber Orden ein bei bed Mefikers Tod 
she männliche Erben, auch wenn Brüder und Betten bins 
terbleiben. Kinderloſe Ritter dürfen ihre Guͤter nicht verkaufen; 
man hätt fie bamit wie eigene Beute u, f. w.®) Darauf ers 
wähnte der Sprecher einer Reihe von Ungereöhligleiten und 
GSewultthaten gegen Städte und Lande, als gegen Nicolaus 
yon Rey, Eberhard von Könige u. a., der Mordthat bed 
Begts von Grebin an 24 Menſchen in Kurland, ber Ent⸗ 
——— und ber Raͤthe 
Ummlo Hecht unb Bartholomaus Groß aus Danzig, der Hin⸗ 


u 








1) Kaiſerl. Urk. p» Am %. 
2) Kölferf. Art. 3. Die Stelle Aber den unſprung der ort⸗ 
in 


3) Kaiſerl. Url. p 27; vgl, Ronau »- 7 fi. 


333 Mechtoſtreit wor dem -Malfer. (14583.) 


sichtimg eines ehrbaren Mannes zu Theorn durch ben · dorligen 
Komthur Wilhelm von Stein zur ſtraͤſtichem Umgange mit ber 
binterlafienen Wittwe ımb mehrer anderer Miffethaten der Ge⸗ 
hietiger.“ i). Das find, ſprach ber Redner, die runde, die 
zum Bunbe führten. 

Aber, fuhr er fort, Lande unb Städte haben bie Freiheit, 
fih mit einander in einem Bamde zu vereinen, felbft durch 
koͤnigliche Macht, denn als fie zu Pauls von Rußdorf Zeit in 
Gefahr ſtanden, an ihren Hechten und Freiheiten Eintrag zu 
erleiden, haben fie damals den Roͤm. König um bie Erlaubniß 
erfucht, fich zur Verwahrung ihrer Gerechtfame mit einander 
zu verbinden und fie iſt ihnen gewährt worben. Dieſes koͤnigl. 
Document voin Iahre 1441 lad fofort der Bundedanwalt ver, 
beögleichen auch bie erſt kuͤrzlich gegebene Beſtaͤtigung her 
Privilegien für Kulm und Ihom.2. Darauf, ſprach er dann, 
ſtuͤtzt ſich der Verbuͤndeten gutes Recht und es dimkt ihnen 
billig, daß man fie bei biefem Rechte Laffe, wie bei ihrer Frei⸗ 
beit. Damit taften fie keines anbern echte an, auch nick 
geifttiche Freiheit; auch bed Ordens Obrigkeit geſchieht hiedurch 
Tein Abbruch. Jeder Herr, geiſtlich ober weltlich, if verpflich; 
tet, feine Untethanen bei ihren Rechten und Freiheiten zu 
laſſen, wie ed ia ſtets in Preuffen die Ordensherren ihren Un 
tertbanen ausdruͤcklich gelobt und zugefagt. Wenn biefe nım 
Aöftellung der Beſchwerniſſe des Landed begehren, fo ift dieß 
keineswegs voider Recht und geiftliche Freiheit, auch nicht wider bei 
Ordens Obrigkeit. Ein folched Verlangen kann Unterthanen 
billig nie. verboten werben. Der Pfundzoll warb bevilägk, 
um der Seeräubesei zu fleuern; bieß. glüdktes jener aber dauerte 
noch lange fort, bis ihn der Hochmeiſter endlich: auf der Bande 
und Stäbte demithige Witte, nicht um Furcht ober Drobang 
willen abgetfan.? Durch die $orberung eines gemeinen 
“Gerichte will man keineswegs dem geiftlichen Gerichte Ab: 


1) Kaiſerl. Url; p. 27-28. Rune p 9— 16 
2) Beide ftehen volftändig in der kaiſerl. Url. pm 29-—- in 
3) Kaiferl, Url, p- 33. . 


Rechtsſtreit vor dem Kaiſer. (1453.) : 885 


brach thun, fonbern fie geſchieht zu der Obrigkeit Erkenntniß 
web zur Foͤrderung bed Rechte. Gegen geiflliche Perfonen 
maßen ſich die Stände durchaus Fein Gericht an; «uch wols 
im fie das Sahrgericht gegen niemand ‚gebrauchen, über den es 
inen nicht zufleht. " 

Darauf ging der Sachwalter des Bundes auf ben Ars 
übel des Bundes über, mach welchem, wie ber Sprecher des 
Drbend. ihn gedeutet, die Bundeöglieber, wenn ihnen in ihren 
Slagen nach ihrer Meinung nicht Recht widerfahre, zus Selbft: 
hülfe fehreiten wollten. Er befiveitet biefe Deutung, benn, fagt 
er, bie Verbuͤndeten erbieten fich bei jeder Klage zu fünferlei 
Recht, vor dem Richttage, vor ber Nitterfchaft und den Etäds 
ten, vor einem Schiebögerichte, vor dem Hochmeiſter und end⸗ 
&ch andy vor dem Papſte. Wenn aber der Vergewaltigte kein 
Recht bekommen kann, warum follte er dann nicht Macht 
haben, mit Freunden unb Gönnen fich ber Gewalt entgegen 
zu ſetzen und ihr nach Vermögen zu wiberfiehen? Hat hoch 
ber. Roͤmiſche König Lande und Städte ausdruͤcklich auch mit 
der Freiheit begabt, zur Begegnung folcher Gewalt einander 
mit Hülfe zu unterflügen.? Dann widerlegte ber Sachwalter 
die — daß ber Bund goͤttlichem, natuͤrlichem, geiſt⸗ 
Kehem und kaiſerlichem Rechte widerſtreite. Lande und Staͤdte, 
etiäxte. ex, haben zu ihrer Verbindung Erlaubniß vom Roͤm. 
Könige, wie deſſen erwähnter Freiheitsbrief ausweiſt. Der 
Hechmeiſter bat den Bund, bevor er noch befiegelt war, ‚von 
Bert zu Wort gekannt und gebilligt, wie zu beweifen. ifl. 
Auch bie Sebietiger und Prälaten haben zeitig von ihm gewußt 
ww. 
De. 








felbft den Unterthanen geheißen ihm beizutreten. 
bezweckt nur Foͤrderung und Beſchirmung der 
Gexrechtigkeit; kein Wort darin thut der geiſtlichen Freiheit 
Abbruch; er iſt nicht gegen die goldene Bulle, denn dieſe ver: 





1) Ralf. Url. p. 34 —35. In Beziehung auf, das Gerichtsweſen 
sieht der Sachwalter des Bundes eine. lange Uuselnanderfehung und 
— des angefochtenen ·Bundesartilels p. 85 — 87. 

2 Kalk Irk,. P «38 7 BD \ 


334 Rechtoſtreit vor dem Kalfer. (1453) 


bietet nur Einungen, bie durch dad gemeine Kaiſerrecht unter 
fagt find und wodurch den Oberherven ihre obrigkeitlichen Rechte 
benommen werben, was in dieſem Bunde nicht geſchieht.“ 
Man wendet. ein: der Papft habe den Bund für unkraͤftig mb 
die Theilnehmer in. den Bann erklärt. Allein zu diefem Ur⸗ 
theile find. Ritterſchaft und Städte weder vorgeladen noch ge 
hört, auch iſt es nicht in Gerichtsweiſe gefprochen worden; « 
ift folglich nach Laut des Rechts kraftlos und kann Ten 
Schaden bringen. Auch bat der Papſt Die ertheilte koͤnigliche 
Freiheit und des Hochmeiſters Billigung bed Bundes Teinck 
wegs gelaunt. Was des Ordens Klage über den: Schoß be 
trifft, den der Bund auögefchrieben, fo bat ihn ja ber Kader 
felbft mit dieſer Freiheit befonderd begnabigt, wie der Drde 
wohl weiß, Auch war nothwendig, daß Ritterſchaſt md 
Staͤdte zu Austrag ded Rechts, wozu dee Orden fie veranlaßf, 
gu: Beſtreitung der Koften von fich felbft eine Steuer nahmen. 
Endlich. erbieten fi die Stände, alles, was bier zu ihre 
Rechtfertigung gefprochen, mit Beweiſen zu belegen, fefem ed 
der Drben in Abrede flellt. Dazu aber müßte ihnen eine Friſ 
von ſechs Monden geſtattet werben, ba ſolche Beweiſe weithet 
and Preuſſen und von zerſtreuten Zeugen einzuholen ſeyn 
würden. 2) 

In einer neuen Sitzung trat der Sprecher des Dybend par 
Wiverlegung feines Gegners alfo auf: mm fruͤtzt des Munbed 
Rechtmäßigkeit auf drei Gründe, deren erfter die Bönigk S⸗ 
laubniß, der zweite die zur Abfchliefung bed Bundes bewege 
den Urfachen und der britte Pauls von Rußdorf Mitwiſſen⸗ 
ſchaft bei des Bundes Stiftung if. Den erſten Grund ie 
treffend, fo HE der Bund aͤlter ald des Könige Erlaubnis 
brief. Die Erlaubniß felbf aber und Beſtaͤtigung it an IM 


1) Kaif. Url. p 40 — 4. 

2) Koll. ut. p 43 — 44, on 

3) Der Band ward 1440 gefhlofien, der Erlaubnißerlef ee 168. 
gegeben. Ueber die damaligen Verhandlungen ans Seiferhofe «ia Ct. 
des Ordeneſpittlero, d. Neuſtadt Breit, ver Martini 1463 Bhbl 


Hechtöftzeit- vor dem Kaffe. (1453.) 835 


unfräftie, denn zu jeder Sache, die man erlauben ober beſtaͤ⸗ 
gen will, muͤſſen ſtets die, ‚welche fie berührt, berufen wers 
der. Das ift hier nicht gefchehen. Der Bund ift wider das 
Kaiferrecht und die goldene Bulle; er ift vom Anfang an un: 
recht und bat auch durch bed Königes und Kaiſers Bewillt. 
gung milnichten gerecht werben koͤnnen. Er flimmt auch mit 
dem Erlaubnißbriefe nicht einmal: überein, weil es da heißt, 
daß fie dem Hochmeifter und ihren Herren thun follen, was fie 
men von Ehre und Rechts wegen fchuldig feyen nach aut 
iyeer Freiheiten. Zudem waren bie Bundesverwanvten ſchon 
duch ihren Eid und ihre Huldigung unfähig, gegen ihre ‚Her: 
ven emen ſolchen Bund zu fchließen, denn der Eib und ber 
Bash widerſtreiten fih. Ohnedieß iſt der Erlaubnißbrief auch 
mangelhaft, denn ed if die Stadt nicht genannt, in ber ei 

worden, gegen berfömmliche Ordnung ber koͤnigl. 
Kumziei. !) End endlich fagt ja auch der Kaiſer in der Beſtaͤ⸗ 
Kgung der Orbenöprivilegien: er vernichte hiemit alle Briefe 
die wider bed Ordens Freiheit auſsgegangen feyen ober ausge⸗ 
gen wärben. 

Was dad Zweite, die Urfachen zum Bunde betrifft, fo 
Hagen fie über verlegte Freiheiten, namentlich über bie Münze. 
Allein man fchylägt noch jetzt ſilberne Münze; daß fie geringern 
Gehaltes, iſt unſer eigener Schaden, denn wie verlieren daran 
an unferer Herrnguͤlte. Sie mußte aber fihlechter gefchlagen 
werben wegen ber Nachbarlande, wo ſchlechte Münze giit. 
Sätte fie dieſer nicht ‚gleich geſtanden, fo wäre fie aus dem 
Lande geflchrt und eingefchmolzen werben. Auch haben ja bie 
Stadte ſelbſt fechzehn Iahre lang die Münze in berfelben Art 
geſchlagen. Die VBerkinzung des Flaͤmiſchen Maaßes ift nicht 
des Ordens Schuld, fondern ſchon vor achtzig Jahren gefchehen 
mit der Stände Bewilligung. „Das Wartgeld. und Schalwifche 


LXXVMm. 151, wo er fogt? jeden Tag’ faft fänden Verhöre und Ber 
bandlungen Statt, er Hoffe aber „wit einem fellgen Ende und mit 
erwommener Sache heimzuzichen.“ 

1) Kaiſ. urt, p. 465— 46, 


336 Rechtsſtreit vor dem Kaiſer. A4.2.) 


Korn haben die Lande ſchon vor achtzig Jahren entrichtet; die 
Graͤnzwarten ſind auch jetzt noch nicht eingegangen; in den 
Burgen Tilſit und Ragnit muß noch eine Menge Volkes un⸗ 
terhalten werden. Der Pfundzoll gruͤndet ſich auf des Kaiſers 
Privilegium über Zollauflagen; widerrechtlich aber haben bie 
Stände ihren Herren ben dritten Xheil abgebrungen. Mit 
den £ehengütern verfährt der Orden nach dem Lehenrecht, ?) 
Daß diefer Buͤndniſſe mit andern Fürften nur mit der Stände 
Bewilligung fchließen foll, ift gegen altes Herkommen; aber 
man erkennt aus diefer Forderung, daß die Verbündeten ihren 
Herren nach ihrer Herrlichkeit umb ihrem Regimente ſtehen. 9 
Die erwähnten Hinrichtungen mehrer Ritter und anderer Wer 
brecher find alle nach Recht und Gericht erfolgt; Feiner bex 
Hinterbliebenen bat darüber Klage geführt, bie Bunbeövers 
wanbten aber haben dazu am wenigften ein Recht. Den Kom⸗ 
thur von Zhorn Wilhelm von Stein hat der Hochmeifter, wies 
wohl man feine That nie zu völliger Wahrheit erwieſen, nach 
Ausweiſung des Ordensbuches beſtraft, ſo daß er in ewiger 
Strafe bleiben und darin tobt ſeyn muß.” Einige ber Klagen, 
als Urfachen des Bundes vorgebracht, find auch erſt aus zwei 
oder drei Jahren her, andere ſchon vor dreißig oder vierzig Jah⸗ 
ren erfolgt und laͤngſt verjaͤhrt. Aber wenn dieß alles auch vom 
Orden wirklich verſchuldet waͤre, was haben die Praͤlaten und 
Biſchoͤfe gethan, daß ihre Unterthanen fich wider fie ſetzen? * 
Was Drittend Pauls von Rußdorf Bewilligung zum 
Bunde angeht, fo wirbe eine ſolche nie hinreichen, um ben 
Bund zu rechtfertigen. Paul allein hat ihn nicht genehmigen 
tönnen, ſondern nur mit Zuſtimmung aller Gebietiger, bie nad) 
loͤblicher Gewohnheit des Ordens Macht. darftellen. In einer 
fo wichtigen Sache vermag ber Meifter nichts zu thun ohne 


1) Kolf. Urt, p 47. Daß der Orden angeſtorbene Sehen feinen 
Dienern gebe, wird damit gerechtfertigt, daß diefe alle Laudeskinder 


ehen. 
2) Ralf. Url. 2 48. 
3) Raif. Url, p. 49— 50. 
4) Ralf. Ust, p. 50, 


Rechtsſtreit vor bem Kaiſer. (1453;) 337 


feine Sebietiger. Aber wäre bief- auch geſchehen, fo haben 
doch Prälaten und Biſchoͤfe den Bund nie gebilligt und nicht 
billigen Eönnen, da der Bunbeöbrief über fie ein Gericht bes 
ſtimmt, dem fie ſich nicht unterwerfen dürfen. Alſo felbfl 
Pauls von Rußdorf Genehmigung des Bundes ‚würde ihm 
keinen rechtmäßigen Grund barbieten. D 

Die Bundeöverwandten gründen einen Artikel ihres Bun⸗ 
des auf natürliche Nothwehr, die jedermann erlaubt fey. Der 
Ochſe, fagen fie, habe Hömer, um zu fioßen, das Kind in 
der Wiege Nägel, bamit es Trage, Allein Nothwehr kann den 
Berbündeten nicht zuſtehen. Sie ſprechen: würde jemand wis 
derrechtlich zum Zode gebracht, fo wollen fie ed dem Hochmei⸗ 
fire Hagen, daß er unverzliglich richte; thue er ed nicht, fo 
wollen fie darum Nache nehmen. Wer aber fol denn richten 
über Schuld ober Unſchuld? Sie ſelbſt? So find fie Richter 
in eigener Sache. Die Regel: Gewalt mit Gewalt zu vers 
treiben, kann Unterthanen gegen ihre Herren und Richter nim⸗ 
mermehr zugegeben werben.? Der Sachwalter ded Bundes 
fagt: die Stände hätten fich des Bundes wider ihre Herren 
neh nie bedient. In Wahrheit aber zeigt fih, daß fie in 

Kraft ihres Bundes fich ihren Herren ungehorfam bewiefen 

and a ben Recht verlebt haben; ben Pfundzoll haben fie eine 
Zeitlang ganz abgelegt und dann unter dem legten Meifter ein 
Drittel davon für fich erzwungen; fie.haben ferner dad Pflug: 
. Tom verweigert, den Orden zur Aenberung bed Hulbigungsels 
des gedrungen oder vielmehr felbft einen Huldigungseid ihm 
aufgezwungen, 3 woraus fchon klar ift, wie fehr fie den Meis 
ſter und Orden in deren Rechten und Freiheiten durch ihren 
Bund verlegt haben. Unb wenn fie endlich behaupten: ber 
Bund fey nicht wider die goldene Bulle, fo leſe man biefe 
nur und halte den Bund daneben, man wird dann fehen, daß 
ihre Behauptung unwahr ift. 

1) Kaiſ. Url, p. 530 - 51, 

2) Kaiſ. Url. p. 53, 

3) Kaif. Url. p. 55. Die Eide unter Paul v. Rußdorf, Konrad 


u. Ludwig v. Erlichshaufen wurden zur Vergleichung vorgelegt, . 
VIII. 22 


338 Rechtoſtreit vor bem Kalſet. (1433.) 


Nachdem der Anwalt des Ordens fo geſprochen, verlangte 
er: Abſtellung und Nichtigerklaͤrung des Bundes, Auslieferung 
des Bundesbriefes, Zuruͤcknahme des Erlaubniß⸗ und Befldtis 
gungsbriefes des Kaiſers, Ehren⸗ und Rechtserklaͤrung fuͤr alle 
aus dem Bunde Ausgeſchiedenen, Verfall aller Lehnsguͤter fir 
bie Bundesverwandten wegen ihred Ungehorfamd, Beſtrafung 
nach Inhalt der goldenen Bulle und Verluft aller ihrer Frei⸗ 
beiten, uͤberdieß 200,000 Gulden für erlittene Schmad und 
Ungerechtigkeiten , 400 ‚000 Gulden als Schadenerſatz, Erſtat⸗ 
fung bed eingenommenen Echoffed und Wiebereinfegung bed 
Ordens in alle feine Gerechtſame. 

: Da nahm bed Bundes Anwalt am zehnten November 
noch einmal das Wort zur Widerlegung defien, was der bed 
Drbend gegen bie Gültigkeit des koͤnigl. Erlaubmißbriefes ge 
forochen. Es heißt darin, fagte er: „wenn bie Städte fih 
vereint haben oder kiimſtig vereinen winrden;” daraus folgt, daß 
die Erlaubniß fi auch auf das bezieht, was noch kommen 
werde und am Datum alfo nichts gelegen ift, wenn ber Bund 
auch fpäter gefihloffen wäre. Wenn ferner ein Kaifer Freihei⸗ 
ten wider dad gemeine Kaiferrecht giebt, fo ift wohl zu erfe 
ben, daß er das letztere durch jene Freiheiten abflellen well, 
da vorauszufegen ift, bag ihm das SKaiferrecht bekannt ſey.“ 
Des Hochmeifters Einwilligung in den Bund ift außer allem 
Zweifel. Wenn aber biöher ein Hochmeifter der Ritterſchaſt 
und ben Städten etwas erlaubt ober bewilfigt bat, fo tft ihnen 
ſolches gehalten worden ohne Eintede der Gebietiger und bed 
Kapitels. Es iſt ja auch in den Biſthuͤmern gewoͤhnlich, daß 
wenn ein Biſchof ſeinen Unterthanen etwas zuſagt oder gebie⸗ 
tet, dieſe ſich daran halten, ohne weiter zu fragen, ob es der 
Siſchef mit ſeines Kapitels Zuſtimmung gethan. — In [ob 
her Weiſe verfuchte‘ dee Sachwalter des Bundes noch eine 


1) Kaiſ. Urt, p. 57. Ueber diefe Verhandlungen ein Schrt. da 
Bundesgefandten , d. Neuftadt Mont, nah Martini 1453 Séhbl, 
LXXVI. 32 (a). Runau Vorrede p. 20, Schütz p. 1%, 

2) Kaiſ. Url, p- 58, 


Rechtöftreit vor bem Kaiſer. (1453,) 839 


Menge anderer Behauptungen des Orbenöfprecherd zu wibers 
legen, mit bem Exbieten, alles zu beweifen, deſſen der Orden 
bezuͤchtigt worden, D und zulegt erklaͤrend, daß die vom Or⸗ 
bensanwalt gethanen Forderungen wegen Abftelung und Nichs 
figerfidrung bed Bundes u. ſ. w. durchaus unzuldffig feyen, 
weil die Rechtmäßigkeit ded Bundes aufs vollkommenſte ers 
wiegen fey. | 

So endigte die Verhandlung. Der Kaifer, feine Näthe 
mb Beifiger bemühten fich vergeblich mehre Tage lang, bie 
Sache gütlich beizulegen. Da wurden die Parteien aufgefors 
bet, ihre Rechtöfäge fchriftlich einzureichen, damit der Rechts⸗ 
fruh um fo grümblicher gefchehen und niemand ſich für vers 
funzt halten koͤnne.) Der Bundedanwalt proteſtirte jett im 
voraus gegen bie vom Drbensfachmalter beantragten Pönen, 
da ber Bund in Feiner Weife ſtraffaͤllig ſey. Dawider erhob 
der letztere nachdruͤckliche Einwendungen, über die man noch 
bin und ber verhanbeltee Als nun bed Bundes Sprecher 
wahrnahm, daß der Faiferl. Spruch für den Bund nicht guͤn⸗ 
füg fallen werbe, behielt ex fich eine Proteflation vor, damit 
feine Partei ihre Widerflage zu gebührlicher Zeit ind echt 
Bringen koͤnne. Dieb ward ihm aber auf Grumb des Anlaffes 
abgefprochen.? So follte enblih am 29ften November in 
fentlicher Gerichtöfigung nach beider Parteien Rechtöfägen ber 
Rechtsſpruch erfolgen. Da erklärten aber einige Bundesbevoll⸗ 
maͤchtigte: ihr Anwalt Meifter Martin Mayer habe nur bes 
dingte Vollmacht und es fcheine nicht billig, daß ber Kaifer 
ald verwillfünter Richter in der Sache weiter procebire. Der 
Kaifer flellte ihnen zwar vor, daß fie felbft unbebingt ſich auf 
ihn berufen; allein fie begehrten Dennoch nur einen Rechtsſpruch 


1) Kaiſ. Url, p. 59 — 64; bie Hier beſprochenen Punkte find Leine 
andern, als die vom Ordensſprecher aufgeftellten Behauptungen, die 
der Bundesanwalt abläugnet oder zu widerlegen fuht. Runas p.20, 
Schistz ». 19. ' 

2) Raif. urk. p. 65. 

3) Kaif. url, p. 66— 67, Schittz p. 19. . 

. 22 


340 Nechtaſpruch des Kaiſers. (14533.) 


über ihre Widerklage und gingen bamit von bannen.) Alf 
beftinnmte nım ber Kaifer den erflen December ald Spruchtag 
Die Bundeöbevollmächtigten fuchten ihn noch zu verzögern unt 
ba am genannten Tage niemand von bed Bundes wegen er 
fchien, um den Spruch anzuhören, fo fanbte jener in ber Bun: 
deögefandten ‚Herberge, ihnen anzulündigen, daß er den Sprud 
thun werde. Die Antwort war: ihre Anwalt Meiſter Martin 
Mayer habe feine Vollmacht aufgegeben; beöhalb. gebühre ihm 
nicht, fih dee Sache weiter zu unterwinden; die andern abeı 
feyen nicht unterrichtet genug. Da ließ der Kaifer nach dei 
Hofes Gewohnheit einen gefchworenen Thinhüter an bie Pforte 
des Palaftes treten und fie dreimal mit lauter Stimme be: 
beirufen,® und ald auch jetzt niemand von ihnen erfchien umt 
der Ordensanwalt nad herkoͤmmlicher Sitte abermald um 
Recht anrief, fprach num der Katfer das Urtheil aus: 

„Es iſt durch uns mitfammt unfern Räthen und Bei 
figern zu Recht erkannt, daß die von der Nitterfchafl 
Mannfchaft und bie von Städten des Bundes in Preuſſen 
den Bund nicht billig gethan, noch ihn zu thun Macht ge 
habt haben, daß auch derfelbe Bund von Unmwürben, Un 
kraͤften, ab und vernichtet ift, und fol darnach in dem 
Andern gefchehen, was Recht iſt.“ ® 

Auf Anfuchen des Ordenſsanwalts warb nım der Sprud 
urkundlich auögefertigt, die gerichtliche Vollziehung aber nod 
bis zum fünften December verfchoben, in der Meinmg, ol 


1) Ralf. Urt, p. 68. ° 

2) Kaif. Url. p. 69 — 70, Als gegenwärtige Bunbesgefandten 
pr noch genannt Hans von Thauer u. Hans Matzkow. Runau pP 
0— 21, 

3) Schr. des Komthurs v. Elbing, d. Neufadt Gonnab, vor 
Barbard 1453 Schbl. XLVL 23, 

4) Ueber den Vorgang beim kaiſerl. Gerichtsſpruch ein Rotarlatk 
inftrument, d. Neuftadt 1 Decemb, 1453 Schbl. XIV. 20. Rumanı 
p. 21. Schätz p. 194. Auch die Ehron. des Lefemeifters Detmer 
herausgegeb. v. Grautoff 3. II. 163 — 164 bat einiges über die 
Rechtsverhandlung am Kaiferhofe, 


} 


Steigende Gaͤhrung im Lande. (1453,) 341 


man fich in Guͤte noch vereinigen möge. Da dieß nicht ge 
ſchah, fo erflärte endlich) der Kaifers über die vom Ordensan⸗ 
malt in Antrag gebrachte Poͤn folle jetzt Fein Spruch gethan 
werben; er habe jedoch den Antrag an fich genommen und zu 
feinem Willen behalten. Alſo warb nım am genannten Tage 
dad wichtige Document befiegelt und jeder Partei gleichlautend 
wigeftelit. ? 


In Preufien war mittlerweile die Spannung der Gemuͤ⸗ 
ther immer höher ımb höher gefliegen. Den Orden erbitterte 
es, daß bie Berbimdeten mit ben Polen bereits den Plar ges 
ſaßt haben follten, den Orbensgefandten auf ihrer Rüdteife 
enflauern, fie überfallen und gefangen nehmen zu laſſen, weBz 
halb man allerlei Vorfichtömanßregeln für nöthig fand. 2 Uns 
ter den Verbündeten wuchs Haß und Groll mit jebem Tage, 
zumal durch die Berichte ber beiden zuruͤckgekehrten Bundes⸗ 
geſandten Ramſchel von Kriren und Gabriel von Baifen. 
„Eie Haben den Bund, fprach erflerer in einer Sffentlichen 
Berfammlung zu Thom, vor dem Kaifer felbft mit Lucifern 
“ verglichen, der feinen Stuhl über Gott habe fegen wollen.” 3) 
Die Exbitterung ging hie und da ſchon fo weit, daß man offen 
erflärte: werbe der Bund vom Kaifer auch abgefprochen, fo 
weade man ihn durchs Schwert aufrecht erhalten; der Hoch: 
weifter müffe des Amted entfeßt und ein anderer an feiner 


1) Kaiſ. Url. p. 70— 71. Aus der Angabe der Beugen in ber 
Urt geht Hervor, daß von den meiften Deutſchen Fuͤrſten Räthe und 
Sendboten bei der Gerichtsverhandlung gegenwärtig waren. Es wers 
Ben z. 3. genannt: Aeneas Legat des Roͤm. Hofes und Biſchof zu 
Elena, kaiſ. Rath und FZürft, Ulrich v. Staremberg, Ulrich Riederer, 
von Sciten des Erzbiſchofs v. Mainz Eberhard von Riedern, des Pfalz: 
grafen v. Rhein Peter v. Weinheim und Paul v. Streitberg, des Dis 
ſchofſs v. Bamberg Werner 9. Aufſeß Domberr zu Bamberg u. a. Ein 
Verzeichniß ſaͤmmtlicher anmwefenden Räthe Schbt. LXXVIIT, 51, 

2) Schr. des Komthurs v. Schlochau, d. Dienft. vor u. nad 
Bartdolom. 1453 Schbl. LXXVIII. 144. 155, 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d, am T. Nativit, Mariä 1453 
GSqbi. XXVLI. 9, 


342  Gtegenbe Bähumg im Lande. (1453.) 


‚Stelle erhoben werben, ber das Land bei feinen Rechten und 
Sreiheiten lafles um ſich won jenen ſchnell zu befreien, ſpra⸗ 
chen erhitzte Köpfe in Thorn fogar von Vergiftung. Sobald 
Ihielemann von Wege vom Kaiferhofe zurückgekehrt war, ließ 
er mit jenen beiden Bundesgeſandten von einem Notar eine 
an den Kaifer gerichtete Proteſtation ausfertigen, barin mat 
Gründen erfiärend, daB der Kaiſer in der Bundesgeſandten 
Abwefenheit dem Rechte nach Feinen Spruch thun koͤnne, unh 
ihn zugleich erſuchend, fich der Streitfache jegt gaͤnzlich zu nk 
ſchlagen.) Ron Thom aus, wo Hans von Baiſen mit ihnen 
und den Übrigen Bundeshaͤuptern täglich Verſammlungen und 
Berathungen hielt, ging die Bewegung bald immer wilder 
durchs ganze Land. Gerüchte von ſtarken Sölbnerwerbungen 
bed Ordens im Auslande, befonderd beim Markgrafen Albrecht 
von Brandenburg ſetzten viele ber Eleinen Städte in ſolchen 
Schreden, daß fie jetzt eilten, fich dem Bunde enger anzu⸗ 
fliegen. Auch machten heimliche Zufagen von kriegeriſcher 
Beihülfe, welche Thielemann von Wege und Auguflin vom 
der Scheme aus Polen und felbft auch aus Böhmen erhalten, 
bie Verbuͤndeten in ihren Schritten gegen ben Orden ieden 
Tag fühner und trogiger. In Thorn, Danzig, Elbing und 
andern Orten wınden die Kriegeruflungen und Wehranftalten 


1) Schr. des Hauskomthurs v. Thorn, d. am T. Matihät 145% 
Chr. des Komthurs v. Mewe, d. Stargard Mont. nah Michaclis 
1453 Schbl. LAX VII. 98, 125. 

2) Rotariatsinftrument, d. 19 Sept. 1453 im Mothsardio 18 
Thorn, auf Requifition der Bundesbevollmaͤchtigten Gabriel v. Bai⸗ 
fen, Ramfchel v. Krigen und Tpielemann v. Wege ausgefertigt. 

3) Schr. des Hauslomthurs v. Thorn, d. Sonnt. nad Mauriti 
1453 Schbl. LXXVIII. 168. Schr. des Ord. Marſchalls, d. Koͤnigeb. 
Sonnab. nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1453 Schbl. Adelsgeſch. B. 45. 

4 Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Newigli 1453 SA. 
XIV. 22, Schr. des Komthurs v. Balga, d. Beiſten Mont, sad 
Srancifet 1453 Shbt. LAXXVIIL 156, 

5) Schr. Yes Vogts v. Roggenhauſen, d. Gonnad, nach DW 
chardi 1453 Schbl. LXXVIII. 8, 


Berbinbung des Bundes ‚mit Pelen. (1453) 348 


ji mit verboppeltem En fortgefegt, Buͤchſen und anberea 
ſchweres Geſchitz zugerichtet,, ſtarke Bollwerke gegm bie Burg⸗ 
mauern aufgeführt, die Straßen überall mit Schlägen ven 
ſchen u. ſ. w.) Dieß bewog jetzt auch den Hochmeifter zu 
autichiebenen Schritten; er trat zunaͤchſt wegen Kriegshuͤlfe mit 
den Herzogen von Stettin eiligft in Unterhandlungen, denn 
much von Oſten ber drohte dem Orden ſchon Gefahr, da bie 
Semaiten zu einem Einfalle ind Ordendgebiet bereit ſtanden 
md ber Komthur von Memel um ſeine Burg in großer Be⸗ 
ſeegniß war. ?) 

Fun hielten aber bie Eidechfen: Ritter in der Mitte des 
Drtober8 eine geheime Bunbeöverfannnlung zu Kulm, von ber 
ein trauer Diener des Hochmeiflerd nur fo viel außforfchte, daß 
bort etwas Neues und Unerhörtes beſchloſſen fey und ber Pols 
niſche Hauptmann Scherlendfi ſich mit den Verbimdeten bes 
reitß aufs engfle verbunden habe. Sogleich nach dieſem 
Rage eilte Gabriel von Baifen in Tag⸗ und Nachtreifen nach 
Solen, mit ihm verfchievene andere Bundedgefandten, bie ben 
König zu Krakau trafen, wo ſich die vornehmften Prälaten 
und Magnaten ded Reiches zu einem großen Feſte bei ihm 
verfammelt. Da fprach Gabriel, in die Reichsverſammlung 
vorgelaflen: „Weil Lande und Städte in Preuffen von alten 
langen Fahren her durch mandhfaltige Gewalt und Unrecht bes _ 
druckt werden, fo find fie alle einträchtig zu Rath gelommen, 
folche Gewalt und Unrecht von ben Kreuzigem ferner nicht zu 


1) Schr. des Treßlers, d. Mar. am T. Luc 1453 Schol. LIV. 
8, mit einer ausführlichen Beſchreibung der Wehranftalten in Elbing, 

2) Schr. de6 Komthurs v. Danzig, d. Sonnab, vor 11,000 

. 1453, 

a Schr. des Komthurs v. Memel, d. am T. Aller Heilig. 1453 
u. Schr. des Ordensmarſchalls, d. Koͤnigsb. Sonnt. nad) Aller Heilig, 
53 Schbi. ZXUL 19. XVI. 21. Die Gefahr ging bald wieder 
vorüber, 

4) Schr. des Hermann Witte an d. HM. d. Thorn Mittw. nad 
Hedwig 1453 Ghkl. ILV, 14, Voigt Geſch. der Eidechſ. Ges 
ſelſch. ©. 137. 


344 Verbindung des Bundes mit Polen. (1453.) 


dulden. Weil aber das Land Preuſſen von Alters her und 
die Herrſchaft der Kreuziger daſelbſt aus der Krone Polens 
ausgegangen iſt und bie Kreuziger ſelbſt noch den König Fir 
einen Patron erkennen, fo hat Feiner billigered Recht zu dem 
Lande als feine Tönigliche Gnade. Deshalb haben alle Lande 
und Städte Preuffens den König zu ihrem rechten Herm ers 
Toren und flehen und bitten, baß er fie wieber in feine Her 
ſchaft und Beſchirmung aufnehmen und ihr Herr ſeyn wolle, 
wie ihm folches mit Recht gebühret.” Der König befegte nach 
langer Erwägung einen Rath aus den angefehenften Prälaten, 
Woiwoden und Gelehrten ber Univerfität zu Krakau, deſſen 
Erkenntniß dahin ging: der König habe zum Lande Preuffen 
vollkommenes Recht. Der Biſchof von Krakau wußte fogas 
aus Landeschroniken darzuthun, daß Preuſſen einft theils durch 
Verrath und Treuloſigkeit an die Kreuzherren abgefallen, theils 
ber Krone durch Gewalt, Ungerechtigkeit umb eine Reihe vom 
Friedensbruͤchen entriffen worden ſey. Nach Erweis ſolcher 
Anrechte an dad Ordensland (denn fie genuͤgten des Koͤniges 
Gewiſſen) nahm er der Bundesgeſandten Erbieten ohne wei⸗ 
teres an, ihnen verſprechend, fortan der Bedraͤngten Schutzhen 
und König zu ſeyn. 

Diefer wichtige Schritt fegte alles in außerordentliche Thaͤ 
tigkeit, befonderd im Kulmerland unter den Rittern des Ei 
dechſen⸗ Bundes. Hand von Baiſen, jegt an ihrer Spite 
ſtehend, hielt von Thom aus fort und fort heimliche Ba 
tbungen mit dem Polnifchen Hauptmanne Scherlenski im Ge 
biete von Neffau, nahm Polnifche Gefandten an, gab Beſcheid 
auf ihre Werbungen ımb leitete alle Verhandlungen im gehei⸗ 
men Rathe ber Bundeshdupter. Unter feiner Auſſicht und 
Mitwirkung ward zunächft auch die Befefligung und Beweh⸗ 
zung der Atftadt Thorn mit größter Thaͤtigkeit fortgeſetzt, denn 
obgleich er fich immer noch Mühe gab, den bortigen Komthur 
durch guͤtige Worte fo viel ald möglich zu beruhigen, ſo ließ 


1) Die Verhandlung im Mser, über den Preuſſ. Bund B. Id 
der Cidechſ. Geſellſch. S. 1399— 10. . 


Stelgende Exbitterung bee Berblinbeten. (1453) 345 


doch ‚die eifige Kriegsruͤſtung, dev Aufbau von Bollwerken und 
Schirmen, die Aufftellung bes ſchweren Geſchuͤtzes, die Aurich 
tung neuer Echläge und Rennbäume und ähnliche Wehranſtal⸗ 
tn faſt ſchon jeden Tag ben Ausbruch eined offenen Kampfes 
awarten.D Man rief bereitö aus Pommerellen und dem Kuls 
merlande zahlreiched Kriegsvolk in bie Stadt und wiegelte bie 
und da auch fchon das Landvolk auf. Der Komthur von 
Dorn bat den Hochmeiſter aufs dringendſte um bie Entfers 
ung des Münzmeifterd aus: ber Burg, weil er vomusfah, daß 
bei einem Aufftande der Haß und Ingrimm des Wolles gegen 
dieſen Ordensbeamten keine Graͤnze finden und vielleicht bie 
Erfikrmung ber Burg zur Folge haben werde, ?) denn obgleich 
die Burgen zu Thorn, Strasburg, Rheden u. a. durch Or⸗ 
denbrider aus Balgı, Brandenburg und andern Orten beö 
Riederlanded etwas flärker bemannt worden, fo war doch kaum 
zu hoffen, baß fie fich gegen den Anſturm der Verbündeten 
lange wuͤrden halten Fönnen. ® 


Die Sährung wurde noch wilder, als im December bie 
verſchiedenen Berichte vom Kaiferhofe in Preuffen anlangten, 
ba die Bundesgeſandten meldeten, wie der Ordensanwalt vor 
dem Kaiſer und allen Räthen die Verbuͤndeten mit Unwahr⸗ 
beiten und Schmähungen verunglimpft, wie er behauptet: alle 
Bewohner Preuſſens, einft Heiden, wären vom Orden mit 
dem Schwerte gewonnen imd alfo Leibeigene, wie man fie 
Ehrloſe, Meineidige, bimdiſche Heiden und Hunde genannt, 


4) Schr, des Komthurs v. Thom, d. Mont. vor Martini 1453 
u. einige Schr. des Hauskomthurs u. Münzmeifters v. Thorn Schbl, 
LXXVIIL 102. 104, 108. 

2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Katharinä 1453 u. 
Sär. des Komthurs v. Mewe, d. Freit. vor Martini 1453 Schbl. 
LXXVII. 106. 61 (a.). 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Mont. nach Martini 1453 
Schbl. LIL 10. 

4) Schr. des Komthurs v, Straoburg, d. am T, Andres 1453 
Schbl. LIL, 113, 


846 Steigende Echitterreng der Werhhnbeten. (1453.) 


vor allen Leuten verſpottet und verhoͤhnt habe und wie ges 
droht worben fey, „bie Drbensherren wollten lieber ein wiäfles 
Lond haben, in welchem fie Herren, als ein bevöflesteß, in 
bem fie ohne Gewalt wären; es müßten breis bis vierhundert 
Unrubeflifter aus bem Wege geichafft werden, um mit Dem 
Andern fertig werben zu koͤnnen; ber Biſchof von Ermland 
babe gelobt, den Bund bis ind Grab mit allen Haſſe zu ver 
folgen” u. f. w.D Der Som ber Berbimbeten wurde noch 
mehr gereizt durch ben Jubel und Triumph, ben bie Berichte 
ber Orbensgefandten unter ben Orbenöberren ervegten, zumal 
als der Orbenöfpittler meldete: „ber Bund ift burch des Kais 
fers Richterfpruch abgefprochen, vernichtet, verbamımt, für kraft⸗ 
los und ungerecht erfläst; ihre Erlaubniß⸗ und Befldtigungss 
briefe, worauf fie immer genobe, haben ihnen nichts geholfen, 
liegen in der kaiſerl. Richtlade und werden ihnen nie wieder 
werben. Singt daher ein Te Deum laudamns!“ 2) 


Kein Tag ging nun vorüber, an dem nicht Zuſammen⸗ 
Fünfte und Berathungen ber Eidechſen⸗Ritter und Bundes⸗ 
haͤupter Statt fanden, zumal in Thorn, wo Hans und Sti⸗ 
bor von Baifen und Hand von Szegenberg als die wichtigſten 
Etimmführer der Ritterfchaft, fobald eine neue Meldung kam, 
die angefehenften Bundesglieder aus dem Kulmerlande zuſam⸗ 
menberiefen, um über fernere Schritte zu berathen.? Der 
Sturm der Leidenfhaft durchbrach da oft alle Bügel und 
Schranken. In einer Verfammlung warb auf Antrieb des 
Bundesrathed zu Thorn befchloffen, vom Hochmeiſter durch 
eine Botfchaft zu verlangen, daß Über den Biſchof von Erm⸗ 


1) Fol. A. 170. Schr. Ramſchels v. Krisen an Sans v. Baiſen, 
d. Mont. nach Martini 1453 im Rathsanchio zu Thorn Cist. XVII, 35, 

2) Schr des Komtburs v. Eibing, d. Neuftadt Sonnab. vor 
Barbara 1453 Schbl. XLVI. 23. Nah Runas p. 21 erhielten dig 
Bundesgefandten ihre Laiferl. Briefe wieder zuräd, nah Schätz p 
194 waren fie caffirt. 

3) Schr. des Komthurs v. un, d. am Vorfeſte Nicslai 1453 
east LAXYVILU, 100. Schitz p 19%, 


Steigende Erbitterung der Berbänbeten. (1453.) 847 


land umb ben Dibendfpäitier ſtrenges Gericht gehalten werke, 
„sam ehe fie, hieß ed da, bie Reben leiden wollten, die ihnen 
biefe beiben nachgerebet, wollten fie lieber, daß man ihnen, 
irn Beben und Kindern bie Hälfe mit. Dielen abftoßen 
fole.” ) „Möchte.mir doch, brach einer im Haß gegen den 
Vogt von Leipe aus, ein Stud Zleiih von ihm in einer 
Schuͤſſel werden, ich wide darob fehr fröhlich feyn.” Der 
Biſchof von von Heldteg, ve cn anbar au, der Komthur von 
Eibing und ber Vogt von Leipe find werth, ‚daß man fie alle 
viertheile, ind Feuer werfe und fie brate wie Krammetsvoͤgel 
ober auf die Straßen hänge.” „Und was für Freiheit haben 
wir denn noch vom Hochmeiſter? fragte ein Bundesritter. „Mit 
Henleitern zu fifchen! antwortete ein anderer. „Man folle doch 
um anfehen, rief einer einft aus, was für Gebietiger jegt im 
Diden ſeyen; fie könnten nicht einmal vecht zu einem Kubftalle 
rathen, wie follten fie für ein ganzes Land Rath geben koͤn⸗ 
nm!" D Man verbreitete auch dad Geruͤcht: fobald die Sends 
boten heimkehrten, fey der. Hochmeifter entfchloffen, Hanfen 
von Baifen, Zhielemann von Wege, vielen aud dem Bundes⸗ 
zathe und zweihundert Landetritten und Knechten bie Köpfe 
vor bie Füße zu legen. So beste man bie Leidenſchaften im⸗ 
mer wilder auf. Thorn wurde nun ſchon umter vier Kriegds 
baseptleute geftellt und jedem ein Banner übergeben, auch eiligft 
nach Poleh um Hülje gefandt.? Der Rath gebot, jeder Buͤr⸗ 

ger folle fih zum Kampfe rüflen, die Reichen Harnifch und 
Bewer ankaufen, bie Aermern ſich folche vom Rathhaufe ho: 
im. Unb als ber Komthur den Rath befragen ließ: "wozu 
ſolche Rüftung ſey? erhielt ex die Antwort: es fey alte Ges 


1) Schr. des Vogts dv. Leipe, d. Schönfee am Libend Eoncept. 
Mariä 1453 Schbl. LXXVIII. 88, 

2) Chr. des Vogts v. Leipe, d. Schönfee Sonnt. O Sapiontia 
3453 Schbl. LXXVIII. 86. Geſch. d. Eidechſ. Gefeafh. S. 147. So 
keunithig, wie Detmar Chron. B. II. 164 die Verbuͤndeten ſcitdert, 
waren fie keineswegs. 

3) Schr. des Wlüngmelfters v. Thorn, d, Thorn Mont nad) Eon. 
pt, Mariä 1453 Schdl, LXXVII. 101, 


848 Oteigenbe Exbitterung d. Verbuͤndeten. (1453 — 1454.) 


wohnheit, daß man bie Stabt. forgfältig in Hut unb Wade 
halte, wenn im Winter bie Weichſel mit Eis beſtanden fey. » 
Auch in Elbing, Danzig und den andern Bundesſtaͤdten wurde 
das Volt vom Rathe durch allerlei Reben, Geruͤchte und Vor⸗ 
wände von ſchrecklichen Gefahren fir Leben mb Gut gegen 
den Orden mit Haß erfüllt unb zur Bewaffnung und Verſor⸗ 
gung mit Lebensmitteln aufgefordertz man gab vor: allee, 
Leib, Ehre, Freiheit und Eigenthum ſtehe jegt auf bem Spice; 
alles folle mit dem Schwerte zur Leibeigenfchaft unterdruͤckt 
werben, ® 


Es war eben im Bundesrathe zu Thom, vielleicht durch 
Hand von Baifen angeregt, noch einmal der Gebanke erwacht, 
dem Hochmeifter noch einen Verſuch zu frieblicher Ausgleichung 
vorzulegen, als am ©. Thomas⸗Tage kurz vor Weihnach⸗ 
ten dem Meifter duch den Komthur zu Wien und kurz zuvor 
durch ein Schreiben bed Danziger Bürgermeifterd Wilhelm 
Sordan auch den Bundeshaͤuptern bed Kaiſers Spruch nad 
feinem vollen Inhalte überbracht ward. Nach Beſchluß eine 
Bundeöverfammlung ließ der Rath von Kulm durch Ausſen⸗ 
dung den kaiſerl. Spruch überall befannt machen, aber mit 
ernfter Ermahnung: Fein Ehrenmann dürfe ſolche Schande unb 
Läfterung ertragen, alle müßten jest einig und fefl ihre Frei⸗ 
heit behaupten und alle ehrlich und reblih am Bunde ber 
Lande und Städte fefthalten. „Haltet feft zu einander, hieß 
ed, verlaffe Feiner den andern; wer unter euch böfen Saamen 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Mont. vor Luck 1453 
Schbl. LXXVIII. 65. 

2) Schr. des Hauskomthurs v. Elbing, d. am T. Lucia 1453 
Schbl. LXXVIII. 172. Schr. des Hauskomthurs v. Danzig, d. 
Sonnab. nach Luciaͤ 1853 Schbl. LX. 66. 

3) Schr. des Vogts v. Leipe, d. Schoͤnſer am Abend Concept. 
Marid 1453 Shbl. LAXXVIII. 88. Gef, der Eidechſ. Geſelſch. 
©. 149, 

4) Sol. A. 170. Schr. des Hauskomthurs v. Danzig, d. Sonnab. 
‚ nad Luca 1453 Schbl. LX. 66, 


Steigenbe Exbitterung d. Verbündeten. (1453 — 1454.) 849 


ansfdet, Partei und Zwietracht fucht, nennet und den, man 
wird fich an feinen Leib und feine Guͤter halten. Es kommen 
Bernungen, daß wir vor Ueberfall nicht ſicher ſind; alſo hal⸗ 
tet die Staͤdte in guter „Hut!“ ) Es entſtand ſofort in allen 
Gebieten des Bundes eine ungeheuere Aufregung wie in Staͤd⸗ 
ten, ſo auf dem Lande. Haß und Erbitterung erſtiegen den 
hoͤchſten Grad.) Ueberall ſah man Anſtalten zu Gegenwehr 
und Krieg. Das ſchutzloſe und furchtſame Landvolk floh in 
geben Haufen in die Städte; aus den Burgen liefen die Ges 
fellen aus dem Lande, die fie mit vertheibigen helfen follten, 
im Schaaren davon. Es loͤſten fich in einem großen Theile 
des Lanbed alle Banden bed Gehorſams gegen die Landesherr⸗ 
fhaft und ihre Behörden; alles fland fi in Haß und Feind» 
ſchaft einander gegenüber, Städte gegen Städte, Ritter gegen 
Kitter, Bauer gegen Bauer, der eine dem Orden, feinem Lan⸗ 
besheren, der andere dem Bunde und der neuen Orbnung zus 

‚2 alles in Auflöfung, Unordnung, wilder Gährung 
und Leidenſchaft. Um einen entfcheibenden Gewaltfehritt zu - 
wagen, fihienen die Bundeshaͤupter nur noch die frembe Krieges 
hilfe aus Polen, Böhmen und Mähren zu erwarten, denn 
auch in ben beiden letztern Ländern hatten bereits die Sendbo⸗ 
tn ded Bundes Soͤldnerhaufen in Dienft genommen; felbft 
Georg Podiebradb, der Gubernator von Böhmen, follte Krieges 
volt zugefagt haben, ®) 


Der Hochmeifter, der ſich in feiner Hoffnung, daß des 
Kaiferd Spruch die Verbimbeten wenn auch nicht ganz entz 


3) Ausfchreiben des Raths v. Kulm, d. Sonnab, nad Thomä 
1453 Schol. LIE. 36, 

2) ol. A, 170. 

3) Schr. des Komthurs v. Schwez, d. am Ehrififefte 1454 Schbl. 
LV 148, 

4) Schr, des Vogts v. Dirſchau, d. Sonnab. vor Nativit. Chriſti 
1453 Schbl. LXXVIII. 121. 

5) Schr. des Ord. Spittlers, d. Neuſtadt. Dienſt. vor Weihnach⸗ 
tea 1453 Schbl. XLVI. 29. Schiux p. 181, 


20 Friebenverfuch des HM. (1453 — 1454.) 


muthigen, fo doch zur Maͤßigung ihrer Forderungen und zu 
ruhigen Beſonnenheit führen werde, nicht nur gaͤnzlich ge⸗ 
taͤuſcht fand, ſondern den Sturm vielmehr mit geſteigerter 
Macht uͤber den Orden hereinbrechen ſah, verſuchte noch ein⸗ 
mal, die drohende Empoͤrung zu beſchwichtigen. In einer den 
Biſchoͤfen und Gebietigern zur Bekanntmachung überſandten 
Schrift erklaͤrte er: er habe im Rechtsſtreite vor dem Kaiſer, 
wie ſein Anlaßbrief klar ausweiſe, nichts weiter geſucht und 
ſuche auch noch jetzt nichts weiter, als Recht und Gerehtig 
keit. Man beſchuldige den Orden, daß er Soͤldner werbe, um 
die Verbuͤndeten durch Ueberfall zu uͤberwaͤltigen und zu Leib⸗ 
eigenen zu machen. Dan thue ihm darin Unrecht; er denle 
an keine Gewaltichritte, noch an Belnechtung feiner Unterthes 
nen; ed ſeyen alles Erdichtungen feindlichgefinnter Werleumber 
bed Ordens. Er felbft und alle Gebietiger gaͤben auch jcht 
die Hoffnung noch nicht auf, „daß alles noch zu einem feligen 
unb guten Ende fommen werde.” Diefe Erklärung fand in⸗ 
deß in den großen Stäbten wenig Anklang. In Thorn wollte 
man dem Komthur nicht einmai Gehör geben und Hand von 
Baifen verhehlte nicht, daß er bem Worte bed Hochmeiſtero 
kein Vertrauen mehr ſchenken koͤme.) Ebenſo in Elbing und 
Koͤnigsberg, wo man bie Erklaͤrung bed Hochmeiſters für eine 
Erdichtung ded Ordensmarſchalls ausgab, mit der man bie 
Städte überliften wollte, Vergebens widerfprach der Dan 
hal? Nur in Danzig zeigten fi) noch mildere Gefinnums 
gen. De Rath erflärte: ex wimfche auch jetzt noch nicht 
mehr als eine gütliche Beilegung bed Streites; ex wolle germ 
eine Vermittlung einleiten; nur möge der Meifter einen jähe 
lien Richttag zufagen unb verſprechen, daß er hinfort dei 
Bundes wegen niemand mehr zur Rebe ſetzen ober irgend bes 
leibigen wolle; dann werbe fi) der Unwälle von felbft ſtillen. 


1) Sol. A. 170 — 171. 

2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am 3, Thomaͤ Eantuar, 
1454 Schbl. LII. 79, 

3) Fol. A. 171. 


N 


Frlebenverſuch bed HM. (1454.) 31 


Der Hochmeifter möge daher alle Verbuͤndeten zu eines allges 

meinen Zagfahrt berufen, wo durch mimblide Mittheilung 

manches leicht befeitigt und manches Schroffe und Harte ges 
milbert werben koͤnne. ? 

Die Ordensgebietiger waren barlıber verfchiebener Mei⸗ 
nung; da jeboch ber größere Theil ben Vorſchlag billigte, 2 
fo berief der Meifter befonderd die Bleinem Städte zu einer 
Zagfahrt nach Marienburg.? „Lieben Freunde, ſprach er ba, 
und ift vorgefommen, daß man euch mancherlei feltfame und 
wunberliche Dinge vorbringt, daß wir viel fremdes Wolf und 
Solbner aufnehmen, um euch damit zu überfallen und zu 
themwältigen, daß wir euch zu Reibeigenen machen wollten und 

‚ ed werde nimmer gut werden, wir ließen denn drei⸗ 
bis vierhundert der Angefehenften zuerft Über die Klinge fprins 
gen ımb bergleichen mehr. Gott weiß, daß ein ſolches nie in 
mfer Herz, Gedanken oder Willen gelommen ift, da jeber ja 
wehl einficht, daß euer Verderben auch unfer eigenes Verder⸗ 
ben ſeyn winde Wir bitten euch daher, folchen Erdichtungen 
keinen · Slauben zu ſchenken, fonden uns zu vertrauen und 
fiber zu ſeyn, daß wir an euch nicht anderd thım und fahren 
wellen, als wie ein getreuer Herr an feinen getreuen Mannen 
fl” Darauf belehrte der Meifter die Verfammelten uͤber den 
gatzen wahren Verlauf bed Nechtöganged vor dem Kaifer, 
durch den ber Orden nichts weiter gefucht habe, ald was Recht 
ſey. Auf die Kriegsrhflungen und Truppenwerbungen der gros 
fen Staͤdte hinweiſend, fuhr er dann fort: „Wir fragen euch 
jet und begehren von euch zu wiflen: ob man fremdes Volk 
bereinbringen winde, um ben Orden und bie Lande zu uͤber⸗ 
wälfigen, was wir und zu euch Zroftes und Beiſtands verfe- 


1) Schr. des Komthurs v. Daiig, d. Mont. vor Beſchneid. Chr, 
AA Schbi. LXXIX. 161, Schütz p. 19%. 


2) Schr. des Konthurs v. Balga, d. Pelen Donnerk. nad heil. 
drei Könige 1454 u. Schr. des Komthurs v. Brandenburg, d. Kreuz 
burg Dienf. nach Epiphan. Schbl. LXXIX, 3, 8. 89. 

3) Zol. A. 174. Bericht über die Tagfahrt Shhl. LAXIX. 20, 


352 Friedensverſuch bed HM. (1454.) 


pen dinfen?” Da ber Meifter auf eine beflnnmte Autwed 
drang, fo erwieberten die Abgeorbneten: „gefchähe, was iht, 
Hear Meifter, fagt, was Gott verbüte, fo wollen wir alle bei 
euern Gnaden und dem Orden thun, wie getreue Leute. gegen 
ihren Heren es follen und euch Beiſtand Ieiften mit Leib und 
Gut.” Erfreut über biefe Antwort entließ der Meifte bie 
Verfammelten.D Es ſprach fih wirklich in vielen kleinen 
Städten und hie und da auch auf dem Lande eine guͤnſtigere 
Stimmung für den Orden aus; man verficherte an vielen Dr 
ten die unbedingtefte Treue und Ergebenheit gegen ben Lan⸗ 
deöhern.? Die Gebietiger wınden daher beauftragt, durch 
Milde und Schonung im Gericht und wo fie koͤnnten, dicſe 
geneigtere Geſinnung zu erhalten, zu foͤrdern und in jeder 
Weiſe auf die kleinern Städte guͤnſtig einzuwirken.“ Um 
feinem Worte Vertrauen zu voſchaffen, ſandte der Hochmeile 
bem Orbenöfpittler, der bereit3 bemüht gewefen, in Böhmen 
Soldtruppen fr den Orden aufzubringen, den Befehl zu, fan 
Kriegsvolk mit ind Land zu bringen ober e8 wenigſtens fo aus 
zuordnen, daß, wenn etwa hundert Trabanten, eine Anzahl 
Büchfenfhügen u. a, nach Preuffen ziehen wollten, fie ald ums 
beftellteß, auf eigene Hand herankommendes Volk unb auf wer 
ſchiedenen Wegen einreiten möchten. 4 

Da aber in vielen Gegenden, in, Stäbten und auf 7 
Lande das Volk fortwaͤhrend in groͤßter Aufregung war, die 
Bundeshaͤupter uͤberall umherzogen, um wie zu Grauden,, 


1) Die Verhandlungen im Fol. A. 171—173. Schr. des HD 

an den Orb. Maria, d. Mar. anı Bten T. der h. drei Könige 1454 
Schbl. LXXIX.' 129. Bericht über die Tagfahrt Schbl. LXXIX. 88, 

2) Schr, des Komthurs v. Schwez, d. Mittw. nach der Octava 
der h drei Könige 1454, Chr, des Hauskomthurs zu Preufſ. Mart, 
d. Ehriftburg Mont, nad) heil, drei Könige 1454 Schbl. LIXIX. 
182. 212 

3) Schr, des HM. an den Ord. Marſchall, d. Mar. Dienfl. vor 
Priſcaͤ 1454 Schbl. LXXIX. 219, 129. 

4) Schr, des HM. an den Ord. Spittler, d. Mar, Dinf. naqh 
h. drei Koͤn. 1454 Schbl. LXXIX. 143. 


Friedensunrfuh, des HM. (1454.) 363 


Mewe und andern Drten die Bürger gegen ben Drben und _ 
den Rath der Stabt aufzuwiegeln, ba fertter im ganzen Lande ° 
eine Ärt von Proclamation verbreitet wurde, offenbar zu dem. 
Zwede, die Gemuͤther noch mehr aufzureizen und zu erbittern 
uw zugleich das Volk wegen der vorgeblichen Gewaltmaaß⸗ 
zegein bed Ordens in Angſt und Schrecken zu ſetzen ) und ba 
ſchon in vielen Gegenden Ritter und Knechte, ehrbare Leute 
und Bauern mit Habe und Gut in bie größern Städte fluͤch⸗ 
teten, weil man ſchon jeden Tag einen feindlichen Weberfall 
vom Drben befuͤrchtete,) fo wandte fich der Hochmeiſter noch⸗ 
mals an Hand von Baifen, um wo möglich durch defien Ges 
wicht und Anfehen feinen friedlichen Worten im Volke Glatıs 
ben md Vertrauen zu verfchaffen.. Diefer indeß gab die troſt⸗ 
We Antwort: „das Volk ift allgemein ergrimmt und erbittert 
& der Schmähmgen und Läfterımgen euerer Sendboten im . 
Auslande; von überall her kommt ‚Barnung wegen ber Kriegs⸗ 
gifte, die ihr aufnehmet; felbft in euerer Verantwortung fin 
den bie Leute in vielen Worten Gefahr und brohendes Unges 
mach ; nirgenbö erfennt man Lauterkeit in euerer Geſinnung. 
% Habe, wie ihr wuͤnſchet, den Leiten mitgetheilt, aus wels 
der guten Meinung ihr das Bild S. Barbara’ nach Mariens 
burg habt bringen laſſen; allen das Volk glaubte, fo lange 
das Bild noch in Althaus bleibe, wuͤrdet ihr nicht Krieg an⸗ 
heben; jetzt iſt es in neuer Sorge und zweifelt, daß ihr Friede 
balten werbet.”® 


Wirklich war die Aufregung in den großen Stäbten ſchon | 
außerorbentlih. In Thorn fehlte ed nur noch an einer förmlichen 





1) Sär. des Komthurs v. Mewe, d. Donnerft. nad) h. drei Koͤn. 
Chr. des Komthurs 9. Graudenz, d. Freit. nach Epiphan. 
dabei die erwähnte Proclamation, Schbl. LXXIX. 87. 14, 

2) Schr. des Biſchofs dv. Pomefanien, d. Ricfenburg am T. ber 
h. drei Koͤn. 1454 Schbl. LXXIX. 15. Im Kulmerlande war das 
lichen in die Gtädte ganz allgemein. 

3) Sir. bes Hand v. Balfen an den HM. d. Thorn Donnerſt. 
aach 6. drei Könige 1454 Sch, LXXIX. 117, 

vm. 23 


ER 


354 Kriegeriſche Steltung d. Bundes gegend. Orden. (1454.) | 


Kelegserklaͤrung. Tag vor Tag, ja Stunde vor Stunde rannte 
das efbifterte Volk gegen bie Burg an, fo daß der Komthur 
weder Tag noch Nacht vor einem Sturme ſicher war, denn e8 
ding bie Rede: Tobald Thielemann von Wege Mit Kriegsvoll 
ankomme, folle bie Burg erſtuͤrmt werden, und doc) war and 
bis jegt für Ihre Vertheidigung aͤußerſt wenig geforgt, alle 
Wehranſtalten in fehr fchlechtem Zuftande, an Geſchoß, Pul⸗ 
ver ımb Mannfchaft det größte Mangel, weil von den Krieg 
pflichtigen aus dem Lande niemand auf dad Haus ziehen 
wollte, um es vertheidigen zu belfen.D, Im gleicher Gefahr 
befand fich die Orbensburg zu Danzig, von Bollwerfen, Zar 
raffen, treibenden Schirmen und andern Belagerungd> md 
Wehtbauwerken ſchon faft rings umgeben ımb von nicht we 
niger als zweihunbeet geladenen Donnerblichfen bedroht, ſo daß 
auth hier bie viel zu ſchwacht Mannfchaft auf der Burg jede 
Stunde einen Sturmangriff zu fürchten hatte.” Die Gefaht 
ward noch größer, als die Stäbte das Geruͤcht durchlief! der 
Markgraf von Brandenburg ſey ald Hauptmann eintr großem 
Heerſchaat des aufgenommenen Kriegsvolkes berdts in vollem 
Unzuge, am die Bundesſtaͤdte zu Aberfallen.® Selbſt dab 
lange Ausblriben der Ordenögefandten, nachdem die des Bar 
des laͤngſt heimgekehet warm, fldigette das Mißtrauen, dam 
man fand auch darin emen Grund mehr zu der Bermatfung, 
dab Ver Orden durch fie im Auslande ſo viel ald mögld 
Soͤldner und anderes Kriegsvolk aufbringen laſſe. Bereits 
hatten die Bundesgeſandten, beſonders Ramſchel von Krisen 
einen flarken Haufen Boͤbmiſcher Soͤlerrer, unter dem Vor 
wanbe eined Geleited zu ihrer Sicherheit auf dem Wege, mi 





—— 


1) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Sonnab. in der otare 
epiphan. 1454 Gä6t, LII. 104. Geſch. der Eibeäf. Beet. 6170 

2) Bthr. des Hauckomchuts und Konvents zu Danzid, d. Dieaf: 
nad) 5. drei Kon. 145% Schbl. LX. 90 (a.) | 

3) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. Mittw. nad Eplphan. ie 
Säbt. LII. 33. 

4) ol. A. 173. 





Keisgerifche Stellung d. Bandes gegend. Orden. (1454.) 355 


ind Land geführt und in die Städte Thorn, Kulm und Er 
bing vertheilt. | 

Die Entfcheidung ruͤckte mit jebem Tage naͤher; täglich 
Bieg die Spannung der Gemlither, Angft und Bangigfeit auf 
der einen, Grimm und Erbitterung auf ber andern Sefte 
Jeder belaufchte des andern Gefinnung, Iauerte auf des Geg⸗ 
ners Abfichten und Anfchläge. An den Graͤnzen fihlichen Kund⸗ 
Ichafter der Ordensbeamten nach Polen, um auszuforfchen, ob 
dort Friegerifche Vorbereitungen im Werke feyen. Im Innern 
des Landes, deſonders in den Städten zogen allenthalben Spione 
umber, ald Pilgrime, KBanbwerfögefellen oder fonft wie vers 
kleidet, um alled auszukundſchaften. Man wollte darımter bie 
md da ſelbſt verfieivete Ordensbruder erfannt haben, weshalb 
der Bunbesrath zu Thorn durch ein Rundfchreiben die Wars 
wing erließ, auf diefes Spionengefinbel überall ein ſcharfes 
Auge zu haben. ? Die Komthure hatten den Auftrag, die Stim- 
mmg in ihren Gebieten aufs forgfamfte auszuforfchen und alles 
anzınpenben, das Volk an feiner Treue gegen den Orden feſt⸗ 
suhalten, und aus mehren Gegenden liefen auch bie güͤnſtig⸗ 
ſten Berichte ein. Eine anfehnlihe Zahl der Pleinen Städte 
thells in den woeflfichen Landen, wie Stargard, Neuenburg, 
Mewe u. a.,? vorzüglich aber die in ben oͤſtlichen, ſowie bie 
ebaren Leute aud den Gebieten des Orbensmarfchalld, von 
Bolga, Brandenburg u. a. gelobten, dem Orden unter allen 
Amftänben, felbft im Kalle eines Krieges unwandelbare Treue 
md Gchorfam berveifen zu wollen. Auf einer Tagfahrt zu 
Kömigäberg nahmen fie ſelbſt gegen dieſe Bundesſtadt infofern 
eine drohende Stellung an, als fie ihr erklaͤrten, daß, wenn 


1) gel. A. #78. 

Y She. des Komthurs v. Tuchel, d. Mont. vor Anbei 1458; 
dabei das Warnungsfchreiben des Bundesrathe zu Thorn unter Dem 
GSlegel Auguſtins v. der Schewe, d. Thom Sonnab. mod Gpiphan. 
54 Schhl. XLIII. 42, 

3) Schr. des Ion von der Iene an Hans v. Batfen, d. om. 
Pauli 1454 im Rathsarchiv zu Thom Ole. XVII. 85, 

293% 


356 Kurgerifche Stellung d. Bundes gegen. Drben. (1454.) 


es mit den MWehranftalten und Rüftungen der Stadt auf viren 
Angriff gegen ben Orden abgefehen fey, fie diefem mit aller Macht 
zu Hülfe fliehen worden. Der Komthur von Ofterobe brachte 
fogar unter den Städten und Meinen Freien feines Gebietes 
eine Art von Gegenbund zu Stande, im welchem alle fich auf 
Eid und Ehre vereinten, den Meifter vor aller Gewalt zu ſchuͤ⸗ 
ben, dem Orden mit Gut und Blut beizuftehen und jeben, 
ber aus biefem ihrem Bunde in ben feindlichen uͤbertreten 
werbe, auf Leben und Zob zu verfolgen. Mit diefem Bunde 
follte ein anderer im Chriftburgifchen Gebiete fich vereinigen 
und feinen Kreis immer mehr erweitern; die Gebietiger von 
Dfterode und Chriltburg follten an bie Spige treten und ihn 
wenigftend auf einige Jahre zufammenhalten: ein Gedanke, ber, 
wenn er früher und allgemeiner auögeführt worben wäre, vie 
lem Unheil und Verderben hätte vorbeugen koͤnnen. Jett blieb 
er nur auf biefe Gebiete beſchraͤnkt und ſomit auch ohne bes 
fondere Folgen. 2 

- Wie Eonnte auch ein fo Heiner Bundesverein etwas Be 
beutended wirken, einem Sturme gegenüber, ber von horn 
aus mit fo reißender Gewalt über das Land hinbraufte, von 
Männern in der wildeften Bewegung erhalten, bie wie Hans 
von. Baifen, Hand von Czegenberg, Zhielemann von Wege, 
Nicolaus von Tergowig, Auguflin von ber Schewe, Gtiber 
und Gabriel von Baifen, Ramfchel von Kriren, Ion von ber 
Jene u. a. an der Spibe ded Bundes jeht alles aufbieten 
mußten, das wildgewagte Spiel mit, äußerfter Entfchloffenheit 
durchzuführen, für die es jet alled, Ehre, Leben und Eigen 
thum galt! Sie mußten jebed Mittel ergreifen, um bie noch 


1) Sähr. des Ord. Marfchalls und der Komthure v. Balga und 
Brandenburg, d. um Pauli Eonverf. 1454 Schbl. LXXIX. 46, 
132, 138. Br 

2) Schr. des Komthurs v. Dfterode, d. Soldau am T. Bablas 
und Gebaft. 1354. Außen auf dem Schreiben ſteht bemerkt, daß dieſe 
Vereinigung Teinen Beſtand hatte. Schr. des Komthurs v. Rewe, 
d. Mittw. vor Lichtweß 1454 Schbl, LXXLX. 98, 178, 


riegeriſche Stellung d. Vundes gegen. d. Diem (1454.) 857 


Uörige Macht did Ordens moͤglichſt zu ſchwaͤchen und ihm je 
des Bertheivigungdmittel: zu entwinden; unb der Haß und In⸗ 
grinmn bed Volkes in ben großen Städten und eined großen 
Theiles ber Ritterfchaft kam ihnen dabei: zu Hülfe. Als daher 
der Komthur von Thom: gegen den . täglich zunehmenden Ge⸗ 
drang feine Burg ſtaͤrker bewehren und befefligen wollte, ken 
üben zuerſt ber Vürgermeifter warnend: entgegen und ala dieß 
wicht fruchtete, bemaͤchtigte ſich das Stadtvolk alles Baume⸗ 
terials und ließ der Burg nichts mehr zuführen. Der Ei⸗ 
dechſen⸗ Ritter Nitolaus von Tergowitz, zum Hauptmanne ber 
Neuſtadt beſtellt, befehligte dort einen Theil der 'ntit: ben 
Sendboten ind Land gezogenen Boͤhmiſchen Soͤldner. Hans 
von Baiſen gab dieſe Schaar abfichtlich nur ſehr gering an, 
denn daß fie ungleich größer. war, bewies bie Drohung des 
Bürgermeifters, der dem. Komthur erfldrte: wenn wirftich, wie 
man vernehme, Dreihundert Dann gegen Thorn im Anzuge 
feyen, fo babe man bereisd Anſtalt getroffen, fie in der Nähe 
von Zhorn anzugreifen und fo den Krieg zu beginren, denn 
man werbe in Feiner Weiſe geflatten, das Haus flärker zu be 
mannen. Dieſer Umſtand und das Gerücht, daß Markgraf 
Wrecht von Brandenburg und ber Ordensſpittler naͤchſtens 
eine anfehnliche Lriegsmacht von Soͤldnern herbeiführen wär 
ben, 2? befchleunigten jegt bie Entfchlüffe und Schritte der Bun⸗ 
beshäupter, Thom, Danzig und Elbing waren bereits bins 
Kusich mit Mannfihaft und Kriegsmitteln verforgt. Seit 
Zhielemann von Wege und Gabriel von Baiſen, der beint Koͤ⸗ 
ige von Polen zu Lublin gewefen, nah Thorn zuruͤckgekehrt 
waren, langten bort täglich neue Haufen von KReifigen und 
Trabanten an, fo daß man jeden Tag ſchon den Ausbruch des 
Krieges erwartete, d 


1) Sqr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Marcel 1454 Schbl. 


.Al. 32. 


2) Schr. des Komthurs v. Thorn, d. am T. Agnes 1454 Säit. 
46, 
3) Schr. des berman⸗ Witt, d. Thorn Mont. na Pauli 1454 


368 Abfall der Werbünbeten vom Dikm. (1434.) 


» In ver What war auch Then in den letten Tagen des 
Fondare Der liſtige Anſchlag zum gaͤnzlichen Abfalle vom De 
den entworfen. 2 Auf Anlaß des Bundesrathes zu Thorn 
naͤmlich begaben ſich mehre Bürger aus Kulm, die ber Hoch 
wieifter bishet fir tren und gehorfam gehalten, zum Kowmthur 
von Strasbutg und durch Oefpräche über des Landes Zufland 
Nic bei ihm Wertsauen erwerbend, ertheilten fie ihm ben au⸗ 
Meinend wohlgemelüten Rath: er möge ben Meiſter zu bene: 
gen fuchen, hoch) einmal den Weg einer Verföhnung einzuſchla⸗ 
gen und deshalb einige feiner mwichtigften Gebietiger fo bald 
ws moͤglich nach Thom zu fenden, wo Hans von Baiſen mit 
Ven vornehaiſten Bundesherren fich gerne zu einer nochmaligen 
Tagfahrt bereitwillig. finden laſſen winden. Der Komthur, 
Dem Vorgeben ecauend, meldete die dem Hochmeiſter. Dafſfelbe 
Thaten bie Danziger, indem fie ihren Komthur erſuchten, den 
Meiſter muͤndlich zu einem ſolchen Verſoͤhnungsverſuche zu be 
Wegen.” Zu gleicher Zeit ſchrieb an biefen auch Hans von 
Baiſen? koͤnne ve noch irgend. etmas in bequemer Weile in 
der Sache thun, Fo Tolle «8 an ihm nicht fehlen; er habe fruͤ⸗ 
ber oft den Rath gegeben, man folle die Sache nicht aus bem 

Rande kommen Yaffen: allein biefer Rath fey als unnüg befun- 
den worden; er habe daruͤber weder ſchriftlich noch mundlich 
je eine Antwort erhalten. Auf biefe Vorftellungen beſchloß 
der Hochmeiſter, die beiden Komthure von Strasieng und 
Danzig war Thorn zu fenben, wo fie ſich mit bem von 
Xhom, einigen ber ehrbarſten Leute aus dem Strasburgiſchen 
Gebiete und anben Goͤnnern des Ordens zu einer Tagfahrt 


Schbl. LXXVII. 42, Man erfuhr, daß die erfien kingriffe auf die 
ſchwachbeſetzten Burgen Alıhaus, Schwez und einige andere gerichtet 
ſeyn folten. Schr. des Komthurs v. Althaus an den v. Shot, d 
am IJ. Vinccanit 1854 Schbl. LXXIX. 8, 171, 

1) Fol. A. 173, _ 

2) Sol. A. 173. 

3). Schr. des Hans v. Baifen an den HM. d. Shorp Am 0. 
Pauls s Sage 1454 Schbl. LXXIX. 108. 


Abfall ‘der Verbuͤndeten mom Rrhn. , (1454) 339 


wit den Munbeöhäuptern. vereinigen ſollten. D Alle Somtbune, 
jr Die getreuen Bande und Städte im Niederlande flimmten 
mit. ein, bach bie meiſten mit der Mathe, ber Meifter moͤge 
ie aglahrt noch binzieben bis zur Ankunft ber Ordensgeſandten 
6 zu dieſem Aufſchub auch den Bundesrath in Thorn zu be> 
wegen. fuchen.? Dieß ſchien auch um fo exwuͤnſchter, da 
dern. Hochmeifter ſowohl vom Biſchof von Ermland un bem 
Dibenöfplitier als vom Pfleger von Buͤtow troͤſtende Nachrich⸗ 
ten zukamen, namentlich ba ber alte König Erich verſprochen 
habe, dem Orden mit Gelb und gigem Kriegshaufen von we: 
zigftens fünftaufend Mann zu Hllfe kommen zu wollen, ſo⸗ 
halb e& der Meifter wunfhe? 

Rum gefhah aber, daß an bem Bag. als dex Komshyr 
von Danzig in Marienburg die noͤthigen Befehle und Aufträge 
zu Verhandlung mit den Bundesherren in Empfang nehmen 
fote, auch der Ordensmarſchall mit dem nämlichen Anbringen 
von Seiten Koͤnigsbergs bort eintraf, Dieß nermehrig un 
des Meifters Hoffnung und Vertrauen und es Ichien ihm fath- 
fm, auch ben Marfchall mit nach Thom zu enden. Am 
Dernerſtag nach Dorotheä ober am fechften Februar [ollten 
die Bebietiger dort eintreffen. ® Allein noch vor biefem Tage 
werd ber entfcheivende Schritt gethan. Nachdem man burg 
den erwähnten ſchlauen Vorſchlag den Hochmeiſter und bie 
Gebietiger ſicher gemacht, die Solbtsuppen des Ordens in Der 
Gerne gehalten und bie Ausſicht gewonnen hatte, einige ber 





1) Sol, A. 173. . ” 

2) Schr. der Romthure v. Balga u, Brondenhurg, D, Lichtmcß 
1454. Schr. des Komthurs 9, Danzig, des yon Mens, Gtrosburg, 
d. Mont. vor Purif, Mariä 1454 Schbl. LIXIX. 8. Ai. 133. 214, 
136, Schr. des Biſchofs dv, Ermland und dep Ordensſpittlers, d⸗ 
Landect Gonnt. nach Purif. Mariaͤ 1454 chend. 69. 

3) Schr. des Biſchofs v. Ermland und des Ordensſpittlers, d. 
Drompurg am Abend Purlf. Mariaͤ 1454 Echbl. LXXV. 77. Schr. 
des Phegers v. Buͤtow, d. Mittw. vor Purif. Mariaͤ 1454 Schbl. 
XX. 56, 

V ol, A. 174. 


. 360 "Abfall der Berbundeten vom Dim. (1454.) 


vichtigſten Gebietiger als Gefangene in Thorn feſtnehmen zu 
koͤnnen, 'oerfaßte Hans von Bolfen mit ben um ihn befinbil: 
"den Bundeshaͤuptern und Eidechfen-Rittern am vierten Februar 
‘einen an den Hochmeifler gerichteten Abfages Brief, worin bie 
‚ Mitterfchaft und die Städte des Bundes nach Aufzählung ber 
Pflichtverletzungen und Ungererhtigfeiten, bie man dem Hoch⸗ 
meiſter aufbürbete, ihm den Gehorſam "und Hulbigungseh 
auffündigten, d Ein Stabtfnecht aus Thorn warb damit nad 
Marienburg gefandt, um ihn dem Meifter an ben naͤmlichen 
Tage zu überreichen, an Weldjem man die erwähnten drei Ge 
bietiger bet ihrem Eintreffen in Thorn gefangen nehmen wollte. 9 
Beinahe aber wäre biefer Plan mißlungen. Der Bote hatte 
“fih einen Tag lang in Marienburg ſchon aufgehalten md 
ausgeruht, und am S. Dorotheens Tage, am Techiten Bebruer 
fpät am Abend zur Collatien⸗Zeit dem Hochmeifter den Abfe 
ges Brief übergeben, als damals eben die Gebietiger noch in 
der Drbendburg Papau lagen. Scheu geworben bumh bie 
ſeltſamen Reben, die fie über den Zuſtand der Dinge In Thom 
vernommen und durch bad frembe Kriegsvolk, welches fie im 
"Kulmerlande gefehen, wandten fie fi) an bie Bundesoberſten 
in Thorn um ein ficheres Geleit.) Diefe ohne Zeit zu ver 
Tieren fandten eiligft den Gebletigern dad Verſprechen entgegen: 
in Kulmfee werde ein Gefeltöhaufe ihrer warten. Auf folde 
Weiſe aus der Ordensburg in bie biſchoͤfliche Stadt gelodt. 
empfing fie dort wirklich auch ein Geleitshaufe, freilich nicht 


1) Abſchriften des Mofages Briefes, d. Thorn Mont. nach Por, 
Mariä 1454 Gl. LXXIX. 74. 175, gebrudt bei Rumanı p. 11-13, 
Schitz p. 195, Baciko 2. IM. 49. Man fah im Heben ol: 
gemetn Kanfen v. Baiſen als Urheber deſſelben an; daher die sornigen 
Scheltworte gegen ihn tm Bol. A. 1745 f Voigt Seſch. Markmd. 
&. 402; Geſch. der Eidechſ. Geſeuſch. G. 154. Detmar Eye. v. 
u. 164. 


2) Sol. A. 174. Geſch. der Eidechſ. Geſellſch. S. 154155. 
3) Schr. des Did. Marſchalls an die Bundesglieder in Thorn, ?. 
am T. Dorothes 1454 Cchbl, LXXIK, 605 Gefh, der Eldech· 9 


Abfall der Verbündeten vom Drben. (1454) 861 


der freunbiiääfte. Otto von’ Machwitz, ein Fühner, entſchloſſe⸗ 
mer Ritter, fehber vom Hochmeifter mit Wohlthaten überhäuft, ® 
Yet in größter Ste mit einem Boͤhmiſchen Kriegshaufen herbei: 
geſandt, nahm die drei Gebietiger mit ihrer Dienerfchaft ges 
fangen umb führte fie im Feſſeln nach Thom. Ihr Empfang 
war fürditelich. Jung und Alt hatte fich an ben Thoren und 
in den Strafen aufgeftellt und unter foöttifchen Reben, bitterem 
Hobmgelächter und groben Beſchimpfungen, ja vom Pöbel: fogar 
wu Koth beworfen wurden ſie mitten durch die Haufen ge⸗ 


führt und in ein Gefaͤngniß gebracht. ) 


Als dieß geſchah, war die Burg zu Thorn bereitd in ber 
Bebimbeten Gewalt, denn ber Bundesrath hatte für noͤthig 
Iaen, fich vor allem erſt dieſer Burg zu bemächtigen, um 
dem Koͤnige von Polen an ber Oränze felned Landes einen 
ſichern Haltpunkt zu verfhaffen. Schon am vierten Februar, 
als der Ordenstreßler als Gefandter des Hochmeifters durch 
Thorn nad) Polen eilte, hatte man die Burftings umlagert, 
mt Schutzwehren umgeben und Tag und Nacht mit flarken 
Bahhaufen umſtellt, fo daB niemand weder ein= noch auss 
Inmmen konnte. Am andern Zage warb nad) einer Verbands 
Img des Komthurd mit dem Bürgermeifter zwar erlaubt, daß 
jeder, wer wollte, die Burg verlaffen, aber niemanden ber 
Eingang 5 geffettet, "and weber Lebensmittel noch Futter ihre zu⸗ 
geſtihrt ‘werben durften. Kein Brief des Hochmeiſters an dem 
Komtiur wurde zugelaffen, bevor ihr nicht ber Buͤrgermeiſter 
gelefen ; ohne deſſen Genehmigung durfte fir die Burg in ber 





4) Zel. A. 174. Dite v. Machwitz war met Unterfläbung bes 
HB. in Zrankreich zum Nitter geflogen worden. 
2) gel. A, 1765 gl. Geſch. der Eidechſ. Seſeliſch. ©. 156 — 
eher die nächfifolgenden Ereigniffe erwähnt Reimar Kod’s Epronit 
ki Detmar 3. I. ©. 692 einer Ehronit des Lübedif. Bürgermeifters 
Heinrich Eaftorp, „der de Hiftorien des prufifchen Landes mit aller 
Unmeltendicheit befchriven“‘; wir haben darüber aber nur die Auszuͤge 
kei Reimar Kod benutzen Binnen, denn ſchon zu feiner Belt war fie 
„va oldt u. in Affgank“, fo daß fie, wie er fagt, nach zehn Jahren 
wohl laum noch gelefen werden Tinne, 


3 Einnahme von Thern. (1454,) 


Stadt kein Geſchaͤſt, Fein Einfeuf ober irgend eiwaß une 
nonmmen werben. „Das fen ber Lohn daflır, fogte der Bürger 
meifter dem Komtur, daß der Hochmeiſter Herrn Thielemann 
von Biege und die andern Bundesgeſandten im Audlanbe fo 
befehimpft, fie alte Schälke gefcholten und mit Naͤſſe begoffen 
habe.“ 1) In dieſer ſchrecklichen Lage brachte der Komthur mit 
feinen Konvente noch einige Tage bin, am ſiebenten Februm 
aber, nachdem der Hochmeifler den Abfages Brief bereitd er 
halten, forberten bie Thorner die Mebergabe der Burg De 
Komthur verweigerte fie, erklaͤrend: „wir haben unferm Orden 
Bein Hans gewonmen und wolle auch keins übergeben!” E 
bat vergebens um Bedenkzeit bis zum folgenden Tage; man 
verlangte ohne weiteres Ergebung, und da fie nicht ſogleich 
erfolgte, fing das wüthende Volk an, die Mauern ber Burg 
einzubauen unb bie Morburg in Brand zu fleden. Zugleich 
warb bie Hauptburg von zwei Seiten ber unaufhoͤrlich ‚bis 
nach Mitter mit ſchwerem Gefchlge befchoffen. Da w 
muͤdete endlich bie ſchwache, entmuthigte Beſatzung, fa daß 
ein Theil der fruͤher vom Meiſter geſandten Trabanten uͤber di 
Mauer bie Flucht ergriff, ein anderer ſich in bie Winkel de 
Burg verkroch. Es war Fein Widerſtand mehr moͤglich. Man 
beſchloß noch in der Nacht, die Burg dem Feinde zu Über 
liefern und mit onbrechendem Morgen warb fie ihm mit de 
Bedingung eingerdumt, daß allen Ordensbruͤdern unter Sicher: 
beit ihres Lebens und Eigenthums freier Abzug geftattet ſcyn 
follte. Erſt nach vielen Verhandlungen wurbe auch den vom 
Bunde Abgefallenen, die fi auf die Burg geflüchtet, freier 
Abzug zugeſtanden. Den Ordensrittern erlaubte man ned 
einen vierzehntägigen Aufenthalt im bortigen Barfuͤßer⸗Kloſter. 
Dann follten fie es verlaffen und unter ſicherem Geleite füh 
In irgend eine Ordensburg, jedoch nicht nach Marienburg 
Danzig, Elbing, Balga, Brandenburg, Königsberg und in 


1) Schr. des Konmuhuts v. Thon, d. Mont, p. Agathaͤ 145} 
Schbl, LII. 106; vgl. Geſch. der Kidehf Geſellſchaft ©. 157 — 158. 


Einnahme von Thorn. (1464) 863 


Bine des Kalmerlandes begeben dürfen, auch nicht ferner gegen 
den Bund Fämpfen, ofen bie Burg, wohin fie ſich wenben 
winben, non den Bundesverwandten ‚belagert werbe. Jammer⸗ 
vol über fein Schickſal klagend meldete dieß alles ber Komthur 
dem Meiſter, ihn bittend, die Ordensbruͤder mit einigem Lebens 
unterheite zu verſorgen und zu beſtimmen, in welche Burg er 
ch mit feinen umglüdlichen Bruͤdern begeben fol.” Cie 
wußte füch meiſt nach Tuchel, Schinchau und in bie Reumarf 
flüchten, denn fonft wußte ber Meiſter fie nirgends aufzu⸗ 
nehmen. ? 

So hatte Thorn, das erſtr Ordenshaus, welches ber 
Deden bei jenem Eintritt ind Land eye mehr als zweihundert 
Jahren aufgebaut, im erſten Sturme bes Bundeskrieges auf: _ 
schhrt Pazuſeyn, denn ed wurde fegleich vom Bolfe von Grund 
aub zerstört und alled auseinander geworfen. Der Hochmeifter 
anpfing vie Nachricht vom Schickſale der Burg keineswegs 
uaborbereittt, denn einige Zage zuvor hatten ihm ſchon der 
kandrichter im Kulmerlande Otto von Plenchau und einige 
andeze geirrue Anhänger yon dem, was in Thorn vorging, 
Dieldimg gegeben.” Auch die Bervegungen in ber Umgegend 
des Haupchauſes felbft gaben Hinlänglich Anzeigen, daß wich 
tige Ereigniſſe im Schwange feyen. Die Berbiinbeten aus 
Pommerelien. und dem Pusiger Winkel waren im Anzuge auf 
Stargard , lagerten fi) dann im ber Nähe von Meve, um 
wu da nad Elbing zu ziehen. Ein Theil wandte fir) nach 





1) Schr, 5 KRomthurs v. Thom, d. Im Rtofter der Sarfüfer 
Mont. vor Balentini 1454 Schbl. LII. 105; es if das letzte Schreiben, 
welches cin Komthur v. Thorn ſchrieb. Zur Widerlegung der unrich⸗ 
tigen MNadzrichten über die Einnahme der Burg ju Thorn, wie niın 
fe nad) einigen Chroniſten, namentlih Schütz » 196 bel Baczto 
8 UI. 307 u. Kogebucs B. IV. 147 u, 321 findet, iſt 6 zedruckt 
in der Beih. dar Eechſ. Geſeuſch. ©. 158 100. 

2) Die Antwort des HM. an d. Komthur v. Thorn, d. Markens, 
Mittve, nach Schofaftich 1454 im Rathsarchiv zu Thern Borin. XV. 13. 

3: Schr. des Landrichters des Rulmerlendes u. a, d. Orauden; 
Mont. nad Purif. Marid 1854 SAU, XXIN. 4. 


364 Ennahme von: Thom. (14549) 


Oſſck und an der Bda bin, ſich Durch ben Weitritt des ges 
meinen Volles immer mehr verflärdend.D Aus Damig erhielt 
der Meiſter die troftlofeften Nachrichten : die Burg fey ſchon ß 
gut ald verloren und die Beſatzung jaͤmmerlich verrathen; 
dürfe ihre nichts mehr von Lebensmitteln aus der Stadt * 
geführt werben; man werde vor allem bie vier Hauptburgen 
zu Thorn, Danzig, Elbing und Koͤnigsberg zu gewinnen 
ſuchen; auch ſey ſchon eine Botſchaft mit reichen Geſchenken 
und Ehrengaben von Danzig und Thorn an den Koͤnig von 
Polen abgegangen. ? 

Die Uebergabe des Abſage⸗Briefes hatte in Marimburg 
altes in Angſt und Schrecken gefegt.? Noch bevor aus Thorn 
Nachricht Fam, verfaßte der Meifier fofort ein Schreiben am 
ben Bundesrath, ihm erffärenb : er babe ja gerne eine Tag⸗ 
fahrt halten und da alle Gebrechen und Zwietracht auf gut⸗ 
liche Weife befeitigen wollen, jegt zeige aber bie Auffage der 
Huldigung, daß fie auf Krieg auögingen. Diefen zu ver⸗ 
meiden und damit man fehe, daß die Schuld nicht an ihm 
liege, fo wolle er ihnen jet feſt verfprechen, fie bei ihrem 
Bunde zu laflen, jährlich auch einen Richttag zu halten, vote 
fie ihn verlangten, und alle Mißhelligkeiten auf einer Tagfahrt 
guͤtlich beizulegen ; nur möchten fie den ſtuͤrmenden Angriff auf 
die Burgen unterlafin.? Ein ähnliches Erbieten erließ er 
an die Stabt Danzig, ben Bath, die Schöppen unb die An⸗ 
gefehenften ber Gemeine zu fich mach. Marienbing einladend, 
um auf glimpflihem Wege alle Irrurigen zu befeitigen. Allein 
auch bier war! der Schritt zu ſpaͤt; man antwortete: ber Rath 


4). Schr. des Komthurs v. Mewe, d. am T. Dorothes 1454 
SäbL LXXIK. 163. 

2) Bwei. Schr. des Hauskomthurs v. Danzig, d. Donnerft, nach 
u. L Frauen⸗Tag u. am 3. Dorotbeä "1454 nn, LXXIX, 4 
XXI. 40. 

3) Schiltz P. 196. 

H Schr. des HM. an Lande u. Sabre su Thorn, d. Mar. ZFrelt. 
nad Dorothe& 1454 Schbl. LXXIX. 97 


Eimmahme von Thorn. (1454.) 305 


von Danzig ar fir ſich in. fo wichtigen Dingen nichts vers 
handeln. m größter Eile fandte der Meifter Boten aus 
en die Komthure von Strasburg, Balga, Brandenburg und 
viele andere: fie möchten auf fchleunigfte die Vornehmſten 
ihrer Ritterfchaft zufammenberufen, fie zu Treue und Gehorfam 
amahnen, zur Kriegsruͤſtung auffordern, um Rath und Hilfe 
bitten und ihnen and Herz legen, baß ber Drben nichts ver 
lange, als was recht und billig. ? Won manchen Orten liefen 
auch bald tiöfiende Verſicherungen ein; d) allein an mehren 
ſchlug nach einigen Zagen fchon die Gefinnung gänzlich um; 
fie fchloffen fi den Verbimdeten an, denn fobald die Burg 
mu Thorn Diefen übergeben war, leuchtete von ber Spitze bes 
hochſten Thurmes ein Feuer auf, ald Kofung bed gelungenen 
Anſchlages, und fchnell wie dieſe Flammen von Thurm zu 
Zara verbreitete fich der Aufſtand durchs ganze Kulmer⸗ 
land. Im Verlaufe weniger Tage waren fafl alle dortige 
Burgen, ald Solub, Schönfee, Althaus, Rheden, Graubenz, 
Papa und Roggenhaufen von Kriegshaufen umlagert. So⸗ 
gleich beim erſten Anfalle fchlugen ſich die Städte Strasburg, 
Graudenz und Rheden zur Sache des Bundes; aber die Burgen 
kifteten Überall flandhafte Segenwehr. Die Bundeshauptieute 
afießen an bie ehrbaren Leute, die ſich in fie geflüchtet, eine 
drohende Aufforderung, bie Orbenshdufer zu übergeben, wibrigens 
fall werbe es allen die Hälfe koſten; viele ließen ſich ſchrecken 
and anb flohen | zu ben Verbündeten fiber. 6 Ron allen Seiten 


1) Schr. des Raths v. Danzig, d. am T. Valentini 1454 Sabl. 
Varia 106. 

2) Schr. des HM. an die Komthure u. Ordensbeamte, » Dar. 
Deanerft. nady Dorothei 1454 Schi. LXXIX. 10, 

3) Schr. des Komthurs v. Strasburg, Tuchel, vom Mathe von 
Sul u, a. Schbl. LXXIX, 137. 34. LIX. 122, 


4) Schütz p. 1%. Nah Deimar Ehron. B. IT. 164 fandte 


der HM. ſogleich Boten in die Schtöffer, um fie vor der Befadr zu 

warnen; fie wurden aber alle aufgefangen. 
5) Sol. A. 174 Schr. des Komthurs v. Strasburg, d. am T» 

Balimtint 1454 Schbl. LXXIX. 13, 
6) Zol. A. 174, 


366 Einnahme der Ordensburgen durch bie Verbaͤndeten. (1454.) 


Fam Klage und Sammer ımb der Ruf um Hlilfe an ben Hoch⸗ 
meifter. Der Bifchof Kaspar von Pomefanien bat dringend 
um einen Hauptmann nach Siefenburg, ? bie Komthure um 
Befehlshaber fire ihre Städte, um Buͤchſenſchuͤtzen, Berſtaͤrkung 
der Befabungen, Kriegämittel zur: Bertheidigung ihrer Bur⸗ 
gen.? Nun erfannte ber Hochmeiſter, wie unflug fein Befehl 
an den Ordensſpittler gewefen, die geworbenen Sölbnerhaufen 
nicht mit ind Land zu bringen, denn nirgenb& Tonnte er Bei⸗ 
ſtand leiften. Um fein eigenes Haupthaus fchon fehr beforgt, 
" forderte er mehre Komthure und Pfleger ded Hinterlandes auf, 
eiligſt mit ihren Dienfipfiichtigen, Dienern und Getreuen zur 
Bertheidigung Marienburgd berbeizufommen ; allein bie beiden 
Hfleger von Seeften und Raftenburg waren bort in ihren 
Städten bereitd gefangen genommen und ber lebtere vom 
wüthenden Volke erfauft worden. ® 

Da wandte fich ber Hochmeiſter in der ſchweren Bebräng- 
niß an die Herzoge Wladislav und Boleslav von Maſovien, 
an den Kurfuͤrſten von Btandenburg, an die Herzoge von 
Sachſen und bald nachher auch an den alten Koͤnig Erich in 
Pommern mit dringendſten Bitten, ihm fo eilig als möglich 
gegen feine ungetreuen Unterthanen zu Huͤlfe zu kommen und 
ben Orden aus feiner Roth zu retten. Allein aus bem 


4) Gr. des Biſchofs v. Pomeſanicn, d. icfemburg Dennerß, 
nach Dorbtheä 1454 Schbl. LXV. 15. 

2) Behr. des Komthurs v. Strasburg, d. Sreit, nach Dorotheä 
1454 u. Schr. des Komthurs v. Tuchel u. der Voͤgte v. Dirſchau se. 
Deatheon Sicht. LAXIX. 137. 4. 10. 172% 

3) Schr. des HM. an. den Meyer v. Geeſten, & Mar. Breit. 
nad) Dorotheu 1454 Sqhbl. Adelsgeſch. H. 34. Bol, A, 175. 

4) Schr. des HD, an die Herzogt v. Maſcvien, d. War. Feit. 
nach Derotheà 1454. Schr. def. am den Kurfürk. v. Brandenbutg, d. 
Un, Witte. ver Balmeini 1454 in Fumsmer Ost. diplem. Brandcub, 
T. I. p. 239 (mo aber das Dal: Mom, vor Valentini ti); Schr. des 
HM. an ben Landoogt u Gachfen Hans Marfſchall, ber Mer. Mittw. 
vor Balentini 1454; Schr. del. an den Koͤnig Eric, d. Mar. Dienſt. 
nad Mathiaͤ 1454 Schbf. LXXIX. 168, 205, 184, 165. .. 


Einnahme ber Ordensburgen durch die Verbündeten. (1454.) 367 


narhbarkichen Pommern war wenig Beiftanb zu erwarten, denn 
die dortigen Stäbte hatten alle Reifige und Xrabanten, bie 
irgend aufzubringen waren, ben Danzigern pugefandt.D Der 
Komthur von Schlochau gab ſich alle mögliche Mühe, vom 
Bogt ber Neumark einige Hundert Reifige auf Sold zu ers 
halten; allein er konnte fich kaum einige vierzig Pferde vom 
Bogt won Schievelbein verſchaffen, um bie Burgen zu Schlochau 
md Tuchel gegen drohende Gefahr zu fehlten, weil er in 
ihnen felbft nut wenige zuverläffige Leute hatte, zumal ba fich 
viele, ſ. 8 Dane jener Gegend dem Bunde wieder angefchloffen, 
weil, wie man vorgab, der Hochmeiſter ihnen den derſprochenen 
Beaftand nicht geleiſtet. 

Sso blieb vorerſt der Meiſter ohne auswärtige Huͤlfe. Man 
wußte daher Aufſchub und Vermittlung verſuchen. Da feine 
Erwbietungen von den Verbuͤndeten nicht beachtet worden waren, . 
fo richtete der Biſchof von Pomefanien diefelben an bie im 
Pomeſaniſchen Stifte liegenden Bundeshauptleute Nicolaus von 
Modywig, Albrecht von Walbau u. a. Die auf Marienburg 
befinblicden Ritter und Knechte knipften Unterhandlungen mit 
den Bundeshaͤuptern Stibor von Baiſen und Ramſchel von 
Krren an; allein man wies fie an die zu Elbing verſammeiten 
Bevollmaͤchtigte der Lande ımb Städte und von da wieder an 
den Bundesrath in Thorn. Der Hochmeifter legte dieſem leg: 
tem von neuem fein Erbieten vor,® wandte fi) aber jet zu⸗ 
sich auch am den König von Polen, ihn dringend um Ver— 


1) Eär des Kemchurs v. Schlochau, d. Dienſt. vor Walentini 
1454 Schbi. LXXIX. 39, 

V Schr. des Komthurs 9. Schlochau, d. Dienſt. u. Gonnab,. 
sh Balentiık 1854, Schr. des AM. an die Voͤgte der Neumark u. 
— d. Mur. Zteit. nad) Dorotheaͤ 1464 Schtl. LAXIK. 21 


32, 184 

9 Bär. des Biſchoft 9. Domefanten, d. Rieſenburg Mont. 
nah Balentint 1454, Schr. der Ritter u. Knechte zu Marienb. an 
Brtvor 9. Balfen u. |. w. d. Mar. Mont. nah Baltnt. 185%. Schr. 
des AM. an Sande u. Gtädte zu Thorn, d. Mar, am T u... des 
Apeſi. 1858 SAH, LXXLX. 210. 9, 22 


308 Einnahme ber Ordensburgen durch die Verblindeten. (1454.) 


mittlung bittenb, weil unter den wilden und ſeltſamen Ver⸗ 
haͤltniſſen im Sande unfehlbar Blutvergießen erfolgen müffe. 
„So ihr denn, ſchrieb er ihm, ein chriftlicher König ſeyd, der 
ungmeifelpaft gerne bewirbt, was fi zum Frieden und Beſten 
zieht, fo flehen und bitten wir fammt unfern Praͤlaten unb 
unferm ganzen Orden demuͤthig euere koͤnigl. Majeftdt, wollet 
euch folche entftandene Zwietracht, Truͤbſal und Jammer dieſes 
Landes und unſeres Ordens bewegen laffen und euch Gott zu 
Lob, Marien feiner werthen Mutter zu Ehren und unferem 
Orden und biefem Lande zu Gut in die Sachen zwilchen uns 
und unfern Randen und Städten als ein freundlicher und gnd> 
diger Vermittler legen, ob ihr noch folchen Sammer mit euerer 
Herren Weiöheit und Hülfe möchtet nieberlegen und ind Beſte 
wandeln.” » 

Alein der Sturm war auf eine Weife mehr zu bewältis 
gen. Die meilten Burgen im Kulmerlande, als Birgelau, 
Papau, Althaus, Graudenz, Schwez u. a., au Mewe und 
Sobowig waren mittlerweile ben Verbündeten in die Haͤnde 

gefallen und aus den Stäbten ſtark mit Mannſchaft befegt. 2 

Shöned ergab ſich den Danzigern freiwillig. Die Burg zu 
Danzig, wo man mit einemmal alle Büchfen vernagelt fanb, 
warb vom Hausfomthur Konrad Pferöfelber, den Zurcht ſchreckte 
und Geld blendete, dem Rathe der Stadt durch einen foͤrmlichen 
Vertrag und ohne alle Gegenwehr überliefert. Ex und Die 
Drbensbrüber, bie in bie Uebergabe eingewilligt, erhielten eine 
anfehnliche Gelbfumme und die Erlaubnig, bis in den Sonmer 
in Danzig noch zu verweilen, Dann zogen fie alle mit ihrer 
Habe davon. Die Burg aber wutbe von ben Bürgern gaͤnz⸗ 
lich zerftört, denn ber erwähnte Hauskomthur gab felbft den 
Rath: wenn bie Bauern den Storch nicht länger auf dem 
Haufe leiden wollen, fo werfen fie ihm dad Meft herunter. 3) 

4) Shr. des HM. an den König v. Polen, d. Mar. GSonnt, 
nah Valentini 1454 Schbl. LXXIX. 89. 

2) Schisz p. 1%. Gtrasburg, welches der Chronik ebenfalis 
 mennt, wurde erſt fpäter belagert, Detmar Chron. 2. IL 168% . 
3) Gpetieler bei Schitz p. 196. 197, Der feile Hauskomthu 


Einnahme ber Drbeneburgen durch bie Verblinbeten. (1454.) 369 


Ben Danzig aus wurde fofort: auch die Ordensburg Grebin 
im Werber überfallen, ohne: bebeutenben Widerftand genommen 
und niedergebrannt. Die Burg zu Elbing, deren Komthur 
Heinrich Neuß von Plauen, der unterdeffen ins Land gefoms 
men, fich auf der Burg zu Preufftich- Holland befand, leiſtete 
einige Zage unter dem Befehle Graf Adolfs von Gleichen, der fie 
tapfer vertheidigte, ſtarken Widerfland, mußte fich aber, als 
der verrätherifche Hauskomthur den Ordensmantel von fich warf 
und mit den Bürgern fich vereinigte, am zwölften Februar ber 
fürmenden Bollömenge ebenfalld ergeben und wurde dem Bo⸗ 
den gleich gemacht. Die Kornhaͤuſer waren von ben Orbends 
berren. felbft in Brand geſteckt und für mehr ald zweitaufend 
Mark Setraide fo vernichtet worden. Darauf folgte auch bie 
ebergabe der Burg zu Preuffiih= Holland, denn der Ordens: - 
fgittler Tonnte unter ſchwerer Mühe fie gegen die Angriffe ber 
Danziger, -Elbinger und Böhmen nur wenige Tage vertheibis 
gun. So waren binnen acht Tagen fehon. dreizehn Burgen 
in die Gewalt der Verbündeten ‚gefallen? theild durch, Vers 
sätherei der Ordensdiener und Flüchtlinge, die fich darauf bes 
fanden, theils auch durch Feigheit und Untreue ber Ordens⸗ 
üitter ſelbſt.*) 

Durchs ganze Land ging Angft und Schreden. Im 
Ofterodiſchen Gebiete wandten ſich jetzt alle ehrbaren Leute auf 
die Seite des Bundes.“ Daſſelbe geſchah im Ermland. Da 
die Braunsberger der Domherren Haͤuſer und Hoͤfe pluͤnderten 
und fuͤr dieſe keine andere Rettung moͤglich war, ſo erklaͤrte 


Konrad Pfersfelder ſoll ſich nachmals vom Orden losſsgeſagt u. ein Weib 
genommen haben. Baczko B. III. 308. Fol. A, 175,. Detmar 
a. a. O. S. 165. 

4) Ueber die Uebergabe von Eibing u. Pr. Holland Fol. A: 175; 

2) Schütz p. 197. Runau p. 14. Die Nachricht bei Leo p. 263, 
dag der Ordensſpittler ſich in einem Klofter zu Elbing verftcdr u, dann 
nach Marienburg geflüchtet babe, iſt unrihtig, 

3) Das fagt der Fol. A. 175 ausdrucklich. 

4) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien, d. Rieſenburg Mont. nad 
Balentini 1454 Schbl. LXXIX. 210, 
vul. 24 


370 Ennahme ber Orbent burgen durch bie Werblinbeten. (1454.) 


ich auch das Domkapitel von Ermland für bie Sache bei 
Bundes und fagte fi dadurch von feinem Bifchofe Io." 
Die Ordensburg zu Königeberg, we man ben Hauskomthur 
kurz zuvor noch durch allerlei friedliche Verſicherungen zu be 
gütigen gewußt, ergab fich ohne Gegenwehr; man bewilligte 
den Orbendbrüdern freien Abzug nach Lochſtaͤdt und dort fihern 
Aufenthalt bis zum Frühling. Nicht fo gelind verfuhr man 
wit den Ordensrittern an andern Orten; man flinzte fie bie 
wab da von ben Burgmauern, erfäufte andere in nahen Ge 
wäflern, feste manche auf bie offene See aus und fie kamen 
nie wieber zum Vorſchein u. f. w.? Auch un Komthurbezirke 
von Preuſſiſch⸗ Mark war alles in Auflöfung und Verwirrung; 
bie Freien, faſt alle dem Orden feindlich gefinnt, drohten bem 
Hauskomthur zu Preufſiſch⸗ Mark, fie würden ihn, wenn fie 
die Bing gewännen, Über die Mauer ſtuͤrzen. Da feine Hof: 
mmg war, bie Burg zu retten, weil fie kaum zwanzig weht: 
hafte Leute zu ihrer Wertheibigung hatte, fo entfloh endlich der 
Hauskomthur mit dem gefammelten Zinsgelde.“ Nachdem 
auch Rheden nach einigem Widerſtande gefallen war, erging 
som Bundesrathe zu Thorn an alle Bitter und Knechte des 
Kulmerlandes und ber andern Bundeögebiete der Befehl, in 
voller Ruͤſtung vor Strasburg zu reiten, um bort ben Ber 
buͤndeten die belagerte Burg erftürmen zu helfen, Es geſchah 
und Stradburg fiel in ihre Hände. 9 Aber nicht bloß ber 
Burgen war in wenigen Wochen eine anfehnliche Zahl ge 
wennen worden; bald ſandte auch bie Bkitterfchaft ber Gebiete 


1) Die Beitrittsurkunde bes Kapitels v. Frauendurg zum Bunde, 
d. am T. Balentini 1454 im Xathsarchiv zu Elbing; vgl. Schätz p 197, 

2) Schätz Le. Schr des Hauskomthurs v. Königsberg, d. Dieuſt. 
and Purif. Warid 1454 Got, LVHL 35, 

3) Sel. A. 175. 

4) Schr. des Hauskomthurs n. Preufl. Mark, d. am T. Apollonlä 
1454 Schbi. LIM. 23. LXXIX. 15, gol. A. 175, 

5) Zol. A. 174, Der Befehl des Bundesrarhes, d. Thorn Dienfl, 
vor Kathedra Petri 1454 Gchbl. LXXIX. 99, Dingos. 7. H. 132 
erzählt die Uebergabe von Strasburg andere 


Einnahme ber Ordensburgen durch bie Verbuͤnbeten. (1454.) 371 


von Balga, Brandenburg, Samlands und des ganzen Hinter: 
landes dem Hochmeiſter die Abfage der Hulbigung zu; ſelbſt 
Brandenburg, Balga, Eilan, Raftenburg, Ortelsburg und 
Mobrungen waren noch vor dem Ende des Februard in ber 
Werbindeten Gewalt und Oſterode feinem Falle nabe.? Auch 
bie dem Orden biöher getweuen Eleinen Stäbte, wie Dirfchau, 
Mewe, Neuenburg u. a. waren, durch bie wilden Ereigniſſt 
geſchreckt, zum Bunde übergetreten ober traten noch. täglich zu 
ihm über, fo daß man nach Verlauf von vier Wochen ihrer 
wicht weniger als ſechs und fünfzig zählte und außer Marien: 
mg und Stuhm faft Beine mehr auf der Seite des Ordens 
end. So Hatte Furcht und Schweden, Muthlofigkeit und 
Berätherdi, Haf und Rache, kurz alles zuſammengewirkt, um 
deu Drben an ben Mand des Unterganges zu bringen. Auch 
dem Haupthauſe Marienburg drohte num bie größte Gefahr. 
Men hatte es fü ſtark als möglich bemannt.?® ine Ans 
zahl von Kemthuren, Voͤgten und Pflegen hatten fich borts 
bin gefluͤchtet. Daher viethen die Eibinger, man folle Mariens 
burg fo eilig ald möglich belagern, weil die Ordensherren den 
Yan gefaßt, vier Meilen rings um bie Stadt alles niebers 
zubrennen oder bie Damme der Rogat auszuftechen.? Man 
war baber banlıht, im Mieberland, im Brandenburgiſchen, in 
Eemnland und in den Stiftälanden von. Ermland Kriegsvoll 
zu Belagerung Morienburgs zufanmenzubringen. © 


9 Dev Ubfages Brief, d. Butenſtein (Ü) Donner. vor Kathedra 
Petri 1454 GEchbl. LIXIX. 39, 

2) Gr, der Lande u. Städte zu Elbing an Lande u. Staͤdte zu 
Zorn, d. am T. Kathedra Petri 1454 im Rathsarch. zu Thorn 
Ge. HE. 22, 

3) Schütz p. 197. Runau p. 14. Schr. des HW. an den 
Komtur v. Schlochau, d. Mar. am T Matbiä 1454 Schbl. LXXIX. 
9, Bel. A. 175. Detmar B, DO. 165 nennt bioß Konig u. 
Martenburg 

4) Rob Detmar a. a. D. hatte Marienburg über 3000 Wann 
Beſa hung. 

5) Sr. der Lande u. Staͤdte zu Elbing a. a. O. 

6) Schr. Stibors v. Baiſen u. des Raths v. Eibing an den Math 

24° 





372 Bedraͤngniß des Orbens. - (1454.) ' 


In diefer troſtloſen, verzweiflungdvollen Lage war eine 
Rettung aus eigener Kraft fir den Orden unmöglid. Es Fam 
hinzu, baß bereits auch die Burg zu Schlochau von den Wers 
biindeten gewonnen und bamit die Hauptfiraße nach Deutſch⸗ 
fand gewiflennaßen gefperrt war, benn obgleich der bortige 
Komthur die Burg binlänglich bewehrt und verforgt, die 
Voͤgte der Neumark und von Schievelbein auch einige Manns 
Khaft gefandt hatten, fo war die Beſatzung doch noch viel zu 
gering, um ber vor der Burg liegenden -ftarfen Kriegsmacht 
der Danziger Tange widerſtehen zu Finnen, zumal da audh hier - 
die meiften ber auf die Burg geflüchteten ehrbaren Leute zur 
Nachtzeit über die Mauer entflohen und während eines An⸗ 
griffed ‘der Danziger zwiſchen den Maͤrkern und ben Landleuten 
in der Burg wilder Zwiſt ausbrach, die letztern alle aus dem 
- Haufe weggewiefen und bie Belastung dadurch ſo geſchwaͤcht 
warb, daß bie Maͤrker allen Muth verloren, ben Dienſt vers 
fagten und fo ben Komthur zur Uebergabe ‘der Burg zwangen. ' 
Der ganze Konvent wanderte nach Konitz, welches ſich ebenfalls 
dem Bunde wieder angefchloffen hatte, und bat von dort ben 
Hochmeiſter um die Erlaubniß, in bie Ordensballeien nach 
Deutſchland ziehen zu dürfen.) “ 

Nur eine große Kriegsmacht vom Auslande ber fchien 
noch Rettung bringen zu können. Der Meifter hatte fich daher 
theild von neuem an die fchon erwähnten Fürften, - theild an 
die Könige von Dänemark und Schweden, die Herzoge von 
Schlefien und Pommern, an die Kurfürften und Reichsſtaͤnde 
in Deutfchland, an die Danfeftädte, an die beiden Meifter von 
Deutfchland und Livfand und die Gebietiger der: Deutfchen 
Balleien unter Schilderung feiner ſchrecklichen Noth und Bes 


v. Thorn, d. Dienſt. nad Kathedra Petri 1454 im Rathéarch. zu 
horn Cist. XVII. 37. 

1) Schr. des Komthurs u. Konvents von: Schlodhan an’ den HM. 
d. Konig Breit. nah Mathiä 1454 Schol. LXXIX. 142. Er fagt 
beſtimmt auch, daß Konig ih mit dem ganzen Gebiete wieder vum 
Bunde geſchlagen habe, - 


Bedraͤugniß tes Ordens. (1454.) .373 


-Iudasgiß mit fichentlichen Bitten um: fchleumige Huͤlfe gewandt. 
.  Smöbefombere. hatte er dem neuerwählten Deutſchmeiſter Ulrich 
von- Lerteröheim ?? den Auftrag ertheilt, dem ganzen Deutfchen 
Adel Die Rettung bed Ordens, „bed hohen Spitald des Deut: 
ſchen Adels“, aufd Dringendfle ans Herz zu legen. Vorerſt 
inbeß zeigte fich fafl noch gar Feine Außficht zu Eräftiger Hllfe, 
Zie Herzoge von Mafovien wollten. fich nur durch eine Bots 
haft an die Verbündeten zu einer Vermittlung verftehen, weil 
die Sendung von Hüͤlfsvolk nicht zum Frieden flhre md dem 
ewigen Frieden mit Polen widerflreite.? Die Hülfe des Königes 
von Dänemark fuchten die Verbündeten dem Drben dadurch zu 
entziehen, daß fie: felbft ſich mit fchweren Klagen über bes 
Dibend Herrſchaft an den König wandten und ihre Auflehnung 
gegen ihren Landesherrn als nur durch tyrannifchen Druck, Un; 
gerechtigkeit und Wortbruͤchigkeit hervorgerufen und ihre Sache 
als die. gerechteſte ihrer Freiheiten und Privilegien darſtellten. ® 
Der Kurfuͤrſt Friederich von Brandenburg faßte jetzt wieder 
uar die Erwerbung der Neumark ind Auge, denn die Umſtaͤnde 
waren ihm jest günfliger als je. Der Orden mußte ihn auf 
jede Weiſe zu gewinnen fuchen. Der Landkomthur von Sache 
fer Friederich von Polenz fchloß daher mit ihm im Auftrage 
des Hochmeifterd, den bie Noth der Finanzverhaͤltniſſe jegt allzu 


1) Jodocus v. Venningen, der bisherige Deutſchmeiſter, ‚, harte 
wegen „Krankheit und Gebrechlichkeit ſeinem Amte in einem Kapitel zu 
—** am Sonnt. nach Aller Heilig. 1453 entſagt u. damals 
füon war der Landkomthur in Zranten Ulrich v. Lentersheim zum 
Deutfchmeifter gewählt. worden. Geine Beitätigung durch den HM. - 
d. Mar. am 3. Scholaſtica 1454 Schbl. DM. 118. Er trat das Amt 
aber erft im 3. 1455 an, denn Iodocus von Benningen ließ ſich bes 
wegen, es bis dahin noch zu verwalten. Jaeger Cod. dipl.O. T. 3. M. a. 
2) Schr. des HM. an die obengenannten Könige, Zürften u. f. w. 
% Mar. am T. Scholaftick 1454 Schbi. LXXIX. 8, 64. 183. 59, 
3) Schr. der Herzoge v. Mofovien an den HM. d. Wilnowo in 
, eastine s. Juljanse 1454 u. Schr. des HM. an die beiden Herzoge, 
d. Mar. am T. Kathedra Petri 1454 Schhl, LXXIX. 62. 207. 
4) Sckitx p. 197—198, 


874 Bedraͤngniß des Drdens. (1454.) 


ſchwer draͤngte, einen Vertrag, nach welchem ihm bie Reumarl 
für die Summe von vierzigtauſend Rhein. Gulden Tduflich 
Wiederkauf überlaffen warb, wobei ber Kurfürft verſprach 
ſobald als möglich perſoͤnlich nach Schlochau oder auch nad 
Marienburg zu kommen und dort mit allem Eifer durch Unter: 
handlung und Vermittlung dad Beſte des Ordens zu foͤrdern. 
Von eigentlicher Kriegshuͤlfe ließ Friederich nichts verlauten. 
Gerade an dem Tage aber, an welchem der Orden die 
Neumark an den Kurfuͤrſten abtrat, fertigte zu Krakau bei 
König von Polen gegen jenen eine Kriegderflärung aus. Kaum 
naͤmlich war ber Schritt bed Abfalled vom Orden gefſchehen, 
als in den zahlreichen Verſammlungen der EidechfensRitten, 
bed Landadels und der Abgeorbneten der MWundeöftäbte bie 
Hauptfinge zu Entſcheidung konmen mußte: welche Maaß⸗ 
regeln icht zur Auffielung eines georbneten Regimenis und für 
bed Lande Sicherheit zu ergreifen feyen? Die Meinungen 
follen ſehr verfchieden geweſen ſeyn. Mer Adel, beißt ch 
ſtimmte dofln, man folle die eroberten Burgen unverfeet er 
balten ; er molle fie ſelbſt bemannen und von ihnen arid Lamb 
und Städte fchligen. Dem foll von Seiten bed Landvwolkes 
widerfprochen werben fepn, aus Beſorgniß, der Abel moͤge 
bald ebenfo wie ber Diden ald ſtrenggebietender Hert ie 
Landed auftreten.? Im einzelnen Städten, beſonders ben 
seichern Handelsſtaͤdten, wie in Danzig, fol der Gedanke 
wacht feyn, ein gewiffes vepublicanifches Gemeinweſen einzu⸗ 
richten und ihre Verwaltung aus ihrer eigenen Mitte zu führen. * 


R 





“us 


1) Der Kaufvertrag über die Neumark, d. Köln a. d. Gpece Breit 
Kathedra Petri 1454 bei Geroken Cod. diptem, T. V. 261. Gus- 
des Landkomthurs v. Sachſen Friederich v. Polen; an den HM, d. wit 
vor, Schbl. XI, 164 Lancizolle Geh, der Bil. des Pre 
Staats ©. 298. Ä 
:2) Schütz p. 197. 

3) Kopebue 3. IV. 322. Chr. der Ritterſchaft ber Gehlete 
von Danzig, Mewe u. Dirfhau an die In Thorn Verſammulten, % 
Stargard Donner, var Kathedra Petri 1454 im Rathsarchiv zu Em 
Cist, III, 22, 


Bedraͤngniß des Ordens. (1454.) 375 ° 


Sn Danziger Gebiete, im Kulmerlande und mehren andern 
Orten entftand offenbaxer Zwieſpalt zwifchen Landen unb Städten 
wegen der gewonnerten Ordensburgen, benn die legten ſtimmten 
meiſt dafür, fie als Zwingfeſten nieberzureißen, während bie 
Bitterfchaft fie gerne erhalten und befegen mochte. Danzig vor 
allen fuchte ſich jeht geltend zu machen und zog fich wegen 
feine® übermüthigen und ungerechten Verfahrens manchen har⸗ 
sen Zabel zu. Die ganze Ritterfehaft in Ponsmerellen war 
darlıber wrbittert. Um fo nothwendiger fihien ed ben Rittern 
des Eidechſen⸗ Bundes in ihrem Plane, dem Könige von Polen 
die Dbechertfcheft über Preuſſen jetzt förmlich anzubieten, ſchnell 
vorzuichreiten und bei den Worbereitungen, Die man dazu längfl 
getroffen, gelang ed ihnen leicht, auch bie uͤbrigen Bundes⸗ 
verwandten Dazu zu gewinnen. ine Geſandtſchaft von zwoͤlf 
Männern von Landen und Stäbten, an deren Spite Hans 
von Baiſen, Auguſtin von der Schewe und Gabriel von Bais 
fen fanden, eilte zum Könige.? Schon am 18ten Februar 
im Krakau angelangt, fand fie bort dem Ordenstreßler und 
üimige andere Ordensherren, bie der Hochmeiſter zur Hoch⸗ 
zeitsfeier bed Königes dahin gefandt, der fich mit Eliſabeth, 
der Tochter des Kaiferd Albrecht, vermählt hatte. 2 Zreundlich 
von ihen empfangen und zu einer Öffentlichen Verhandlung zus 
gelafien, ſprach Dans von Baiſen viel von ber Tapferkeit Ihrer 
Borditern bei ded Landes Eroberung und im Dienfle bed 
Ordens, von ihren Beichwerben und Drangfalen unter beffen 
Herſſchaft, von der Nothwendigkeit ihres Bundes zur Aufrecht⸗ 
haltung und Bewahrung ihrer Freiheiten und Rechte, felbft 
zur Sicherheit ihres Eigenthumd und ihrer Familien, und end: 
_— e 

4, Sär. der Lande u, Städte zu Thorn verſammelt an Hans v. 
Batten u. die Sendboten zu Krakau, d. Thorn Sonnab,. nad) Kathedra 
Perri 1454 im Rathsarchiv zu Thorn Serie. XV, 43. Schr. der 
Ritterfchaft der Gebiete Danzig, Dirfbau u. Mewe an die Lande u. 
Städte zu Thor, d. Stargard Donnerfi. vor Kathedra Petri 1454 
chendaf. Cist. III. 22. | 

2) Die Ramen der Sefandten im Kol. A. 135. 

3, Dingoss. T. II. 127—128. Schütz p. 200. 


376 Unterwerfung d. Verblind. unteed. Herrſchaft Polens. (1454.) 


lich von ihrer Anklage und ungerechten Verurtheilung - bein 
Kalfer in Betreff ihred Bundes, Darauf trugen bie Ge 
fandten im Namen’ der Lande und Städte Preuffend dem 
Könige die Oberherrfchaft des Landes an unter Berlihnung 
der Wwichtigften Bedingungen ,. die er ihren gewähren möge, 

- und unter Vorbehalt ihrer Rechte und Freiheiten; fie vers 
Iangten 3. B., die gebrochenen Orbensburgen bürften nie wieder 

- aufgebaut werben; jeder müfle behalten, wad er auf dgme 
Koften gewonnen und eingenommen u. dgl. Endlich verfebiten 
fie. auch nicht, den König auf die Anrechte, Die er auf, 
Preuffend Beſitz geltend zu machen babe, auf die Vortheile 
der DOberherrfchaft und auf die Beweggrimde aufmerffam zu 
machen, bie ihn zu einer feindfichen Stellung gegen den Orden 

. rechtfertigen koͤnnten. Am Schluſſa (prachen fie bie Bitte aus: 
„Wollt Ihr und aber nicht als Unterthanen annehmen, fo ge: 
währt und wenigftend die Zufage, unfern Widerſachern feinen 
Beiſtand Leiften zu wollen, denn wir werben und nimmermebe 
wieber unter die Orbenöherrfchaft fligen , fonbern lieber fir 
unfere Freiheiten und Gerechtigkeiten ehrlich fterben, als täglich 
Ihmachoollen Untergang erwarten und tyranniſche Gewalt er⸗ 
tragen. 

Der König, obgleich ihm der Biſchof Sbignens von 
Krakau und einige Räthe die Annahme des Anerbietend wider: 
riethen, ) beſann fich uͤber ben erften Schritt, der zu thun fe 
nicht lange. Während er feinem Kanzler, zwei Biſchoͤfen und 
fünf Woiwoden den Auftrag gab, eine Prüfung der Klage 
befchwerden, ſowie ber Zreiheiten und Privilegien ber Ver⸗ 
buͤndeten vorzunehmen, ließ er ſchon am 22ften Februar eine 

* 





1) Wir haben bei Schiitz p. 198 — 200 u. Dogiel T. IV. 141 
u. Diugoss. T. If. 128 zwei Reden, die von den Bundeögefandien 
vor dem Könige gehalten feyn folen. Nach Schüsz wäre die feinige 
„ungefähr am 23 Zebr. in einer Audienz“ vor dem Könige von Hans 
v. Baifen vorgetragen worden. Dogiel giebt der feinigen das Datum: 
Pridie festi =. Petri ad cathedram, wonad) fie am 21 Febr. geſprochen 
wäre; wohl alfo möglich, daß beide zum Vortrage gekommen find. 

2) Diugoss. T.1I 131, Raynaldı Annal, Earlas..au. 1454 8 11, 


Kntexroerfung b. Verbind. unter d. Hertſchaſe Doland. (1454.) 877 


fbrmliche Kriegserklaͤrung gegen den Orden abfaffen, worin ex 
als Grimde zum Kriege mancherlei Kränkungen feiner Unter 
thamen , Einführung. neuer Zölle, beſonders des Pfundzolles, 
Beläftigungen im Handel, Berlegung der Graͤnzen, bie vom 
‚Deutfdymeifter verweigerte Unterfchrift des ewigen Friedens und 
Achnliches weitläuftig auseinanderfeßte, um zu erweifen, daß 
der Drden die Schuld des Friedendbruches auf fich trage. ? 
Indeß zwang ihn des Orbenötreßlerd Anweſenheit auf einige 
Zage noch. zu einem Gaukelſpiele, denn biefer bot alle auf, 
ihn vor der Theilnahme an der verrätherifchen Sache der Vers . 
bimdeten zu warnen und auf bie Nachtheile hinzumeifen, die 
wit der Unterſtuͤtzung berfelben für ihn und das Königreich 
verbunden feyn winden.?? Ex fparte felbft Fein Geld, um bes 
Koniges Räthe zu gewinnen.?) Er war zugleich bemüht, drei= 
tanfend Soͤldner, die fich bereit zum Dienfle einer Partei 
eingefunden hatten, für den Orden in Selb zu nehmen. Auch 
dieß gelang ihm nicht, denn die Söldner wurden burch höhere 
Anerbietungen der Bundesgeſandten fin den Dienfl des Buns 
des gewonnen. Der König nahm zwar den Schein an, als 
weile er die Sache. ernfilich erwägen unb rieth fogar bey 
Bundeögefandten, zu ihrer Pflicht zuruͤckzukehren.“ Go zog 


1) Die Ariegserflärung, d. Cracoriae feria sexta die s. Petri ad 
‚sutheär. 1454 bei Dogiel T. IV. 143. Dos Datum- fheint, uns 
geachtet des Zweifels Dagegen bei Kopebue 3. IV. 324, völlig richtig, 
denn zwei, fiherli von Driginal genommene Abſchriften, die wahrs 
ſcheinlich der Treßler damals aus Krakau dem HM. zufandte, haben 
das nämliche Datum, Schbl. LXXIX. 79, Mit dem Datum ber ers 
wähnten Reden fteht jenes gerade nicht im Widerfpruch, denn die Rede 
bei Dogiel wäre am Tage vor der Kriegserklärung gehalten. worden; 
Schütz läßt Die feinige nur „ungefähr den 23 Sebr.‘ vortragen, alfo 
möglicher Weile auch einige Tage früher. 

2) Die Rebe des Ordenstreßlers bei Schitz p. 200— 201, 

3) Diugoss. T. II. 132 weiß, daß der Treßler beauftragt ges 
weien fey, dem Könige u. deffen Raͤthen 50,000 Gulden u. nöthigen= 
falls auch die Sehenspulbigung von Gelten des HM. u. Ordens m 
verſprechen. 

4) Scheitz p. 201, 


878 unterwerfung b. Berbünd, umtet d. Derzfchaft Setend. (1454.) 
er bie offene Eutfcheibung mehre Zage bir. Als indeß die 
Geſandten auf eine beflimmte Autiwort bramgen, erklaͤrend: 
vom einer Einigung mit dem Orden koͤnne nicht mehr bie Rebe 
ſeyn, weitere Berathung fey nicht. nothwendig, fie hätten Die 
Sache fon vierzehn Jahre wohl bedacht, das Werk müfe, 
einmal angefangen, nun auch burchgeführt warten, wolle be 
König fie nit aufnehmen, fo müßten fie anberd wo Rah 
fischen, we man fie nicht zuruͤckweiſen werbe, 9 da traten alle 
Mücfichten zuruͤck und auch bie Beſorgniß eines Krieges mit 
Deutſchland verſchwand jebt bei dem Könige. 

Alſo ſtellte nun Kafimir am fechften März zu Krakau eine 
Urkunde aus, worin er unter wortreicher Erörterung der Grimde 
und Urfachen zu diefem feinem Schritte bie Bewohner Prenfiend 
unter feinen Schus, in feine Herrfchaft und als Unterthanen 
aufnahm und bie Lande mit ber Theilnahme an allen Rechten, 
Freiheiten und Prärogativen ber Krone Polens zueignete und 
mit ihr Vereinigte, fo daß fie darin in aller Bezichungen den 
Großen Polens gleich ſtehen fohten, namentlich auch in be 
Theilnahme an des Koͤniges Wahl und Krönung. Alle Staͤnde 
ſollten fich ber Gnabe und des Schußed gegen alle Gefaͤhrdumg 
ihrer Sicherheit erfreuen und die Lande der Krone Polens nk 
entfrembet ober veräußert werben, Der Geiftlichkeit und all 
übrigen Ständen, felbft den einzelnen Perfonen ſollten ihre be 
fondern Rechte, Freiheiten umb Privilegien unverkuͤrzt und zw 
verlegt gehalten und abhändig gekommene Verſchteibungen mit 
Zuziehung der Lanbesräthe uͤber den rechtmäßigen Befig wien 
erneuert werden. Der Pfundzol und alle alten und neuen, 
nur in Preuffen beftchenden Zölle zu Waſſer und Land follten 
fir ewige Zeit aufgehoben ſeyn, das vom Orden biöher and 
gehbte Strandrecht gänzlich aufhören und vie geſtrandeten 
Güter den Schiffhrüchigen voteder gegeben werden oder dem 
Könige nur dann zufallen, wenn fi) fein rechtmäßiger Eigen⸗ 
thümer fände. Alle Aemter und Winden, bie bereitö beſtehen⸗ 





3) Db wirklich funfschn Tage, wie Schatz L. c. meint? 
2) Diugoss. T. I. 132. 


Baagerung bed Gaupchauſes Wlariendurg. (1454.) 878° 
den umb neuzuerrichtenden, fowie bie Burgen unb Befehlshaber 
fielien in Städten follten nur Eingeborenen verliehen und alle 
wichtigen Angelegenheiten des Landes mit Zuziehung ber Landes⸗ 
uäthe, der Geiſtlichkeit, bed Adels und ber Städte verhandelt 
mb volifährt werden. Die Wahl ber bisher im Lande bes 
ehesten echte, ded Rulmifchen, Megbeburgifchen, Potnifthen 


Während bed Krieges follten Thorn, Gibing, 
Kimigöberg dab Rocht uͤben bürfen, Münzen 


und Danzig, Der Handel nach Polen und durch 
eich auch in andere Länder fellte fir den Kaufmann aus 
Yaenfien frei ſeyn. Endlich behielt fig ber König wegen feiner 
Hirte Abweſenheit in feinen entfernten Landen vor, zum Schutze 
mu zur Verwaltung bes Landes einen Guberhater zu ernennen 
jchoch nit Genehmigung der Stände; ® 
Mittlerweile war der Zwieſpalt zwiſchen den Btäbten und 
ber Ritterfchaft im Kulmerlande noch vermehrt, als bie Staͤdte 
Gihbafee gewannen unb nieberbrannten, dam bie Ritterſchaft 
beſetzte um bie meiften uͤbrigen Haͤuſer und nahm barin alles, 
was fie fand, weg. Der Bundedrath in Thorn fanbte daher 
Ak an Hand von Balfen und bie übrigen Geſandten mit 
ver Bitte, fo fchleunig als möglich nach Preuffen zurüdzufchs 
m.? Sie Tamen bald darauf mit der wichtigen Urkunde im 
Ahorn ar, Marlenburg fanden fie fchon belagert. Am 27ften 
hebrnar fchon z0g eine Kriegsfchaar aus Danzig, aus Pomme⸗ 
teilen verfiärkt, unter ber Kührung bed Danziger Rathsmannes 


4) Diele f. 9. Incorporations⸗Urtunde, d. Cracavian Auzia quartı 
Gaeram 1454 bei Dogiel T. IV. 145, Diugoss. T. IL 136, im 
Auszage bei Baczko B. IIL 431, in ihren weſentlichen Inhalte bei 
Schütz p. 1, in Abfchrift im Sol, A. 135. Privilegia der Stände 
des Herjogth. Preufl. p. 14-16, 

2) Schr. der zu Thorn verſammelten Lande und Staͤdte an Hans 
2. Baiſen, b. Thorn Gonneb, mad, Kathedra Petri 1468 im Math«⸗ 
chin zu Thom Serin. XVIL 43, . . 


SEO : Belagerung bes Haupthauſes Dlasienburg. (1454.) 


Ewald - Bryge vor die Burg, fich im Werber. jenſeits der Nogat 
lagernd; bald. rückte auch ein Heerhaufe ber Ritterſchaſt und 
Städte heran und fchlug. auf ber andern Seite ein Lager gegen 
Stuhm Hin. Man wagte in Marienburg keinen Ausfall 
denn ber Meifter wollte erſt ſtaͤrkere Mannſchaft aus Stube 
herbeiziehen, obgleich. man ſich dort firdubte feinem Befehle zu 
folgen. Auch bie Belagerer verfuchten vorerft, Beihülfe ab 
Polen erwartend, noch Feinen ernften Angriff. Um zu ſchreden 
fandten die Hauptleute, unter benen Otto von Machwig einer 
der Vornehinften, an ben Rath unb die Stabigemeine ein 
drohende Aufforderung zur Uebergabe der Stabt.?) : Allein 
. man windbigte fie Feiner Antwort, wagte vielmehr einen Ausfall 
gegen den Danziger Heerhaufen umb nicht olme Giäd, Ah 
Stuhm war bereitö belagert und zur Ergebung aufgefordert; 
auch dert kam es mehrmald zu Gefechten, boch. ohne fonber: 
lichen Erfolg; man wied den Feind ſtets mit Muth -zurhd. ® 
Eben fo fruchtlos waren Unterhandlungen, welche ber Hochs 
meifter mit dem Rathe zu Danzig antntipfte, 9 

Kaum aber waren bie Bundesgeſandten nach "Prarfien 
heimgekehrt, als in einer Bundedverfammlung zu Elbing ber 
Beſchluß gefaßt wurde, ſich aller Orbendgüter in Städten, we 
man fie finde, zu bemächtigen und zur Anwerbung von Gölbs 


‚ DD Renas p. 44., Schätz p. 198, Boigt Gef, Maris 
burgs ©. 404, 
2) Schr. des Hauptmannes zu Stuhm an d. HM, d. Mont, nad 
Invocavit 1454 Schbl. LXXIX. 128. 
3) Das Original der Aufforderung, d. Im Heere vor Marienb. 
im Dorfe Willenberg Zreit. nach Gregorli Papd 1454 Schbl. LXXTL- 
237; vergl. Voigt a. a. O. 
. 4). Gr. der Hauptleute zu Stube, d. am T. Reminiſcere 1464 
Schbl. LXXIX, 48. Die Burg wurde dreimal zur Uebergabe aufs 
. gefordert. ’ 
5) Schr. des Raths v. Danzig.an d. HM. d. Sonnab. vor Re 
. mintfore 1454 Schbl. LXI. 66. Schr. der Haupileute. im Heere der 
Danziger an d. HM. d. Lefte Dienſt. nach Rewimſcere 1454 Sahll. 
Adelsgeſch. N. 17. " ‘ 
J 


| 
Belagerung bed Hauprhauſes Madeiturg. (4454) 881 


nem zı verwenden, bie Kriegskoſten aber und was fonft dad 
gemeine Beſte ded Landes fordere, mit Einziehung der Zins⸗ 


. gelber, mit den Einkünften der Fifcherei, der Mühlen, des Bern» 


heind u. f. w. zu beflveiten. Alles verwahrte Ordenseigenthum 


' foßte eingeliefert, alles Kirchenfilber in die Münze gebracht 


werben, um fich fo bie zum Kriege nöthigen Geldmittel zu vers 
ſchaffen. Danzig erhielt den Auftrag, auch auswaͤrts uͤberall 


auf bed Drbend Güter und Schiffe Befchlag zu legen und von 
em Ankaufe zu warnen unter Andeutung von brohenben 
| Gefagren. 1) Je mehr aber bem Orden ſchon faft alle Kräfte 


un Lande entzogen waren, um fo nothwendiger warb ed jet; 


won aus waͤrts her vermehrte Kriegähllfe herbeizupiehen. Graf 


Hamich Reif von Plaum der Jüngere, Veit von Schoͤnberg 
unb Graf Hans von Kirchberg fanden zwar ſchon an ber 
Spike einer Anzahl Deutfcher Ritter und Edelleute mit einem 
Streithauſen von ſechshundert Pferden in Konitz zum Dienſte 
bed Ordens bereit;?) allein der Hauptmann zu Mewe Son von 
der Jene hatte auf Hanfens von Baifen Befehl ſich mit- allen 
Dienfipflichtigen ' feed Gebieted in die Gegend von Konitz 
geworfen und die Straßen befett, bemüht, das dortige Gebiek 
von Dibenötruppen zu fäuben.? Da inbeß jener Reiterhaufe 
auch nur 'geting war und nothwendig aufs eiligſte eine ſtaͤrkero 
Kiegsmacht herankommen mußte, wenn irgenb noch eine Reis 
tg and der Bebrängniß gehofft werben follte, fo fandte der 
Hochmeiſter ſchleunigſt den Ordenstreßler Eberhard von Kins⸗ 
berg nach Deutſchland, um durch ihn den Reichöfürften und dem 
Mel die verzweiflungsvolle Lage ded Ordens mundüch ve vor⸗ 


4) VBchiux p. 202. - 

2) Berreihniß der mit‘ Heintich Meuf von Plauen nach Rente 
geteuumenen Edelleute Schbl. LXXXII. 2. Es -find unter andern ges 
nonnt: Hans v. Mylen, ein Karlowig, Hans v. Gleichen, Kaspar 
Truͤtzſchler, Riedefel, Hand Daupadel, Konrad v. Ezedewis, Matthis 
d. Aelzenſtein, Heinrich v. Buch, Hans v. Tettau, Bein, v. Geredorf, 
Sodann d. Dobeneck, Heinz v. Uttenhof, Hans v. Reidenitz u. a 

3)- Schr. des Hans v. Baiſen an Son 9, der Sene, d. Thom 
Senat, Dculi: 1454 Schbl. LIX..73, Diugoss, T: 1, 144, 


BER Bilaʒerung bed Haupthauſes Marienburg. 11454.) 


Reiten zu laſſen und fie um eilgfte Hülfe zu erfschen:) Er 
wanbte fi) auch felbft noch einmal mit einem dringenden 
Schreiben an fie, ihnen den ganzen Verlauf ber traurigen 
Greigniffe auseinander fehend. „Die Lanbeöverräther, fehrich 
er unter andern, haben bereitö alle unfere Staͤdte, große und 
Peine, im ganzen Lande eingenonnmen und fich afler unfere 
Häufer und Schlöffer bemdchtigt, nur Marienburg und Stuhm 
autgenonnnen, bie wir noch befiten. Vor biefen beiben Hin 
fern, wo fie und belagern, treiben fie ſchon drei Wochen lang 
ihren argen Muthwillen. Noch. glauben wir und da einige 
Belt Halten zu koͤnnen, wenn uns baldige Hädfe kommt. Sie 
firb in Botſchaft beim Könige von Polen gewefen, um ſich 
ihm zu ergeben, denn unfern Orden wollen fie gänzlich au) 
dem Lande vertreiben. Darum, ihr ehrwuͤrdigen und cbim 
Kürften und Herren, Edle und Edlinge, ſehet an die Beleidi⸗ 
gung cuerer Deutichen Ration unb euerer Morältern Pflanzung, 
das finb die Bruͤder unſeres Orbens; ſehet an bie Jertvennumg 
und das Verderbniß eueres trefflichen Eigenthums und Hooͤpi⸗ 
tals, daß find dieſe Lande, die euere feligen Aeltern dem Deut 
ſchen Adel zu Zucht und Troſt, Gott dem Herm und Marien, 
der reinen Magd, feiner werthen Mutter zu Ehren unb bem 
Ehriftenthum zum Schirme aus ber Gewalt bed heibniſchen 
Wolkes mit fo fehwerer Arbeit und Blutvergießen geweunen 
haben. Laffet «8 euch leid feyn umb erbarmet euch folches 
Sommers, Gedranges und folder Roth. Kommet und dligf 
wit euere Macht zu Huͤlfe.“ 2 
Auein fo eig, ald fie ber Meifter bebunfte, war Beihülſe 
von dorther unmoͤglich; und wäre fie auch in Deutiblib 
zuſannnengebracht worden, fo war ja bie Hauptſtraße geſyenh, 
Denn Graf Heinrich Reuß von Plauen war mit feinen Be 
gleitern und feinem BReiterhaufen In Konig von fechötaufe 








1) Eredengbrief für den Orbenstreßler, d. Mar, Gonnt. Ocull 1654 
©hbl. XLHL. 67. ©. 

2) Cr. deb HM, an ale Zuͤrſten gefit. und weltl. Glan? 
uf ww. d, Mar. Gomt, Drutl 1454: @hbL, LERIZ. 0. 


Belagerung bed. Gauptbaufes Marienburg. (1454) 888 


Yeanınereliern belagert und eingefchlefien. Die Mögte ber Neu⸗ 
mark und von Gchievelbein erhielten vom Meiſter ben Auftrag, 
durch Heranzug des reifigen Beuged aus der Neumark Konik 
zu entjegen.” Da man auf Marienburg aber erfuhr, dag 
auch aud dem Lager ber Danziger, ein Theil ber Mannſchaft 
derthin gezogen fen, fo beſchloß ber Meiſter, fih vor allem 
dieſes Feindes zu entledigen, da ex aus dem Walde bereits bis 
an die Thuͤrme der Nogat vorgeruͤckt war, um biefe und bie 
Bruͤcke zu erſtirmen. Es geſchah ein Ausfall auf die Dans 
Sger; fie wurden zurädigeworfen, ſiebenhundert von ihnen er⸗ 
ſchlagen und gefangen und Kriegszeug und Geſchiz als Beute 
noch Marienburg gebracht. Der Feind, vom Ordensvolke Ks 
an die Weichſel verfolgt, räumte fofort bes ganze Werber unb 
eiue nach Danzig zurüc, da dad Gerlicht ſchreckte, ber Deunch 
meiſter ſey gegen die Stadt im Anzuge.? Der. Meier erlich 
aläbald den Befehl, daß die Bewohner im Werder mit ihrer 
Gabe ſich nad) Marienbing flüchten und die Daͤmme und Ufes 
ber Nogat und Weichſet ſtark beſetzt werben follten. 

ile war Hand von Baiſen, ber lahme Bafıkal 
sber ber lahme Drache, wie man ihn damals im Orden 
nannte,” vom Könige zum Gubernator ber Lande Preuſſen 
erheben, an die Spitze ber Lanbeöverwaltung geireten. 4 Men 
ie gingen auch im Kriegsweſen alle wichtigen Anerdnungen 
as. Bon den Buͤrgermeiſtern unb Rathsleuten des großen 


1) Schr. des HM. an d. Vogt v. Scievelbein, d. Mar. Most. 
sah Hlmmelf. 1454 Sqhbl. LXXIX. 140, 

2) Runau p. 14. Schütz p. 202 ſucht die Niederlage als un 
apebäd, daszuftellen und wit von Wegnahme des Danziger Geſchuͤtzes 
nichts wien. Runas fpridt von 14 Gtuͤck Geſchäͤz. Die ade 
bar, wie ſchon Kopebue 2. IV. 329 erweiſt, ihre Dricheigkdt; eis 
Gär, des HM. an d. Deutfchmeifter, d. am Abend Himmelf. 1454 
Gäbl. LXXIX. 26 bezeugt die Niederlage, wie fie oben erjaͤhlt ik 
Ebenſo ein Schr. des HM. an den Herzog Flotho v. Maſovien, d. 
Seit, nach Martini 1454 Shhl. LAXIX. 90, 

3) Sol. A. 174. 175. 

4) Das Original der Ernennung Hanſens v. Baiſen zum Gubers 
unter, d. Kıalan Sonnab. vor Invoeavit 1454 Schbl. KIV. 25 


- 


BA Belagerung be Haupthaufes Marlenburg. (1454.) 


Staͤdte umgeben, nahm er im Namen bed Landes ımb der 
Städte fremdes Soͤldnervoik in Dienſt. ) Er war es auch, 
der jetzt einen, Herold des Koͤniges mit deſſen Entſage⸗Brief 
an Stibor von Baiſen, Oberſten des Heeres vor Marienburg, 
mit dem Auftrage ſandte, den Hochmeiſter aufzufordern, vor 
den Bingthore erſcheinend bie Kriegserklaͤrung im Empfang zu 
nehmen und wenn biefer nicht erfcheinen wolle, ben Herold 
felbft aufs Haus zu geleiten, und dort die Erklärung zu übe 
geben, zugleich auch in bes Königs Namen bie Uebergabe der 
Burg zu verlangen. Dem Gubernator zur Seite flanden 
zur Ausfuͤhrung feiner. und der Eöniglichen Befehle der Ritter 
Auguftin von der Schewe. ald Hauptmann des Kulmerlandes 
zu Graudenz, Stibor von Balfen Woiwode im Koͤnigsbergi⸗ 
fen, Sabriel von Baifen Woiwode im Elbingiſchen Gebiete 


und Son von: ber Jene Woiwode in Pommerellen. : Dirk 


fie vorzüglich ward jebt zu. Thorn eine feierliche Unterwerfungs 
urkunde ausgefertigt, worin bie Verbündeten die Gründe ihre 
Abfalled vom Orden auseinander ſetzend, fich zum Huldigungs 
eide an ben König von Polen verpflichteten und bereit erklaͤr⸗ 
tm.? Zur Annahme dieſes Eided hatte der König ſeinen 
Reichſskanzler Johann von Coniezpole und den Biſchof von 
Pofen nach Thorn gefandt, wo viele fofort die Huldigung lei⸗ 
fleten. Hand von Bailen und bie genannten Woiwoden wer 
pflichteten ſich, bie Biſchoͤfe Preuffens ohne ' weitered als 
Beinde zu behandeln, fofern fie den Huldigungseid verweigem 
wirden. 9 “ 

Der Gubernator bot jetzt ale Kräfte und Mittel auf, theil 


1) Ein folcher Sölöner- Brief für eine Anzahl Boͤhmen, d. Gra® 
den, Mitt. vor Palmar. 1454 im Rathsarch. zu Thorn Cist. A. 3% 

2) Schr. des Hans v. Baifen an Stibor v. Baifen, d. Them 
Sonnt. Palmas, 1454 Schbl LAXIX, 1075 Voigt Geſch. Mariend, 
©. 408. 

3) Urf. d. in Thoran feria secanda post Ramispalm. 1454 be 
Dogiel T. IV. 149— 152, Diugoss. T. II. 139. Ptivilegia der 
Stände des Herzogth. Preufl. p. 16— 18. 

4) Url: wie vor bei Dogiel T. IV. 152. Dingoss. T.U. AM 


Belagerung des Bauptaufes Mucnberg. (1454) 885 


. 


Keni zu gewinnen und durch eine ſtarke Kriegamacht in Vom⸗ 
merellen bie Verbindung bed Ordens mit Deutichland ‚völlig 
abzufchmeiben, theild die beiben legten Burgen im weftlichen 
Preufien, Etuhm und Marienburg zur Uebergabe zu zwingen. 
In Konig trat auch unter den an fich ſchon armen Bewohnern 
mehr umd mehr großer Mangel ein; fie. konnten zum Unterhalt 
der Beſatzung wenig ober nicht8 mehr leiften. Die Zuſuhr war 
ungd umber abgeichnitten,. denn Schlochau war von ben Bers 
Dindeten befegt; der Hauptmann Ion von ber Jene hatte.fich 
mit ‚feinen Dienfipflichtigen ind Gebiet von Tuchel geworfen, 
wo er in Berbindung mit dem Polnifchen Hauptmanne Scher⸗ 
lenoti, der mit tanfend Pferden und dreihundert Trabanten zu 
Zuchel lag, die ganze Gegend beherrfchte. Mor Marienburg 
ging kein Zag ohne Gefechte vorüber, denn man fuchte durch 
tägliche Ausfälle aus der Bing und Stadt den Feind fort und 
fort zu befchäftigen und zu ermuͤden, um ihn von emflen An⸗ 
griffen auf dus. für Marienbing fo wichtige Stuhm abzuhal⸗ 
ten,® denn bei dem Mangel .von Kraft und Muth in ber dor⸗ 
tigen Beſatzung Tonnte auf eine lange, flandhafte Gegenwehr 
wicht viel gerechnet werden. Da man auch dort ben in. bie 
Burg geflüchteten Landedrittern und Landbewohnen wenig 
traute und die BVeifpiele von Verraͤtherei diefer Fluͤchtlinge im 
Rutmerlande hinlängliche Warnung waren, fo fandte der Hoch⸗ 
meiſter auf der Dauptleute Verlangen eine anſehnliche Schaar 
von Ordensbruͤdern und anderes treued und bewährte Krieger 
wi. Das verbächtige Landvolk warb aus ber Burg .entlaflen 
and zwei und zwanzig Wochen vertheidigte nun bie bortige 
Beſatzung dad Haus mit ritterlicher Tapferkeit, zwar nicht ohne 
ſchwere Opfer und große Anſtrengung, aber ftet3 mit Gluͤck 


1) Schr. des Sans v. Baiſen an d. Hauptmann Jon v. ber Jene, 
d. Thorn Mittw. vor Judica 1454 Schbl. LIX. 59. Schr. d. Kom⸗ 
thurs v. Schlochau, d. Konig Zreit. vor Palm. 1454 Schbl. XLVII. 2. 
Diegoss. T. II. 144 giebt die Mannfchaft des Hauptmanns flärker an. 
2) Schr. des HM. an ben Deutfchmeifter, d. Mar, Mont. zu 
Oftern 1454 Schi. LAXEX. 9, 
VIII. 25 


hatte 

um fa mehe wandte er alle Mraft auf, den Porberimgen 

wen Gaupllone vor Ziwirnburg in ale Meike zu grnbyen 
und bad Belagerungähser mit Gel und zahlreicherer Banas 
ſchaft moͤglichſt zu verſorgen. Im Kulmerlunde und be Ofte⸗ 
werfen Gebiete ward Monn vor Mann zum: Zuzuge ind 
Belogerungährer aufgeboten. Mehre Bunbeinitter werben be 
„iu ben Staͤdten Ermlands bie noͤchlgen Sriegögelber 
aufwbringen. Der Gubernator wer auch bemüht, ben Heczeg 
Siesta von Mafovien zu bewegen, ſein nach Barislurg ger 
fanbtes Huͤlfsnoll ven Dart yurlidirfocdern mab Die and Sie 
fonien dem Deden noch zu Huͤlfe eilende Kriegsmannſchaft am 
ven Bringen zuruͤchzuhalten. Sein Eifer nehm noch zu, aB 
bie Nachricht kam, daß der König von Polen füh zu einem 
Kriegszuge nach Preuſſen vie? Indeß nicht üuͤberall wirkte 
des Gubemators eifrige Thaͤtigheit. Seine Vefehle zur Ruͤſtung 
und zum Zuzuge wurden im Ganzen ſaumſelig 
Memn. viele hielten dab Merl ven Miefrcing vom Srben (ki 





ui 


| Gälnem weile Br Dam ana 





9% Sn. A. 1243 Bokgt a. a, A ©, 497: 

2) Schr. des Hans v. Baiſen an Gtibor v. Baier, d. Toen 
grün. Donnerſt. 1454 Schbi. LXXIX, 112. Voigt u a. D. 4 

3) che. db Kant. Balken en —— Bade 
am Oftertage 1454 Gil. LXXIX, 102. Ger. dei 
Cisasbung an Gtikos u. Beifm,. db, Giyası. Mlitke. nat 2 
2454 Gqhbl. IX, 42. 

4) Güe. dia Hans. u. Ballen 08 Gsiten:n. Malen, d Sie 
Gonnab, vor Zubllate 1454 Schbl, LAXIX. HA 


% 


Ortapeiung tut Hinfihenfes Dieichtetg, (165:) 387 
Wirte enliizfen, anderr entfernten fich and beim dager 












Ale 
53 
in 
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& 
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3 
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u 


Zuf Marinbing Melt Boffung und Buverficht auf baldige 
Oicle ven Muth inminer noch aufrecht, Der Drbenöfpiitier Heintich 


hatte Mocheicht, daß fih dort, obgleich ber König von Palm 
dech rine Geſandeſchaft auf dem KReichetage zu Begendbung 
wegen feincd Echrittes * entſchuldigen laflen,® Bereits 





1) en. des Sans v. Baiſen an Giibor d. Balfen, d. Gonnt. 
Jubilare 1454 hl, LXXL. 104, 110. LX. 58, 

2) Ge des Hans v. Baiſen an Seibor v. Balfen, d. Eiern 
Geount. Jubilate 1464 Gchbl, LAXER, 106. 

3) Ge. des Dans v. Balfen an Stibor u. Batien, d. Thorn Dienfl, 
nadp Eantote 1454 Schbk LXZIX, 126, 114, Woigt a. c. O. ©. 410, 

4) Schr. Heinrichs R. v. Plauen an d. Ben: auf Siehe, 
& Bar, Gennob, vor Zubilate HA Sihk LAL 

5) Diugoss. T. 1. 144, 

25 * 


388, Vadgenmi des Gaupfpanfet Medinburg, (1454) 


mehre Bürflen, z. B. der Kurfürft Friederich von Branbenbuig 
ſelbſt auch der König Ladiſlaus von Böhmen zu einer großen 
Kriegaruftung zur Rettung des Ordens bereit erklaͤrt und Hoffs 
zung gaben, im Sommer ‚mit einer Kriegsmacht zu erſcheinen, 
deren Stärle ber Feind :ded Ordens auf Beine Weiſe gewachſen 
fenn follte, Der Deutfchmeifter, der Landkomthur von Franken 
und canbere Gebietiger waren fort und fort raſtlos thätig, um 
Fuͤrſten und Ritter zum Beiflande ded Ordens zu gewinnen.! 
Bis dahin aber glaubte man fih in Marienburg auf jedem 
Falle behaupten zu koͤnnen. Auch Stuhm hoffte man noch zu 
erhalten, denn wenn auch dad dortige Belagerungsheer etwas 
perſtaͤrkt wurde, fo fehlte 8 ihm doch an Muth; die Gegend 
weit umher, felbft bis ind Chriſtburgiſche Gebiet war fo ver 
armt und audgezehrt, daß dad Landvolk weder an Lebens 
mitteln noch fonftiger Beihuͤlfe irgend etwas leiten konnte unb 
der traurigen Heimath entfloh.2? In Höfen und Dörfem war 
weit umber alles geplündert und vernichtet. Auch Konik 
ward von Heinrih Neuß von Plauen und vom Komthur von 
Schlochau noch tapfer vertheidigt; ihre Ausfälle und Gefechte 
mit bem faſt dreitaufend Mann flarten Belagerungsheere unter 
dem Hauptmanne Nicolaus Scherlendfi waren immer vom 
Gluͤcke begleitet, während das legtere durch Todte, Verwundete 
und Gefangene immer mehr gefchwächt wurde. Der Graf 
von Plauen wies baher auch eine durch einen Sendboten bed 





1) Schr. des Kurfürften Friederich v. Brandenb. an d. Komihur 
v. Schlochau, d. Köln an d. Gpree Mittw. nach Zubilate 1454 Sdbl. 
LXXIX. 239, Schr. des Drbensritters Hans v. Kölerig an Heiatich 
Reuß v. Plauen in Konitz, d. Berlin Dienſt. nach Jubilate 14% 
Schbl. DM. 117. Er ſpricht von 30,000 Mann, mit deren MR 
nach Preuffen kommen wolle. Schr. Ulrike v. Lentershein an d. HR 
d. Prog Dienft. nach Philippi u. Jacobi 1454 Schbi. DAR. 116. 

2) Schr. de6 HM. an Heinrich Reuß von Plauen, d. Mat. 
Dienft. vor Cäntate 1454 Schr. des Hans v. Baiſen an Griber & 
Baifen, d. Shern Sonnab. vor Cantate 1454 u, einige andere Sahe. 
Eqbi. LXXIX. 174. 116, XLUN. 5, 6. 

3) Schr. Auguſtins v.d. Schewe, d, Im Heere vor Grafen Dienſ. 
na Eantate 1454 Schbl. XLV. 31. 


—  Benätungen des HM: um fremde Veihuͤlfe. (1434,) 389: 


Slniges überbrachte Aufforderung zur Uchergabe ohne weiteres 
auch.) Man hoffte auch hier auf baldige Hülfe aus Deutſch⸗ 
Ib, befonberd auf die baldige Herankunft ded Deutfchmeifters 
wis einer anfehnlichen Streitmacht. Um Konit fo bald als 
uidglich zu entfegen, erließ ber Hochmeifler an den Vogt von 
Eglevelbein den Auftrag, die in Kuͤſtrin liegenden zweitaufend 
Bifige: ‚und den Soͤldner⸗ Hauptmann Bernharb von Zinnens 
Sag mit fimfhundert Pferden und Zrabanten von Lanböberg 
Deranzugiehen, um den Feind zu vertreiben. ®) 

Indeß fehlte. ed, ‚um die von auswaͤrtsher fich darbietenden 
daiſe in in Bewegung zu ſetzen, dem Orden am :ben ında 
gen Seldmitteln. Man kannte überal feine Armuth und 
anf bloße Verfprechuugen mochte niemand bauen. . Der Meifter 
war fehon- jest nicht einmal im Stande, die Forderung ber 
Soldner in Konig zu befriedigen.d Markgraf Albrecht vom 
Brandenburg war mit dem. Deutfchmeifter nach Prag gezogen, 
um ben König von Böhmen, wie er verfprochen, zu eifiger 
Huͤlfſleiſtung zu bewegen; allein man hatte ihm nicht nur eine 
bedeutende Seldfumme verheißen, ſondern ſich auch verpflichten 
mäffen, noch vor bed Könige ober bed Guhbernatord Auszug 
cinen Theil diefer Summe in Prag nieberzulegen ober zuvor 
ausutzahlen, und daran ſcheiterte das ganze Unternehmen, denn 
auf die vom: Deutſchmeiſter ben Boͤhmiſchen Herren vorgehalte⸗ 
nen glaͤnzenden Soldverheißungen mochte man kein Vertrauen 
ſeten.) Ebenſo wollte ſich der Kurfuͤrſt von Brandenburg 


7 Er des Komthurs v. Schlochau“, di "Kante: Donnerſt. nach 
Shlate 2454. Schbl. XLVII- A Schr. Jons v. d. Jene an Stibor 
d. Baiſen, d. im Heere vor Konit Mont. vor Urbani 1454 Shi; 
LX. iD. ' 

2): Schr. beb- Rontdurs v. GSchlochau, d. Rente Dienft. vor 
Himwveif. 1454 Schbl. XLVII. 3, 

3) Sir. des HM, an den‘ Vogt v. Sqievelbein, di am Himmelf. 
Sad Ehh. LIX. 49, 

4) Gr. das. —— — — Meuß v. piauen, d. Dienß. von 
Eantate 1454 Schbl. LXXIX. 174, 

5) Ge; des HMi aud. Deutſchmeiſter, de am Hiumelf. Abend 
14545 Schr. des Orge S minbott an Haus v. Daiſen, d. Wien Zreit. 











30 Dur Korig ven Polen in Veeuſſen. (1454.) 


zueor in Mckſicht deb Schadens, ben a im Dienfie dei De 
den& erlelden koͤnne, fücher gefheiit wiſſen. Mer Hochmeſter 
verſuchte jedes Wihttel, um dieſen Hinderniſſen zu begegnen. 
We Die Huͤhſemacht ir Böhmen ſobald als möglich in Bewe⸗ 
gung zu ſeten, trug eu dem Beutfihmeiftee auf, darch Bee 
Yimbung einiger Orbensſchloͤſſer dad verlangte Rüflgele als: 
Eringen, Samt Gelbinangel des Koͤniges Entſchluß wicht 8: 
eitele. Den Haupileuten zu Konig, unter been damals 
fon vorzüglich Georg von Schlichen and Sachſen mit ſeinen 
Reiſtgen hervorglaͤnzte, verhieß er, ums fie bem Orden F 
zu erhalten, Erhoͤhung ihres Dlenftſoldes; er flelite Ihnen, fr 

* einer bebeutenden Anzahl auderer Bitter, die dem Dxben 
zu Dienft yunciten wohten, & 9. Schabes oder Berfiheiung: 
beiefe and, worin er Wergätung ‚bob etwanigen Sqhadens I 
ihrem Dienſte verhängte. * 

Mittlerweile aber war ber König von Polen mit ber 
jungen Königin, vielen ſeiner Reichegroßen und einer anſehn⸗ 
lichen Heerſchaar ind Laub gekvmmen. Kon Thoru, wo er 
mit Jubel und allgemeinen Hulbigung empfangen am Bin 
Mal einzog und bie Lundeörtterfihoft, beſonders die Ritier bed 
Eibchhfen s Bunder und Abgeordueto dev Staͤdte wetteifenen, 
im den Eid des Geherſaum zu kbeiſten much ihve ESrgebenhel 
——— ee oe Si Den alt a 





yon: Urbonk SA äh. LKXIN, 26: 14% Iilugens, Ti N. 146. 
Mar HM, foot: Wir: Nachricht: won bes, Sohnigen Meimciäiges pi 
{a Marisshurg groſe Breube mras. 

1) Schr. des Komthurs v. Ehlohau Ehbl. XLVIL 3. 
: 3 Gar. 16 SW. an den Deusiämeifler, d. Mom. Dieaf. IN 
Pfingſt. 1454 Schbi. Varia 18, 
"3 O0 et: DM. an Heinich Dub: 1. Wauen, und Ve dern 
Bauptleute, d. Dienft. zu Pfingft. 1454 Gchbl, Warn 10% Muhr, Wi 
Sanugure. v. —— d, Krrig “u. vu as Gh. 
XLYH. 5, LXXIX 

¶9 Ear. da —— —— v. —*—*—*— van Damige Falh, 

d. Thern am Simmdf. Tage töih.. Blase, 9 Ih 1ör-IHh 


nen den Huldigungseid zu empfangen, fo koͤnne er doch Tamm 
glauben , daß er ald ein hrifllicher König folched zu thun im 
Stande fey und gegen den Laut des ewigen Friedens die ide 
täther des Dibens in feinen Schutz und Schium nehmm wWeibe. 
Er muͤſſe daher ben König aufs dringende erſuchen, feinzim 
Biniglichen Worte geiten zu bkeiben.“ Wir wiſſen nicht, ob 
und was dieſer geamwortet habe. Alles and dem Lare 
firimte. in Elbing zuſannnen, Ihm bie Huldigung zu leiſten. 
Die Landesbiſchoͤſe, Johannes von Kulm, Kabpar ven. Pei 

fanien und Nicolaus von Samland, (der don Ermlaud befaub 


Städte bis aus den Nieder⸗ und Hinkelanden har gelobeen 
in feierlich ausgefertigten Huldigungsbrieſen den Koͤnige Trerut 
und Gehorſam, mis dem Werſprechen, alle ihre Kräfte aufah- 
bieten, den Drbm ans dem Lande zu wirtstiben und. ftine 
Herrſchaft bis auf die letzte Spur zu verfügen ® In Könige 
berg nahm der koͤnigl. Kanzler Johann von Goniapele, dart 
ſche chrenvoll empfangen, bie Huldigung ein.“ Nee alla 

13 Odır. des HM. am den König v. Polen, d. Mat. Dormerf, 
und) Yfingft. 1454 Schök LXKVIA. 30, LXXIX. 40. Der GM. 
wg: er wird dem Könige ſchon laͤugſt geſcheleben haben, wen aicht 
ee feine Boten gefangen, erwordet und sefüngt wilden. 

2) Ein Schr. des HM. 98 den Domprapfi De Ermland, de Sons 
nab. vor Eraubi 1454 Schbl. Varia 134 erwähnt feiner ausdruͤclich 
in Marienburg; nach Schütz p. 202 fol ex bereits nad; Breslau gr 
open und dert gefiorben fega- 

3) Die Huldigungsbrisfe, d» Kibiag Feria III Benseopst, v- Kb- 
migeb. Fexia IV in vigilia oorp. Chr. 1454 wei Degied T. IV. 153 
156. Rad Divgoss. T. II. 148 legten die Biſchoſe auch das Ordens⸗ 
Meid ab. Detmar Chron. Br MH. 169. 

4) Diugos: T. II. 190, 


* 


393 Die Aunig von Polen In Preufim. (14154) 


ward Danzig vom Könige hochbegnadigt; es erhielt nicht mır 
bedeutende Einkünfte an Zinfen und andern Abgaben, fondern 
"auch ein fehr ausgebehntes Stadtgebirt in ben fonft dem ODe⸗ 
den zugehörigen. umherliegenben Guͤtern, Befigungen und Die 
fem: D Dagegen verpflichtete es füh, bem Könige jaͤhrlich 
gecitaufend Unger. Gulben zu zahlen, ihm einen anſtaͤndigen 
Uuniglichen Hof in der Stabt zu erbauen, mit allen nothwen⸗ 
digen Beduͤrfniffen einzurichten und zu unterhalten, auch ben 
König mit feinem Hofftaate, wenn er Danzig befuchen wad⸗ 
jaͤhrlich drei Tage lang mit Allem zu verſorgen. 
Darauf berieth ſich der Koͤnig mit den Staͤnden and 
über die Maaßregeln, wie man zum Kriege und zur Landes⸗ 
nothdurſt Geld aufbringen, Konitz erobern und den Deutſch⸗ 
meiſter, deſſen Herankunft man bald erwartete, hindern koͤnne, 
dem Orden zu Hülfe zu kommen.) Endlich ward andh über 
den Plan berathſchlagt, den großen Werber wieder zu gewins 
nm, um Warienburg von neuem von ber Seite ber Nogat 
Ger zu belagern. Geld warb zum Theil dadurch herbeigefchafft, 
daß man das Amt Pugig an einige Bürger zu Danzig für 
eime namhafte Summe verpfändete. ? Konig zu erobern über 
nahm der König ſelbſt. Den großen Werber wieber zu gewin⸗ 
nen und Marienburg von neuem zu belagern, erbeten fih 
die Danziger. Darauf begab ſich der König nah Thom zu⸗ 
ch, beftdtigte dort die bisherigen Woiwoden in ihren Amts 
winden und flellte zugleich eine Erklärung aus, daß er au 
instünftige bie Hauptmannd = und Befehlshaberftellen in den 
Burgen und Städten ded Landes niemals Ausländern es 
leihen wolle ımb wenn dieß im Werlaufe bed Krieges auch Fir 
und ba gefchehen- bircfte ‚ er doch nach hergeftefltem Frieden 


4 


1) Das Naͤhere darüber bei Schütz p. 203 aus der Urkunde ſelbſt. 

2) Urf. d. Elbiug ipso die s. Trinitat, 1454 bel Dogiel T- IV. 
154. Diugos. T. II. 149. 

3) Sehäitz p. 202. Schr. de6 AM an d. Vogt v. Schievelbein, 
d. Dienſt. su Pfingſt. 1454 Schbil. RXXILX. 37. 

u Schiitz p: 203. 


Dee Rötz von Palm in Preuffen. (1454) 898. 


fe an dieſer Bufage halten ımb nur Eingebornen dieſe Stels 
len übertragen werbe. ? 

Man war nun bemüht, bie in Eibing gefaßten Befihläffe 
in Ausfuͤhrung zu bringen. Dem Könige fchien am wichtig⸗ 
fen, vor allem Konit zu gewinnen; weshalb er zur Ver⸗ 
Rärfung des dortigen Belagerimgäheered auch einen anfehnlichen 
Streithaufen abfandte. Der Gubernator und die Verbuͤndeten 
werben immer mehr Sölöner an.?? Allein Überall - traten ber 
friegerifchen Ihätigkeit des Königed und ber Verbuͤndeten bes 
deutenbe Hinberniffe entgegen. Nichts konnte von ben Haupt⸗ 
leuten mit Rachdrud unternommen werben. Die Nachrichten 
von Kriegshuͤlfe fir den Orden aus Deutſchland nöthigten fie, 
ihre Kriegskraͤfte zu vereinzeln. Auch verlangten bie Staͤdte 
flärfere Beſatzungen. 33) Die ausgeſchriebenen Kriegöfteuern 


gingen in ber Eile, wie man fie verlangte, nirgendwoher 


em. In Ermland zeigte ſich auch wegen Erhebung dieſer 
Stener und wegen ber Kriegsreiſen, womit man die Guts⸗ 


befiger belaͤſtigte, bereit großer Unwille im Volke.) Die 
Böhmifchen Soͤldner vor Marienburg brohten ſchon, dad Lager 


zu verlaffen, wenn man ihnen den Sold nicht zahle und ihre 
in Marienburg gefangenen ‚Landsleute nicht ausloͤſe; ) und als 
man biefe einigermaßen befriedigt hatte, erhoben die Deutfchen 
Tabanten vor Stuhm gleiche ſtuͤrmiſche Forderungen, fo dag 


auch dort der Hauptmann Auguflin. von der Schewe täglich 
von ihnen bebrängt wurde. d Die Danziger zogen zum Theil 


1) Urf. d. Thorun Feria II Johannis bapt. 1454 bei Dogiel IV. 
15%, Privilegla der Stände des Herzogth. Preufſ. p. 18, 

2) Schütz p. 203. Url, d. Thorn um Oftern 1454 Schbl. XIV. 26, 

3) Schr. Pauls v. Thesmesdorf an Hans v. Baiſen, d. Mieſen⸗ 
burg Dienft. nach Trinitat. 1454 Schbt LXXIX. 111, 14. 86, 

4) Schr. des Ritters Jacob v. Gedauthen an d. Bubernator, d. 
Heilsberg Mithv. vor Zroßnleihn. 1454 Schbl. XLXIII. 60. 

5), Schr. Stibors v. Balfen an Hans v. Baifen, d. vor Mar, 


Sonnab. vor Eorpor. Chr. 1454 Schbl. XXXIX. 22. Dlugoss. 


T. IL 150. 
6) Schr. Unguſtins v. d. Schewe an Sttbor v. Ballen, d. vor 
Stuhm am T. Viſitat. Marlaͤ 1454 Schbl. eidelegeſch. ©. 204. 


- 





Danziger Rriegöoolt aus Königäberg und andern nieberlänbifchen 
Stddten herbeizuziehen, hatten Beinen fonberlichen Erfolg, *) 


einer vom Könige gefanbten Schaar von. Polen und Böhmen 
fich verbindend, zogen fie in auſehnlicher Stärke in ihre 
heres verſchanztes Lager im Warnauiſchen Walde und Der 
Werber war fomis fr Matienburg wieber geſperri. Co um: 

gingelten jeht en bc Blinker we u das ver⸗ 
er aemmelber: 





Ban 1 Derseahine ik an br: Kurkale vekkaue © 
„It mußt ihr das Haus umfehlbar gewinnen!“ fchrieb ber 
Gubernator dem oberften Heergrafen vor Marienburg. Und 
in der That ſchien die Gefahr fin den Meiſter jetzt ſehr goß; 
er war faft rings eingeſchloſſenz alle feine ausgefandten Boten 
wanden vom Feinde aufgefangen, ermordet und erſaͤuft; es 
glückte ihm kaum, zwei Briefe an den Deutichmeifler und dem 
Koͤnig von Böhmen abſenden zu koͤnnen, worin er fie aber: 
mais aufs dringendſte um eilige Külfe bat. (EB gingen 
indeß Wochen hin, ohne daß irgend etwas von Bedentung ge: 
ſchah. Bei: jedem Angriffe des Feindes auf die Mauern ber 
Stadt trat bir Buͤrgerſchaft Bearienkungs, am ihret Spige der 
brave, entichloffene Birgermeiſter Bartholomäus Blume mit 


1) Schr. des 3. v. Tesgewig an Gtiber v. Ballen, d. vor Gtuhm 
am T. Johannis Bapt. 1454. Schr. des Gubernators an Gtibor v. 
Baiſen, d. Tharn am Abend Johannis Bayt. 1454 Gchbl. LXXIX. 103, 
2) Schütz m 208, RBenau p- 14, Voigt Od Markent. 
6, 415. 
3) Boigt a. a. O. ©. 415—416, 
M Gi dee HM and, Deutiburißer u. d. Rönie v. Boͤhmen, 


Dagchet in Genen. (1454) © 
ut unb Zorne der Befatumg zu Bälfe unb imteifikhte de 
Tapferkeit 


feſt an ber Höfe der heil, Barbara, bern ‚Haupt und Bild 


an Einigkeit. Die Böhmen drohten bei jeden Aulaſſe, das 
Lager verlaſſen du wollen, um fi) in die Städte unb Burgen 
des Siſchofs von Powsfatiin zw werfen. Die Danziger 
whufchten auch Teineämegs, daß Me Polen Marienburg ge 
winnen möchten; fie wollten es für fich erobern und bumm 
weder einen Polen, noch einem aut dem MWBinnbeöheere auf bie 
Berg zulafſſen. Selbſt der Plan, ber Stadt bıncch Ahplechen 
des Mählengrabend ober durch Vernichtung ihrer Roͤrrenleitung 
bad noͤchige Waſſer abzuſchneiden und fie fo zur Uebergabe zu 
zwingen, konnte feinen Erfolg bringen. ® 

Dieſen Mangel an Einheit in einem feſten Plane umb 
an zweitlmaͤßigem Verwenden und Zufesunenwirken ihrer Kriege⸗ 
kraͤfte hatten laͤngſt amd der Koͤnig, der Gubernetor und die 


ce Tagfahrt zu Graudenz veranſtaltet, wa caßer ben Wei⸗ 
woben und Laudeshouptlenten auch eine Anzahl Baubesrikter 
und Pie Bingermeiſter deu großen Städte erfchienen. 2 Der 
König fuchte wor allem die Geneigeheit der Stände ſich dadurch 
zu gewinnen, daß er ihnen die Mücht ver Rambeinäthe ſelbft 
übertrug. Es warb vom. ihnen beſchloſſen: es fellten forthin 
ſieben Stiormen vom Laude mb eben fo viele von den Haupt⸗ 
ſtaͤbten des Landes Wohlfahrt und Gebeihen beratben und 
überhaupt in allen wichtigen Banbedangelegenbeiten nach ihrem 

beſten Erkenntniſſe Seſchluͤffe faſſen. Die Bande erkoren ihre 
kandesraͤthe fogleih, meiſt noch junge Männer, obgleih der 
König wünfchte, daß wan auch einige Prälaten dazu erwählen 


1) Beipt 0. O. GS. Alk. 417, we das Naͤhare nuchzuleſen iſt. 
2) Schütz y. 205. Allygem. T. M. 149-150, 


\ 


896 Tagfahrt zu Geaudenz. (1454.) 


möge. Die Staͤdte wollten ihre Wahl erſt fpiter vornehmen. 7 
Darauf Fam von neuem bie Brage zur Beratung: wie mat 
bie nöthigen Gelbmittel gewinne, um bie Soldner vor Marien⸗ 
burg und Konitz, befonders die Böhmen zu befriebigen? Man 
flug vor, der König möge auf etwa vier Wochen fir bie 
Staͤnde Buͤrgſchaft leiſten; biefer indeß erfläxte, daß er ſolches 
ohne feiner Reicheräthe Zuſtimmung nicht übernehmen koͤnne. 
Dagegen lehnten die Stände feinen Vorſchlag ab, ben Böhmen 
einftweilen die beiden Schloͤſſer Strasburg und Rheben zu 
verpfänden. Da nım der König endlich erklaͤren ließ: bie. 
Sache gehe lediglich das Land Preuffen, nicht aber die Krone 
Polens an, fo blieb den Ständen nichts weiter übrig, als 
zuerſt ſich mit den Sölönerhauptleuten dıber einen Zahlungs⸗ 
termin zu verflänbigen und das nöthige Gelb burch eine Zape 
aufzubringen, welche verhältnißmäßig von ſaͤmmtlichen Stäbten, 
ben. brei Biſchoͤfen (mit Ausnahme bed Ermlaͤnders) und ben 
vier Domkapiteln erhoben werben follte unb im Ganzen 46600 
Bart beirug.?. Um jeboch die Stäbte, auf bie fomit Die 
größte Laſt der Kriegskoſten geworfen war, zu entſchaͤdigen, 
verſprach man ben Beinen Stäbten, beim Könige zu bewirken, 
daß ihnen ihr Grund⸗ und Erbzind erlaflen werben folle. Den 
großen Städten traten bie Ritterfchaft und Rande zur Deckung 
three bedeutenden Auslagen alle vom Könige ben Lanbden und 
Städten überlaffenen Zinfen, Renten, Domainen und andere 
Einkünfte ab. Weiter aber find wir uͤber bie Verhandlungen 
zu Graubenz nicht unterrichtet. Sofort nad) dem Tage begab . 
fi) der König, nachdem er zu Zhom.die vom Reichötage zu 
Regensburg abgefertigten Gefandten bed Papſtes, bei Kaifers 


1) Die Url. daruͤber, d. Grauden; Sonnab. vor Maria Magdal. 
1454 im Rathsarchiv zu Thorn, gebrudt bei Schütz p. 206, 

2) Diugoss. p. 150; die nähern Verhandlungen und Die Ver⸗ 
theilung der Summe bei Schütz p, 204— 205. Wir haben ein Bers 
geichniß ber Summen, welche allen Braunsberg im 3. 1454 geben 
mußte; fie beliefen ſich Aber 15,000 Mark. 

3) Urt. darkber, d. Graudenz Gonnab. vor Mae. Magtal. 14344 
im Rathsarchiv zu Thorn, gedrudt bei Bohlitz p 206. 


Sechms Beruf. (1454,) 1. 


und ber Deutfchen Reichöftirften empfangen und auf ihre Er⸗ 
mahnungen zur Rüdgabe der eingenommenen Lande au bem 
Heden mit einer nichtöfagenden Antwort wieber entlaffen hatte, 
wa Polen zuruͤck, um bort neue Kriegsruͤſtungen zu beginnen. ® 
Kür den Hochmeifter flellten fich die Verhaͤltniſſe bald 
we gänftiger. Zwar brachte es Feinen Erfolg, daß er fidh 
wie früher fchon an Königäberg, fo jetzt auch an bie Binger 
und Gewerke von Danzig, Thom und ber andern 
Sadte wandte, ihnen vorflellenb, wie nichtig und luͤgneriſch 
alle von Friedensſtoͤrern verbreiteten Gerüchte über die beabs 
ſichtigten Sraufamkeiten und blutigen Strafen bes Drbens 
fin, wie er fie nur als Berführte anfehe, bie jegt ſelbſt er⸗ 
Eenmen wiırben, welche dreifache Saften fie nim ſich aufgebinbet, 
uud wie gerne er ihnen, wenn fie ſich befinnen ımb zum Orben 
zurckkehren würben, die Hand zur Ausgleichung biete. Gxs 
ferulich aber war ed für die auf Marienburg, daß faft alle 
Bohmiſchen Söldner plöhlich. dad Lager vor der Stadt vers 
Gegen, um im Lande auf Plimberung umherzuziehen.) Ein 
neuankommender Polnifcher Heerhaufe war meift nur lieder⸗ 
lches Kriegögefindel und nicht viel zu fuͤrchten.“ Ueberhaupt 
being jetzt die ganze Streitmacht des Feindes vor Marienburg 
und Stuhm nur noch achttauſend Mann. Die Danziger bes 
ſqrankten fich ihrer Seits nur darauf, dem Haufe bie Zufuhr 
aus dem großen Werder abzufchneiden, was vorerft noch Feinen 
weitern Schaben brachte, da Marienburg noch ziemlich gut vers 


a Diugoss. T. 11. 150-151. Schr. Heinr. Reuf v. Plauen 
d HM. d. Konig Mont. nad) Jacobi 1454 Schbil. LXXIX. 7. 
"sed Kemthurs v. Horneck an d. HM. Breslau am T: Stephani 
1454 Schbl. 102. 18. Kopebue 3. IV. 158. 330, 
soch. au. 1454. $. 11. 
2) Sir. des HM. an die Gemeinen und Gewerke zu Danzig und 
Thorn, d. Mor. am T. Jacobi 1454 Schbl. LXXIX. 144.218. Die 
Aufforderung an die Thorner fällt in etwas fpätere Beit des Jahres. 
3) Gär. des Hans v. Baifen an d. Biſchof von Pomefanien, d. 
haus am T. Jacobi 1454 Schbl. LAXIX. 104. 
4) Sir. dei SM. an Heine, Neuß v. Plauen in Konit, d. Dienſt. 
nad Zacobi 1454 GEchbl. LIX. 80. 


308 Gent Veuuſt. (1654.) 
forgt war.“ Höcft trauig bagegem war bie Sage Scuhms, 





1) Schr. des HM an d. Deutichweifter, d. am T. Jacobi 1456 
Gchbl. Veria 115. 120, 
2) So der Sol, A, 174, Dingess. 8.1. 151. Boigt, Sch. 
©. 4% 


3) Ubſchrift des Vertrages, d. Mant. nad Vacobi 1454 Ghul. 
LXXMX. 40, Bogt von Stuhm wear Ricclıus von Milwig. 

4) Sol. A. 174-175, Ge. des HM. an Heint. Reuß v. 
Plauen in Konig, d. Dennerfi. vos Laurent 1454 Gchbi. Varka 105. 


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land, d. Mar, Mittw, vor Mar. Magd. 1466 Gebt, KEZXL 42, 
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Kämpfe vor Marienburg mit ben Danzigern. (1454.) 299 
hr Rarienburg konnte Stuhnts Beruf in mancher Hin⸗ 


fit ſehr verderblich werben, denn ed vereinte ſich nicht mu 
das gamse dortige Belagermgäheer mit dem vor dem Haupt⸗ 
hauſe, ſondern es ging auch ber größte Theil ber Befatzung 
Stahars zums ‚Deere bed Koͤniged uͤber. ) Aber noch immer 
ſthite es den Rittern auf dem Hauſe nicht an Beth umb Kraſt. 
Ergrimmt über dieſen Bruch geſchworener Treue forderten fie 


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wit grbfter Exrbäterung ſortgeſetzt, bis ein gewaltiger Staub 
zwifhen den Eimpfenden bie zum Stkchuge 
zeug. Aber. nad zue Stunde brachen zweitaufend Weiter 
uns Fufſftnechte auch auf das Bager ber Danziger din; es ward 


befhoflen, obgizich. es nicht zum Rarıpfe fan, dam bie 
ich nicht aus ihren ſtarben Verſchanzungen. 
voll Lebenömittel und eine Heerde Vieh waren 
des Tages, fin Marienburg ein großer Gewina.?? 
amd Kent dis Rachricht aufd Haud: ber Herzog 
an, Bernhard von Zirnenberg, ‚Heinrich von 
von Kalkrent, Kubpar von Noſtitz, Otto won 
Laufig und mehre andere eble Deren feyen 
Kriegsmacht von dreizchntaufenn Mann ** in bie 
einer 


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den Plan: ſobald dieſe Kriegsmacht heranziehe, ſolle Konitz vom 
belagernden Feinde befreit, ſtark bemannt und dann von ba 
aus unter des Komthurd von Schlochau Befehl ein Verſuch 
zum Wiedergewinn der Häufer Zuchel und Schlochau unter 
nommen, von Heinrich Reuß von Plauen bagegen und Weit 
von Schoͤnbeng din Angriff auf Stargard unb Dirſchau gewagt 


1) Schüsa » %07, Bel. 4. 175. Diivgass. 1. «. 

2) Schitz a Hennebergerp 272. Dingoss. I c. 

Y) Ohr. Heincichs Ruf. u. Plauen oa & HM. d. Konitz Monk, 
b Yanakt 1456 Ghkl. XX. 7. Detmar Chron. B. I, 167 
den Deutichmekiter ſelbſt mit vor Konih zichen. 


73 


400 Kämpfe vor Marienburg mitden Danzigern. (1454.) 


werben, um wenn biefe gewonnen feyen, ben im Werber lies 
genden Feind aus dem Felde zu ſchlagen. So wollte man 
fich wieder freie Bahn nach Deutichland eröffnen. Allein ber 
Zob des Komthurs von Schlochau, der in. denfelben Tagen 
am Kopfe töbtlich verwundet warb, flörte diefen ganzen Plan, ® 
Ueberbieß änderte ſich um Konit auch bald die ganze Lage ber 

. Dinge. 
Der König nämlich rüftete fich mit aller Macht, um Konig 
zu gewinnen. Danzig mußte, fo fehr ed fich auch firdubte, 
ihm von neuem Geld ſchaffen; man borgte fogar bei dem ches 
maligen Komthur von Damig Nicolaus Poftar, der ſich dort 
noch aufhielt, eine namhafte Summe auf.” Ein anfehnlicher 
Theil des Belagerungsheered vor Marienburg warb nad) Konitz 
gefandt und burch anbered Kriegsvolk aus dem Lande erfegt. 3) 
Hier geſchah fettdem faft nichts mehr von Bedeutung, benn es 
fehlte den Danzigern auch an tauglichen Anführern, zumal 
nachdem Graf Hand von Hohenflein und Stiber von Ponig 
nach einem heftigen Streite. wegen erlittenen Schadens das 
Lager verlafien und fi mit ihren Streithaufen zum Drben 
gefchlagen. ? Selbft der liſtige Verſuch des Feindes, die Bruͤcke 
über die Nogat, die immer noch die Verbindimg bed Haufes 
mit dem Werder. vermittelte, durch fieben mit Pech, Theer und 
Pulver gefuͤllte Kähne aufzubrennen unb zu fprengen, gelang 
nicht ganz, denn in acht Zagen war der Schaden wieber aus⸗ 


1) Schr. des AM. an d. Komthur v. Schlochau u. a. d. Mar. 
Donnerſt. vor Laurent. 1454 Schbl. Varia 105. LXXIX, 17. Edhr. 
des Drdensbruderde Graf Hans v. Kirchberg an d. HM, d. Konit 
Dienſt. nach Bartholom. 1454 Schbl. XLIN, 42, 

2) Schütz p. 206. Nicolaus Poſtar, der Komthur dv. Branden⸗ 
burg und mehre andere Drdensbrüder flüchteten fpäter nach Luͤbeck. 

3) Schr. Stibors v. Baifen an d. Propft zu Schönberg, d. vor 
Marienb. am T. Laurentit 1454 Shbl. XLIX.25. Der HM. erhielt 
“um diefe Seit eine Menge von Zehdebriefen, Shbl. LX. 1—4. 

4) Schütz p. 206. DBenneberger p. 273. "Ztdemanns 
Ord. Ehron, p. 117. Deftalungebrief | des Grafen Hans v. Hohenſtein, 
Herrn v. Heldrungen, d. War, am T. Simon u. Judaͤ 1454 Schbt. 
93. 64. 


Kämpfe vor Marienburg mit den Danzigem. (1454.) 404 


Der Verſuch aber koſtete den Danziger hundert 
Mann.) Bedraͤngt durch ‚wieberholte dringende Bitten bes 
Heergrafen vor Marienburg um Mannfhaft. ımb Gel zum 
Befredigung der Sölöner bot der Gubernatpr alle Mittel auf, 
wandte fi) an den König, drohte ben Hauptleuten in ben 
Etädten, wenn fie nicht eiligft mit ihren Heerhauſen ‚ind Lager 
pᷣgen. Es hatte. alled keinen Erfolg, Der Unmuth der 
Belogerer flieg mit jedem Tage; es brachen zwiſchen dan Polen 
und ben Bunbeötruppen fogar gefährliche Meutereien aus, 
Dieb alles wußte und benußte man auf Marienburg.- Am 
1m Septemb. wagte man plöglich einen Ausfall auf ‚ba 
Danziger Lager; es warb fo umftellt und befchoffen, daß Fein 
Mann es verlaſſen Eonnte. Mittlerweile wurde Neuteich ges 
wonnen. In folgender Nacht bemächtigte fich Hans von Soden 
flein bei einem Steeifzuge einer Zufuhr von vierzig Wagen mit 
Lebensmitteln und führte die Beute mit fünfzig Gefangenen 
aufs Haupthaus. Am. Zage darauf griff der Orbenöfpittler 
bad Danziger Lager von neuem. an und brachte: den Feinh 
zum Kampfe. Er dauerte. den ganzen Zag. Da erboten ſich 
endlich die Danziger zur Ergebung unter billigen Bedingungen. 
Weil ihnen aber die vom Hochmeiſter geftelten zu hart fchienen, 
fo ergeiffen fie in folgender Nacht die Flucht, ließen alles im 
Lager zuruͤck und eilten gegen die Weichſel zu, um bei Schönz 
berg überzufegen. Dort erreichte fie aber dad „nachfolgende 
Ordensvolk; ed kam zu einem hisigen Kampfes; allen Danzigern 
drohte der Untergang entweder durchs Schwert des zubrängenden 
Feindes oder in den Wellen ded Stromes. Da ſprengte noch 
zu guter Stunde ein Streithaufe aus Danzig heran, ben man 
von dort ind Lager hatte zu Hülfe fenden wollen, und deckte 

1) Schütz p. 207. Benneberger p. 273. Diugoss. T. I. 
152. . Schr. des HM. an den. Herzog Flotko v. Maſovien, d. Streit, 
nach Martini 1454 Schbl, LXXIX. 90.51. Voigt Geſch. Marien. 
©. 4%. 

2) Schr. des Gubernator& an den Hauptmann v. Niefenburg, d. 
Grauden; Donnerft. nad Nativit. Marid 1454 Schbl. LXZIX. 119, 
Voigt a. a. O. S. 421—422, 

VIII. 26 





402 GSalacht bei Anis. (1454.) 
den bedraͤngten Fluͤchtlingen den Uebergang. Unter Jubel zog bad 
Ordensvolk mit ber Beute des Lagers ind Haupthaus zurkl. 
Uber noch raftete man nicht. Es gluͤckte auch ein Angriff auf 
eine feindliche Paftei gegen Willenberg bin. Die Zahl ber 
Gefangenen war bereitö fo groß, daß bie Thuͤrme Marienburgs 
fie nicht mehr faſſen Fonnten. ® 

Noch wichtigere Ereigniſſe bereiteten fich in denfelbigen 
Kagen bei Konitz vor. Der König brach nach eiligſt beembigter 
Haftung ſchon am Iten Septemb. mit einem ſtarken He, 
worunter zroölftaufenb Meifige, aus feinem Reiche borthin auf; 
auch and Groß Polen Fam ihm anfehnliche Werftärkumg zu. ? 
Man ſchaͤtzte feine gefammte Krlegsmacht auf vierzigtauſend 
Bann. Aber ſchon In der Heimath bezeichnete das Kiegsvoll 
ſeden Schritt durch Raub, Brand und Unzucht.“ Es ge 
borchte Feiner Kriegdorbnung. In der Nähe von Komik an: 
gelangt, theilte der König feine Streitmacht im mehre Schaaren, 
die zuchtlofen Groß s Polen gegen alle Warnungen voranftellend, 
um dem Feinde zuerft zu begegnen. Selbſt ohne Kenntniß 
und Vorſicht im Kriegsweſen verwarf er auch den ihm ge: 
gebenen Rath, die heranziehenden Feinde licher in Konitz eins 
riicken zu laſſen, dann fle einzufihließen und durch Hunger gar 
Ergebung zu zwingen ober hoch vor einer offenen Feldſchlacht 
erft noch ſeine Nachhut aus Polen, fimftaufend Dam fer, 
berbeizuziehen.® Trotzend auf ſeine Uebermacht umd ofme fehl 


1) Die Hauptquelle über biefe Ereiguiffe iſt ein Gchr. des HM 
an Keine. Reuß d. Plauen, d. Mar Gonnt. nach Kreuz: Erhöß. 1454 
Cchbl. LXXIX, 69, Schäüsz p. 207 weicht davon merklich ab; von 
einer Flucht feiner Danziger win er nichts wiſſen. Aunau p. 15 Ya 
ſehr kurz. Die übrigen Quellen f. bei Voigt a. a. O. ©. 48. 

3) Der HM. fagt in dem Schr. an den Herzog Flotko v. Mes 
fovien: „Der Konig kam mit fenner allergroften macht und mit feiner 
beſten ritterſchaft, die der Hat im reiche zu Polan.“ Aemens Sykılus 
de stata Europae ap. Freher T. I. 67 giebt die Streitmacht des 
Königes auf 18,000 Mann an. 

3) Schästz p. 207. Runau p. 15. Stenzel Script. rerum S- 
lesicar. T. I. p. 330, 

4) Schütz 1, c. Diugoss. T. II. 154. 


| 


Schlacht bei Knie. (1454,) 408 


ben Zuzug der Danziger zu erwarten, zeg er der Stabi naͤhe 
und fchlug am 171m Geptenb, unter ihren Mauern eis Lager. *) 
In denjelbigen Zagen aber hatte ſich auch dad Soͤldner⸗Heex, 


Deutfchineifker wit einer andern Schaas noch am ber Dhen Ing, 
ſchon am 18ten Septemb. bort an, nachdem es au demſelhen 
Loge vier Meilen Weges zuruͤdgelegt.) Es wußte am Teg⸗ 
ꝓwor noch nichtd von des Könige Anweſenheit.) Dive - 
dagegen, busch Späher van bed Feindes Anzug benachrichtigt, 
batte fich zum Angriffe fon vorbereitet. Aa ber Soitze feine 
ia mehren Abtheilungen aufgeflellten Kriegsheeres fanden aber 


die Polen am Tage zuvor noch gepsahls: cd wade mx beb 
Peitſchenknalles ihrer Fuhrleute bevüsfen, um den geringes 
feindlichen Heerhaufen auseinander zu forengen.® Um. bie 
Gombbung bed Deines auf dem Dasfihe zu beauen, beihloß 


1) Schütz c. Runau p. 15. Diugoss. lc 
2) Schr. Heinrichs Neuß v. Plauen and. HM d. Konig Sonnab. 
am heil. Kreuztage u. Dienft. nach Kreuzs Erhöh, 1454 Schbl LXXEX, 
24. LIX. 74, giebt die Stärke des Leere an, wig oben erwähnt IR. 
Bunas p. 15. 17 zählt nur 6 bis 7000, Schütz p. 307 dagegen 
8000. Nach dem Catalog. abbatum Sagan. bei Sienzei 1. c. führt 
Rudolf von Sagan 4000 Dans. Bel Bolgt GSeſch. Marienb. 
S. 424, wo mehres hiernach zu berichtigen if. . 

3) Schr. des HM. an Herzog Flotko v. Maſhpien Schht. LAZIZ. 90, 

4) Schütz 9 207. Diugoss. 1. . Schr. Heinrichs Reuß », 
Plauen a. 0. D . 

5) Schäiz 1. c. 


26 * 


404 Schlacht bei-Ronig. 11434.) 


man am dem nämlichen Tage noch einen Angriff. Zwar war, - 
ebe die Polnifchen Anführer ihre Streitfchaaren in ber ihnen 
unbekannten Gegend, die Reiterei in der Nähe eined Moraſtes 
aufgeftellt und geotdnet hatten, der Abend fchon herangerhdit; " 
allein ber Kampf warb bermoch begonnen, anfangs bei der 
großen Ausbehnung der Streitmaffen der ‚Polen nicht ohne 
einiges Gluͤck für fie. Bald aber drang Herzog Rubolf von 
Sagan an ber Spihe feiner eigenen Streitſchaar von viertaufend 
Bobhmen und Deutfchen Eühn in den Feind ein; er felbft that 
Wunder der Tapferkeit. !? Zwar firedite Dad Schwert eine 
Polen ihn mitten im Kampfe nieber und in bemfelben Augen 
Wie warb Bernhard von Binnenberg von einem Böhmen ge 
fangen. Allein er warb bald wieber befreit, als man den, der 
ton gefangen, erfchlagen. - Run flinzte eine Deutfche Reiters 
ſchaar von breitaufenb Mann, um bes Herzogs Tod zu raͤchen, 
mit Außerfter Kampfwuth in ben Feind ein, ſprengte die 
Schlachtordnung auseinander und drang im wilden Streite bid 
an die Mauern der Stabt vor. Diefen Augenblick erfah Hein 
rich Reuß von Plauen und fiel mit Weit von Schönberg ploͤt⸗ 
lich aus den Thoren von Konik auf den hinterſten Haufen ber 
Polen ein, in welchem der König felbft befehligte. Bald kam 
alles in Unordnung und Verwirrung. Die Polen begannen 

zu fliehen. Der König mitten im Schlachtgewuͤhle bot zwar 
er, ben Kampf noch aufrecht zu erhalten, ſprach ben Seinen 
Muth ein, ermahnte fie an Ehre und Pflicht. Alles ohne 
Erfolg. „Die Polen fliehen! die Polen fliehen!” warb jetzt 
der Deutſchen Schildtraͤger allgemeines Schlachtgeſchrei, mit 
dem fie immer wilder in ben Feind eindrangen, und bie Fucht 
ward bald ganz allgemein. Vergebens verfuchte ber König 


1) Daß der König über Konitz hinaus vorgerüdt geiefen fen, 
um die beranlommenden Söldnerhaufen am Heranzuge zu hindern, 
fagt nur der eine Bericht bei ARumau p. 17, der mehres Unrichtige 
enthält. 

10) Aeneas Sylvius L,c, hebt die Tapferkeit des Herzogs Ru⸗ 
dolf befonders hervor, 


3 





Sqhlacht bei Konit. (1454,) 406 


noch einmal, die Fliehenden zuriꝛckychalten. Die im umgaben, 
mußten ihn faft zwingen, auf feine eigene Rettung zu denken. 


Aus aber folched die am Geſuͤmpf aufgeftellte Reiterei wahr 
nahm, bie biöher noch Stand gehalten, ergriff auch. fie. die 


Flucht, blieb jeduch meift im Morafte fteden, denn bie Drug 
fihen drangen mit Siegeögefchrei wild in fig ein und erſchugen 
was fie fanden, fo Daß nur wenige fich. xetben konnten. Wiehe 


andere noch erlagen bem Schwerte der Deustichen auf. ber Flucht 
Die Bahlftatt ſelbſt bedeckten dreitaufend Polen, unter ihnen 


hundert und ſechs und breifig Woiwoden, Hauptleute, Ritter 
und Edle. Viele der Vornehmſten, darunter bed Königes 
Kanzler mit dem koͤnigl. Siegel, der Marfchall, mehre Woi⸗ 
woden und Hauptleute, ald Nicolaus Scheriendfi, ber Woi⸗ 
“wode von Pommerellen Ion von ber Jene, nebft mehren 
königlichen Räthen, Grafen und Bitter geriethen in Gefangen 
ſchaſt. Die Reichsfahne, alled ſchwere Geſchuͤtz, bie ganze 
fſeindliche Wagenburg, viertaufend Wagen ſtark, mit Kriegs⸗ 
riſtung und Lebensmitteln reich beladen, des Königes Kriegszelt 
nebſt allen Kleinoden und Schaͤtzen an Gold und Silber, Zafels 
geſchirr und Waffen, in allem eine außerorbentlid) ‚bebeutenbe 
Beute fiel den Soͤldnern in die Hände, Wohin der König 


1) Wir haben über diefe Schlacht mehre Schr. des Ord. Treßlers 
s. Heinr. Neuß v. Plauen, d. Konitz Freit. nah Matthäl u. Donnerſt. 
nad Lamperti 1454 Schbl. LIX. 75. 76, u. ein Schr. des HM. an 
den Deutfhmeifter, d. Mar, Donnerſt. nah Michaelis 1454 Schbl. 
LZXIX. 1, Sie ſtimmen im Wefentlichen wit den Nachrichten bei 
Schütz p. 208 überein. Ueber die Zahl der Todten und Gefangenen 
fagen die Schreiben. nichts genau, geben fie jedoch als groß an. Die 
Uingabe von 30,000 gefallenen Polen berubt wahrſcheinlich auf einem 
GScqreibfehler; in der Zahl. von: 3000 ſtimmen die meiften Chron. "übers 
‚iin, fo Schütz 1 ec. Runas p. 15—16.. Ordens-Chron. p, 192% 
HM :Ehron. p- 266. Alte Preufl- Chron. p. 80, wo es jedoch heißt: 
ercien sunt wiyimgus tria willia virgrum forum et nohilium.. Den 
Verluſt des Ordens geben die meiſten Chron. übermäßig gering an, 
einige nur auf 60 Mann und 2 Ordensritter. Detmar Chron. 
2. 11. 167 giebt die Berlufte nicht naher « a. Aencas Syria L. c 
zähle 6000 gefallene Polen. . 


206 Wiedergewinn eines Theils des Landes. (1454) 


gekommen ſey, wußte Anfangs niemand. Vom nachdrängenben 
Feinde verfolgt, wirde er, da fein Roß bald ermuͤdete, ſchwer⸗ 
lich gerettet worden ſeyn, hätte Ihm nicht ein Ritter fein friſches 
Pferd aufgedrungen und ihn auf einem Fußſteig durch einen 
Sumpf führend der Verfolgung des Feindes entzogen. So 
erſchien er mitten inter Flüchtlingen nach mehren Zagen in 
Khem.D Die erbaiteten Lebensmittel reichten hin, Komik auf 
zwei Jahre zu verförgen. Die Gefangenen, mehr als drei⸗ 
hundert, wurden nach Marienburg gebracht, wo fie nicht zum 
beſten behandelt zum Theil in ben Gefängniffen flarben und 
die Leichen in bie Nogat geworfen wurden, denn man achtete 
fie feines ehrlichen Begräbniffes wirdig. ?) 

- Olängender noch als der Sieg felbft waren feine Bolgn.?" 
Laͤngſt hatten viele Geiſtliche im Bande fich bemüht, das Boll 
gegen die Polnifche Herrfchaft aufzınviegeln und der Neuerunz 
auf alle Weile entgegenzuarbeiten. Die peftartigen Krankheiten 
im Lager vor Marienburg galten ihnen als Strafen Gottes 
und der heiligen Jungftau Maria, an deren geweihter Burg 
der Feind des Ordens ſchwere Sünden auf fein Gewiſſen ge 
Iaben.D Der Sieg der Ordendſache bei Konitz, mit fo mm 
verhaͤltnißmaͤſigen Kräften über den uͤbermaͤchtigen und Abets 
müthigen König errungen, ſchien ihre Verkündigung zu be 
flätigen. Kamm war bie Schreckensnachricht ind Lager vor 
Marlenburg gekommen, als Alles entmuthigt zum Abzuge auf 


1) Ueber die Zlucht des Koͤniges einiges Nähen bei Detmar 
.uD, 
2) Schitz p: 208. Renun p. 19. Alte Preufſ. Ehren. p 8% 
Chr. des HM. an Herzog Flotto v. Mafonien Gchht. LXXIX, 00 
zahlt ebenfals 300 gefangene Polen, darunter Scherlensli, Lucad 9 
"Sorte u. a, Ein Namensverzeichniß der nach Mariendurg gebrachten 
Poln. u. Boͤhmiſ. Gefangenen Schol. LXXXTI,. 105. 
2a) Aeneas Syloius 1. o. fügt: Pest eam eindem ren Polonia 
nutare apad Prutenos cepit, eo inciinantibus populis, quo beili Sortans 
denerkter, | 
3) Boigt Seſch. Marlenb. S. 4A21 — 422, wo mehre Stein 
darüber angefuͤhrt ſind. 


Bisderpewinn ines Theils des Bndeb. (1454.) 407 


Duo. Das ganze mod) übrige Belageriingäheer perfbscte fach 
zum heil ins Kulmerland, zum Theil ins Nieder⸗ und Hintere 
land. Der Hochmeiſter lie 08 verfelgen ; vierzig Wagen mis 


Haupthaus reichlich werforgt warb. ı Der Fabel der Befotung 
war unbeicreiblich, groß aber auch der Schaecken ımb die Eut⸗ 
mathigung, bie über das ganze Lamb gingen. Schen im den 
aßen Aagen ergaben fi) die Burgen Stube, wo Ramichel 
von Krixen, und Preuſſiſch⸗Mark, wo Benny von Berge, 
Bürgermeifter von Braumͤberg ald Hauptlente gelegen, Kein 
gleichen bie Staͤdte Saalfeld, Liebmühl und Bios uud Berg 
Dfietade wieberum dem Orden, alle freiwillig und unbedraͤngt. 9 
Vergebens beichloß Hans. van Baiſen mit feinen. zuei Brüdern, 
den Dherfin des Bundes und Landen und Städten zu Elling 
fo bald als möglic ind Feld zu ruͤcken; vergehens waren feine 
Befehle an die Hauptleute, amd ihren Gebieten Kriegoleute a 
fommein und binnen acht Zagen wit ber Maunfchaft bei Hufe 
bag * erſcheinen.“ Das ganze Gebiet von Qfterode ſil 
webe dem Orden zu. Zahlreich eilten bie: ehrbanen Lerchean 
Stadt, um ſie und die Burg unter Sander von Baiſen, 
fis zu ihrem Hauptmanne erkoren, für ben Orden zu ver⸗ 
theidigen. “ Bald kehrte auch der Komthur ˖van Oſterode ſuln 


1) Schr. des HAM. an Heinr. Reuß v. Plauen, d. Mar. am J. 
Metihäi 1464 Schbl. LIK. 50. Chr. des HM. an Den Herzog Blotlo 
v. Mofevien Schbl. LXXIX. 90, Detmar B. I. 168. 

2) Sr. des AM. am Hein. Beuß d. Plauen, 3. Dienfh ned 
Batıhäi 1454 Sit. LIX, 51. Ger. des HM. an die: Hofleuie 
Pecuſſ. Most d. Sonnt. nach Matthaͤl 1454 Gchbl. LXXIA. 180. 
Yarweort derfelben an den HM. ebendaf, 18, Scäisz pı 207. Russe 
p 19. Detmar D. M. 168. 

3) Schr. des Gubernators an den Berwefer.zu Prauik, Bart, d. 
Giting Genst. nach Matthaͤi 1454 Schbl. Voria 124. 

4) Schr. Sanders v. Baiſen an d. HM, d. Dferode. Most. ao 
Reuibi 1454 kl. Möslaasih, BR. 102. Gr. des Mahlenmeiſters 
v. Marienb. d. Pr. Marl Dienſt. nach Matthäͤi 145% GipbL, Vasia 133. 


BOB Wuadhetgewina ahues Thells des Landes. (1454.) 


wei vie Wing zuricck. In wenigen Tagen erklaͤrten ſich für 
ben Hochmeiſter auch Mewe, Burg und Stadt. Die Staͤdte 
LChriſtvarg, Beutfäy > Eilau, Neumark, Hohenſtein, Diriens 
werder · und Miefenburg, Biſchofswerder, Sreiftabt, Leflen und 
Me Burg Schönberg. Mittlerweile waren auch bie Soͤldner⸗ 
baufen aus Konitz herangezogen unb belagerten Dirfchau. Die 
Danziger übergeben es nach kurzem Widerfland.? Auch die 
Bifhöfe von Pomefanien und Samland fchloffen ſich dem 
Dibar wieber an. Erſterer behauptete nachmald : er habe dem 
Deden nie neigentlich entfagt, das Ordenskreuz zwar nit 
Öffentlich; - jedoch ſtets in feinem Gemache und feiner Kammer 
getragen. Der von Samland exfchien- felbft in Marienburg 
ar ſpenbete fein‘ Kirchengerdth . und Silbergeſchirr zur Bes 
zahlung ber Soͤldner.“) Vergebens fuchte Hand von Ballen 
ben von Pomefanien an bed Koͤniges Sache feftzuhalten. * 
Muh eine große Zahl von Ritten und ehrbaren Lauten, bie 
kur Meiſter entſagt, Tehrten zum Gehorſam zuruͤck. "Man 
fischte auch die: Däufer Bratheun, Soldau und Reidenbuch 
vahleer. zu gewinnen. Das Haus Strasburg, von feinem 
Mäntbur..noch. tapfer gegen den Feind vertheibigt, wies jede 
ufforlerang. bee Belagerer ohne weiteres ab.) Ueberall aber 
POCt HOLEN SE . 

DH Wogchiez1!e. Runas p. 19. Chr. des HM. an d. Deutſch⸗ 
BR. d. Donnerſt. nad Michael. 1454 Shhl. LXXIX. 1. 

2) Schr, des HM. an d. Deutfchmeift. a. a. O. Schätz p. 20% 
Bumauıl.c..: | 
01, IB Wh. des Biſch. Kaspar v. Bomefanien, d. Riefenburg Donserf. 
der 11,000. Jungft. 1456 Schbl. LXV. 33. Schiüsz p. 209 meint, 
Dat Oitbergeraͤth ſey dem: Biſch. v. Samland genommen worden; faumt 
olaubiich; er brachte es ohne Zweifel freiwilig. Warum wäre er fonf 
nad) Marienburg gekommen? Del. Gebſer Geſch. des Doms jr 
tonigab. B. I. 138838. 

4) Schr. des Gubernators an den Biſch. d. Pomeſanden, d. Elbing 
Dienfl.: nach Matthaͤi 1454 Schbl. LXV. 57. 

5) Schr. Shaders: v. Daifen, d. Oſterode Mittw. nad morpäl 
4454 Æchbl. LXXXEX. 43; 8— 

.. 6) Sei des Komchurs u. Strasburg, d. Gonnab. vor Mahl 

IH SAL ERIK, DUB, — u 


Wichergewinn eines Theils des Landes. (1454) 208 


ref man ben Meiſter um Beifland und Unterſtuͤtzung an, denn 


bier gebrach ed an Kriegsgeraͤth, Geſchuͤtz und Pulver, dort an 


Lebensmitteln imb andern Bebürfnifien, häufig auch an zuvers _ 


Mifiger Mannſchaft zur Behauptung ber Burgen ober Städte. !) 

Noch aber war bei weitem nicht alled gewonnen. Die 
großen Stäbte hatte dad Ungluͤck vor Konitz noch nicht gebeugt; 
fie. erließen eine Geſandtſchaft an ben König nach Neffau bei 
Thom, ihn zu troͤſten und zu bitten, er möge noch nicht ver 
sagen; bad Glück ſey im Kriege wandelbar; fie wollten bei 
ihm bis auf ben leuten Mann mit Leib, Gut und Blut bes 
harren.) Er lobte ihre Treue und zeigte ſich unerſchuͤttert. 
Er fand indeß doch zwecmaͤßig, die Ordensburgen Birgelau, 
Papa und Schoͤnſee, damit fie dem Feinde nicht in die Hände 
fisien, fobald als möglich niederreißen zu lafien und gab fofort 
dem Rathe von Thorn Dazu die nöthigen Befehle? : Auch 
manche Eleinere Städte mit ihren Burgen, wie- Pr. Holland, 
Diohrungen, Neivenburg, Solbau, Löbau u. a. hielt ber Feind 


noch befent und bie Hauptleute boten alles auf, durch Eine 


,ichung bes Lanbbewohner zur Vertheibigung. fie zu behaupten. 
Es gelang nicht überall ;. allein es fehlte Doch .auch ‘den eingels 
nen Gebietigern an den nöthigen Kriegskraͤften, um ben Feind 
mit Nachdruck anzugreifen? Die Burg Strasburg mußte 
ſich fogar den Zhomern ergeben; nur die Stadt blieb im deö 
Drdend Befitz. Im Lulmalande, namentlich von Loͤbau aus 
ward durch die Soͤldaerhaufen weit und breit gebranhfchagt 
und geplündert, weil e8 den Komthuren an zureichender Mann: 
fhaft gebrach, um den Feind i in ſeinen Burgen zuruͤckzuhalten. 5) 


1) Schr. des Muͤhlenmeiſters v. Marienb., d. Pr. Mark Mont. 
nach Matthaͤi 1454 Schbl. LXXV. 181. 

2) Schiitz p. 208. 

3) Schr, des Königes v. Polen an d. Rath v. Thorn, d. Neſſau 
Mittw. vor Michael. 1454 tm Rathsarch. zu Thorn Oiat. XVII. 11, 

4) Schr. des Komthurs v. Ifterode, d. am F. Cofmaͤ u Damiani 
1454 Schbl. LXXIX. 131. 47. LXXXV. 30. 

5) Schredes Komthurs v. Oferobe, de Domes nach Michael, 
1454 Schbi. LXXIX. 67. ne 


210 Amug der Chpmen mad Pevciffen. (1464.) 


Selbſt der Biſchof von Kulm trug noch Bedenken, der Auf 
forderung Sanders von Baifen und bed Keunhurs von Dfles 
rede, ſich dem Orden wieber anzuſchließen, ſofort Folge za 
leiſten, denm hier wie dort drohten ihm Gefahren durch Rarb 
und Brand; weshalb er auch Löbau dem Orden nicht ein 
räumen wollte.) Der Hochmeiſter gebot daher dem Deutſch⸗ 
meiſter, ſchleunigſt mehr Mannſchaft herbeizuführen; dann fep 
zu hoffen, daB alles gut enden werde, ® 

Es galt jet dem Hochmeiſter als Hauptaufgabe, bie für 
den Orden neuerweckte gimflige Stimmung noch mehe zu für 
den, Den ihm wieber zugewandten Städten verhieß er nick 
nur Gnade und Verzeihung wegen ihres Abfalled, fonban anf 
Schutz und Sicherheit fin Leben und Eigenthum.“ Die 
Sandeöritter, wie Sander von Beaifen u. a. und bie ehrbaren 
Leute des Landed ermunterte er dach Verſprechungen von de: 
lohnungen fir ihre Dienfie und bargebrachten Opfer. Am 
meiften bedurfte des Schutzes ber Biſchof von VPomeſanien, 
denn gegen ihn wandte fich, fobald fein LWebertritt zum Orden 
bekannt ward, die Rache ber Berbimibeten im Kulmerlande mb 
ſelbſt des Wuiges am naͤchſten. Won allen Seiten ber kamen 
ihm Drohungen von Worb und Raub in feinem ganzen 
Biſthum; täglich fpeengten bald hie und da Boͤhmiſche Sölmen 
haufen in fein Gebiet ein, um bie Drohungen in Ausfihnug 
zu bringen. Er bot dem Meifter fein. geſammtes Silbergeraͤth 
dar, um Schutz und Sicherheit gegen ben erbiitaten Seinb zu 


1) Sär. des Biſchofs Iohannes v. Kulm an Sander v. allen 
u. den Komthur v. Dfterode, d. Löbau am Abend Michael. 1458 
Gcqhbi. LU. 118, 119, | 

2) Schr. des HM. an d. Deutfchmeifter, d. Mar. Vonaerfl. sol 
Michael. 1454 Schbl. LXXIX. 1, 
. 5) Sehr. des HM. an die Städte Saalfeld u. hiebmabl d. Wittw 

vor Michael. 1454 u, Schutzſchreiben des HM. für die Stadt Mewe, 

d, Streit. vor Michael. 1454 SchbL LXXIX. 189, 124, 

4 Schr. des H. ah Gander v. ‚Baifen, D. m won TEN. 
1454 Gchbl, LXXIX. 84. | 


\ 


Ynyag der Glare mach Poeiffen. (1454) 411 


abhalten. D Mod) aber war es dieſem unmöglich, überall bie 
geminfchte Huͤlfe zu gewähren, denn Heinrich Reuß von Plauen, 
Sernhard von. Linnenberg und bie Kbrigen Soͤldnerfuͤhrer Tagen 
nit ihrer Streitmacht von funfzehntatrfend Mann noch jenſeits 
der Weichſel, den Zuzug des Grafen Johann von Pfannenberg 
ser Montfort mit ſechdtauſend Soͤldnern erwartend, um nach 
des Meiſters Wunſch weiter vorzuſchreiten. ) Dort ſchweiften 
ihre Faͤhnlein weit und breit umher, ſelbſt bis in die Nähe 
von Danzig. Der Hochmeifter erfehnte ihre Ankunft in 
Marienbirng mit jedem Zage, denn fhon im Anfange bes 
Drtobers warb für viele Städte, die fich dem Orden ergeben, 
Ye Gefahr Immer dringender. Im Oflerobifihen Gebiete er: 
Ken durch herumfchweifende Soͤldnerhaufen von drei⸗ dis vier⸗ 
hundert Mann -die Städte und das Laub durch Raub und 
Brand unermeßlichen Schaden. Gilgenburg und Soldau hats 
m ſich dem Feinde ſchon wieder ergeben muͤſſen. Liebmuͤhl 
ward von ben Mohrungern und Pr. Hollaͤndern belagert und 
eihemt. 0 - 

Die Solbner⸗Hauptleute bemubten aber bed 
Dedraͤngniß zu ſtarken Anforderimgen. Als ſolche flanden an 
ver Spitze Der angekommenen Soͤlbnerhaufen außer Heinrich 
Ruß von Plauen und Bernhard von Zinmenberg noch Gtaf 
Wolf von Gleichen, Graf Johann von Pfanmenberg ober Mont⸗ 
fat, Herr zu DEN Graf Hans von Hohenflein, Herr * 
Heldrungen, Veit von Schönberg, Her zu Glauchau, Bot 
von Weſſenberg, Konrad von Zettwitz, der Böhme Ulrich Czir⸗ 


1) Sr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. H. d. Rieſeuburg 
Freit. vor. Michael. u. am T. Michael. 1454 Schbl. LXV. 38, 
LXXIX. 76. 

2) Schr. Heinrichs Reuß v. Plauen an d. HM, d. im Heer in 
der Helde an der Dra Mont. vor Michael. 1454 Schbl. Varla 119, 

3) Schütz p. 209. Runau p. 19— 20, . 

4) Schr. des Komthurs v. Dfterode, d. Freit. Franciſck 1454 
GhbL LXXIX. 154. Schr. des Mahlenmeiſters ©. Marienb. d. Pr. 
Mart Mont, nach Srantiki 1454 Schbl, Varia 189. 


N 


212 Verſchreibung bes HM. an die Setdner. -(1454.) 


werke” mit vielen andern Böhmifchen Edelleuten, Georg von 
Schellendorf, Bernhard und Sigiöniund von Afpan, Martin 
Frodnacher, Frig von Naueneck, Andreas Gewalt, Volkel Röder, 
Kaspar von Noflig, Tam von Seidlig, Nicolaus von Warnb⸗ 
dorf, Georg, Magnus und Hans von Schlieben, Stanislaus 
oder Stenzel von Dohna aus dem Haufe Krafchen in Schlefien, 
Anshelm von Tettau, Nicolaus von Koͤkeritz, Thiele von The 
nen und eine große Zahl anderer. Der Hochmeifler, der fie 
vorerft. auf eine gewifle Zeit in Sold nahm :und ihnen die 
verlangten Schabebriefe audftellte, mußte verfprechen, ihneh ben 
Sold, den fie bereitö verdient.und noch verdienen würden DW 
auf Tünftige Faſtnacht nach Inhalt ihrer Solbbriefe zu ‚vola 
Genüge auszuzahlen, und wofern dieß nächt gefchehe, bei Er 
und Treue geloben,, ihnen Marienburg ‚ alle feine Schloͤſſer, 
Staͤdte, Lande und Leute, wie fie beißen möchten, in Preuſſen, 
in der Neumark oder wo ex fonft zu gebieten habe, zu über: 
antworten und abzutreten und ebenfo die Gefangenen, bie der 
Denen in den Burgen habe. Dabei aber hieß ed : 

mit ſolchen Schlöffern, Städten, Guͤtern, Landen und Leuten 
unb mit den Gefangenen ſollen die Herren Haupileute und 
ihre Geſellſchaft thun und laffen nad) ihrem Willen, bie wer 
Faufen, verpfänden ober an ihr Frommen und Beſtes wenden, 
ſich damit zu betheidingen ober wie fie das erdenken koͤnnen 


. and :mögen, woburd fie. ihres. Soldes und Schadens voll 


kommlich und ganz. nad) ihrem Willen -vergnüget und bezahlt 
‚werden, worein wir. und unfer Orden ihnen nichts veben, noch 
zu ewigen Zeiten ſie darum betbeidingen noch anlangen ſollen 
ober wollen.” Wuͤrden fie die eingeraͤumten Schloͤſſer, Stäbte 
und Bande höher veräußern, als ihr Gold und Schaden be 
Viefe, 16 follte der Ueberfchuß dem Orden zu gut kommen. 
Der Meifter mußte fich endlich auch verpflichten, ben Haupb 
leuten een Dont vor ber beflimmten Sn fund zu Kun 
1) In Urkunden auch oft Oi Cuinvenla von Becher 5 
2). Bol Bolgt Geld. von Marienb. ©. 428. Rodridt WR 
- „einigen Käufern des Geſchlechts v. Schlieben ©, 42 aro 32, 


Neuer Einfall des Koͤniges. (1434.) 413 


ob er ihnen die Zahlung leiften koͤnne, damit fie ſich damach 
zu vichten wüßten. — So lautete im Wefentlichen bie wichtige 
mb, wie wir fehen werben, fo unendliches Unheil bringende 
Berfchreibung, die der Hochmeifler am neunten October dieſes 
Jahres den Soͤldner⸗Hauptleuten ausſtellte und worauf fie ſich 
m einer Gegenverfchreibung zum Dienſt und Sehorfam gegen 
den Orden verpflichteten. ® 

Bereitd aber Tag um biefe Zeit der größte Theil dei 
Soͤldnerheeres in ber Umgegend von Marienburg. ? Konitz 
war vom Vogt von Schievelbein Band von Dobeneck ˖ befekt. 3) 
Auch. in Preufien konnten bie dem Orden wieber zugewandten 
Städte von den: Soͤldnern hinreichend bemannt werben. Man 
ſuchte auch die andern für den Orden zu gewinnen. So erließ 
der Drbenöfpittler eine Aufforderung an die Stabt Allenſtein / 
fid dem Orden wieder zuzumenden, ihr im Namen des Bi⸗ 
ſchofs Gnade und Schuß für ihr Eigenthum und ihre Preis 
keiten: verfprechend, aber zugleich: auch drohend, bei fernerem 
Zrop: und Widerſtand fie und ihre Dörfer mit Feuer und 
Schwert zu Grunde zu richten. ®-- Dem Hochmeifter indeß 
ſchien ed nothwendig, zuerft die näher liegenden abtrimnigen 
Städte zur Ergebung zu zwingen, um im herannahenden 
Winter die Sölbmer in: ihnen unterzubringen. Er ließ daher 
im Einverſtaͤndniß mit dem Ordensſpittler emen Theil der 
Bagenburg und des ſchweren Geſchuͤtzes vor Preuſſ. Holland, 
den andem vor Mohrungen anruͤcken, denn man.boffte durch 


+. 


1) Die Verfhrefbung des AM. d. Mar. am T. Dionnfli 1454 
(Abſhrift) Schol. LXXIX. 236; die Segenverfihrelbäng der Haupt⸗ 
leute, d. wie vor (Driginaf) Sant. XIII. 1. XIV. 23, gedrwet in:˖ 
Nechrichten vor einigen Haͤuſ. des Geſchlechts v. Schlichen Belt. Nro 32 
&. 42, Bel’ Voigt a. aD. ©. 499. 

2) Der Srof von Pfannenberg  überfehritt mit feinem Beiraufe 
die Weichfel erft ſpaͤterhin; Schbl. Varia 126, 

3) Schr. des Bogts v. Schievelbein, d. Konitz Gormt. vor Gar 
1454 Schbil. LXXIX. 2 

4) Schr. des Drdensfpittilers an die Stadt Allenftein, d. Oſterode 
om T. Galli 1454 im Archiv zu Frauenburg L. 74, 


414 Newer Einfall des Könige. (1454,) 


Beywingaug biefer Stäbte auch bald bie uͤbrigen im Nice: 
lande zum Gehorſam zu bringen, Allein. die Unternehmung 
gluͤckte nicht; ) die Stäbte hielten ſich tapfer und feſt. 

Da man aber auskundfchaftet, daß ber König wie 
wrächtig rüfle und ein neues Stretheer von 16,000 Reiten in 
Polen ſchon bereit firhe, ? fo eilte ber Meifter, fürchten, daß 
jener jetzt alle Kräfte aufbieten werbe, die Schmach vor Kerit 
zu roͤchen, neue Beihülfe aus Deutfchianb berbeinichen und 
fandte deöhalb au bie Herzoge Friederich und Milhelm von 
Sachen, an den Kurfürften Zrieberich von Brandenburg, ben 
Herzog Balthaſar von Sagan und ben Deutichmeifler, ak 
aufs Dringendſte um Huͤlfe bittend. ? Am meiſten erwartete 
er won bes Herankunſt eines ber Herzoge von Sachen und 
bed Herzogs von Sagan, benn diefer zumal galt ald einer ber 
tapferſten und weifeften Finften. ? Er hatte bereit dem Hoch⸗ 
meiſter auch zugefagt, daß ex gerne dem Orden zu Hülfe fon 
wen und feines Bruders, des Herzogs Rubolf Tod an den 
Pelen raͤchen wolle. Nur hinderte ihn großer Geldmangel, 
weshalb ber Deutſchmeiſter erſucht ward, ihm mo woͤglich das 
erforderliche Rüfgeld aufzubringen, 9 | 

In Heffuung auf diefe auswärtige Beipülfe, aber zuglah 
euch um dem Lande feine fortwährende Friedensliebe zu be 
kunden, fand es der Meifler mit dem Ordensſpittler fin rath⸗ 
fam, durch Bernhard von Bisuenberg cue vom che (wir 


1) Sr. des Orbensfplttlers, d. Ofterode am T. Such 1454 GAR 


2) 4 ——— d. Bticfenbung Seel de 
Simon u, Judaͤ 1454 Schbl. LXXL. 

3) Geobengbrief für den Mbgefandien Micelans n. Kalt, & 
Sonnt. vor Simon u. Judaͤ 1454 u, Schr. des HM, on den Kurfirt. 
© Brandenburg, d. Gonnt. nad) Simon u, Judä 1454 Geht, LAXIX. 
92. 199, 

A) Sie. des HM. an den Romthur v. Damis (damals ian 
Deutſchland), d. Zreit. vor Simon u, Iud& 1454 Gqdbi. LXXII. 0. 

5) Sche. des HM. an d. Deutſchmeiſter, d. Sonat, por Simor 


u Jubä 1454 Schu. DM. 111. 


Meer Einfal des Königs. (144) 416 


Ä 


| geinlich nur um Beit zu ſtaͤrkeret Nüfleng zu gewfimen) Ihe 


Yargebotene Vermittlung und Ausgleichung einzuleiten, D denn 
wied er ſolche ohne weitere zuruͤck, fo konnte dieß auf die 
Stimmung im Bande nur emen nachtheiligen ECindruck machen. V 
Indeß unterließ er doch nichts, um die am meiſten gefährdeten 
Staͤnte gegen feindliche Ueberfaͤlle fo viel als möglich ſicher zu 
Selen. Dem Grafen Johann von Pfannenberg wie er bie 
Bertheidigung ber Stadt und de Schloffed KRieſenburg am ?) 
wid fd andern Hauptleuten andere Städte. Allen es fehlte 
Merali bald an Lebensmitteln, bald an den nöthigen Kriegs⸗ 


Seoinfniffen, bald an binreichenber Beſatzung. Gelbft das 


SEE EEE — 


Hanpthaus Marienburg litt großen Mangel an Vertheibigungs⸗ 
mitteln, denn fein ſchweres Geſchuͤtz war in bie andern Staͤdte 
und Burgen “vertheilt und Pulver und Pfeile bei ber Belage⸗ 
mg verbraucht worden, fo baß ber Dieifter fogar den Weich! 
geben mußte, das Eifen aus den Fenſtern und wo man ed 
Mae, auszubrechen, um Pfeile Daraus ſchmieden zu laſſen. ® 
And es bewährte fich nur zu bald, wie nothwendig biefe 
und andere Maßregeln geweſen, denn ed kam die Nachricht, 
daß aus Polm ein fehr bedeutendes Kriegäheer tm Anzuge ſey. 
Webertieß gab ein aufgefangener Brief des Königed an einige 
finer Hauptlente auch deutlich kund, daß an eine frichikdke 
mit ihm gar nicht zu denken fen, beim ohne 
Eirwilligung der Stände Preuſſens, erklärte er, werbe und 
dinfe er Beinen Frieden fchließen.® Schon um Martini war 
ber größte Theil des Polnifchen Kriegsheeres, gegen 60,000 Dann 








3) Bär. des HM. an d. Kemthur v. Virnsberg, d. am T. Hed⸗ 
wige 1454 Schbl. LXXIX. 196, 

Z) Schr. des Ordensſpittiers, d. Preuff. Mark Dienf, nad Aller 
Seh, 1454 Bibi. LXXIX. 89. 

3) Schr. des Biſchofs v. Pomefanien, d. Mleſend. Miettw. vor 
Wer Beil. 1454 Shbl. LIXIX. X. 

4) Schr. des HM. an die Hauptleute auf Neumart, d. Dennen. 
ber Martini IA Shhl,. LXXIX. 20. 

5) Er. des Röniges v. Polen an Lucas v. Berla u. a, d. 
Thorna sahbeat. proxime post festuns Martini 1454 Gchbi. LEXIX, 80, 





4160 Dee Einfal des Königes. (1454.) 


ſtark, ) uͤber die Bruͤcke bei Shorn ins Kulmerland eingryegen 
Der Koͤnig lag zu Thorn, wohin, wie man vernahm, zwei 
Sendboten aus dem Niederlande gekommen waren, mit be 
Aufforderung, dee König miöge fo bald ald möglich ind Feld 
xücden ımb Die Orbenötruppen irgendwo zu einer Schlacht 
zwingen, denn während er biefe von borther bebrange, werde 
an, vom Niederlande ber ben Feind im Rüden anfallen, ? 
Die Streitkräfte ded Ordens waren fehr zerftreut. Em Thal 
bei Dirfchau liegend burchplünderte Die Gegend bis vor Das 
ig.” Georg von Schlieben hatte Oſterode beſetzt, lit -dert 
aber wegen ber im Gebiete vom Eilau alles verheerenden mul 
füchtigen Böhmen großen Mangel an Lebensmitteln. Der 
Pfleger von Lochſtaͤdt Graf Hand von Gleichen. Fand mit einem 
Heerbaufen in Marienwerder, um die um Garnfee liegenden 
Böhmen, die das Landvolk bortumher aufs fehrecklichfte quälen 
und ängfligten, fo viel ald möglich im Zaum zu halten. De 
größere Theil der Söldner hatte fich unter des Vogts von 
Soldau Befehl um Löbau gelagert, um dieſe Stabt zu ge 
winnen, benn von hier aus konnte man bem Königs bein 
weiten Einzige ind Land leicht in die Seite ober, in hen 
Rüden fallen. Allein bie Streitkräfte waren auch dert zu 
ſchwach; es fehlte auch an den nöthigen Kriegämitteln. Mangel 
an Lebensbebürfniffen bervog auch bald mehre von den Soͤldner⸗ 
haupileuten aus dem Lager hinwegzuziehen. 9 Der Dibenb 





1) Schütz p. 209 giebt allein 60,000 Reiſige an ohne Kuya 
und Trabanten; Runau p. 20. 

2) Schr. des Grafen Adolf v. Gleichen, d. Rieſenb. Sonnt. nad 
Martini 14545 Schr. des Pflegers v. Lochſtaͤdt, di Darienmerber Ind 
vor Martini 1454 Schbl. LXXIX, 36. 215, 

3) Schitz p. 209. Runau pn. 20. 

4) Schr. Georgs v. * d. Oſterode Freit. nach Martini 
3454 Schbl. XLVI, 20. 

5) Schr. des Pflegers v. Lochftädt, d. Marienwerder Sonnab. Dar 
Martini 1454 SEchbl. LXXIX. 173, 

6) Schr. des Vogts v. Goldau, d. im Heere vor Lobar em — 
Martini u. Freit. nach Martini 1454; Schr. dei Ordensfpittlme, d. 
Preuſſ. Mast, Frelt. vor Eliſabeth 1456 Gchbi. XXIX. 134. 71. 


Rene Einfall des Rönige. (1454) 417 


fütler bot zwar alles auf, die Mannſchaſt vor Löbau fo eilig 
«is möglich zu verſtaͤrken. Allein man fand bald, daß bie 
Stadt nur an einem einzigen Punkte zu erflinmen fey, wozu 
es an dem nöthigen Geſchuͤtz fehlte. Auch burfte man bie 
Staͤdte Pomefaniend, namentlich Rieſenburg, wo Graf Johann 
von Pfannenberg befehligte, nicht zu fehr entblößen, ba fie 
ohnedieß nicht eben ſtark beſetzt waren. ? 

Der König lag lange faumig. bei Thorn und Kulmfee. 
Er ſchien wenig Vertrauen zu feinem eigenen Kriegsvolke zu 
haben. Um ed zu ermuthigen, gab er vor, ber Hochmeiſter 
werde ed gar nicht wagen, fich gegen ihn ind Feld zu fiellen. 2 
Diefer indeß und der Orbensfpittler hatten allerdings ben Plan, 
die Hauptleute und Rottmeiſter aus den verfchiedenen Schloͤſ⸗ 
ſern und Städten m der Gegend von Rieſenburg zuſammen⸗ 
ziehen und bann dem Könige bad Schwert zu bieten. Da⸗ 
mit ſtimmten auch viele der angefehenften Hauptleute überein. ® 
Allen ed traten der Ausführımg dieſes Planed außerordentliche 
Schwierigkeiten entgegen. Eine Anzahl von Hofleuten und 
Rottmeiftern erklärten dem Hochmeiſter fogleih: fie könnten 
am Kampfe nicht Theil nehmen; es fey zu bebenklidh, die 
Burgen zu verlaflen und ind Feld zu rücken; ber König Fünne 
licht eine Stellung gewinnen, bei der es nicht möglich feyn 
werde, die Burgen wieder zu befehen. Der Ordensſpittler 
mußte mit ben Hauptleuten einen Kriegsrath halten, um einen 
angemeſſenen Kriegöplan zu entwerfen; allein obgleich ex 


3) Gchr. des Pflegers v. Lochſtaͤdt, d. im Heere vor Löbau 
Gennab, vor Eliſab. 1454 Schbl. Adelsgeſch. N. 24. Schr. des Grafen 
Johann v. Montfort, d. Rieſenb. Freit. vor Elifab, 1454 Schbl.